-Deeks-

Ich würde nicht sagen, dass wir nach diesem Abend alles geklärt hätten. Eigentlich haben wir gar nicht mehr viel geredet.

Ich hielt Kensi in den Armen, bis ich keine Schluchzer mehr an meiner Brust hörte, dann gab ich sie frei und sah sie vorsichtig an.
Sie mühte sich zu einem Lächeln, sie sah unglücklich und erschöpft aus. Eine letzte, stumme Träne rollte über ihre Wangenknochen. Ich nahm ihr Gesicht zu beiden Seiten in meine Hände und rieb die Träne mit dem Daumen weg. Kensi lächelte kurz, bedauernd und dankbar. Eine Zeit lang standen wir nur da und sahen einander an. War das der Moment, um alles zu klären? Konnte es so weit sein?

Nein. Das war er nicht. In diesem Moment lag zu viel Verwirrung und hochgekochte Emotion. Ich wusste nicht, warum sie geweint hatte und sie wusste nicht, warum ich so wütend gewesen war, es musste einen anderen Zeitpunkt geben.

Also zog ich sie nur behutsam zu mir heran, drückte meine Lippen in ihr Haar und sagte leise:
"Wir sollten reden, irgendwas läuft hier falsch. Wir sind nicht wir selbst. Oder wie siehst du das?"

"Du hast recht. Morgen nach dem Frühstück?", kam es gedämpft zurück.

"Ja... klar ok..."

"Ok..."

Wir lösten uns voneinander. Kensi sah zu Boden und strich sich eine dunkle Locke hinters Ohr, ich steckte die Hände in die Hosentaschen, unschlüssig was ich jetzt tun sollte.
Eine ähnliche Situation hatte es nie gegeben. Sollte ich sie zu ihrem Turm begleiten? Was sollte ich sagen? Doch Kensi erlöste uns indem sie sagte: "Gut, dann... sehen wir uns dann."

"Jaa... bis morgen."

Sie nickte, wir kehrten uns um und gingen getrennte Wege. _

-Kensi-

Schnell ging ich zum Ravenclaw-Turm. Ich ärgerte mich, dass ich angefangen hatte zu weinen. Sicher dachte Deeks jetzt, es wäre seine Schuld. Frustriert pochte ich mit dem Türklopfer gegen das Tor zum Ravenclaw-Turm.

"He-da! Nur die Ruhe. Kontrolliere deine Emotionen, sonst bleibt dein Geist versperrt für die großen Geschenke dieser Welt!", rief der Türklopfer empört aus.

Verdammter. altkluger. Philosoph.
"Ja...sicherlich...,", grummelte ich bemüht kontrolliert, "darf ich jetzt bitte rein?"

"Prüfe zuerst dein Geschick an diesem Rätsel. Wie pflanzt man die Setzlinge der Freundschaft?"

"Ganz bestimmt nicht, indem man ein aufgeplusterter, geschwollener Bronzeklopfer ist, der Schüler mit Fragen belästigt, obwohl sein einzigartiges Geschick ihm sicherlich bereits eröffnet hat, dass eben genannte Schülerin nicht in der Verfassung ist, über das Universum zu philosophieren.", konterte ich bissig.

Ein alter Mann in einem Gemälde zu meiner rechten klatschte anerkennend in die Hände und ließ ein "OOOH BUUUURN!" vernehmen.
Der Türklopfer verzog beleidigt das Gesicht, ließ die Tür aber aufschwingen. Im Vorbeigehen hörte ich ihn spitz flüstern: "Auch Kreativität verdient ihren Lohn."

Im Turm angekommen, ging ich auf direktem Weg in meinen Schlafraum, aus den Augenwinkeln hab ich gesehen, dass die meisten anderen noch im Gemeinschaftsraum saßen, umso besser, dann müsste ich mit niemandem reden.

Der Schlafraum wir also wie erwartet leer.
Ich warf mich auf mein Bett und starrte den Betthimmel an.
Ich verstand immernoch nicht was passiert war, der ganze Tag kam mir seltsam unwirklich vor, so als hätte ich das Leben einer anderen gelebt. Ein seltsames Leben, voll mit dramatischen Abgängen, hysterischen Schluchzern, grundloser Wut und ungreifbaren Spannungen.

Es war kein schönes Leben.
Kann ich bitte meins zurückhaben?

"The Silence" - Bastille
Now you've hit a wall and it's not your fault
my dear, my dear, my dear.
Now you've hit a wall and you've hit it hard,
my dear, my dear, oh dear.

It is not enough to be dumbstruck;
(Can you fill the silence?)
you must have the words in that head of yours
And oh, oh, can you feel the silence?
I can't take it anymore,
'cause it is not enough to be dumbstruck.
(Can you fill the silence?)