Auf der Fahrt von Charlie zu meiner neuen Wohnung in Seattle verfiel ich in Zweifel. Ich müsste meiner ganzen Familie den Rücken zudrehen und Lilie müsste schreckliche Qualen leiden. War es das wirklich wert? In meinem Kopf tauchte Carlisles Gesicht auf und gab mir die Antwort. Ja, dass war es wert. Lilie würde mit achtzehn selbst entscheiden wie sie ihr Leben führen wollte und bis dahin war es meine Aufgabe sie zu schützen.

Wieder in der Wohnung rannte Lilie in ihr Zimmer, ohne sich die Jacke auszuziehen und ich ging ihr nach. Sie hatte bereits angefangen ihre Kleider und Puppen auf das Bett zu werfen und ihren großen Koffer unter dem Bett hervor zu ziehen. „Was machst du da?" Verwundert schaute sie zu mir hoch. „Wir müssen doch jetzt zu Carlisle ziehen. Ich muss packen." Sie klang erfreut und aufgeregt, nicht wie ich erwartet hatte. „Das hat noch Zeit, Lilie. Ich muss erst noch ein paar Dinge in Seattle klären und dann musst du Carlisle erst mal fragen, ob dass für ihn in Ordnung ist." Fast schon genervt legte sie den Kopf schief. „Aber er liebt dich. Er wird wollen, dass wir zu ihm ziehen." „Ich rede in ein paar Tagen mit ihm, aber bis dahin bleiben wir hier." Meine eigene Tochter drängte mich dazu mit meinem Freund zusammen zu ziehen, hier stimmte doch was nicht. Schmunzelnd ging ich ins Wohnzimmer und rief meinen neuen Chef an. Auch, wenn ich erst eine Woche in der Firma arbeitete, ich war eine der besten Mitarbeiterinnen und hatte auch genügend Auswahlmöglichkeiten, falls er ablehnen sollte.

„Hallo, ich wollte gar nicht lange stören, ich hab nur eine Frage. Könnte ich meinen Job auch von zuhause aus erledigen? Meine Umstände haben sich geändert und ich brauch mehr Zeit für meine Tochter." Naja, so ungefähr. Mein Chef war heute gut gelaunt und meinte, er sehe keine Schwierigkeiten, solange ich ihn auf dem Laufenden halte. Das war leichter als erwartet, aber es gab keinen Haken.

Gleich danach rief ich Carlisle an, der von Alice bereits unterrichtet wurde. Das letzte Problem war der Vertrag mit dem Werwolfrudel der Quileute. Danach durften die Cullens keinen Menschen beißen.

Ich würde morgen nach La Push fahren und mit Jake reden, der Kontakt zu den Cullens hatte unsere Freundschaft erheblich gedämpft.

Bei Billiy im Reservat wartete ich darauf, dass Jacob nach Hause kam. Äußerlich hatte er sich nicht verändert, und auch seine fast kindliche Freude war die Gleiche geblieben.

Er schloss mich in eine feste Umarmung und wir gingen zusammen in seine Werkstat. Auf dem Weg erzählte ich ihm von meinem Studium und Lilie, dann schwieg ich. Wie sollte ich ihm die Sache mit den Cullens erklären und vor allem meine Gefühle für Carlisle? Jake hasste die Cullens, dass konnte man aus seiner Stimmer heraushören, als er über sie sprach. Noch etwas, was sich nicht an ihm geändert hatte.

Schließlich brach er das unangenehme Schweigen. „Dieser Dr. Cullen hat sich verändert, in den letzten vier Jahren. Ist immer wieder an der Grenze lang geschlichen, wenn ich in der Nähe war." „Ich kann Alice mal fragen." Es waren die falschen Worte, aber besser, als wenn ich Carlisle gesagt hätte. „Nach all dem redest du noch mit ihnen? Er war immer hin einer von ihnen." Er redete von Edward. „Sie haben mich immerhin vor ihm beschützt, Jacob. Wenn man ihnen eine Chance gibt sind sie wirklich nett." ... und noch mehr. Aber das konnte ich ihm nicht so einfach an den Kopf werfen. „Ich bin eigentlich aus einem bestimmten Grund hier. Es geht um den Vertrag, den ihr mit den Cullens habt. Gibt es da vielleicht Sonderregelungen?" „Nein. Niemals." Seine Stimme wurde hart. „Wieso fragst du?" Einmal tief Luft holen. „Ich habe nicht vor so schnell wieder zu verschwinden und die Tatsache, dass ich Bescheid weiß ist... leicht problematisch. Es gibt einen fast königlichen Zirkel, der die Gesetze und das Leben der Vampire schützt. Die Geheimhaltung. Wenn die erfahren, dass ich alles weiß und Lilie auch, dann werden sie unseren Tod, oder unsere Verwandlung fordern." Jake holte tief Luft. „Wir werden dafür sorgen, dass sie euch nicht finden." Traurig sah ich ihn an. „Das könnt ihr nicht Jake. Und du weißt, worum ich dich gleich bitten werde." „Und du weißt, dass ich das nicht zulassen werde. Nur wegen Edward..." Ich unterbrach ihn. „Nicht wegen Edward." Irgendwas in meinen Augen musste mich verraten haben, den Jake machte fluchend einen Satz nach hinten. „Das kann nicht dein Ernst sein. Sie sind Monster."