Tja, was soll ich sagen? Es tut mir echt echt echt Leid, dass es dieses Mal sooo lange gedauert hat...

ABER ich war in den letzten Tagen nicht ganz untätig *zwinker*

Drei neue Chapis :D Hoffe sie gefallen euch!

Wünsche euch noch schöne und geruhsame Feiertage

Betrachtet die Chapis einfach als klitze kleines Geschenk zum ersten Weihnachtsfeiertag ;)

Wie immer bedanke ich mich ganz herzlich bei meinen tollen Reviewern die mir das Schreiben versüßen


Bella

Jetzt saß ich wieder in meinem Zimmer auf dem viel zu großen Bett und verstand die Welt nicht mehr. Was war in Edward gefahren, dass er auf einmal zum netten Kumpel mutiert war? Und was hatte mich geritten, ihm mein Herz auszuschütten? Wie hatte ich nur so unvorsichtig und naiv sein können, ihm etwas so privates von mir zu erzählen? Und das schlimmste war, dass mir diese negativen Gedanken erst nach dem Gespräch gekommen waren, während ich erzählt hatte, hatte es sich irgendwie wie ein Befreiungsschlag angefühlt. die Stimme in meinem Hinterkopf mahnte mich erneut zur Vorsicht. Manipulierte Edward die Menschen in seiner Umgebung mithilfe seines Aussehens, um ihnen Dinge zu entlocken, die sie um jeden Preis geheim halten wollten? Zuzutrauen wäre es ihm. Seine anfängliche Entschuldigung hatte mich vollkommen aus der Bahn geworfen aber gleichzeitig auch irgendwie berührt. Er hatte sich noch nie für sein Verhalten entschuldigt.

Bis jetzt war Edward kein einziges Mal nett zu mir gewesen, hatte mich mit seinem eisigen Blicken durchbohrt, wann immer ich in sein Sichtfeld gelangt war und auf einmal machte er einen auf großen Bruder. Er hatte mir doch mehrmals deutlich gemacht, wie wenig er von mir hielt.

Ich fragte mich unwillkürlich, wie er sich wohl Morgen mir gegenüber verhalten würde. War dieses Gespräch eben eine Ausnahme gewesen und er würde morgen genauso kalt und unnahbar sein wie ich ihn kannte? Oder hatte unsere Unterhaltung alles verändert? Auf welchem Stand waren wir jetzt? Freunde waren wir bestimmt nicht aber als Feinde konnte man uns irgendwie auch nicht mehr bezeichnen.

Vielleicht waren wir so etwas wie Leidensgenossen? In meinem Kopf herrschte ein heilloses Durcheinander und die leise Stimme irgendwo in meinem Inneren wurde nicht müde, mich zur Vorsicht zu mahnen. Schon Edwards distanziertes, kaltes Ich hatte in mir eine seltsame Faszination ausgelöst und seine nette, charmante Ausgabe drohte mich völlig aus dem Konzept zu bringen. Wie konnte jemand so unausstehliches wie er, plötzlich so hinreisend und ... anziehend sein? Ich musste aufpassen, durfte nicht zulassen, dass ich mich von Edwards Charme einwickeln ließ. Es wäre... gesünder für mich und mein kaum vorhandenes Selbstvertrauen, wenn ich nicht zuließ, dass ich begann ihn ernsthaft zu mögen. Diese Unterhaltung hatte ihn in keinster weise zu einem anderen Menschen gemacht. Er war nach wie vor arrogant und überheblich, auch wenn ich dieses Gefühl, er hätte mir eben einen Blick auf den richtigen Edward gewährt, nicht verdrängen konnte.

Dazu kam, dass seine Worte von eben pausenlos in meinem Kopf herumspukten und sich wie dicker, wabernder Nebel vor jeden klaren Gedanken schoben. "Inzwischen glaube ich, wir sind uns sogar verdammt ähnlich." Hatte er das ernst gemeint oder war es nur ein Scherz gewesen? Ich erinnerte mich genau an den Klang seiner Stimme, irgendwie bitter und gleichzeitig mit dem Hauch eines Lächelns.

Ich seufzte tief. Als ich mich irgendwann auf der Schwelle zwischen Wachsein und Schlaf befand, hob sich eine einzige Gewissheit hervor, die mich ein bisschen tröstete: Selbst wenn ich dabei sein sollte, ernste Gefühle für Edward zu entwickeln, hieß das noch lange nicht, dass ich ihnen nachgeben musste.

Dann driftete ich ganz in die schemenhafte Welt des Schlafes ab und war den scharfekantigen Bildern meiner Träume schutzlos ausgeliefert.

Es regnete, doch das dunkelgrüne Blätterdach über mir, fing die meisten Tropfen auf, sodass nur wenige zu mir hindurch drangen.

Ich spürte seine Präsenz, obwohl ich ihn nicht sah. Spürte seine dunklen Augen auf mir ruhen.

Er war hier. Panik. Mit einem Schlag waren all die unterdrückten Gefühle von vor einem Jahr wieder da. Angst, Wut, Verzweiflung und unendliche Scham. Ich durfte nicht zulassen, dass das große schwarze Loch mich wieder verschlang. Ich klammerte mich an einem Felsvorsprung fest. Unter mir wartete die Dunkelheit auf mich. Vielleicht würde ich ihr dieses mal nicht wieder entfliehen können. Meine Beine bewegten sich von selbst. Ich hörte seine schnellen Schritte im Laub rascheln. Ich rannte, bis meine Lunge brannte. Er war direkt hinter mir. Plötzlich verstummten die Geräusche seiner Schritte. Ich drehte mich um, doch er war nicht da. Als ich mich wieder umwand, stand Edward vor mir. Seine grünen Augen bohrten sich fragend in die meinen. "Vor was läufst du davon, Bella?"

"Vor meiner Vergangenheit", antwortete ich ohne zu zögern.

Edward

Ich folgte Bella wenige Minuten später nach drinnen. Als ich in meinem Bett gelegen und über unsere Unterhaltung nachgrübelt hatte, mussten mir die Augen zu gefallen sein, denn das Geräusch meines Weckers riss mich unsanft aus dem Schlaf.

Ich stöhnte und drehte mich auf die andere Seite. Die Nacht war verdammt kurz gewesen. Seufzend öffnete ich die Augen, schlug die Decke zurück und versetzte meinem nervtötenden Wecker einen Hieb, der ihn schlagartig zum Verstummen brachte.

Unter dem kalten Wasserstrahl der Dusch erwachten meine Lebensgeister. Als ich wenig später die Treppe hinunter in die Küche ging, drehten sich meine Gedanken schon wieder um das gestrige Gespräch. Ich konnte es immer noch nicht fassen, wie viel die verschlossene Bella von sich preisgegeben hatte.

"Na und, was bedeutet es schon, dass ihr Renees Schwangerschaft nicht gefällt?", fragte die unliebsame Stimme in meinem Kopf. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, warum es mir so wichtig war. Im Grunde war es doch egal wie sie sich fühlte und welche kleinen Dämonen ihren Alltag bestimmten. Es ärgerte mich selbst wie erpicht ich darauf war, wieder mit ihr ins Gespräch zu kommen. Bella war nichts besonderes. Nur ein durchschnittlicher Teenager, der das Pech hatte, eine völlig durch geknallte Mutter zu haben, nicht mehr und nicht weniger. Und trotzdem... Irgendetwas war an ihr, dass mich nicht mehr los ließ. Ich gesellte mich zu meinen Brüdern an den Frühstückstisch, goss mir eine Schale Milch ein und schüttete Cornflakes dazu. Rose und Alice hatten heute mal wieder hier übernachtet. Sie waren schon um diese Uhrzeit bester Laune und unterhielten sich lautstark über irgendwelchen Kram, der nur Frauen beschäftigen konnte. Kein Mann hätte an solche Nichtigkeiten einen Gedanken verschwendet.

"Morgen, Edward!", nuschelte Em und gähnte. "Guten Morgen. Renee und Carlisle sind schon weg, oder?", erwiderte ich, warf einen Blick durch die verglaste Zimmerfront und beantwortete mir die Frage selbst. Carlisles Wagen stand nicht mehr in der Einfahrt.

"Wie immer", meinte Jas und verschlang seinen Toast im Eiltempo. Alice reichte mit eine Tasse Kaffee. Ich trank ihn immer schwarz und ohne Zucker.

Vorsichtig hob ich die bis zum Rand gefüllte Kaffeetasse hoch, um einen Schluck zu trinken. Als ich Bellas vertraute Schritte auf der Treppe hörte, hielt meine Hand auf halbem Weg inne. Inzwischen hatte ich mich schon so an ihre Anwesenheit gewöhnt, dass ich mich dabei erwischte, wie ich auf ihre Schritte lauscht, als wäre unsere morgendliche Begegnung irgendetwas besonderes, erwähnenswertes. Bellas Anblick versetzte mich kurz in Schock. Ihre Haut war auf eine ungesunde Art bleich, die braunen Rehaugen wirkten riesig was durch die dunklen Ringe darunter noch verstärkt wurde.

"Geht es dir nicht gut?", fragte Alice besorgt. Bella winkte ab. "Ich bin nur müde." Doch sie taumelte leicht und als sie sich mit der Hand an der freien Stuhllehne festhielt, sah ich, dass sie ganz leicht zitterte. Sie hob den Kopf, als würde sie meinen Blick auf sich ruhen spüren und zog ihre Hand ruckartig weg. Sie begegnete meinem Blick und versuchte sich an einem Lächeln um mir zu versichern, dass ihr nichts fehlte. Doch ihr Verhalten strafte ihre Bemühungen Lügen. Sie ließ sich schwankend auf ihren Stuhl sinken und goss sich eine Tasse Tee ein. Ihre Hände umklammerten die Tasse so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. "Ist wirklich alles in Ordnung?", hakte Rose nach und sah Bella beunruhigt an. "Du siehst aus wie ein Zombie", informierte Em sie grinsend. "Mir geht es gut", versicherte Bella, dieses Mal mit mehr Nachdruck. Ihre Stimme klang anders als sonst. Ich sorgte mich um sie, doch als "Freunde", welche wir glaube ich seit dem gestrigen Gespräch waren, war es ganz natürlich, dass ich mir Sorgen machte.

Später, als wir auf dem Weg zur Schule waren, schien es Bella nicht besser zu gehen, eher im Gegenteil. Ich parkte auf dem Schulparkplatz und stieg aus. Rose und Em hatten Roses Auto genommen. Tanya wartete schon auf mich. Bei ihrem Anblick musste ich grinsen. Ihr schwarzes Top war so weit ausgeschnitten, dass sie heute mit Sicherheit noch im Büro des Schuldirektors landen würde.

Sie trat auf mich zu und küsste mich. Ich hatte schon mit vielen Mädchen was gehabt, die es in Sachen Erfahrung mit Tanya aufnehmen konnten, aber noch nie mit jemanden, der ernsthaft mit ihr konkurrieren konnte.

"Ich habe Entzugserscheinungen, Edward!", flüsterte sie mit ihrer erotischen Stimme in mein Ohr. Ich wusste nur zu gut, was sie meinte. Das letzte Mal war schon wieder ein paar Tage her. Man konnte mir zu meiner offenen Beziehung wirklich nur gratulieren. Tanya hing nicht an mir dran, wie eine Klette und war bereit wann immer ich Lust hatte.

"Nachher", murmelte ich, legte ihr einen Arm um die dünne Taille und schlenderte mit ihr zu den identischen Schulgebäuden. Als ich wenig später auf meinem Platz in Englisch saß, kam Bella hereingetaumelt. Ihre Haut wirkte fast transparent, ihr Blick war glasig. Mr. Quarrel bedachte sie mit einem wütenden Blick bevor er seine Tasche auf den Tisch knallen ließ und mit dem Unterricht begann. Während der Vormittag an mir vorbeizog, ohne dass ich wirklich realisierte, was ich tat, erwischte ich mich öfters dabei, wie ich in Bellas Richtung schielte.

Wir hatten heute noch nicht miteinander gesprochen. Ich hoffte wirklich, dass Bella sich mir gegenüber längerfristig geöffnet hatte. Seit unserem Gespräch gestern war alles beim alten geblieben und trotzdem war alles anders. Auf meiner imaginären Liste über sie hatte ich weitere aufschlussreiche Eigenschaften hinzufügen können. Der Nebel um ihr Wesen lichtete sich langsam. Wahrscheinlich kannte ich sie viel besser, als sie glaubte.

Woher soll sie denn auch wissen, dass du sie ständig anstarrst?, fragte die Stimme in meinem Kopf trocken. Stimmt. Woher sollte Bella wissen, dass ich sie von Zeit zu Zeit beobachtete. Sicher nicht immer aber ab und zu. Bella war eine nette Ablenkung, sie beschäftigte mich. Der Vormittag verschmolz zu einer einzigen verschwommenen Erinnerung. Irgendwann fand ich mich auf dem Weg zur Cafeteria wieder. Tanya stöckelte neben mir her und die Schüler stoben auseinander und sahen uns mit einer Mischung aus ehrfurchtsvoller Bewunderung und Abscheu an, was nur auf echten Neid zurückzuführen war.

"Kommst du heute nach der Schule mit zu mir?" Ich sah auf und stellte überrascht fest, dass Tanya wütend aussah. Sie war oft sauer, bei ihrem Temperament war das auch nicht weiter verwunderlich doch in den letzten Tagen schien das ihr Dauergemütszustand zu sein. Naja, ich war nicht ihr Seelsorger. Ein weiterer Punkt, warum Beziehungen etwas für Idioten waren. Egal wie ... vortrefflich die Qualitäten eines Mädchens waren, so gut konnten sie nicht sein, um das ewige Gefühlsgequatsche aufzuwiegen, mit dem sie einem ständig in den Ohren lagen. Hätten Tanya und ich eine richtige Beziehung geführt, hätte ich jetzt fragen müssen, was los sei, aber da wir das sicher nicht taten blieb mir die Rolle des Trösters erspart. Zum Glück erwartete Tanya auch nichts dergleichen von mir. "Ja. Ich denke länger hältst du es nicht aus, oder?", gab ich mit dem Anflug eines Grinsens zurück. Wenn man sich Tanya im Bett vorstellen wollte, musste man nur an ein wildes Tier denken. Ein wildes Tier, dass unter meinen Händen zur schnurrenden Katze mutierte. Der Gedanke an schnurrende Katzen brachte mich wieder zu Bella. Ob es ihr schon besser ging?

"Eine Frau hat ihre Bedürfnisse", erwiderte Tanya. Wir betraten die Cafeteria und stellten uns an der Essensausgabe an. Mein Blick wanderte über die Köpfe der zahlreichen Schüler hinweg und hielt wie selbstverständlich an dem Tisch inne, an dem Bella, Alice, Rose, meine Brüder und ein paar ihrer teilweise schwer zu ertragenden Freunde saßen. Bella schien es nicht besser zu gehen, doch immerhin aß sie etwas. Vielleicht spielte einfach ihr Kreislauf verrückt. Mir entging nicht, dass Mike Newton für meinen Geschmack ein bisschen zu nahe neben ihr saß und sich ständig nach ihrem Befinden zu erkundigen schien, was ich unschwer an Bellas genervtem Gesichtsausdruck erkennen konnte.