Familienplanung

Ein wunderschöner und klarer Frühlingstag erfüllte die schottischen Highlands mit seinem warmen Licht und die ganze Vegetation schien nach diesem harten und langen Winter förmlich aufzuatmen. Blumen und Tiere reckten sich der Sonne entgegen und so taten es auch die Menschen.

Selbst der eingefleischte Kerkerbewohner aus den Verließen Hogwarts konnte sich dem Reiz dieses Tages nicht entziehen und hatte darum viel zu schnell dem Drängen seiner Frau nachgegeben, die endlich nach den ersten Knospen der schottischen Bergpinie Ausschau halten wollte, aber vor allem unbedingt eine lange und genüssliche Wanderung unternehmen mochte.

Da Kinder in der Regel von Spaziergängen nie besonders angetan waren und ihre Töchter Eileen und Sera hier keine nennenswerte Ausnahme darstellten, hatten sie ihnen kurzerhand einen Tag im Schwimmbad in Edinburgh spendiert, wo sie sich zusammen mit den Potterjungen und deren Eltern – die ebenfalls nicht so sehr auf Wanderungen standen – vergnügten.

„Nachdem wir letztes Wochenende in Edinburgh endlich ein Paar neue Schuhe und diese drei Paar netten Hosen gefunden haben", berichtete Hermine gerade, während sie und ihr Mann den schmalen Pfad folgten, der sich den noch dampfenden Berg hinaufschlängelte, hatte ich gestern auch endlich Zeit in Ruhe die Sommerkleider der Mädchen durchgesehen", sie raufte sich die Haare, „Das Ergebnis war noch erschütternder als bei den Schuhen: Wir mussten die Hälfte aus- bzw. umsortieren", sie schüttelte den Kopf, „Die beiden sind unglaublich gewachsen!"

„Das ist nicht unglaublich, sondern völlig normal, sie erhalten ausreichende und ausgewogene Mahlzeiten und wir lassen es auch an sonstigen wachstumsunterstützenden Maßnahmen nicht fehlen, daher wäre es eher verwunderlich und sogar besorgniserregend, wenn sie nicht dermaßen gut gedeihen würden!", kommentierte diese Information ihr Gemahl zwei Meter vor ihr mit typisch arrogantem Unterton. Allerdings kannte sie ihn so gut, dass sie seine Genugtuung und Stolz über das sichtbare Heranwachsen seiner Töchter ebenfalls deutlich wahrnahm.

„Natürlich, aber es ist nur gut, dass wir zwei Mädchen haben", überlegte Hermine weiter, „so kann Sera wenigstens Eileens Sachen noch tragen, bei einem Bruder sähe das schon anders aus."

„Gut, dass Du mir in Erinnerung rufst, dass es irgendwelche Vorteile hat, dass ich von lauter Frauen umgeben bin!", schnaubte Severus und tat sich mal wieder unglaublich leid, als einziger Mann in einem, wie er es gerne beschrieb, ‚Hühnerhaufen von Weibern' gelandet zu sein. Allerdings war ihm schon klar, dass seine Frau gerne hinter vorgehaltener Hand das Bild vom Hühnerstall weiterspann und ihn als stolzen Hahn im Korb bezeichnete, der es ungemein genoss diesen Hühnerhaufen mit vordergründiger Arroganz und hintergründiger Liebe zu beherrschen.

„Mum hat mich übrigens gefragt, ob wir die Babysachen noch aufheben wollen", lächelte Hermine und stieg über ein Schafgatter.

„Aufheben?", verstand Severus gerade nicht und freute sich daran, dass er den Verschlussmechanismus wesentlich schneller verstanden hatte, als seine kluge Frau.

„Genau, aufheben!", bestätigte Hermine, „für ein weiteres Kind. Aber wenn wir sie nicht mehr brauchen, hat sie vorgeschlagen sie Simone zu geben, der Tochter ihrer Nachbarin. Sie bekommt im Herbst ihr erstes Kind!"

Severus blieb so abrupt stehen, dass Hermine beinahe in ihn hineingelaufen wäre, „Und was hast Du ihr gesagt?", fragte er mit zusammengezogenen Augenbrauen.

„Na, dass wir darüber noch nicht gesprochen hätten", antwortete Hermine und bedeutete ihm, dass er endlich weitergehen sollte, immerhin stand er mitten auf dem eh schmalen Pfad herum.

„So", machte ihr Mann und setzte sich wieder in Bewegung, allerdings schenkte er nun der herrlichen Landschaft um sich herum keine große Beachtung mehr, denn er war mit diesem verflixten Gedanken beschäftigt, den ihm seine Frau soeben ins friedliche Frühlingsgemüt gepflanzt hatte.

Ein weiteres Kind…

Er war ja bekanntlich generell gegen Kinder gewesen. Immer schon! Damals vor allem!

Als sie kurz vor ihrer Ehe über dieses Thema gesprochen hatten, war für ihn klar gewesen, dass sie mit der Gründung einer Familie noch längere Zeit warten wollten. Nun, um es genau zu sagen, er wollte warten, am besten bis in alle Ewigkeit. Die Vorstellung seine dubiosen Erbanlagen weiterzugeben hatte ihn stets erschaudern gelassen. Er hielt es für besser, dass jemand wie er keine Nachkommen produzierte und keine neue Generation von unglücklichen Idioten, die sich selbst im Weg stehen und den falschen Zielen hinterher hechteten, hervorbrachte.

Aber es war ja bekanntlich gänzlich anders gekommen.

Schon knappe zwölf Monate nach ihrer Hochzeit war Eileen geboren worden und stellte seine und auch Hermines Welt vollkommen auf den Kopf. Unglaublich, wie unbeschreiblich es war, ein Kind zu bekommen, auch, wenn man nur der Vater war und diese lästigen Dinge wie Schwangerschaft und Geburt nicht selbst erledigen musste.

Es war ungeheuerlich.

Es war ein unfassbares Glück.

Und er liebte dieses winzige, zerknautschte und ständig schreiende oder schlafende Wesen vom allerersten Augenblick an in einem Maße, das er vorher nie für möglich gehalten hatte und was er auch nicht für möglich gehalten hatte, dieses unglaublich klitzekleine Wesen liebte ihn. Ein Tag ohne einander machte fortan beide unglücklich.

Zu dritt fanden sie nach einigen Schwierigkeiten bald einen Rhythmus der alle Bedürfnisse berücksichtigte und wenn ihn einer gefragt hätte, wäre seine Auskunft eindeutig gewesen: So konnte es bleiben.

Aber Hermine war von Anfang an der Meinung gewesen, dass für sie ein Einzelkind nicht in Frage käme, immerhin hätte sie unter ihrem Einzelkinddasein genug gelitten. Nach längeren Diskussionen konnte er ihre Argumentationen nachvollziehen und schließlich sogar teilen und so wurde knappe drei Jahre später ihre zweite Tochter Serafina geboren. Ein Energiebündel sondergleichen. Sie war ihrer Mutter in Wesen und Aussehen von Anfang an wie aus dem Gesicht geschnitten und hatte leider auch alle Eigenschaften, die ihn an dem Kind Hermine Granger zur Weißglut gebracht hatten. Unmöglich! In der Tat!

Gleichwohl hatte sie aber auch alle Eigenschaften, die er an der Frau Hermine Granger so außergewöhnlich fand und bis in die kleinste Ecke seines Seins liebte. Serafina Granger-Snape war zum Kopfschütteln, Haare raufen und aus der Haut fahren, aber eben auch zum nie Böseseinkönnen und von Herzen lieb haben müssen. Sie war ein frischer Frühlingswind und ein warmer Sonnenstrahl. Sie war wahrlich unglaublich!

Seine Töchter in ihrer Unterschiedlichkeit hatten sich still und heimlich in sein Herz geschlichen und es ohne Widerstand völlig eingenommen. Nein, er musste sich korrigieren, sie hatten es überrannt. Und wenn er ehrlich war, er wollte es nicht mehr anders haben. Um keinen Preis der Welt. Das war ja auch die Antwort gewesen, die Hermine und er neulich auf die Frage seiner Ältesten gegeben hatten, als die sich danach erkundigt hatte, ob es nach dem Ja-Sagen nicht langweilig und öde würde. Bei Merlin, ganz gewiss war es das nicht – zu keinem Zeitpunkt, nicht mit dieser Frau und nicht mit diesen Kindern. Er liebte sie und er würde alles für diese drei geben. Da musste er nicht eine Sekunde lang überlegen. Es wurde ihm jetzt schon schwer ums Herz, wenn er daran dachte, dass die beiden Mädchen irgendwann erwachsen sein würden und ihr eigenes Leben an einem anderen Ort führen würden.

Alles gut also! Aber ein weiteres Kind…

Er seufzte tief auf „Müssen wir das gleich entscheiden", erkundigte er sich und warf, während er langsam weitertrabte, einen schnellen Blick nach hinten.

„Was? Das mit dem Kind? Nein, müssen wir nicht!", schmunzelte Hermine, die garantiert genau wusste, was gerade in ihm vorging, „ich kann Mum sagen, dass wir noch überlegen."

Er wollte gerade erleichtert aufatmen, als sie mit fester Stimme mahnte, „Aber ich sag Dir gleich, dass ich diese Entscheidung nicht ewig aufschieben möchte. Wenn wir noch ein Kind wollen, dann gehen wir das in den nächsten zwei, drei Jahren an."

„Und warum?", stöhnte er, was waren schon zwei, drei Jahre, um solche Entscheidungen gründlich zu bedenken?

„Aus verschiedenen Gründen, mein Lieber!", erklärte ihm seine Frau gerne, „Zum einen sind zu große Altersunterschiede zwischen den Geschwistern schwierig und auch für uns wäre es nicht sehr erstrebenswert ein Kind in den Windeln und eines in der Pubertät zu haben."

„Die Pubertät unserer Töchter ist ohnehin ein Zeitraum, den wir lieber im Ausland verbringen sollten!", brummelte er besorgt.

„Tja, wärst Du nicht Lehrer, hätte sich dieses Problem von selbst erledigt, da unsere Töchter sich in Hogwarts befänden und uns nur selten mit Pickeln, Unausgeglichenheit und Aufmüpfigkeit belästigen könnten!"

„Wie wahr!", bestätigte Severus, wusste aber genau, dass er sehr froh war, dass seine Kinder nicht für mehrere Monate von ihm getrennt waren.

„Außerdem werden wir nicht jünger!", erinnerte ihn Hermine.

„Also das halte ich für kein Problem, Du bist doch gerade erst Dreißig", widersprach Severus charmant.

„Ja, ich schon, aber Du leider nicht!", konterte Hermine frech und wackelte mit den Augenbrauen.

„Danke, für den Hinweis!", schnaubte Severus mit einem pikierten Blick über die Schulter und ging zügig weiter.

„Gern geschehen!", lachte Hermine und folgte ihm den Berg hinauf, „Vor allem aber möchte ich irgendwann abschließen mit Windeln wechseln, Zahnen und sonstigen Aktionen", fügte sie nach einer Weile an, als er die erste Bergpinie gefunden hatte und sie gerade nach Samen absuchte.

„Wenn wir bei solchen Dingen sind, vergiss auch die Übelkeit und den Schwindel nicht!", erinnerte er gerne und seufzte enttäuscht auf, nein, dieser Baum war ein männliches Exemplar, die hatten eben keine Samen.

„Da denk ich aber lieber nicht dran!", meinte Hermine und legte die Hand schattenspendend über die Augen, um die Gegend nach weiteren potentiellen Samenspendern abzuscannen, "Es gäbe keine Kinder wenn die Frauen immer daran denken würden."

„Die schlaflosen Nächte, wegen all der Blähungen und Zähne sind dann wohl auch nicht hilfreich, nehme ich an?"

„Nein, nicht wirklich, und wenn Du es ganz schnell entschieden haben willst, dann erinnere mich an Schwangerschaftsstreifen, Wehen, Milchflecken auf der Bluse und an Kinder die nicht sagen können was ihnen fehlt!"

„Gut, ich beherrsche mich" versprach Severus, obwohl er bei Bedarf vielleicht doch Hermines Aufmerksamkeit auf diese netten Nebenwirkungen von kleinen Kindern lenken würde.

Hermine deutete nachdenklich auf den Gipfel des Berges, der hoch über ihnen thronte „Na, meinst Du, dass wir es noch bis da hinauf schaffen?"

„Wenn wir apparieren", konterte Severus ungerührt.

„Nein, nein, alter Mann", schüttelte Hermine ihre braunen Locken, „hier wird nicht geschummelt!"

„Das ist aber noch weit", überlegte Severus mit kritischem Blick auf die ferne Kuppe.

„Ja, aber was ist ein Berg ohne seinen Gipfel? Also komm, lass es uns wagen!"

„Warum muss ich mit jemandem zusammen sein, der ständig neue Ziele braucht?", brummelte Severus resigniert und stapfte ihr seufzend den Berghang hinterher.

„Damit Dir nicht langweilig wird, mein Lieber!", lachte Hermine, sie hatte leider sehr gute Ohren.

Nachdem sie etwas atemlos die letzten steilen Meter erklommen hatten blickten sich beide zufrieden um, „Ach, wie schön!", brachte Hermine das in Worte, was ihr wortkarger Ehemann nur still dachte. Allerdings hatte man von hier oben einen wirklich atemberaubenden Ausblick auf saftige Weiden und kleine Bäche, schroffe Felswände und einen weiten blauen Himmel mit weißen Schäfchenwolken, die der frische Wind schnell vor sich hertrieb.

Hermine putzte sich lautstark ihre Nase und ließ sich seufzend auf einen Stein fallen, der windgeschützt hinter einer Hecke lag und rieb ihre kalten Hände, „Willst Du einen Tee?", fragte sie und nahm den Rucksack ab.

„Gerne", nickte Severus und nahm neben ihr Platz, allerdings nicht, ohne einen schnellen kleinen Protektorspruch gegen den kalten Wind zu sprechen, nicht, dass sie sich noch erkältete.

„Ich hätte im Gegenzug einen Deiner Lieblingskekse anzubieten", bot er an und auch er entledigte sich seiner Umhängetasche. Dann kramte er darin aber längere Zeit ziemlich erfolglos herum, „Verflixt!", grummelte er, „Ich bin mir sicher, dass ich eine Packung eingesteckt habe!"

„Also ich habe nur gesehen, dass Du eine Packung auf den Tisch gelegt hast, um sie dann einzustecken", meinte Hermine und reichte ihm schon mal einen Becher heißen Tee.

„Du hast recht!", gab Severus zu und sah sie finster an, dann nickten beide und wie aus einem Munde kam die Lösung, "Sera!"

Ihre Jüngste liebte Kekse und alles Süße und wenn man sie ließe, würde sie so viel davon essen, dass es ihr schlecht werden würde. Sie hatte die Packung garantiert in ihre eigene Tasche gesteckt und würde sie zur Stunde wohl im warmen Schwimmbad auffuttern.

„Weitere Kinder bedeuten auch, dass wir noch weniger zu Essen bekommen würden!", kommentierte Severus resigniert.

„Kekse sind eh ungesund, auch für Erwachsene!", sprach die Tochter zweier Zahnärzte.

„Darum sollte dieses Kind auch keine essen! Jedenfalls nicht so viele!", sprach der Schwiegersohn zweier Zahnärzte belehrend, stutzte dann aber, „Und was ist das?", er fischte einen kleinen Strang lose miteinander verbundener bunter Wollfäden aus seiner Tasche.

„Ah!", machte Hermine lächelnd und fasste in ihre Jackentasche, um ein ähnliches Gebilde hervorzuziehen, „das ist von Eileen, sie haben es gestern in der Schule geknüpft."

„Und was soll das darstellen?", Severus besah sich die Handarbeit seiner Ältesten kritisch, „Wildschlingen?"

„Nein!", lachte Hermine auf, „Das sind Freundschaftsbänder."

„Freundschafts…Was?", verstand ihr Ehemann mal gerade gar nichts.

„Freundschaftsbänder!", erklärte sie gerne, „Die sind unglaublich angesagt bei den Kindern, die Farben haben eine Bedeutung und auch die Muster", sie schaute sich ihr Band genau an und gab dann zu, „allerdings übt Eileen noch."

„Aha!", murmelte Severus besorgt, „Hoffentlich ist sie später in Zauberei entschieden besser als in Muggelhandarbeit, sonst sehe ich wirklich schwarz für ihre magische Zukunft!"

„Also ehrlich! Sie ist erst sechs und sie ist gar nicht schlecht in so was!", wiedersprach Hermine ihrem schwarzseherischen Ehemann energisch, „Übrigens bedeutet rot und blau in der Kombination wie bei Dir und mir, ‚Hab Dich doll lieb' und ‚vermisse Dich furchtbar'!"

„Woher weißt Du das?", staunte Severus und starrte das fragile Kunstwerk seiner Tochter zweifelnd an.

„Weil Eileen es mir gesagt hat!" antwortete Hermine lapidar.

„Und was macht man mit diesen Dingern?", erkundigte sich Severus und war froh, dass Hermine nicht geantwortet hatte, das so etwas jeder Idiot wissen müsse.

„Ganz einfach. Gib mir Deinen Arm!", bat Hermine und als ihr Ehemann tatsächlich ihrem Wunsch nachkam, wenn auch sehr misstrauisch und zögerlich, band sie schnell wie der Wind das Wollgebinde an seinem Handgelenk fest.

„Bei Merlin! Muss ich das jetzt dort belassen?", erkundigte er sich entsetzt und starrte sein frisch geschmückte Handgelenk an.

„Natürlich, für alle Ewigkeit!", lachte Hermine und hielt ihm auch ihren Arm entgegen, „denn so sagst Du ihr, ‚Auch ich hab Dich ganz unglaublich lieb und vermisse Dich, wenn Du nicht da bist!'"

„Kann ich das nicht auf andere Weise sagen?", ‚oder denken', ergänzte er im Stillen.

„Jetzt stell Dich nicht so an", verlangte Hermine bester Laune, „Eileen wird ganz begeistert sein, wenn sie sieht, dass Du es trägst."

„Nun", überlegte ihr immer noch reichlich kritischer Ehemann, „ich kann es vielleicht unter der Manschette verstecken."

„Und sie halten Deinen Puls schön warm", kicherte seine alberne Frau und ergänzte, „Warte, bis Sera diese Kunst ebenfalls erlernt hat, dann wird Deinen Armen nie mehr kalt!"

„Wundervolle Aussichten", murmelte Severus seufzend und trank einige kleine Schlucke heißen Tee, während er die warmen Sonnenstrahlen auf seinem Gesicht genoss. Dann ließ er seinen Blick über die wahrlich wundervolle Aussicht ringsherum schweifen. Die Armbänder waren ja immerhin nicht seine wirkliche Sorge.

Schließlich gab er sich einen Ruck.

„Hermine?", er schaute sie verstohlen von der Seite her an.

„Ja?", sie hatte ihre Augen geschlossen und reckte ihr Gesicht ebenfalls der wärmenden Sonne entgegen.

„Möchtest Du ein weiteres Kind?"

Sie öffnete langsam ihre Augen und sah ihn eine Weile nachdenklich an, „Ja, ich glaube schon", antwortete sie dann leise und schob sich eine dicke Strähne ihres widerspenstigen Haares hinters Ohr.

„Und warum?", hakte er nach.

„Ach weißt Du, das hat verschiedene Gründe", sie legte ihre schöne Stirn in wilde Denkfalten, bevor sie ihm ihre Beweggründe vorlegte, „Ich könnte Dir zum einen glaubhaft erklären, dass Kinder immerhin unsere Zukunft sind. Dass sie unsere einzige Hoffnung sind auch in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten eine Gesellschaft zu haben, die einander erträgt und trägt und die es vielleicht schafft besser zu sein, als ihre Vorgänger."

„Das wäre sicherlich ein sehr frommer, aber leider auch ein sehr unrealistischer Wunsch", grummelte Severus.

„Ja, vielleicht, aber ohne eine nächste Generation, die es wenigstens versucht, sind wir tatsächlich schnell am Ende, egal ob magisch oder Muggel!", gab Hermine zu bedenken.

„Manchmal denke ich, dass wir der Erde damit einen großen Dienst erweisen würden!", schnaubte Severus.

„Wenn wir so weitermachen wie bisher, stimme ich Dir von Herzen zu! Aber noch ist nicht alles verloren und ich fände es schön, wenn wir unseren Teil dazu beitragen, Severus", ergänzte Hermine ernst. „Zudem könnte ich anführen, dass wir beide uns Kinder leisten können, Ihnen eine gute Ausbildung und ein liebevolles, achtsames Zuhause bieten können. Und ich könnte sogar frank und frei behaupten, dass selbst unsere diversen Betreuungsstrukturen sich freuen und selbst mit einem weiteren Kind gut zu recht kommen würden."

„Ja, wahrscheinlich könntest Du das alles tun", kommentierte Severus diese Aussage, denn auch er wusste, dass Abby wirklich schon überlegte, was sie anfangen sollte, wenn die Granger-Snape Mädchen sie bald nicht mehr brauchen würde.

„Aber ich will ehrlich sein und gebe zu, das alles wären hehre oder auch einfach nur pragmatische Gründe, aber eigentlich…", Hermine schöpfte tief Luft und warf ihm einen scheuen Blick zu, „es ist einfach so, Severus, dass ich gar nichts gegen ein weiteres Kind hätte, weil mir die Mädchen soviel Freude machen. Sie sind unglaublich. Sie rücken mit ihrer Sichtweise, ihren Bedürfnissen und Wünschen nochmals vieles ins rechte Licht, machen mir die richtigen Prioritäten mehr als bewusst. Und", sie zuckte entschuldigend mit den Schultern, „sie machen mich einfach unendlich glücklich."

„Dieser wirklich sehr egoistischen Sichtweise aus dem Mund einer selbstlosen Gryffindor kann ich im Grunde genommen nicht widersprechen, denn ich fühle zuweilen ähnlich", gab Severus großmütig zu, „aber reichen dafür nicht die zwei Exemplare die wir bereits haben?"

„Natürlich tun sie das!", stellte Hermine sofort klar, „es ist auch nicht so, dass mir etwas fehlen würde, ganz und gar nicht! Aber ich hätte eben auch nichts gegen noch mehr Glück und Bereicherung."

„So...", nickte Severus langsam und ließ sich ihre Ansichten durch den Sinn gehen.

„Und was ist mit Dir?", fragte Hermine nach einer Weile leise und lehnte ihre Schulter an seine, „Wie stehst Du zu einem weiteren Kind?"

„Ich weiß es wirklich nicht", seufzte Severus, „immerhin wollte ich eigentlich überhaupt keine Kinder haben."

„Und jetzt hast Du schon zwei", Hermine ließ ihren Kopf auf seine Schulter fallen.

„Richtig und wie wir vor einiger Zeit auf unserem Sofa eingehend beraten haben, gebe ich auch keines von denen wieder her!", stand für ihn fest, bevor er ein breites Wolfsgrinsen aufsetzte, „Es liegt ja auch wahrlich nicht an der Produktion selbst, in keinster Weise!"

„Ha! Du Lüstling!", lachte Hermine, „Wobei ich zugebe, dass ich das genau so sehe, allerdings mache ich nicht nur sehr gerne Kinder, sondern ich bekomme zusammen mit Dir auch gerne Kinder. Denn Du bist ziemlich fürsorglich für einen Slytherin!"

Severus zog erfreut eine Augenbraue empor, antwortete aber amüsiert, „Ich erinnere Dich an Deine Worte, wenn es Dir wieder übel ist und dann, wenn ich Dich von unglaublich dummen Vorhaben abbringe, zu denen Du Dich unbedingt berufen fühlst!"

„Bitte nicht, ich streite dann alles ab!", lachte Hermine und griff nach dem Kragen seiner Wanderjacke, um ihn dicht an sich heran zu ziehen, „Aber neben dem Machen und Bekommen, sollte ich auch erwähnen, dass ich unglaublich gerne mit Dir zusammen Kinder habe!"

„Ach?", horchte Severus geschmeichelt auf und ließ sich gerne einen sanften Kuss geben.

„Ja, denn Du bist, wie ich es niemals anders vermutet habe, ein wirklich guter Vater, mein Schatz!", bestätigte Hermine.

„Nun", nuschelte er und gab sich nur zu gerne ihrem immer intensiver werdenden Kuss hin, bevor er ergänzte, „auch dem kann ich ausnahmsweise nichts entgegensetzen."

Als sie bedauerlicherweise von ihm abließ und sich erhob, um endlich mit ihrer Suche nach einem weiblichen Exemplar der schottischen Bergpinie zu beginnen, verkündete sie frech, „Ich muss Dir übrigens sagen, dass ich neben den Kindersachen auch Deinen Kleiderschrank durchgesehen habe!"

„Wie bitte?", Severus zog eine Augenbraue besorgt in die Höhe, „bin ich etwa auch aus der Hälfte meiner Umhänge herausgewachsen?"

„Nein, aber nach eingehender Prüfung komme ich zu der unverrückbaren Erkenntnis, dass da ein nicht unerheblicher Teil Deiner Kleidung an die Stiftung „Zauberer und Hexen in Not" gehen kann, weil ich es einfach indiskutabel finde, dass mein Mann zu solch schicken, modisch aktuellen Armbändern abgewetzte Hemdmanschetten, speckige Umhänge und verwaschene Hosen trägt!"

„Nein, so etwas ist natürlich vollkommen inakzeptabel!", stimmte Severus leise zu und war doch froh, dass sie sich nicht einen zweiten Ehemann zulegen wollte, an den er seine Kleidung weitergeben sollte. Allerdings beschloss er ebenfalls, sich die besagten Umhänge, Hosen und Hemden nochmals gründlich anzusehen, nicht dass sie übertrieb und er sich völlig unnötig von ihnen trennen musste. An seinen Sachen hing er nämlich auch irgendwie.

„Vielleicht würde es ja ein Junge!", fiel ihm gerade noch ein, als er sich ebenfalls erhob und den Reißverschluss seiner Jacke zumachte.

„Ja, vielleicht", schmunzelte Hermine kryptisch und packte ihr Zeug zusammen.

„Aber es könnte auch ein weiteres Mädchen werden…", überlegte er weiter, mit deutlich entsetztem Unterton.

„Ja, das wäre ohne weiteres möglich", stimmte Hermine grinsend zu, „aber egal was es wird, wenn es nur so gelungen ist, wie unsere Mädchen, dann ist das doch völlig unwichtig, oder?"

Ja, das war es, aber das musste er ihr ja nicht auf die Nase binden. Außerdem würden sie sicherlich das Thema noch einige Male hin und her bewegen, das sah er an ihrem Gesichtsausdruck und er würde ebenfalls seine Gedanken ordnen und dafür die nächsten Aufsichtsstunden und Klassenarbeiten intensiv nutzten. Bei einer Hexe wie Hermine Granger, musste man vorbereitet sein und wirklich gute Argumente haben, sonst hatte man verloren.

Da nützte einem die düsterste Vergangenheit nichts und die besten Verführungstricks waren nutzlos. Aber man würde sehen – vielleicht waren ihre Argumente ja doch nicht gar so schlecht! Trotzdem würde er auch dann mal intensiv in der verbotenen Abteilung nach geeigneten Zaubersprüchen oder Tränken suchen, die das Geschlecht eines Kindes unauffällig, aber zweifelsfrei in die richtige Richtung lenkten.

Definitiv!

So, allerbeste Leserinnen und Leser meiner Kerkerstorys.

Alles hat ein Ende und so auch diese Geschichte, aber keine Sorge, ich bleibe meinem Paul treu – Heute ist nicht alle Tage! Ich komme wieder – keine Frage!

Aber auch dieses Mal, wie immer, von Herzen: Dank an Gwen und Nina, die einzige Reviewerinnen, für die aufbauenden und wohlwollenden Kommentare – es war und ist mir eine echte Freude und Ehre gewesen!

Wir lesen uns wieder - wenn Ihr wollt – im nächsten Jahr– mit einer neuen Geschichte rund um diese verrückte Familie aus dem Kerker von Hogwarts, mit denen einem wirklich nicht langweilig wird – na ja, mir jedenfalls nicht!

Beste Grüße und besten Dank an alle!

Eure Efraimstochter