Kapitel 25

Sich unruhig auf die andere Seite drehend, zog Lucius die Bettdecke noch etwas mehr zu sich, wickelte sich, wie seit über einer Woche üblich, instinktiv fest in diese ein. Doch etwas stimmte nicht. Die Decke, sie war so dünn und so… flauschig zugleich. Lucius hatte keine solchen Decken.

Besonders nicht, wenn sie über seine bloße Haut striff.

Lucius schlief nicht nackt. Niemals - immer trug er zumindest eine Schlafhose, oder ein Hemd. Schon von Kindesbeinen an und erst recht seit… seit…

Hände, die sanft über seinen Rücken strichen…

Lucius stöhnte leise auf, drehte sich abermals unruhig werdend herum.

Da war nichts sanftes gewesen. Nichts…

Finger, die über seine Lippen strichen, seine Zunge, welche diese ableckte, und ein Gefühl maßlosen Erstaunens, als sich das Ekelgefühl nicht einstellte, als er das fremde Glied in den Mund geschoben bekam. Langsam, fast so wie… wie als würde er an einem Eis lutschen… und schmeckte es nicht auch wie… Schokolade?

„Hmm…", brummte Lucius, sich mit der Zunge über die trockenen Lippen fahrend. Er liebte Schokolade, schon von klein auf.

Wieder drehte er sich…

…und fiel mit einem erschrockenen Aufschrei vom Bett auf den Teppich unter sich.

Ein leises Lachen ertönte von der Tür her und es klang, was nicht oft vor kam, überhaupt nicht kalt.

Sich aufrappelnd drehte Lucius seinen Kopf in die Richtung, aus der das Lachen kam, immer noch benommen, aber durch den Aufprall nun dennoch wach. Als er dann sah, wer dort stand, beendete er seinen Versuch sich aufzurappeln augenblicklich und brachte sich in eine kniende Position. Zutiefst errötend, als er sich an die letzten Traumfetzen erinnerte, senkte Lucius seinen Kopf, so dass seine langen Haare über seine Schultern fielen und sein Gesicht zum Teil verdeckten.

Langsam trat Voldemort an das Bett heran und setzte sich auf die Kante, sodass er sich direkt vor Lucius befand. Dann hob er ihm das Kinn an. „Schau mich an.", verlangte er ruhig. „Die Ferien sind in wenigen Tagen vorbei, richtig?"

Gehorsam aufblickend bemerkte Lucius erst jetzt, dass der Andere angezogen war und das erfüllte ihn mit einer derartigen Erleichterung, dass er ein Aufatmen einfach nicht mehr zurückzuhalten vermochte.

Die Ferien… sie würden in wenigen Tagen vorüber sein. Genauer gesagt, wäre die Anreise schon am übernächsten Tag, begänne Montag doch schon wieder der übliche Unterricht. Das erinnerte Lucius an den Brief, den er ans Ministerium geschrieben hatte und auf dessen Antwortschreiben er immer noch vergebens wartete. Wenn er nicht bald eines erhielt, würde er persönlich mit dem Direkter sprechen müssen. Etwas, das Lucius lieber vermieden hätte. Doch musste er es tun, wollte er die Prüfungen vorziehen.

„Was für ein Brief?", fragte Voldemort sofort nach, der den Gedanken des Jungen teilweise gefolgt war und den es sichtlich ärgerte, dass Lucius es nicht für nötig hielt, eine eindeutige Frage zu beantworten.

Blass werdend kostete es Lucius einiges an Selbstbeherrschung, seinen Blick nicht erneut zu senken, während er sich fragte, was er denn nun schon wieder falsch gemacht, welchen erneuten Fehler er begangen hatte und - was die Strafe dafür sein würde. Dennoch beeilte er sich zu antworten: „Wegen der Abschlussprüfungen.. My Lord… ich… schrieb an einen Schuldner meines Vaters, ob dieser nicht ein wenig seinen Einfluss spielen lassen könnte, um mir die Prüfungen vorab zu ermöglichen. So dass ich zu Hause bleiben und die schon zu lange liegen gebliebenen Geschäfte meines Vaters sortieren und weiterführen kann und…" Lucius' Stimme erstarb fast bei seinen nächsten Worten: .„…um keinen Verdacht auf mich zu lenken."

„Welchen Verdacht?", fragte der Lord weiter, obwohl er die Antwort sehr wahrscheinlich schon kannte. „Du wirst die Schule nicht zu früh beenden. Sondern regulär mit allen anderen. Am ersten Tag deiner Ferien erwarte ich dich wieder hier. Verstanden?"

Lucius öffnete seinen Mund, um zu sagen, dass dies nicht möglich war. Das es zu gefährlich war. Alleine schon wegen des alten Weißbarts. Dass er in Okklumentik nicht nur nicht gut, sondern absolut unfähig war und man so herausfinden könnte… aber auch durch sein sonstiges Verhalten, was ihm angetan worden war und wenn dann bestimmte Personen tiefer gruben, er fürchtete, dem nicht standhalten zu können.

Zum Schluss war da auch noch Severus, dessen Status er nicht bekannt werden lassen wollte, um so den Überraschungseffekt, eine mögliche Waffe, mit der niemand rechnete, auf seiner Seite behalten zu können.

Doch all dies sprach Lucius nicht aus. Wagte es nicht, seine Alpträume zu erwähnen. Oder dass er ohne Avery weiterhin unfähig wäre überhaupt etwas zu sich zu nehmen, dass er … Angst hatte. Angst, dass man es ihm ansehen konnte, dass… Andere dasselbe mit ihm taten.

Nichts von alldem sprach Lucius aus… zum einen, weil er es nicht wagte, den Lord noch mehr gegen sich aufzubringen und zum anderen, weil er wie bei allem zuvor auch jetzt, einfach keine andere Wahl hatte, als zu gehorchen.

„Ja, My Lord…", war das Einzige, das Lucius daher zwischen seinen Lippen hervorpresste.

Voldemort nickte leicht und überlegte dann. "Es wäre tatsächlich nicht gut, wenn dieser alte Mistkerl etwas merkt, was besser verborgen bliebe.", überlegte er laut und streichelte dabei über Lucius' Wange.

Hoffnung keimte in Lucius auf, dass er vielleicht doch nicht zur Schule zurück musste. Schließlich waren es doch ohnehin nur noch wenige Monate, in denen sie nicht viel anderes täten, als sich auf die Prüfungen vorzubereiten, die dann im letzten Schulmonat stattfinden würden. Das konnte er auch von zu Hause aus.

„Wenn… wenn ich von zu Hause aus lerne und nur… nur zu den Prüfungen selbst zurückkehre. Ich… ich müsste nur an den Lehrplan der nächsten zwei Monate kommen.", formulierte Lucius schließlich deutlich zögernd aus, was ihm gerade eingefallen war.

"Nein!", erwiderte Voldemort sofort und schüttelte den Kopf. "Du wirst nach Hogwarts zurückkehren. Damit du nichts falsches preisgibst, werde ich dir stattdessen eine kleine Sperre einsetzen."

Lucius wurde wenn möglich noch blasser. Doch ein weiteres Mal widersprach er nicht und wenn es nur in Form einer Antwort auf eine ihm gestellte Frage war. Dennoch konnte er nicht verhindern, daranzu denken, was passierte, wenn eine derartige Manipulation seines Geistes bei ihm bemerkt wurde.

Langsam beugte sich der Dunkle Lord nach unten, sodass sein Mund dicht an Lucius' Ohr war. "Glaubst du, ich würde so stümperhaft arbeiten, dass jemand bemerkt, was ich getan habe?"

Lucius' Augen weiteten sich entsetzt: „Nein … nein, My Lord, so… so hatte ich das nicht… ich würde niemals wagen…" Lucius schauderte sichtlich und erneut flammte die Angst in ihm auf.

„Das ist gut.", sagte der Lord darauf nur und lehnte sich wieder zurück. Dann zog er seinen Zauberstab. "Schau mir in die Augen und versuche nicht mich zu blocken." Mit einer langsamen Geste seines Stabes drang Voldemort in Lucius' Geist ein.

Dieser dachte nicht einmal daran, irgendetwas dem Tun des Lords entgegenzusetzen. Im Gegenteil, bemühte er sich, so wenig wie möglich überhaupt darüber nachzudenken, was nun geschehen würde. Doch je mehr er es versuchte, desto schwieriger wurde es. Immer mehr Fragen tauchten in ihm auf. Würde er sich selbst noch an das Erlebte erinnern? Wollte er sich überhaupt daran erinnern? Es beunruhigte ihn sehr, dass dieser an sich einfachen Frage kein unmittelbares Nein folgte.

Es dauerte knapp fünf Minuten, in denen der Dunkle Lord beinahe ohne zu blinzeln in die grauen Augen des Jüngeren geblickt hatte. Dann lehnte er sich langsam zurück.

Seinen Kopf senkend, blickte Lucius zu Boden. Erst jetzt fiel ihm wieder auf, dass er immer noch vollkommen nackt war und leichte Röte stieg ihm ins Gesicht.

Voldemort bemerkte die Farbe im sonst so blassen Gesicht und auch wenn sie dem Jungen stand, war er vorerst fertig mit ihm. „Zieh dich an."

Lucius sah sich kurz nach seiner Kleidung um, ließ dies dann aber sein, als ihm einfiel, dass er diese ja im anderen Raum ausgezogen hatte. So war seiner Stimme deutlich anzumerken, wie unwohl er sich gerade fühlte, als er zögernd fragte: „Womit, My Lord?"

Voldemort runzelte leicht die Stirn. „Ruf deinen Zauberstab und dann deine Sachen." Damit deutete er auf die Tür zum Nebenraum, die noch offen war.

Lucius blinzelte. Wo hatte er nur seine Gedanken? Aufstehend hob er seine Hand und rief seinen Zauberstab mit einem wortlosen Accio zu sich und ebenso kleidete er sich an.

„Lerne zu denken, bevor du den Mund aufmachst.", murmelte Voldemort, der sich nun ebenfalls erhob und vor Lucius trat. „Ich erwarte einen sehr guten Abschluss. Also streng dich bei den Prüfungen an. Wir werden uns bis dahin nicht nochmals sehen. Nun geh." Er deutete auf die Tür, die durch sein Büro in die Eingangshalle führte.

Tief durchatmend nickte Lucius und mit einer letzten Verbeugung wandte er sich um und verschwand zügigen Schrittes erst aus dem Schlafgemach und dann durch den kurzen Gang aus dem Arbeitszimmer, das er gestern nicht als solches erkannt hatte. Oder war es auch ein anderer Raum gewesen? Lucius wusste es nicht mit Sicherheit zu sagen. Schließlich erreichte er den Eingangsbereich und disapparierte auch sofort nach Hause, wo er in der Eingangshalle seines Manors erschien.

Nur wenige Augenblicke, nachdem das Appariergeräusch verklungen war, stürmte Severus in die Halle, blieb dann aber gleich bei der Tür wie angewurzelt stehen. Den Tag über hatte er sich die schlimmsten Dinge ausgemalt, die Lucius gerade passierten und war immer panischer geworden. Immerhin bestand auch die Möglichkeit, dass sein Meister getötet wurde.

Doch nun stand er einfach nur da und sah ihn an, unfähig irgendetwas zu sagen.

Lucius konnte, selbst als er nun hier stand, immer noch nicht ganz glauben, dass er wirklich wieder zurück war. So erwiderte er einen Moment lang auch eher teilnahmslos das Starren des Schwarzhaarigen, ehe er sich schließlich zu einem schiefen Lächeln durchrang und einen ersten Schritt auf diesen zumachte.

„Geht es Euch gut? Seid Ihr verletzt, Meister?", fragte Severus, als sich der andere endlich rührte und ihn auch zu sehen schien.

„Nein …", begann Lucius und beantwortete auch gleich die zweite Frage, „und… nein… vermutlich."

Und nach einem weiteren Moment des eher unangenehmen Schweigens fügte Lucius hinzu: „Und… und wie geht es dir?"

„Ich... hab mir Sorgen gemacht.", gab Severus zu und zuckte leicht mit den Schultern. In dem Moment bemerkte er Louis, der ebenfalls in die Halle gestürmt kam.

„Bist du verletzt?", fragte auch der Heiler als erstes.

Lucius schüttelte seinen Kopf: „Nein… nicht wie das letzte Mal jedenfalls."

„Gut. Ich will dich trotzdem untersuchen. Komm mit. Am besten Beide. Ich habe Severus heute Mittag ein Beruhigungsmittel gegeben.", murmelte der Heiler leise, während er vorging.

„Das ist wirklich nicht nötig…", wehrte Lucius ab, der nicht wusste, was der Heiler finden würde, was er von dem, was geschehen war, feststellen konnte. Er schämte sich einfach viel zu sehr dafür.

Doch dann wurde Lucius erst wirklich bewusst was Severus zu ihm gesagt hatte und ehrlich erstaunt sah er in dessen dunkle Augen: „Hast du dir Sorgen gemacht, weil… weil es von dir erwartet wird, oder…", kurz zögerte er zu fragen, wollte er die Antwort, wenn sie negativ ausfiel, doch nicht wirklich wissen, „..weil ich dir tatsächlich etwas bedeute?"

Severus schluckte schwer. „Gibt.. es da einen Unterschied?", wisperte er leise. „Ich weiß es nicht, Meister. Aber... ich denke, ich hasse Euch nicht mehr." Damit drehte er sich um und ging. Der Sklave wusste einfach nicht, was er tun oder sagen sollte.

In den letzten Tagen und Wochen hatte Lucius Malfoy ihn dermaßen überrascht, dass er sich irgendwie immer merkwürdiger fühlte. Die Abneigung, die regelrechte Verabscheuung der ersten Jahre in Hogwarts schien sich völlig zu verkehren.

Severus war immer noch ein Halbblut. Ein Stimme, die zu einem viel jüngeren Lucius gehörte, hallte in seinem Kopf nach: ‚Du räudiges Halbblut gehörst nicht nach Slytherin. Sie hätten dich bei deiner Geburt ersäufen sollen und deine blutsverräterische Mutter am nächsten Baum aufknüpfen.' Dann hatte der nur ein Jahr ältere Slytherin ihn geschlagen. Vor allen anderen mitten im Gemeinschaftsraum und er hatte sich nicht gewehrt, hatte nicht einmal versucht, den Schlägen auszuweichen. Er war nur ein elfjähriger, verängstigter Sklave gewesen, der versuchte eine Rolle zu spielen, die ihm so fremd war wie der Gedanke an Freiheit.

So war es weiter gegangen, Tag um Tag, Abend um Abend. Und als einige Gryffindors merkten, dass der hässliche schwarzhaarige Slytherin mit den fettigen Haaren, der Hakennase und den fast schon tot wirkenden schwarzen Augen sogar von seinen eigenen Hauskameraden getrietzt wurde, hatten sie natürlich sofort mitgemacht. Und für die nächsten fünf Jahre hatte Severus nur Nachts in der Bibliothek seine Ruhe.

Er hatte Malfoy gehasst. Nicht so sehr wegen der Dinge, die dieser in dieser ersten Nacht und ein paar folgenden getan hatte. Lucius war es schnell leid geworden, das Halbblut zu quälen, und hatte ihn ignoriert oder einfach beschimpft, wenn sich die Gelegenheit ergab. Aber er hatte verhindert, dass sich irgendein anderer Slytherin auf seine Seite schlug, dass irgendjemand mit ihm befreundet sein wollte. Und somit war er der Grund gewesen, der Anfang sozusagen, weshalb Severus' Leben in Hogwarts mehr einer Hölle glich, als einer schönen Schulzeit.

Wäre dieser erste Abend nicht gewesen und diese ständigen Erinnerungen der anderen, was Severus war – ein minderwertiges Halbblut, das nicht nach Slytherin gehörte – dann hätte Severus vielleicht zumindest einen Freund gewinnen können und er wäre vielleicht... nur vielleicht nicht einmal Potter und Black als potentielles Opfer aufgefallen.

Aber diese Vielleichts waren sehr groß und mit Lucius' verändertem Verhalten war sich der Sklave plötzlich nicht mehr sicher, was er fühlte. Waren es seine eigenen wahren Gefühle, die sich tatsächlich änderten? Oder war es einfach der Bund, der nicht zuließ, dass er seinen Meister hasste oder gar verabscheute?

Langsam und ohne sich umzusehen, ging Severus den Gang entlang und erwartete eigentlich mit jedem weiteren Schritt, dass er zurückgerufen und bestraft werden würde, obwohl Lucius ihm keine Anweisung gegeben hatte, bei ihm zu bleiben. Aber er hatte einfach nicht stehen bleiben können. Lucius' Frage hatte einen ganzen Haufen neuer Gedanken in ihm aufblitzen lassen, die er erst einmal verarbeiten musste.

Louis starrte dem Schwarzhaarigen irritiert nach, ehe er sich wieder an Lucius wandte. „Kommst du?"

Für einen Moment völlig überrascht blickte Lucius dem einfach davon gehenden hinterher. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Wusste nicht wie darüber denken. Sollte er sich nicht sogar freuen, dass Severus anscheinend so etwas wie… nun, Eigenständigkeit damit an den Tag legte, ihn hier einfach so stehen zu lassen? Genau das hatte er doch gewollt - oder? Dass der Andere selbstbewusster wurde. Doch damit wollte er sich jetzt nicht wirklich auseinandersetzen. Auch nicht mit dem leisen Stich der Enttäuschung, hatte er doch geglaubt, hier zumindest Severus zu haben, der bei ihm blieb und ihn… ja was eigentlich? Tröstete? Lucius wusste auch dies nicht genau zu beantworten.

Dann sah er jedoch wieder zu dem Heiler: „Es geht mir wirklich gut, Louis, ich… ich möchte mich einfach nur ein wenig ausruhen und dann muss ich noch packen."

„Danke für deine professionelle Meinung. Aber ich möchte mich dennoch kurz selbst überzeugen.", meinte Louis und betrat das Zimmer vor dem sie bereits standen. Außerdem hatte die Szene eben eine Frage aufgeworfen, die für den Heiler.. nunja, wenn schon nicht wichtig, dann doch stellenswert war.

Sein Gesicht widerwillig verziehend, folgte Lucius dem Anderen schließlich nach. Wusste er doch, dass dieser so lange keine Ruhe geben würde, bis er ihn nicht zumindest untersucht und sich selbst davon überzeugt hatte, dass es ihm gut ging. Vielleicht war es ja auch gar nicht so schlimm, wie sich Lucius das vorstellte und… Louis würde nicht so viel durch seine Untersuchung erfahren, wie es der Jüngere befürchtete.

Der Heiler bedeutete dem Blonden sich auf das Sofa zu setzen. „Entspann dich einfach. Ich muss dich nicht einmal berühren.", murmelte er ruhig, während er seinen Zauberstab zog.

„Gut..", entkam es Lucius, ehe er sich zurückhalten konnte. So setzte er sich schnell auf das Sofa, um die Untersuchung so rasch wie möglich hinter sich zu bringen. Hoffend, dass der Rothaarige nicht allzu viele Fragen stellen würde.

Louis wirkte den Diagnosezauber, sodass an der Wand über dem Sofa eine Vielzahl von Runen erschienen. Während er sie studierte, fragte er wie nebenbei: „Warum sollte Severus dich gehasst haben?"

Lucius, der mit einer solchen Frage nun überhaupt nicht gerechnet hatte, starrte den Heiler für einen Moment einfach nur vollkommen irritiert an, ehe er schließlich antwortete: „Ich habe ihm seine Schulzeit nicht gerade erleichtert, als… er noch das Halbblut war."

„Und... das ist er jetzt nicht mehr, nur.. weil er dein Sklave ist?", fragte Louis weiter. Gleichzeitig benutzte er noch einen zweiten Diagnosezauber.

„Nein… ja… verdammt…" Was musste Louis ihn auch derart durcheinander bringen? „Ich will einfach nicht, dass ein anderer ihn verletzt. Das… das ist nicht richtig."

„Vielleicht solltet ihr einmal darüber reden. Damit jeder den anderen besser versteht.", meinte Louis, während er seine Tasche öffnete und Lucius eine Salbe reichte. „Ich denke mal, es ist überdehnt und etwas wund. Trage die Salbe auf, dann ist es in ein paar Stunden... spätestens morgen früh fort."

Die Salbe entgegennehmend, erhob sich Lucius wieder. „Ich denke, er versteht mich sehr gut."

„Bist du sicher?", fragte Louis nur, während er alles zusammen packte und zur Tür ging. „Ich wäre es nicht unbedingt..." Damit verließ er das Zimmer und ging in seine eigenen Räume.

Auch wenn Lucius es versuchte, er schaffte es einfach nicht, auch nur ansatzweise so etwas wie Ruhe zu finden. Die Stille, die Einsamkeit, die ihn gepackt hielt, ließ einfach nicht mehr von ihm ab. Er brauchte etwas, jemanden. Wollte das Alleinsein nicht noch länger ertragen müssen.

So fand er sich selbst wenig später durch die Gänge seines Manors wandern, doch auch darin fand er keine Ruhe. Schließlich kehrte Lucius in den Wohntrakt zurück. Doch anstatt sich seiner eigenen Zimmerflucht zuzuwenden und ehe er es sich wirklich bewusst wurde, stand er auch schon vor der Tür zu Severus' Zimmer.

Nur kurz überlegte er anzuklopfen, doch dann tat er diesen Gedanken genauso schnell wieder ab, wie er ihm gekommen war. Erinnerte er sich doch an Louis' Ratschlag, dass zu viel Freiheit Severus nur noch weiter verunsichern würde. Nicht alles auf einmal, war wohl das Beste.

Dennoch klopfte er kurz an, ehe er im nächsten Augenblick auch schon die Türe öffnete und in den Wohnraum eintrat. Es war das erste Mal, dass er dieses Zimmer wieder betrat, seit er Severus hier hatte einziehen lassen, und so sah er sich aufmerksam um.

Severus hatte in einem der Sessel gesessen und gelesen. Oder eher, starrte er seit bestimmt einer Stunde auf dieselbe Seite. Doch als es klopfte und kurz darauf sein Meister eintrat, sprang er regelrecht auf. Mit leicht geneigtem Kopf, aber Lucius dennoch anblickend, überlegte er, was er tun sollte. „Was kann ich für Euch tun, Meister?", fragte er nach einem Moment, als Lucius sich nur umblickte.

Er hatte eigentlich das meiste so gelassen, wie es gewesen war. Nur gab es jetzt mehr Regale, auf denen verschiedene Bücher, die Louis ihm vor einigen Tagen gekauft hatte, standen.

An die neu gekauften Bücher herantretend, überflog Lucius die Titel eher beiläufig, als er antwortete: „Ich wollte nicht… Es war zu still."

„Soll... ich Euch wieder etwas vorlesen, Meister?", fragte Severus und biss sich kurz auf die Unterlippe. „Oder.. möchtet Ihr darüber...reden?"

Lucius schüttelte seinen Kopf: „Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt etwas zu reden gibt… darüber.", flüsterte Lucius leise.

Erneut zuckte Severus leicht mit den Schultern und stand dann etwas unsicher da, weil er nicht wusste, was Lucius dann von ihm wollte. „Was.. soll ich dann tun, Meister?"

„Einfach da sein …", begann Lucius, sich zu dem Schwarzhaarigen hin umdrehend, „… vielleicht ist vorlesen keine so schlechte Idee."

Langsam nickte Severus und trat zum Regal, um ein auch für den Blonden interessantes Buch zu suchen. „Setzt Euch doch, Meister." Er hatte sich entschiednen und kam mit einem interessanten – wie er fand – Buch über alte Runen zurück.

Lucius nickte nur und zog sich zu einem der am nächsten am Kamin stehenden Sessel zurück, auf welchen er sich setzte, nachdem er sich ein besonders weiches Kissen aus seinen eigenen Räumlichkeiten herbeigezaubert hatte.

Severus trat an den Sessel heran, in dem er auch schon zuvor gesessen hatte, sah aber zur Sicherheit nochmals zu Lucius, ehe er sich setzte und das Buch aufschlug. Solche einfach Dinge, wie sich auf ein Sitzmöbel zu setzen, wenn er mit seinem Meister allein im Raum war, fielen ihm besonders schwer. In Hogwarts war das irgendwie viel leichter.

Seinen Kopf auf die Polster des Sesselrückens legend, schloss Lucius seine Augen und konzentrierte sich ganz auf die nun bald ertönende Stimme. Er fühlte sich schon jetzt besser, schon weil er nicht mehr alleine war und sich seine Gedanken mit etwas Anderem, als dem Erlebten beschäftigen konnten.

Severus las langsam und mit ruhiger Stimme, die nur bei den ersten paar Sätzen leicht zitterte. Das Buch interessierte ihn selbst sehr und so störte es ihn ganz und gar nicht, es jetzt laut zu lesen, auch wenn seine Stimme schnell etwas kratzig wurde, weil er zu selten viel sprach.

Doch dann zauberte er sich einfach ein Glas Wasser herbei und trank etwas, ehe er klarer weiter las.

Lucius entspannte sich sichtlich immer mehr und öfter als einmal dämmerte er ein, ehe er wieder aufschreckte und sich wieder aufrichtete und ein wenig anders hinsetzte, um besser zuhören zu können.

So ging es die halbe Nacht lang. Severus' Stimme quietschte bereits verdächtig und seine Augen wollten kaum noch offen bleiben. Dennoch las er weiter.

Irgendwann musste er wohl doch mehr als nur ein wenig dahingedämmert sein, denn durch einen besonders ungewohnten Ton schreckte Lucius regelrecht wieder auf. „Du liest ja immer noch…"

Müde sah Severus auf und blinzelte leicht, um seinen Blick zu fokussieren. „Ihr habt nicht gesagt, dass... ich aufhören kann, Meister. Außerdem... habt Ihr so gut geschlafen, mit meiner Stimme im Hintergrund."

Sich nun doch ein wenig schuldbewusst fühlend, richtete sich Lucius etwas mehr auf: „Es tut… Ich habe wohl einfach nicht nachgedacht."

Gähnend hielt er sich eine Hand vor den Mund, als sein Blick auf das Glas Wasser fiel: „Hast du schon etwas gegessen?"

Langsam schüttelte Severus den Kopf. „Ich... habe kaum gemerkt, wie die Zeit vergangen ist. Soll ich ein Abendessen bereiten lassen?", fragte er nach, da Lucius ja regelmäßig essen sollte.

Lucius zögerte kurz, doch zu seiner eigenen Überraschung verspürte er keinerlei Abneigung gegen den Gedanken an etwas Essbares. Im Gegenteil, fühlte er sich regelrecht… ausgehungert.

So war seine Stimme deutlich von dem empfundenen Erstaunen geprägt, als er schließlich antwortete: „Das ist…, ich glaube, ich habe sogar richtig Hunger."

„Wo soll ich den Tisch decken lassen?", fragte Severus sofort nach und man hörte auch bei ihm, dass er sich darüber freute, selbst wenn es nicht so deutlich hervortrat, wie Lucius' Erstaunen.

Der Blonde lächelte kurz: „Hier oder im Esszimmer… was dir lieber ist."

„Ich bin gleich zurück.", bestätigte Severus nickend und verschwand aus seinem Zimmer, um in der Küche etwas leichtes, als spätes Abendessen zusammen stellen zu lassen. Kaum zehn Minuten später levitierte er ein Tablett neben sich her, zurück zu seinem Zimmer. Nach einem kurzen Klopfen öffnete er die Tür und trat ein.

Lucius hatte es sich wieder auf dem Sessel bequem gemacht, nachdem Severus verschwunden war. Der Gedanke, warum dieser nicht einfach einen der zwei Hauselfen gerufen hatte, oder auch er selbst nicht, irritierte ihn einen Moment lang. Doch dann tat er ihn als unwichtig ab. Vielleicht war Severus ja einfach nur froh, ein paar Minuten von ihm fort zukommen. Von ihm und seiner wieder einmal aufgetretenen Gedankenlosigkeit.

Als das Tablett auf dem Tisch stand, sah Severus sich nach Lucius um. „Hoffentlich habe ich etwas getroffen, das Euch schmeckt.", meinte er nur und wartete, dass der Blonde herüber kam, um sich zu setzen.

Sich streckend erhob sich Lucius, trat an die kleine Speiseecke heran und ließ sich dort auf einen der beiden Stühle nieder. Neugierig betrachtete er das Mitgebrachte. Fast wartete er immer noch darauf, dass sich die ihm die letzte Woche schon fast zur Gewohnheit gewordene Übelkeit einstellte, aber nichts Dergleichen geschah.

Nun setzte sich auch Severus auf den zweiten Stuhl. Dabei hoffte er, dass ihm die Hauselfen das Richtige zusammengestellt hatten.

Die Suppe betrachtend, eine Rinderkraftbrühe mit frischem Gemüse wie es schien, zögerte Lucius kurz, ehe er schließlich nach dem Löffel griff. Doch anstatt des Gefühls der Unbeteiligtheit, das er die letzten beiden Tage über immer beim Essen gehabt hatte, spürte er nur einen stärker werdenden Appetit. Den Löffel in die Suppe eintauchend, zögerte Lucius noch ein letztes Mal, ehe er die Suppe schließlich kostete.

Severus beobachtete Lucius unauffällig, wie er hoffte. Zufrieden, dass der Ältere tatsächlich aß, wandte er sich dann seinem eigenen noch ungefüllten Teller zu. Kurz darauf löffelte auch Severus hungrig.

In dem Moment klopfte es an der Tür. Louis war gerade bei Lucius' Zimmer gewesen, um nach ihm zu schauen; um zu sehen, ob er Alpträume hatte oder überhaupt schlief. Da er ihn aber nicht im Bett gefunden hatte, hatte ihn sein erster Weg zu Severus' Zimmer geführt.

Den Löffel beiseite legend, schluckte Lucius hastig und ohne lange darüber nachzudenken herunter, was er im Mund hatte und - es schmeckte! Weder hatte er das Gefühl zu ersticken, noch es gleich wider hochkommen zu fühlen. Im Gegenteil, verlangte es ihn regelrecht danach noch einen weiteren Löffel dieser herrlichen Suppe zu sich zu nehmen.

Sich beherrschend sah er kurz zur Tür und rief: „Komm ruhig rein, Louis."

Sofort ging die Tür auf. „Woher wusstest du...?", begann Louis mit einer Frage, ehe sich sein Gesicht aufhellte, weil er Lucius bei Tisch erblickte.

Auch Severus hatte seinen Löffel weggelegt und drehte sich zu dem Heiler um.

„Da außer uns Dreien nur noch die zwei Hauselfen hier leben und diese für gewöhnlich nicht klopfen...", murmelte Lucius und konnte sich ein Schmunzeln bei dem Gesichtsausdruck des Heilers nicht verkneifen.

Auf den Tisch weisend erkundigte er sich: „Setz dich doch, Dobby oder Tuffy werden sicher noch ein weiteres Gedeck und etwas dieser phantastischen Suppe bringen können."

Louis nickte leicht, obwohl er eigentlich schon gegessen hatte. Sofort zauberte er sich einen Stuhl herbei und setzte sich zu den beiden an den Tisch. Kurz darauf erschien ein Teller Suppe vor ihm. Dazu gab es frisches weiches Brot.

Nachdem sich der Heiler ebenfalls zu ihnen gesetzt hatte und es am Tisch nun doch ein wenig eng wurde, was Lucius jedoch nicht im Geringsten störte, griff er wieder nach seinem Löffel und nahm ein zweites Mal von der köstlichen Suppe. Was auch dieses Mal ohne weitere Probleme ging.

Lucius hinterfragte nicht, wieso er auf einmal wieder etwas essen konnte. Er genoss es im Moment einfach nur.

Schweigend aßen sie und es fühlte sich auch nicht drückend an, wie das vielleicht sonst der Fall gewesen wäre. Schließlich lehnte Severus sich zurück und sah seinen Meister fragend an. Er fühlte sich müde und sein Hals schmerzte. Aber natürlich würde er Lucius weiter Gesellschaft leisten, wenn dieser es wollte.

„Du solltest dich ausruhen, Lucius.", murmelte Louis ruhig.

Den Suppenlöffel beiseite legend, hob Lucius seine linke Hand, um ein erneutes Gähnen zu unterdrücken: „Vielleicht hast du recht… und ich werde später genug mit dem Packen zu tun haben, als dass ich mich ausruhen könnte."

„Hattest du nicht überlegt, hier zu bleiben?", fragte Louis nach, der sich noch gut an ein kurzes Gespräch mit dem jungen Familienoberhaupt erinnern konnte. Auch Severus wirkte überrascht.

Lucius' Gesicht verzog sich widerwillig: „Ich wurde davon… überzeugt, dass es anders wohl doch besser ist. Drei Monate mehr werden hoffentlich keinen allzu großen finanziellen Schaden verursachen."

„Über... oh.", meinte Louis dazu nur und nickte leicht. „Offensichtlich sind diese Leute doch etwas besorgt um dich. Zuerst dieser Herr vor einigen Tagen und nun dies."

„Offensichtlich…", stimmte Lucius tonlos zu und erhob sich abrupt. „Ich sollte mich wohl doch noch etwas hinlegen." Kurz zögerte er, doch schon der Gedanke daran, allein zu sein, ließ ihn davor zurückschrecken, in sein Zimmer zu gehen und so sah er den Schwarzhaarigen nicht an, als er weiter sprach, „…zieh dir deine Schlafsachen an und komm dann rüber zu mir, Severus. Ich wünsch dir eine gute Nacht; Louis."

Erst dann wandte sich Lucius um und verließ das Zimmer.

„Ja, Meister.", kam sofort die Bestätigung und Severus stand schnell auf, um zu gehorchen. Dass er sich gerade so schnell es ging vor dem Heiler auszog, bemerkte er dabei kaum wirklich.

Louis schluckte nur kurz, sagte aber nichts zu Severus' Eifer. „Euch beiden auch eine gute Nacht." Damit wandte sich auch er zur Tür und ging in seine eigenen Zimmer, wobei er versuchte nicht darüber nachzudenken, was Lucius jetzt alles tun könnte. Doch bezweifelte er irgendwie, dass der junge Malfoy auf so etwas gerade jetzt Lust hatte.

Einige Minuten später folgte Severus den beiden aus dem Zimmer und lief, nur mit einer schwarzen, langen Seidenschlafhose bekleidet, zu Lucius' Zimmer. Etwas nervös klopfte er an.

„Komm rein, Severus!", rief Lucius, der sich gerade im Bad befand, um zu duschen.

Sofort öffnete sich die Tür und der Schwarzhaarige betrat den Wohnbereich. Doch blieb er nicht dort, sondern wandte sich sofort zum Schlafzimmer, wo er sich etwas unsicher auf die Bettkante setzte und wartete.

Sich mit einem raschen Zauber abtrocknend, kehrte Lucius in das Schlafzimmer zurück, wo er Severus vorfand: Sich ebenfalls ins Bett begebend, schlug Lucius die Decke zurück und schlüpfte darunter und klopfte leicht auf die Matratze: „Keine Sorge, wenn ich gerade eines nicht vorhabe, dann ist es irgendeine Art von… Aktivität, außer der zu schlafen."

Mit einem leichten Nicken rutschte Severus auch mit unter die Bettdecke und blieb reglos auf dem Rücken liegen. Die Situation war neu für ihn und er fragte sich, wie er sich verhalten sollte. Konnte er Lucius in den Arm nehmen, oder würde der das jetzt nicht wollen?

Ein wenig näher rutschend, drehte sich Lucius so, dass er auf seiner rechten Seite, dem Schwarzhaarigen zugewandt lag.

Dieser drehte daraufhin den Kopf zur Seite, um Lucius ansehen zu können. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, was sein Meister wohl von ihm dachte; wie er ihn sah und so weiter.

Noch ein weiteres Stück näher rutschend, so dass er Severus fast berührte, aber nicht ganz, zog sich Lucius das Kopfkissen noch ein wenig mehr zurecht und schloss seine Augen. Schon das Wissen, dass er nicht alleine war reichte aus, um ihn sich… sicherer fühlen zu lassen.

Nachdem er ihn noch einige Minuten im Dunkel des Zimmers beobachtet hatte, schloss auch Severus die Augen und schlief nach einiger Zeit ein. Der Tag mit seiner Aufregung, der Unsicherheit und Sorge, ja fast schon Panik hatte ihm doch mehr zu schaffen gemacht, als er sich eingestehen wollte.

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TBC

vielen lieben Dank für eure Reviews :) Mal hoffen das euch dieses neueste Kapitel gefallen hat und ihr den kleinen netten GO Button da unten links drückt. :)