A/N: Das ist hier ist kein Scherz, das ist tatsächlich ein Update innerhalb einer Woche;) Ich hoffe es gefällt euch und ich bitte alle sich A Letter von La Dispute anzuhören, denn das ist fast furchterregend präzise für dieses Kapitel (auch Bury Your Flames wenn euch die Band gefällt;)
Disclaimer: Nah das ist nicht ganz Austen's Version, aber fast, also: Mir gehört nix. Nada. Niente
Kapitel 24: A Letter
London, 22.02.2015
An Miss Elizabeth Bennet,
diese Worte finden ihren Weg zum Papier in den Minuten zwischen Patienten und dem stetigen Piepsen der Geräte und ich kann kaum für ihre Kohärenz und noch viel weniger für grammatische Feinheiten garantieren, aber es gibt Dinge, die gesagt werden müssen. Es mag ein fehlgeleiteter Sinn von Gerechtigkeit sein, ein verdrehtes Verständnis von Fair-Play, das mich nicht in Ruhe lässt, bis ich zumindest von meiner Seite aus alles klargestellt habe und so werde ich versuchen die Geschichte von Anfang an zu erzählen, Ereignisse in Reihenfolge zu setzten und ich bitte Sie, Miss Bennet, nicht um meiner selbst willen, sondern der Sorge und Loyalität wegen, die sie so oft an den Tag legen, wenn es um meine Cousine oder eben die Patientin von letzter Nacht geht, diesen Brief zu Ende zu lesen und erst dann Ihr Urteil zu fällen.
Denn diese Geschichte ist nicht meine, sondern die meiner Schwester.
Als Giana geboren wurde, war ich gerade dreizehn geworden und abseits von milder Neugierde und einer Art morbiden Faszination mit der Tatsache, dass im Körper eines Menschen tatsächlich ein weiterer steckt wie bei einer Matroschka-Puppe, hatte ich dem ganzen nur wenig Bedeutung beigemessen bis zu dem Tag, an dem meine Mutter verschwand und eine Heerschar von Notärzten und Schwestern, die Hallen von Pemberley durchfluteten, ein reges Gesumme nervöser Stimmen und schließlich ein einzelner, jammernder Schrei und es mag Einbildung sein, Emotionen, die sich über Erinnerungen legen und sie verdrehen, aber danach erinnere ich mich nur noch an Stille und wie eng und unkomfortabel es in dem schmalen Wandschrank war, in dem ich mich versteckt hatte.
Meine Mutter starb an dem Tag, Miss Bennet und mein Vater, ein stolzer Mann, der sich schwer darauf verstand Worte als Mittel der Kommunikation zu nutzen, fror noch ein paar weitere Grade bis er mehr Maske als Mensch war.
Ich erinnere mich daran noch so gut daran aus dem einzigen Grunde, das mein Vater mich, in einem Moment von sei es Vorsehung oder betrunkenem Stupor in den Tagen nach der Beerdigung, in das Kinderzimmer meiner Schwester zog und mit einem Blick auf Giana, die friedlich schlief, mir heiser befahl mich um sie zu kümmern. Dass das meine Aufgabe sei und nichts, nichts im Leben wichtiger sei.
Man kann argumentieren, dass der Mann zu dem Zeitpunkt nicht mehr recht bei Sinnen war, dass seine Anordnung mich um Giana zu kümmern fast komisch seinen eigenen Handlungen zuwiderlief, denn er betrachtete sie, die meiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist, mit kaum mehr als einem flüchtigen Blick, dreißig Zentimeter rechts und vier hoch konzentriert und dass dies in all seiner Summe doch nie das Level von Aufmerksamkeit erklären könnte, das ich ihr widmete.
Aber ausgehend von dem was Ihre Schwester erzählte, von der Art wie Sie ihre Freunde behandeln, Anne und diesen blonden Jungen von vor ein paar Monaten, denke ich verstehen Sie Loyalität besser als die meisten. Dieses Gefühl wenn sich alles, was wichtig ist auf einen Punkt konzentriert und man nicht einmal darüber nachdenken würde sich ins Kreuzfeuer zu werfen – das ist was ich empfand, als ich Giana dort liegen sah und es hat über die Jahre nicht abgenommen.
Man konnte auf unseren Vater vertrauen, dass er einem alles beibrachte, was den Darcy-Namen ausmachte, den Stolz und und die Pflicht, aber mehr als die Oberfläche durchdringen konnte er nicht.
Das war Emilys und meine Aufgabe.
Emily war die Tochter von Freunden meiner Eltern, die nur ein paar Kilometer entfernt wohnten und ich kann mich an kaum eine Zeit erinnern, wo sie nicht dagewesen ist. Sie war meine beste Freundin und es war so natürlich wie zu atmen, dass daraus mit der Zeit mehr wurde.
Wir waren eine unkonventionelle Art von Familie, wenn man die Standards der letzten zwei Jahrhunderte von Darcys heranzieht und wir tanzten alle um ihr Oberhaupt herum, der mehr Zeit damit verbrachte mit dem Whiskeyglas in der Hand dem aufmerksam lauschenden Sohn seines Verwalters, George Wickham, alles über die Darcy's und ihre Traditionen beizubringen und ihm wohlwollend auf die Schulter zu klopfen, wenn er ihn amüsierte, als Zeit mit seinen eigenen Kindern zu verbringen.
Es gibt viele Gründe, warum ich Mr Wickham verachte, Miss Bennet, vielleicht einer der ersten war die Art, wie er meinen Vater für sich beanspruchte und für Giana nur noch die Krümel übrigblieben. Sie hat ihn geliebt, wissen Sie? Meinen Vater. Trotz all seiner Unaufmerksamkeit hat sie, die für ihn nur ein Geist war, ihn geliebt und als er starb als sie zehn und ich dreiundzwanzig war, war sie am Boden zerstört. Um ehrlich zu sein erinnere ich mich mehr an die Wut als an Trauer irgendeiner Art, weil der alte Mann es selbst im Tod noch schaffte seine Finger nach den Lebenden auszustrecken und Chaos anzurichten.
Emily und ich waren zu dem Zeitpunkt verlobt und die Hochzeit war für ein paar Wochen nach der Beerdigung geplant. Wir überlegten erst sie zu verschieben, doch Giana war entschlossen, dass wir es durchziehen und weil das das erste Mal seit dem Tod unseres Vaters war, dass sie so etwas wie einen Willen zeigte, gehorchten wir ihr und heirateten drei Monate später.
Trotz ihrem Beharren auf der Hochzeit glaube ich, dass sie in der darauffolgenden Zeit oft einsam war. Emily und ich waren unter der Woche in Sheffield – sie war dabei ihren Master in Ethnologie zu vollenden und ich in meinem letzten Jahr des Medizinstudiums – aber wir versuchten so oft wie möglich da zu sein und so lange wir beide noch studierten funktionierte das alles mithilfe Mrs Reynolds auch, aber dann kam meine Assistenzarztzeit und Emily war mitunter für längere Zeit für Praktika außerhalb Englands unterwegs und wir schafften es kaum uns zu sehen, ganz zu schweigen von Giana.
Das muss ungefähr der Zeitpunkt gewesen sein, wo Wickham sich allmählich wieder in ihr Leben schlich. Mein Vater hatte ihm eine Ausbildung in Eton ermöglicht und die Mittel dafür sogar in seinem Testament festgehalten. Als er achtzehn war und die Schule dort beendet hatte, kam er wieder zurück und verlangte den Rest des Geldes, das ihm rechtmäßig für sein Studium zustand. Ich gab es ihm in der Hoffnung ihn nie wiedersehen zu müssen.
Doch er ging nicht und begann auch kein Studium, sondern blieb in Lambton – einem kleinen Ort unweit von Pemberley – und besuchte Giana unter der Woche. Sie kannte ihn noch von früher und assoziierte ihn mit all den guten Dingen, an die sie sich von unserem Vater erinnerte und die beiden formten eine Art von Freundschaft, welche sie vor mir geheim hielt. Das muss ungefähr drei Jahre so gelaufen sein und es beschämt mich zugeben zu müssen, dass ich von alldem keine Ahnung hatte.
Sie haben mich des öfteren einen Idioten genannt, Miss Bennet und ich muss gestehen, dass Sie vielleicht nicht ganz falsch liegen mit dieser Annahme und ich kann nur als Entschuldigung vorbringen, dass wir so viel zu tun hatten und sie so glücklich schien. Sie lächelte wieder und blühte auf und ich weiß noch wie erleichtert auch Emily war, dass sie sich endlich wie ein Teenager verhielt.
Giana war sechzehn zu dem Zeitpunkt, fast erwachsen in unseren Augen und sie war es – ist es immer noch, sehr erwachsen, verantwortungsbewusst und all das, aber sie ist auch naiv und verträumt und irgendwo noch immer zehn Jahre alt, weil ich glaube, dass ein Stück von uns immer in dem Moment hängen bleibt, wo es gestorben ist. Emily und ich waren fast dreißig und mittlerweile beide relativ stabil in unserem Leben und unseren Karrieren – Emily arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni und ich hatte gerade meine Assistenzarztausbildung beendet und eine Stelle als Oberarzt angetreten – und so entschlossen wir uns selber eine Familie zu gründen.
Nach außen hin war Giana glücklich darüber, verkündete lautstark Ansprüche als einzige Tante des Babys besonders als wir nach ein paar Monaten positive Nachrichten verkünden konnten, aber insgeheim muss sie wohl Angst gehabt haben, denn die Beziehung mit Wickham, die vorher immer nur platonisch gewesen war und daraus bestanden hatte, dass sie ihm Geld zusteckte wann auch immer er zu Besuch kam und er ihr aus Büchern vorlas, nahm drei Sprünge und einen Satz und sie war plötzlich Hals über Kopf verliebt.
Sie hat es mir gesagt, wissen Sie, Miss Bennet? Sie sagte es mir, ein Strahlen auf dem ganzen Gesicht und das Einzige, was ich fühlte war Panik und Wut, denn ich wusste, was Wickham mit dem Geld, das für sein Studium bestimmt war angestellt hatte, dass es in nicht ganz saubere Investitionen und einen stetigen Vorrat an Kokain und Alkohol geflossen war und ich bin beinahe durchgedreht, doch anstatt sie auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen hat der Ausbruch nur dazu geführt, dass sie sich trotzig in ihrem Zimmer einschloss und sich weigerte wieder herauszukommen. Sie war wütend, ich war wütend und wir sagten beide eine ganze Reihe von Sachen, die wir nicht so meinten und es wäre vermutlich alles nicht so katastrophal verlaufen, wenn wir Zeit gehabt hätten die ganze Misere auszudiskutieren.
Aber am nächsten Tag hatte ich Dienst bis in den späten Abend hinein. Emily war zwar Zuhause, aber die Schwangerschaft machte sie ständig müde und so bekam keiner von uns mit wie Gina sich mitten in der Nacht aus dem Haus schlich, um Wickham zu treffen.
Sie hatten diese verrückte Idee einfach durchzubrennen als lebten wir im verdammten 18. Jahrhundert und sie betranken sich und Wickham bot ihr Koks an und sie fuhren wie wild in der Gegend umher und wenn Giana nicht in ihrer romantischen Verträumtheit einen Brief hinterlassen hätte, dann weiß ich nicht was passiert wäre.
Denn das was passierte war viel schlimmer
Als ich nach Hause kam war es nach Mitternacht und ich ging hoch zu Giana's Zimmer, um mich zu entschuldigen, weil ich wusste, dass sie vor allem nach so einem Streit noch wach sein würde, doch alles, was ich fand waren aufgerissene Schranktüren und diese Nachricht, die mehr ein schlechter Scherz zu sein schien.
Emily wachte auf als ich nach Mrs Reynolds rief und sie bestand darauf mit suchen zu kommen, ich – ich weiß nicht warum ich es zuließ. Es war Winter und die Straßen waren glatt vom Eisregen und wir waren beide übermüdet und es – es war eine dumme Idee, eine völlig hirnrissige, komplett bescheuerte Idee selber nach ihr mitten in der Nacht zu suchen, aber wir taten es trotzdem.
Es war kalt in jener Nacht, das weiß ich noch. Es war Mitte Dezember und die Temperaturen waren über Nacht unter die Null-Grad Grenze gefallen, so dass der Regen überfror und die schmalen Straßen rund um Pemberley in eine Schlitterpartie verwandelte.
Wir fuhren eine ganze Weile die Straßen entlang, von denen wir dachten, dass sie sie genommen haben könnten. Giana hatte in ihrem Brief Manchester als Ziel angegeben und es gibt rund um Pemberley nicht viele Straßen, also war die Suche relativ eingeschränkt. Emily war wie wild am telefonieren, um Freunde und Bekannte in der Gegend rund um Manchester zu alarmieren, welche alle versprachen die Augen offen zu halten und ich war vollauf damit beschäftigt in der Dunkelheit nicht von der Straße abzukommen, denn Straßenbeleuchtung war spärlich und die Wege kurvig und unübersichtlich. Und so kam es, dass wir das Auto auf der Gegenspur, das aus einer beinahe 90° Grad Kurve auf unsere Spur schoss, erst sahen als es schon zu spät war.
Da war Licht, ein Aufblitzen von Scheinwerfern und das entsetzte Gesicht meiner Schwester neben Wickham's völlig ausdruckslosem in dem Auto vor uns und dann war da ein Knall, lauter als alles, was ich jemals gehört habe, dann Schreie und ein Dröhnen und zum Schluss, das Letzte, an das ich mich erinnern kann, ist diese surreale, sirrende Stille und der Refrain von Jingle Bells in einer Dauerschleife.
Ich bin im Krankenhaus aufgewacht, Miss Bennet. Zwei Gesichter schwebten über meinem Kopf und drei Tonnen Gewicht auf meiner Brust schienen das Atmen fast unmöglich zu machen und als sie mir sagten, dass sie nichts für Emily oder das Baby hatten tun können, dass meine Frau im Wachkoma liegt und sie sich unsicher sind, ob sie jemals wieder aufwachen wird da -
Ich weiß nicht, was ich dann getan habe. Ich denke, ich schrie viel. Das ist es, was mir die Schwestern sagten, aber ich kann mich kaum daran erinnern. Es ist alles ein einziger Nebel.
Giana und Wickham haben den Unfall überlebt, ich denke, dass können Sie sich denken. Wickham hat kaum einen Kratzer gehabt, aber meine Schwester hatte eine Reihe gebrochener Rippen und ein Schädel-Hirn-Trauma davongetragen und als sie aus dem künstlichen Koma erwachte, konnte sie sich an die Wochen vor dem Unfall kaum erinnern. Retrograde Amnesie, Miss Bennet, nicht selten bei Verletzungen dieser Art und sie war verwirrt und verängstigt und ich -
Wir alle treffen unsere Entscheidungen, Miss Bennet, nicht wahr? Und es gibt diese Momente, in den man sie fällen muss, diese wichtigen Wendepunkte und als meine Schwester mich mit großen Augen ansah und immer wieder fragte, was denn passiert sei, da konnte ich es ihr nicht sagen.
Die Schuld an Emily's Zustand, der Verlust des ungeborenen Kindes all das hatte mich schon fast in die Knie gezwungen – nicht nur fast, sondern tatsächlich, aber ich hatte wieder aufstehen müssen, denn es gab keine andere Wahl – und ich konnte ihr nicht ihren Teil der Schuld aufbürden. Sie war gerade erst siebzehn geworden, war noch so jung und ich – ich wollte ihr das nicht antun. Warum sollten wir beide leiden, wenn einer ausreicht?
Also stellte ich Wickham einen weiteren Scheck aus und befahl ihm nie, nie wieder in Giana's Nähe zu kommen oder ich würde zusehen, dass er wegen Trunkenheit am Steuer und Fahrlässigkeit mit Todesfolge vor Gericht gestellt würde und erzählte Giana, das es einen Autounfall gegeben hatte, dass wir alle wegen Komplikationen bei der Schwangerschaft auf dem Weg zum Arzt gewesen und von der Straße abgekommen wären, weil es so glatt war. Sie weinte als sie das von Emily und dem Baby hörte.
Ich nahm sie mit nach Hause.
Ein paar Wochen später wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen für Emily abgestellt.
Ein paar Tage danach war die Beerdigung.
Matthew Cavanaugh war ebenfalls dort.
Es tut mir leid, Miss Bennet, was ich zu Ihnen am Samstagabend sagte und ich kann es nicht oft genug wiederholen und es gibt wirklich nichts, was es entschuldigen könnte, denn selbst wenn es stimmen würde, hatte ich kein Recht so zu reagieren.
Aber es gibt Erklärungen. Und eine von ihnen beginnt damit, dass Cavanaugh, dessen Eltern Freunde von meinen waren auf der Beerdigung erschien und seine Worte die Einzigen waren, die mehr zu seinen schienen als lose Floskeln. Wir bekamen ganz gute Freunde in der Zeit danach. Giana erholte sich immer noch von ihren Verletzungen und der Verlust von Emily, die für sie so etwas wie eine Schwester, wenn nicht wie eine Mutter gewesen war, war niederschmetternd für sie.
Ich versuchte für sie da zu sein, aber es war schwer sie anzusehen und nicht ihr Gesicht im Licht der Scheinwerfer zu sehen, Sekunden vor dem Aufprall, es war schwer zu wissen und ihr nicht sagen zu können, warum ich es kaum mit ihr in einem Raum aushielt – Ich .. ich hab sie nie als die Schuldige gesehen, die Rolle habe ich immer mir zugeschrieben, aber sie war mit alldem, was in jener Nacht passierte verbunden und es war schwer genug in diesem Haus zu leben, wo jede Ecke mit Erinnerungen an Emily bis zum Bersten gefüllt war, weil es eben nie eine Zeit gegeben hatte, wo sie nicht da war, ohne dem Wahnsinn zu verfallen und Giana zu sehen gab einem nur noch den letzten Stoß über die sprichwörtliche Klippe.
Cavanaugh hingegen war neutral und er hörte zu. Er schien zu verstehen, Miss Bennet und ich weiß, dass Sie ihn den König der Lügner nennen, aber ich glaube nicht, dass er expressiv log, als er mir seine Geschichte von dem Mädchen erzählte, das er liebte und das ihn praktisch am Altar verließ nur um – Es tut mir leid, ich denke Sie kennen diese Geschichte besser als ich es tue.
Aber ich will Ihnen nur erklären, warum ich ihm glaubte, warum ich davon überzeugt war, dass er die Wahrheit sagt bis meine Cousine Samstag immer wieder wiederholte, dass Sie nicht lügen würden, Miss Bennet. Ich glaubte ihm, weil es mir so fremd war, dass jemand lügen könnte und es erscheint heuchlerisch im Angesicht der Tatsache, dass ich meine eigene Schwester belog um ihr die Schuldgefühle zu ersparen, aber Böswilligkeit ist etwas, das ich nie verstanden habe. Es erscheint mir so sinnlos.
Die Lüge hielt nicht lange, wissen Sie, Miss Bennet? Nur etwas mehr als ein Jahr. Aber als Giana ihre Schulausbildung beendete und nach London fuhr, um dort ein paar Universitäten zu besichtigen, traf sie dort auf Wickham. Das war vor sechs Monaten.
Ich weiß nicht, wie viel von diesem Treffen Zufall und wie viel geplant war. Giana erinnerte sich nur an das Gefühl des Verliebtseins als das Letzte, was sie von Wickham wusste und sie war verletzt gewesen, als er sie nicht mehr kontaktierte. Als sie sich dann trafen, war sie hellauf begeistert und glücklich, wie sie mir später erzählte – es bereitet mir Kopfschmerzen alleine das zu schreiben.
Es ging nicht lange gut. Wickham wusste nichts von ihren Erinnerungslücken und er sprach sie eher abrupt auf den Unfall an und ob sie sich nicht schuldig fühlen würde, da sie doch praktisch ihre Schwägerin umgebracht hätte. Ich denke er war auf das Geld aus, das ist die einzige Erklärung, die ich für sein Verhalten finden kann.
Unnötig zu sagen, dass das Ganze katastrophal ausging. Giana kam völlig verstört nach Hause und hatte ein Art Nervenzusammenbruch und sie – sie schrie beinahe dieselben Sachen, wie an dem Tag vor dem Unfall, nur dass sie es nicht wusste, aber ich schon und – es war schmerzhaft, alleine schon deswegen.
Sie ist mittlerweile in einer Klinik, Miss Bennet, und abseits von einer handvoll SMS und Fotos weigert sie sich mit mir zu sprechen, aber sie hat gebeten, dass ich sie nächste Woche von dort abhole und nach Hause bringe. Ich hoffe einfach, dass ein paar Dinge noch zu retten sind.
Nachdem das alles passiert war, konnte ich nicht mehr in Pemberley bleiben. Seit dem Unfall hatte ich aufgehört zu praktizieren und hatte die Zeit damit verbracht zusammen mit Cavanaugh einen Teil des alten Herrenhauses in ein Forschungsinstitut umzubauen – Pemberley Research Institute – welches sich vor allem mit der Erforschung seltener Krankheiten beschäftigt, deren Behandlung für Pharmakonzerne nicht einträglich genug ist, um Ressourcen darauf zu verwenden, aber das war so gut wie vollbracht und als Charlie anrief um zu erzählen, dass er mit seiner Freundin in London zusammen ziehen würde, nahm ich das als Zeichen ebenfalls einen temporären Umzug zu wagen.
Der Dekan der Universität war begeistert als ich ihn anrief und sein Enthusiasmus machte meine zögerliche Einstellung was das Lehren betraf mehr als wett. Ich dachte, ich könnte da ansetzten, wo ich gescheitert bin, den Studenten, das über Ethik beibringen, was ich im wichtigsten Moment vergaß, aber ich denke ich war zu sehr in meinem eigenen Kopf und meinen eigenen Problemen verhangen, um von großem Nutzen zu sein.
Sie sagten, Sie seien nicht Emily. Ich muss gestehen, dass mich diese Aussage zunächst sehr verwirrte und ich weiß nicht wer Ihnen von ihr erzählt hat und wie Sie auf die Idee kommen, Sie könnten ein Ersatz für sie sein, ist mir fast unverständlich.
Ja, Sie sehen ihr ähnlich. Dieselbe Augen-, dieselbe Haarfarbe, dieselbe Größe. Man könnte meinen Sie seien Schwestern, das stimmt. Aber ich muss gestehen, dass diese Ähnlichkeit mich anfangs eher abgeschreckt hat – ich dachte ich sehe einen Geist, ein personifizierter 13. Zirkel der Hölle und – Ich sah Sie an jenem Abend im Pub mit Richard nach Hause gehen. Verzeihen Sie mir, dass das so eine langfristige Wirkung in meinen Einschätzungen hatte. Ich habe sie nie verletzen wollen.
Sie sehen ihr auf den ersten Blick ähnlich, Miss Bennet, aber man könnte sie beide nie verwechseln. Stimme, Ausdruck, Haltung... all das ist anders, nicht besser, nicht schlechter, sondern einfach nur anders. Emily war sehr ruhig, besaß einen trockenen, sehr pointierten Sinn für Humor und beschränkte die meisten ihrer Aussagen auf ebenso kurze Sätze. Sie war ein sehr pragmatischer Mensch und wehrte mehr als einmal Giana's Anwandlungen von romantischen Höhenflügen mit einem trockenen „Das wäre aber sehr unsinnig" ab, das nie fehlte meine Schwester auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
Sie dagegen... Sie haben mich verwirrt und ich muss gestehen, dass dies wahrscheinlich der Hauptgrund ist, warum ich manchmal so ungehalten reagiert habe. Ich – Ich will Ihnen nicht mit Erklärungen zur Last fallen, mit Geschichten inwieweit Sie anders sind und inwieweit das... wundervoll ist. Sie haben Ihre Gefühle zu dem Thema, denke ich, offen genug ausgesprochen, dass es ratsam wäre darüber nie wieder zu reden.
Nur das Eine – Sie hatten mich wahrscheinlich von dem Moment an, wo Sie sich vor mir in Charlie's Flur aufbauten und verlangten zu wissen, wo meine Manieren wären. Ich habe keine Miss Bennet, ich denke, das ist uns beiden klar.
Was die andere Sache betrifft, die Sie mir vorwerfen... Ich weiß nicht genau, was Sie wissen, also denke ich werde ich einfach meinen Wissensstand aufzeigen.
Charlie ist einer meiner besten Freunde seit wir zusammen auf der Uni waren und er und Richard waren Trauzeugen bei unserer Hochzeit. Ich hab immer ein wenig auf ihn aufgepasst, denn er tendiert dazu immer das Gute in seinen Mitmenschen sehen zu wollen und das wird von Anderen gerne ausgenutzt.
Als ich Ihre Schwester traf, Miss Bennet, dachte ich zunächst sie wäre perfekt für ihn. Dieselbe Einstellung, dieselbe sanftmütige Veranlagung, aber etwas wollte mich nicht in Ruhe lassen und es gab ein paar Momente, in denen es schien, als versuche sie etwas zu stark, als wollte sie um alles in der Welt ein bestimmtes Bild von sich und der Welt aufrecht erhalten so als spiele sie Theater. Sie kennen Ihre Schwester sicherlich besser als ich, Miss Bennet, von daher erlaube ich mir kein Urteil, aber ich muss gestehen, dass ich sie an dem Tag, als ich Sie nach der Blutspende zu Charlie's Appartement fuhr, überhörte und es klang so als verheimliche Jane etwas vor Charlie.
Zunächst ließ ich es in Ruhe, sagte mir, dass mich das nichts anginge, dass es Charlie's Leben war und nicht meines, aber dann bat mich Ihre Schwester eines Tages sie von der Schule abzuholen, wo sie arbeitete und als ich hineinging sah ich sie zusammen mit einem anderen Mann. Sie schreckte auf als sie mich sah und machte sich hastig von ihm los, doch als ich fragte, was passiert sei, sah sie mich nur groß an und flehte, dass Charlie davon nichts erfahren dürfte.
Ich hoffe, dass Sie verstehen, warum ich es doch tat, Miss Bennet. Loyalität ist – Loyalität ist etwas, das ich sehr hoch schätzte und Charlie ist einer meiner engsten und ältesten Freunde. Aber ich muss sagen, dass alles, was danach passierte, seine abrupte Abreise und das Ende seiner Beziehung mit Jane via Brie, dass all dies nicht auf meinen Rat hin folgte. Ich riet ihm mit ihr zu reden, herauszufinden, was passiert war, denn irgendwelche Puzzleteile in dem ganzen Chaos stimmen immer noch nicht, aber es war nicht meine Entscheidung sondern Charlie's. Es tut mir leid, wenn er Jane verletzt haben sollte, ich bedaure meine Handlungen allerdings nicht.
Das was ich jedoch bedaure ist die Art und Weise wie ich letztes Jahr gegangen bin. Ich weiß, dass wir gesagt hatten, wir wollten reden. Morgen und all das. Ich hatte vor das Versprechen einzulösen, aber dann passierten die oben genannten Ereignisse und alles schien auf einmal so sinnlos und... Sie sind zehn Jahre jünger als ich, Miss Bennet und die Tatsache, dass Sie meiner verstorbenen Frau so ähnlich sehen ist immer schon mehr Hindernis als Attraktion gewesen und ich kam mir vor wie ein Perversling bei dem bloßen Gedanken und dann war da noch Giana, die eigentlich meiner Aufmerksamkeit bedurfte und all das war ein einziger Sturm bis die beste Entscheidung, die zu gehen, zu sein schien – Es tut mir Leid. Jetzt vor allen Dingen, im Angesicht der Bitterkeit.
Als letztes möchte ich Ihnen noch sagen, dass es nie meine Intention war sie zu verängstigen. Es tut mir leid. Ich schwor an dem Tag in meiner Wohnung, wo Sie neben der Wand kauerten, dass ich Sie nie wieder dazu treiben würde wegen mir eine Panikattacke zu erleiden und mit dem Wissen, das ich zu dem Zeitpunkt hatte, hätte ich es besser verstehen sollen.
Es tut mir so leid, Miss Bennet. So vieles tut mir leid. Dass ich Ihnen nicht glaubte, dass ich Sie verurteilte... mir tut es leid, was Ihnen passiert ist... dass sie so jung Ihr Baby verloren haben – ich, ich kann das nachempfinden, den bodenlosen Schmerz und die Schuld – und ich schwöre ich werde das Versprechen erfüllen, das ich Ihnen an jedem Sonntag in meiner Wohnung gab. In welchem Sinne auch immer.
Ich hoffe einfach nur Sie können mir eines Tages verzeihen.
William Darcy
A/N: Also das ist es. Wir sehen uns in irgendetwas über zwei Wochen wieder. Und dann prallen wir auf. Denn das ist immer noch der Fall und nicht das Ende von diesem zweiten Teil der Geschichte und nächstes Kapitel ist der Grund warum dies ein M Rating verdient. Also macht euch auf etwas gefasst. Es wird nicht hübsch.
greets, Teddy
