L drehte seinen Kopf zu dem Rotäugigen und starrte ihn einfach nur an.

„Wusste ich es doch… Du kannst ziemlich froh sein, dass ich heute so gute Laune habe mein Kleiner. Wir sollten was unternehmen."

Der Detektiv nickte, blickte dann geistesabwesend zur Decke und legte seine rechte Hand auf die feine Narbe auf seiner Brust.

Langsam setzte sich Beyond auf, streckte sich und gähnte herzhaft, als er erneut zum Anderen blickte.

„Meinst du nicht auch, wir sollten uns mal die Beine vertreten?"

„Ab…"

„Schön, dass du auch immer meiner Meinung bist!", wurde L unterbrochen, dann kurz umarmt und auf die Stirn geküsst. Beyond schwang seine Beine aus dem Bett, schlüpfte in seine dunkle Jeans, warf sich sein schwarzes Hemd über und wuschelte sich kurz durchs Haar.

„Also ich wäre fertig… auf auf!", sagte er, klopfte in die Hände und signalisierte so, dass sich der Ältere beeilen sollte. L seufze kurz aus, stand dann ebenfalls auf, griff nach seiner Jeans und dem weißen Hemd auf dem Boden und schlenderte langsam aus dem Schlafzimmer in Richtung Wohnungstür. Dort angekommen, drängte sich Beyond am Detektiven vorbei, schnappte sich die Hausschlüssel aus der kleinen Schale auf der Kommode und ließ ihn in seine Hosentasche gleiten. Gerade wollte er die Tür öffnen, als er sich erneut zu L umwandte und ihn scharf musterte.

„L… Hast du nicht etwas vergessen?"

„Ich… ähm… nein?"

Beyond trat einen Schritt auf L zu, packte ihn grob am Kinn und zerrte seinen Kopf zu sich, damit er seinem Blick nicht ausweichen konnte.

„Tze… wieso lernst du es verdammt noch mal nicht!", brüllte er plötzlich und ehe L überhaupt reagieren konnte, spürte er einen unglaublichen Schmerz in seinem Magen. Beyond hatte ihn blitzschnell heruntergedrückt und sein Knie in den Anderen gerammt. Unter Schmerzen brach L zusammen, presste einen Arm über seinen Oberkörper und stützte sich mit dem anderen auf dem Boden ab. Er verstand absolut nicht, was diese Gefühlsschwankung wieder ausgelöst hatte. Dann spürte er eine Hand auf seinem Kopf, wie sie zärtlich durch sein Haar streichelte und mit einzelnen Strähnen spielten.

„Tut mir leid… das wollte ich nicht…"

Natürlich wolltest du das Beyond! Du willst ihn leiden sehen!

Jaaa, aber ich muss aufpassen, dass ich es nicht übertreibe.

Ach! So ein Blödsinn, dein kleiner Schatz ist zäh… der hält schon Einiges aus!

Kihihi… richtig… ich muss echt noch herausfinden wo die Grenze ist…

Ohne ihn zu töten Beyond!

Natürlich…

L biss die Zähne stark aufeinander, keinen Laut wollte er jetzt von sich geben, er war einfach gerade so überrumpelt worden, dass er definitiv nicht in Stimmung war, diesen Schmerz zu genießen. Dann merkte er, wie der Jüngere sich vor ihn in die Hocke hinunter ließ, weiterhin die Hand auf seinem Kopf haltend, und ihn nun warm anlächelte. Was ging nur in diesem Kopf vor sich? L wollte es herausfinden und ihm irgendwann helfen… das schwor er sich.

Plötzlich strich die Hand an seinem Hinterkopf hinunter in Richtung Nacken und schon wurde er nach vorne gezogen, die Lippen der Zwei trafen sich. L schloss seine Augen, genoss die Liebkosung von Beyond und unterdrückte jegliches Verlangen, vom Anderen mehr zu wollen. Er durfte es nicht!

So schnell wie der Kuss begonnen hatte, so endete er auch, der Rotäugige schnappe L am Kragen, zog ihn mit nach oben und fixierte ihn.

„Na gut… ein letzte Mal. Meine Fresse, kannst du heute froh sein, dass ich gute Laune habe…", ein tiefer Seufzer entwich Beyond, dann fuhr er fort:

„Dein Halsband, wo ist es? Du weißt, dass du es tragen sollst, wenn wir raus gehen… Habe keine Lust, dass dich mir jemand wegnimmt…"

„E-entschuldigung… ich hol es eben."

L sprintete ins Schlafzimmer, öffnete die unterste Schublade seines Nachttischschrankes und schnappte sich das schwarze Halsband mit den rautenförmigen Nieten darauf. Kurz hielt er es einfach nur in den Händen und begutachtete das Accessoire. Es war ein Unikat, den im Inneren war etwas eingenäht worden: L – falls verloren gegangen, bitte zurück zu seinem Besitzer bringen. – B"

Wie konnte ich so doof sein und das Halsband vergessen…

Damals, als er mir dieses Geschenk gemacht hatte, habe ich mich wirklich gefreut. Ich gehörte nur ihm, so wie ich es mir immer erträumt habe, aber…

Ja, was aber? Es war mir immer klar gewesen, dass eine Beziehung mit ihm, wenn man es so nennen konnte, niemals normal werden würde.

Ob er mich mittlerweile liebte? Ich konnte es nicht wirklich sagen… wie würde denn die Liebe eines Menschen, wie Beyond es ist, aussehen?

Oder… war ich einfach nur ein… Objekt… ein Ding für ihn, welches man sein Eigentum nennen konnte?

Ich darf an so etwas überhaupt nicht denken…

Vorsichtig strich er mit seinem Daumen über die Innenseite, seufzte einmal schwer und legte sich dann das Band um den Hals. Schnellen Schrittes lief er aus dem Schlafzimmer, in den großen Flur und blieb dann vor Beyond an der Haustür stehen.

„Sehr schön, eigentlich könntest du es immer tragen, es steht dir wirklich gut! Ich mag es, wenn du es trägst…", säuselte Beyond, legte seinen Zeigefinger unter sein Kinn und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann drehte er sich um, öffnete die Haustür und setzte den ersten Schritt nach draußen.

Ein lauter Schrei zerriss die Stille, Beyond brach vor L auf den Boden zusammen und krümmte sich unter Schmerzen. Mit aufgerissenen Augen beobachtete er die Szene und dann dämmerte es L, was er vergessen hatte.

Scheiße… Beyond wird mich umbringen…