Edwards Sicht:

Wie erstarrt blickte ich Bella an, die ich im letzten Moment hatte auffangen können.

Wieso hatte sie das nur getan?

Wie konnte sie nur so leichtsinnig sein?

Es spielte keine Rolle mehr für mich, was um mich herum passierte. Ich nahm keine Gedanken wahr. Es war wie als hätte mein Kopf sie automatisch abgeblockt, als Bella leblos in meine Arme gesunken wahr.

Es war wie ein Alptraum. Mein Alptraum, der nun wahr geworden war.

Aus ihrer Wunde strömte stetig Blut, viel Blut, doch der Duft machte mir diesmal nichts aus. Viel zu groß war meine Angst um sie.

Würde sie es schaffen?

Würde sie überleben?

Was würde ich tun wenn nicht?

Es war klar, was ich dann machen würde. Ohne Bella konnte ich nicht mehr existieren, das war schlicht unmöglich. Sie war mein Ein und Alles. Sie gab meinem Dasein einen Sinn und mir so viel Liebe, dass die Gedanken ein Monster zu sein langsam immer mehr schwanden. Ich brauchte sie.

Es war doch alles so perfekt gewesen. Wir hatten geheiratet, sie würde ihre Eltern wiedersehen, ich würde sie in einen Vampir verwandeln und dann das.

Ich konnte nicht sagen, ob meine Bella in Lebensgefahr schwebte. Dafür reichten meine medizinischen Kenntnisse nicht aus. Mir bleib nur die Hoffnung, dass Calisle bald, sehr bald hier auftachen würde.

Doch jetzt musste ich erstmal versuchen ihre Blutunngen halbwegs zu stoppen. Wie in Trance riss ich mein Hemd kaputt und wickelte es fest um Bella herum, wobei ich stets auf ihre Wunde drückte.

Sie sah so friedlich aus in ihrer Bewusstlosigkeit. Wie als würde sie schlafen.

Ohne groß darüber nachzudenken flüsterte ich ihren Namen und streichelte ihre Wange.

Nur langsam wurde mir wieder bewusst, wie das alles überhaupt passiert war. Hass kroch in mir empor. Hass auf diesen Hund. Er war schuld daran, dass meine Bella hier lag, dass sie verletzt war. Der Grad ihrer Verletzung spielte hierbei keinerlei Rolle. Er hatte es getan und das nun schon zum zweiten Mal. Hatte sie ihm nicht immer klargemacht, dass sie für ihn nur freundschaftliche Gefühle hegte? Dass sie ihn liebte wie einen Bruder, den Bruder, den sie nie gehabt hatte?

Schleichend wurde ich mir der Wirklichkeit wieder bewusst, meine Starre bröckelte. Ich konzentrierte mich wieder auf seine Gedanken. Was ging in diesem Hund vor? Verschaffte ihm das Genugtuung? Tat es ihm Leid? Wollte ich seine Schuldgefühle überhaupt hören?

Letztere Frage wurde mir beantwortet, als ich ihn wie ein Mantra denken hörte, wie Leid es ihm doch täte. Nein, ich wollte es nicht. Diese Gedanken zeigten mir zwar, dass er kein gefühlloses Monster war, aber machte es dennoch keinen Deut besser.

Hätte Bella nicht bewusstlos in meinen Armen gelegen, hätte ich mich höchstwahrscheinlich auf ihn gestürzt und ihm den Gar ausgemacht. Wie konnte er es auch noch wagen sie mit seinen Augen anzusehen. Mit seinen Wolfsaugen. Er starrte sie in der Gestalt an, in der er sie verletzt hatte.

Doch eine einzige Träne, die aus seinem Augewinkel fiel, brachte ich so in Rage, dass ich mich trotz meiner Vernunft Bella nicht schutzlos liegen zu lassen auf ihn zugesprungen wäre und kurzen Prozess mit ihm gemachte hätte, wenn nicht auf einmal meine Familie vor mir gestanden hätte.

Mit fassungslosen Gesichtern starrten sie Bella an. "O nein!", schluchzte Alice,"Wir sind zu spät."

Hatte sie es gesehen? Hatte sie gesehen, dass Bella stirbt? Nein, dass durfte nicht sein. Sie durfte mich nicht allein lassen.

Ich sah wie sich synchron unbändige Wut auf den Gesichtern meiner Brüder breit machte. Vor allem Emmett würde laut seines Gesichtsausdrucks am liebsten den Hund in Stücke reißen. Und ich konnte es ihm nicht verübeln. Beide drehten sich um und hielten Jacob fest, sodass er nicht die geringste Chance hatte zu fliehen. Obwohl er sich in keinster Weise wehrte, ließ Emmett es sich nicht nehmen ihm einen Schlag zu verpassen, der wider erwarten sehr sanft für seine Verhältnisse war, und auch Jasper hielt ihn fester umklammert als nötig.

"Edward, lass mich sie untersuchen!", forderte nun Carlise und ich legte sie widerwillig in seine Arme. Sofort fühlte ich mich leer, als würde mir etwas Lebensnotwendiges fehlen. Und das war Bella. Ich wollte sie in meinen Armen wissen, das gab mir wenigstens etwas Sicherheit.

Carlisle zog Bella mein Hemd vom Körper und hob auch ihr Oberteil an, um die Wunde zu untersuchen. Obwohl es aus vielerlei Gründen lächerlich und unangebracht war, fühlte ich Eifersucht. Ich sollte der Einzige sein, der sie so sah und anfassen durfte.

Mit einer undeutbaren Miene, die er als Arzt nur allzu gut beherrschte, untersuchte er sie.

Angst machte sich in mir breit. In wenigen Augenblicken würde ich wissen, wie es um sie stand. Natrülich hätte ich in seinen Gedanken lesen können, doch dann hätte ich auch die der Anderen wahrgenommen. Ihre Sorge, ihre Vorwürfe, ihre Angst und von dem hatte ich selbst schon genug.

Erst als Carlisle erleichtert seufzte ließ ich meinen Atem hinausströmen, von dem ich bis zu diesem Augenblick noch nicht einmal gedacht hatte, dass ich ihn angehalten hatte.

Abwartend schaute ich Carlisle an, der sich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich mir zuwandte und sagte:"Sie wird es schaffen. Sie hat enormes Glück gehabt. Die Wunde ist nicht so tief, dass lebenswichtige Organe verletzt sein könnten und auch Knochenbrüche hat sie glücklicherweise keine erlitten. Sie wird problomlos durchkommen. Das Einzige, was ich tun muss, ist einen Druchverband anzulegen, sonst sind keine medizinischen Maßnahmen mehr nötig."

Alle atmeten erleichtet aus, auch der Hund, was mich sofort wieder in Rage brachte.

Er war schuld. Es war mir vollkommen gleichgültig, ob die Verletzung nicht annähernd so schwer war wie angenommen. Er hatte sie verletzt und dafür würde er büßen.

Ich fixierte ihn mit zusammengekniffenen Augen, während ich aufstand. Aber bevor ich mich auf ihn stürzen konnte, wurde ich von Carlisle festgehalten.

"Edward, nein.", ermahnte er mich mit väterlicher Autorität, doch ich sah es nicht ein ihn ungestraft davonkommen zu lassen.

"Er hat sie verletzt. Ich bringe ihn um, ich bringe ihn um.", wütete ich, doch diesmal war der Ton meines Vaters um ein vielfaches schärfer.

"Nichts dergleichen wirst du tun. Er wird seine Strafe bekommen. Aber denke an Bella. Er mag sie verletzt haben, doch denkst du wirklich, sie würde dir so einfach verzeihen, wenn du ihn umbrächtest? Nein, das würde sie nicht und das weißt du auch. Außerdem wird in wenigen Augenblicken der Rest des Rudels hier ankommen. Also beruhige dich."

Ich wusste, dass er recht hatte und wie jeden Tag bewunderte ich ihn für seine Vernunft und Selbstbeherrschung. Denn ich konnte in seinem Gesicht genauso die Wut sehen.

Ich nickte und ging wieder zu Bella, die nun von Esme in den Armen gehalten wurde. Als sie mich sah, übergab sie sie mir. Sanft drückte ich sie an mich, bis Carlisle mit dem Verbandszeug kam und ich sie aufgrund dessen leider loslassen musste. Ich sah zu wie er in sekundenschnelle einen perekten Druckverband anlegte und anschließend seine Arbeit überprüfte. Dann legte er sie erneut in meine Arme und erhob sich. Die Wölfe würden also bald ankommen. Ich fragte mich wirklich wie ich sie eben nicht wahrnehmen konnte. War ich wirklich so in Raserei gewesen? Natürlich lautete die Antwort 'Ja' und ich wusste das nur allzu gut.

Das Rudel kam wider Erwarten in ihrer Menschengestalt und sahen unsicher aus. Nur Sam hatte einen wütenden Gesichtsausdruck, der sich noch verstärkte, als er meine verletzte Bella sah. Voller Zorn wandte er sich zu Jacob, der sich noch immer im Klammergriff meiner Brüder befand, und zischte ihn bedrohlich an:"Wie konntest du es wagen, dich meinen Befehlen zu widersetzten!? Doch was noch viel schlimmer ist, wie konntest du sie verletzten!? Hast du den Verstand verloren."

Jacob jaulte leidlich und ließ den Kopf hängen, aber Sam schien das nicht zu kümmern.

Langsam ging er auf mich und dami auch auf Bella zu und blickte sie sehr besorgt an.

"Wird sie durchkommen?", fragte er mit echter Zuneigung und Angst in der Stimme.

Ich nickte zögerlich und knapp und sofort machte sich Erleichterug auf seinem Gesicht breit.

Er nickte mir noch einmal zu und ging dann zu Carlisle.

"Ich spreche für mein ganzes Rudel, wenn ich mich entschuldige. Ich kann nicht verstehen was in Jacob gefahren ist, dass er sie zweimal verletzt hat. Ihr könnt euch sicher sein, dass er seine Strafe erhalten wird. Als Friedensangebot gebe ich die Erlaubnis Bella zu verwandeln ohne, dass ihr den Vertrag brecht. Allerdings gilt das nur für sie. Bei anderen Menschen ist er wieder in Kraft gesetzt.", sagte er in seinem Anführerton.

Ich war ehrlich überrascht, als ich hörte, dass kein Krieg entstände, wenn ich Bella zu einer von uns machen würde. Es gefel mir, denn so konnten wir nach einiger Zeit problemos hierher zurückkehren. Ich wusste, dass der Rest meiner Familie das genauso sah, denn als Carlisle uns um Zustimmung bittend ansah nickten alle.

"Wir nehmen eurer Angebot dankend an.", erwiderte mein Vater knapp und nickte Sam zu, dr diese Geste erwiderte.

Dann verließ er mit dem Rest seines Rudels das Haus, auch mit Jacob, der Laut jaulte. Er schien über Sams Angebot alles Andere als erfreut zu sein.

Darüber erleichtert, dass nun alles überstanden war, drückte ich Bella einen Kuss auf ihre Stirn.

Jetzt stand unserer Zukunft nichts mehr im Wege.

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