Kapitel 25
Verschwunden
Snape saß schon eine ganze Weile über einen Stapel Arbeiten gebeugt, ohne wirklich etwas zu lesen oder aufzunehmen, als es plötzlich an der Tür seines Büros klopfte.
Seltsam. Er hatte sich lange Zeit gewünscht, hier zu wohnen. Und dennoch kam es ihm jetzt so fremd vor, dass er manchmal lieber wieder in seinen Kerkerräumen gewesen wäre.
Dennoch stand er auf und ging langsam zur Tür. Draußen standen Alenas Freundinnen.
Verwirrt sah er die beiden Mädchen an, denen ebenfalls nicht ganz wohl in ihrer Haut zu sein schien.
„Ähm...", setzte Layla nicht besonders vielsagend an und warf Mary einen hilfesuchenden Blick zu. „Tut uns leid, dass wir einfach so reinplatzen..." Wieder drehte sich das hübsche dunkle Mädchen zu ihrer Freundin um. Offenbar suchte sie nach den richtigen Worten.
„Aber wir machen uns Sorgen um Alena.", schloss sie endlich.
„Sie ist weg.", fügte Mary hastig hinzu.
Snape musste sich beherrschen, um nicht zusammenzuzucken. Das hatte ihm ja grade noch gefehlt. Wenn Alena wieder Todessern in die Hände gefallen war, dann würden auch keine Beteuerungen seinerseits, dass sie Minerva nichts bedeutete (geschweige denn ihm) und somit als Druckmittel wertlos war, verhindern können, dass sie ihr etwas antaten.
Oder, noch schlimmer, Bellatrix hatte sie wieder in ihren Klauen. Sie wusste, auch wenn ihm schleierhaft war, woher, offenbar genau, wie wichtig ihm das Mädchen war. Sonst hätte die geborene Black niemals versucht, Alena zu vergiften.
„Kommt erstmal rein." Mit einer ruckartigen Kopfbewegung deutete er hinter sich, worauf sich die Mädchen einen erleichterten Blick zu warfen.
„Sie hat sich mit Rashid gestritten. Und mit Sarah McAran." Mary zögerte.
„Und mit uns.", fügte Layla erklärend hinzu.
„Und worüber streitet man sich so sehr, dass man danach verschwinden muss?", fragte Snape ungläubig.
Die beiden Ravenclaw-Mädchen rutschten unruhig hin und her. Offenbar war ihnen die Situation ebenso unangenehm wie ihm.
Zum ersten Mal, seit er aus seinen Kerkerräumen ausgezogen war, beglückwünschte sich Snape im Stillen dafür, dass er sich diesmal dagegen entschieden hatte, das Schlafzimmer zum Lagerraum zu machen. So saßen sie wenigstens nicht direkt in seinem Wohn-, sondern mehr in seinem Arbeitsbereich.
„Hm... Naja... Also, es ging...", wieder wusste Layla offenbar nicht, was sie sagen sollte.
„Um dich." Mary sah ihn nicht an, sondern hatte ebenso wie Layla gerade großes Gefallen an dem nicht vorhandenen Muster seines Fußbodens gefunden.
Zum Glück für Snape, denn so sahen sie nicht, dass ihm seine Gesichtszüge vor Überraschung völlig entgleisten.
Als die Beiden endlich den Mut gefunden hatten, ihn anzusehen, hatte er sich bereits wieder unter Kontrolle.
„Ach so." Seine Miene verfinsterte sich. „Klar, dass man sich da drum streiten muss. Severus Snape, die Fledermaus.", setzte er trocken hinzu.
„Nein," unterbrach ihn Layla hastig, „Es ging nicht direkt um dich. Es ging darum, dass sie gestern Abend so lang bei dir war."
Beide Mädchen wichen seinem fragenden Blick aus.
