Kapitel XXIV
Vader funkelte alle Arbeiter wütend an, und sie versuchten, seinem Blick auszuweichen, während sie die Laderampe hoch und runter kraxelten und die Ausrüstung für die Reise nach Vjun auf das Schiff brachten.
„Admiral", fauchte er Piett an.
Piett schluckte, gab aber sein Bestes, unbeteiligt auszusehen, trotz der Bombe, die erst vor wenigen Minuten geplatzt war. „Ja, Mylord?"
„Überwachen Sie die restlichen Vorbereitungen. Ich will morgen früh um 0800 von hier verschwinden."
Mit diesem letzten Befehl rauschte Vader aus der Landebucht und ließ seine schockierten Angestellten zurück.
Sehr zu Leias Überraschung störte sie in dieser Nacht niemand. Nachdem der Schock verflogen war, und sie begriffen hatte, dass auch sie Vaders Kind war, hatte sie abwechselnd geweint und gegrübelt. Aber niemand, nicht einmal Luke oder eines der Dienstmädchen, hatte den Raum betreten.
Sie weinte sich in einen unruhigen Schlaf und war ein einziges Mal froh über die dunkle Einrichtung des Zimmers, die die Realität vor ihr verbarg.
Vader saß regungslos wie ein Stein in seiner hyperbarischen Kammer und suchte in der Macht nach der Wahrheit in 3POs Worten, obwohl sein Bauchgefühl ihm schon gesagt hatte, dass der Droide nicht gelogen hatte.
Sie sieht genauso aus wie... Wie konnte mir das entgehen? Ich dachte, ich wäre klüger.
Er drehte sich um und schmetterte seine künstliche rechte Hand gegen die Wand, wo er ein Loch in dem Metall hinterließ, und einige der Mechanismen, die sich an seinem Handrücken befanden, zerdepperte. Er knurrte zornig – er war nicht nur wütend wegen der empfindlichen mechanischen Systeme –, und machte sich daran, seine Hand zu reparieren.
Piett hoffte ernsthaft, dass Vader für längere Zeit nicht in die Landebucht zurückkehren würde. Bei der Laune, die der Sith-Lord gerade hatte, würden einige Leute die Nacht nicht überleben, wenn er es tat.
„Admiral?", fragte einer der Arbeiter ihn leise.
„Ja?"
„Stimmt es wirklich?", fragte der Mann begierig. „Ist Prinzessin Organa wirklich..."
„Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, dann vergessen Sie, dass Sie das gehört haben", riet Piett ihm streng.
„Aber wenn sie Lord Vaders Tochter ist, dann müssen wir mit ihr umgehen wie..."
„Sie müssen respektvoll mit ihr umgehen", unterbrach Piett ihn ernst. „Und Sie sollten sie bereits jetzt mit Respekt behandeln. Machen Sie das weiterhin, bis Sie andere Instruktionen von Lord Vader bekommen. Bis er es bestätigt, ist das hier nur ein weiteres Gerücht, und muss ebenso ignoriert werden wie alle anderen."
„Ja, Admiral", sagte der Arbeiter respektvoll, ging an seine Arbeit zurück und erzählte seinen Kollegen, was Piett ihm gesagt hatte.
Piett selbst seufzte innerlich. Er hoffte, dass dieses Durcheinander bald geklärt sein würde.
Aber mal ehrlich... Lord Vader hatte Zwillinge! Wie abgefahren war das denn?
Luke schlich sich lautlos an Leias Tür und lauschte angestrengt auf ein Geräusch, das durch die Tür kommen könnte. Er war dieser Unterhaltung seit Stunden ausgewichen, aber Macht, sie war seine Freundin! Und seine Schwester! Er konnte sie das alles nicht alleine durchmachen lassen!
Er zögerte, seine Hände schwebten über den Türkontrollen. Andererseits... sie war wütend. Auch mit seinem unvollständigen Training in der Macht konnte er ihren Zorn auf Vader und auf die Macht, weil Vader ihr Vater war, spüren. Und wenn sie in dieser Stimmung war, das wusste Luke aus Erfahrung, dann war es das Beste, wenn man sie das mit sich selber regeln ließ.
Er warf einen weiteren sehnsüchtigen Blick auf die Tür, dann ging er weg, auf sein Zimmer zu. Er hatte eine Schwester! Der Gedanke war immer noch neu, aber er gefiel ihm wirklich. Auch wenn Vader ihrer beider Vater war.
Han Solo hatte das Gefühl, dass man ihn vernachlässigte. Mit all dem Aufruhr wegen Luke und jetzt auch wegen Leia – und wie krass war denn bitteschön diese kleine Enthüllung? – war er nicht mal vermisst worden, als er die neuen Rekruten auf die Executor begleitet hatte, und er war auch nicht begrüßt worden, als er zurückkehrte. Nicht mal von einem Fluglotsen.
Er dachte darüber nach, dass Leia Vaders Kind war. Das war wirklich nicht allzu weit hergeholt. Beide hatten ein teuflisches Temperament und sie hatten beide eine ähnliche Art, zu kämpfen. Zugegeben, die Prinzessin war weniger skrupellos, aber der Grundsatz war immer noch der gleiche.
Und sie war nur nett zu den Leuten, die sie mochte – die Macht mochte denen helfen, die sie nicht leiden konnte. Sie war eine ausgezeichnete Anführerin, die wusste, was sie tat – sie hatte dieses selbstbewusste und absolut entschlossene Auftreten. Und wenn sie sauer war, traute er sich nicht in ihre Nähe.
Wie bei Vader. Es war ziemlich beängstigend.
Er musste Chewie anrufen. Es war Zeit, zu tratschen.
„Ich weiß wirklich nicht, was der ganze Aufruhr soll, R2", beharrte 3PO, als die beiden Droiden in einen Laderaum des Shuttles geschoben wurden. „Ich habe nur die Wahrheit gesagt. Menschen mögen die Wahrheit."
R2 gab einen wütenden Pfiff von sich.
„Ich weiß viel mehr über menschliches Verhalten als du, du rostiger, anmaßender Mechaniker", gab 3PO hitzig zurück.
R2 machte ein unfreundliches Geräusch.
„Na schön, ihr zwei, haltet die Klappe", befahl ein Arbeiter. Er sah über die Schulter. „Hiche, schalt die zwei Droiden für die Reise hoch zur Lady Ex lieber ab. Ich glaub nicht, dass Lord Vader in der Stimmung ist, sich ihr Geschnatter anzuhören."
„Oh du liebes Bisschen", murmelte 3PO ängstlich.
R2 ignorierte sie einfach allesamt.
Jix lehnte sich auf seinem Bett zurück, wobei er ein einfältiges Grinsen auf dem Gesicht hatte. Das war fantastisch gewesen. Auch wenn Vader tobte.
Er konnte es immer noch nicht glauben. Die Kleine war Vaders Mädchen. Wer hätte das gedacht?
Vader schlich sich in die Krankenstation, nur ein weiterer Schatten in dem düsteren Anwesen.
„Polor", zischte er in die Dunkelheit.
Ein mattes Licht flackerte im Zimmer des Arztes auf, dann trat der Mann heraus. Er trug nur einen Laborkitten über seiner Pyjamahose und kein Shirt.
„Mylord?", erwiderte er mit vom Schlaf undeutlicher Stimme.
Vader seufzte. „Ich habe eine Wand geschlagen", gab er widerwillig zu.
Polor blinzelte ein paar Mal – irgendwie schien ihn das zu vollem Bewusstsein zu bringen.
„Und Sie haben Ihre Hand zu sehr beschädigt, um sie selber zu reparieren."
„Wenn man bedenkt, dass ich nur eine weitere Hand habe..." Vader starrte frustriert auf seine übel zugerichtete Hand. „Ich hab versucht, zu improvisieren, aber..."
„Setzen Sie sich", befahl Polor munter.
Polor zog einen Stuhl und einen Tisch mit kleinen Werkzeugen heran. Er half Vader aus dem Anzug heraus – Vader wusste, dass er ohne ihn hätte kommen sollen, aber selbst wenn die Chancen, dass er jemandem begegnete, auch noch so gering waren, wollte er nicht ohne die Maske zwischen sich und den anderen erwischt werden. Er war nicht ganz auf dem Damm. Das konnte er jetzt nicht.
Sie entfernten den Anzug bis zur Taille, dass nicht nur sein beschädigter Arm befreit war, sondern Vader sich auf wohl fühlte. Vader war dankbar, dass Polor bei solchen Sachen so rücksichtsvoll war. Er verbrachte genug Zeit damit, sich unwohl zu fühlen.
Eine Sauerstoffmaske und ein Sauerstoffbehälter standen neben dem Stuhl, aber Vader ignorierte sie. Er würde sie nicht benutzen, ehe er keine andere Wahl mehr hatte.
Als Polor sich über seinen Arm beugte, sah Vader sich im Zimmer um. Drei Ampullen voller Blut fielen ihm ins Auge.
„Das ist es, was Sie und Jix hier drin gemacht haben, nicht wahr?", fragte er.
Polor sah für einen Augenblick hoch, dann wandte er sich wieder an seine Aufgabe.
„Was?"
„Einen Bluttest. Um zu beweisen, dass Leia wirklich meine Tochter ist. Und Lukes Schwester."
Polor sah wieder auf, als er nach einem kleinen Werkzeug griff.
„Ja."
Vader sah zur Tür hinüber. Er dachte, er hätte gehört, wie...
„Ähm... Entschuldigung? Doktor?"
Luke.
Polor warf Vader einen Blick zu. Vader schüttelte den Kopf und schaffte es sogar, die Bewegung nicht panisch wirken zu lassen. Keine Chance, dass Luke ihn so sah. Völlig egal, dass Leia das bereits hatte – das war zufällig passiert, und sie hatte auch nicht gewusst, wer er war. Luke würde das wissen, und Vader war darauf nicht vorbereitet. Es würde nicht geschehen.
Polor ging zur Tür, öffnete sie aber nur einen Spalt breit.
„Ja?"
„Kann ich reinkommen?", fragte Luke.
Vader stöhnte im Geiste.
Polor zögerte, ließ ihn aber rein. Bemüht, Lukes Aufmerksamkeit von seinem Vater abzuwenden, führte er den Jungen zum Reden in ein zweites Behandlungszimmer.
„Haben Sie den Bluttest gemacht?", hörte Vader Luke fragen.
„Ja", antwortete Polor ruhig. „Er hat gezeigt, dass Sie ihr Bruder sind und dass Lord Vader ihr Vater ist."
Es entstand eine Pause. Vader wurde unruhig. Er betrachtete seine Hand und die Arbeit, die Polor bereits vollbracht hatte. Es sollte nicht mehr lange dauern, es zu beenden. Vielleicht konnte er es selbst machen...
Plötzlich wurde ihm schwindelig.
... aber nicht, wenn er nicht atmen konnte.
„Okay. Danke. Ich wollte nur sicher gehen."
Widerstrebend griff Vader nach der Sauerstoffmaske. Er drückte sie sich auf Mund und Nase, ohne das Band zu beachten. Er konnte sie festhalten. Dann nahm er einen tiefen Atemzug und das Gas zischte in die Maske.
Und zwar ziemlich laut. Warum war ihm nie aufgefallen, wie laut diese Dinger waren? Sie waren schlimmer als der Anzug.
„Was war das?", fragte Luke.
Vader erstarrte. Oh Scheiße... nein, nein, nein!
„Das ist nicht Ihre Angelegenheit", erwiderte Polor kühl.
Vader seufzte erleichtert.
„Das klingt, als wäre jemand an einer Sauerstoffmaske", sagte Luke neugierig, und Vader hörte, wie er sich bewegte.
Oh nein...
Luke hielt abrupt inne, als hätte Polor seinen Arm festgehalten.
„Das hier ist eine Krankenstation", informierte der Arzt den Jungen. „Kein Zirkus. Meine Patienten sind keine Attraktionen – eigentlich ist ihre Privatsphäre sogar von größter Wichtigkeit. Wenn das jetzt alles ist...", sagte er demonstrativ.
„Jaah", Luke klang ernüchtert, als hätte er wirklich nach dem Kranken sehen, ihm vielleicht sogar Trost spenden wollen. „Jaah, das ist alles. Danke, Doktor."
Als Polor wiederkam, lächelte Vader leicht. „Danke", sagte er leise.
„Kein Problem", erwiderte Polor leichthin und fuhr mit der Arbeit an Vaders Hand fort.
„Jade", grüßte Vader am nächsten Morgen die finster dreinblickende Hand des Imperators.
„Lord Vader", knirschte sie als Antwort.
Oh, das Kind denkt also, sie hätte was Besseres zu tun.
„Die Treppe hoch, auf der rechten Seite die dritte Tür links. Die Prinzessin schläft noch, gehen Sie sie wecken."
Maras Blick hätte töten können, aber sie traute sich nicht, die Macht gegen Vader einzusetzen. Wie Vader wusste, hatte sie auch den Befehl vom Imperator, alle Anordnungen Vaders zu befolgen – sofern sie nachvollziehbar waren –, und da das hier nicht unter nicht nachvollziehbar fiel, machte sie sich auf den Weg zur Treppe.
Vader wandte seine Aufmerksamkeit zu Solo und Luke, die die Landebucht betraten. Luke warf Mara einen neugierigen Blick hinterher, als sie durch die Tür glitt, durch die er hereinkam. Durch die Macht spürte Vader, dass das Interesse seines Sohnes geweckt war. Der Junge sah schnell zu Boden, dann warf er einen schüchternen Blick über die Schulter auf Maras kleiner werdende Gestalt. Vader verengte die Augen.
Hm! Das ist interessant.
Leia war wach, aber sie lag noch im Bett und starrte zur offenen Balkontür hinaus.
Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass die Ereignisse der letzten Nacht wirklich stattgefunden hatten. Sie fühlte sich von all dem so losgelöst, als würde das jemand Anderem passieren und sie würde es nur durch die Augen dieser Person sehen.
Sie musste stark sein, für Luke, sagte sie sich selbst. Stark für... ihren Bruder.
Der Gedanke, mit Luke verwandt zu sein, fühlte sich gut an. Das war nicht das Problem.
Das Problem trug einen schwarzen Anzug und schwang ein blutrotes Lichtschwert.
Das Problem hatte sie gefoltert und untätig daneben gestanden, als ihr Heimatplanet und jeder, den sie als Familienmitglied bezeichnet hatte, in die Luft gejagt worden war.
Das Problem war ihr Vater.
NEIN!, schrie ihr Geist. Bail Organa war ihr Vater gewesen, nicht dieser... dieser...
Ihr Gedanke wurde unterbrochen, als ein Strahl magentafarbenen Plasmas aus ihrer Tür kam und diese aufschnitt. Leia setzte sich schockiert auf.
Das Lichtschwert verschwand, und die Tür wurde mit einem mordsmäßigen Krach eingetreten, von einem jungen Ding von Mädchen, das nicht viel größer oder kräftiger als Leia selbst war und schimmerndes rotes Haar und funkelnde grüne Augen hatte.
„Also schön, Prinzessin", fauchte sie respektlos. „Zeit, zu gehen. Sie halten den ganzen Zirkus auf."
Leia warf ihr einen wütenden Blick zu. „Ich gehe nirgendwohin."
Die grünen Augen verengten sich. „Muss ich erst Vader holen?"
Leia antwortete nicht, und sie starrten einander an, ein stummer Kampf zwischen ihnen, bis Luke und Solo nach ihnen sahen.
„Äh, wir müssen gehen...", fing Luke an.
„Ich gehe nicht mit", erwiderte Leia.
Luke riss die Augen auf. „Ähm..."
Solo seufzte laut, marschierte zum Bett und hob Leia hoch, dann warf er sie sich über die Schulter. Sie war so schockiert, dass sie für einen Augenblick still hielt, dann fing sie an, zu kämpfen, als ginge es um ihr Leben. Solo hatte sie allerdings zu gut im Griff und trug sie im Schlafanzug den ganzen Weg runter zur Landebucht, während Luke und der Rotschopf ihnen folgten. Vader sah sie schräg an, als Solo die Laderampe hinauf stiefelte, sagte aber nichts dazu.
Han lud sie auf einem Stuhl ab und stand neben ihr Wache, bis sich alle an Bord befanden und sie auf dem Weg zur Executor waren. Die Reise nach Bast Castle hatte begonnen.
