18. Kapitel: Der Duellierclub – Teil 2


Harry stand mit guter Laune auf, was sehr selten der Fall war. Zumindest seit Anfang dieses Schuljahres. Er ging in den Gemeinschaftsraum hinunter, wo ihn die meisten künftigen Todesser bereits erwarteten. Er hatte ganz dieses lächerliche Ritual vergessen!

Er beschloss, sie einfach nicht zu beachten und ging mit seiner kleinen „Bande" zum Frühstück. Diese Ankunft wurde von Kevin Potter alles andere als gutgeheißen, der es gar nicht mochte, dass Harry, sein Enkelsohn, von so vielen dubiosen Slytherins umgeben war. Er warf ihm einen misstrauischen Blick zu. Harry versuchte, ihn zu beruhigen, indem er die Augen verdrehte, was Kevin zum Grinsen brachte.

Das Frühstück verlief ereignislos. Das einzig Ärgerliche war, dass er noch immer nichts Neues von Sophie gehört hatte. Er sah sie nicht einmal mehr beim Essen, sie kam nicht zu ihm, um mit ihm zu sprechen. Er schwor sich, dass er sie so bald wie möglich aufsuchen wollte.

Endlich kam der Moment, da sie von dem Duellierspezialisten unterrichtet werden sollten. Allein diese Tatsache hätte Harry schon fröhlich gestimmt – wären da nicht diese Gerüchte gewesen, laut denen der so genannte Duellierspezialist völlig unfähig war. Alle Slytherins beschwerten sich über ihn, was nicht gerade ein gutes Zeichen war.

Harry betrat das Klassenzimmer und setzte sich auf seinen Platz, neben Snape. Er beobachtete, wie Professor Isandros ein paar Worte mit einem jungen Mann wechselte und dabei mit dem Finger auf ihn wies. Er warnte ihn zweifelsohne vor ihm.

Der Duellierspezialist war ziemlich klein, kaum größer als Harry. Dafür war er sehr kräftig gebaut, um nicht zu sagen fett. Zudem hatte er kaum Haare auf dem Kopf. Und dennoch musste er kaum älter als 25 sein.

„Nun, ich stelle mich noch einmal vor, da wir einen neuen Schüler haben. - Oder vielmehr einen kranken, der gerade aus dem Krankenflügel entlassen wurde. Ich hoffe, dass wir ihn nicht sofort dahin zurückschicken werden", sagte der Duellierspezialist, der offensichtlich scherzen wollte.

„Oh... mein... Gott", murmelte Harry. „Sag mir, dass das ein Alptraum ist. Ich werde gleich wieder aufwachen!"

„Ich denke, wir sollten Ihrem Klassenkameraden zeigen, was wir gelernt haben. Wie wäre es mit einer kleinen Demonstration. Sind Sie einverstanden?"

„..."

Totenstille in der Klasse. Die Hälfte der Schüler schlief, die andere war zumindest nahe daran einzuschlafen.

„Gut, dann werde ich also jemanden wählen. Vielleicht der Schüler da hinten? Wie ist noch gleich Ihr Name? Der mit den schwarzen Haaren?"

„Oh, nein, habt Mitleid", stöhnte Severus unterdrückt.

„Könnten Sie etwas lauter reden? Ich habe Sie nicht verstanden."

„Severus Snape", antwortete er, während Harry sein Lachen unterdrücken musste.

„Ah, richtig. Nun, junger Mann, nur nicht so schüchtern. Kommen Sie hier vor."

„Warum ich?", beschwerte sich Severus leise, was Harry nur noch mehr zum Lachen brachte.

„Also, erinnern Sie sich daran, was wir durchgenommen haben?", fragte der Duellierspezialist, der sehr zufrieden mit seinem Einfall zu sein schien, einen Schüler an der Demonstration zu beteiligen.

„Die Gegenflüche?"

„Exakt. Und welche genau?"

„Den Zauber 'Protego'."

„Ja, genau. Können Sie uns ein Beispiel vorführen? Ich greife Sie mit einem Spruch an und Sie verteidigen sich. Fangen wir mit einem einfachen Spruch an: Blase."

Eine hübsche Seifenblase kam aus dem Zauberstab hervor und flog langsam auf Severus zu, der sie mit einem gemurmelten Protego zum Platzen brachte.

„Bravo. Sehr schön! Fünfzehn Punkte für Slytherin!"

„Na klar", schnaubte Harry in verächtlichem Ton.

„Haben Sie etwas zu sagen? Der Neue?"

„Um ehrlich zu sein, ja, und zwar mehrere Dinge."

Die Klasse schien aufzuwachen. Das würde lustig werden.

„Sie wissen, dass dieser Spruch von jungen Müttern benutzt wird, um ihre kleinen Kinder zu amüsieren? Unter uns, ich denke nicht, dass man uns mit einem Seifenblasenangriff attackieren wird!"

Die Klasse begann zu kichern. Professor Isandros selbst war gegangen um nachzusehen, wie Kevin Potter mit der Klasse der Gryffindors zurechtkam.

„Ich sehe, dass Sie es verstehen, Ihre Klassenkameraden zum Lachen zu bringen. Vielleicht ändert sich das, wenn Sie vor der Klasse stehen! Sie springen für Ihren Kameraden hier vorne ein!"

Der Duellierspezialist war zufrieden: Es würde reichen, diesen Schüler hier zu bändigen, um die ganze Klasse zu bändigen. Ihm schwebten schon die Glückwünsche des Ministeriums vor für seine gute exemplarische Arbeit in Hogwarts.

„Aber mit dem größten Vergnügen."

Harry stand auf und trat vor, während sich Severus wieder setzte.

„Also, dann hören Sie mal gut zu. Ich werde Sie jetzt mit einem sehr komplizierten, mächtigen Zauber angreifen – dem Expelliarmus – und ich überlasse es Ihnen, wie Sie sich verteidigen wollen."

„...Einverstanden..." Harry musste sich große Mühe geben, nicht in Lachen auszubrechen. Den Expelliarmus als komplizierten Zauber zu bezeichnen, darauf wäre nicht einmal Neville gekommen!

„Sind Sie bereit? Ich sehe Ihren Zauberstab nicht. Sie müssen sehr aufmerksam sein, sonst befinden Sie sich nur zu schnell wieder im Krankenflügel. Aufgepasst – 1...2...3... Expelliarmus!"

Revertomaxima!"

Der Fluch berührte Harry noch nicht einmal, ehe er zum Ministeriumszauberer zurückkehrte. Dieser Spruch konnte wirklich nicht sehr mächtig gewesen sein. Er war sogar so schwach, dass sich Harrys Fluch mit ihm vereinte. Dem Fluchspezialisten riss es die Füße vom Boden und er flog gegen die Mauer hinter ihm.

Die Klasse wusste nicht, was sie machen sollte: lachen oder nichts sagen, das war hier die Frage...

„Er war als Fluchspezialist wirklich nutzlos", meinte Harry achselzuckend.

„Da muss ich dir absolut Recht geben", entgegnete Narcissa.

„Ich war schon am Einschlafen. Endlich mal ein wenig Action", rief Bellatrix aus.

Harry begann sich allmählich Sorgen zu machen, als er sah, dass sich der Mann noch immer nicht rührte. Er ließ ihn mit seinem Zauberstab schweben und brachte ihn somit zum Krankenflügel, während die anderen Schüler das Klassenzimmer verließen, um sich umzusehen, wo es etwas Interessanteres zu sehen gab.

In dem Moment, da Harry an einem Klassenzimmer vorbeikam, öffnete sich die Tür und Professor Isandros tauchte auf. Seine Augen weiteten sich, als er bemerkte, dass seine Vertretung ohnmächtig dreißig Zentimeter über dem Boden schwebte und von seinem gehassten Schüler in dieser Position gehalten wurde.

Mit zusammengekniffenen Augenbrauen fragte er: „Praott, was haben Sie mit dem Fluchspezialisten gemacht?"

„Ähm... Gar nichts... Er kann noch nicht mal seinen eigenen Fluch aufhalten. Ich hab nur seinen Expelliarmus auf ihn zurückgelenkt und er ist gegen die Mauer gekracht."

Harry bemerkte, dass er die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse auf sich hatte. Er warf den perplexen Gesichtern der Gryffindors einen Blick zu und hörte auf einmal eine Stimme freudig aufschreien:

„JA! Ich hab meine Wette gewonnen! Ich hab gesagt, dass der Ministeriumszauberer keinen Tag mit Praott überleben wird!"

„Ja", murmelte Remus, der Schiedsrichter, „Ich ernenne hiermit Gabrielle zur Siegerin."

„Wow, ich hätte nie gedacht, dass Praott ihn so schnell alle machen würde."
„Glaubt ihr, er ist tot?"

„Red keinen Unsinn, Lily! Obwohl... Schaut so aus", meinte Sirius.

Herry sah sie vollkommen baff an: Sie hatten es gewagt, eine Wette abzuschließen, wie lange der Fluchspezialist mit ihm überleben würde? Innerlich lachte er laut auf.

„Kann ich ihn zum Krankenflügel bringen?"

„Ähm... Ja, natürlich Praott, aber ich ziehe Ihnen 50 Punkte ab, dafür, dass Sie einen erwachsenen Zauberer angegriffen haben."

„WAS? Aber das ist total unfair, es war ein Verteidigungszauber!"

„Das sagen Sie..."

„Ehrlich, als Fluchspezialist sollte man doch wohl in der Lage sein, einen Expelliarmus abzuwehren!"

„Da muss ich Mr Praott zustimmen", mischte sich Kevin erstmals in das Gespräch ein. „Bringen Sie ihn bitte in den Krankenflügel und mit dem Rest Ihrer Zeit können Sie machen, was Sie wollen."

„Danke, Sir."

Harry ging mit dem Körper des Ministeriumszauberers hinter sich davon. Als er den Krankenflügel erreicht hatte, blieb er erst einmal fünf Minuten davor stehen, ehe er die Tür öffnete.

„OH NEIN! SAGEN SIE MIR NICHT, DASS SIE ES SCHON WIEDER GESCHAFFT HABEN, SICH ZU VERLETZEN!"

„Ähm, nein, diesmal bin es nicht ich, sondern unser Fluchspezialist."

„Was ist mit ihm passiert?"

„Eine Liebesgeschichte zwischen ihm und einer Mauer..."

„Aha, ich verstehe. Sie können gehen, ich werde Sie diesmal nicht hier behalten."

Harry zögerte keine Sekunde, ehe er den Krankenflügel verließ.

Natürlich verbreitete sich die Geschichte in Hogwarts ausnahmsweise einmal wie ein Lauffeuer, nur, dass die Wirklichkeit sehr verzerrt wurde. Derart, dass schließlich jeder dachte, Herry hätte den Expelliarmus gesprochen.

Mitten beim Abendessen erklang die Stimme des Direktors:
„Nach dem Essen möchte ich gerne mit Mr Praott reden. In dem Klassenzimmer, wo sich der Zwischenfall ereignet hat."

„Ja, klar. Als ob ich nicht schon genug Probleme hätte! Jetzt krieg ich auch noch mit Dumbledore Ärger."

„Was glaubst du will der verrückte Alte von dir?", wollte Narzissa wissen.

„Sicherlich soll ich ihm erklären, was vorgefallen ist."

Die ganze Große Halle war davon überzeugt, dass Herry diesmal von der Schule geworfen werden würde. Was niemand wusste, war, dass er nicht von der Schule fliegen konnte – und das war sein Glück.

Als das Abendessen beendet war, erhoben sich Professor Isandros, Kevin Potter und Dumbledore, um vor den Torflügeln auf einen bestimmten Schüler zu warten.

„Ich glaube, die warten auf dich", sagte Severus. „Viel Glück, wir sehen uns dann später im Gemeinschaftsraum – jedenfalls, wenn du dann noch am Leben bist."

„Weißt du, wenn du willst, kannst du echt aufbauend sein."

„Ich weiß. Später werde ich mal jeden einschüchtern können und man wird mich respektieren, du wirst schon sehen."

„Ja, aber in der Zwischenzeit solltest du während meiner Abwesenheit nicht allzu viel Unsinn anstellen."

„Ich mache dich darauf aufmerksam, dass du hier der größte Unsinnmacher bist."

Harry antwortete darauf nicht, sondern erhob sich und verließ die Große Halle. Zusammen mit den Professoren ging er schweigend zum Klassenzimmer. Obwohl Harry Isandros' brennenden Blick auf sich spürte, erwiderte er ihn nicht, sondern betrat erhobenen Hauptes als erster den Raum.

„Mr Praott, ich würde gerne die ganze Wahrheit darüber hören, was sich hier ereignet hat."

„Nun, Professor Isandros, wie ich Ihnen bereits gesagt habe, hat der Fluchspezialist, dessen Namen ich nicht einmal kenne, Severus gebeten, zu demonstrieren, was er gelernt hatte. Er konnte sich ohne Probleme verteidigen."

„Bis dahin noch nichts Unnormales", unterbrach der Professor ihn.

„Bitte, Sir, lassen Sie ihn ausreden", mischte sich Kevin in einem Ton ein, der keine Widerrede erlaubte.

„Danke. Ich sagte also gerade, dass er Snape gebeten hat, sich mit einem Protego zu verteidigen. Obwohl er wusste, dass wir mit dem Stoff schon längst bei höheren Gegenflüchen sind, aber okay. Als Angriff hat er ihn mit Seifenblasen bombardiert. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, dass ich das vollkommen aberwitzig fand. Das habe ich ihm auch – natürlich respektvoll – erklärt."

„Na, das ist ja mal wieder typisch! Immer..." Professor Isandros unterbrach sich angesichts der Blicke, die Dumbledore und Kevin ihm zuschickten.

„Er hat mich also natürlich vor die Klasse gebeten. Er sagte mir, er würde mich mit einem Expelliarmus angreifen. Um mich zu verteidigen habe ich lediglich einen simplen Fluchumkehrspruch benutzt. Das Problem war, dass sein Fluch so schwach war, dass sich die Macht meines eigenen mit seinem vereint hat und ihn gegen die Mauer fliegen ließ."

„Aha, jetzt kenne ich also die wahre Version der Ereignisse. Ich danke Ihnen, Mr Praott. Sie können zu Ihren Klassenkameraden zurückkehren."

„Danke, Professor Dumbledore."

„Was, er kommt einfach so davon? Und was, wenn er uns angelogen hat?"

„Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils, Professor Isandros", grinste Harry, bevor er sich davonstahl.

„Ich liebe diesen Satz", meinte Dumbledore vergnügt, an den Auror und den Lehrer gewandt.

Harry machte sich auf den Weg zum Gemeinschaftsraum, wo er von zahlreichen Slytherins erwartet wurde.

Harry erklärte ihnen trocken, dass er gesagt hatte, was sich ereignet hatte, und gegangen war. Mit diesen Informationen begnügten sich die anderen und ließen ihn in Ruhe.

„Also, was ist passiert?", fragte Severus Harry, als sie schließlich alleine mit Narzissa im Gemeinschaftsraum waren.

„Nichts Aufregendes. Ich habe nur gesagt, was passiert ist. Professor Isandros war wütend! Ihr hättet sein Gesicht sehen sollen, zum Totlachen! Dumbledore hat mich einfach so gehen lassen, als ich alles erzählt hatte."

„Das war alles?", hakte Narzissa ungläubig nach. „Ich meine, keine Strafe? Nicht mal Punktabzug? Nicht mal Strafarbeit mit dem Hausmeister?"

„Ich hab mich doch nur verteidigt, ich hab diesen Fluchspezialisten noch nicht mal angegriffen. Wenn ich das wirklich gemacht hätte, dann wäre er jetzt nicht im Krankenflügel, sondern in der Notaufnahme im St. Mungos."

„Das stimmt", meinte Severus, der gesehen hatte, was passierte, wenn Harry sich aufregte.

„Na ja, wenn ich morgen ausgeschlafen sein will, sollte ich jetzt lieber ins Bett gehen."

„Gute Nacht, Narzissa."

„Gute Nacht, Jungs."

Narzissa stieg die Treppen zum Mädchenschlafsaal hoch.

„Ich hab mehr als drei Tage mit Schlafen verbracht, ich bin wirklich nicht müde und hätte Lust, ein wenig spazieren zu gehen."

„Du solltest besser aufpassen, dass du nicht erwischt wirst. Ich decke dich, falls es sein muss, aber versuch, vor dem Morgengrauen wieder hier zu sein, ja?"

„Mal schauen", antwortete Harry, womit er in den Schlafsaal eilte, um den Umhang und seine Karte zu holen.

Als er erst einmal aus dem Gemeinschaftsraum draußen war, beschloss er, an seiner stablosen Magie zu arbeiten, ebenso wie an seinem Element.

Er hatte darüber nachgedacht: Er musste eine Art Mischung aus Feuer und Wasser beherrschen, doch das Problem bei dieser Theorie war, dass der Professor ihnen klar und deutlich erklärt hatte, dass dies theoretisch unmöglich war. Auf der anderen Seite würde ihm auch jeder, den er hier fragte, sagen, dass es unmöglich ist, einen Avada Kedavra zu überleben. Solche Sachen passierten eben immer nur ihm! Es hatte immerhin die Wahl zwischen ihm und Neville gegeben, aber nein, er musste natürlich ausgewählt werden! Und da wagte es noch jemand, von Glück zu sprechen, wenn es um ihn ging!

Er kam in einem leeren Klassenzimmer an und als erstes versteckte er, wie immer, seinen Umhang und seine Karte, ehe er einen Tisch in Moony verwandelte.

Er begann, dem Wolf von seinen letzten Abenteuern zu erzählen, ehe er beschloss, zu trainieren. Er hatte einige harte Stunden Arbeit vor sich!

Das goldene Wasser heraufzubeschwören war kein Problem. Im Laufe seines Trainings schaffte er es, eine immer größere Kugel zu Stande zu bringen, auch wenn sie keine spezielle Form annahm. Nach zwei Stunden ereignete sich etwas sehr Interessantes: Die große Kugel teilte sich in zwei kleine.

Nach einer weiteren Stunde Training zauberte er die Brandflecken an den Wänden weg und widmete sich seiner stablosen Magie. Zu seiner großen Überraschung schien seine Übung mit dem Element auch diese gefördert zu haben: Er schaffte es aufs erste Mal, ein Buch vom anderen Ende des Zimmers zu sich zu rufen. Er versuchte es anschließend mit einem Stuhl und das ging genauso einfach.

„Komm schon, mein kleiner Wolf, du musst jetzt auch den großen Test machen! Schau mich nicht so an! Ich verspreche dir, ich tu dir nicht weh!"

Harry konzentrierte sich stark, um den Wolf zu sich zu rufen, doch er musste feststellen, dass seine Macht Grenzen besaß: Er schaffte es lediglich, das Tier für ein paar Sekunden in der Luft zu halten.

„Na gut, dann brauch ich jetzt ein Versuchskaninchen für den Expelliarmus."

„Du brauchst nur zu rufen und schon sind wir da", rief Sirius stolz aus, wobei er den Tarnumhang von ihnen riss.

„Seit wann seid ihr hier schon versteckt?"

Gerade mal ein paar Minuten. Na gut, vielleicht eine gute halbe Stunde... Sag mal, ist das dein Haustier? Scheint nett zu sein", meinte James.

„Er kommt mir ein wenig bekannt vor, findet ihr nicht auch?", bemerkte Sirius.

„Alles in Ordnung, Remus?", fragte Harry, der genau verstand, warum der junge Werwolf so blass war. „Ich kann verstehen, dass manche Leute diese Tiere nicht ertragen, aber sie sind doch so... liebenswert." Mit einem Schwenker seines Zauberstabs verwandelte sich der Wolf wieder in einen Tisch zurück.

„Wow! Seit wann kannst du den Wolf schon verwandeln?", rief Sirius ganz aufgeregt aus.

„Seit Ende der Sommerferien", erwiderte Harry schlicht.

„Warum dieser Wolf?", fragte Remus.

„Warum nicht dieser Wolf?", entgegnete Harry, wobei er ihn unschuldig angrinste. „Okay, wer will mein Versuchskaninchen sein?"

„Ich", meldete sich Sirius sofort zu Wort, der vorfreudig herum sprang.

„Was habt ihr dem denn zu Essen gegeben?"

„Keine Ahnung, der ist schon so, seit Dumbledore seine Ansprache gehalten hat."

„Ich bin dein Versuchskaninchen und danach antwortest du mir auf meine Fragen", erklärte Sirius fröhlich.

„Wenn ich darauf antworten kann, ja, kein Problem."

„In Ordnung, Deal", antwortete Sirius, noch immer ganz erfreut.

Nach eineinhalb Stunden Training gegen Sirius bekam Harry den Spruch perfekt hin, was bewies, dass sein Magieniveau sich sogar noch vergrößert hatte und darauf war er stolz. Er hatte es sich versprochen: Er würde die Personen, die gerade vor ihm standen, rächen... Er würde sie rächen und wenn das seinen Tod bedeuten sollte.

„Okay, jetzt die Fragen", rief Sirius ihn in Erinnerung zurück.

„Okay, leg los, ich hör dir zu."

„Was ist mit dir, Dumbledore, James' Vater und Isandros passiert?"

„Nichts Besonderes... Ich hab ihnen nur erzählt, was los war. Dumbledore hat mir geglaubt – dein Vater übrigens auch, James..."

„Lass mich raten", mischte sich plötzlich Remus mit ein. „Professor Isandros wollte dir nicht glauben!"

„Wie kommst du nur darauf?", entgegnete Harry ironisch. „Er wollte mich von der Schule fliegen sehen, aber na ja, ich hab ja nichts Schlimmes gemacht."

„Okay, nächste Frage: Was ist wirklich passiert?"

Harry erzählte ihnen in allen Details von der Unterrichtsstunde und die Rumtreiber brachen in Lachen aus, als er zu der Stelle mit den Seifenblasen kam. Anschließend erklärte Harry ihnen, welchen Spruch er angewandt hatte und was dieser für einen Effekt auf den Fluchspezialisten gehabt hatte.

„Okay, meine Neugierde ist befriedigt", erklärte Sirius, der sich die Lachtränen aus dem Gesicht wischte.

„Dann bin ich dran: Was hat es mit dieser Wette auf sich?", fragte Harry.

„Lange Geschichte", grinste James.

„Eigentlich haben wir nur gewettet, wie lange es der Fluchspezialist noch aushalten wird, wenn du erst mal bei ihm im Unterricht sitzt."

„Aha. Und was habt ihr gewettet?"

„Ich hab auf fünf Tage gesetzt", erklärte Sirius. „James auf vier, Lily war so optimistisch zu sagen, dass er bis zum Ende bleiben wird, Anne war für drei Tage und Gabrielle für einen. Ehrlich, ich hab ihr nicht geglaubt, aber na ja... Den Beweis hast du uns ja geliefert!"

„Und was hat Gabrielle gewonnen?"

„Sie darf von einem der Wettteilnehmer eine Gefälligkeit verlangen. Derjenige muss tun, was immer sie von ihm verlangt. Ich ahne schon, dass da noch harte Zeiten auf uns zukommen!"

Sie unterhielten sich noch bis spät in die Nacht, ehe der Vertrauensschüler in Remus sich wieder zeigte.

„Vielleicht wäre es besser, schlafen zu gehen, oder? Morgen haben wir Unterricht, falls das jemandem hier entfallen sein sollte und zudem Verteidigung gegen die Dunklen Künste."

„Sprich für dich! Ich hab meinen Lehrer in den Krankenflügel manövriert. Wem sie wohl die schwere Aufgabe der Nachfolge anvertrauen werden?"

„Keine Ahnung. Vielleicht findet Dumbledore diesmal ja jemanden, der mehr drauf hat."

„Das würde mich wirklich verwundern! Ein Auror, der Slytherins unterrichtet? Selbst dein Vater hat mich am Anfang nicht akzeptiert."

„Das stimmt. Du hast uns übrigens nie erzählt, was zwischen euch in der Bibliothek passiert ist."

„Ein anderes Mal vielleicht", meinte Harry und winkte ihnen zum Abschied zu.

Er floh regelrecht aus dem Klassenzimmer, bis er bemerkte, dass er die Karte und den Umhang vergessen hatte.

Er wartete ein klein wenig und als er sich hundertprozentig sicher war, dass die Rumtreiber fort waren, kehrte er zurück, holte seine Sachen und machte sich abermals auf den Weg zu seinem Schlafsaal.

Harry studierte die Karte und sah erleichtert, dass die Rumtreiber weit von ihm entfernt waren. Sein Blick blieb starr auf der Karte haften, als ihm plötzlich eine Idee kam: Warum hatte er eigentlich nie die Karte benutzt, um David zu finden? Das Problem war, dass er seine wahre Identität nicht kannte und ihm somit der Name nichts sagte – das sagte ihm zumindest sein gesunder Menschenverstand.

Er beschloss, in seinen Schlafsaal zurückzukehren, bevor die Sonne aufging. Aber immerhin war es erst vier Uhr morgens, da hatte er noch genug Zeit zum Schlafen.

Als er den Schlafsaal betrat, sah er, dass Severus während seiner Abwesenheit mehrere Flaschen bereitgestellt hatte. Zweifelsohne Stärkungstränke gegen die Müdigkeit.

Er legte sich leise in sein Bett, doch trotz aller Mühen, sich zu entspannen, gelang es ihm einfach nicht einzuschlafen. Er entschloss sich also, das Zaubertränkebuch zu lesen, dass Snape ihm zu Weihnachten geschenkt hatte.

Zaubertränke waren wirklich nicht einfach, doch manche konnten in gewissen Situationen sehr praktisch sein. Er fand unter anderem das Rezept für den Vielsafttrank. Andere Tränke waren dazu da, die eigene Stimme zu verändern, wieder andere konnten einen schrumpfen.

Harry schlief schließlich ein, alchimistische Formeln im Kopf…

Der nächste Tag war ein Freitag. Als alle Schüler in der Großen Halle versammelt waren, erhob sich Dumbledore.

„Um den Fluchspezialisten zu ersetzen, der die Slytherins unterrichtet hat, habe ich Mr Potter ausgewählt. Er wird sich fortan sowohl um die Gryffindors als auch um die Slytherins kümmern."

Diese Neuigkeit wurde von beiden Seiten nicht allzu gut angenommen: Die Gryffindors wollten Kevin nicht teilen und die Slytherins wollten keinen Potter als Lehrer. Herry war in der Tat der einzige, der zufrieden schien.

Als die lang erwartete Stunde endlich da war, betraten die Schüler schweigend das Klassenzimmer. Das Gute war, so dachte sich Harry, dass die Slytherins es nicht wagen würden, sich zu rühren, wenn er es auch nicht tat.

„Nun, ich weiß, dass dies euer letzter Trainingstag ist, ehe ihr eure Kräfte gegen Mitschüler aus anderen Häusern messen werdet. Wir werden also alle Sprüche wiederholen, die ich den einen beigebracht habe, um den anderen eine Vorstellung zu bieten", erklärte der Professor.

Diese Worte hatte er mit einer Abscheu gegenüber den Slytherins ausgesprochen und obwohl Harry diese Reaktion verstand, hörten einige von seinen Klassenkameraden das gar nicht gerne.

Bellatrix stand von ihrem Stuhl auf und begann: „Wie können Sie es wagen..."

Harry räusperte sich vernehmlich und unterbrach sie somit.

Bellatrix und Herry lieferten sich ein stilles Duell mit Blicken. Er durfte nicht die Augen senken. Er wusste, dass er gewonnen hatte, als die künftige Mörderin seines Paten sich setzte und den Augenkontakt brach. Das hat nicht lange gedauert, doch alle Zuschauer hatten deutlich gespürt, wer hier wirklich der Chef war und wenn es jemand wagen sollte aufzubegehren...

Der Erstaunteste von allen war der Auror selbst: Wie hatte sein Enkelsohn es nur geschafft, alle Sechstklass-Slytherins so zu beherrschen?

Der Unterricht verlief ohne weitere Zwischenfälle. Die Gryffindors durften manche Demonstrationen ausführen, während den Slytherins lediglich das Recht vorbehalten war zuzusehen. Als der Gong läutete, warf Harry seinem Großvater einen bösen Blick zu. Er hatte gedacht, dass diese Stunde unter dem Aspekt der Gleichberechtigung ablaufen würde, dass Kevin die Lektion gelernt hätte.

Sie sahen sich lange an, während die Gryffindors alle das Zimmer verließen, ohne irgendetwas zu bemerken. Die Slytherins dagegen waren alle auf ihren Plätzen geblieben, immerhin hatte sich ihr Chef noch nicht erhoben.

Die Rumtreiber hatten bemerkt, was vor sich ging, doch sie wagten nicht, einzugreifen.

Kevin brach den Augenkontakt bei dem Anblick des kühlen, nahezu vereisten Blickes seines Enkelsohns und bat sie zum wiederholten Male, den Raum zu verlassen.

Harry erhob sich schließlich triumphierend und sogleich folgten all seine Klassenkameraden seinem Beispiel. Oder jedenfalls fast alle – Harry hatte nicht bemerkt, dass Sophie schon längst gegangen war.

Wie konnte er mir das nur antun? Seinem eigenen Enkelsohn? Er hätte wissen müssen, dass wir alle lernen müssen, uns zu verteidigen! Warum muss er nur so stur sein? Na, jetzt weiß ich ja wenigstens, woher ich meinen Charakter habe. Wenn man dann noch James' und Lilys Charakter dazu nimmt...

„Ich weiß gar nicht, mit wem wir es schlechter getroffen haben: Mit jemandem, der uns lehrt, uns gegen Seifenblasen zu verteidigen oder mit jemandem, der nur seine eigenen Schüler unterrichtet", meinte Harry, als er den Gemeinschaftsraum erreicht hatte.

„Da muss ich dir Recht geben. Ich hätte gut Lust, mich dafür zu rächen. Wir könnten einen kleinen Fluch auf die Familie Potter legen", erwiderte Bellatrix, die bei dem Gedanken höchst erfreut schien.

„Oh, nein. Ich werde mir einen Spaß daraus machen, ihren Champion zu schlagen."

„Oh! Und wer sagt dir, dass du überhaupt gegen uns Slytherins gewinnst?"

„Ganz einfach: Ich bin mächtiger als du, meine verehrte Black", entgegnete er trocken.

„Das werden wir ja sehen... Übrigens", fügte sie in leiserem Tonfall an, „die nächste Versammlung findet nach den Ferien statt."

Harry war wütend, gewiss, aber diese Wut war nicht richtig: Sie richtete sich gegen seine eigene Familie, während das doch eigentlich nicht der Fall sein sollte! Er war auf seinen eigenen Großvater sauer, doch das war kein Grund dafür, sich gegen ein Familienmitglied zu stellen, das er sechzehn Jahre seines Lebens kein einziges Mal gesehen hatte.

Er verließ den Gemeinschaftsraum, wobei er betonte, dass er allein sein wollte, und machte sich auf die Suche nach dem Auror. Er brauchte nicht lange, um ihn zu finden: Er war noch immer im Verteidigungsklassenzimmer, einen schuldbewussten Ausdruck auf dem Gesicht.

„Kann ich eintreten, Professor Potter?"

„Natürlich, Harry, komm rein."

Der Auror sah seinen Enkelsohn, den er nicht einmal hatte eintreten hören, aufmerksam an. Er musste unbedingt einige Dinge mit ihm klären...

„Zunächst einmal möchte ich, dass du weißt, dass ich es nicht dulde, wenn mir jemand derart die Stirn bietet wie du heute in meinem Unterricht. Doch momentan kann ich mich nicht von dem Gedanken abhalten, dass ich es verdient habe. Ich weiß, dass ich mich nicht richtig verhalten habe, aber bist du dir bewusst, dass einige Kinder von Todessern und sicherlich auch einige künftige Todesser in deiner Klasse sind?"

„Aber ihr helft ihnen nicht gerade, indem ihr ihnen nicht beibringt, wie man sich zu verteidigen hat", erwiderte Harry. „Im Gegenteil sogar. Sie werden Voldemort hilflos ausgeliefert sein oder sogar ihren eigenen Eltern und sie werden keine andere Möglichkeit haben als sich zu unterwerfen. Ihr formt die künftigen Todesser, ohne euch darüber im Klaren zu sein, indem ihr sie daran hindert, grundlegende Verteidigungsmechanismen zu lernen und DAS ist wirklich ein schwerwiegender Fehler!"

„Von dem Standpunkt aus habe ich das noch gar nicht betrachtet."

Kevin Potter zögerte einen Moment, ehe er die Unterhaltung fortsetzte, doch er zog es vor, das Thema zu wechseln: „Weißt du, für einen Jungen deines Alters bist du sehr viel reifer als James."

„Du kannst uns nicht vergleichen", lachte Harry. „James ist durch und durch Rumtreiber und Sirius' Gesellschaft hilft da nicht gerade."

„Ah ja, unser lieber Sirius! Ich glaube ehrlich, dass er schon alle möglichen Streiche, die man spielen kann, durchgeführt hat."

„Daran zweifle ich keine Sekunde!"

„Okay, ich muss dann mal an die Arbeit. Ich muss noch ein paar Papiere fertig machen, was einen gewissen Unfall eines meiner Kollegen angeht..."

„Tschüß, Großvater!"

„Warum nur fühle ich mich auf einmal so alt?", scherzte Kevin.

Harry fühlte sich viel besser. Er hatte es geschafft, seinem Großvater seinen Standpunkt zu erklären und ihm klar zu machen, dass er im Unrecht gewesen war, ohne einen Streit heraufzubeschwören. Nicht schlecht für jemanden, der sich sehr leicht aufregte.

Am Montag durften die Hufflepuffs gegeneinander antreten und zeigen, was sie gelernt hatten. Harry beobachtete sie eingehend und stellte fest, dass sich die meisten nur verteidigten. Nur sehr wenige wagten sich wirklich anzugreifen und vor allem bei den Fünftklässlern dauerten die Duelle eine Ewigkeit, da sich niemand traute, als erstes anzugreifen.

Bei den Sechstklässlern konnte man schon öfter Angriffe beobachten. Eine einzige Schülerin war dabei, die wirklich etwas drauf zu haben schien. Sie beendete die Kämpfe meist sehr schnell. Harry merkte sich also ihren Namen: Delphine Routack, ein Name, von dem Harry noch nie etwas gehört hatte.

Bei den Siebtklässlern dagegen konnte man endlich richtige Duelle beobachten, sodass Harry bei ihnen am längsten zuschaute. Der Champion der Siebtklässler war ein gewisser Justin Frak. Harry studierte seine Kampfweise: Seine Verteidigung war nahezu perfekt. Doch er hatte auch einen Schwachpunkt: er hatte keinen festen Stand, die Beinarbeit war definitiv nicht gut trainiert worden.

Wie er vermutet hatte, gewann bei den Sechstklässlern Delphine Routack, während bei den Fünftklässlern ein gewisser Sam Railo Sieger wurde.

Nach der ersten Ferienwoche kamen die Kämpfe der Ravenclaws dran, bei denen schon mehrere zuschauten. Die Ravenclaws waren für ihre Klugheit bekannt und ihr Ehrgeiz, immer mehr Sprüche zu lernen führte dazu, dass sie bei den Duellen oft Flüche verwendeten, von denen die anderen noch nie etwas gehört hatten.

Die Fünftklässler schienen sehr ehrgeizig: Jeder wollte unbedingt sein Können zeigen. Auf der anderen Seite dagegen waren sie nicht fit genug, lange durchzuhalten. Jedes Mal, wenn ein Duell endete, waren sie sehr erschöpft.

Die drei Gewinner waren Estelle Castello von den Siebtklässlern, Kristie Kert von den Sechstklässlern und Matt Maury von den Fünftklässlern.

Nach den Ravenclaws waren die Gryffindors an der Reihe, bei denen die gesamte Schule anwesend war um zuzusehen.

Der Kampf, den Harry am interessantesten fand, war der zwischen Sirius und Remus. Die beiden duellierten sich nicht wirklich, sondern beleidigten sich lediglich die ganze Zeit gegenseitig. Sirius erzählte solche Dummheiten, dass Remus, von einem Lachanfall geschüttelt, schließlich aufgab, ohne wirklich gekämpft zu haben.

„So besiegt man einen Gegner! Ich hoffe, dass euch die Show gefallen hat." Mit diesen Worten verbeugte sich Sirius vor der Menge.

Die meisten Mädchen waren vollkommen hysterisch. Wenn sie nur wüssten, dass Sirius nur eine wirklich liebte, dachte Harry bei sich.

Lily dagegen beherrschte alle Sprüche perfekt und so ließ sie Sirius zunächst verstummen, da sie es leid war, sich seine Lebensgeschichte anzuhören und machte ihn vor der gesamten Schule lächerlich, indem sie seine Robe in ein Prinzessinnenkostüm verwandelte.

Die Mädchen schrieen Lily selbstverständlich an, sie wäre sadistisch und hätte kein Herz.

Anne schlug sich ebenfalls gut. Als sie ihren Zauberstab verlor, zögerte sie nicht, einen Judogriff auszuführen. Sirius hatte das nicht kommen sehen und fand sich somit auf den Boden gedrückt ohne Zauberstab wieder.

Man konnte also alles in allem sagen, dass die Duelle Gryffindor-Sechstklässler sehr lustig waren und die Schüler sich eher als Clowns, denn als Duellanten aufführten. Und dennoch wussten sie, wie man sich duellierte! Lily gewann gegen jeden – oder jedenfalls fast. Sie verlor den Kampf gegen James, was sie wütend machte, als er anfing, sich mit seinem Sieg zu rühmen. Somit war James der Sieger der Sechstklässler. Der der Fünftklässler war Jensen Askly und bei den Siebtklässlern gewann Ephiny Papylon.

Allmählich wurde es für die Slytherins brenzlig. Harry erwartete den Tag, an dem ihre Duelle stattfinden würden, vorfreudig: Er würde sich endlich an seinen Feinden rächen können. Vor allem würde es ihm eine große Freude machen, Bellatrix vorzuführen.

Die Duelle begannen mit den Fünftklässlern. Harry, der damit gerechnet hatte, dass die Schüler von Hogwarts den Kämpfen der Slytherins nicht beiwohnen würden, täuschte sich schwer: Es waren fast genauso viele anwesend wie bei den Duellen der Gryffindors.

Bei den Slytherins ging alles sehr schnell und Rosier wurde Sieger der Fünftklässler.

Bei den Siebtklässlern verwunderte es niemanden, dass Lucius Malfoy gewann, doch bei den Kämpfen war es offensichtlich, dass manche ihn einfach gewinnen ließen, da sie ihn fürchteten.

Wie immer, wenn Harry mit von der Partie war, ging bei den Sechstklässlern jedoch alles ganz und gar nicht reibungslos ab. So ziemlich jeder hatte sich fest vorgenommen zu gewinnen und für den Gewinner kamen mehrere Favoriten in Frage: Praott, Lestrange, Black (Bellatrix) und – zur großen Überraschung aller – Snape.

Severus überraschte mehr als einen: Dank der Unterrichtsstunden, die Harry ihm gab, ist der künftige Zaubertränkelehrer ein exzellenter Duellant geworden.

Er hatte alle mittelmäßigen Slytherins geschlagen und bereitete auch den mächtigeren unter ihnen einige Schwierigkeiten. Doch schließlich fing er sich einen nicht gerade weißmagischen Spruch von Bellatrix ein, die ihm die Chance auf den Sieg verbaute.

Bellatrix kämpfte nicht gerade sehr fair und sie beobachtete in erster Linie die Art und Weise, wie sich Praott duellierte.

Schließlich fanden sich auch Harry und Severus gegenüber wieder.

„Also, Herry, stehen wir uns auch mal in einem Kampf gegenüber", meinte Snape.

„Ja, so was soll vorkommen", antwortete dieser mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Das Schwierigste an diesem Duell war, dass Harry alle Fehler Severus' kannte, aber im Gegenzug dazu kannte dieser auch Herrys.

„Möge das Duell beginnen", rief Sirius erfreut aus, der alle Duelle der Slytherins aufmerksam verfolgte.

„Sei bitte still, Sirius, ich muss seine Fehler rausfinden", raunte James ihm zu.

„Vielleicht musst du ja gar nicht gegen ihn kämpfen. Er muss ja erst noch alle anderen Slytherins besiegen. Und bei Bellatrix kann man nie wissen. Obwohl sich Lestrange auch nicht schlecht zu verteidigen weiß..."

„Obwohl ich es nicht gerne zugebe, muss ich sagen, dass Snape sich auch gut verteidigen kann. Ich frag mich, wie er so gut geworden ist", merkte Anne an.

„Das ist bestimmt auf Herry zurückzuführen. Er muss ihn trainiert haben", meinte Gabrielle. „Weil, wisst ihr, sie sind in Wirklichkeit zwei sehr wichtige Spione, die sich nur auf sich gegenseitig verlassen können und..."

„Hat irgendwer den Abstellknopf gefunden?", fragte Sirius, der es nicht länger ertrug, Gabrielles zugegeben sehr weit hergeholten Geschichten mit anzuhören.

„Remus hat einen ganz guten Weg gefunden, sie zum Schweigen zu bringen", erwiderte Lily grinsend.

„Na, bewundern wir das Schauspiel?", wollte plötzlich eine Stimme hinter ihnen wissen.

„Hallo, Mr Potter", grüßte Lily den Auror.

„Wie oft soll ich deinen Freunden noch sagen, dass sie mich außerhalb des Unterrichts 'Kevin' nennen können, James?"

„Bestimmt noch tausend Mal", grinste James unter dem mörderischen Blick Lilys.

„Seid leise, der Kampf beginnt", meinte Lily und beendete somit die Unterhaltung.

Harry stand Severus gegenüber und wartete darauf, dass dieser mit einem Fluch das Duell eröffnete.

Expelliarmus", rief Severus.

Mutismus."

Protego. Jambencoton."

Harry hatte nicht gedacht, dass Severus so schnell wäre.

Expelliarmus."

Harry konnte dem Spruch gerade noch ausweichen, doch Severus ließ ihm keine Zeit zu reagieren: „Serpensortia!"

Also, das habe ich definitiv nicht vorhergesehen! Mist, was soll ich machen? Soll ich sprechen? Nein, ganz sicher nicht, nicht vor allen anderen... Denk nach, Harry! Ah, jetzt weiß ich's!

Evanesco."

Das Publikum hatte natürlich gesehen, dass Herry Praott gezögert hatte und alle nahmen an, dass er einfach nur Angst vor der Schlange gehabt hatte. Doch sie waren beruhigt, als sie sahen, dass das Reptil verschwand.

Ligo", rief Harry und Severus fand sich auf dem Boden wieder und verlor seinen Zauberstab.

Harry hob ihn auf und wurde zum Sieger erklärt.

„Nicht schlecht, Herry. Aber du musst zugeben, dass du mit dem Spruch nicht gerechnet hättest, was?"

„Nein, da muss ich dir Recht geben, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet."

Das nächste Duell fand zwischen Lestrange und Snape statt. Alle Schüler waren überrascht, dass Severus ohne allzu große Schwierigkeiten den Kampf gewann.

Dann kam endlich das letzte Duell, das Duell, das entscheiden würde, ob Herry oder Bellatrix als Sieger bei den Sechstklässlern hervorgehen würden...

„Bereit, Praott?"

„So bereit man nur sein kann", erwiderte dieser mit seinem kühlen Gesichtsausdruck, der Bellatrix etwas verstörte. „Expelliarmus."

Bellatrix flog durch die Halle, aber sie hatte ihren Zauberstab behalten und war gleich wieder auf den Beinen.

Volatum", rief sie mit einem bösen Grinsen auf dem Gesicht.

Harry kannte diesen Spruch nicht. Sicherlich weil es sich um einen schwarzmagischen handelte. Er musste wirklich mehr darüber lernen.

Doch Harry konnte nicht lange nachdenken: Der Spruch streifte ihn und er flog hoch in die Luft. Auf einmal wurde der Zauber aufgehoben und er fiel aus einer Höhe von ein paar Metern runter. Er dankte innerlich dem Quidditch dafür, dass er schon an Fälle jeglicher Art gewöhnt war, aber er brauchte dennoch ein paar Sekunden, um wieder auf die Beine zu kommen.

Diese wurden von Bellatrix gut genutzt, indem sie einen weiteren Fluch auf ihn abfeuerte: „Serpensortia non tactum."

Es kam keine kleine Viper aus der Spitze ihres Zauberstabs, sondern eine große Python, die auf ihn zuschlängelte.

Evanesco."

Anstatt sich aufzulösen, hielt die Schlange lediglich inne.

„Oh nein, Praott! Ich hab dich vorhin sehr genau beobachtete und ich hab auch gesehen, dass du Angst vor Schlangen hast. Wirklich pathetisch für einen Slytherin, wenn du mich fragst. Aber dank des Spruchs, den ich auf sie gelegt habe, kannst du sie nicht mit Zauberei loswerden. Ich allein kann sie kontrollieren, also gib auf, oder ich lass sie auf dich los."

Okay, die Lage ist wirklich vertrackt. Was mach ich nur? Soll ich ihr einfach klein beigeben, meine Rache sein lassen und sie gewinnen lassen? Niemals, da würde ich eher sterben, als mich ihr unterzuordnen! Ein letzter Blick zu meinem Großvater, er scheint nicht zu verstehen, was ich ihm sagen will... Ein letzter Blick zu den Rumtreiber, ein Blick, der um Vergebung bittet... vielleicht werden sie es verstehen! Und ein letzter Blick zu meiner Mutter. Nun denn, auf dass die Stunde der Wahrheit kommen möge!

„Aha, du scheinst nicht aufgeben zu wollen. Temptatum", rief Bellatrix der Schlange zu, die in Höchstgeschwindigkeit auf Harry zukam, um ihre neue Beute endlich erwürgen zu können.

Du willst jemanden angreifen, der deine Sprache spricht?", zischte Harry der Schlange auf Parselmund zu, was mehrere überraschte Schreie beim Publikum verursachte.

Ich konnte nicht wissen, dass du meine Sprache sprichst. Ich entschuldige mich, Zauberer, die unsere Sprache sprechen sind so selten..."

Ich weiß", zischte Harry zurück. „Greif die an, die dich heraufbeschworen hat. Aber töte sie nicht."

Gut, ich werde es tun, um meinen Fehler zu begleichen."

Herry sprach vor allen Schülern und Lehrern mit der Python, als diese sich auf einmal umdrehte und auf Bellatrix zubewegte. Letztere war zu schockiert, um auch nur irgendeine Bewegung zu machen. Die Schlange schlängelte um Bellatrix herum und Harry gelang es, ihr den Zauberstab zu entwenden.

„Ich glaube, dass ich gewonnen habe, meine Liebe. In Zukunft solltest du es vermeiden zu sagen, ich hätte Angst vor Schlangen. Im Gegenteil, sie verstehen mich", warnte er sie mit bedrohlicher Stimme.

Harry wandte sich ab und schritt mit gesenktem Blick davon. Er konnte seinen Freunden einfach nicht in die Augen sehen.

Er zischte leise die letzten Worte: „Du kannst sie jetzt freilassen. Danke für deine Hilfe, mein Freund."

Immer gerne", hörte er die Antwort.

Die Schlange ließ also von Bellatrix ab, die ihren Zauberstab, den Harry auf dem Boden zurückgelassen hatte, nahm und ihre eigene Kreation damit verschwinden ließ.

Harry ging auf direktem Weg in den Gemeinschaftsraum zurück und schloss sich in seinem Bett ein. Niemand konnte durch die Vorhänge zu ihm durchdringen.

Anderer Blickwinkel des Geschehens

Harry verteidigte sich ziemlich gut. Jedenfalls bis Bellatrix diesen Spruch sagte, den ich nicht kannte. Das war sehr seltsam, da ich so ziemlich von jedem Spruch schon gelesen habe, ich, Lily Evans.

Ich hatte große Angst gehabt, als ich sah, wie Herry auf den Boden fiel, doch offensichtlich hatte er nichts Schlimmeres. Und diese Black hörte einfach nicht auf, ihn mit Flüchen zu belegen.

Als die Schlange – oder sollte ich eher sagen 'das Monster' – aus Blacks Zauberstab herausbrach, lief es mir eiskalt den Rücken runter: Um nichts auf der Welt hätte ich mit Herry in dem Moment tauschen wollen. Ich hatte das Problem schnell verstanden: Herry konnte sich von der Schlange nicht mit Hilfe von Magie befreien. Er fand dies anscheinend gerade ebenfalls heraus, wenn man sich so seine Miene ansah.

In dem Augenblick, da er mich ansah, wusste ich, dass er im Begriffe war, etwas zu tun, das ich nicht sehr gutheißen würde. Es war, als würde er sich im Vorhinein für etwas entschuldigen.

Ich war auf alles gefasst – oder jedenfalls auf alles abgesehen davon! Parselmund! Herry... mein Bruder... war ein Parselmund und er hatte es mir niemals gesagt! Wie hatte er nur das vor mir verheimlichen können? Mir, die ich nie verstanden habe, warum er nach Slytherin gekommen war! Jetzt verstand ich einiges sehr viel besser.

Alle um mich herum hielten die Luft an. Ich hatte den Eindruck, dass alle – ja, alle! - ihn mit unterschiedlichen Ausdrücken ansahen. James schien außer sich. Plötzlich kam mir das Spiel wieder in den Sinn. Das Delta Spiel. James hatte gesagt, dass alle Parselmünder Schwarzmagier waren. Das erklärte die aufgebrachten Blicke der anderen. Aber ich wusste in meinem Innersten, dass mein Bruder nicht schlecht sein konnte. Das war einfach unmöglich!

Dritter Blickwinkel des Geschehens

Vielleicht gewann Herry ja tatsächlich nicht. Ich musste innerlich lachen, wenn ich daran dachte, wie ich ihn damit aufziehen könnte: Er war so selbstsicher gewesen, zu gewinnen. Jedenfalls schien es gerade nicht sehr gut um ihn zu stehen: Er lag am Boden und meine 'liebe' Cousine machte sich einen Spaß daraus, über ihn herzufallen.

Glücklicherweise war ich nicht an seiner Stelle... Ich bevorzuge es, mich mit Gryffindors zu duellieren, da war man sich wenigstens sicher, es zu überleben. Obwohl, bei Lily war ich mir nach meinem Duell mit ihr nicht mehr so sicher in dem Punkt.

Für einen Jungen, der sich vor einem verrückten Mädchen auf dem Boden befindet, hatte Herry immer noch eine Menge Energie. Ich war beruhigt, als er wieder aufstand, jedoch wurde ich gleich wieder beunruhigt, als ich dieses Monster sah, das meine Cousine heraufbeschworen hatte! Wollte sie ihn umbringen, oder was? Ich, Sirius Black, hatte mich schließlich so an diesen Slytherin gewöhnt und sorgte mich richtiggehend um ihn. Auch wenn wir wussten, dass er jede Menge vor uns verheimlichte, hatten wir ihn schließlich alle akzeptiert – oder zumindest alle außer Peter.

Ich musste innerlich lachen, als Herry sich quasi meiner Cousine beugte. Zugleich verstand ich ihn aber: Wenn ich diesem... diesem Ding gegenüberstünde, hätte ich mich schon längst vor ihr erniedrigt. Obwohl, bei der hätte ich wohl alles versucht, bevor ich... Moment mal, warum wirft er uns diesen Blick zu? Seine Niederlage scheint ihm fast peinlich zu sein. Er wird sie von mir aber trotzdem noch oft genug unter die Nase...

Sagt mir bitte, dass ich träume! Nein, das ist nicht möglich! Er ist... ein Parselmund?

Ich war auf einmal überwältigt von tausenden von verschiedenen Gefühlen, unter anderem Wut und Hass. Er hatte uns angelogen. Er hatte uns verraten! Ich konnte es einfach nicht glauben, dass er uns so drangekriegt hat!

„James..."

Es war mir nicht möglich, ein weiteres Wort herauszubringen: Ich sah den Verräter mit einem unterkühlten Ausdruck an. Niemals wieder werde ich so einfach einem Slytherin vertrauen – niemals!

Vierter Blickwinkel des Geschehens

Ich war zufrieden – immerhin war ich der Sieger der Gryffindor-Sechstklässler. Sicherlich würde ich irgendwann Herry gegenüberstehen. Er müsste nur noch dieses Duell gewinnen, dann wäre er Sieger.

Hatte Sirius nicht gesagt, dass seine Cousine ein harter Gegner wäre? Ah, ja, jetzt sehe ich warum. Das war kein schöner Sturz. So leicht wird er sie wohl doch nicht besiegen.

Was mich bei diesem Jungen immer wieder verwundert, ist, dass er, selbst wenn er am Boden liegt, weiterkämpft. Er gibt niemals auf. Das war eine gewisse Art von Mut. Der Hut musste bei ihm einen Fehler bei der Häuserwahl gemacht haben. Das wäre das erste Mal, aber muss wohl so sein.

Wow, was ist denn das bitteschön für ein Monster? Und das nennt man eine Schlange? Von hier aus scheint es so, als wäre sie mindestens zwanzig Meter lang! Oh! Das scheint mir kein gutes Ende zu nehmen! Warum verschwindet die Schlange nicht, wie die bei Schniefelus?

Schade, dass er verloren hat. Er scheint richtig enttäuscht zu sein. Ich an seiner Stelle hätte weiter versucht, mich zu... Was soll den der Blick heißen? Was will er uns damit sagen?

Er wird irgendwas machen! Und wenn er der Schlange den Kopf wegfegt... Nein... Sagt mir, dass ich mich versehen habe... Sagt mir, dass ich verstehe, was Herry da sagt... Nein... Nein, das ist nicht...

„James..."

Als ich Sirius' Stimme höre, verstehe ich, was vor sich geht: Er war schlau gewesen, sehr schlau... Wir hatten ihm sofort vertraut, weil er Lily nahe stand.

Lily... ich hoffe nur, dass er ihr nichts angetan hat! Wenn er ihr auch nur ein Haar gekrümmt hat... Herry Praott, ich schwöre dir, dass du das zahlen wirst - du elendiger Schwarzmagier!

Und wenn ich daran denke, dass er bei mir geschlafen hat... Er widert mich an und er wird es bezahlen und zwar sehr teuer.

Von jetzt an, Herry Praott, herrscht Krieg zwischen uns!

Nur zu, flieh vor uns, du Sieger der Slytherins! Sobald wir beide uns im Duell gegenüberstehen, wirst du für deinen Verrat sühnen müssen!

„Ich... erkläre Herry Praott zum Champion der Sechstklass-Slytherins", verkündete Dumbledore in einem müden und erschöpften Tonfall.

Die Große Halle, oder jedenfalls diejenigen, die darin waren, schienen wie erstarrt. Niemand wagte es, sich zu rühren.

Der erste, der sich in Bewegung setzte, war James Potter, gefolgt von Sirius, Remus und Peter. Die vier verließen die Halle, um sich in einem leeren Klassenzimmer zu versammeln.

„Ich kann es einfach nicht glauben!", rief James nach einigen Sekunden, die sie sich schweigend gegenübergestanden waren, aus. „Der hat uns ganz schön reingelegt, was? Wenn man bedenkt, dass ich diesen Schwarzmagier zu mir eingeladen habe, dann bin ich von mir selbst angewidert. Aber ich konnte ja nicht wissen, dass er nicht sauber war. Und wenn man es so recht bedenkt, hat er einen nach dem anderen von uns in seinen Bann gezogen – zweifelsohne ein Zauberbann! Und wir haben begonnen, ihn zu akzeptieren!

„Nein, ich nicht", rief Peter ihnen in Erinnerung zurück und unterbrach somit James' Rede. „Ich hab euch von Anfang an gesagt, dass er nicht in Ordnung ist. Er hat mir Angst gemacht, aber ihr wolltet mir nicht zuhören, ihr wart nur auf ihn fixiert. Es hieß immer nur Praott. Manchmal hatte ich den Eindruck, gar nicht mehr zur Gruppe zu gehören."
„Es tut uns wirklich Leid, Peter", entschuldigte sich James. „Das war wirklich unverzeihlich von uns. Du hattest Recht und wir haben dich ignoriert. Ich glaube, dass wir in Zukunft sehr viel besser aufpassen sollten und wieder die Gruppe und Einheit bilden, die wir früher waren."

„Der Untergang Hogwarts'!", rief Sirius erfreut aus. „Und der Schrecken der Slytherins."

„Das ist wahr. Seit Praott da ist, haben wir uns nicht mehr richtig mit den Slytherins amüsiert. Ich schlage vor, dass wir unsere Arbeit wieder aufnehmen", meinte James.

„Er hat allerdings ein paar Dinge gesagt, die sich nicht ganz falsch angehört haben", räumte Remus ein. „Es war nicht gerade sehr nett von uns, Schwächere anzugreifen."

„Schwächere? Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast, aber erstens ist Praott alles, nur nicht schwach und Schniefelus verteidigt sich auch bemerkenswert gut, also sehe ich keine Schwachen, mit denen wir es hier zu tun haben. Und außerdem, Remus, spielen wir, wie in der guten alten Zeit, ja nur Streiche, nichts Gefährliches."

„Abgesehen von dem einen Mal, wo Sirius es sehr intelligent gefunden hat, Snape zu sagen, wie man den Geheimgang unter der Peitschenden Weide betreten kann..."

„Wie oft muss ich mich dafür eigentlich noch entschuldigen? Das war unverantwortlich von mir, das habt ihr mir wirklich gut zu verstehen gegeben!"

„Ich will nur nicht, dass das noch einmal vorkommt, das ist alles."

„Mal was anderes: Wir werden selbstverständlich auch unsere Recherchen über Praott wieder aufnehmen. Die haben wir fallen gelassen, weil er ja angeblich keine Gefahr darstellte. Wir müssen alles noch mal ganz von Anfang angehen."

„Ich habe die Recherchen nicht fallen gelassen und laut meinen Eltern ist es unmöglich, dass er aus Russland kommt, die kennen sich da aus. Meine Mutter ist dort aufgewachsen und ihr müsst wissen, dass es dort nur sehr wenige Zauberer gibt. Sie kannte fast alle magischen Familien."

„Danke, Peter, diese Information ist von großer Bedeutung. Wir wissen, dass er sich hinter einem anderen Äußeren versteckt, dass er seine Sätze nicht beantwortet, dass er niemals in Russland gelebt hat oder wenigstens nicht dorther kommt."

„Das ist ja alles ganz gut, James, aber weiter wissen wir nichts."

„Lily weiß sicherlich mehr über ihn. Vergesst nicht, dass er sich als ihr 'Bruder' ausgegeben hat. Wenn er sich ihr nähert, und sei es nur einen Zentimeter, dann ist er tot. Das schwör ich euch."

„Wir sollten uns trotzdem etwas beruhigen", beschwichtigte Remus ihn. „Diejenigen, die am meisten über ihn wissen, sind Dumbledore und..."

„Und wer?", fragte James ungeduldig.

„Und dein Vater, James."

„Was erzählst du denn da, Remus?"

„Er hat Recht", meinte Sirius plötzlich. „Dein Vater ist angeblich der größte Auror Englands und er nimmt einen Slytherin bei sich auf..."

„Natürlich! Er hat sich über ihn informiert und sie hatten eine Auseinandersetzung in seinem Büro! Mein Vater muss Praotts Geheimnis herausgefunden haben und Praott hat ihn daraufhin verzaubert!"

„Glaubst du wirklich, dass Praott mächtig genug wäre, deinen Vater zu verzaubern?"

„Ja, das glaube ich ehrlich. Er ist wirklich sehr mächtig, ihr habt ihn im Unterricht gesehen."

„Warum hätte dein Vater ihn in dem Falle trainiert?", räumte Remus abermals ein.

„Weil er unter einem Fluch stand", antwortete James, als ob es das Natürlichste der Welt wäre.

„Ich denke, wir sollten nicht so sehr nach dem Äußeren gehen! Glaubt ihr wirklich, dass alle Parselmünder Schwarzmagier sind?"

„Aber natürlich! Was für eine Frage, Remus! Das sind allesamt Monster", knirschte James, als ob ihm allein der Gedanke daran unerträglich wäre.

„Ich muss auch unter solchen Vorurteilen leben. Ich bin auch ein Monster, warum habt ihr mich dann nicht gemieden?"

„Nein, Remus! Das ist was ganz anderes!", rief Sirius aus. „Du hast dir nicht ausgesucht, was du geworden bist. Er dagegen schon. Warum, denkst du, ist er nach Slytherin gekommen? Die sind alle schlecht, da gibt es keine Ausnahmen."

„Glaubst du nicht, dass du ihn ein bisschen schnell verurteilst?"

„Nein, das glaube ich nicht, Remus. Du hast den Beweis mit eigenen Augen gesehen. Praott ist ein Verräter, er wird vermutlich Voldemorts würdiger Nachfolger."

Alle verzogen bei der Erwähnung des Namens die Mienen, selbst James.

„Also, was bereiten wir gegen die Slytherins vor?"

„Zuerst würde ich vorschlagen, dass wir McGonagall erzählen, dass ein Schüler sich nachts sehr oft außerhalb des Schlafsaals aufhält."

„Wie willst du ihr das sagen, ohne die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen?", merkte Remus an.

„Oh, wie ich es hasse, wenn du Recht hast", meinte Sirius enttäuscht.

„Aber seine nächtlichen Ausflüge können auch für uns ein Vorteil sein. Dann können wir ihm nämlich nachspionieren. Heute Abend zum Beispiel."

„Aus der Sicht des Vertrauensschülers sieht die Sache wie folgt aus: Wir sollten uns dabei am besten nicht erwischen lassen, sonst stecken wir nämlich in gewaltigen Schwierigkeiten."

„Mach dir keine Sorgen, mein kleiner Wolf. Es wird schon alles gut gehen", grinste Sirius.

Die wenigen Schüler, die nicht dem Duell zwischen Praott und Black beigewohnt hatten, waren über die 'Gabe' des Jungen bis zum Nachmittag auf dem Laufenden.

Als es Zeit zum Abendessen war, brauchte Harry lange, um sich zu entschließen, dort hinzugehen, aber schließlich wollte er auch nicht verhungern.

Er öffnete die Vorhänge und traf auf einen wirklich erzürnten Severus.

„Na, haben wir vergessen, mir ein klitzekleines Detail mitzuteilen? Nur, dass du eine Gabe hast, die kaum jemand besitzt und nicht nur irgendeine! Nein! Nur diejenigen, die Slytherins nachkommen sind, besitzen sie! Du bist ein Parselmund, aber hast es anscheinend nicht für nötig gehalten, mir das mitzuteilen!"

„Was hätte das schon geändert? Du hättest dich mir nicht einmal genähert, wenn ich es dir gesagt hätte."

„Falsch! Du solltest wissen, dass ich es schon immer als eine Gabe angesehen habe, Parsel sprechen zu können. Du hast Glück, diese Gabe zu besitzen, also wag es dich auch, es anderen zu sagen!"

„Hab ich das nicht gerade gemacht?"

„Ja. Und mal wieder auf eine äußerst theatralische Art und Weise. Selbst ich habe es nicht kommen sehen. Und du hättest Bellatrix' Gesicht sehen sollen... zum Todlachen", endete Severus lachend.

„Ich bin sicher, dass du der einzige bist, der es so aufnimmt. Die Gryffindors, die mich bisher in Ruhe gelassen haben, werden mich hassen, alle Schüler werden Angst vor mir haben..."

„Und? Es ist ja nicht so, als ob du dich um die Verrückten scheren würdest – oder?"
„Nein, im Gegenteil..."

„Also, dann ist es ja gut. Das einzige Problem wird sicherlich Dumbledore sein, dem die Tatsache nicht gerade gefallen wird."

„Das ist wirklich meine geringste Sorge."

Wenn nur die Rumtreiber und Lily genauso verständnisvoll wären wie Severus... mich um die Verrückten scheren... Was für eine Idee! Ich hab es schon immer gehasst, das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein. Doch diesmal schein ich genau das mal wieder geschafft zu haben.

„Ich krieg langsam Hunger und ich mache dich darauf aufmerksam, dass übermorgen noch mehr Duelle für dich auf dem Programm stehen!"

„Das stimmt. Also, auf geht's, treten wir den anderen gegenüber", lächelte Harry gequält.

Die beiden Jungen verließen ihren Schlafsaal, nur um auf eine kleine Gruppe Slytherins zu stoßen, die sie erwarteten. Diese kleine Gruppe bestand ausnahmslos aus den künftigen Todessern, die an der letzten Versammlung teilgenommen hatten.

„Wir haben euch erwartet", hob Lucius an, der vor Herry den Blick senkte.

„Genial", murmelte Harry.

Klasse, jetzt hab ich auch noch einen eigenen Geleitzug! Die einzigen, die nicht Angst davor haben, mit mir zu reden oder sich mir zu nähern sind die künftigen Todesser... Diese Reise in die Vergangenheit hätte so fantastisch werden können. Wird langsam Zeit, dass ich David finde und aus dieser Hölle rauskomme!

Als Harry einen Fuß in die Große Halle setzte, verstummten die Gespräche und alle Schüler sahen ihn an.

Wenn ihre Augen Avadas abschießen könnten, wäre ich schon tot, dachte Harry, wobei er die Rumtreiber ansah.

Die anderen Schüler waren eher erstarrt vor Angst wegen Herrys kühlem Blick.

Harry und die anderen Slytherins fanden ohne Probleme einen Platz an ihrem Haustisch und aßen ruhig.

Nach und nach hoben die Gespräche wieder an.

„Ich muss unbedingt mit ihm sprechen! Ich muss das verstehen!"

„Lily, da gibt es nichts zu verstehen", versuchte Anne sie zur Vernunft zu bringen. „Er ist ein Schwarzmagier, das ist die Realität und die solltest du akzeptieren."

„Hör auf, Unsinn zu erzählen!"

„Sie hat Recht", meinte Gabrielle. „Er gehört den Nachfolgern Slytherins an. Wer weiß, vielleicht wird er Slytherins geheime Kammer öffnen und das Monster auf alle muggelgeborenen Zauberer loslassen."

„Hör auf mit deinen Geschichten, Gabrielle! Er hat eine Woche lang bei mir gelebt und alles ist reibungslos verlaufen. Meine Eltern mögen ihn und das beruht auf Gegenseitigkeit."

„Ich denke, dass du einfach nur vollkommen blind bist, Lily, meine Liebe."

„Nein, Anne. Jedenfalls muss ich ihn heute Abend sehen."

„Du meinst das nicht ernst, oder?"

„Doch, vollkommen ernst. Und es bringst nichts, mich von dem Vorhaben abbringen zu wollen!"

„Aber was, wenn er dich angreift? Bist du sicher, dass ich nicht lieber James oder Sirius warnen gehen soll?"

„Ich brauche keine Bodyguards, danke! Ich bin genauso begabt im Duellieren wie die beiden zusammen."

„Ja, aber James ist stärker, oder?"

„Anne, du machst mich noch fertig! Ich werde zu ihm gehen und dabei bleibt es."

Herry derweil spürte, wie selbst Lily ihm aufgebrachte Blicke zuwarf. Doch diese waren nichts im Vergleich zu den hasserfüllten Blicken der anderen. Harry wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war oder nicht.

In dieser Nacht ging Herry auf direktem Weg in den Schlafsaal der Slytherins. Er wusste schließlich, dass die Rumtreiber auf ihn warten würden und er hatte nicht den Mut dazu, ihnen jetzt schon gegenüberzutreten.

Für den nächsten Tag waren schließlich die letzten Duelle angesetzt.

Zunächst waren die Fünftklässler an der Reihe und bei denen begann es mit einem Duell zwischen einem Ravenclaw und einem Slytherin, das Rosier, der Sieger der Slytherins gewann.

Der Kampf zwischen Gryffindor und Hufflepuff verlief sogar noch schneller: Sam (der Vertreter der Hufflepuffs) verteidigte sich lediglich und Jensen (der Gryffindor) nutzte die Gelegenheit zum Angriff, womit er dann auch gewann.

Somit musste also Jenson gegen Rosier antreten. Rosier, der sehr selbstsicher war (zu selbstsicher, wie sich herausstellte), verlor unter dem hämischen Gelächter der Gryffindors – und auch dem der Ravenclaws und Hufflepuffs, da fast alle Schüler gegen Slytherin waren.

Das Finale der Sechstklässler erwarteten alle mit besonderer Spannung. Die Schüler, wie die Lehrer waren regelrecht aufgekratzt. Alle wünschten sich, ein spannendes Finale zwischen Gryffindor und Slytherin zu sehen.

Zunächst fand der Kampf zwischen Gryffindor und Hufflepuff statt, das nicht lange dauerte: James, der es kaum erwarten konnte, gegen Praott anzutreten, warf die arme Delphine, die ihr bestes gegeben hatte, mit einem mächtigen Zauber gegen die Mauer.

Das Duell Ravenclaw gegen Slytherin dauerte aus mehreren Gründen länger: Erstens, weil Harry sich nicht wirklich duellierte und zweitens, weil die Ravenclaw namens Kristie sich sehr gut verteidigte und sich auch auf gekonnte Angriffe verstand.

Nach etwa einer Viertelstunde nicht gerade sehr ereignisreichem Kampfes, beschloss Herry herauszufinden, wie schnell die Ravenclaw seine Flüche abwehren konnte. Er feuerte also immer schneller Flüche ab, ohne sich dabei zu erschöpfen. Die Ravenclaw dagegen begann allmählich müde zu werden.

Er beendete das Duell mit einem schönen Lasso, das sich um Kristie schlang und sie zum Fallen brachte.

Lediglich einige Slytherins wagten es zu klatschen, ansonsten herrschte Stille.

Für Harry war es endlich an der Zeit, seinem Vater gegenüberzutreten, einem sehr mächtigen Zauberer, vor allem wenn er wütend war – und dass er wütend war, konnte er allein an seinem Blick feststellen.

Harrys POV

Sein hasserfüllter Blick brachte mich zu Beginn etwas aus der Fassung. Die Zeit, in der ich mich mit den Rumtreibern gut verstand, war endgültig vorbei. Jetzt herrschte nur noch purer Hass zwischen uns.

Ich war mehr als enttäuscht von der Verhaltensweise meines Vaters, aber wie hätte ich reagiert, wenn ich erfahren hätte, dass er Parsel sprechen kann, während ich es nicht konnte und immerzu gehört hätte, dass alle Parselmünder schwarzmagisch sind? Vielleicht hätte ich ihm eine Chance gegeben...

In dem Moment, da wir uns direkt gegenüberstanden, flüsterte er mir ein paar Worte ins Ohr, die mir jegliche Illusionen raubten: „Zwischen uns ist Krieg, Verräter!"

Also war ich der Verräter! Ich, während diese kleine Ratte immer noch unter ihnen war. Das Leben war manchmal so was von ungerecht! Die einzige Möglichkeit, in der ich meinen Vater sehen kann, wird von der Tatsache überschattet, dass mein Vater mich hasst. Es scheint sogar schlimmer zu sein als Anfang des Jahres, denn in der Zwischenzeit habe ich ihn lieben gelernt.

James setzte das Niveau des Kampfes sehr hoch an, als er das Duell begann: Er wollte mich mit einer Kombination eines Schleuder- und Entwaffnungszaubers belegen. Dem ersteren konnte ich ausweichen, aber nicht dem zweiten.

Mein Zauberstab blieb jedoch in meinen Händen und ich umgab mich mit einem mächtigen Schutzschild, um die Attacken des Gryffindors abzuschwächen.

Nach mehreren Flüchen, die keinerlei Wirkung zeigten, schien sich James zu beruhigen. Besonders, weil ich mich noch nicht einen Zentimeter gerührt hatte.

James' POV

Ich hatte schon die meisten Sprüche, die ich kannte, verbraten und der Verräter bewegte sich immer noch nicht. Es war zum Verrücktwerden! Er versuchte nicht einmal sich zu verteidigen... Jedenfalls war sein Schild sehr mächtig... Vielleicht sollte ich ihn moralisch fertig machen, damit seine Magie schwächer würde? Mein Vater hat mir immer wieder gesagt, dass unsere Magie mit unseren Gefühlen zusammenhing.

„Der Verräter wagt sich also nicht, sich zu bewegen? Hast du so viel Angst vor mir? Zu Recht, ich war schließlich schon immer der Mächtigere von uns beiden."

„Immer noch so arrogant wie eh und je, wie ich sehe. Jetzt verstehe ich besser, warum sie immer noch nicht mit dir zusammen ist. Ich hätte dich auch schon längst alleine gelassen an ihrer Stelle."

Diese Worte machten mich nur um so wütender. Vielleicht war es gar keine so gute Idee gewesen, schließlich schien jetzt alles auf mich zurückzukommen und wenn er so weitermachen würde, würde ich noch explodieren. Lily hier mit hineinzubringen machte mich blind vor Wut. Als ob ich es nicht gemerkt hätte, dass sie sich abermals von mir entfernt hat! Dabei hatten wir uns in den Ferien doch so gut verstanden...

„Wie ich sehe, denkst du scharf nach, Potter! Wenn du dazu überhaupt fähig bist!"
„Wie kannst du es wagen..."

„Ich hab damit nicht angefangen, wenn ich dich erinnern darf."

„Wir haben dir..."

Ich konnte nicht mal meinen Satz zu Ende bringen, da er mich mit einem Fluch belegt hatte, der mich verstummen ließ. Das überraschte mich. Ich musste schnell eine würdevolle Parade finden.

Ohne genau zu verstehen, wie, fand ich mich auf dem Boden wieder. Es war mir unmöglich, meine Beine zu bewegen. Ich musste etwas unternehmen und zwar schnell!

Das einzige, was mir in den Sinn kam, war das Feuer... Das Feuer, das ich in mir hatte. Ich konzentrierte mich aufs Höchste und auf einmal befand sich Praott von einem Feuerring umgeben. Ich hörte erstaunte Schreie aus der Menge und war sehr stolz auf mich: Es war das erste Mal, dass ich mein Element so gut beherrschte...

Harrys POV

Das Feuer umgab mich und ich hatte Angst. Ja, in dieser Situation hatte ich wirklich Angst und ich fühlte, wie meine Magie immer weniger wurde. Ich sah, dass James es geschafft hatte, die beiden Flüche, mit denen ich ihn belegt hatte, aufzuheben.

In meinem tiefsten Inneren wusste ich, dass ich nicht meine gesamte Macht zeigen durfte. Die Rumtreiber kannten davon schon viel zu viel, wenn auch nicht alles.

James wusste, dass ich ein wenig die Magie ohne Zauberstab beherrschte, aber all die anderen Schüler sollten es nicht wissen.

Das Feuer kam immer näher und James' Blick ließ mir einen Schauer über den Rücken jagen. War es möglich, in der Vergangenheit von seinem eigenen Vater umgebracht zu werden?

Glücklicherweise hatte ich einen Zauberspruch gelernt, der es mir ermöglichte, aus meinem Zauberstab einen Wasserstrahl fließen zu lassen.

Ich benutzte diesen Spruch nun schon zum fünften Mal, doch die Feuermauer war noch immer da, auch wenn sie ein wenig zurückgegangen war. Doch das Erstaunlichste war, dass James immer erschöpfter wurde, je öfter ich den Spruch benutzte. Der Spruch selbst bereitete mir keine großen Anstrengungen und ich fasste somit neuen Mut. Die Lösung bestand darin, James so gut wie möglich müde zu machen, indem ich seine Mauer mit Wasser angreifen musste.

Nach dem achten Mal, sah ich, wie James zu Boden sank und die Feuermauer komplett verschwand. Er selbst hatte es nicht bemerkt, aber er hatte seine eigene Energie ausgebrannt, während sein Feind unbeschadet geblieben war. Er hätte das Feuer aufhalten müssen, als er gesehen hatte, dass ich nicht in Panik ausbrach.

Zur Sicherheit fesselte ich ihn mit einem einfachen Spruch und nahm ihm den Zauberstab weg – und somit war ich der Sieger Hogwarts' aller Sechstklässler. Aber ich fühlte nichts. Für mich war es eine Niederlage gewesen. Die Niederlage der Freundschaft und der Beginn eines Krieges innerhalb der Mauern Hogwarts'.

normale POV

„Ich erkläre Herry Praott zum Sieger der Sechstklässler", verkündete Dumbledores Stimme.

In der Großen Halle hörte man mehr Klagen als Applaus. Herrys Sieg erschien fast lächerlich, wenn man Potters großes Talent bedachte.

Alles, was die Schüler von diesem Duell in Erinnerung behielten, war die Tatsache, dass James ein Feuer heraufbeschwören konnte, niemand hatte seine Torheit gesehen, die ihn schließlich das Duell hatte verlieren lassen.

Am späten Nachmittag fanden schließlich die Kämpfe der Siebtklässler statt.

Malfoy zeigte sich sehr wendig und stark im Duellieren. Immerhin war er Voldemorts rechte Hand persönlich! Er gewann mit einem brutalen Sieg gegen die arme Ravenclaw, die selbst eine sehr hohe Begabung im Duellieren aufzuweisen hatte.

Aber zur Überraschung aller war es Justin (der Vertreter der Hufflepuffs), der das Duell gegen Gryffindor gewann, sodass es schließlich zu einem Finale zwischen Slytherin und Hufflepuff kam.

Justin verteidigte sich gegenüber Malfoy sehr gut. Er hatte eine einwandfreie Taktik, doch er hielt sich sehr genau an die Regeln, was Lucius nicht tat. Dieser behalf sich mit einem sehr zweifelhaften Spruch zum Sieg.

Somit waren die drei Sieger Hogwarts' zwei Slytherins und ein Gryffindor.

Die Schule ging wieder los, sobald die Duelle ausgefochten waren. Es war, als hätte es gar keine Ferien gegeben und fortan entdeckte Harry eine der Schwachseiten Hogwarts': Es war wie in seinem zweiten Jahr, nur dass diesmal Ron und Hermine nicht da waren, um ihm beizustehen.

Der einzige Trost für Harry war Severus' Gegenwart. Dieser sah genau, dass Herry unter den Umständen litt. Er hatte verstanden, dass Herry jemand war, der sich mit jedem gut verstand und nicht gerne verachtet wurde. Er wollte ganz einfach nur normal sein und Severus hatte bemerkt, dass, wenn man mit Herry zusammen war, nichts normal war. Er konnte verstehen, was in dem Jungen vor sich ging.

Eines Abends, als er nicht einschlafen konnte, beschloss Harry, in den Verbotenen Wald zu gehen. Es war lange her, dass er nach den Einhörnern gesehen hatte und sie würden ihn sicherlich beruhigen können.

Zum ersten Mal beschloss er, ohne seinen Umhang zu gehen, dafür nahm er aber die Karte mit. Als er den Gemeinschaftsraum verlassen hatte, schlich er aus den Kerkern, um zu den Torflügeln zu gehen.

Er war mehr als überrascht, als er sah, dass Lily ihn dort erwartete. Wie lange sie wohl schon hier auf ihn wartete?

„Lily?"