Bellas Sicht:
Ich wusste, dass mir nur noch wenige Minuten blieben. Doch ich verspürte keine Angst. Ich war froh, dass meine Eltern wieder zusammen waren. Damit hatte sich mein Kindheitstraum endlich erfüllt.
Ich wusste zwar, dass mein Ende nahte, aber dennoch wollte ich nicht fliehen.
Wieso auch?
Meine Existenz hätte keinen Sinn mehr gehabt. Ich wäre erneut ein Zombie gewesen. Und das wollte ich nicht. Schon gar nicht für immer.
Eine Ewigkeit ohne Edward funktionierte einfach nicht. Ohne ihn zu existieren war keine Alternative.
Nein, es war gut, dass es bald vorbei sein würde.
Trotz des ganzen Schmerzes, den ich seinetwegen immer wieder durchgemacht hatte, war das einzige Gefühl, dass ich für ihn haben konnte und auch wollte, bedingungslose Liebe.
Ich hatte ihn immer geliebt, ich liebte ihn immer noch und selbst nach meinem Ende würde ich das noch tun.
Auf eine gewisse kranke Weise freute ich mich für Tanya und ihn.
Er liebte sie und sie liebte ihn. Er würde glücklich sein. Ohne mich Störenfried.
Ich dachte über mein gesamtes Leben nach, während Laurent mich nach Draußen führte, wo ich das letzte Mal das Tageslicht erblicken würde.
Meine Gedanken waren bei meinen Eltern, die ich über Alles liebte.
Meine verrückte Mom, die noch meilenweit davon entfernt war erwachsen zu sein. Doch dieses kindliche Gemüt liebte ich an ihr.
Meinen beschützerischen Vater Charlie, der solche Schwierigkeiten damit hatte Gefühle zu zeigen. Er war immer für mich da gewesen.
Doch ich ließ auch alle gemeinsamen Momente mit Edward noch einmal Revue passieren.
Die Zeit mit ihm war die schönste meines Lebens gewesen und ich war unendlich froh und dankbar, dass diese mir vergönnt gewesen war.
Wir waren nun an der Haustür angekommen und als wir hinaustraten, sah ich wie wir im Sonnenlicht glitzerten und die Prismen sich auf dem Rasen wiederspiegelten.
Sofort erfasste mich die Erinnerung an damals, als Edward und ich zusammen auf der Lichtung gewesen waren und er mir gezeigt hatte, was mit ihm in der Sonne passierte. Das war der Moment gewesen, an dem mir bewusst geworden war, dass ich niemals gut genug für ihn sein würde.
Ich hielt mein Gesicht genießerisch in die Sonne und wusste, dass dies das letzte Mal sein würde, dass ich das tun konnte.
Grob wurde ich von Laurent weitergezogen.
Er wollte es wahrscheinlich so schnell wie möglich hinter sich bringen.
Ich löste mich von dem wohligen Gefühl der Sonne auf meiner eiskalten Haut und ging bereitwillig weiter.
Er führte mich auf die Lichtung, die sich direkt vor dem Haus befand.
Dorthin, wo sie mich gefangen genommen hatten.
Victoria und Tanya standen schon mit ihren hämischen Grinsen auf der Wiese und warteten ungeduldig auf uns.
Laurent führte mich immer weiter, bis ich ganz nah vor ihnen stand.
Während Laurent sich direkt hinter mich stellte und meine Hände aus Angst, dass ich fliehen würde, mit eisernem Griff festhielt, schritten die beiden Frauen auf uns zu.
"Schön das du gekommen bist, Bella.", flötete Tanya, als hätte ich eine Wahl gehabt.
"Ja, schade nur, dass wir deine Gesellschaft nicht mehr lange genießen können.", meinte dann Victoria und schon hatte ich die erste Faust im Gesicht.
Mein Kopf wurde von der Wucht des Aufpralls auf die Seite geschleudert.
Anscheinend hatten sie sich die letzten Tage mit ihren Schlägen zurückgehalten, denn diese waren lange nicht so fest gewesen.
Sie wollten mich bestimmt noch eine Weile quälen ehe sie es zu Ende brachten.
Aber was hatte ich auch Anderes erwartet?
Sie waren einfach von Grund auf böse.
Victoria raffiniert und böse und Tanya strohdumm und böse.
Zwei sehr gefährliche Mischungen.
Laurent ließ mich los, als sie mich traten und ich kraftlos auf den Boden fiel.
Das Geräusch von brechendem Stein hallte erneut durch den Wald und die Schmerzen wren fast so schlimm, wie die meiner Verwandlung es gewesen waren.
Selbst wenn ich mich hätte wehren wollen, wäre ich nicht in der Lage dazu gewesen.
Doch selbst jetzt, als ich mich kaum noch bewegen konnte und schmerzerfülltes Wimmern aus meinem Mund drang, ließen sie nicht von mir ab.
Wahrscheinlich war das ihr Plan, damit ich unter keinen Umständen fliehen konnte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hörten sie dann aber doch auf.
"Ich denke wir haben jetzt genug Spaß mit ihr gehabt. Bringen wir es zu Ende."; meinte Victoria und verschwand.
"Siehst du? Er ist nicht gekommen, um dich zu retten. Er hat nicht einmal nach dir gesucht. Er liebt dich nicht.", sagte Tanya höhnisch und trat mir ein letztes Mal mit ganzer Kraft auf meinen Brustkorb.
Die Schmerzen waren mittlerweile so stark, dass ich angefangen hatte zu schluchzen.
"Armes kleines, dummes Mädchen. Bald wird es vorbei sein."; lachte Victoria bösartig, als sie mit zwei brennenden Fackeln wieder auftauchte.
Plötzlich erinnerte ich mich wieder daran, dass Edward mir gesagt hatte, dass der einzige Weg Vampire zu vernichten das Feuer wäre.
Das war es also, was jetzt auf mich zukam. Sie würden mich bei lebendigem Leibe verbrennen.
Nun kam mein Selbsterhaltungstrieb wieder und ich versuchte mich aufzurichten, damit ich fliehen könnte.
Doch ich schaffte es nicht mich zu bewegen. Überall waren nur Schmerzen. Es fühlte sich an, als wären sämtliche Knochen meines Körpers gebrochen.
Meine Peiniger lachten schallend.
Dann spürte ich wie etwas Heißes auf mich fiel und sich auf mir ausbreitete.
Feuer.
Überall waren Flammen.
Die Schmerzen wurden noch stärker.
Es war unerträglich.
Um ein vielfaches schlimmer als bei einer Verwandlung.
Ein beißender Geruch breitete aus und ich spürte, wie ich verbrannte.
Das war mein Ende. Niemand war hier, um mich zu retten.
Ich schrie mir ganzer Kraft, als die Schmerzen noch stärker wurden.
Ich wollte einfach nur, dass es aufhörte. Dass es vorbei war.
Doch mein Wunsch wurde nicht erhört.
Sämtliche Kraft wich aus meinem Körper und ich spürte nur noch die Schmerzen.
Ich war noch nichtmal mehr in der Lage zu schreien.
Doch plötzlich hörte ich wütendes Knurren. Es schien von mehreren Personen zu stammen.
Dann drangen Geräusche von aufeinanderprallendem Stein zu mir hindurch.
Doch das Alles war nicht mehr wichtig für mich, als ich erneut die Flammen spürte.
Ein Wimmern drang aus meinem Mund. Zu mehr war ich nicht in der Lage.
Ich hörte ein lautes, wütendes Knurren, was mir sehr bekannt vorkam.
Aber ich wusste nicht, wo ich es schon mal gehört hatte.
Plötzlich schlossen sich blitzschnell Arme um mich und ich wurde hochgehoben.
Anscheinend wollte mich jemand retten, indem er mich aus den Flammen holte.
Wusste derjenige denn nicht, dass es vergebens war?
Ich wurde abgelegt und plötzlich spürte ich, wie etwas Nasses auf mich geschüttet wurde.
Wasser?
Dann spürte ich wie jemand etwas sanft auf mich schlug. Fast als würde er versuchen das Feuer zu löschen.
Ich fühlte, dass das Feuer aus sein musste, doch die Schmerzen waren immer noch da. Genauso wie die Kampfgeräusche.
Doch dann drang ein anderer Ton an mein Ohr.
Es klang wie ein Schluchzen.
"Bella. Bella, bitte verlass mich nicht! Bleib bei mir! Es tut mir so Leid.", sagte eine samtweiche Stimme, die mir nur allzu bekannt war.
Die Schmerzen waren einer Art Taubheit gewichen und nur ein einziger Name schwirrte darin umher.
Edward
Doch diesmal war er zu spät gekommen.
'Ich liebe dich', war mein letzter Gedanke, bevor Alles um mich herum schwarz wurde.
Hallo, Leute! Ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen.
Bitte reviewt!
