25.

Der Mond schien hell auf den Hof des Schlosses, wie ein dunkles Mal zeichnete sich der Schatten eines Turmes auf den Steinen ab. Eine dunkle Gestalt löste sich aus dem Schatten, umhüllt von einer wallenden Robe. Das bleiche Licht zeichnete sich auf den konzentrierten Gesichtszügen des Mannes ab. Hastig sah er sich um und schlich dabei wie eine Katze lautlos über das verwitterte Gestein.

Da, ein Geräusch. Blitzschnell wandte sich der Mann dem Geräusch zu, seine Hand dabei in sein Gewand gleitend, doch zu spät. Schon lösten sich mehrere Gestalten aus den Schatten der Gebäude ringsum.

Eine Stimme erklang. „Petrificus Totalis!" Ein helles Licht durchschoss das Dunkel und hüllte den Mann in der Mitte des Hofes ein. Bewegungslos stand er kurz da, bevor er langsam mit einem Stöhnen zu Boden ging. Der nun nutzlose Zauberstab entglitt seiner Hand.

Ein Mann trat aus den Schatten, seinen Zauberstab noch in der erhobenen Hand. Das Mondlicht fiel auf seine langen blonden Haare und enthüllte harte aber dennoch attraktive Gesichtszüge. Ein feines Lächeln trat auf seine Lippen, als er die am Boden liegende Gestalt betrachtete.

„Severus, alter Freund, auch mir ist es eine Freude Dich nach so langer Zeit wieder zu sehen."

Dann brach er in schallendes Gelächter aus.

Auf dem Dachfirst eines der Gebäude beobachtete unbemerkt ein Rabe das Geschehen…


London, den 19. November

Tonks,

Du musst sehr vorsichtig sein!!! Ich kann kaum fassen, was ich eben in Erfahrung gebracht habe! Die Malfoys müssen Severus haben! Ich glaube kaum, was ich da schreibe.

Aber ich muss erstmal meine Gedanken ordnen.

Nachdem ich also wieder zurück war aus Osteuropa, bin ich zuerst in die Winkelgasse. Mein Geschäftspartner Horatio hat sich sehr gefreut, mich zu sehen. Allerdings hat er mir auch gleich einen Stapel Buchbestellungen in die Hand gedrückt und beschlossen, er hätte nun genug allein gearbeitet und bräuchte jetzt seinerseits ein paar Tage frei. (Der dachte wohl, ich habe einen erholsamen Urlaub hinter mir, wunderbar….)

Da er ja nichts von meinen Unternehmungen wusste, musste ich ihn also wohl oder übel ziehen lassen. Er hat also ab morgen erstmal ein paar Tage frei, und ich komme hier nicht mehr weg, da ich den Laden ungern schließen möchte. Ich denke, das würde sich nicht allzu gut machen. Es ist ja noch nicht allzu lang her, dass wir überhaupt eröffnet haben.

Vielleicht sollte ich mich nach einer Aushilfe umsehen… Aber wem kann man heutzutage noch trauen?

Nun ja. Das lass mal meine Sorge sein.

Jedenfalls, als ich dann durch die Winkelgasse lief, um ein paar Besorgungen zu machen, bin ich mit niemand geringerem als Draco Malfoy zusammengestoßen. Er hat sich nicht mal die Mühe gemacht, sich irgendwie zu tarnen oder zu verkleiden, als hätte er nichts mehr zu befürchten. Merkwürdig, oder?

Er hat sich natürlich riesig darüber „gefreut", mich zu sehen, hat ein paar freundliche Worte über Muggel von sich gegeben (hätte er nicht, wie immer, Crabbe und Goyle bei sich gehabt, hätte ich mir das sicher nicht einfach nur angehört) und wollte schon weitergehen; aber dann schien ihm noch etwas einzufallen, und er drehte sich noch einmal zu mir um.

Und dann sagte er mir direkt ins Gesicht: „Die Zeiten von Hogwarts sind gezählt! Es musste ja so kommen! Wenn sie dort Muggel wie Dich unterrichten, ist das nur gerecht! Mein Vater hat Beweise dafür, dass Lehrer von Hogwarts mit Kriminellen, die in das Bestiarium gehören, gemeinsame Sache machen! Er konnte einen von ihnen dabei festsetzen, wie er einen Vampir in Rumänien verstecken wollte! Ha, der Prozess wird ein Fest! Aber was erzähle ich Dir das, Granger – man sollte auch eine solche Einrichtung für Muggel schaffen!"

Tonks, er kann doch nur Severus meinen! Es wäre doch ein extremer Zufall, wenn sich ein anderer Hogwarts-Lehrer während des Schuljahres in Rumänien aufgehalten hätte! Was wäre, wenn Severus mir helfen wollte und dabei von Lucius Malfoy überrascht worden ist? Bei Merlin, das würde ich mir nie verzeihen!

Wo könnte er jetzt sein? Was soll ich denn jetzt nur tun? Ich werde versuchen, Harry zu erreichen; vielleicht hat er eine Idee.

Hermine