Alle Personen und Handlungsteile aus 'Harry Potter' gehören Ms Rowling., alle originalen Charaktere gehören Hebe GB, ich bin nur für die deutsche Fassung verantwortlich.
Leliha
Kapitel 25
Sechs Wochen später
Ellen saß im Büro der Krankenstation, umgeben von Stapeln von Nachschlagewerken und Lehrbüchern der Heilkunst, einen Ausdruck höchster Faszination und Versunkenheit auf dem Gesicht. Sie hörte nicht den ersten Hilferuf und bemerkte den zweiten auch erst, als die schweren Holztüren zuschlugen und niemand an der Tür zum Büro erschien. Widerstrebend stand sie von ihrem Stuhl auf, um nach der Ursache des Lärms zu sehen und fand das Mädchen zusammengebrochen auf dem Boden, sich vor Schmerze windend.
Sie eilte zu ihr und erkannte sofort Hermine Granger, erinnerte sich, dass ihre Mutter sich heute mit der jungen Hexe treffen wollte, um ihre zukünftige Ausbildung zu besprechen.
„Hermine, ich bin Ellen. Können Sie mir sagen, was Ihnen fehlt?"
Zwischen keuchenden Atemstößen brachte Hermine mühsam die Worte hervor: „Mein Bauch…tut…so…weh."
Ellens bewährter sechster Sinn setzte ein, erkannte etwas, worum sie sich schnell und diskret kümmern musste. Sie orderte Flo herbei, verpflichtete sie zur Geheimhaltung und sagte ihr, wo sie Madam Pomfrey finden konnte, die vor dem Schulbeginn in einigen Wochen ihren wohlverdienten Urlaub genommen hatte. Im Stillen dankte sie Minerva, die darauf bestanden hatte, dass sie einfache und fortgeschrittenere Zaubersprüche bei jeder sich bietenden Gelegenheit übte und schwenkte mit erstaunlicher Sicherheit ihren Zauberstab um Hermine in die nächste Kabine zu befördern.
Als Hermine sicher im Bett lag, wies sie sie mit der ihr eigenen sicheren Autorität an, sich von ihr untersuchen zu lassen. Das arme Mädchen zuckte zurück und wehrte sich, schrie schon bei der leichtesten Berührung ihres Bauches auf.
Ellen feuerte eine Salve von Routinefragen auf sie ab, auf die sie bereits die Antwort zu wissen glaubte und kam dann zum Kern der Sache.
„Hermine, besteht die Möglichkeit, dass Sie schwanger sind?"
„Nein", keuchte diese.
„Nicht die geringste?"
„Ich…ich…ich habe den Spruch benutzt", brachte sie heraus und verzog vor Schmerzen das Gesicht, Schweißtropfen auf der Stirn.
„Wie lange ist das her?"
„Wochen….ich habe geblutet…es ist nicht möglich."
Ellen hob die Hand, als sie hörte, wie die Tür zufiel und die Röcke der Krankenschwester beim Näherkommen raschelten.
„Ich fürchte doch", entgegnete sie, drückte der jungen Frau die Hand und strich ihr das Haar aus der Stirn.
Sobald Poppy Hermine sah, eilte sie mit gezücktem Zauberstab zu ihr, aber Ellen hob die Hand und hielt sie zurück.
„Ich glaube, es ist eine Tubargravidität – gibt es etwas, was Sie tun können?"
Poppy sah einen Moment lang pikiert drein, aber etwas in Ellens selbstsicheren Verhalten ließ sie ihr Glauben schenken, auch wenn ihr der Fachbegriff unbekannt war..
„Tubar…was, Madam Snape?"
„Das Kind wächst im Eileiter heran…nicht in der Gebärmutter", versuchte Ellen zu vereinfachen ohne herablassend zu wirken. „Ich habe über Transfer- und Stasiszauber gelesen. Ist das wirklich möglich?"
Hermine stöhnte. „Ich kann nicht schwanger sein."
„Doch, Sie sind es, meine Liebe", bestätigte Poppy, als die Spitze ihres Zauberstabs gelb leuchtete und zauberte dann eine grüne Phiole herbei.
„Das wird Sie ein bisschen müde machen, aber dann wird es Ihnen viel besser gehen."
„Ich es sicher…für das Baby?" flüsterte Hermine und ließ ihren Tränen freien Lauf.
„Ganz sicher", antwortete Poppy, half ihr beim Trinken und strich ihr über das Haar.
„Und?" begehrte Ellen ungeduldig, „ist es möglich?"
„Ja, aber sie sollte nach St. Mungo gehen. Ich habe mit diesen Verfahren keine Erfahrung und ich glaube, dass es in diesem akuten Zustand sehr schwierig ist."
„Ihr bleiben nur Minuten…können Sie sie so schnell hinbringen?"
„Minuten? Woher wissen Sie das?"
„Kann ich nicht erklären. Normalerweise liege ich da meistens richtig…Sie müssen mir vertrauen. Können Sie sie dorthin transportieren oder müssen wir es hier machen?"
„Ich kann sie so schnell weder dorthin bringen noch einen Heiler hierher ordern…Ich war noch nie in der Situation, diese Zauber zusammen anzuwenden. Sind Sie sicher, dass sie das will, vielleicht sollten wir der Natur ihren Lauf lassen und nur sie retten?"
Hermine murmelte etwas Unverständliches, bevor sie beinahe das Bewusstsein verlor, so dass Ellen für sie antwortete: „Sie will, dass wir es versuchen."
„Wie um alles in der Welt wollen Sie das wissen?"
„Ihr erster Instinkt war, das Kind vor dem möglicherweise gefährlichen Trank zu schützen, sie möchte, dass wir es versuchen."
Poppy lenkte ein und bestückte mit einer Effizienz, die Ellen bemerkenswert fand, die Kabine mit diversen Phiolen, Zaubertränken und Geräten.
Ihren Zauberstab über Hermine haltend, zauderte Poppy.
„Ich bin mir nicht sicher, dass ich das kann."
„Wir haben keine Zeit für Zweifel. Machen Sie schon, Frau", zischte Ellen.
„Es könnte sie umbringen", sagte Poppy besorgt und senkte den Zauberstab, „ich kann es nicht. Wir sollten es einfach entfernen, das geht schneller und ist sicherer."
Ellen starrte die Krankenschwester fassungslos an, sie wusste, dass sie ohne Zweifel die Fähigkeiten besaß, aber gehemmt wurde durch den Druck, dass Hermines Leben auf dem Spiel stand.
„Sie würde wollen, dass Sie es versuchen", sagte sie mit großem Nachdruck.
„Ich will sie nicht dem Risiko aussetzen!"
„Dann bereiten Sie den Stasisbehälter vor und gehen Sie zur Seite."
„Sie können das nicht machen! Sie haben Ihre Magie doch erst seit ein paar Wochen."
„Es sind keine komplizierten Sprüche, sie erfordern nur Konzentration und Kenntnisse der Anatomie. Ich habe kompliziertere Eingriffe im Schlaf erledigt."
„Als Muggel!" rief Poppy entsetzt.
„Zauberstab oder Skalpell, das ist irrelevant, und wir verlieren kostbare Zeit."
Sie stöhnte ungeduldig, als Poppy weiterhin nur dastand und sie ob ihrer offensichtlichen, profunden Arroganz mit offenem Mund anstarrte und positionierte ihren Zauberstab zum Start des Zauberspruchs.
„Ich hole Severus, er macht diesem Quatsch ein Ende."
„Tun Sie das, wenn Sie denken, dass Miss Granger möchte, dass ihr Schuleiter von ihrem Missgeschick erfährt und wenn Sie glauben, Severus hätte Mitgefühl."
Poppy zögerte und Ellen fing an, die Worte zu flüstern, die die Mutter in Schlaf sinken lassen und das Kind beschützen würden, bevor sie sich auf die Schneide- und Heilzauber konzentrierte. Sie war ganz darauf fokussiert, ein Schutzfeld aufrecht zu erhalten und ihre eingespielten chirurgischen Fähigkeiten bestätigten innerhalb weniger Minuten ihre Diagnose. Sie bat Poppy, den Stasiszauber anzuwenden und den Embryo in den Schutzbehälter zu überführen, während sie die Haut- und Gewebeschichten verheilte. Kurz bevor Poppy verkündete, dass der Embryo sicher in seinem Glas war, hatte sie ihre Arbeit beendet.
„ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, Madam Snape. Dass Sie das nach wenigen Wochen schaffen, ist mehr als erstaunlich. Es tut mir leid, dass ich an Ihnen gezweifelt habe, aber mir lag nur Hermines Wohl am Herzen", murmelte Poppy, während sie Diphtamsalbe auf die Haut über der frischverheilten Wunde auftrug, um die Heilung zu beschleunigen.
„Sagen Sie Ellen zu mir, Poppy…ich kann Ihr Zögern verstehen. Ich konnte auch bei den Muggeln nie erklären, warum ich diese Dinge wusste. Ich fühle sie, spüre die Gegenwart von Krankheit und Verletzung. Ich wusste, wenn es ein hoffnungsloser Fall war oder wenn wir nur wenig Zeit hatten. Mutter glaubt, ich habe möglicherweise einige besondere Fähigkeiten von meiner Großmutter geerbt, offenbar war sie eine mächtige Heilerin."
„Das scheint tatsächlich so zu sein… sie wacht auf."
Hermine kam zu Bewusstsein, Panik und Angst in ihren glänzenden braunen Augen.
„Was ist passiert…das Baby?" krächzte sie heiser.
Ellen zauberte einen Stuhl herbei und setzte sich neben sie, während Poppy alle Gerätschaften bis auf das Stasisglas wegräumte.
„Das Baby ist sicher", sagte Ellen und hob das Glas hoch. „Es ist nicht dort gewachsen, wo es sollte und das hat Sie in Lebensgefahr gebracht. Wir konnten es nicht einfach transplantieren, die Gebärmutter und das umgebende Gewebe waren noch zu mitgenommen, Sie hätten das Kind immer noch verlieren können. Jetzt haben Sie eine Wahl. Wir können einen Monat oder so warten und dann versuchen, das Kind in die richtige Position zu bringen, damit Sie hoffentlich Ihre Schwangerschaft fortsetzen können, wenn auch mit einem Monat Verspätung, oder wir können warten, bis zu einem von Ihnen gewählten Zeitpunkt, oder Sie sagen mir, dass Sie die Schwangerschaft nicht fortsetzen wollen und ich werde mich um alles kümmern; es liegt bei Ihnen Hermine."
„Ich bin jetzt dafür nicht bereit…ich war so vorsichtig…es ist nicht fair."
„Sie werden nicht bestraft, Hermine. Madam Pomfrey und ich sagen niemandem etwas. Keiner braucht es zu wissen, wenn Sie es nicht wollen. Wir werden sagen, Sie hatten… Blinddarmentzündung… Wie steht es mit dem Vater, können Sie ihn um Rat fragen?"
Hermine zuckte zusammen, als habe sie Schmerzen und presste heraus: „Es ist kompliziert. Ich gehe ihm aus dem Weg und ich bin sicher, dass er auch noch nicht zur Vaterschaft bereit ist."
Poppy verabreichte ihr einen weiteren Schmerz- und Beruhigungstrank.
„Sie müssen diese Entscheidung nicht jetzt treffen. Sie müssen sich Zeit lassen. Es muss ein großer Schock für sie sein und unter Schock treffen wir nicht die besten Entscheidungen."
Der Trank entfaltete seine Wirkung und Hermine starrte Ellen mit schweren Lidern an.
„Wie konnte das passieren? Ich war so vorsichtig und wir haben es nicht leichtfertig gemacht, wir wollten heiraten."
„Wirklich?"
„Ja, bis er mich enttäuscht hat."
„Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie immer noch etwas für ihn empfinden, Hermine?"
„Ja."
„Dann sorge ich dafür, dass diese ‚kleine Sache' gut versorgt wird, bis sie beide bereit sind."
Hermine wischte sich die Tränen ab, die unkontrolliert auf das Laken tropften und hob dann erschöpft eine fragende Augenbraue.
„Madam Snape?"
„Ja."
„Was ist, wenn wir nie bereit sind?" brach es aus ihr heraus, während sie mit den Tränen kämpfte.
Ellen wandte sich mit dem Behälter zum Gehen und lächelte sacht.
„Diese Frage müsse wir nicht jetzt beantworten. Erst brauchen Sie Zeit zu heilen, körperlich und seelisch. Abe Sie sollten es dem Vater sagen…und wahrscheinlich je eher desto besser."
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Weitere sechs Wochen später:
„Ach, Mist!" rief Ellen ungeduldig aus und warf ihren Zauberstab quer durch den Klassenraum.
„Es hat keinen Sinn, ich kann es einfach nicht", seufzte sie und ließ sich mutlos in den nächsten Stuhl fallen.
„Unsinn, es ist nur eine einfache Frage der Übung. Es ist ein schwieriger Zauber, du solltest nicht so hart mit dir selbst sein", beruhigte ihre Mutter sie.
„Ich übe schon seit Wochen und bin immer noch allerhöchstens mittelmäßig."
Minerva zauberte den Stab wieder her und rollte ihren Stuhl zu ihrer Tochter, legte ihr eine mitfühlende Hand auf die Schulter.
„Du hast dich gerade erst erholt, Elena. Wir haben doch schon darüber gesprochen, alle Heiler waren der Meinung, dass nur eine besonders mächtige Hexe das durchgemacht haben könnte, was du durchgemacht hast, ohne Schaden davonzutragen, noch dazu im schwangeren Zustand. Du hast in ein paar Monaten mehr erreicht als man sich vorstellen kann. Deine Reserven sind erschöpft, das ist alles. Zeit und kompetente, liebevolle Pflege…das ist alles, was du brauchst…übrigens: Wan kommt Severus zurück?"
„Ich glaube, er kam letzte Nacht."
„Du glaubst?"
„Ich habe schon geschlafen und er war schon bei der Arbeit als ich aufwachte. Er hat mir einen Zettel hinterlassen."
„Einen Zettel…wie rücksichtsvoll…"
Ellen drehte langsam den Kopf und starrte Minerva in sanfter Wut an.
„Zum letzten Mal, es gibt keine Probleme zwischen Severus und mir. Er hat nur einfach extrem viel zu tun."
„Niemand hat so viel zu tun, Elena, und du vergisst, dass ich Seveus Snape fast schon sein ganzes Leben lang kenne…ich mache mir einfach Sorgen…behandelt er dich gut? Er verlangt doch nicht…zu viel von dir?"
„Ist das die Art der Unterhaltung, wie ich sie mit meiner Mutter führen sollte?" scherzte Ellen und stand auf, um ihre Verwandlungsübungen wieder aufzunehmen und das Thema zu wechseln.
„Ich glaube eher, dass wir die Zeiten, die das peinlich machen sollten, übersprungen haben; das höchste, was ich mir erhoffen kann, ist, dass du mich als Freundin betrachtest."
Ellen ließ ihren Zauberstab sinken, sie hatte schon immer gewusst, dass sie früher oder später auf dieses Thema zu sprechen würden kommen müssen, aber in den letzten drei Monaten hatte sie so viel lernen und sich an so vieles gewöhnen müssen, dass sie es vermieden hatte, davon anzufangen. Sie musterte das stolze Gesicht ihrer Mutter, die gestrafften Schultern und aufrechte Haltung, bereit, jede Art von Antwort, die sie ihr geben würde, zu akzeptieren, und ertappte sich wieder einmal dabei, wie sie sie bewunderte.
„Würdest du sich damit zufrieden geben?" fragte sie leise.
„Ich wäre mehr als zufrieden, Elena", antwortete sie mit viel Gefühl in der Stimme.
„Dann hätte ich gerne, dass du mir einen Gefallen tust…als meine Freundin…nenn' mich Ellen. Ich weiß nicht, wer Elena ist…ich denke, sie ist eine Erinnerung…und Ellen ist hier und jetzt gegenwärtig."
Minerva lächelte, rollte vor und tätschelte Ellens Hand.
„Dann also Ellen, aber sei mir nicht böse, wenn ich es ab und zu vergesse…jetzt aber zurück zum Thema…Severus."
Ellen setzte sich müde wieder hin. Ihr war nun klar, wo ihre eigene Sturheit her kam. Sie hatte nie gerne unbequemen Wahrheiten ins Auge geblickt, besonders, wenn sie sich dem gefühlsmäßig überhaupt nicht gewachsen fühlte. Minerva spürte ihr Unbehagen sofort.
„Was ist los?...Drängt er dich? Verlangt er zu viel?"
„Ganz im Gegenteil", gestand Ellen kläglich. „Er ist sehr….rücksichtsvoll…sogar ein bisschen zu distanziert…und er hat mich seitdem nicht mehr angefasst", fügte sie hinzu und deutete auf ihren Bauch.
„Na ja, gut…vielleicht fühlt er sich nicht wohl, wenn er…intim mit dir ist…wenn du schwanger bist…einigen Männern geht das so…", murmelte Minerva leicht verlegen.
„Vielleicht…es scheint mehr zu sein…es scheint, als habe ich ihn irgendwie verletzt."
„Das passiert schnell… hast du mit ihm darüber gesprochen?"
„Das ist es ja gerade, abgesehen von vagem Smalltalk und Fragen bezüglich meines Wohlbefindens scheint es, als gehe er mir aus dem Weg. Ich weiß, dass er viel zu tun hat…ist das immer so bei einem Schulleiter?"
Minerva richtete sich auf und bedachte Ellen mit einem gespielt bösen Blick.
„Kein Wunder, dass du dich schlecht fühlst, wenn du über all das nachgrübelst. Grübeln ist nicht gut für das Baby. Ich kümmere mich darum, dass Severus heute Abend etwas freie Zeit hat. Sprich mit ihm, Ellen, es nicht gut, wenn man solche Dinge unausgesprochen lässt."
Ellen nickte, stand auf und begann wieder mit ihren Übungen, während sie die ganze Zeit darüber nachdachte, wie sie das Gespräch mit Severus am besten anfangen sollte. Sie war sich nicht sicher, ob sie bereit war, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Sie hatten falsch gelegen, das Amulett hatte ihn ganz offensichtlich verzaubert und jetzt hatte der Zauber nachgelassen. Warum er bei ihr jedoch länger anhielt, war ihr noch ein Rätsel. Vielleicht lag es an der Schwangerschaft. Woran es auch immer lag, es war klar, dass Severus seine Meinung über sie und das Baby geändert hatte. Ihre Mutter hatte recht, das Grübeln brachten ihr überhaupt nichts.
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„Du musst zurückgehen, Draco, es ist eine der Bedingungen für deine Freilassung."
„Ich mache mich doch zum Gespött aller, Vater."
Lucius Malfoy warf seine Ausgabe des Tagespropheten auf den Tisch und seinem Sohn einen vernichtenden, stählernen Blick zu.
„Du hast keine Wahl, wenn du uns nicht alle zurück in Askaban haben willst. Du musst deine Ausbildung in Hogwarts beenden, das Ministerium hat darauf bestanden. Sie sind verpflichtet, ein Auge auf dich zu haben…und deine Weste muss weißer als weiß bleiben. Zumindest muss ich mir, solange, wie du dort bist, keine Gedanken darüber machen, dass du versuchst Xanthos zu finden."
„Ich kann doch nicht nichts tun, Vater. Er führt diese Idioten von Auroren an der Nase herum – sie haben keinen Schimmer, wo er ist."
„Sie halten ihn für tot, Draco. Seit seinem Zersplintern hat man nichts mehr von ihm gehört. Ich bin sicher, sie haben Recht und er hat seine Verletzungen falsch eingeschätzt. Sie werden bald seine Leiche finden."
„Er lebt, ich weiß es!" rief Draco.
Lucius sprang auf und drückte mit seinem Spazierstock Draco gegen die Wand.
„Wir lassen uns nicht dabei ertappen, wie wir IRGENDETWAS tun, was mit unserem früheren Leben zusammenhängt. Das schließ die Suche nach Xanthos mit ein…habe ich mich klar genug ausgedrückt, Draco?"
„Aber…"
„Habe ich mich klar genug ausgedrückt?!" sagte er wütend und drückte fester mit dem Stock zu.
„Ja, Vater."
Lucius ließ seinen Sohn mit einem knappen Nicken los und fuhr fort:
„Dann begleite deine Mutter zur Winkelgasse, dort kannst du heute alles kaufen, was du noch brauchst, und Draco…wir können es uns nicht leisten, dass du mir nicht gehorchst, wir sind nur knapp am Gefängnis vorbeigeschrammt und Shacklebolt wird nicht aufhören, uns über die Schulter zu schauen. Das geringste Vergehen und er wird dafür sorgen, dass wir lebenslänglich hinter Schloss und Riegel kommen…Habe ich mich klar genug ausgedrückt?"
„Glasklar."
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Jane Granger hatte die Blindarmentzündungsstory nicht einen Moment lang geglaubt. Hermine hatte einen Großteil der letzten Monate in dem neuen gemieteten Haus ihrer Eltern in Devonshire verbracht. Sie hatte in Zusammenarbeit mit dem Ministerium an einer plausiblen Erklärung für ihre Abwesenheit gebastelt und ihnen bei der Haussuche und dem Einrichten einer Zahnarztpraxis geholfen. Jane hatte anfangs gefragt, was mit Ron sei, aber Hermine war äußerst zurückhaltend gewesen, sagte nur, dass sie jetzt nicht die Energie habe, sich um ihn Sorgen zu machen. Die scheinbar endlose Folge von Begräbnisfeiern, Gedenkfeien und Untersuchungen hatte Hermine verständlicherweise erschöpft. Sie hatte sich anfänglich zurückgezogen, war emotional labil gewesen, hatte Briefe von Freunden ignoriert und Krankheit vorgeschützt, als Harry persönlich vorbeigekommen war. Und dann war sie plötzlich an Blinddarmentzündung erkrankt, als sie Hogwarts besucht hatte, um über die bestmögliche Fortsetzung ihrer Ausbildung im kommenden Schuljahr zu sprechen, und ein Blick auf das verstörte Wesen, das nach Hause zurückgekommen war, sagte Jane, dass dies eine Lüge war.
Während der nächsten Wochen hatte sie ihre Tochter dabei beobachtet, wie sie sich bis über beide Ohren in solch langweilige Dinge wie Vorhangmuster und die Auswahl an Zahnarztstühlen gestürzt hatte, und ihr war klar, dass sie verzweifelt versuchte, etwas Großes zu ignorieren. Hermine weigerte sich, über alles auch nur entfernt persönliche zu reden, es kamen weiterhin Briefe und blieben ungelesen, und die einzige Person, deren Besuch Hermine akzeptierte, war Ellen Snape, die Frau des Schulleiters – zu mehr Erklärungen war Hermine nicht bereit.
Schließlich hatte Jane damit gedroht, mit dem Schulleiter Kontakt aufzunehmen, um Auskunft zu erhalten, was wirklich geschehen war, und dann war Hermine endgültig zusammengebrochen. Zusehen zu müssen, wie ihre hübsche, tapfere, bemerkenswerte Tochter sich in einer Welle von Verzweiflung auflöste, hatte Jane fast das Herz gebrochen, und das Geständnis über das Baby füllte sie mit überwältigender Wut. Sie hatten stundenlang miteinander gesprochen, Hermine hatte schließlich, nachdem sie völlig erschöpft in den Armen ihrer Mutter eingeschlafen war, einer Nachricht an Ron zugestimmt.
Und so stand Jane am Küchenfenster, wachte über Hermine, als sie das schwierigste Gespräch ihres Lebens begann.
„Ich war mir nicht sicher, ob du kommen würdest."
„Warum nicht? Ich habe dir bestimmt tausend Briefe geschickt."
„Ich hab sie nicht geöffnet."
„Das dachte ich mir", antwortete Ron düster.
„Wie geht es den anderen?" fragte Hermine bemüht fröhlich.
„Das kannst du dir doch denken. Sie machen sich deinetwegen Sorgen, versuchen aber, es sich nicht anmerken zu lassen."
„O, ich wollte es nicht noch schwerer für sie machen?"
„Was dachtest du denn, was passiert, wenn du auf Tauchstation gehst? Dass wir das mit einem Schulterzucken abtun und einfach weitermachen? Wir machen uns Sorgen um dich, Mine, du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt."
„Wenn du dir solche Sorgen gemacht hast, warum hast du dann Harry geschickt?"
„Hättest du mich sehen wollen?"
„Wahrscheinlich nicht."
„Na also."
„Es wäre trotzdem besser gewesen, wenn du gekommen wärst!" entfuhr es Hermine und sie wandte den Kopf weg.
Ron stand auf und lehnte sich über den Gartentisch.
„Du meinst also, es wäre dir lieber gewesen, du hättest mich zurückweisen und wegschicken können. Mich kannst du ruhig hassen, Hermine, aber es war völlig daneben von dir, Harry so zu behandeln."
„Ich entschuldige mich bei ihm."
„Das ist das mindeste, was du tun kannst. Und warum musste deine Mutter mich bitten hierherzukommen?" fragte Ron bitter.
„Ich…ich…"
„Spuck's aus, Hermine…warum? Warum bist du weggegangen, zurück nach Australien mit deinen Eltern? Warum hast du mich vergessen, alle Versprechen, die du mir gemacht hast? Ist es so leicht, Hermine? Denn für mich ist es verdammt noch mal nicht so leicht zu vergessen!"
„Gut!" fauchte Hermine. „Ich hoffe, es hat dich innerlich auseinandergerissen, dann kannst du vielleicht ein Zehntel von dem nachvollziehen, was ich durchgemacht habe."
„Was du durchgemacht hast? Ich war derjenige, der ausgeschlossen war, der sich gefragt hat, was zum Teufel ich tun kann, um es wieder einzurenken. Ich weiß, ich habe dich verletzt, wirklich schwer verletzt, aber wie kann ich auch nur versuchen, es wiedergutzumachen, wenn du mich weder sehen noch mit mir reden willst?"
Hermine hätte ihm am liebsten eine runtergehauen, wirklich ganz fest, aber sie hatte sich vorgenommen, sich unter Kontrolle zu halten. Sie blickte auf und sah, wie ihre Mutter ihr durch das Fenster aufmunternd zulächelte, also ballte sie die Fäuste, holte ganz tief Luft und fuhr in mäßigem Tonfall fort.
„Zuerst war ich sauer…und dann…war ich krank…"
„Ja, das wissen wir, Mine. Neville hat so was gesagt. Blinddarm, oder? Konntest du dir nicht denken, dass wir das gerne von dir selbst gehört hätten, anstatt es Wochen später durch Neville herauszufinden?"
„Woher wusste Neville davon?" fragte Hermine etwas zu besorgt.
„Er hat bei Sprout beim Reparieren der Gewächshäuser und der Kräuterkundeabteilung mitgeholfen. Er hat gesehen, wie Madam Pomfrey dich zum Tor gebracht hat, du hast krank ausgesehen und er hat sich Sorgen gemacht, also hat er sie gefragt. Er hat angenommen, wir wüssten es alle…wir sahen ganz schön doof aus… aber egal, warum sollte Neville es nicht wissen, er ist dein Freund, oder?...Komm schon, was verschweigst du mir?"
Hermines Augen blieben auf das Gras geheftet, ihr Herz fühlte sich bleischwer an, aber es hämmerte wie ein Kolben in voller Fahrt.
„Es war keine Blinddarmentzündung."
Sie hatte jetzt seine volle Aufmerksamkeit, er dachte nicht mehr an seine Wut, ihre Körpersprache signalisierte ihm, dass sie Kummer hatte und sofort wurde er unglaublich besorgt.
„Mine, was ist los? Sag es mir bitte", flehte er und versuchte, ihre Hand zu fassen, aber sie zog sie weg und verschränkte die Arme, wie um sich selbst zu umarmen.
„Ich war schwanger", sagte sie mühsam und holte tief Luft, als sie die Worte ihren Lippen entweichen hörte.
Ron blieb ungewöhnlich still, sie hatte erwartet, dass er mit irgendetwas banalem oder unpassendem lossprudeln würde und die Stille machte sie unruhig.
„War schwanger?" brachte er schließlich hervor, seine Stimme leise und angestrengt.
Das war er, sie war sich sicher, das war der Moment, in dem ihr Herz endgültig brach. Ihre guten Vorsätze verschwanden augenblicklich und sie fing an zu weinen, ihr Körper zitterte und sie registrierte nicht, wie er an ihre Seite eilte, sie von ihrem Stuhl zog und seine Arme um sie schlang.
Als ihr Schluchzen nachließ, setzte er sie vorsichtig wieder hin und zog seinen eigenen neben sie, nicht willens, ihre Hand loszulassen.
„Was ist passiert, Mine, bitte? Ich muss es wissen."
Hermine konnte nicht anders, sie musste ihn ansehen, sie war überrascht von dem Schmerz in seiner Stimme und ein kurzer Blick in seine Augen zeigte ihr eine Furcht, die sie selten bei ihm gesehen hatte.
O Gott – er denkt, du hast abgetrieben.
„Ich wusste es nicht, ich schwöre es. Ich dachte ein paar Tage lang, ich hätte heftige Magenschmerzen und dann wurden sie plötzlich unerträglich. Es war eine Eileiterschwangerschaft, Ron….es wuchs nicht am richtigen Platz, ich hätte sterben können…aber Ellen…Madam Snape…sie war unglaublich, sie hat mich gerettet…sie hat auch das Baby gerettet…"
Rons Gesicht war voller Erleichterung, Besorgnis und Verwirrung.
„Aber….du hast gesagt, du warst schwanger…wie denn?"
„Das Baby…sie konnte eine Stasiszauber anwenden…es könnte möglich sein, es zurückzutun an die richtige Stelle…ich könnte das Baby immer noch bekommen, wenn es richtig einwächst."
Ron war perplex, seine einzige Reaktion bestand darin, ihre Hand fester zu umfassen.
„Ich hätte dich verlieren können, Mine, und ich hätte es nicht einmal gewusst, du hättest es mir viel früher sagen sollen, wir hätten darüber sprechen sollen, wir hätten es zusammen durchstehen sollen."
„Es tut mir leid…ich war doch so wütend auf dich, als es passiert ist…aber jetzt erscheint das alles irgendwie unwichtig…Ron, ich weiß nicht, was ich tun soll…ich weiß es einfach nicht…ich bin noch nicht bereit dafür, aber ich kann es nicht ertragen, daran zu denken, dass unser Baby in einem Glas aufbewahrt wird…das ist doch grotesk."
Ron strich ihr die unbändige Mähne aus dem Gesicht und umfasste ihre Wange.
Sie ist sogar dann schön, wenn sie beschissen aussieht, dachte er, während er ihre rotgeränderten Augen, ihre fleckige Haut und die dunklen Ringe unter ihren Augen betrachtete.
„Ich will das nicht vermasseln, indem ich das Falsche sage. Darin bin ich ziemlich gut, falls du das noch nicht bemerkt haben solltest."
Er pausierte kurz und fuhr dann fort, ermutigt durch ein ganz kurzes, tränenerfülltes Lächeln.
„Ich weiß nicht, was jetzt richtig ist, um ehrlich zu sein, bin ich ein bisschen geschockt. Ich weiß sicher, dass du die klügste, schönste und begabteste Hexe bist, die ich je kennenlernen werde und ich weiß sicher, dass du mir sagen musst, ob es auch nur die geringste Chance gibt, dass du mir vergeben kannst, weil ich sicher weiß, dass ich dich und unser Kind will, …wenn du bereit dazu bist."
Das leise Schluchzen setzte wieder ein.
„Scheiße…siehst du…ich weiß nicht, was ich sagen soll, Mine…wie soll ich das nur wieder einrenken…sag es mir… was auch immer es ist…ich tue es."
„Halte mich ein bisschen", flüsterte Hermine und vergrub sich in seinen weichen, dünnen Wollpullover; sie fühlte sich vollauf getröstet, als seine Arme sie umfingen.
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Er hatte nicht geplant an diesem Abend mit ihr zu sprechen, aber die Unkenntnis wurde zunehmend lästig und Minerva hatte seltsam hartnäckig darauf bestanden, dass sie sich unter vier Augen mit Dumbledores Porträt in seinem Büro unterhalten müsse. Er hatte keine Ahnung, wie lange das dauern würde, aber vielleicht wusste dieser ‚nichts-von-höflichem-durch-die-Blume-Andeutungen-haltenden-Schottenmusterterrier', das Ellen mit ihm sprechen musste. Vielleicht musste er gar nicht davon anfangen, vielleicht hatte sie vor zu beichten. Die Zeit lief ihr davon, bald würde ihr Schwindel auffliegen.
Unzählige Male hatte er neben ihr gesessen während sie schlief, hätte er den Zauberspruch sagen können, sich Gewissheit verschaffen können, aber was, wenn es nicht sicher war? Nein, er wollte es von ihr hören, wollte ihre tiefsten Beweggründe und Entschuldigungen hören und sie dann zum Schlosstor geleiten. Er würde sich nicht zum Narren halten lassen, er könnte es nicht ertragen, sie anzusehen, sie konnte ihr Leben auf der anderen Seite der Erde führen und damit glücklich werden.
Als er die Tür zu seinen Räumen etwas heftiger zuschlug, als er es beabsichtigt hatte, bemerkte er ärgerlich, dass sie ihn missbilligend anstarrte und dass Ronald Weasley in seinem Sessel am Kamin saß.
„Weasley…was machen Sie hier?"
„Ron ist mein Gast, Severus", sagte Ellen bestimmt und bedeutete Ron, sitzenzubleiben, als sein Direktor sich drohend vor ihm aufbaute.
„Wie…angenehm", sagte er höhnisch. „Wie lange noch dürfen wir mit der Freude dieses Besuches rechnen?"
Ron stand auf und warf Ellen einen verständnisvollen und entschuldigenden Blick zu.
„Nein…es ist schon gut, Madam Snape, ich war gerade am gehen…ich weiß alles, was ich im Moment wissen muss…danke schön."
Und damit nickte er Snape zu und lief fast fluchtartig zur Tür, während eine wütende Ellen auf den Hinterkopf ihres Mannes starrte.
„Was hast er hier gemacht?" fragte dieser ohne sich umzudrehen.
„Das spielt keine Rolle. Was musst du dich so aufspielen? Das sind unser beider Räume, denke ich, und er war mein Gast."
„Muss ich also damit rechnen, dass du regelmäßig die älteren Schüler in meiner Abwesenheit in unser beider Räumen empfängst?"
Ellen schoss in die Höhe und sah ihn an. Sein Gesicht war neutral, aber seine Augen waren voller Wut.
„Wie kannst du es wagen…das ist widerlich…ich weiß nicht, was zum Teufel in dich gefahren ist, aber ich muss nicht hierbleiben und mir diesen Mist anhören…ich mache einen Spaziergang."
Die Tür verschloss sich und das Feuer im Kamin ging aus. Panik flackerte in Ellen auf, denn keiner der einfachen Zaubersprüche, die sie kannte, boten ihr eine Möglichkeit des Entkommens.
Sie konnte fühlen, dass er direkt hinter ihr stand, seine Gegenwart machte sie unbehaglich.
„Lass mich gehen, Severus", sagte sie so ruhig sie es vermochte.
„Nur zu gerne, ich packe auch für dich und begleite dich von hier fort…sollen wir?" erbot er sich scharf, schob sie zur Schlafzimmertür, die sich spontan öffnete, so dass sie sehen konnte, wie sich ihre Sachen in ein paar Truhen zusammenfalteten.
Sie ließ sich von ihm durch die Tür schieben und fuhr dann herum und sah ihn an, ihr Gesicht voller Schock und Verwirrung.
„Ich verstehe das nicht", sagte sie schwach.
„Du gehst, man sollte meinen, das sei offensichtlich."
„Dann war es eine Lüge, du wolltest nie mich oder das Baby. Warum nur hast du das getan, warum hast du den Eindruck erweckt, dass du mich…uns wolltest?" fragte sie ängstlich und voller Entsetzen.
Er breitete seine Arme aus und machte eine übertriebene Verbeugung, sein Umhang bauschte sich um ihn.
„Bravo, Ellen. Du wirkst beinahe echt."
„Was zum Teufel meinst du?" schrie sie.
„Und du spielst mir immer noch etwas vor, tust so, als geschehe dir Unrecht", zischte er, packte sie beim Handgelenk und schleuderte sie rücklings auf ihr Bett.
Erschrocken und jetzt deutlich voller Angst versuchte sie, sich auf die Ellenbogen hochzuschieben und zurück zu rutschen, aber er setzte sich neben sie und drückte sie hinunter.
„Sollen wir mal nachsehen, wie es dem Baby geht, bevor du gehst?" knurrte er und feuerte den abgewandelten Sonoruszauber ab, der den Herzschlag des Babys verstärken sollte.
Er hatte erwartet, nichts zu hören und es dauerte ein paar Sekunden, bis er die schnellen Schläge registrierte. Sein verwirrter Ausdruck verwandelte sich schnell in Hass, als er sie ungläubig anfuhr:
„Wieviel länger wolltest du noch warten?"
Ellen starrte ihn völlig fassungslos an.
„Bitte, Severus, sag mir, was du denkst, dass ich getan habe."
„Das weißt du genau."
„NEIN, WEISS ICH NICHT!" schrie sie, drückte die Hacken in die Matratze, warf sich herum und versuchte, sich aus seinem Griff zu entwinden.
„LÜG MICH NICHT AN", brüllte er zurück und packte ihren Arm schmerzhaft fest, „DU HAST VOR, MEIN KIND ZU TÖTEN!"
„Was?" keuchte Ellen starr.
Severus hielt ihren Arm wie in einem Schraubstock, während er in schmerzhaft kaltem Tonfall fortfuhr:
„Hast du gedacht, ich würde es nicht merken? Wolltest du sagen, es sei eine Fehlgeburt gewesen? Du hast nur eines übersehen, Ellen, ansonsten warst du sehr überzeugend, hast mich eine ganze Weile an der Nase herumgeführt."
„Bitte, Severus, ich…"
„ES REICHT! Genug von deinen Lügen. Du hast offenbar nicht gewusst, dass ich alle Ausgaben genehmigen muss. Ich sehe alle Rechnungen und Zahlungsaufträge, inklusive der für die Krankenstation, auch die über die ‚ausführliche Beratung' von notorischen Heilern, die sich auf Abtreibungen spezialisieren. Hast du wirklich gedacht, dass ich nicht zwei und zwei zusammenzählen könnte? Du bist die einzige Schwangere im Schloss, Ellen. Wann soll es passieren? Bald, nehme ich an."
Ellen schlug die Hände vors Gesicht, sie hatte Angst, dass Legilimentik anwenden würde. Sobald er die Rechnungen erwähnt hatte, war ihr klar, dass ein Missverständnis vorlag wegen des ärztlichen Rats, den sie bezüglich der Stasisaufbewahrung eingeholt hatten.
„Ich war nicht die einzige Schwangere."
„Ich habe es überprüft, hör auf zu lügen."
„Frag Poppy."
„Habe ich, sie hat bestätigt, dass du die einzige Schwangere bist."
Ellen seufzte. „Hast du auch gefragt, ob es vor kurzem noch andere gab?"
„Nein, warum sollte ich? Die einzige andere weibliche Patientin war ein Teenager mit einer Blinddarmentzündung …."
Plötzlich erschien das Bild einer nervösen Poppy Pomfrey und einer elend aussehenden Hermine Granger vor seinem geistigen Auge. Er erinnerte sich sofort an Ellen, wie sie einen Grund für einen Besuch vorgegeben hatte, irgendetwas mit einem Gegenstand, den sie im Krankenflügel vergessen hatte, und schließlich an den idiotischen Weasley, wie verlegen und unbehaglich er in seinem Kaminsessel ausgesehen hatte. Seine Hände lockerten ihren Griff und er setzte sich zurück,beschämt; ein hohles Gefühl formte sich in seinem Magen.
„Es war keine Blinddarmentzündung, nicht wahr?"
Ellen schielte unter ihrem Arm hervor und fand Trost in seiner Niedergeschlagenheit.
„Sie ist meine Patientin, Severus. Ich kann weiter nichts dazu sagen."
Severus stand auf und drehte ihr den Rücken zu. Mit einer Hand massierte er sich die Stirn, während er über den monumentalen Fehler nachdachte, den er gerade gemacht hatte. Ganz benommen von der Angst, dass er gerade das einzig Gute in seinem Leben in der letzten Zeit zurückgewiesen hatte, zuckte er zusammen, als erfühlte, wie ihre Arme sich um ihn schlangen und ihn hielten, ihr Körper sich an den seinen presste und ihr Kopf sich zwischen seinen Schulterblättern niederließ.
„Ich hoffe, das ist es, warum du in den letzten paar Wochen so kalt mir gegenüber warst", murmelte sie in seinen Umhang.
„Ja…Ellen, lass mich los…ich rufe Flo…du kannst in die Räume deiner Mutter ziehen, bis du dich entschieden hast, was du tun willst. Ich halte mich raus und stimme allem zu, wofür du dich entscheidest…mein Handeln was unverzeihlich…ich hoffe nur, dass du mir erlaubst, mein Kind zu sehen."
„Ich habe es schon mal gesagt und ich sage es wieder…du bist so ein selbstsüchtiger Schnösel", sagte sie weich, fasste ihn fester und breitete ihre Hände besitzergreifend über seiner Brust aus. „Darf ich auch etwas sagen, Direktor, bevor ich entlassen werde?"
Er machte ihre Arme los und drehte sich herum, um sie anzusehen und intensiv ihren Gesichtsausdruck zu studieren.
„Das kannst du mir sicher nicht vergeben, Ellen…ich habe dich beleidigt, dich bedroht."
„Ich kann nicht behaupten, dass du mir nicht für eine Weile Angst gemacht hast und ich bin ziemlich sicher, dass dein Griff blaue Flecken hinterlassen wird…und, versteh mich nicht falsch, ich bin immer noch sauer auf dich, aber ich wusste, dass du möglicherweise der misstrauischste Mann bist, der existiert und dass es eine Zeit lang dauern würde, bevor wir tiefes Vertrauen ineinander haben würden…zumindest habe ich jetzt keine Zweifel, dass du unser Kind willst."
„Ich will mehr als unser Kind, Ellen", sagte er gepresst und fuhr zögerlich mit seinen Fingern an der Seite ihres Gesichts entlang und über ihre Lippen, „aber die Frage ist, was ich verdiene."
„Du verdienst es, geliebt zu werden, Severus", flüsterte sie und küsste seine Finger, die an ihren Lippen verharrt hatten, „und ich verdiene, dass man mir vertraut."
„Und dich liebt", flüsterte er gerührt zurück, zog sie an sich und küsste sie mit solch ungezügelter Leidenschaft, dass ihr der Atem stockte und ihre Lippen anschwollen.
Er knöpfte schnell seinen Umhang auf und warf ihn auf ihre gepackten Truhen, dann bedeutete er ihr, dass er zurückkommen werde und ging ins Badezimmer. Sie sah leicht verwirrt aus, als er mit einem Glas Salbe zurückkam und sie auf die Bettkante drückte. Er kniete vor ihr, nahm sich einen weiteren heißen Kuss und fing an, ihre dünne Baumwollbluse aufzuknöpfen, dabei lächelte er leicht über ihren beinahe nervösen Gesichtsausdruck.
„Ich habe dich schon mal nackt gesehen."
„Das zählt nicht, da war ich bewusstlos", entgegnete sie und schauderte leicht, als er ihr die Bluse auszog und die kühle Abendluft ihre Haut traf.
Severus griff nach der Salbe und nahm eine großzügige Menge auf seine Finger, bevor er leicht über ihren Arm strich, besonders an den Stellen wo er sie gepackte hatte.
„Ich will keine Beweise meiner fürchterlichen Blödheit sehen", erklärte er zwischen den Küssen, die er auf ihre Schultern, ihren Hals und hinunter zu ihren vollen Brüsten verteilte.
„Schwangerschaft", murmelte sie, während er um sie herum griff, ihren BH öffnete und ihn auszog.
„Ein völlig akzeptabler Nebeneffekt", murmelte er, als er eine schwere Brust in seine Hand nahm und sanft an der anderen nuckelte, das leichte Keuchen und Aufbäumen genießend.
Während er sich noch auf ihre Brüste konzentrierte, fasste er nach unten und zog ihre Sandalen aus, anschließend wanderte seine Hand zu dem Reisverschluss ihrer Caprihose, zog ihn langsam auf, dann hob er sie hoch und zog ihr Hose und Unterwäsche gleichzeitig aus.
Sie schauderte jetzt deutlich, das Bewusstsein ihrer Nacktheit überlagerte die Begierde, die er geweckt hatte. Er schob sie zurück aufs Bett und entfernte mit einem Zauber seine eigenen Kleider, starrte dann einen Moment lang hungrig auf sie, bevor er sich über sie lehnte, wobei sein jetzt längeres Haar nach vorne fiel und sein Gesicht einrahmte.
„Du bist so unglaublich schön", hauchte er, während er neben sie rutschte und sie küsste, von ihrer Scham aufwärts über die leichte Schwellung ihres Bauches hin zu ihren Brüsten.
Ellen erinnerte sich, wie groß er war, als er gegen ihren Oberschenkel drücke und ihre lusterfüllten Gedanken flogen zu dem Baby.
„Du solltest vielleicht vorsichtiger sei als letztes Mal", sagte sie atemlos, als seine Hand sich zwischen ihre Beine schlängelte und seine Finger über ihre Scham zuckten.
Unter Aufbietung all seiner Selbstkontrolle hörte er auf und schob sich hoch, um sie anzusehen.
„Willst du, dass ich aufhöre? Wenn du dir wegen dem Kind Sorgen machst, kann ich warten…"
Sie zog ihn in einen Kuss, biss zärtlich in seine Lippe, bevor sie mit hauchiger Stimme antwortete:
„Hör nicht auf, sei einfach nur vorsichtig."
Mit einem Wolfslächeln strich er mit einer Hand ihren Rücken entlang und schob die andere wieder zwischen ihre Beine, während er ihren Mund plünderte. Seine Finger streichelten sie immer wieder, solange, bis sie von ihrer Feuchtigkeit glitschig waren, dann schob er sie in sie hinein, hielt sich zurück, während sie stöhnte und sich wand.
„Severus, bitte", stöhnte sie und er hob ihre Hüfte über die seine, drang langsam in sie ein, dehnte sie vorsichtig, wartete, bis sie sich bewegte, küsste jeden erreichbaren Zentimeter von ihr.
Sie hob ihre Hüfte und er zog sich langsam zurück, dann begann er einen routinierten, gleichmäßigen Rhythmus, stöhnte auf, als sie einfiel, wollte heftiger in sie eindringen, hielt sich aber zurück, als ihre Muskeln sich um ihn herum anspannten, sie sich aufbäumte und schließlich zum Höhepunkt gelangte, ihn nur Augenblicke später mit einem besitzergreifenden Knurren mit sich reißend.
„Siehst du, was du verpasst hast mit deinen dummen Vermutungen", stichelte sie atemlos, während sie seinen Rücken streichelte, als er auf ihr zusammenbrach.
„Ich verdiene dich nicht", antwortete er, rollte auf seine Seite und sah sie an.
„Halt einfach den Mund und liebe mich", verlangte sie.
Stunden später lag er wach, hinter sie geschmiegt. Er war nicht sicher, warum sie in seinen Armen schlief, eigentlich hätte sie ihn zurückweisen und weglaufen sollen, aber er war entschlossen, sie von jetzt an bei sich zu behalten. Eine zarte Hoffnung entwickelte sich in ihm, eine Zukunft voll mit ihr und ihrem Kind, und nur ein Gedanke verdunkelte sie…die ständige Bedrohung durch Xanthos Malfoy. Nachdem er diese Zukunft erspäht hatte, wollte er sie, wollte sie mehr, als er in den letzten Jahren jemals etwas gewollt hatte, und er war sich verdammt sicher, dass er alles ihm Mögliche tun würde, um sie erreichen. Und gleich morgen würde er anfangen, diese Bedrohung zu suchen und sie auszulöschen.
