25. Dezember
„Gib doch zu Grandma, das war alles geschwindelt", sagte das kleine Mädchen herausfordernd.
Die alte Dame lächelte ihre Enkelin liebevoll an. Die roten Haare hatte sie eindeutig von ihr geerbt, während die zarten Stirnwülste darauf hinwiesen, dass in der Ahnenreihe der Kleinen wohl auch etliche Klingonen zu finden waren und das Temperament sich wahrscheinlich auf beide Seiten zurückführen ließ.
„Ich bin ein Admiral der Sternenflotte", sagte sie streng. „Und ein Admiral der Sternenflotte schwindelt nicht, Alex."
Das Mädchen legte ihre Stirn in Denkerfalten.
„Aber es gibt keine Geister!"
„Tatsächlich? Wenn du das sagst…"
„Das sagen alle!"
„Dann muss es wohl stimmen", sagte die alte Dame ernst. „Jedenfalls haben sich die wichtigsten Ereignisse in meinem Leben immer an Weihnachten zugetragen. An diesem besonderen Weihnachtsfest sind dein Grandpa und ich zusammengekommen."
„Und seit dem hast du Weihnachten immer deinen Rosen-Kamm im Haar", ergänzte Alex und verging sich dabei an der großmütterlichen Frisur.
„Ganz genau", stimmte diese zu. „Ein Jahr später haben wir Weihnachten schon im Alpha-Quadranten gefeiert und dabei haben dein Grandpa und ich uns dann verlobt und wieder ein Jahr später an Weihnachten ist deine Mama auf die Welt gekommen – und das war vielleicht das größte Wunder von allen."
„Ich glaube eher, das größte Wunder von allen wäre, wenn wir den heutigen Abend überleben", lachte die junge Frau in der Uniform eines Lieutenant Commanders, die eben mit zwei Winterjacken in der Hand das Wohnzimmer betreten hatte. „Komm Alex, Grandpa Tom und Grandma B'Elanna warten schon seit über 20 Minuten an der Schlittschuhbahn auf uns und du weißt doch, wie wenig Grandma B'Elanna die Kälte mag."
„Oh, ist es schon so spät?" Die alte Dame warf einen Blick auf die Uhr. „Du hättest etwas sagen sollen."
„Und dich in deiner Geschichte unterbrechen? Dazu höre ich selbst sie viel zu gerne. Bis heute Abend, Ma!"
„Bis heute Abend, ihr zwei!"
Schmunzelnd beobachtete die alte Dame, wie ihre Tochter und Enkeltochter sich hastig auf den Weg machten. Plötzlich wurde sie von hinten umfangen.
„Ich höre die Geschichte auch immer gerne", murmelte es in ihr Ohr. „Obwohl du mir verboten hast, Jean-Luc zu fragen, ob er sich an irgendetwas erinnert."
Die alte Dame wandte ihr Gesicht nach oben.
„Und warum magst du die Geschichte?", fragte sie neckend.
„Weil sie so endet, wie jede gute Geschichte enden sollte: Mit einem Happy End, einem Kuss, mehreren Hochzeiten und sie lebten alle glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage."
„Ein Kuss? In dieser Geschichte kam kein Kuss vor", lächelte die alte Dame.
„Tatsächlich? Dann sollten wir das unbedingt nachholen!"
Nach einer Weile löste sich das alte Ehepaar langsam voneinander. Hand in Hand gingen die beiden nach nebenan ins Wohnzimmer und begannen den Baum zu schmücken, mit roten und goldenen Kugeln, Strohsternen und echten Kerzen – wie es bei Janeways immer schon Tradition gewesen war.
AN: So nun war es das wirklich endlich und endgültig. Ich bedanke mich bei allen, die mir und meiner kleinen Geschichte durch die Advents- und Weihnachtszeit gefolgt sind und hoffe, ich konnte sie euch ein wenig versüßen. Besonders lieben Dank natürlich an alle Reviewer!
Eine Bitte hätte ich an die Nicht-Reviewer (ich weiß, dass es euch gibt): Wenn ihr es bis hierher geschafft hat, dann hat euch die Geschichte doch ein kleines bisschen gefallen. Bitte lasst mich wissen, dass ihr sie gelesen habt! (Zählt auch immer noch als gute Tat und sollte zumindest Bonuspunkte beim Osterhasen bringen!)
Ähmm wirklich und endgültig? Eine Frage ist ja noch offen: Erinnert Picard sich? Die Antwort findet ihr in meiner kleinen Geschichte „Nightmare before Christmas".
