Happy Birthday, Minister of Magic

Wie an so vielen Tagen in England, regnete es auch an diesem Morgen. Narcissa saß mit gekreuzten Beinen auf einem Stuhl im Esszimmer und frühstückte.

Merlin allein wusste, wo ihr Mann schon wieder so früh am Morgen hin verschwunden war. Mit gerunzelter Stirn besah sie sich die Titelseite des Tagespropheten.

Sirius Black in Hogwarts eingebrochen

„Verdammter Idiot.", murmelte sie und verschüttete ihren frisch gepressten Orangensaft.

„Du meinst doch wohl nicht deinen liebenswerten Ehemann, oder?", hauchte eine Stimme in ihr Ohr.

Narcissa ließ den Tagespropheten schnell unter dem Tisch verschwinden.

„Wo warst du denn heute schon wieder? So früh?"

„Schließ mal bitte die Augen."

Hastig schob sie die Zeitung mit ihren Füßen noch ein Stück weiter unter den Tisch, dann tat sie, wie ihr geheißen.

Lucius nahm ihre Hand und streifte ihr etwas über den Finger.

„Perfekt. Kannst gucken."

Er hielt ihr die Hand vor die Augen.

„Oh mein- Lucius! Womit hab ich das denn…?"

Weiter kam sie nicht, weil sich gerade die weichen Lippen ihres Mannes auf die ihren pressten.

„Lucius. Das geht doch nicht-"

„Wir sind verheiratet. Alles geht."

„Was hast du ausgefressen?"

Lucius warf ihr einen verletzten Blick zu.

„Das war doch nicht böse gemeint, Lucius-", sagte sie leicht amüsiert über den Hundeblick ihres Mannes. „Oder hast du wirklich was angestellt?"

„Pah! Angestellt. Ich bin doch kein Schuljunge mehr.", meckerte er beleidigt und ließ sich wieder, mit vor der Brust verschränkten Armen, auf den Stuhl fallen.

„Lucius? Was ist los?"

Er wusste, dass sie ihn erwischt hatte.

„Mmmh, Ministerball.", nuschelte er.

„Was hast du gesagt?"

„Ministerball."

„Schon wieder?"

„Ja. Und du sollst mitkommen."

Narcissa seufzte. Das war nun wirklich das Letzte, worauf sie jetzt Lust hatte. Die gesamte Crème de la Crème der Zauber -Society Großbritanniens versammelt an einem Ort.

„Gibt es irgendeinen besonderen Anlass?"

Mit leichtem Unbehagen dachte sie an das letzte Fest zurück und ihren Streit mit ihrem Ehemann.

„Fudge hat Geburtstag."

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„Meinst du so kann ich gehen?"

Narcissa trat in die Halle, wo ihr Mann schon seit einer halben Stunde wartete.

„Nein."

„Was?", Narcissa sah ihn erschrocken an. „Nicht gut?"

„Ganz und gar nicht."

Sie machte auf dem Absatz kehrt und lief die Treppe herauf.

„Schließlich will ich meine Frau heute Abend wieder mit nach hause nehmen und nicht zusehen müssen, wie sie mit irgendeinem jungen, berühmten Quidditchspieler durchbrennt."

Sie hielt inne.

„Ich sehe also gut aus?"

„Gut? Betörend!"

Ein breites Lächeln erschien auf ihrem Gesicht und sie lief die Treppen wieder herunter.

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Es war einer dieser typischen britischen Bälle. Viel zu viele Leute. Zu viel zu essen. Zu aufdringliche Musik und zu viel Licht.

„Zwei magische Kronleuchter hätten für den Saal aber auch ausgereicht, oder?", murmelte Narcissa ihrem Mann ins Ohr.

Dieser lächelte kaum merklich und steuerte mit ihr eine kleinere Gesprächsgruppe an.

„Meine herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag, Minister.", sagte er glatt, als sie die Gruppe erreicht hatten.

„Vielen Dank, Lucius. Und- oh wie schön. Ihre Frau ist mitgekommen. Guten Abend Mrs. Malfoy."

Sie setzte ein dezentes Lächeln auf und ließ sich von ihm die Hand küssen.

„Alles Gute zum Geburtstag, Minister."

Die großen Ohren des kleinen Mannes liefen rot an, als sich ihre Blicke trafen. Narcissa musste sich ein Lachen verkneifen, wandte schnell den Blick zu den anderen Gästen, die in der Nähe standen.

Nanette Chareton mit ihrem Mann. Narcissa rümpfte die Nase. Sie war damals mit Lucius zusammen gewesen, bevor Narcissa gekommen war. Keine wirklich hässliche Person, aber sie hatte einfach nichts Besonderes. Sie war schlicht und ergreifend langweilig.

Nachdem Lucius sich von Nanette getrennt hatte, hatte Narcissa 2 Wochen im Intensivtrakt von St. Mungo gelegen, weil diese intrigante, blöde Schnepfe versucht hatte sie zu vergiften.

Seitdem konnte Narcissa Mad Eye Moody nur allzu gut verstehen. (Am liebsten würde sie ihm seinen Tick mit dem Flachmann nachmachen, aber diese Dinger passten einfach nicht in die Abendgarderobe).

Die wasserstoffblondgefärbte Frau kam herüber.

„Lucius, mein Lieber. Wie schön dich zu sehen.", energisch aber trotzdem irgendwie unauffällig stieß sie Narcissa mit ihrem Ellebogen zur Seite und umarmte ihren Ex-Freund überschwänglich.

Narcissa klappte der Mund auf, als sie IHREM Ehemann einen dicken, wie Narcissa fand nuttig-roten Lippenstiftabdruck auf der Wange hinterließ.

Nanettes Ehemann schien nicht halb so entrüstet zu sein, wie Narcissa. Anscheinend machte sie so was öfter. Kein Wunder. Mr. Chareton war zwar ein sehr reicher Mann, aber sonst- Nichts. Recht pummelig, klein, Schnauzbart.

Die beiden passten einfach zusammen. Kein Stil- Nur viel Geld.

„Ist das schön dich zu sehen, Lucius.", wieder küsste sie den völlig überrumpelten blonden Mann auf die Wange.

Narcissa räusperte sich vernehmlich und endlich löste sich die Frau von Lucius.

„Ach, Narcissa. Auch hier?"

Auch hier? Was dachte die denn? Innerlich zitterte sie verhalten vor Wut.

„Ja, bin ich zusammen mit meinem Ehemann."

„Ach. Ihr seid verheiratet?"

Ganz schlechte Schauspielerin. Vulgäres Stück Drachenmist. Natürlich wusste sie, dass sie verheiratet waren. Wer wusste das nicht?

„Ja, allerdings.", sagte sie und schaffte es tatsächlich unbekümmert und froh zu klingen. „Ihr entschuldigt uns doch sicher eine Sekunde, oder?"

Sie nahm ihren Mann an der Hand und ging mit ihm in Richtung Toilette.

„Aber nur, wenn du gleich wieder kommst, Lucius.", trällerte Nanette ihnen hinterher.

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„Stell dich da hin."

Wütend ließ Narcissa ein feines Kosmetiktuch aus dem Nichts erscheinen.

„Aber, Narcissa. Du kannst doch nicht mit auf die Herrentoilette.", Lucius klang mehr peinlich berührt, als ernsthaft sauer.

„Siehst du doch, dass ich das kann." Etwas unsanfter, als gewollt rubbelte sie mit dem Tuch auf seiner Wange herum.

„Lucius Malfoy mit nuttenrotem Lippenstift auf der Wange. Wenn das jemand gesehen hätte."

„Du klingst wütend."

„Tatsächlich? Könnte daran liegen, dass ich wütend bin.", ihre Stimme schwoll an.

„Aber, warum?"

Warum? Das ist nicht dein Ernst, Lucius! Diese…diese vulgäre Person hat versucht mich umzubringen, Lucius und-"

„Das konnten wir ihr nur nie beweisen-"

„Und jetzt schmeißt sie sich an MEINEN Mann ran, nur weil sie es nicht geschafft hat einen reichen UND attraktiven Mann zu heiraten."

Lucius hielt ihre Hand fest, die immer noch unaufhörlich an seiner Wange herumschrubbelte.

Mit einem Leuchten in den Augen sah er sie an.

„Du bist ja- eifersüchtig."

„Bin ich nicht! Worauf denn? Ihre Falten? Oder ihren fetten Hintern?"

„Weil sie mich geküsst hat."

Sie knüllte das Tuch in ihrer Hand zusammen. Lucius lachte. Wütend sah sie zu ihm auf.

„Das finde ich überhaupt gar nicht lustig. Sie darf dich nicht küssen."

Sie sah auf ihre Füße.

„Ist das dein Ernst? Du bist wütend, weil sie mich umarmt hat?"

Narcissa antwortete nicht, starrte nur beharrlich auf die kleinen Mosaike, die den Fußboden zierten.

Sanft umfasste er ihr Kinn und drückte es nach Oben.

„Das ist das Süßeste, was ich je von der gehört habe. Mach dir mal keine Gedanken, Engelchen. Eine, wie die kommt nie an dich ran. Nie, hörst du?"

Dicht an Lucius Seite verließ Narcissa wieder die Toilette.

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„Oh, Lucius. Setz dich doch hierhin."

Narcissa warf ihrem Mann einen mahnenden Blick zu. Ihn schien es offenbar zu amüsieren, sie so rasend eifersüchtig zu sehen, denn er ging direkt auf das Ehepaar zu.

Das Essen verlief ohne große Komplikationen, bis das Dessert gereicht wurde.

„Hast du das schon im Tagespropheten gelesen, Lucius? Sirius Black bricht in Hogwarts ein? Hast du keine Angst um deinen Sohn?"

Narcissa ballte die rechte Hand zu einer Faust. Es ist auch mein Sohn.

Lucius wusste nicht, was er sagen sollte. Er wollte im Beisein von Narcissa kein Wort über Black verlieren.

„Dumbledore wird die Sicherheit der Kinder sicherlich gewährleisten können.", sagte Narcissa schließlich.

„Ja, das denke ich auch. Vielen Dank für ihr Vertrauen, Narcissa."

Da war er wieder. Albus Dumbledore.

Sie nickte knapp und richtete ihren Blick auf die Tischdekoration. Da war er wirklich wieder und mit ihm alle Zweifel an ihrem Ehemann.

Nanette fuhr fort: „Ich bin jedenfalls heilfroh, dass ich nicht so ein schwarzes Schaf in der Familie habe. Aber das ist man von den Blacks ja mittlerweile gewohnt.

Todesser. Aber zu dumm, um den Mund zu halten."

Narcissa umklammerte den Saum ihres Kleides etwas stärker. Sie konnte spüren, wie Lucius unter dem Tisch nach ihrer Hand suchte.

„Und dann diese Blutsverräterin. Brennt mit einem Muggle durch und zeugt einen…Mischling. Um es kurz zu machen. Reines Blut haben sie ja vielleicht alle, aber ich persönlich empfinde es als Beleidigung neben den Blacks noch als Reinblüter bezeichnet zu werden, wie siehst du das Narcissa?"

Endlich hatte Lucius ihre Hand gefunden, doch sie zog sie weg und stand auf.

„Oh, Narcissa. Ich vergaß. Das ist ja deine Familie. Um ehrlich zu sein, ich persönlich konnte Lucius auch nie verstehen, warum er sich mit dir eingelassen hat."

Sie zog ihren Zauberstab und auch Lucius hatte nicht übel Lust es ihr gleich zu tun.

Nicht jetzt, Narcissa. Ich kläre das später. Aber NICHT in der Öffentlichkeit. Das gibt nur Ärger., kamen seine Gedanken in ihren Kopf geschossen.

Zu spät für beschwichtigende Worte. Der Fluch war bereits auf dem Weg zu Nanette Chareton.

Ein großer Mann mit langem Bart trat dazwischen und blockte den Fluch ab. Er verpuffte in einer grünen Rauchwolke.

Narcissa blieb regungslos stehen. Blind vor Wut, spürte sie, wie Lucius beschwichtigend einen Arm um ihre Taille legte und sie zur Balkontüre führte.

„Diese Schlampe. Das hat sie mit Absicht getan.", brüllte die Frau los, sobald sie hörte, dass Lucius die Türe hinter ihnen geschlossen hatte.

„Meine Familie ist nicht schlechter, als andere auch.", sie begann zu weinen und ließ sich auf eine der Marmorbänke an der Treppe fallen.

„Das weiß ich doch."

Lucius kniete sich vor ihr auf den Boden und hielt ihr die Hände vom Gesicht. Dicke Tränen, die in Verbindung mit der Wimperntusche schwarz geworden waren, kullerten über ihre Wangen.

„Ich wusste nicht, dass du dich wegen mir schämen musst, Lucius. Ich-"

„Erzähl bitte nicht so einen Unsinn. Ich liebe dich über alles, Narcissa. Und solche Dinge, wie sie da drinnen über deine Familie gesagt hat habe ich doch noch nie gesagt, oder?"

„Aber gedacht?"

„Nein!", ein leichter Anflug von Verzweiflung lag in seiner Stimme. Was machte er mit einer völlig aufgelösten Frau mitten auf einer großen öffentlichen Veranstaltung?

„I-Ich habe meine Familie noch nie so gesehen, Ich- Es ist doch klar, dass ich dir peinlich sein muss."

"Das bist du aber nicht."

Sie bemühte sich ihren Heulkrampf in den Griff zu kriegen, was leider völlig missglückte und in noch mehr Tränen endete.

Lucius setzte sich neben ihr auf die Bank und legte seine Arme um sie.

„Verzeih mir bitte, Cissa."

Sie hob schluchzend ihren Kopf.

„Ich dir? Wieso?"

„Wir hätten uns nicht zu ihnen setzen sollen. Es war meine Schuld."

Sie drückte sich noch fester an ihn heran, sodass er ihren wirklich monströs hohen Herzschlag hören konnte.

„Beruhig dich wieder, Darling, ja? Dieses Miststück bekommt, was sie verdient. Das verspreche ich dir."

Sooo, hat lange gedauert. Aber jetzt geht's weiter.

Reviews fänd ich toll.

Lg Lucia