Ein letztes Hindernis

Kapitel 25

Die Sonne stand nun endgültig über den Klippen, als die zwei Männer und Frauen den Trailer wieder verließen.

Bonnie stand immer noch ungläubigen Blickes neben Michael, der sie nach einer Ewigkeit erscheinenden Zeitspanne von Templars Computerterminal weggezogen hatte.

Hier konnten sie nichts mehr ausrichten.

Michael hoffte, dass Bonnie noch etwas mit ihrem eigenem Equipment ausrichten konnte.

Oder von Prometheus eigener Bedienstation.

Sie mussten unbedingt mit der zuständigen Behörde sprechen.

Er schaute am Trailer vorbei, hinunter zum Stützpunkt.

Es lag still vor ihnen.

Aber was hätten die Soldaten auch ausrichten können?

Die Schleusen des Zugangs waren gesprengt, und die Straße zum Stützpunkt mit Raketenkratern übersät.

Und am Ende der Schlucht klaffte ein riesiges Loch am Ende der Brücke.

Michael und den anderen bot sich ein Bild der Verwüstung und Zerstörung.

Michael schaute hinüber zu dem nun funktionsuntüchtigen Bell Helikopter.

Neben ihm setzte sich Bonnie auf einmal in Bewegung und steuerte das am Felsen angelehnte Wrack des Knight 2000 an.

Es bot ein schreckliches Bild.

Der rechte Kotflügel war oberhalb des rechten Rades nach außen aufgerissen.

Das Vorderrad lag in einem merkwürdigen Winkel unter der Achse.

Schmauch und Gesteinstaub zogen über die gesamte Karosserie.

Der größte Schaden hatte die Rakete angerichtet.

Den Überschlag und den Aufprall am Felsen, hatte die molekularbeschichtete Oberfläche recht gut überstanden.

Doch Bonnie fiel ein anderer, viel schlimmerer Defekt auf.

Es tropfte eine rötliche Flüssigkeit am Motorblock hinab und versickerte wie Blut in der trockenen Erde.

Sie fasste mit ihrer Hand über den Kühler hinweg zum Lüfter und tastete sich zwischen den einzelnen Riemen hinunter in die Tiefen, um zwischen den Schläuchen, eine Box zu ertasteten, welche die CPU beinhaltete.

Wenn diese beschädigt war, konnte Kitt nicht mehr ins Fahrzeug zurück. Es war die Behausung für ihn gewesen.

Die CPU war noch im Fahrzeug verblieben.

Die Regierung hatte ihn von ihr herunter geladen.

Was an ihrer Hand nun zähflüssig klebte, war die Kybernetische Emulsion, die durch den Mainprozessor zirkulierte.

Somit war das Fahrzeug nicht mehr rettbar.

Selbst wenn in den Schaltkreisen von Prometheus noch irgendwo etwas von Kitt übrig geblieben war, musste sie komplett von vorne anfangen.

Von weitem waren Geräusche von nahenden Fluggeräten hörbar.

Das Militär hatte Unterstützung angefordert, denn was im Stützpunkt zurück geblieben war, hatte Prometheus schon für seine Zwecke missbraucht und rauchte an zwei verschiedenen Absturzstellen vor sich hin.

„Das soll wohl die Verstärkung gegen den marodierenden Prometheus sein? Nur das wir den Fall schon gelöst haben."

Michael schaute traurig zum Bell Helikopter hinüber.

Sie wollten schon auf die näher kommende Unterstützung zu eilen, als Kitt ihnen in den Weg fuhr.

„Ich konnte ihre Kommunikation abhören. Sie kommen nicht, um den Stützpunkt zu sichern. Sie sollen sie in Gewahrsam nehmen. Sie sind des Landesverrats angeklagt worden. Laut dem Bericht, den ich einsehen konnte, hätten sie mit Templar zusammen gearbeitet."

Michael drehte sich verdutzt zu dem schwarzen Wagen um.

„Wie kommen die denn darauf?"

„Ich vermute, das ist auch Prometheus zuzuschreiben. Er hat schon einige Schritte eingeleitet, bevor wir ihn unschädlich machen konnten."

„Dann musst du das wieder rückgängig machen."

Sein Sohn wirbelte zu seinem vierrädrigen Partner herum.

„Soweit ich dazu befähigt bin, und in die Server der Regierung eindringen kann, bin ich damit schon beschäftigt." Kam es von der künstlichen Intelligenz leicht beleidigt zurück.

Mikes Ton war etwas zu grob gewesen.

„Wir sollten hier weg, wenn die wegen uns kommen."

Michael schaute nun auf die größer werdenden Punkte, die sich als Düsenjets entpuppten.

Der ohrenbetäubende Lärm kündigte sie schon weit voraus an.

„Bonnie, wir müssen hier weg. Wenn was zu retten ist, dann ist das Auto ersetzbar. Wir haben noch deinen Prototypen."

Bonnie fuhr zu ihm herum.

Zuerst dachte Michael sie würde ihm widersprechen, dann drehte sie sich jedoch nur noch mal zu dem demolierten Firebird um, und zog etwas an seiner Unterseite heraus.

Kurz darauf hatte sie eine Platine mit verschiedenen Komponenten in der Hand, welche sie in ihrer Jackentasche verschwinden ließ.

Sie nickte ihm kurz zu, worauf er sich Mike und Sarah wieder zuwandte.

„Verschwinden wir von hier." Richtete er sein Wort an seinen Sohn, der nicht unweit von ihnen an seinem eigenen Fahrzeug lehnte.

Über ihnen rauschten zwei Düsenjets hinweg. Viel zu schnell, dass sie ihnen etwas anhaben konnten.

Doch die beiden Apache Helikopter, welche gleich darauf aus dem Licht der Sonne auftauchten, geboten zur Eile.

Mike hatte die Türe seines Fahrzeugs noch nicht ganz geöffnet, da sprang schon dessen Motor an.

Mike beeilte sich in Kitt zu kommen.

Seine Türe knallte hinter ihm zu.

Sarah neben ihm kletterte behände über die Mittelkonsole nach hinten.

Im gleichen Moment hatte Kitt schon zu seinem Vater und seiner Partnerin aufgeschlossen, und hielt ihnen die geöffnete Beifahrertüre parat.

Bonnie ließ sich zu Sarah auf den Rücksitz gleiten, während Michael zu seinem Sohn einstieg.

„Lass uns hier verschwinden, Mike."

Seines Vaters Blick ruhte noch immer auf der Karosserie seines alten Partners.

Noch lange, nachdem sie das Tal verlassen, und Richtung Westen fuhren, schaute dieser zur Seitenscheibe hinaus.

Im Rückspiegel konnte er Bonnie in ihrer Trauer und Wut beobachten.

Eine einzelne Träne war ihr über die Wange gerollt, die sie schnell weg gewischt hatte, um dann ihre Lippen zu einem Strich zusammen zu pressen, und dann ebenfalls zum Seitenfenster hinaus zu schauen.

Der schwarze Mustang war kaum wieder auf dem Highway angelangt, da kamen die beiden Apache schon auf sie zugeschossen.

Mike hatte es befürchtet.

Kaum dass die Regierung wieder über Strom verfügte, hatten sie nicht besseres zu tun, als ihnen die Kavallerie auf den Hals zu hetzen.

„Kitt Gefechtsmodus." Intonierte er in gewohntem Ton.

„Mike das geht nicht mit Sarah und Bonnie auf dem Rücksitz." Kam es sogleich von Kitt zurück.

Verdammt. Das hatte er ganz außer Acht gelassen.

Sein Vater hatte sich in seinem Sitz herum gedreht, und schaute halb bestürzt, halb entschlossen aus dem Heckfenster.

„Haben wir eine Chance denen zu entkommen?"

Mike schüttelte seinen Kopf.

„Kitt ist ihm Normal Modus nicht viel schneller als ein gewöhnlicher GT500KR. Bzw. in welch Fahrzeug er sich sonst transformiert."

„Kann sich Kitt nicht in etwas verwandeln, dass stark genug motorisiert ist, um das benötigte Tempo zu erreichen?"

Entgegnete ihm sein Vater, ohne die Helikopter aus den Augen zu lassen, die über sie hinweg geflogen waren, und nun nach einem Kreis fliegend, wieder auf sie zu kamen.

Zwei Raketen schlugen links und rechts der Straße ein.

Noch waren es nur Warnschüsse.

„Nein, Kitt lädt sich die Daten von vorhandenen Modellen herunter. Er kann sich nur in existierende Fahrzeuge verwandeln." Schaltete sich Sarah ein.

Sie klammerte sich hinter Mike an Kitts Fahrersitz, links und rechts seiner Kopfstütze und sprach so an Mike vorbei, zu seinem Vater.

„Kann er sich nicht in das momentan stärkste, viersitzige Fahrzeug verwandeln, dass Ford gerade auf dem Markt hat?" fragte Bonnie von der Rückbank.

Ihre Überlegungen gingen schon in die richtige Richtung.

„Das könnte funktionieren Miss Barstow. Ich gehe meine Datenbank durch."

Kurz darauf gingen die Nanopartikel wieder über die Innen und Außenseite.

Das Tempo stieg schlagartig an.

Mike schaute auf eine schlanke schwarze Motorhaube, die bissig nach unten abfiel.

Auf der Motorhaube oberhalb der Scheinwerfer befanden sich horizontal laufende Schlitze.

Der Heckspoiler hob sich deutlich vom Kofferraum ab.

„Das ist ein GT350R, oder täusche ich mich?" Mikes Blick kam zurück zu Kitts Voice Orb.

„Nicht ganz. Ich habe etwas improvisiert. Was spricht dagegen, dass ich die besten Merkmale der verschiedenen Modellvarianten nicht miteinander kombiniere?" fragte Kitt zurück.

Sarah nickte begeistert zur Bestätigung.

„Stimmt Kitt. Eine gute Idee."

So schossen sie nun selbst, mit über 300km/h über den Highway. Noch war er leer.

Die Bevölkerung war noch längst nicht zur Normalität zurück gekehrt.

Zu ihrem Glück.

Doch die Helikopter holten sie viel zu schnell wieder ein.

Selbst dieses halsbrecherische Tempo, verlangten den Fluggeräten nicht viel ab.

Sie mussten sich etwas anderes einfallen lassen.

Mike bremste ab, und bog in eine Seitenstraße ab, wo er ein Fabrikgelände ausmachen konnte.

Hohe aus Beton bestehende Gebäude ragten in der Ferne auf.

„Wir kommen nicht um den Gefechtsmodus herum. Ich setzte euch da drüben, bei den Gebäuden ab. Sucht euch Deckung. Dann kann ich mich um die Hubschrauber kümmern."

Mike hatte nur kurz einen Blick in den Rückspiegel geworfen, um die Bestätigung der beiden Frauen darin zu sehen, dann bremste er schon nahe an einem der Gebäude ab.

Sein Vater ließ sie aussteigen.

„Sarah, Bonnie ich habe euch die mittlere Türe zu eurer Rechten geöffnet. Beeilt euch." Informierte sie schnell Kitt.

Damit verschwanden sie ihm Bauch der Fabrik.

Mike wollte schon zufahren, als sich sein Vater wieder zu ihm auf den Beifahrersitz schwang.

„Ich dachte eigentlich, du kümmerst dich um den Schutz der Frauen?" meinte er deshalb zu ihm.

„Mike." Kam es von Kitt.

Die Helikopter hatten einen Weg um die niederen Gebäude gefunden und nahmen ihr Ziel wieder ins Visier.

„Die können ganz gut auf sich selbst aufpassen. Nun mach schon." Schrie ihm sein Vater immer lauter werdend zu.

„Ok Kitt. Gefechtsmodus."

Damit veränderte sich die Form des Mustangs wieder in die bullige Version mit den Waffen trotzendem Exterieur.

Selbst nun seine Raketen auf die beiden Helikopter richtend, schoss er aus dem Schutz der Gebäude heraus.

„Kitt kannst du mir die Vögel so runter holen, dass die Piloten noch selbst landen können?"

Mikes Blick war starr auf den Heli vor ihnen gerichtet.

Jedoch war es nur einer.

Wo war der Zweite abgeblieben?

„Mike, ein Trupp von Männern ist gerade auf der anderen Seite ausgestiegen, und ist den Damen auf der Spur." Klang nun selbst Kitts Stimme bestürzt aus ihrer Mitte.

Sie wirbelten wiederholt in ihren Sitzen herum, nur um den letzten Mann der Soldaten in der Türe verschwinden zu sehen.

„Jetzt wünschte ich, ich wäre doch bei ihnen geblieben." Zischte sein Vater durch seine zusammen gebissenen Zähne.

Er griff vor sich in Kitts Handschuhfach und holte dort die befindliche Pistole heraus.

Das Magazin prüfend, ließ er es wieder einschnappen, und öffnete die Türe.

„Kümmere du dich um den anderen Gegner. Ich schau nach den Frauen. Kitt kannst du mir Hilfestellung geben?"

Michael griff sich noch eins der Head-Sets aus dem Handschuhfach.

„Aber selbstverständlich, Mister Knight."

Damit rannte sein Vater geduckt, hinüber zur Türe und verschwand kurz darauf ebenfalls von der Bildfläche.

Michael schlich, mit im Anschlag erhobener Waffe, durch die dunklen Gänge und lauschte in das Labyrinth des Gebäudes.

Lange waren die Schritte der Soldaten verklungen.

Auch von den Frauen konnte er nichts hören.

Er blickte, in die mit Milchglas verkleideten Büros, die seit dem Stromausfall verlassen waren.

Da nichts ging, waren die Arbeiter nach Hause geschickt worden.

Alles war ruhig.

Kein Summen von elektrischen Geräten, noch das Klappern der riesigen Maschinen, die in der riesigen Halle in einen dornröschenartigen Schlaf gefallen waren.

Ein überdimensionaler Eimer hing am Arm eines Krans mitten auf halber Strecke der Förderstrecke.

Das Metall darin schon längst erkaltet.

Es handelte sich um eine Gießerei, wie Michael mittlerweile feststellen konnte.

Riesige Brennöfen reihten sich an den Wänden entlang.

Für die verschiedenen Produktionsschritte zur Veredelung von Metallen bis hin zum Produkt.

Er lief weiter durch die Reihen und lugte hinter jedem Winkel, indem sich jemand hätte verstecken können.

Da sich Kitt noch nicht gemeldet hatte, vermutete er, dass er noch weit von den gesuchten Frauen, und den Soldaten entfernt war.

Als er am anderen Ende der Halle ankam, und in zwei verschiedene Richtungen schaute, beschloss er Kitt zu Rate zu ziehen.

„Kitt, wo sind Sarah und Bonnie?" flüsterte er mit erhobener Hand am Ohr, um das Head-Set aktiviert zu halten.

„Halten sie sich links. Ich kann die beiden Frauen den Gang hinunter in einer Kammer zu ihrer Linken orten. Die Soldaten haben sich fälschlicherweise für sie und glücklicherweise für uns in die entgegengesetzte Richtung gewandt."

Nach einem letzten Blick, um sicher zu sein, dass ihm wirklich niemand gesehen hatte, wandte er sich in die von Kitt angegebene Richtung.

Er öffnete die Türe, worauf ein Rascheln auf der anderen Seite sofort erklang.

Vor seinem geistigen Auge sah er Bonnie und Sarah, wie sie sich in ein Eck hinein drängten und duckten, um sich vor dem erwartendem Verfolger zu verstecken.

„Bonnie, Sarah ich bis Michael." Rief er leise in den Raum hinein.

Jedoch hörte er darauf das Getrampel der sich nähernden Soldaten.

Sie hatten wohl die andere Seite durch, und kamen ihnen nun schnell näher.

Er glitt nun selbst hinein, und schloss die Türe wieder.

Als er sich umdrehte, stand Bonnie hinter ihm.

Er hob seinen Finger. Bedeutete ihr damit nichts zu sagen.

Dafür hob er seine Hand wieder zu seinem Ohr.

Sich ratsuchend in Raum umschauend, um die dicke Stahltüre zu blockieren, flüsterte er in die Luft.

„Kitt wir stecken in der Klemme."

„Einen Moment bitte, Mister Knight. Mike ist schon auf dem Weg zu ihnen. Wir konnten den Hubschrauber unschädlich machen, und ich versuche den Präsidenten aktuell zu erreichen, dass er die Männer zurück beordert."

Michael horchte in den Gang vor ihnen.

Er konnte nichts finden, um den Zugang zu blockieren.

Sie waren ihnen hilflos ausgeliefert.

Die Schritte hatten genau davor angehalten.

Und im nächsten Moment wurde der Türgriff herunter gedrückt.

Die Tür schwang auf, und ein Lauf schob sich in den Raum.

„Ergeben sie sich. Sie stehen unter Arrest."

„Nur noch einen Moment Mister Knight. Ich habe den Präsidenten in der Leitung." Hörte Michael Kitt in seinem Ohr.

Im Funkgerät des Mannes knackte es, worauf er das Teil zum Sprechen vom Klettverschluss an seiner Schulter zum Mund führte.

„Hier Captain Wise. Haben gesuchte Personen gestellt und in Verwahrsam."

Wie zur Bestätigung wurden sie von weiteren Soldaten flankiert und je zu beiden Seiten festgehalten.

Grund zur Gegenwehr hatten sie vorerst nicht.

Kitt würde dem Präsidenten die Sachlage schon verständlich machen.

„Sie können die Zivilisten entlassen. Die Sache ist geklärt. Ziehen sie sich in ihren Stützpunkt zurück."

Der Mann vor Michael schaute verblüfft auf sein Kommunikationsgerät, während sie aus dem Griff der Einheit freigelassen wurden.

Da schlängelte sich sein Sohn an den Soldaten vorbei.

„Wo warst du denn so lange?" begrüße Michael seinen Sohn.

„Kitt war zu beschäftigt, den Präsidenten umzustimmen. Da hatte er nicht noch Zeit, mir den Weg zu euch zu weisen." Grinste dieser zu ihnen herüber. Jedoch gefror es ihm sogleich im Gesicht.

„Im Gegenteil Mike. Ohne mich, wären sie nur wieder über ihre eigenen Füße gestolpert." Erklang es postwendend.

„Ich möchte mal wissen, was mit dem los ist. Er widerspricht mir fortwährend, verweigert Befehle, und tut was er will."

Mike blickte hilfesuchend zu Sarah, die nur nachdenklich zurück schaute.

„Ich werde ihn mir Zuhause mal anschauen. Vielleicht liegt ein Fehler in seiner Positronik vor. Wobei ich das bezweifele. Er ist nun mal auf Eigenständigkeit und Lernen programmiert."

Mike stöhnte auf. Was hatte sich Graiman nur dabei gedacht.

ooo