So unauffällig wie möglich sahen wir uns in der großen Halle um. Uns blieben noch zwei Stunden, bis das Konzert anfangen sollte.
„Wir müssen irgendwie in den Bereich hinter der Bühne", erkläret Lucius.
„Backstage", wurde er von Laura berichtigt.
„Meinetwegen auch das. Aber immer wenn ich versuche dorthin zu gehen, werde ich abgewiesen."
„Dann mach es doch wie bei dem Kontrolleur", bemerkte Mum spitz. Ihr war immer noch anzumerken, dass es ihr gar nicht gefiel, dass Lucius einen Unverzeihlichen angewendet hatte, um uns in die Halle zu bringen.
Lucius ignorierte sie wohlweislich und sah Laura fragend an.
„Ohne Backstage-Pass kommen wir nicht durch oder fallen sofort auf", meinte diese nur schulterzuckend.
„Siehst du... Der Imperius würde diesmal nicht funktionieren, es sei denn wir bezaubern gleich die ganze Halle", wandte sich Lucius überheblich an Mum, die daraufhin nur die Augen verdrehte.
„Und wenn wir uns solche Pässe besorgen?" fragte ich.
„An die kommt man nicht so einfach", erwiderte Laura seufzend.
Ich sah sie nachdenklich an und in meinem Kopf begann sich ein Plan zu bilden.
„Lass mich mal machen...", sagte ich nur und verschwand, bevor irgendjemand protestieren konnte, Richtung Backstage-Bereich.
Als ich hinter die Bühne gehen wollte wurde ich von einem jungen Mann aufgehalten. Er trug Jeans und ein dunkelblaues T-Shirt auf dem in roten Buchstaben SECURITY geschrieben stand.
„Entschuldigen Sie, Lady, aber ohne Ausweis kommen Sie hier nicht weiter."
„Ich weiß", meinte ich und strahlte ihn an. „Das Problem ist, ich habe jede Menge Geld für einen Backstage-Ausweis bezahlt. Aber Ihren Leuten ist scheinbar ein kleiner Fehler unterlaufen, denn ich habe ihn nicht bekommen."
„Sind Sie sich sicher?"
„Natürlich bin ich das!" Gespielt empört stemmte ich meine Hände in die Hüften. „Also ich muss mich hier mal beschweren. Ich bin zusammen mit meinem Dad und meinem Bruder hier und wir haben wirklich nicht wenig bezahlt, damit wir einen der wenigen Backstage-Ausweise bekommen und wegen Ihrer schlampigen Arbeitsweise, stehe ich nun hier und Sie wollen mich nicht weiter lassen." Betont hochmütig warf ich den Kopf in den Nacken und wunderte mich, wie leicht es mir fiel so herablassend zu sein. Musste wohl in der Familie liegen.
„Das tut mir wirklich leid, aber wenn Sie nicht auf der Liste stehen, dann kann ich leider auch nichts machen."
„Ich wette mit Ihnen um Ihren Job, dass wir auf der Liste stehen. Sie brauchen nur nachsehen!"
„Hören Sie, dass ist eigentlich nicht meine Aufgabe..."
„Ach ja? Dann möchte ich gerne Ihren Vorgesetzten sprechen. Und Sie können Gift drauf nehmen, dass ich mich bei ihm beschweren werde."
Ich sah ihm fest in die Augen, bis er es schließlich war, der den Blick abwendete.
„Na schön, na schön", gab er schließlich nach. „Ich werd bei Ihnen eine Ausnahme machen. Bitte warten Sie einen Moment."
Er entfernte sich und kam bald darauf mit einer Liste zurück.
„Sagen Sie mir doch bitte Ihren Namen..."
Bevor er wiedergekommen war, hatte ich hinter meinem Rücken unauffällig den Zauberstab gezogen und murmelte nun kaum hörbar den passenden Zauberspruch.
„Wie war das, bitte? Ich habe Sie nicht verstanden."
„Ich sagte Malfoy. Mein Name ist Serena Malfoy und ich bin mit meinem Vater Lucius und meinem Bruder Draco hier."
„Malfoy... Malfoy... ah, hier haben wir es ja. Lucius, Draco und Serena. Das tut mir wirklich leid, da ist uns tatsächlich ein Fehler unterlaufen. Wenn Sie sich noch einen Moment gedulden, dann besorg ich Ihnen schnell Ihre Ausweise."
Dem Mann war es sichtlich unangenehm und mir tat es schon fast wieder leid, dass ich ihn so täuschen musste. Aber es musste schließlich sein.
Als er nach ein paar Minuten wieder zurück kam drückte er mir drei Ausweise in die Hand.
„Ich bitte vielmals um Entschuldigung", sagte er immer noch peinlich berührt.
„Na ja, kann schon mal vorkommen. Ich werde ihre Zuvorkommenheit jedenfalls nicht vergessen."
Wieder zurück bei den anderen präsentierte ich stolz die Ausweise. Allerdings stellte sich uns da schon das nächste Problem. Die Ausweise trugen Namen. Lucius, Dracos und meinen Namen.
„Wer muss eigentlich alles nach hinten, um den Muggel zu finden?" riss Mum das Wort an sich, bevor wieder eine Diskussion aufkommen konnte.
„Harry und Severus auf jeden Fall", antwortete ich.
„Gut, dann bekommt Sev Lucius Ausweis und Harry Dracos. Du, Rena, kannst deinen ja behalten."
„Was! Harry soll sich für mich ausgeben?" tat Draco empört. „Das ist ja die Beleidigung schlechthin!"
„Ich denke wir haben jetzt wichtigeres zu tun, als deine gekränkte Eitelkeit, Malfoy", gab Harry zurück und nahm seinen bzw. Dracos Ausweis entgegen.
Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen zog ich Severus und Harry zum Backstage-Bereich.
„Hast du alles?" fragte ich Sev. Er nickte.
„Als du die Ausweise besorgt hast, hab ich alle notwendigen Zutaten für den Trank besorgt. Wir haben zwar nicht viel Zeit um den Trank richtig zu brauen, aber es muss so klappen. Zur Not kann ich immer noch eine Illusionszauber auf Harry legen."
„Dann los."
Ohne Probleme kamen wir hinter die Bühne. Als wir durch die Tür mit der Aufschrift „Backstage" traten erstreckte sich vor uns ein langer Gang.
Lange brauchten wir gar nicht suchen bis wir die richtige Tür fanden.
Ich sah Harry und Sev an und als beide nickten, klopfte ich an. Ohne auf ein „Herein" zu warten öffnete ich die Tür. Robbie Williams saß auf einem Sessel und sah uns erstaunt entgegen. Bevor er jedoch etwas sagen konnte, war Sev schon an mir vorbei und hatte seinen Zauberstab auf den Sänger gerichtet.
„Stupor!" rief er und Robbie sackte bewusstlos in seinem Sessel zusammen.
Schnell schlossen wir die Tür hinter uns und verriegelten sie mit einem Schutzzauber.
Sev war schon dabei den Trank zu brauen, wozu er unter fluchen eine Kaffeekanne benutzen musste, da sonst nichts passenderes zu Hand war. Die Kanne erhitzte er über einem magischen Feuer.
Währendessen sahen Harry und ich uns neugierig um. Auf einem Tisch lagen ein paar Papiere verstreut und neugierig sah ich sie mir an.
„Hey Harry!" rief ich ihn, als ich etwas interessantes entdeckt hatte.
Er trat hinter mich und sah mir über die Schulter. Obwohl er mich nicht berührte, spürte ich seine Nähe ganz deutlich und wünschte mir nichts sehnlicher, als dass er mich wieder in seine Arme nahm.
„Was hast du da?" fragte er mich und ich spürte seinen Atem an meiner Wange.
„Äh... ich glaube, das ist das Programm."
„Zeig her." Er langte an mir vorbei, wobei sich unsere Arme ganz leicht streiften. Seine Berührung war wie Feuer und ein starkes Prickeln fuhr durch meinen ganzen Körper.
Bevor ich überhaupt wusste, was ich tat, hatte ich ihn schon an mich gezogen und küsste ihn stürmisch.
Ein wenig überrascht erwiderte er den Kuss und legte schließlich seine Arme um mich.
Als wir uns wieder voneinander lösten – mir kam es wie eine Ewigkeit vor – sah Harry mich mit einer Mischung von Erstauntsein und Erleichterung an.
„Ich brauche keine Zeit mehr", sagte ich leise und schlug die Augen nieder. „Es tut mir leid was ich zu dir alles gesagt habe. Ich habe dabei nur an mich und an meine Gefühle gedacht. Auf die Idee, wie schwer es dir fallen könnte Draco als meinen Bruder zu akzeptieren, bin ich nicht gekommen. Ich..."
„Shhh." Er legte mir einen Finger auf die Lippen. „Du hattest nicht ganz unrecht mit dem, was du mir an den Kopf geworfen hast. Und das, was ich heute nacht zu dir gesagt habe meine ich immer noch ernst."
„Ich weiß. Oh, Harry... meinst du wir können nocheinmal anfangen?"
„Hat es denn je ein Ende gegeben?"
„Nein eigentlich nicht."
„Dann lass uns doch einfach weitermachen..." Er nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich zärtlich.
Ein Räuspern von Severus ließ uns auseinander fahren.
„Ich hoffe ihr habt nicht vergessen, weswegen wir hier sind", meinte er und sah uns mit hochgezogener Augenbraue an. „Jedenfalls nicht deswegen!"
Harry und ich grinsten uns an. Zwar war noch nicht alles gesagt, was noch gesagt werden musste, aber das war mir egal. Ich hatte endlich begriffen, dass Harry und ich einfach zusammen gehörten. Malfoys hin oder her. Irgendwie würden wir uns mit diesen Problemen schon arrangieren.
„Der Trank ist fertig... na ja... jedenfalls die Light-Version", meinte Severus und reichte Harry eine Tasse. „Er wird nicht lange vorhalten, aber wenn wir Glück haben, braucht er das auch nicht."
Harry nickte und trank einen Schluck. Es dauerte nicht lange und er sah haargenau so aus wie Robbie Williams.
Ohne ein weiteres Wort ging ich zu ihm hin und küsste ihn. Auf Sevs vorwurfsvollen Blick hin zuckte ich nur die Schultern. „Das musste jetzt einfach sein."
Harry grinste nur.
LuciusDie Halle füllte sich immer mehr. Lucius hatte Laura so weit wie möglich nach hinten beordert, was dieser natürlich gar nicht gefallen hatte. Doch Jo hatte es geschafft sie zu überreden. Wenn es gleich zum Kampf kommen würde, wäre sie ohnehin keine große Hilfe. Die anderen hatte er so gut wie möglich in der Halle verteilt, damit sie so gut wie eben möglich auf einen Angriff von allen Richtungen vorbereitet waren.
Er selbst stand in der Nähe der Bühne, denn er wollte in Serenas Nähe bleiben. Jakob hatte es bestimmt auf sie abgesehen und das wollte Lucius verhindern.
Nervös trat er von einem Fuß auf den anderen. Er fragte sich gerade wann es endlich los gehen würde, als das Licht dunkler wurde.
Die Mädchen begannen zu kreischen, dass Lucius dachte ihm würde das Trommelfell platzen.
Dann endlich richtete sich ein Scheinwerfer auf die Bühne und Robbie Williams trat ins Licht. Er winkte den kreischenden Massen mit einem breiten Grinsen zu und Lucius musste sich eingestehen, dass Potter seine Sache recht gut machte... bis jetzt.
HarryIm Scheinwerferlicht gebadet stand Harry auf der Bühne. Seine Knie waren so weich, dass er Angst hatte sie würden gleich nachgeben. Und dann ertönten schon die ersten Takte Musik.
Harry stöhnte leise auf, als er erkannte um welches Lied es sich handelte. „Let me entertain you".
Zum Glück spielte die band ein ziemlich langes Intro, sodass er nur tanzen musste. Nur ist gut, dachte er und versuchte sich so gut wie möglich zur Musik zu bewegen. Er ließ ein paar Mal die Hüften kreisen, was ihm ein ohrenbetäubendes Kreischen seitens des weiblichen Publikums einbrachte.
Oh je, gleich muss ich auch noch singen, dachte er und vollführte einige verrückte Sprünge, die, so hoffte er, zu Robbie Williams passen würden.
Er bereitete sich schon seelisch auf seinen Gesangeinsatz vor, doch so weit kam er nicht mehr. Kurz bevor das Intro zu Ende war gab es eine lauten Knall und mit viel schwarzem Rauch tauchte Jakob vor ihm auf der Bühne auf.
Überall in der Halle erschienen nun seine Anhänger und feuerten wie wild Flüche ab.
Die Menge geriet in Panik. Erst recht, als Lucius und seine Leute die Flüche erwiderten.
Jakob sah Harry lauernd an und richtete seine Zauberstab auf ihn.
„Verabschiede dich von deiner Welt, Muggel!"
„Das werde ich nicht", sagte Harry und zog ebenfalls den Zauberstab.
Gerade als beide die ersten Flüche abfeuern wollten, erschien zwischen ihnen ein silberner Panther. Es war ein Patronus und Harry wusste sofort, dass es Alex Patronus war. Lucius und Draco sprangen ebenfalls auf die Bühne, weil sie Harry helfen wollten. Aber alle waren durch das plötzliche Auftauchen des Patronus so verwirrt, dass sie erst mal innehielten.
Dann überbrachte der Patronus eine Nachricht von Alex und löste sich dann in weißen Schlieren auf:
„Sie kommen. Ich wurde enttarnt und hab gerade selbst ein paar Probleme, also müsst ihr noch kurz ohne mich auskommen. Viel Erfolg !"
„Na die Warnung kam ja etwas spät", knurrte Lucius, als plötzlich auch noch ein Dutzend Auroren auftauchten. Allen voran Moody mit seinem magischen Auge.
Jakob erkannte, dass er seine Kräfte erst mal neu sammeln und organisieren musste, denn so versprengt wie sie waren, würden die besser ausgebildeten Auroren sicher bald die Übermacht erringen.
Bevor Lucius, Draco oder Harry reagieren konnten, verschwand Jakob hinter der Bühne.
Moody kam angestapft und murrte ebenfalls.
„Ein schöner Haufen Arbeit fürs Ministerium", meinte er.
Und fuhr dann fort :
„Alle Muggel, die die Halle verlassen, werden schon erwartet von Ministeriumsleuten. Ein kleiner Gedächtniszauber und die Leute waren auf dem besten Konzert, was sie je erlebt haben…"
Harry war froh, dass die Unterstützung nun da war und Moody sah ihn. Scheinbar wollte er nicht mit den Malfoys reden.
„Wo ist Moonfield?"
„Gerade hinter der Bühne verschwunden", antwortete Harry und sein Gesicht nahm langsam wieder seine normale Form an. Leider wurden ihm nun auch seine Anziehsachen etwas zu groß, und er musste die Ärmel seines Hemdes hochkrempeln.
„Wir müssen ihn finden", stellte Moody nun fest und blickte in die Runde.
„Also los!"
Nur Draco blieb wie angewurzelt stehen.
„Habt ihr Alex Nachricht nicht gehört? Sie hat Schwierigkeiten…wir sollten ihr helfen", verlangte er dann und die anderen drehten sich zu ihm um.
„Alex ist die beste Hexe, die ich kenne…sie kommt schon klar", meinte Moody nur und drehte sich dann wieder um. Harry zuckte nur mit den Schultern. Lucius sah seinen Sohn genervt an und stimmte Moody zu.
Allerdings ließ Draco sich nicht umstimmen.
„Ich bleibe jedenfalls hier…vielleicht taucht sie ja gleich hier auf…"
„Draco, ich weiß nicht, ob das so gut ist", meinte Lucius dann streng, merkte aber gleich, dass er seinen Sohn nicht würde beeinflussen können.
„Meinetwegen", gab Moody Draco Recht.
„Schaden kann es jedenfalls nicht, wenn einer hier bleibt."
Also blieb Draco in der Halle zurück und Lucius, Harry und Moody verschwanden hinter die Bühne um Jakob zu suchen.
Draco
Draco sah sich daraufhin in der Halle um und erkannte nicht weit entfernt von ihm Nymphadora Tonks. Seine Cousine.
Er lief zu ihr und sie grinste.
„Ah, Draco… mein Lieblingscousin", meinte sie und er grinste ebenfalls.
„Geht ja auch nicht anders, denn du hast nur einen."
„Na ja, schön zu wissen, dass unsere Familie jetzt wieder vereint für die gleiche Seite kämpft", fuhr sie dann fort, während sie sich umsah und nach Organisationsleuten suchte.
„Ja", gab Draco nur zurück, denn er hatte Angst, dass wieder ein sentimentaler Ausbruch eines Familienmitglieds auf ihn herniederprasseln könnte. Einer am Tag war genug und sein Vater reichte ihm für heute…
„Was kann ich tun?" fragte er dann und Tonks sah ihn.
„Du könntest mal in den Gängen nach Muggeln und Organisationsleuten suchen… Wir wissen noch nicht, ob alle schon draußen sind und von Jakobs Leuten fehlen uns auch noch einige. Die Halle wird immer leerer und die Duelle scheinen sich in die Gänge zu verlagern…"
Draco blickte um sich und bemerkte, dass Tonks Recht hatte. Es war kaum noch jemand in der Halle und vereinzelt sah man Gestalten zu den Ausgängen hechten. Wahrscheinlich boten die Gänge einfach mehr Deckungsmöglichkeiten.
Tonks machte sich auf den Weg und Draco folgte ihr ein Stück. Als sie einen großen Gang hinter der Halle erreichten, beschlossen sie, sich zu trennen und nahmen den Weg in entgegengesetzte Richtungen.
Draco lief den Gang entlang und er musste nicht lange warten, als er plötzlich zwei Organisationsleute in einem Nebengang, der von dem Hauptgang abzweigte, stehen sah. Sie standen mit dem Rücken zu ihm und duellierten sich scheinbar mit Auroren. Natürlich wollte Draco den Auroren helfen und erst Recht, als er sah um wen es sich bei dem einem Mann handelte. Es war Lenny Coltran. Einer der Männer, der bei der Entführung von Draco und Serena beteiligt gewesen war.
Draco spürte Hass in sich aufflammen und bemerkte, dass seine Wangen heiß wurden. Er dachte nach, was er tun könnte und es fiel ihm nur ein Fluch ein, den er immer beherrscht hatte.
Zuerst visierte er Coltran an und danach den anderen Mann und nacheinander verwandelten diese sich mit einem Plopp in Schweine. Grunzend rannten diese plötzlich orientierungslos zurück Richtung Halle und die Auroren schockten sie. Mit einem schrillen Quieken fielen sie um und wurden dann aus der Halle entfernt.
Draco machte sich daraufhin wieder zufrieden grinsend auf den Weg.
Er war gerade ein Stück den Gang entlang geschlichen und hatte sich dabei dicht an die Wand gepresst, als er plötzlich wieder hektische Schritte auf dem Boden klackern hörte. Sie kamen in seine Richtung und schienen von einer Frau zu stammen.
Langsam löste er sich von der Hand und riskierte einen Blick. Das Klackern endete abrupt und Draco blickte in das erstaunte Gesicht von Pansy Parkinson.
Als sich ihr Erstaunen gelegt hatte, verzog sie das Gesicht zu einem fiesen Grinsen.
„Draco, Draco, dass ich dich hier treffe…und dann auch noch alleine…Wo sind deine neuen Gryffindor-Freunde, um dich zu beschützen? Oder rennst du wieder gleich zu Daddy?"
Draco wurde Rot vor Zorn.
„Das hab ich im Gegensatz zu dir nicht nötig!" schleuderte er zurück, aber Pansy ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und hob langsam ihren Zauberstab.
„Und nur zu eurer Information: Alex wurde enttarnt und mein Vater kümmert sich gerade um sie. Wahrscheinlich ist er aber jetzt schon fertig mit ihr…" Pansy wusste, dass das eine Lüge war, aber sie war sich sicher, dass sie damit Draco noch mehr reizen konnte. Sie sollte, dass er ihrem ersten Fluch völlig unkonzentriert ausgeliefert wäre und dann…
Peng – ein Fluch kam auf sie zu geschossen.
Draco hatte nicht mehr gezögert. Nachdem Pansy Alex erwähnt hatte, waren bei ihm einfach die Sicherungen durchgebrannt und er hatte seinen Spezialfluch auf Pansy abgeschossen.
Diese war aber nicht mehr Pansy, sondern rannte wild flügelschlagend und schnatternd als Gans über den Flur.
Draco musste grinsen und beschloss sie einzufangen, was sich allerdings als schwierig herausstellte, denn immer wenn er sich ihr näherte, lief sie davon und so scheuchte er die Gans durch die Gänge vor sich her.
Alex
Der Kampf war in vollem Gange, aber nach ein paar Minuten wurde die Halle plötzlich immer leerer und ich konnte auch Draco oder die anderen nirgendwo sehen. Ich ging davon aus, dass der Kampf sich weiter in den Gängen abspielte und machte mich auf den Weg um hinter die Bühne zu gelangen. Hin und wieder begegnete ich ein paar von Jakobs Leuten, die ich entweder schockte oder die sowieso wegliefen in die andere Richtung.
Im Backstage-Bereich sah ich mich um und mein Blick fiel auf eine Tür, die einen Spalt offen stand. Ich spähte in den Raum und sah Robbie Williams bewusstlos in einem Sessel liegen. Er sah aus, als ob er schlafen würde und ich befürchtete schon das Schlimmste. Schnell hechtete ich zu ihm und fühlte nach einem Puls. Erleichtert stellte ich fest, dass sein Herz noch kräftig schlug und sah mir den Raum genauer an. Dort stand eine Kaffeekanne, die den Rest einer merkwürdig, dickflüssigen Matsche enthielt. Ich roch daran und mir wurde sofort klar: Vielsafttrank. Wahrscheinlich hatten unsere Leute Robbie betäubt und einer musste sich für ihn ausgeben. Wer das wohl übernommen hatte? Ich tippte auf Harry oder Draco, denn Lucius oder Severus würden sich bestimmt nicht zu so was herablassen. Ich grinste und verließ dann den Raum wieder, aber diesmal verschloss ich die Tür.
Nachdem ich mich umgesehen hatte, lief ich weiter den Gang entlang und kam in einer Art Atrium. Es handelte sich um einen großen Raum mit diversen Sitzmöglichkeiten und in einer Ecke war ein Buffet aufgebaut. Dieses schien noch unangetastet zu sein und als ich den Raum betrat, sah ich ein paar von Jakobs Leuten und ein paar Auroren, die sich dort duellierten. Mittendrin erkannte ich dann Lucius, der es gleich mit drei anderen von den Organisationsleuten aufnahm. Eins musste man ihm lassen: Er war ein hervorragender Zauberer und verteidigte sich geschickt, allerdings würde es ihm so nie gelingen, die anderen auszuschalten.
Also griff ich ein.
„Protego!" rief ich und sprang ihm zur Seite. Lucius würdigte mich kurz eines Blickes und konzentrierte sich wieder auf die Angreifer, von denen es nun einer auf mich abgesehen hatte.
„Es scheint, als könnten sie Hilfe gebrauchen", meinte ich dann zwischen zwei Flüchen zu ihm.
Aber anstatt eines zustimmenden Dankes, warf er mir einen kurzen, finsteren Blick zu.
„Das wurde aber auch Zeit! Wo waren sie solange?"
„Ach so, ich war noch kurz ein paar Einkäufe erledigen", gab ich sarkastisch zurück und das verbesserte seine Laune nicht gerade.
Es dauerte nicht lange, bis ich meinen Angreifer geschockt hatte und Lucius und ich die zwei Letzten Organisationsleute im Raum kampfunfähig gemacht hatten.
Wir hatten Zeit um kurz durchzuatmen und ich sah mich um.
„Wo ist Draco?" fragte ich Lucius dann und der zögerte.
„Nicht hier…er wollte auf sie in der Halle warten und…"
Lucius wurde plötzlich von aufgeregtem Geschnatter und Flügelschlagen unterbrochen. Eine Gans kam ins Atrium halb gewatschelt halb geflogen und schnatterte aufgebracht. Interessanter war aber, wer hinter der Gans halb gebückt in den Raum kam. Es war nämlich Draco, der hinter der Gans herstolperte und versuchte sie einzufangen. Ich musste grinsen bei dem Anblick, aber Lucius beendete die Jagd mit einem Schockzauber und die Gans viel zu Boden. Draco richtete sich auf und hielt sich den Rücken, als sein Vater ihn ansprach.
„Draco, was machst du da? Was ist das für eine Gans?"
Draco, der mich noch nicht gesehen hatte, winkte ab.
„Ach das…das ist nur Pansy Parkinson."
Ich musste lachen und nun sah Draco mich überrascht an.
„Alex!?"
Sofort kam er zu mir und nahm ich in den Arm. Lucius drehte sich daraufhin hoch erhobenen Hauptes Weg und zeigte uns absichtlich nur seinen Rücken.
„Ich hatte solche Angst um dich", meinte Draco leise.
„Ich weiß… mir ging es genauso mit dir", flüsterte ich zurück und dann küssten wir uns sanft.
Serena„Verdammt, Sev, was soll das?!" Wütend versuchte ich mich los zu machen, doch Severus hielt mich am Arm fest.
„Du wirst nicht in die Halle gehen und kämpfen", erklärte er und seine Stimme duldete keinen Widerspruch.
„Aber..."
„Lucius und Joanna werden mir die Hölle heiß machen, wenn dir etwas passieren sollte... oder noch schlimmer, wenn Jakob dich in die Finger bekommt. Nicht dass es mich interessieren würde, was Lucius zu sagen hat..."
„Aber Harry ist da draußen. Ich kann ihn doch nicht einfach im Stich lassen."
„Potter kommt ganz gut alleine klar." Damit wandte er sich ab und wollte gehen, doch bevor er in einem der Gänge verschwand drehte er sich nocheinmal zu mir um. „Du wartest hier. Ist das klar?"
„Ja, ja."
Als Sev verschwunden war, stampfte ich wütend mit dem Fuß auf. Warum sollte gerade ich mich aus dem Kampf raushalten? Dachten alle ich könnte es nicht mit einem anderen Zauberer aufnehmen?
Oh nein, so einfach ließ ich mich nicht kalt stellen! Ich packte meinen Zauberstab fester und lief in Richtung Halle.
Als ich dort ankam war sie leer. Die Kämpfe hatten sich scheinbar woanders hin verlagert oder waren mittlerweile vorbei. Ich drehte mich einmal um die eigene Achse, konnte jedoch niemanden sehen.
Ein wenig frustriert blieb ich stehen. Plötzlich nahm ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr, doch bevor ich reagieren konnte schlang sich ein Arm von hinten um meinen Brustkorb und presste mir die Arme an den Körper.
„Endlich sehen wir uns wieder, Tochter!" Jakob spie das letzte Wort geradezu aus und bei ihm klang es wie eine Beleidigung.
Kalte Angst lähmte meinen Körper und außer einem heiseren Krächzen brachte ich keinen Ton hervor.
„Wir werden eine kleinen Ausflug machen, nur wir zwei. Vater und Tochter."
Jakobs freie Hand schloss sich um mein rechtes Handgelenk und drückte so feste zu, bis ich leise aufschrie und den Zauberstab fallen ließ.
„Braves Mädchen!" lachte er höhnisch und apparierte mit mir.
Harry
Als Harry zusammen mit Joanna und Laura im Atrium eintraf, war der Kampf so gut wie zu Ende. Er hatte die beiden Frauen unterwegs eingesammelt, nachdem sich die Kämpfe von der großen halle in die hinteren Regionen der RAH verlagert hatten..
Als er das Atrium betrat wäre er fast über eine Gans gestolpert, die vor ihm reglos auf dem Boden lag.
Fragend sah er Lucius an, der gerade angelaufen kam, um Jo in die Arme zu schließen.
„Die kleine Parkinson", erklärte Lucius knapp.
„Aha", machte Harry, obwohl nicht wirklich verstand was Lucius meinte. Doch im Prinzip war es ihm auch egal. Der Kampf war zu Ende, nur das zählte.
Suchend sah Harry sich nach Serena um, doch er konnte sie nirgends entdecken. Ein flaues Gefühl machte sich in seinem Magen breit, doch er verdrängte es schnell. Sicher war Serena noch irgendwo in den Gängen unterwegs.
Er ging zu Draco und Alex, die sich gerade glücklich in den Armen hielten. Wenn jemand wusste, wo Serena steckte, dann war es sicherlich Draco.
„Hat einer von euch beiden Serena gesehen?" fragte Harry und konnte einen sorgenvollen Unterton nicht ganz aus seiner Stimme verbannen.
„Nein", meinte Alex und schüttelte den Kopf.
„Solltest du nicht besser wissen, wo sie steckt, Potter? Schließlich warst du der letzte der mit ihr zusammen war."
„Als ich auf die Bühne gegangen bin habe ich sie bei Snape zurückgelassen", giftete Harry zurück.
„Dann wird ihr sicher nichts passiert sein", meinte Alex und legte Harry eine Hand beruhigend auf den Arm, während sie Draco einen warnenden Blick zuwarf. Sie hatte keine Lust, dass die beiden jetzt wieder anfingen zu streiten. „Wo ist Snape eigentlich?"
Bevor Harry oder Draco antworten konnten, kam ein ziemlich aufgeregter Severus ins Atrium gelaufen.
„Serena ist verschwunden!" rief er laut, sodass alle ihn hören konnten.
„Oh mein Gott", hauchte Harry und sein Magen krampfte sich zusammen.
„Was hast du?" wollte Alex wissen. „Du bist aufeinmal ganz bleich geworden."
„Serena... Jakob... entkommen", stammelte Harry.
„Oh nein!" entfuhr es Draco. Er packte Harry am Arm und vergaß für einen Augenblick seinen Groll gegen ihn. „Wir müssen sie finden! Schnell!" Damit zog er Harry hinter sich her in die große Halle.
Die anderen, die mittlerweile von Severus aufgeklärt worden waren, folgten ihnen.
Die große Halle war menschenleer.
„Sie ist nicht hier", stellte Harry fest und seine Stimme klang ganz heiser.
„Leute, seht mal!" ertönte Alex Stimme vom anderen Ende der Halle. Sie hielt etwas in die Höhe und sah ziemlich beunruhigt aus. Harry stürmte sofort zu ihr und erkannte, was Alex da gefunden hatte.
„Das ist ihr Zauberstab. Oh nein... das darf einfach nicht wahr sein!"
„Jakob hat sie in seiner Gewalt", sagte Draco wütend.
„Und sie ist unbewaffnet", fügte Harry tonlos hinzu.
LuciusDerweil knöpfte sich Lucius Severus vor.
„Wenn meiner Tochter irgendetwas passiert, dann mache ich dich kalt, Severus!"
Severus sah ihn nur mit unbewegter Mine an, er wusste, dass es sinnlos war Lucius in diesem Moment zu widersprechen. Im Stillen jedoch machte er sich selber schwere Vorwürfe. Er hätte besser auf sie aufpassen müssen und sie nicht alleine lassen sollen. Er spürte, wie Laura seine Hand nahm und war dankbar dafür, dass sie nichts sagte. Sie kannte ihn mittlerweile ziemlich gut und wusste, wie es in ihm aussah, obwohl er sich nach außen nichts anmerken ließ.
„Lucius, du musst sie finden", sagte Joanna leise und ihre Stimme zitterte. „Du musst sie finden, bevor er ihr etwas antut. Wenn er sie..." Ihre Stimme brach und heiße Tränen rannen ihr über die Wangen.
Lucius zog sie fest in seine Arme. „Ich werde sie finden", versprach er ihr. „Dieser verfluchte Bastard soll sich warm anziehen." Kalte Wut trat in seine Augen. Dann löste er sich sanft von Joanna und ließ sie in Lauras und Severus Obhut zurück.
Er ging zu Harry und Draco und gemeinsam verließen sie die RAH.
„Wartet auf mich", rief Alex und rannte hinter ihnen her. „Ich weiß vielleicht, wo er sie hingebracht hat."
SerenaEs war kalt. Der Wind zerrte an meinen Haaren und ließ mich frösteln. Zu meiner Rechten peitschten die Wellen der Nordsee an den Strand und sprühten mir kalte Gischt ins Gesicht.
„Gib auf", sagte ich zum wer weiß wievielten Male und wandte mein Gesicht vom Meer weg.
„Ich werde niemals aufgeben, das solltest du wissen." Jakob sah mich kalt an und kam mit vorgehaltenen Zauberstab auf mich zu. Ich wollte instinktiv zurückweichen, doch ich wusste, wenn ich noch einen Schritt nach hinten machen würde, würde ich über den Felsen ins Meer stürzen. Und selbst wenn mich der Sturz nicht umbrächte, so würde ich doch unweigerlich an den Klippen zerschellen, wenn mich die Wellen dagegenschmettern würden.
Jakob wusste das und grinste breit.
„Du müsstest jetzt nicht hier stehen", meinte er und glaubte eine Spur von Bedauern in seiner Stimme zu hören. Aber wahrscheinlich war das nur Einbildung. „Du hättest dich damals nur anders entscheiden müssen..."
Ich schwieg und hielt seinem Blick stand.
„Serena, du bist meine Tochter", seine Stimme wurde ein wenig sanfter. „Und ich werde dir noch eine Chance geben. Du kannst deine Entscheidung nocheinmal ändern. Wenn du das tust, dann werde ich dir verzeihen und dich nicht umbringen. Schließe dich mir an und zusammen werden wir die Todesser erneut ins Leben rufen."
„Nein, Jakob", sagte ich nur und er zog überrascht die Augenbrauen nach oben. Bevor er etwas erwidern konnte trat ich einen Schritt nach vorne – ich wusste selbst nicht woher ich den Mut nahm – und sah ihm fest in die Augen. „Ich bleibe bei meiner Entscheidung. Du bist nicht mein Vater. Mein wirklicher Vater würde mir nie so etwas antun, was du mir gerade antust."
Jakobs Augen verengten sich und er sah mich misstrauisch an.
„Ja, du hast richtig gehört. Du bist nicht mein leiblicher Vater!"
Jakob starrte mich außer sich vor Wut an. „Du wagst es mir so etwas zu sagen!"
„Weil es die Wahrheit ist. Sieh mich doch an, ich bin dir in nichts ähnlich!"
„Wer?" schrie er und konnte sich gerade noch so im Zaum halten, um sich nicht auf mich zu stürzen. „Wer ist dieser Bastard?!"
„Sieh mich genau an, dann weißt du es." Wieder sah ich ihm fest in die Augen und ich spürte es mehr als das ich es wusste, als sich der Zauber von meinen Augen löste. Sie hatten nun wieder ihre wahre Farbe und als Jakob dies bemerkte wurde er noch wütender.
„Malfoy", knurrte er. „Du bist eine Malfoy!"
„Allerdings und ich bin froh darüber!"
Jakob heulte vor Wut auf und packte mich plötzlich an den Schultern. Vollkommen überrascht, wehrte ich mich nicht dagegen, als er mich langsam vor sich her stieß, dem Abgrund entgegen.
Lucius„Und Sie sind sich wirklich sicher?" fragte Lucius Alex.
„So sicher wie man sich in so einer Situation sein kann. Sie müssen mir schon vertrauen, wenn Sie Ihre Tochter wiederfinden wollen."
„Na schön", knurrte Lucius und man konnte ihm ansehen, dass es ihm gar nicht gefiel sich auf Alex verlassen zu müssen.
Er nickte Draco und Harry zu, dann apparierten die vier.
SerenaIch spürte den Abgrund hinter mir, denn kaltes Wasser sprühte nach oben und lief mir den Nacken hinunter.
Ich wusste, dass ich gegen Jakob ohne meinen Zauberstab nichts ausrichten konnte und so schloss ich die Augen und wartete auf den entscheidenden Stoß. Doch der blieb aus. Als ich die Augen blinzelnd öffnete, sah ich wie Jakob mich höhnisch angrinste.
„Dass es hier endet", meinte er und schüttelte nur den Kopf. „Ich denke du hast die Stelle wiedererkannt..."
Und ob ich das hatte! Hier waren wir damals noch als glückliche Familie spazieren gegangen, hier hatte er mir zum ersten Mal das Meer gezeigt. Es war geradezu ein Hohn, dass er mich wieder hierher gebracht hatte.
„Bring es endlich zu Ende, Jakob!"
„Wie du wünscht!" Er trat noch näher an mich heran und hatte die Hände schon halb zum nächsten Stoß erhoben, als ein roter Lichtblitz von hinten auf ihn zugeschossen kam, begleitet von Lucius wütendem Schrei. „AVADA KEDAVRA!"
Hastig trat ich einen Schritt zur Seite, als Jakobs lebloser Körper an mir vorbei über die Klippen stürzte und von den tosenden Fluten verschlungen wurde.
Ich sah noch, wie Lucius, Draco, Harry und Alex auf mich zugerannt kamen, dann gaben meine Knie unter mir nach und eine sanfte Dunkelheit umfing mich.
