Der Racheengel
Sorry für das lange Warten. Aber, jetzt geht's weiter!
Kapitel 23
Die erste Wahrnehmung, die durch den Nebel drang, war die Anwesenheit eines fremden Körpers. Nicht, dass dieser Körper an den Seinem war, nein, er war in seiner Nähe. Nicht mehr, nicht weniger…
Er könnte die Wärme spüren, die von diesem Körper ausging, da sonst sein Leben, seine Umwelt kalt war. Keine Wärme, kein Licht. Nur Dunkelheit und Kälte. Aber wie jedes Wesen, rein intuitiv natürlich, nicht Herr seines Willens, fühlte er sich zu dieser Wärme hingezogen.
Er fror. Er fror seit so vielen Jahren. Selbst ein Kaminfeuer oder eine warme Decke vermochten ihn nicht zu wärmen, da die Kälte von innen her rührte.
Sein Herz. Es war erstarrt. Kalt. Eingefroren.
Aber er spürte, dass jemand sich um ihn gerade zu kümmern schien. Etwas wurde auf ihn gelegt. Und er lag…auf einem Sofa? Oder…?
Er öffnete seine Augen. Sein gesamter Körper schmerzte. Leicht, nur im Hintergrund, aber der Schmerz war da. Und er würde auch noch eine Weile bleiben. Er war alt, das spürte er jetzt in jeder einzelnen Faser seines Körpers, so sehr er es auch immer zu verdrängen versucht hatte.
Er lag tatsächlich auf der Couch im Salon, sein Haupt auf einem Kissen gebettet. Sie musste ihn hierher gebracht, getragen haben, nachdem er neben ihr ohnmächtig geworden war. Und sie hatte sogar eine Decke über ihn gelegt, selbst ein Glas Wasser stand auf dem Tisch.
„Ihr solltet etwas trinken", sagte sie schlicht, als sie sein Erwachen bemerkt hatte. Sie reichte ihm sogar das Glas mit dem Wasser, aber sie unterließ es tunlichst, ihm beim Aufsetzen behilflich zu sein. Er nahm das Glas an, murmelte einen Dank und trank etwas. Schluck für Schluck. Das Wasser war kühl, vielleicht etwas zu kühl. Das leere Glas fand seinen Weg zurück auf die Tischplatte.
Dieser Geruch war noch immer da, noch immer gegenwärtig. Widerlich. Er wollte diesen Gestank loswerden, der nach Tod roch. Nach Tod. Er war noch nicht tot, und er würde es in nächster Zeit auch nicht anstreben. Der Geruch haftete selbst an seiner Kleidung. Er verspürte das Bedürfnis, sich umzukleiden und vorher auch unter die Dusche zu gehen. Er konnte den Geruch, den Verwesungsgestank schmecken, auf seiner Zunge.
„Wenn Ihr diesen Geruch loswerden wollt, müsst Ihr den Saft einer Zitrone benutzen, beim Duschen. Und Eure Kleidung mit einer solchen Waschen."
„Woher wisst Ihr, dass Zitrone dagegen hilft?" Hatte sie etwa Erfahrung mit Leichen? Er hatte angenommen, ihre Kenntnisse würden sich allgemein hin auf die Politik beschränken.
„Ich kenne jemanden, der sich mit Leichen beschäftigt, Hoheit", sie hatte ihm gegenüber gesessen, nun erhob sie sich, „Es wird Zeit, dass ich gehe. Ihr solltet den Raum gründlich lüften und mit einer Kerze ausräuchern lassen."
„Danke für den Hinweis, Kenobi. Das werde ich veranlassen."
Er rief nach zwei der Leibgardisten, die vor der Tür Wache schoben, und diese trugen dann die Truhe, Windus Sarg, hinaus zu Kimeas Flugmöglichkeit. Etwas später, nach einem gründlichen Scan ihrerseits, flog sie los. Sie traute ihm nicht. Dass sie zu ihrem Vater flog, Obi-Wan Kenobi, könnte durchaus reizvoll für ihn sein. Für ihn, der die Jedi am Liebsten ausgelöscht wissen wollte. Was hinderte ihn daran, eine Wanze oder einen Sender an ihrem Schiff zu installieren oder installieren zu lassen. Sie hatte selbst die Kiste gescannt. Aber alles schien normal. Und nur Palpatine wusste, ob er fair spielte oder nicht.
Tatooine
Auf dem Flug hierher hatte sie sich gelangweilt, es war nichts für sie zutun gewesen. Sie hatte geduscht, ihre alte Kleidung luftdicht verschlossen. Bis sie sie waschen konnte. Sie hatte gelesen, etwas Musik gehört, versucht, irgendwie versucht, sich abzulenken, der Langweile zu entkommen. Es war ihr nicht wirklich gelungen.
Aber jetzt war sie ja da. Mos Eisley lag unter ihr. Sie würde das Landemanöver beenden und dann ihren Vater verständigen. Sie würde zu ihm kommen,…oder aber er solle sie abholen. Vorausgesetzt, er hatte noch den alten Speeder, der eigentlich mehr auf einen Schrottplatz gehörte,…oder in ein Museum.
Sie landete und meldete sich unter einem falschen Namen bei der Raumhafenleitung an. Das hier war Tatooine, niemand scherte es, wer und was sie war. Geschweige denn, was sie hier wollte. Ein Smugglernest, eine Wohnstätte etlicher Vogelfreier.
Das war auch der Grund, weshalb ihr Vater damals beschlossen hatte, hierher zu ziehen. Mit seiner Familie. Es war ein Leben mit zahlreichen Entbehrungen gewesen, aber zumindest hatten sie die Verfolgungen überlebt! Zudem hatte Obi-Wan noch einen wachsamen Blick auf Anakin Skywalkers Sohn Luke werfen können. Der Junge lebte bei Tante und Onkel, nicht allzu weit von ihnen entfernt. Kimea kannte Luke, aber es trennten sie schon zu viele Jahre, als dass sie hätten miteinander aufwachsen können.
Kimea verschloss sorgfältig ihr Schiff und machte sich auf in die Stadt, auf der Suche nach einem Kommunikator. Sie hoffte, dass er zuhause war. Auch wenn es verwunderlich erschien, dass ein Wüstenbewohner unterwegs war, ihr Vater streifte oft durch die Wüste. Aber nur sehr selten verirrte er sich nach Mos Eisley oder in noch kleinere Ansiedlungen.
Sie tippte seine Nummer in den Kommunikator ein und wartete. Das Freizeichen erklang. Nichts. Nichts. Nichts.
„Ja?"
Wunderbar, er ist da!
„Papa? Ich bin es."
„Kimmy? Schön, dass du dich mal wieder meldest. Wie geht es dir?"
„Ich bin in Mos Eisley, Papa, und ich habe jemanden bei mir. Kannst du herkommen?"
„Wieso kommen du und dein Freund, ich nehme doch mal an, dass es dein Freund ist, nicht raus zu mir?", sie konnte das fast vergnügte Lächeln ihres Vaters sehen. Seit Jahren schon war sie solo gewesen, dass ihr Vater davon ausging, dass sie nun vergeben sei, überraschte sie aber dennoch…etwas.
„Es ist nicht so, wie du denkst. Du musst ihn zum Rat bringen!"
„Kimmy? Wen hast du mitgebracht?"
„Mace."
Ein paar Stunden später, Mos Eisley, Raumhafen
Sie spürte ihren Vater, kurz bevor dieser vor ihr in Sichtweite kam. Gekleidet in unauffällige beige und braune Kleidung, darüber einen Mantel. Er wurde immer grauer: früher war ihr das nicht so aufgefallen, aber jetzt? Sie sahen sie nur noch selten.
Eine Umarmung zur Begrüßung, ein paar liebevolle Worte, dann kam Obi-Wan wieder auf den Anruf seiner Tochter zu sprechen. Er war etwas blas, als er von seinem toten Freud zu sprechen begann, der schon vor Jahren, in den schrecklichen Tagen des Kriegsendes.
„Wo…? Wer bewahrte ihn?"
„Es ist alles etwas anders, als dass du denkst, Papa. Und es wird dir nicht gefallen."
Sie bracht ihn zu ihrem Landeplatz, entsicherte ihr Schiff und lud ihn hierauf ein. Obi-Wan folgte ihr hinein, in den kleinen Gepäckraum. Er sah die Truhe, maß ihr aber zunächst keine Bedeutung bei. Erst als seine Tochter darauf wies.
„Er ist da drin?", wiederholte er leise, konnte sich dies nicht vorstellen, wollte sich dies erst gar nicht vorstellen.
„Ja. Palpatine ließ sich die Leiche bringen und ließ sie konservieren", sagte sie, doch sie hinderte ihn daran, die Truhe zu öffnen, „Du möchtest das nicht sehen! Glaub mir! Die Konservatoren haben denkbar schlechte Arbeit geleistet."
„Bitte?"
„Er ist verseift. Es…nun…es stinkt unerbärmlich, nach Tod und Verwesung."
Obi-Wan ging von der Truhe einen Schritt zurück.
„Wie hast du sie bekommen?"
„Palpatine hat sie mir gegeben."
Obi-Wan hob den Kopf, starrte sie an: „Er weiß, wer du bist? Was du bist?"
Sie nickte: „Er hat keinerlei Maßnahmen oder dergleichen mir gegenüber unternommen. Es war ein Spiel, und er hat verloren."
Stille, dann: „Steckst du etwa auch hinter diesem ominösen Interview, über das die ganze Galaxis spricht?"
Sie nickte nur. Ihr Vater war nicht wütend, er war sehr besorgt. Er hatte Angst um sie. Schließlich war Kimea seine Familie, Siri war tot.
„Du spielst mit dem Feuer, mein Kind."
„Ich weiß, Papa."
„Verbrenne dich nicht!"
„Ich werde aufpassen, versprochen."
Ein paar Minuten später war die Transaktion von Windus Überresten beendet. Obi-Wan versprach die Truhe zum Rat zu bringen. Er wollte den Rat einberufen, ohne Kimea. Käme sie mit, würde es vielleicht Palpatine auffallen. Möglicherweise handelte Palpatine nicht gegen Kimea, aber gegen den Rat…? Sicher war sicher.
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