24. Winzige Träume, kleine Bedenken und große Zweifel
Schnaubend schob Virginia sich zwischen einer kleinen Traube starrender Hufflepuffs hindurch, während sie hektisch und so schnell wie möglich den Weg vom obersten Stockwerk, in die große Halle zurücklegte. Und das, obwohl sie eigentlich keinen Hunger hatte. Nicht im Geringsten sogar…
Doch was sollte sie sonst auch tun?
Verkriechen war sinnlos, denn seit gestern war sie der Star der Schule. Dabei war sie mal die arme Irre, die dem goldenen Jungen einfach so den Laufpass gegeben hatte. Mal war sie die coole Schöne, die Harry Potter für Draco Malfoy zurückgewiesen hatte. Dann war sie die Glückliche, die zwischen zwei Jungen stand…
Nur einige der unzähligen Varianten der Geschehnisse, die sich vor annähernd aller Augen auf dem Spielfeld des gestrigen Duells abgespielt hatten. Dabei war eine Version fantastischer als die andere. Und wohl auch unwahrer. Doch die junge Weasley hatte sich direkt beim ersten zaghaften ‚Warum?' dazu entschieden, es besser für sich zu behalten.
Die Wahrheit interessierte hier eh keinen. Schon gar nicht jene Hyänen, deren Blicke ihr auch hier nun wieder lüstern über den Gang folgten.
„Ich frage erst gar nicht ‚Warum', Schönste", hörte sie es neben sich amüsiert klirren.
Sie warf einen wütenden Blick zur Seite. „Was willst du von mir? Hast du nicht schon genug angerichtet?"
Der Blonde lachte hämisch, ignorierte die herablassenden Blicke einiger Slytherins, die sie gemeinsam passierten. Ganz offensichtlich war sein kleines Spiel ihm der Argwohn seinesgleichen wert.
„Verdammt, Weasley. Habe ich Potter vor der ganzen Schule gedemütigt, oder du?", hauchte er grinsend und setzte dann unbeirrt fort.
Ein leises Schnauben entkam ihrer Kehle. „Ich habe ihn nicht gedemütigt."
Ein schwaches Zucken mit den Schultern. „Wenn du meinst. Würde mir ein Mädchen vor der gesamten Schule einen Korb so groß wie das internationale Quidditchstadion verpassen, würde ich mich gedemütigt fühlen", hauchte er beiläufig, während er einigen Viertklässlerinnen mittels Lächeln die Knie weich machte. „Sehr gedemütigt sogar", fügte er dann sadistisch hinzu.
„Na, dann werde ich mir das merken", zischte sie unbeeindruckt, das Kichern der Mädchen, die tuschelnd hinter ihnen zurückblieben, ignorierend.
„Nicht nötig Weasley. Du wirst nicht die Möglichkeit bekommen, mir einen Korb zu geben."
Sie blieb stehen, sah ihn eindringlich an. „Was willst du von mir?"
Er blieb ebenfalls stehen, schenkte ihr einen vielsagenden Blick.
„Ach ja. DAS willst du. OK, wann und wo?", fauchte sie so aufgebracht, das ihr nicht einmal wirklich bewusst war, was sie da sagte. Oder gar, ob sie es vielleicht irgendwo tief drinnen ernst meinte.
Was hatte sie auch zu verlieren? Ihr Stolz war eh schon den Bach runter, ebenso ihre Träume… Alles was ihr geblieben war, waren Bedenken, Zweifel und Schuldgefühle… Und ihre Jungfräulichkeit. Aber, ob sie die nun durch eine ihrer Komplizinnen in Männergestalt, oder durch Malfoy verlor? Was für eine Rolle spielte das schon?
„Tztztz", hauchte er Kopfschüttelnd. „Das ist langweilig, Weasley und so gar nicht, was ich von dir will."
„Nicht?", hörte sie sich selber überrascht sagen. Wie war das noch mit dem Unterricht in Sachen Liebe, Sex und Zärtlichkeit? Hatte sie das alles wirklich so falsch verstanden?
Ein Grinsen. „Nein, jedenfalls nicht so kampflos. Ich mag es, wenn sie sich wehren. Anfangs jedenfalls."
Virginia zog die Augenbrauen zusammen, setzte sich langsam wieder in Bewegung. „Das ist echt unter meinem Niveau, Malfoy."
„Ach wirklich? Mir war es gerade glatt so, als hättest du mir vor Sekunden noch ein eindeutiges Angebot gemacht", antwortete er amüsiert und folgte ihr schnellen Schrittes.
„Was willst du von mir?", knurrte sie ignorierend und stampfte weiter wehenden Haares voran.
„Ich wollte dir für die Showeinlage gestern danken. Ich habe Potter lange nicht so am Boden gesehen", antwortete er schließlich mehr als nur sadistisch grinsend. „Wenn nicht sogar, noch nie."
„Das habe ich nicht für dich und schon gar nicht wegen DIR getan", fauchte sie und blieb erneut abrupt stehen.
„Ja", hauchte er. „Das weißt du und das weiß ich. Aber, weiß er das auch?"
Der Rotschopf schluckte, bemerkte die Blicke, die ihnen aus der Halle vor ihnen zugeworfen wurden. Man konnte sie ganz offensichtlich schon sehen. Doch wohl hoffentlich nicht verstehen.
„Das ist lächerlich. Er glaubt doch nie und nimmer, dass du der Grund-", begann sie leise.
„Sicher?", fiel Malfoy ihr ins Wort und deutete mit seinen sturmgrauen Augen auf den Tisch der Gryffindor, der in der Ferne ganz deutlich zu erkennen war. Und mit ihm die Entsetzten Gesichter von Ron und Harry.
„Das ist lächerlich. Ich will nur nicht…", sie schluckte, riss seinen Blick vom Schwarzhaarigen los und musterte erneut den Blonden. „…sein Spielzeug sein…", beendete sie den Satz.
Malfoys Gesicht zeugte deutliche Verwirrung, bevor er sich wieder in Bewegung setzte. „Das einzige Spiel, das Potter beherrscht ist Quidditch."
„Warum… Warum erzähle ich dir das?", hauchte die junge Weasley stattdessen leise.
„Das ist eine verdammt gute Frage", gab der Slytherin lachend zurück und setzte seinen Weg unbeiirt fort, ohne sie ein weiteres Mal anzusehen. Harrys stechender Blick folgte dem Blonden zu seinem Platz.
Als Malfoy diesen erreicht hatte, sprang Harry hektisch auf und verließ – einen großen Bogen um den Rotschopf machend – die große Halle.
-h-
Hermione wurde erst durch Rons leisen Aufschrei von ihren Notizen und der darin versteckten Karte des Herumtreibers losgerissen und auf das Geschehen vor der großen Halle aufmerksam gemacht.
Eigentlich war es nichts. Weniger als nichts.
Da waren nur eine sichtlich aufgebrachtes junges Mädchen und ein sichtlich forscher junger Mann, die heftig zu diskutieren, zu flirten und zu… Hermione war sich nicht wirklich sicher, was die dritte Zutat war… Jedenfalls waren beide ziemlich in sich versunken… Für den Augenblick jedenfalls…
Doch das taten täglich hunderte der jungen Schüler an Hogwarts. Überall… In der Bücherei, auf den Ländereien, in den Gemeinschaftsräumen und wer weiß noch wo… Und sie taten teilweise weitaus… schlimmeres würde sie nicht behaupten, aber wohl Gewagteres…
Nichts Ungewöhnliches also, wären besagtes Pärchen vor der großen Halle nicht Virginia Weasley und Draco Malfoy. An für sich schon ungewöhnlich genug, doch wenn man bedachte, was man sich schon seid geraumer Zeit und nicht zuletzt seid gestern hier an der Schule erzählte, war das das, worauf annähernd ganz Hogwarts heute gewartet hatte.
Ein Zeichen, eine Erklärung… Und neuen Tratschstoff. Und da stand sie nun. Virginia Weasley, die-die-dem-goldenen-Jungen-eine-Backpfeife-gegeben-hatte, und debattierte heftig mit Draco Malfoy. Der Gerüchteküche nach, der Grund für die Ohrfeige Nummero eins. Gefolgt von Cho Chang und die Angst vor dem dunklen Lord, um nur drei mögliche Gründe zu nennen.
„Was machen sie da?", drang Ron heiser und entsetzt zu ihr durch.
„Nichts", warf Hermione scharf zurück.
„Reden", fügte Neville unsicher und mehr fragend als feststellend hinzu.
„Reden", knurrte Harry leise und ließ seine Gabel lautstark auf den Teller fallen.
Der Lockenschopf schnaubte leise auf. „Verdammt, pack dein übergroßes Ego ein und geh deine Wunden lecken."
„Bitte, erwähnt nichts, was mit lecken oder so zu tun hat", winselte Ron. Immer noch den Blick auf seine jüngere Schwester gerichtet.
Diese schien gerade deutlich ruhiger zu werden, warf erst Harry und dann wieder Malfoy einen entsetzlich langen Blick zu. Hermione fragte sich, ob an dem ein oder anderen Gerücht vielleicht doch etwas dran war. Obwohl sie es nach erstem Nachdenken für lächerlich bekannte.
Malfoy und Ginny… Das war so absurd wie sie und Snape… Aber, absurde Dinge gab es immer wieder… Sie und Snape waren das beste Beispiel dafür. Wenn es auch nur von Einseitiger Natur war.
Doch etwas störte sie an der ganzen Sache. Und das war neben den ganzen Ungereimtheiten die Tatsache, dass Ginny nichts erwähnt hatte. Jedenfalls nichts, was es bestätigen würde… Also konnte sie vorerst nur abwarten… und ungläubig starren…
Starren, wie die Gryffindor und der Slytherin einen Moment weiter Diskutierten, wie Malfoy Virginia ein letztes, unverschämtes Lächeln schenkte und den Rotschopf dann deutlich verwirrt zurück ließ. Lachend…
Hermione schüttelte ungläubig den Kopf. Ron atmete quietschend ein und aus und Harry versuchte Malfoy mit seinen Blicken hinterrücks zu erdrosseln.
„Ich habe keinen Hunger mehr", zischte der Schwarzhaarige schließlich als der Blonde sich gesetzt hatte und der Rotschopf sich daran machte, näher zu kommen.
„Harry, das ist lächerlich", rief sie ihrem besten Freund hinterher. Doch er ignorierte sie. Ignorierte auch die Weasley, die nun wiederum seinen Schritten folgte. Bis er die Halle verlassen hatte.
Dann schlich Ginny weiter auf den Tisch zu, ließ sich unter den Argusaugen der anderen auf ihren Platz neben Neville fallen.
„Was hast du da mit ihm gemacht?", fauchte Ron noch bevor irgendjemand anderes die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Nicht, dass irgendwer danach aussah, als wenn er es vorgehabt hätte.
„Nichts", hauchte Ginny ernst.
„Nichts?", keifte Ron zurück. „Das war nichts NICHTS. Du hast da mit ihm…", er machte einige, undeutbare Bewegungen, die einige Slytherin am Nebentisch amüsiert nachahmten.
„Ron, bleib ruhig und lass uns das im Gemeinsch-", versuchte der Lockenschopf zu schlichten.
„Nix da. Ich will sofort wissen, was das zu bedeuten hatte", fuhr Ron ihr unbeirrt dazwischen.
„Nichts Ron. Das hatte NICHTS zu bedeuten", gab Ginny bissig zurück.
„Stimmt das? Stimmt das echt?", fragte er dann schneidend.
„Natürlich stimmt das. Warum sollte ich-", begann der weibliche Weasley leise.
Doch Ron fuhr auch ihr ins Wort. „DAS meinte ich nicht. Hast du Harry wegen dem da abgewiesen?"
Ginny wich wie geschlagen auf ihrem Stuhl zurück. „Nein."
„Warum dann?", knurrte der männliche Rotschopf.
„Ron, ich denke, dass wir das echt nicht hier diskutieren müssen", mischte sich Hermione erneut ein.
„Ich denke, das ist eine gute Idee", meldete sich auch Parvati leise zu Wort.
Ron warf einen überraschten Blick in die Runde. „Was geht euch das an? Das ist meine Schwester."
„Und das ist mein Leben", fauchte Ginny nun wütend dazwischen.
Rons Züge wurden hart… und seine Haut kreidebleich. „Soll das heißen-"
„DAS heißt gar nichts", fuhr nun Ginny ihrem älteren Bruder ins Wort und verließ stürmisch die Halle.
Unter den Blicken der anderen und dicht gefolgt von Hermione… und Parvati, Lavender und Padma…
„Ich schaff das allein", rief sie den anderen zu.
Diese blieben wie auf Kommando stehen.
„Es bleibt aber beim Alten? Heute Abend um halb elf vor dieser komischen Statue?", warf Lavender ihr jedoch noch unnötig laut hinterher.
Hermione beließ es dabei, einfach leise zu seufzen. Und zu hoffen, dass niemand etwas gehört hatte und sie heute Abend nicht noch um 10 Mitglieder reicher waren…
Huhu… Ja, ich weiß mal wieder nicht was ich sagen soll. Diesesmal aber wohl vor Freude. Nachdem ich mir diese FF Wochen immer wieder einverleibt habe – von vielen meiner anderen Werken mal abgesehen :P – und an diesem Chap wirklich Tage ohne wirkliche, gescheite Resultate gesessen hatte, bin ich ganz ehrlich schon fast verzweifelt. Um ehrlich zu sein dachte ich kurzzeitig, diese FF hat ihr vorzeitiges Ende gefunden..
Letztendlich sollte es dann wohl doch nicht so sein, denn nachdem ich mir vorgestern dann noch mal „Seelenwanderer" gegönnt hatte, klappte es plötzlich. Und das ziemlich gut… freu So gut, dass ich nun nicht nur dieses und ein fast komplettes nächstes Chap von „SYIH" vorzuweisen habe, sondern dass auch das nächste Chap für MV zur Hälfte aufs Papier gebracht ist.
Wann es hier weiter geht kann ich noch nicht genau versprechen. Vielleicht in zwei Wochen… Vielleicht in einer… Vielleicht auch erst in vier Wochen… Fest steht aber, dass ich versuchen möchte diese FF und auch SYIH" soweit ich es hinbekomme, von nun an mindestens einmal im Monat weiterzuposten (blödes Wort für diese Stelle)… Mal schauen, ob ich es hinbekomme. Zeitlich müsste es machbar sein, wenn ich nur halbwegs vorankomme…
An dieser Stelle noch mal DANKE an alle, die mir in den letzten Monaten immer noch so treu waren und das obwohl hier wirklich seit einer halben Ewigkeit nichts mehr passiert ist und ich ja auch für die Zukunft nichts 100 versprechen kann, außer es zu versuchen… Und natürlich auch danke und willkommen an jeden neuen Leser, der sich vielleicht in der nächsten Zeit hierher verirren wird…
Ich knuddel euch alle – ob es euch nun recht ist oder nicht… ;)
Achja… WICHTIG: Das hätte ich jetzt fast vergessen… Was vielen vielleicht aufgefallen ist, diese FF (und auch See you in hell) ist, was das HP-Universe angeht nicht ganz up to date. Ich habe beide FF´s begonnen, noch bevor HP6 in die Läden kam. Daher werden die Geschehnisse in HP6 in diesen FF´s auch nicht berücksichtigt. Sprich: Dumbledore lebt, Snape ist noch kein Verräter (oder auch nicht, wer weiß;)), Ginny und Harry hatten nix und ja… war da noch was? Falls ja… Ihr wisst schon… ;)
