Autorenanmerkung: Keine Reviews, keine langen Worte. Zwar spät am Tag, aber immer noch am Montag. Die 1000 Hits sind überschritten, bis auf das letzte Kapitel hat jedes inzwischen über 20 Hits, Tendenz zu etwa 25. Und das allererste hat inzwischen über 360 Hits. Ja, das kann ich alles ganz genau sehen... ;-)
Kapitel 24: Es wird ernst…
Ich konnte nicht sagen, dass es irgendwie rational Sinn machte, Danny mit zu meiner Wohnung zu nehmen. Es war nicht so, dass er gleich um die Ecke wohnte. Und es war auch nicht so, dass wir irgendetwas Bestimmtes noch geplant hatten, wie zum Beispiel noch Sport im Fernsehen zu kucken, oder auch die Spätnachrichten. Es war einfach etwas, wobei ich mich von meinem Instinkt leiten ließ, und der sagte mir: Nimm ihn mit!
Ich parkte mein Auto, nahm meinen Bass heraus und schloss schließlich ab, während Danny auf mich wartete. Es war ja nicht so, dass er das erste Mal in meiner Wohnung war. Aber seitdem wir gemeinsam ein Bier getrunken hatten war doch einige Zeit vergangen.
Ich war auch nur noch Auto gefahren, weil ich wirklich nur ein Bier im Cozy's hatte, sonst hätte ich den Wagen stehen lassen. Ich war immer noch bei der Polizei, und im Gegensatz zu anderen Kollegen war ich mir meiner Vorbildfunktion bewusst. Manch andere sahen das alles etwas lascher… Ich musste mich dazu nur an einen viel länger zurückliegenden Fall erinnern, um zu wissen, wie viel Dreck die New Yorker Polizei doch leider am Stecken hatte.
Wir gingen hoch zu meiner Wohnung, Danny wartete, dass ich die Tür aufschloss. Ich schaltete das Licht ein und steuerte dann in mein Arbeitszimmer, das Zimmer, dessen Tür eigentlich immer verschlossen war, wenn jemand vorbeikam. Nicht abgeschlossen, aber die Tür war geschlossen. Musste ja nicht jeder sehen, dass dort noch mehr Bücherregale waren, voll gestopft, ja, geradezu voll gestopft, mit Büchern über Tatortermittlungen, Untersuchungsmethoden, Chemie, Biologie, Physik, Mathematik, über die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Dinge. Außerdem meine Militärbücher. Und an der Wand hingen auch meine Auszeichnungen von meiner Zeit bei den Marines.
Im Büro hatte ich zwar auch ein paar Sachen, aber halt nur ein paar. Hier waren so viele persönliche Dinge. Unter anderem auch meine Ecke mit meinen Bassgitarren, meine ganzen Notenbücher, Übungshefte, mein Notenständer, Ersatzseiten, Erinnerungsfotos. Die Musik war etwas privates, das hatte ich immer auch in meinen eigenen vier Wänden lassen wollen.
Danny stand hinter mir und ich konnte spüren, dass er durchaus interessiert den Raum beäugte. Auf dem Schreibtisch stand ein Computer. Nicht, dass ich ihn oft benutzte, aber ab und an verwendete ich ihn doch mal. Sei es, um nach einer neuen Bassgitarre im Internet zu suchen, etwas für die Arbeit nachzuschlagen, oder einfach um E-Mails abzurufen. Oder mir noch ein Buch im Internet zu bestellen.
Niemals würde ich den Computer auf der Arbeit für solche Dinge missbrauchen. Und Stella war eine der wenigen Personen, die auch meine private E-Mail-Adresse hatte. Ich überlegte, ob ich Danny sie nicht auch mal geben sollte.
„Wow!" hörte ich leise von ihm. Ich schmunzelte. Ich wusste, für jemanden der doch relativ ordentlich war wie ich, war es wohl ziemlich chaotisch hier, da in den Regalen die Bücher nicht nur standen, sondern andere sogar schon quer darüber lagen, weil einfach nicht mehr genug Platz gewesen war, um sie anders unterzubringen.
Mein Bass wurde vorsichtig von mir an seinen Platz gestellt. Ich behandelte meine Instrumente alle mit größter Vorsicht, geradezu liebevoll. Als ich mich umdrehte, glaubte ich ein Lächeln über Dannys Gesicht huschen zu sehen.
In dem Raum gab es auch eine Liege, die eigentlich ein Gästebett war, so eine Art Couch, die man auch zu einem guten Bett umbauen konnte. Als Claire noch lebte schliefen wir meist in diesem Zimmer, wenn meine Eltern in der Stadt waren und uns besuchten, dann überließen wir ihnen unser Schlafzimmer. Aber seitdem Claire tot war hatte niemand mehr in diesem Zimmer geschlafen. Die Nächte nach dem 11. September und um die Zeit ihrer Beerdigung herum, oder besser der Zeit, als wir einen leeren Sarg begruben, saß ich meist auf dem Sofa, wie betäubt. Ihre Eltern und meine Eltern waren in der Stadt, für die Trauerfeierlichkeiten. Aber praktisch alle hatten sich in Hotels einquartiert, niemand wollte mir zur Last fallen, auch wenn ihre Mutter und meine sich versuchten um mich zu kümmern. Ich weiß immer noch nicht, wie Claires Eltern das ganze überhaupt durch gestanden bekamen. Sie wirkten so stark auf mich, und dabei war ich derjenige, der körperlich kräftiger wirkte.
Meine Eltern traf es nicht ganz so schlimm wie Claires. Sie hatten sie auch sehr gerne gehabt, aber sie kannten sie viel weniger als ich Claire kannte, oder Claires Eltern sie gekannt hatten. Für sie war Claire ja nur ihre Schwiegertochter gewesen. Ich denke immer noch, sie hatten sich damals mehr Sorgen um mich gemacht, als dass sie um Claire trauerten. Das war kein Vorwurf, beide bedauerten sicherlich aufrichtig ihren Tod, meine Mum und mein Dad, aber ich weiß ja, wie ich zu der Zeit war…
Ich riss mich aus meinen Gedanken und Erinnerungen und kehrte mit Danny in den Flur zurück.
„Kann ich dir irgendwas anbieten?" fragte ich ihn schließlich. Er schüttelte den Kopf, als ich ihn, nachdem keine verbale Reaktion kam, schließlich ansah. Ich ging trotzdem in die Küche, mir war nach einem Glas Orangensaft.
„Mac?" hörte ich plötzlich seine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. „Wegen dem Kuss damals…"
Was? Wie kam er jetzt darauf. Und wieso sagte er ‚damals'? Erst in dem Moment wurde mir bewusst, wie lange es schon her war, dass ich ihn geküsst hatte. Ich wusste gar nicht, worauf er hinaus wollte, ich stand nur da und sah ihn an und wartete, dass er weiter reden würde. Er hatte zwar gesagt gehabt, es wäre schon alles okay, aber wer wusste das schon? Den Gedanken, dass er mir vielleicht sagen würde, was er empfand, der kam mir gar nicht.
Ihm anscheinend auch nicht, denn das nächste was ich bewusst war nahm waren seine Hände am Kragen meines Pullovers, sein Körper, der mich gegen den Tresen drückte, und seine warmen Lippen auf meinen. Ich schmeckte noch das Bier auf seinen Lippen. Vielleicht kam es auch von meinen. Ich konnte es nicht sagen. Mein Herz klopfte. Nein, es raste. Wir hatten zwar beide Bier getrunken, aber ich war so nüchtern, dass ich meinen Alkoholspiegel im Tolleranzbereich fürs Autofahren einordnete, und so weit ich das beurteilen konnte war Danny vom Zustand des Betrunkenseins auch noch weit entfernt.
Ich spürte seine Zunge, die über meine Lippen glitt und sie sanft teilte. Ich gab unter seinem Kuss einfach nach, keine Chance auf Widerstand. Ich konnte und wollte ihm auch gar nicht widerstehen. Bei unserem ersten Kuss, da waren wir beide ziemlich betrunken gewesen. Ich fragte mich anschließend manchmal, wie viel von dem fantastischen Gefühl, dass ich mit dem Kuss verband, ich dem Alkohol zuschreiben musste. Jetzt erfuhr ich, dass ich nichts davon dem Alkohol zuschreiben musste. Danny zu küssen war einfach so, als würde man auf Wolken schweben. Es war, als würde die Sonne an einem wunderschönen Tag aufgehen. So als hätte man sein Lieblingsessen, seinen Lieblingsdrink, seine Lieblingsmusik UND seinen Lieblingsnachtisch auf ein Mal.
Eigentlich war es einfach nur unbeschreiblich.
Das einzige, was mir in diesem Moment wirklich Sorgen bereitete war der kräftige Schlag meines Herzens gegen meinen Brustkorb. Nicht ernsthaft, aber ich hatte einfach das Gefühl, dass Danny spüren musste, wie sehr er mein Herz zum Klopfen brachte. Davon, dass er einen anderen Teil meines Körpers ebenso zum Leben erweckte ganz zu schweigen.
Es ging von ihm aus, und ich ließ ihn gewähren, denn es fühlte sich einfach nur fantastisch an. Ich wollte nicht, dass dieser Moment jemals wieder endete. Eigentlich wollte ich, dass alles nur noch viel weiter ging. Ich hatte das Gefühl, als wäre ich bereit, weiter zu gehen. Ich wollte seine Haut berühren, seinen Körper mit meinen Fingern erkunden, ihn streicheln, küssen, mich an ihm reiben, ihn umarmen, Haut an Haut.
Meine Finger umfassten vorsichtig sein Gesicht, während ich seiner Zunge Einlass in meinen Mund gewährte und meine Zunge begann etwas mit ihr zu ringen. Dieses Mal suchten meine Hände nicht ihren Weg zu seinem Hintern. Ich ließ mich nicht von meinem Trieb dazu hinreißen, seine Pobacken zu berühren, leicht zu massieren. Das wäre viel zu schnell. Ich war einfach nicht der Typ für eine schnelle Nummer. Ich wollte Danny ganz. Das wurde mir in diesem Moment wohl erst wirklich so richtig klar, was ich wollte.
Es traf mich wie ein Hammerschlag.
Ich wollte eine Beziehung mit Danny. Ich wollte mit ihm morgens aufwachen, an freien Tagen mit ihm im Bett frühstücken, Händchen haltend durch den Park gehen… Himmel, ich war wirklich bis über beide Ohren verliebt. Händchen halten… Andererseits: Ich bin keine Maschine. Ich bin kein verdammter Roboter, ich habe auch Gefühle. Tiefe Gefühle. Und ich mag menschliche Nähe.
Huch! Ich spürte jetzt Dannys Erektion an meiner Leiste, wie er sich gegen mich presste, sich an mich schmiegte. Ich hatte wohl recht gehabt mit den ganzen Vermutungen, dass Danny für Zärtlichkeiten sehr empfänglich war. Dann spürte ich ein leichtes Vibrieren auf meiner Haut, während meine Ohren Dannys sehnsüchtiges Aufstöhnen hörten. Und ich wurde noch härter, als ich es eh schon war.
Ich musste das stoppen. Wohin es auch immer führen würde, ich musste diese Situation stoppen. Es war klar, dass es uns ins Bett führen könnte, gemeinsam. Und ich glaubte, ein Traum würde wahr werden, aber: Ich wollte es nicht, wenn es nur um Sex ginge. Ich wollte nicht am nächsten Tag aufwachen und für Danny nur ein Abenteuer gewesen sein. Trotz all der Hinweise würde ich von ihm erst hören müssen, dass es mehr war, dass es ihm ernst war.
War es das, was Frauen fühlten? Dass sie Sicherheit wollten, bevor sie mit einem Mann schliefen? Nicht alle, aber doch sehr viele. Dass sie nicht nur eine Nummer sein wollten?
Ich gab mich noch ein paar Sekunden, vielleicht auch Minuten, dem intensiven Spiel unserer Zungen hin. Jegliches Zeitgefühl hatte ich verloren. Ich wusste nicht, ob unser Kuss fünf Minuten ging, oder vielleicht eher eine halbe Stunde. Ich konnte es wirklich beim besten Willen nicht sagen. Aber schließlich schaffte ich es, meine Hände von seinem Gesicht loszureißen, wo sie über seinen Bart gefahren waren, und die Haut gespürt hatten, auf der schon wieder Bartstoppeln zum Vorschein kamen. Es war ein langer Tag gewesen.
Meine Hände waren zwischen unsere Körper gewandert, ich fuhr über seine muskulöse Brust. Verdammt, fühlte sich das gut an, schon durch den Pullover und das darunter liegende Unterhemd. Wie wäre es erst, wenn ich über seine Haut und durch seine Brusthaare fahren würde? Ich drückte ihn sanft von mir weg.
Seine Zunge verschwand aus meinem Mund, meine zog sich aus seinem zurück, meine Lippen schlossen sich etwas weiter, bis sie schließlich den Kontakt mit seinen verloren. Und meine Augen öffneten sich wieder. Ich sah in seine blau-grünen Augen, die mich ansahen, als wüssten sie nicht, was gerade passiert war.
„Danny…" meine Stimme klang rau und belegt.
Dann sah ich Tränen in seinen Augen schimmern. Oh nein, bitte nicht weinen. Das wäre das Letzte, was ich von ihm sehen wollte. Ich wollte ihn nicht zum Weinen bringen. Ich merkte, dass er sich bereit machte, um sich zu entschuldigen, und ich wusste nicht, woher der Impuls kam, der mich einen Finger auf seine Lippen legen ließ.
„Sch!" sagte ich leise, während meine Stimme immer noch nicht wirklich klarer war. „Sag nichts." Ich probierte ein kleines Lächeln und hoffte sehr, dass es mir gelang. Er sah mich immer noch an, und ich konnte sehen, dass meine Haut auf seiner Brille während unseres Kusses Spuren hinterlassen hatte. Perfekte Beweismittel. Nur dass es hier um etwas anderes ging, als um die Tatortermittlungen.
Ich zog Danny in eine enge Umarmung, denn ich fühlte mich unfähig ihm weiter in die Augen zu sehen.
„Lass es uns langsam angehen." hörte ich mich selber zu meiner Überraschung sagen.
Es langsam angehen? Wovon zum Himmel redete ich gerade? Das klang gerade so, als würde ich mit Danny eine Beziehung anfangen. Ohne ihm gesagt zu haben, was ich empfand. Ohne zu wissen, was er empfand.
Ich hörte kein Wort von ihm. Ich spürte zwar eine Bewegung seines Kopfes, aber ich hörte kein Wort. Schließlich löste ich mich etwas von ihm um ihn anzusehen, und das leichte Nicken zu sehen, dass ich zuvor nur gefühlt hatte.
War ihm eigentlich klar, wovon wir gerade redeten? Dass wir davon redeten, eine Beziehung einzugehen? Etwas, dass ihn immer zu Tode erschreckt hatte? Oder wovon ich zumindest den Eindruck hatte, dass es ihn zu Tode erschreckte. Nein, das war vielleicht falsch, aber ich hoffte einfach, dass er sich im Klaren war, dass so etwas mit mir… nun, ich wollte nicht sagen lebenslänglich, noch nicht, aber es würde für ihn bedeuten, sich auf etwas einzulassen, woraus er nicht so schnell wieder hinaus käme.
„Was ist eigentlich mit Cindy?" fragte ich plötzlich. Er sah mich total erschrocken an.
„Woher weißt du von Cindy?" antwortete er mit einer Gegenfrage.
„Ich weiß alles." sagte ich scherzhaft.
„Hat sich zum Glück erledigt." Er schien nicht auf mehr Details eingehen zu wollen, und ich wollte auch nicht mehr hören. Zu wissen, dass er in den letzten Wochen, oder irgendwann in letzter Zeit, mit einer Frau geschlafen hatte, das tat irgendwie weh. Ja, es verletzte mich, dass er intimen Kontakt mit einer anderen Person gehabt hatte.
„Danny?" Ich ließ ihn los und sah ihn sehr ernst an, das Lächeln war verschwunden. Ich musste jetzt etwas wissen, etwas von ihm wissen, wovon ich nicht wusste, ob es ihm gefallen würde. Er sah mich an, unsicher, was ihn nun erwarten würde. „Ich bin nicht bereit dich zu teilen." sagte ich schließlich. Ich wusste immer noch nicht, woher das alles plötzlich kam. „Ich will dich ganz."
Wow, das war eine klare Aussage, wenn auch keine Liebeserklärung. Trotzdem überraschte es mich, dass ich es gesagt hatte. Er nickte. Meine Hände lagen in seinem Nacken, ich spürte, wie die Muskeln darunter arbeiteten, während er immer noch leicht nickte.
„Gut. Denn du hast mich auch ganz für dich…"
Ich beugte mich etwas nach vorne und legte meine Stirn gegen seine. Dann schloss ich kurz die Augen und merkte, wie müde ich inzwischen war, es war ein langer Tag gewesen, ein sehr langer Tag. Und er hatte viel mit sich gebracht.
„Willst du heute Nacht hier bleiben?" fragte ich schließlich als ich meine Augen wieder öffnete und ihn ansah. Er nickte erneut leicht.
Was war nur los? Was hatte ihn so sprachlos gemacht? Ich wollte nicht weiter darüber nachdenken, immerhin war er hier bei mir. Also gab ich ihm Kleidung für die Nacht, fragte ihn, ob er was zum Wechseln in seinem Schrank auf der Arbeit hätte, worauf er wieder nickte. Ich nahm mir meine Nachtkleidung, während Danny ins Badezimmer ging um sich umzuziehen. Ich hatte ihm eine Zahnbürste rausgelegt. Jetzt trank ich schließlich mein Glas Orangensaft, während im Badezimmer das Wasser lief und Danny offensichtlich Zähne putzte.
Als er fertig war verschwand ich im Bad, putzte meine Zähne und sammelte Danny schließlich vom Sofa ein.
„Du schläfst bei mir im Bett…" erklärte ich ihm einfach. Wenn ich das Bett schon mit Stella geteilt hatte, dann wäre es blödsinnig Danny auf dem Sofa schlafen zu lassen. Eine kleine Stimme in meinem Kopf fragte mich zwar, was mit ‚es langsam angehen' geschehen war, aber in einem Bett zu schlafen hatte ja noch nichts zu sagen.
