22. Kapitel Puddlemere United – Das Training

Anm. der Autorin: Womit wir auch schon wieder hier wären – nämlich bei den Ereignissen des puddlemere'schen Jahres! Das Abschlusstraining steht an, und wie es Katie unter lauter Quidditchprofis so ergeht und was Adrien zu dem ganzen sagt, lest ihr hier in diesem ersten Teil!

Ich danke meiner lieben Reviewerin und allen, die die Story mitverfolgen! Vielleicht wollen die anderen ihren inneren Schweinehund ja auch mal überwinden und eine kleine Rückmeldung dalassen? Ich beiße nicht :D

Und nun geht's auch schon weiter!

Viel Spaß!

Eure Calypso

She's not coming here to make herself a name

She only wants to play with me, to see if she can win

And we both want it to happen

For the love of the game

~Semisonic – For the love of the game~

Seit-an-Seit-Apparieren mit Oliver war großartig.

Als Katie wieder Boden unter den Füßen spürte und sie tief einatmend den bereits bekannten Druck von ihrer Brust löste, sah sie sich blinzelnd um und konnte nicht anders, als mit vor Staunen offenem Mund innezuhalten.

Die Häuser in einiger Entfernung und die säuberlich angelegten Grünanlagen sagten ihr, dass sie sich ein wenig außerhalb von Prestwick befanden – und doch ragte das Heimstadion von Puddlemere so dominant und riesig meterhoch vor ihr in den Himmel, dass sie sich von Oliver loslöste und sich mit großen Augen einmal im Kreis drehte.

„Wow!", brachte sie schließlich nach einer weiteren Umdrehung heraus und blinzelte gegen das bereits schwächer werdende Sonnenlicht, das zwischen den Wolken hervorlugte. „Was man in Muggelstädten nicht so alles findet …"

„Ja, wenn die wüssten", grinste Oliver und klopfte sich ein paar Schneeflocken von seinem Umhang. „Ist ohnehin ein ungeheurer Aufwand, das alles hier geheimzuhalten. Nur Zauberer können es sehen und betreten, Muggel sehen ein verfallenes Industriegebäude oder so."

„Wahnsinn!", machte die Jägerin beeindruckt und beschattete ihre Augen, um die riesigen Fahnen in den Vereinsfarben ausmachen zu können, die sich am oberen Ende der Tribünen im Winterwind bauschten. „So nach dem Prinzip der Quidditchweltmeisterschaft also."

„Du sagst es", bestätigte Wood und nahm sie an der Hand. „Los komm, sonst fangen sie noch ohne uns an!"

Hand in Hand umrundeten sie die mächtigen Ausläufe des Stadions, passierten die verschiedenen Sektoreneinlässe und erreichten schließlich eine unscheinbare Tür, die sich gut zwischen zwei Säulen versteckt hielt und Katie wahrscheinlich gar nicht erst aufgefallen wäre, hätte Oliver nicht vor ihr Halt gemacht.

„Hier kommt man zu den Mannschaftsunterkünften", erklärte er und deutete auf die Tür. „Ist vielleicht nicht der absolute VIP-Eingang, aber wenn man mal ungestört reinmöchte, ist der hier gar nicht schlecht. Ziemlich gut abgesichert, nur Spieler können da rein –"

„Uuund wir?", grinste Katie mit fragendem Blick und warf der Tür abschätzende Blicke zu, ganz so als könne sie die Banne förmlich spüren, die sie umgaben.

„Nur Spieler können da rein", wiederholte Oliver mit spitzbübischem Blick. „Oder Leute, die das hier besitzen."

Schwungvoll zog er eine handflächengroße, blau-gelbe Karte aus der Umhangtasche, die Katie stark an den VIP-Pass erinnerte, den ihr Cousin Harvey für die Weltmeisterschaft erworben hatte. Im Unterschied zu diesen VIP-Pässen jedoch befanden sich viel mehr Daten auf dieser Karte; neben Geburtsdatum, körperlichen Daten und Fingerabdruck fanden sich auch ein – wie sie fand – äußerst gutaussehendes Foto und eine weitere Antwort auf eine der Fragen, die sie sich in den letzten Tagen gestellt hatte.

Calum!", rief sie begeistert aus und begutachtete die Karte genauer, um sich zu vergewissern, dass sie auch richtig gelesen hatte. „Gestern wollte ich noch nach diesem ominösen C in deinem Namen fragen … ich wusste gar nicht, dass du einen zweiten Vornamen hast, weißt du."

„Ich finde es gar nicht so schlimm, wenn möglichst wenig Leute davon Bescheid wissen", murmelte Oliver mit einem schwachen Lächeln und besah sich sein eigenes Selbst, das ihm auf der Karte die Zunge rausstreckte. „Ist nichts Besonderes … nur ein Name."

„Namen können viel aussagen", erwiderte Katie und setzte ein schlaumeierisches Grinsen auf. „Und er passt zu dir."

„Findest du?"

„Jep. Wie die Faust aufs Auge."

Oliver grinste. „Du bist einmalig, Katie … was ist, wollen wir rein?"

Heftiges Nicken war die Antwort, und so näherten sie sich der Tür und einem kleinen Schlitz, nicht größer als eine Handbreit, der neben dem Pfosten in der Wand klaffte.

„Wir haben zwei Optionen", erklärte Oliver, während er die Karte in die richtige Richtung drehte. „Entweder mein Pass gilt noch und wir können problemlos rein, oder –"

„- sie funktioniert nicht und wir sehen das Stadion heute nur von außen", vollendete die junge Gryffindor seinen Satz und zwinkerte. „Faire Verteilung, würde ich sagen."

„Im letzten Punkt kann ich Ihnen nicht ganz recht geben, Miss Bell", schmunzelte Oliver und steckte den Pass in den Schlitz. „Wenn es nicht funktioniert –"

Die Karte leuchtete plötzlich glühend rot auf und fing leise an zu knistern, worauf Wood sich beeilte, sie wieder herauszuholen und sie etwas ratlos anzustarren.

„Okay, scheint wohl so, als wäre ich bereits aus dem System gelöscht", fasste er schließlich die Tatsachen zusammen und blickte hoch in den Himmel über dem Stadion, aus dem schon die ersten Rufe des Trainings zu hören waren. „Aber unsere Möglichkeiten sind ja noch nicht erschöpft. Schließlich kann ich nicht zulassen, dass du das Training versäumst."

Er schenkte Katie ein Lächeln und holte seinen Zauberstab aus der Tasche, schloss für einen Moment die Augen und richtete ihn auf die Straße vor ihm.

Expecto Patronum!"

Wie schon am Vormittag brach der Adler aus der Spitze des Stabes hervor, kreiste einige Male über ihren Köpfen und begab sich dann in langsamem Sinkflug zu Boden, wo Oliver sich neben ihn kniete und ihm etwas zuflüsterte. Flügelschlagend quittierte der Patronus die Nachricht, die zu überbringen er auserkoren war und erhob sich majestätisch und anmutig in die Luft, wo er über die Absperrungen der Tribünen hinein ins Stadion verschwand.

„Was tut der Patronus jetzt?", fragte Katie verwundert und sah ihm nach, bis er nicht mehr zu erkennen war.

„Patroni schützen nicht nur vor Dementoren, sie können auch gelegentlich Nachrichten überbringen. Und da Sayu gerade ihren wohlverdienten Schönheitsschlaf hält, ist dies unsere einzige Möglichkeit, Adrien Bescheid zu geben."

„Kennt Adrien deinen Patronus denn?", wollte die Jägerin wissen und schmiegte sich nach kurzem Zögern etwas tiefer in seinen Arm, der nun um ihre Schulter lag und sie fest an sich heranzog.

„Noch nicht. Er wird ihn aber gleich kennenlernen."

„Wo bleibt der Junge denn?", fragte Rob Grant zum wohl bereits zehnten Male und umrundete mit hinter dem Rücken verschränkten Händen die Trainerbank. „Adrien, hast du nicht gesagt –"

„Na na, da wird doch wohl nicht jemand ungeduldig sein", witzelte Ted Kelly, als sich die Mannschaft nach einer kurzen Aufwärmrunde um den Trainer versammelt hatte und dort auf Oliver warten wollte.

„So ein Quatsch!", brummte Grant und ließ sich widerwillig auf der Holzbank nieder. „Kann's nur nicht leiden, wenn jemand zu spät kommt."

Doch Adrien warf seinen Teamkollegen ein wissendes Lächeln zu und sie alle wussten, dass der alte Herr sich ebenso darauf freute, Oliver zu sehen, wie sie es taten.

„Fünf Minuten nach halb fünf", gab Alanis nach einem Blick auf ihre Armbanduhr die genaue Zeit an. „Entweder er verspätet sich oder -"

„Oder er ist mit seiner Flamme zuhause geblieben, was ich ihm nicht verübeln würde", klinkte sich Lee Blackburn ein, der gewohnt lässig auf seinem Besen lehnte und der Ankunft seines ehemaligen Konkurrenten eher gemäßigt erfreut entgegensah.

„Ach, sei still, Blackburn", kam es von Adrien, der ihm einen tadelnden Blick zuwarf. „Wenn du nicht aufpasst, gefällt es ihm hier wieder so gut, dass er zurückkommt – wie wär's, möchtest du nicht gehen und die Ersatzbank vorwärmen?"

Die vier Treiber, die in einer Gruppe beisammenstanden, grinsten und auch die jungen Frauen im Team zwinkerten sich verschmitzt zu. Anstatt sich übel zu beschimpfen oder sich gar eine Prügelei zu liefern, waren Adrien und Lee seit ihrer ‚Versöhnung' dazu übergegangen, sich verbale Duelle zu liefern, was für den Rest der Mannschaft oftmals sehr amüsant war. Überhaupt war Adrien in den letzten Wochen viel lockerer geworden, ausgeglichener und ruhiger – Charakterzüge, die ihm gut zu Gesicht standen und ihn zu einem nicht wegdenkbaren neuen Freund im Team machten.

Die meisten Teammitglieder vermuteten Oliver dahinter, der von Hogwarts aus seinem besten Freund ins Gewissen geredet hatte; und egal, welche Methoden er dabei angewandt hatte – Adrien hatte es – und darin waren sich alle einig – mehr als gut getan.

„Sieben nach halb fünf", murmelte Alanis nach einem erneuten Blick auf die Uhr und sah zu Adrien hinüber. „Wie gesagt, entweder er verspätet sich oder …"

„Wie wär's damit, dass er nicht reinkommt?", kam es erneut von Lee, der ein süffisantes Grinsen aufgesetzt hatte.

„Wie meinst du das?", hakte Adrien nach und ignorierte das selbstgefällige Grinsen seines Teamkollegen.

„Nun ja, soviel ich weiß, werden Spieler, die nicht mehr Bestandteil des Vereins sind, aus dem Aktiv-System gelöscht, ebenso wie die Zugangsdaten ihrer Spielerpässe. Und da Wood diesen wahrscheinlich noch besitzt, damit aber nicht mehr das Stadion betreten kann, ist es gut möglich, dass er irgendwo da draußen steht und überlegt, wie er die Banne anderweitig durchbrechen kann", erklärte Blackburn mit sachlicher Stimme und Adrien schlug sich gegen die Stirn.

„Verdammt, du hast Recht! Wieso hab ich daran nicht gedacht?"

„Ich schlag vor, wir gehen einfach und ho-", begann Derrick Long, doch bevor er den Satz zu Ende geführt hatte, stieß Amanda ein erstauntes „Oooh!" aus und deutete hoch in den Himmel. Die Blicke ihrer Teamkollegen und ihres Trainers folgten ihrem ausgestreckten Arm und entdeckten so ebenfalls den großen, silbrig in der fahlen Abendsonne glitzernden Adler, der über dem Stadion weite Kreise zog, einen leisen Schrei ausstieß und schließlich zum Sinkflug ansetzte.

„Was zum –", keuchte Rob Grant mit ungläubigem Blick, während Helena und Amanda ein begeistertes Quietschen von sich gaben.

„Ein Patronus!", rief die eine Jägerin mit entzücktem Gesichtsausdruck, als der Adler mit weit von sich gebreiteten Schwingen nurmehr wenige Meter über ihnen kreiste.

„Ja, aber wessen Patronus?", warf Harry Eversemen eine durchaus berechtigte Frage in die Gruppe. „Ich meine, wer lässt seinen Patronus in unser Stadion fliegen?"

„Das kann ich dir schon sagen", kam es von einem breit grinsenden Adrien, auf dessen Schulter der Adler mittlerweile Platz genommen hatte und seinen edlen Kopf nahe an dessen Ohr herangebeugt hatte. „Kluges Kerlchen, unser Oliver."

„Das ist sein Patronus?", staunte Ted Kelly und besah sich den silbrigen Adler von allen Seiten. „Ein wirklich schönes Tier. Und sehr passend für ihn, wenn ich das mal so sagen darf. Hat er ihn denn mit einer Nachricht versehen?"

Der junge Kapitän nickte und warf dem Patronus einen stolzen Blick zu. „Natürlich. Ich mach kurz einen Spaziergang zum Spielereingang. Bin gleich wieder da."

Und mit einem gut gelaunten Zwinkern drückte er Amanda seinen Feuerblitz in die Hand und spazierte mit federndem Gang vom Spielfeld. Der Adler, der sich wieder von seiner Schulter erhoben hatte, folgte ihm flügelschlagend, doch er wurde immer durchscheinender, und als Adrien in den Umkleiden verschwand, war auch das Tier fast nicht mehr zu sehen.

Die Vorfreude pochte wie ein zweiter dumpfer Herzschlag gegen seine Brust – Vorfreude darauf, endlich wieder mit seinem besten Freund fliegen zu können und zum anderen auf diese Katie, die ihn begleiten würde. Die den konzentrierten, starken Torhüter so dermaßen aus dem Konzept bringen konnte.

Adrien lächelte, als er mit langen Schritten die Umkleiden durchmaß und auf den Gang hinaustrat, sich nach links wandte und die schwach beleuchteten Korridore entlangeilte. Wie hatte er es nur vergessen können, dass Oliver bestimmt versuchen würde, mithilfe seines alten Passes ins Stadion zu gelangen – was aufgrund des Deaktivierungssystems der ausgetretenen Mitglieder unmöglich war. Am meisten ärgerte es ihn, dass ausgerechnet Lee darauf gekommen war; doch er tröstete sich damit, dass Oliver – sollte sein ehemaliger Konkurrent mit blöden Sprüchen ankommen – ihm genügend Kontra geben würde.

Endlich hatte er den breiten Gang erreicht, der zu den Ausgängen und gleichzeitig zum Spielereingang führte; seine Schritte beschleunigten sich und sein blauer Quidditchumhang bauschte sich im Gehen um seine Beine. Die Tür kam immer näher, er konnte sie vor sich sehen – erst kleiner, dann immer näher und größer; tief durchatmend streckte er die Hand nach der Klinke aus (wie praktisch, dass von innen kommend jeder ohne irgendwelche Pässe hinauskonnte) und öffnete mit ziemlich viel Schwung die Tür.

Das fahle Sonnenlicht bildete einen starken Kontrast zu den dämmrigen Korridoren, aus denen er gekommen war und er blinzelte kurz, bevor seine Sicht sich schärfte und er die zwei Personen erkannte, die vor ihm im weiß glitzernden Schnee standen und Arm in Arm auf Einlass warteten.

„Na endlich! Ich dachte schon, wir müssten hier draußen Wurzeln schlagen!", lachte Oliver und umarmte seinen besten Freund, der die Geste mit etwas schuldbewusstem Blick erwiderte.

„Tut mir Leid Mann. Dein Pass ist schon gesperrt … daran hab ich gar nicht gedacht – und ausgerechnet Lee, die Flachpfeife, kam dahinter …"

Sie lösten sich voneinander und Olivers Blick wanderte sofort mit einem merklich stolzen Ausdruck zu seiner Begleiterin.

„Adrien, darf ich dir Katie vorstellen? Katie, das ist Adrien."

Adriens erster Eindruck von Katie Bell war äußerst positiv. Wood hatte keinesfalls übertrieben; sie war wirklich gutaussehend, ihre langen blonden Haare hielt sie in einem Zopf gebändigt und ihre hellen, wachen Augen blitzten aufgeregt, als sie seine ausgestreckte Hand ergriff. Sie wirkte weder arrogant noch oberflächlich, sondern freundlich und umgänglich, erwachsener als er es bei einer sechzehnjährigen Hogwartsschülerin für möglich gehalten hätte – diese Eindrücke trugen wohl dazu bei, dass der junge Kapitän gleichermaßen beeindruckt und erfreut ihre Hand schüttelte.

„Hi Katie, freut mich."

„Mich auch. Danke für die Einladung", erwiderte sie mit fröhlichem Lächeln. „Oliver hatte viel Spaß daran, daraus eine Überraschung zu machen und mich ewig hin und her raten zu lassen –"

„Nun mal langsam, Fräulein", unterbrach Wood sie mit gespieltem Tadel in der Stimme. „Du musstest erstens nicht ewig hin und her raten –"

„Stimmt allerdings, du hast es mir verraten, bevor ich erst richtig loslegen konnte", konterte sie vergnügt und zwinkerte ihm verschmitzt zu.

„Gut, zugegeben – du hattest keine Chance", seufzte Oliver und verdrehte die Augen.

„Und nur, weil du noch immer so ungeduldig bist. Wie früher!", neckte sie ihn und tippte mit dem Finger kurz gegen seine Nase.

Adrien, der die Szene mit Vergnügen beobachtete, grinste in sich hinein und befand, dass die beiden äußerst gut zusammenpassten. Sie mochten vielleicht noch nicht den Mut gefunden haben, dies zuzulassen – und doch glaubte er, dass es nicht mehr lange so weitergehen konnte, bis die Liebe in diesem Fall die Vernunft besiegte.

„Wie geht's den anderen? Alle wohlauf?", wollte Wood einige Augenblicke später von seinem ehemaligen Kapitän wissen, als sie den Spielereingang hinter sich gelassen hatten und nun durch die langen Korridore marschierten, durch die Adrien Minuten vorher noch gekommen war.

„Oh ja, kann man so sagen", antwortete Adrien und seufzte. „Leider schließt das auch Lees große Klappe mit ein, aber im Kontern ist er nicht besonders helle."

„Du meinst, an deinem Standard gemessen?", grinste Oliver und warf Katie, die Adrien Harrold, den sie bisher nur von Postern und Zeitungsartikel gekannt hatte, auf Anhieb sympathisch fand, einen bedeutungsvollen Blick zu.

„Wenn du es so ausdrücken willst, ja", erwiderte der Kapitän süffisant, während sie um die letzte Ecke bogen und der Ausgang zum Spielfeld langsam in Sicht kam. „Ich hatte ja keine Ahnung, wie schön Zynismus sein kann. Dank Lee weiß ich es jetzt."

Die kleine Gruppe lachte und Katie musterte Adrien erneut genau. Sie wusste, welch große Sorgen Oliver um ihn gehabt hatte; wusste, was die Zeitungen über den walisischen Jäger geschrieben hatten; wusste, dass ein Großteil davon wahr gewesen war. Jetzt jedoch war von diesen Dingen nichts mehr zu erkennen – für die junge Gryffindor wirkte er entspannt und humorvoll, und sie erkannte mehr und mehr, warum die beiden, er und Oliver, so gute Freunde waren.

Die letzten, kraftlosen Strahlen der Wintersonne tauchten sie in ihr Licht, als sie hinaus aufs Spielfeld traten. Oliver atmete tief durch und ließ den Blick über die altbekannten Ränge schweifen, das Feld und die Torstangen, die sich vor ihm auftürmten und so lange sein „Reich" gewesen waren.

Im nächsten Moment jedoch wurde er von lauten Rufen aus seinen Gedanken gerissen und kaum einen Augenblick später sah er sich von seinen ehemaligen Teamkollegen umringt, von denen einige versucht hatten, ihn gleichzeitig zu umarmen – was zu einem kleinen Chaos führte, dem Oliver – gerührt von diesem Empfang – nicht sehr erfolgreich entgegenwirken konnte. Lee Blackburn allerdings hielt sich vornehm im Hintergrund und begnügte sich lediglich damit, seinem ehemaligen Konkurrenten kurz zuzunicken.

„Hey Oliver, alles klar?", begrüßte ihn Ted Kelly mit dem gewohnt gutmütigen Lächeln und klopfte ihm auf die Schulter, ebenso wie Andrew und Eugene, die ihn sofort mit Fragen löcherten während ihn die Jägerinnen allesamt unter lautem Geschnatter umarmt hatten.

„Aus dem Weg, aus dem Weg!", mischte sich plötzlich eine ältere, rauere Stimme unter die Begrüßungsrufe. „Jetzt lasst dem armen Jungen doch ein wenig Luft zum Atmen – ihr seid ja schlimmer als Kleinkinder!"

Augenblicklich konnte Oliver sich wieder frei bewegen, das gesamte Team hatte sich jetzt breit grinsend um ihn herum versammelt und Rob Grant kam durch die Meute auf ihn zugehumpelt.

„Wen haben wir denn da?", knurrte er in seiner gewohnt bärbeißigen Art und musterte seinen ehemaligen Hüter genau. „Dass du dich auch mal wieder blicken lässt, Junge …"

Doch der Ausdruck in seinen Augen strafte seinen Tonfall Lügen, und auf Woods Lippen schob sich ein breites Lächeln.

„Tut mir wirklich Leid, Rob. Ließ sich nicht anders einrichten."

„Ja, ja", winkte der Trainer ab und räusperte sich. „Schon gut … worauf wartest du noch, he? Ab mit dir, ich will dich dort oben bei den Torringen sehen! Und gnade Dumbledore Merlin, solltest du auch nur ein Fitzelchen deiner unglaublichen Fähigkeiten eingebüßt haben!"

Lautes Lachen erfüllte das Stadion und Adrien warf Lee einen spöttischen Blick zu, der diesen nur zu deutlich daran erinnerte, wer für den Rest des Trainings bei Rob abgemeldet war. Blackburn schnaubte frustriert und sah in eine andere Richtung, denn nicht nur der Kapitän bedachte ihn jetzt mit einem hämischen Lächeln.

„Warte mal, Rob. Oliver ist schließlich nicht allein hier", ergriff Adrien noch einmal das Wort und warf Katie einen aufmunternden Blick zu, die auf den ersten Blick ziemlich wortkarg und staunend unter all den Quidditchprofis gestanden hatte und nun von Oliver bei der Hand genommen wurde.

„In der Tat", grinste der Ex-Hüter und drückte unauffällig ihre Hand in seiner. „Darf ich vorstellen, das ist Katie. Katie – das ist der chaotische Haufen, der sich mein altes Team nennt."

Protestierende Rufe waren die Antwort auf diese nicht ganz ernst gemeinte Vorstellung, doch seine ehemaligen Teamkollegen begrüßten Katie unter großem Hallo und die Jägerinnen und Alanis hatten sie sofort in ihre Mitte genommen. Wood konnte nicht anders, als das Szenario verwundert zu beobachten – er hatte zwar gewusst, dass alle seine Teamkameraden – nun ja, bis auf Lee vielleicht – herzlich und nett waren, doch dass sie Katie dermaßen schnell und unkonventionell bei ihnen aufnahmen, hätte er nicht gedacht.

Und dabei wussten sie kein Wort von dem, was sich wirklich hinter ihrer Beziehung verbarg …

Adrien war nahe an ihn herangetreten und beugte sich lächelnd zu seinem Ohr. „Sieh nur, wie begeistert sie von ihr sind", flüsterte er, als sie dabei zusahen, wie sich die männlichen Spieler erneut auf die Besen schwangen und Amanda, Alanis und Helena sich bereits mit Katie über ihre Spielposition austauschten und dabei wirkten, als wären sie schon ewig Bekannte. „Sie ist bezaubernd, Oliver. Ich an deiner Stelle würde sie nie wieder gehen lassen."

„Keine Sorge, mein Freund. Das werde ich nicht", erwiderte Wood mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen. „Zu viel Zeit ist bereits vergeudet worden, zu viele Hindernisse haben sich uns in den Weg gestellt – wobei ich anmerken muss, dass ich an einigen selbst schuld war. Den Fehler werde ich nicht noch einmal begehen."

„Weise Worte, Mann. Weise Worte. Ich wünschte, ich könnte das auch einmal sagen", seufzte Adrien theatralisch und zwinkerte seinem Freund verschmitzt zu. „Und jetzt, rauf mit dir. Sonst bekommt Rob noch einen Anfall."

„Was dagegen, wenn ich erst Katie fliegen lasse? Sie hat keinen Besen mitgebracht und ich hab ihr gesagt, sie kann mit meinem fliegen."

„Auch gut. Hey Lee, beweg deinen Arsch rauf zu den Torringen! Die Pause ist vorbei!"

Blackburn, der es sich bereits auf der Trainerbank einigermaßen gemütlich gemacht hatte, erhob sich grummelnd, schwang sich auf seinen Besen und entschwirrte in den dunkler werdenden Himmel, während Oliver Katie zu sich rief (die sich im ersten Moment gar nicht von ihren neuen Bekanntschaften trennen konnte) und ihr seinen Besen übergab.

„Und bitte … pass darauf auf, ja?", bat er mit flehendem Ausdruck in den dunklen Augen und warf seinem kostbarsten Besitz einen leidenden Blick zu.

„Männer und ihre Besen", tadelte Katie kopfschüttelnd und mit Belustigung in der Stimme und erntete dafür empörte Blicke seitens Adrien und Oliver. „Keine Angst, Käpt'n, du kriegst dein Baby schon unversehrt wieder."

Mit diesen Worten schwang sie sich auf den Feuerblitz, stieß sich schwungvoll ab und rauschte zu den anderen beiden Jägerinnen, wo sie sich über die Vorgehensweise besprachen, während die anderen Spieler – Reserve und Ligamannschaft – ihre Plätze einnahmen.

„Tja Kumpel, anscheinend sind wir jetzt abgemeldet", grinste Adrien und wollte sich gerade neben Oliver auf der Barrikade zur Tribüne niederlassen, als Harry sie beide heftig gestikulierend zu sich hinaufbefahl.

„Kommt schon, Adrien - Oliver! Wir sind zwei zu wenig! Ihr wollt doch nicht, dass wir gegen die Ladies verlieren, oder?"

„Oh nein, das wollen wir nicht", kam es unisono von den beiden Freunden und Adrien schwang sich mit angriffslustiger Miene von der Barrikade. „Wäre doch gelacht, wenn ich diesen Quaffel nicht an Lee vorbeibekäme …"

„Halt, stop!", hielt Oliver ihn mit zerknirschter Miene zurück und sah hoch zu Katie, die im Team von Amanda, Helena, Ted, Andrew, Lee und Gary spielte und im Moment Arm- und Beinschoner anlegte, die Helena ihr gegeben hatte. „Ich hab keinen Besen."

„Ach ja, stimmt … Mist. Warte kurz, mal sehen was sich machen lässt", überlegte der Kapitän mit gerunzelter Stirn und hatte Sekunden später auch schon das Spielfeld in Richtung des Ausstattungsarchives verlassen.

„Wird das heute nochmal was?", kam es aus der Luft von Andrew, der ungeduldig seinen Schläger kreisen ließ. „Oder gebt ihr etwa schon auf?"

„Das hättest du wohl gerne, Drew", grinste Oliver und setzte den besten überlegenen Blick auf, den er zu bieten hatte. „Mal sehen, ob du nachher auch noch so sprichst, wenn wir euch vom Feld wischen."

Das Team und sogar Rob lachten, und in dem Moment kam Adrien mit Arm- und Beinschonern und einem Feuerblitz in der Hand zurück. Es war kein neues Modell, sondern so eines, wie Harry Potter es besaß, doch es war allemal gut genug, um die Torringe zu verteidigen.

Gemeinsam stießen sich die beiden Freunde vom Boden ab und flogen zu ihrer Mannschaft; Adrien nahm seinen Platz an vorderster Front neben Harry und Lester ein, Oliver seine Position vor den drei Torringen. Mit laut pochendem Herzen schnallte er die die Riemen der Armschoner etwas fester und erwiderte Katies Winken von der anderen Spielfeldseite. Sie sah gut aus inmitten all der Profispieler, und sie wirkte glücklich – etwas, das ihm sehr am Herzen lag. Er wollte sie glücklich sehen, glücklich machen, ihr nie wieder einen Grund dazu geben, seinetwegen traurig zu sein … er wollte sie nie wieder loslassen …

So in seinen Gedanken versunken hatte er nicht bemerkt, dass Rob – der den Schiedsrichter machte – das Spiel angepfiffen und den Quaffel freigegeben hatte. Katie war als erste an Adrien vorbeigesaust und hatte diesem den Ball direkt vor der Nase weggeschnappt, was ihre Mannschaftskollegen einerseits mit Bewunderung, andererseits mit Jubel kommentierten. Jetzt kam sie auf die Torringe zugerast, der Feuerblitz – eigentlich für Hüter gedacht – schien ihr gut zu gehorchen und mit siegessicherem Gesichtsausdruck zielte sie, holte aus –

Bevor Oliver noch richtig aus seinen Gedanken zurück in die Realität gefunden hatte, war der Quaffel auch schon durch den rechten Torring gesaust und Katie brauste breit grinsend zurück in ihre Spielfeldhälfte, wo sie bei sämtlichen Mitspielern einschlug und lachend dem Jubelgebaren ihrer beiden Mitjägerinnen zusah.

„Oliver, was machst du denn?", brüllte ein fassungsloser Adrien von der Mitte des Feldes her und schlug sich gegen die Stirn. „Jetzt hör gefälligst auf, den Gentleman zu spielen! Wir sind hier –"

Nicht im Krieg, falls es das ist, was du sagen wolltest", unterbrach ihn Alanis beschwichtigend, jedoch breit grinsend und warf Oliver einen bedeutungsvollen Blick zu. „Ich denke, unser Goalie ist jetzt wieder fit und wird es ihnen nicht mehr so einfach machen. Stimmt's, Oliver?"

Und genauso war es auch.

Von jetzt an bedeutete es für Katies Mannschaft schwere Arbeit, die Verteidigungslinien der anderen zu durchbrechen und einen Angriff auf das Tor zu starten. Grund dafür war einerseits Adrien, der in einem perfekten Abgabespiel mit Lester und Harry die Spielzüge der Gegner Mal um Mal vereitelte und dann Lee mit höchster Genugtuung den Ball um die Ohren schlug; andererseits die beiden Treiber, die mit gut gezielten Schüssen die meisten Bälle vom Torraum fernhielten und so Oliver etwas Freiraum einräumten. Nicht, dass er den benötigt hätte.

Einzig und allein Katie schien nicht vergessen zu haben, wie er tickte, wo seine Stärken und wo seine Schwächen lagen. Wenn immer sie es schaffte, Adrien oder den anderen beiden den Quaffel abzuknöpfen, kämpfte sie sich gemeinsam mit ihren Mitjägerinnen zu ihrem ehemaligen Kapitän vor und brachte ihn gehörig ins Schwitzen, genauso wie Adrien es bei Lee Blackburn zu tun pflegte – schließlich stand es nach einigen Glanzparaden und Traumtoren 80 zu 90 für Katies Mannschaft.

Die Dunkelheit war fast gänzlich hereingebrochen, doch Rob machte keine Anstalten, abzupfeifen – ebenso wenig wie die Spieler Anstalten machten, mit dem Spielen aufzuhören. Außerdem war der Schnatz ohnehin noch nicht gefangen worden, so sehr sich Alanis und Gary auch anstrengten, den kleinen goldenen Ball in den länger werdenden Schatten auszumachen.

Das Match selbst hatte sich mittlerweile als großer Spaß für sämtliche Beteiligten herausgestellt – kein Spielzug, kein Flugmanöver, kein Tor ging vonstatten, ohne dass sarkastische Bemerkungen und Gegenbemerkungen fielen oder Gelächter das Stadion erfüllte. Rob hatte es bereits aufgegeben, wieder etwas Ordnung in das Chaos zu bringen und sah kopfschüttelnd mit an, wie Adrien die gegnerische Verteidigung durchbrach und mit einer perfekten Finte den Ball in Lees linken Ring trieb.

„TOR!", jubelte seine Mannschaft euphorisch über den Ausgleich, während der Kapitän sich eine Ehrenrunde gönnte und so tat, als winke er dem nicht vorhandenen Publikum auf den Rängen zu.

„Mädels, Krisensitzung!", rief Amanda Hopkins ihre Kolleginnen zusammen, und während die jungen Frauen in einem Kreis beisammenschwebten und kichernd Blicke in Richtung Adrien warfen (was Oliver und Harry Eversemen gleichzeitig äußerst beunruhigt registrierten), brachte Rob den ausgebrochenen Quaffel zurück.

„Schluss mit den Tratschereien, wir sind hier nicht beim Kaffeekränzchen!", brüllte er nach oben und die Jägerinnen stoben sich einander zuzwinkernd auseinander. „Weiter geht's! Und ich will mehr Einsatz von den Suchern sehen, verstanden?"

Die Angesprochenen nahmen sich diesen Befehl zu Herzen, während der Quaffel erneut ins Spiel gebracht wurde und Adrien ihn sofort an sich riss, um wieder in Richtung Lee davonzupreschen – währen nicht die drei Jägerinnen gewesen, die plötzlich in seinem Sichtfeld auftauchten und mit unheilvollem Grinsen den Weg versperrten.

„Sagt mal, geht's noch? Weg da!", versuchte er sie halbherzig wegzuscheuchen, nachdem er gnädigerweise abgebremst hatte, den Quaffel fest unter den Arm geklemmt. „Falls ihr es nicht mitbekommen habt, ich versuche grade, ein Tor zu schießen!"

„Oh Adrien –"

„ – das wird jetzt –"

„- leider nichts!"

Und bevor der zu allem Unglück unglaublich kitzlige Adrien Harrold sich versah, hatten sich die drei auf ihn gestürzt und ihm in einer kurzen aber heftigen Kitzelattacke den Ball abgenommen.

„FOUL! Schiedsrichter!", kam es Sekunden später von einem ziemlich mitgenommen aussehenden und schief am Besen sitzenden Kapitän, was bei den anderen schallendes Gelächter auslöste und sogar Rob zu einem Lächeln veranlasste.

„Stell dich nicht so an Harrold, du bist doch kein Mädchen!", bellte der Trainer hinauf zu seinem Kapitän, der sein Haar wieder in Ordnung brachte und einen bösen Blick zurücksandte.

„Nein, dafür wurde ich aber von gleich dreien überfallen!", beschwerte er sich und jagte dann Amanda hinterher, die bereits den Weg zu Oliver eingeschlagen hatte; Siegesgewissheit in den Augen, als sie den Ball an Helena abgab, als Lester einen Versuch machte, ihn ihr abzuknöpfen.

„Versuch's ruhig, Hel", grinste Oliver und machte sich bereit, den wild hin- und herschweifenden Blick seiner ehemaligen Teamkollegin nicht aus den Augen lassend. „Lass mich raten – rechts? Oder doch links?"

Helena achtete nicht auf ihn; in einer blitzschnellen Reaktion tauchte sie nach rechts weg, beugte sich weit über den Besen und ließ den Quaffel aus ihrer Hand schnellen. In dem Moment, als Olivers Fingerspitzen das rote Leder verfehlten und es durch den Torring sauste, drangen laute Jubelrufe an ihre Ohren und die gesamte Mannschaft fuhr herum.

Alanis kam im Sinkflug auf sie zugerast, ein breites Grinsen auf den Lippen und die Hand um ein kleines, flügelschlagendes Etwas geschlungen.

„Yeah, gewonnen!", kam es unisono von Harry und Lester, die ihre Hände gegeneinander schlugen und Lee auf der anderen Seite des Feldes eine lange Nase drehten, was Adrien mit lautem Klatschen befürwortete, bevor er an Olivers Seite schwebte und ihm durchs Haar strubbelte.

„Gut gemacht, Mann. Nicht schlecht für dein erstes richtiges Spiel seit –"

„Moooonaten", grinste sein Freund und klopfte Alanis im Vorbeifliegen auf die Schulter. „Aus deinen Würfen schließe ich, dass das Mungo's Wirkung gezeigt hat, hab ich Recht?"

Adrien brauchte eine Sekunde, um zu erkennen, was Oliver meinte, dann grinste er. „Jah, du hattest wirklich Recht. War dringend notwendig, das nochmal behandeln zu lassen. Ist viel besser geworden."

„Na siehst du", erwiderte der Hüter gelassen und sah hinüber zu Katie, die den beiden Treibern seiner Mannschaft zum Sieg gratulierte. „Hey Kates, du warst gut!", rief er ihr nicht ohne Stolz in der Stimme zu, was sie mit einem ehrlichen Lächeln quittierte.

„Danke, du auch! Schade, dass unsere Taktik nur bedingt funktioniert hat", seufzte sie gespielt und warf Adrien einen belustigten Blick zu, der daraufhin von Fairness und Fouls zu reden begann, diesen Vortrag jedoch schleunigst einstellte, als die Jägerinnen ihm erneut bedrohliche Blicke zuwarfen.

„Kommt mal alle runter!", drang Rob Grants heisere Stimme vom Boden herauf und die Mannschaft sowie Oliver und Katie setzten zum Sinkflug an und landeten neben dem Trainer, der es sich auf der Bank gemütlich gemacht hatte.

„Das war ein verdammt gutes Spiel, möchte ich meinen", knurrte er und blickte einem jeden von ihnen ins Gesicht, kaum hatten sie sich um ihn herum versammelt. „Du, Mädchen", fügte er dann hinzu und deutete auf Katie, die unter seinem harschen Tonfall etwas zusammenzuckte, ihm jedoch furchtlos in die Augen sah, „dich würd ich sofort unter Vertrag nehmen, wenn der Haufen hier nicht vollzählig wäre."

„Dankeschön", murmelte Katie, während ihr die Röte ins Gesicht schoss, Oliver sie stolz an sich drückte und vor aller Augen einen Kuss auf ihrer Stirn platzierte.

„Nur keine falsche Bescheidenheit", erwiderte Rob mit freundlicherer Stimme und klopfte ihr auf die Schulter. „Das Lob ist berechtigt – und sieh dir deinen Begleiter an, der platzt doch gleich vor Stolz auf dich."

Katie wandte ihren Blick zu Oliver, der sich bemühte, wieder eine halbwegs normale Miene ohne breitem Grinsen aufzusetzen, doch seine Augen verrieten ihn. Anscheinend war er wirklich stolz auf ihre Leistung, und sie konnte nicht anders, als in sich hineinzulächeln. Es war ein großartiges Gefühl, sich dieser Tatsache bewusst zu sein.

Rob klatschte laut in die Hände und verschaffte sich ein letztes Mal Gehör. „Ich wünsche euch einen guten Rutsch und will euch alle in optimaler Verfassung im neuen Jahr wiedersehen, ist das klar? Wehe, einer von euch treibt es auf Adriens Party zu bunt!"

„Willst du nicht vorbeikommen, Rob?", fragte Ted lachend und der Kapitän beeilte sich, heftig zu nicken, nicht ohne sich das Lachen zu verbeißen. „Essen und Trinken gibt's umsonst, und du kannst sogar tanzen, wenn du willst."

„Ihr seid wohl nicht mehr ganz bei Trost, wie?", schnaubte Rob, packte seine Mütze und wandte sich zum Gehen. „Was soll ein alter Kauz wie ich bei euch jungen Leuten? Ihr braucht mich weder, um euch zu betrinken, noch, um euren Spaß zu haben. Also lasst mir meine ruhige Silvesternacht, wie jedes Jahr!"

„Ist gut, Coach", grinste Adrien und zuckte mit den Achseln, während der Rest des Teams die Besen schulterte.

„Kommt er denn nie zu eurer Abschlussparty?", wollte Katie wissen, als sie alle verschwitzt und ausgepowert die Umkleiden aufsuchten.

„Oh nein", lachte Andrew, während er sich seiner Armschoner entledigte. „Aus eben den Gründen, die du eben gehört hast, verweigert er Jahr für Jahr sein Kommen. Wir fragen ihn trotzdem immer aus Höflichkeit – und der guten alten Tradition wegen."

Er zwinkerte und Katie grinste amüsiert. Nun, da sie die gesamte Mannschaft näher kannte und einige Zeit mit ihr verbracht hatte, kam sie zu dem Ergebnis, dass berühmte Leute sich nicht unbedingt wie solche benehmen mussten. Alle Spieler wirkten so normal und freundlich, als wären sie normale Privatpersonen, die irgendwelchen belanglosen Jobs nachgingen und nicht von den Massen gefeiert wurden, weil sie einen Sieg im Quidditch errungen hatten. Bis auf Lee, der dieses Rampenlicht, in das er unentwegt durch seine wiederlangte Position gerückt wurde, ziemlich zu genießen schien, war ihr ein jeder Spieler sympathisch – allen voran die beiden Jägerinnen, mit denen sie sich fühlte, als wären Angelina und Alicia persönlich hier; und Adrien, der sie von Anfang an am herzlichsten aufgenommen hatte – vielleicht, weil Oliver ihm im Vorfeld schon alles erzählt hatte und ihm am meisten vertraute.

„Du bist toll geflogen, Kleines", raunte ihr plötzlich jemand ins Ohr und sie schauderte, als sie Woods weiche Lippen an ihrer Ohrmuschel spürte.

„Ich hatte ja auch einen guten Kapitän und Trainer", wisperte sie lächelnd und sah zu ihm auf, begegnete seinem Blick, der sich sofort in dem ihren verfing. „Der hat mir alles beigebracht."

„Du musst mir seine Adresse geben, den könnte ich auch gebrauchen", meinte er zwinkernd, worauf sie ihm einen Klaps gegen die Schulter gab und Amanda dankend die geliehenen Arm- und Beinschoner aushändigte.

„Hey ihr zwei. Ich hoffe es hat dir gefallen, Katie", kam es von Adrien, der zu ihnen aufgeholt hatte und die Riemen seiner Armschoner lockerte. „Normalerweise ist es nicht so chaotisch …"

„Ach was, es war toll!", erwiderte Katie aufrichtig und schenkte ihm ein Lächeln. „Ich hab mich richtig wohl gefühlt bei euch."

„So soll es auch sein", bestätigte der junge Kapitän nicht ohne Stolz in der Stimme und klopfte Wood auf die Schulter. „Ich bin mal duschen … wir sehen uns dann bei der Party, okay?"

„Okay", kam es unisono von den beiden und Adrien verabschiedete sich, bevor er in die Männerduschen verschwand und Sekunden später ein lauter, empörter Schrei ertönte. Offensichtlich war er, wie Oliver nach einem kurzen Blick in die Duschen feststellte, von den anderen mit einer gehörigen Portion kalten Wassers „empfangen" worden.

„Ich freue mich auf die Party", sinnierte Katie wenige Minuten später, als sie das Stadion verließen und sich für das Seit-an-Seit-Apparieren fertigmachten. „Und ich freue mich darauf, die anderen wiederzusehen. Sie sind toll, wirklich. Und so lieb zu mir …"

„Das kommt davon, weil sie verzaubert von dir sind", entgegnete Oliver mit einem sanften Lächeln und zog seine ehemalige Jägerin so nahe zu sich heran, dass kein Finger breit sie mehr trennte. „Genau wie ich."

Und mit einer schnellen Drehung verschwanden die beiden vom dunklen Stadionvorplatz.

Anm. der Autorin: Am Ende dieses Kapitels möchte ich nur zwei Dinge loswerden:

Reviews? *grins*

Who is ready for PARTYYYYY? :D

Ach ja, und noch ein drittes Ding: Schaut doch mal bei meiner neuen Story "Ambition" rein. Auch da gibt's viel Oliver und Katie