Kapitel 24

Harrys Blick trübte sich wieder. Dann stand er in einer großen, hell erleuchteten Halle aus Stein. Ein langer Teppich führte durch den Raum. Von der Tür, bis zu einer kleinen Treppe, die zu zwei Thronen führte. Vor der Treppe kniete der Soldat, der Krenjo und Kilas mitgenommen hatte.
Die beiden Throne waren besetzt. Mit einer Frau mit langem schwarzen Haaren und ebenso schwarzen Augen. Sie hatte strenge Gesichtszüge. Neben ihr saß ein Mann mit verwuschelten schwarzen Haaren und schelmisch funkelnden, schwarzen Augen.
"Willst du damit sagen, diese drei Bälger sind die einzigen überlebenden dieser Katastrophe?", fragte die Frau und zeigte auf das braunhaarige Mädchen, Krenjo und Kilas, die hinter dem Soldaten standen.
"Ja, Hoheit. Wir wissen nicht, wie sie überleben konnten. Aber es ist so.", antwortete der Soldat unterwürfig.
"Schwester, bitte. Es bringt nichts, sich jetzt aufzuregen. Wir könnten die Kinder in die Küche schicken, wo sie arbeiten können.", meinte der Mann und lächelte die Kinder sanft an. Er schien Kinder zu mögen, so wie er sie ansah.
"Nein!!! Ich will nicht in der Küche arbeiten!!! Ich will lernen, wie man kämpft!!! Ich will Mama und Papa rächen!!!", rief Krenjo und rannte auf den Mann zu. Kilas blieb schüchtern zurück und klammerte sich ängstlich an dem braunhaarigen Mädchen fest. Diese lächelte den Jüngsten in der Gruppe sanft an und streichelte ihm beruhigend über den Rücken.
"Du wagst es!", rief die Frau, stand auf, holte aus und wollte dem Schwarzhaarigen anscheinend eine Ohrfeige geben.
Der Schwarzhaarige war vor ihr zum stehen gekommen. Als er die erhobene Hand sah, schloss er erschrocken die Augen. Die Hand der Frau sauste auf den Jungen nieder, doch ehe sie ihn erreichen konnte, begannen dunkle Blitze um den Körper des Jungen zu zucken und verpassten der erhobenen Hand einen Schlag. Die Frau zuckte zurück und sah den Jungen ungläubig an.
"Nun, Schwester. Sieht so aus, als hätten wir einen kleinen Schwarzmagier gefunden. Ich würde ihn an deiner Stelle nicht verletzten wollen. Jetzt wissen wir zumindest, warum er noch lebt. Seine Magie scheint ihn beschützt zu haben. Auch wenn er sie noch nicht kontrollieren kann.", lächelte der schwarzhaarige Mann. "Sag Kleiner, warst du bei dem Angriff alleine?"
Krenjo hatte seine Augen wieder geöffnet und sah den Schwarzhaarigen trotzig an.
"Nein. Mein kleiner Bruder war bei mir."
"Der Blonde?"
Krenjo nickte.
"Nun, was hältst du davon, wenn dein kleiner Bruder hier im Schloss bleibt und etwas arbeitet, du kommst mit mir ins Ausbildungslager und lernst dort deine Magie zu kontrollieren. Wenn du Alt genug bist, nehmen wir dich in den Truppen auf und du darfst kämpfen."
Krenjo überlegte kurz.
"Wenn Kilas nichts passiert, komm ich mit. Aber du musst mir versprechen, dass niemand meinem kleinen Bruder weh tun wird."
"Gut. Versprochen.", lächelte der Mann sanft.
Das Mädchen löste sich jetzt von Kilas, lächelte ihm noch einmal sanft zu und rannte dann neben Krenjo.
"Magst du auch mitkommen?", fragte der Mann leicht lächelnd.
Das Mädchen nickte nur mit dem Kopf.
"Warum redest du nicht?"
"Hoheit, sie hat, seit wir sie gefunden haben, kein Wort gesagt. Wahrscheinlich der Schock. Sie musste wohl mit ansehen, wie ihre Familie gefoltert und getötet wurde.", antwortete der Soldat.
"Schwester?"
"Nur zu. Nimm die beiden Bälger mit. Aber du bist mir für ihre Ausbildung verantwortlich. Nimm den Blonden am besten auch gleich mit. Dann hab ich keine Scherereien mit diesem Blag.", antwortet die Schwarzhaarige kalt und setzte sich zurück auf den Thron.
"Na gut. Elias, der Mann, der euch hergebracht hat, wird euch in ein Zimmer führen, wo ihr schlafen könnt. Wenn ihr wieder wach seid, bring ich euch zurück ins Ausbildungslager. Okay?"
Das Mädchen und Krenjo warfen sich einen kurzen Blick zu. Dann nickten beide.

Harrys Blick verschwamm wieder. Diesmal aber länger als vorher. In rasender Geschwindigkeit sah er Jahre an sich vorbeiziehen. Er sah, wie Krenjo ausgebildet wurde und erfuhr den Namen des Mädchens, Kana. Auch sie hatte schwarzmagische Kräfte. Die drei freundeten sich miteinander an und waren in ihrer wenigen Freizeit immer gemeinsam anzutreffen. Als einige Jahre ins Land gezogen waren, begann Kana eines Tages wieder zu sprechen.
Kilas war kein Schwarzmagier. Dafür besaß er die Fähigkeit, Drachen zu bändigen, weshalb er zu einem so genannten Drachenritter ausgebildet wurde. Als sich Harrys Sicht wieder klärte, waren zehn Jahre vergangen. Krenjo war ein mächtiger Magier geworden, der trotz seiner Jugend und Unerfahrenheit bald zum Hohepriester, was das höchste war, was ein Magier erreichen konnte, ernannt wurde. Es war der Tag vor seiner Ernennung und er lag alleine in seinem Zelt. Kana sollte am nächsten Tag zur Truppenführerin ernannt werden, da sie sich in vergangenen Schlachten schon bewiesen hatte. Kilas stand ebenfalls hoch im Rang, auch wenn noch einige Befehlshaber über ihm standen. Harry war erschrocken, als er feststellen musste, dass Kilas exakt so aussah, wie Draco. Da er annahm, dass er dieser Krenjo war, hatte er jetzt wenigstens eine Erklärung, warum er dem Blonden so schnell vertraut hatte. Er hatte in ihm unterbewusst seinen kleinen Bruder erkannt. Den nächsten Ausschnitt von Krenjos Leben sah Harry, als würde er über dem ganzen schweben.

Krenjo lag wach in seinem Nachtlager im Zelt. Er sollte eigentlich schlafen, aber er konnte nicht, da er an die morgige Weihe zum Hohepriester denken musste. Nervös wälzte er sich in seinem Bett hin und her.
Dann hörte er, wie die Plane seines Zelteinganges zur Seite geschoben wurde. Er setzte sich auf und erkannte Lengrand, den schwarzhaarigen König, der ihm damals geholfen hatte, ins Ausbildungslager zu kommen. Er hatte ein seltsames Lächeln auf dem Gesicht.
"Solltest du nicht schlafen, junger Priester. Morgen wird ein aufregender Tag.", meinte er mit sanfter Stimme.
"Ich kann nicht schlafen, Hoheit. Ich bin zu nervös. Aber was führt Sie zu so später Stunde noch zu mir?", fragte der Schwarzhaarige verwirrt.
Lengrand setzte sich in Bewegung und ließ sich neben dem Schwarzhaarigen auf dem Bett nieder. Dieser betrachtete misstrauisch seinen Mentor.
"Du weißt doch noch, das ich damals, als ich dich und die anderen beiden herbrachte, sagte, ich würde irgendwann eine Gegenleistung für meine Hilfe verlangen. Du stimmtest zu."
Krenjo runzelte die Stirn. Ja, der König hatte so etwas gesagt und Krenjo hatte ihm zugestimmt.
Er hatte es fast vergessen.
"Ja, Hoheit. Ich erinnere mich."
"Sehr gut. Heut möchte ich meine Gegenleistung haben."
"Was wünscht ihr, Hoheit?"
"Dich für diese Nacht. Nach deiner Weihe ist es dir verboten, mit jemandem zu schlafen. Ich weiß, dass du unberührt bist und fordere diese eine Nacht von dir. Bevor du deine Weihe antrittst. Bedenke, du hast es versprochen."
Krenjo sah den König für einige Zeit nur ungläubig an. Dann schluckte er. Ja, er hatte es Versprochen. Also musste er es auch einhalten. Langsam senkte er den Kopf und wisperte.
"Ich gehöre Euch für diese Nacht."
"Sehr schön. Komm mit. Dieses Zelt bietet nicht genug Privatsphäre für so etwas.", meinte Lengrand, stand auf und ging zum Zelteingang. Krenjo stand auf, warf sich einen Morgenmantel über und folgte dem Schwarzhaarigen ergeben.
Dieser ging durch die Reihen von Zelten, auf sein eigenes Zelt zu. Es stand etwas Abseits der anderen und war größer.
Krenjo trat hinter dem Schwarzhaarigen ein. Er war schon des öfteren hier gewesen, weil er gegenüber seinen Ausbildern aufsässig geworden war und hier eine Strafe erhielt. Das Zelt war, durch ein Tuch in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil war eine Art Büro, aus Sitzkissen und niedrigen Tischen. Den hinteren Teil hatte er nie betreten. Krenjo vermutete dort das Schlaflager des anderen. Genau dorthin wurde er geführt.
Dort stand ein Bett. Mehrere Truhen standen im Raum. Alle in der Nähe des Bettes.
"Zieh dich aus.", erklang Lengrands Stimme.
Krenjo schluckte und folgte der Anweisung. Seine Wangen verfärbten sich Rot. Gierig musterte Lengrand den jungen, gut gebauten Körper vor sich.
"Sehr schön. Du bist ein äußerst ansehnlicher junger Mann geworden.", grinste der König und leckte sich die Lippen.
"Danke, Hoheit.", nuschelte Krenjo beschämt.
"Stell dich vors Bett."
Krenjo befolgte den Befehl. Lengrand ging zu einer der Truhen, öffnete sie und holte zwei kleine Lederriemen, mit jeweils einem Haken hervor. Diese befestigte er an Krenjos Handgelenken.
"Du wirst heute Nacht alles tun, was ich von dir verlange, haben wir uns verstanden?", sagte er dann.
"Ja, Sir."
"Sehr schön. Knie dich auf den Boden. Das Gesicht zum Bett. Den Oberkörper nach vorne gebeugt und die Beine gespreizt."
Krenjo befolgte die Anweisung des Königs und kniete sich vor dem Bett nieder. Scham und Furcht war in seinen Augen zu sehen, doch seine Mimik blieb ausdruckslos.
"Sehr schön. Leg die Hände aufs Bett, Handflächen nach unten."
Kaum war Krenjo dem nachgekommen, spürte er, wie Lengrand an jedem seiner Handgelenke an den Haken jeweils eine Kette befestigte, die an einem weiteren Haken an den Bettpfosten hing. Bis jetzt waren sie ihm nicht aufgefallen, da die Ketten auf der anderen Seit auf dem Boden gelegen hatten. Jetzt konnte Krenjo seine Arme nicht mehr zurückziehen.
Dann hörte er, wie Langrand in der offenen Truhe kramte. Als der König zu ihm zurückkam, wurden ihm mit einem schwarzen Tuch die Augen verbunden. Krenjo lies alles schweigend über sich ergehen.
Als nächstes spürte der junge Mann Hände, die über seinen Körper strichen.
"Keine Angst, es wird dir schon noch gefallen.", säuselte ihm Lengrand ins Ohr, ehe er mit seiner Hand tiefer wanderte und begann den schlaffen Penis des Jungen zu massieren. Krenjo keuchte. Noch nie hatte ihn jemand dort berührt. Eine unglaubliche Hitze breitete sich in seinem Körper aus und sein Glied begann, sich aufzurichten.
"Siehst du, es gefällt dir. Aber keine Angst. Es wird noch schöner."
Mit seiner anderen Hand wanderte er zum Hintern des jüngeren und strich mit den Fingerspitzen durch die Spalte. Sanft massierte er die Rosette des kleineren. Krenjo keuchte erneut auf und begann leicht zu stöhnen. Dabei entging ihm, dass das Tuch, dass die beiden Zeltteile voneinander trennten, beiseite geschoben wurden und zwei weitere Männer eintraten. Lengrand nickte den beiden Neuankömmlingen zu. Dann ließ er von dem Jungen ab, ging in eine Ecke das Raumes und bedeuteten den Männern mit einem Kopfnicken, sie mögen doch weitermachen, ehe er sich auf einem Sitzkissen niederließ.
"Ich habe hier zwei meiner Freunde eingeladen. Ich wünsche, dass du sie etwas verwöhnst.", lächelte Lengrand kalt.
Die beiden Männer gingen auf Krenjo zu...

Harry wollte das nicht sehen. Er wusste aus eigener Erfahrung, was passieren würde. Deshalb kniff er die Augen zusammen und hielt sich die Ohren zu. Er hörte eine sanfte Stimme in seinem Inneren, die ihm zuflüsterte.
'Verzeih, ich wollte dich nicht quälen.'
"Wer bist du?", Harry öffnete seien Augen wieder. Das Zelt und die Männer waren verschwunden. Es herrschte Absolute Dunkelheit um ihn.
'Ich bin Krenjos Seele, die in deinem Inneren weilt. Also bin ich du.'
"Warum kannst du dann auf einmal mit mir reden und vorher nicht?"
'Durch den Zauber von Schicksal wurde das Siegel um mich gelöst und ich konnte Kontakt mit dir aufnehmen. Es war meine Aufgabe, dir unsere Vergangenheit zu zeigen.'
"Du bist ich, sagtest du, aber warum bist du anders als ich?"
'Ich bin das, was du einmal warst. Ein Schatten der Vergangenheit, wenn du willst. Durch deine Wiedergeburt, wurdest du zu einem anderen Wesen, als du es vorher warst. Ich bin hier, dir zu helfen deine wahre Macht zu entdecken und kontrollieren zu lernen und deine Erinnerungen bis zu deiner Auferstehung zu wahren. Wir sind gleich und dennoch verschieden. Soll ich dir die weiteren Ereignisse zeigen?'
"Kannst du es mir nicht lieber erzählen? Ich will diese Bilder nicht mehr sehen."
'Wie du wünscht. Du sollst nur erfahren, was geschehen ist. Bei deiner Auferstehung werde ich so oder so wieder mit dir verschmelzen und meine Erinnerungen, werden deine Erinnerungen sein. Doch noch ist es nicht so weit.'
"Kannst du dich nicht irgendwie sichtbar machen? Ich mag es nicht, mir jemanden zu reden, den ich nicht sehen kann."
'Natürlich. Soll ich uns eine Angenehmere Umgebung für unser Gespräch schaffen?'
"Ja, bitte."