Sorry, dass es solange gedauert hat, mit dem Updaten. Dafür is des nächste Kap auch schon fast fertig!

Und nochmal danke für die lieben Reviews!

25. …Something Wicked This Way Comes

There'll be no tomorrow when the end has begun

The eyes of the world are bleeding today

(Virgin Steele – Flames of the Black Star)

Am nächsten Morgen marschierten wir im Morgengrauen weiter. Die Landschaft wurde nun immer karger, immer weniger Bäume waren zu sehen und wir hatten das fruchtbare Ithilien, an dessen Rand wir entlanggezogen waren, schon fast hinter uns gelassen.

Die Nazgûl kreisten noch immer unaufhörlich über uns und als wir am Nachmittag das letzte bisschen ‚lebende' Land Ithiliens verließen und vor uns nur noch die tote Öde der Ausläufer Mordors war, hielten wir an.

Vor uns lag nur noch ein ödes, tristes und totes Land. Direkt vor uns und zu unserer Linken befand sich ein düsterer, nebeliger Sumpf. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Auch ohne die Ringgeister die über uns kreisten wäre es hier schon unheimlich genug gewesen, aber mit ihnen... Am liebsten wäre ich umgedreht und nach Hause gelaufen... oder zumindest weit weg von hier. Doch ich würde nicht davon laufen wie ein Feigling. Ich wusste, wenn ich nicht weiterreiten würde, wenn wir nicht weiterreiten würden um Sauron entgegen zu treten, dann würde bald ganz Mittelerde so aussehen... sollte Sauron den Ring bekommen, dann würde ihn nichts mehr aufhalten können. Also gab es eigentlich keine Wahl, wir mussten weiter.

Ich atmete tief durch und zwang mich dazu, weiter zu gehen. Ich war nicht die Einzige, die gezögert hatte. Langsam setzte das Heer seinen Weg fort. Einige jedoch brachten es nicht über sich. Aragorn ritt an mir vorbei, was mich dazu veranlasste, den Kopf wegzudrehen, und sprach mit den Zögernden.

Kurze Zeit später schloss sich ein Teil von ihnen wieder dem Rest des Heeres an und ein Teil marschierte zurück. Sie würden nach Cair Andros ziehen, um dort die restlichen Orks zu vernichten.

Wir zogen nun weiter, doch unsere Anzahl hatte sich um einiges verringert. Nun waren wir nur noch cirka 6000 Krieger. Das war nie und nimmer genug um es mit den Armeen Mordors aufzunehmen. Doch wir würden es versuchen müssen. Es war unsere einzige Chance.

Von dem Sumpf (der Totensumpf, wie mich einer der Rohirrim informierte, ein wirklich passender Name) ging ein ekliger, erstickender Gestank aus. Gelblich-grüne Nebelschwaden zogen in unsere Richtung. Als ich aus Versehen gerade dann tief einatmete, als ein dünner gelblicher Nebelstreif an meinem Gesicht vorbeizog, musste ich sofort husten und würgen. Das stank ja tausendmal schlimmer als Schwefelwasserstoff!

Der Mann neben mir klopfte mir hilfsbereit auf den Rücken, was ich ihm mit einem leichten Nicken dankte. Frische Luft... das wär's jetzt... ein schöner, kühler und frischer Wind...

Doch es blieb den ganzen Tag über fast windstill. Kein Lebewesen war zu sehen, nicht einmal Raben oder Geier die über uns kreisten. Selbst Aasfresser wären mir ein willkommener Anblick gewesen, aber das einzige dass sich außer uns bewegte, waren der unheimlich Nebel und die Nazgûl von denen ich hin und wieder einen schemenhaften Fleck am Himmel erkennen konnte.

Keiner sagte etwas, die Stille lastete auf uns wie Blei. Es schien kälter geworden zu sein und das Licht der fahlen Sonne erschien kalt und leblos. Jeder Horrorregisseur würde seine Seele hergeben, um eine solche Atmosphäre auf Film bannen zu können.

Am frühen Nachmittag hielten wir kurz an um etwas zu essen. Nicht, dass irgendjemand viel heruntergebracht hätte. Ich zwang mich dazu, wenigstens ein bisschen was zu mir zu nehmen, doch das Brot schien sich in meinem Mund in Asche zu verwandeln und das Wasser hatte einen seltsamen, ungesunden Beigeschmack.

Als es dunkel wurde, hielten wir wieder an und schlugen unser Lager auf. Keiner wollte hier weiter gehen, solange es dunkel war. Es war ja schon tagsüber unheimlich genug, aber in der Dunkelheit... nein, ich mochte nicht daran denken, was für Schrecken hier in den Schatten der Nacht lauern konnten.

Es wurden doppelt so viele Wachen aufgestellt wie sonst und überall am Rand des Lagers wurden große Feuer entzündet um die Dunkelheit aufzuhalten. Immer wieder erklangen die schrillen angsteinflößenden Schreie der Ringgeister über uns.

In dieser Nacht schlief keiner viel.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon beim ersten grauen Tageslicht auf den Weg. Die dunklen Berge rechts von uns schienen uns mit ihren Schatten erdrücken zu wollen. Schweren Herzens machte ich mich mit den anderen zusammen wieder auf den Weg. Immer einen Fuß vor den anderen setzten, das war der Trick.

Langsam zogen wir weiter nach Norden und kamen unserem Ziel Schritt für Schritt näher.

Die Stimmung stand der vom Vortag in Nichts nach, es wurde sogar noch unheimlicher und bedrückender, obwohl ich das gestern nie für möglich gehalten hätte.

Bald schon bog die Bergkette die Mordor umschloss nach Osten ab. Wir folgten ihr und verloren nach kurzer Zeit den Sumpf aus den Augen. Was wenigstens ein kleiner Lichtblick war! Zu unserer linken Seite befanden sich nur kahle steinige Hügel, die ebenso leblos wie der Rest der Landschaft wirkten.

Es wurde den ganzen Tag über nicht richtig hell, der Himmel über Mordor war von dunklen Wolken bedeckt und wurde von feurigen Regenbögen durchzogen. Der schwache Schein der Sonne drang kaum durch den grauen Dunst der über allem lag.

Wir drängten uns immer enger zusammen, jeder suchte die Nähe der anderen, denn keiner wollte in dieser Albtraumlandschaft alleine sein.

Es war bereits später Nachmittag als ich vor uns den ersten Blick auf ein riesiges schwarzes Tor erhaschen konnte, dass von zwei spitzen ebenso schwarzen Türmen gesäumt war. Die Architektur erinnerte mich ein bisschen an Isengard, so ganz schwarz und stachelig. Jedoch hatte das Ganze eindeutig etwas hässliches, orkartiges an sich.

Als wir immer näher kamen, wusste ich mit Bestimmtheit, dass ich nicht wollte, dass sich dieses Tor öffnete. Ich hatte so das Gefühl, das hier keine süßen kleine Kätzchen herauskommen würden. Eher etwas in der Art des Killerkaninchens aus ‚Ritter der Kokosnuss'... nur viel schlimmer und vor allem viel mehr.

Schnell wurde beschlossen, heute nichts mehr zu unternehmen, sondern am Fuße der Schotterhügel zu campieren. Die Hügel umschlossen die trostlose Ebene, die sich vor dem Schwarzen Tor erstreckte, fast vollkommen.

Wir rückten so eng es ging zusammen und entzündeten so viele Feuer wie es uns möglich war. Es wurde immer kälter und ich zog meinen Mantel fester um mich und rückte näher an das kleine Feuer vor mir ran. Ich war unendlich froh um die Wärme die von den beiden Männern neben mir ausging.

Niemand sagte etwas, wir starrten alle nur wortlos in die Flammen. Diese Nacht würde keiner ruhig schlafen.

Aragorn, Imrahil und Éomer gingen langsam zwischen den Männern umher und sprachen ihnen Mut zu. Der blonde Reiter aus Rohan kam auch an unser kleines Feuer und sprach ein paar Worte.

„Morgen werden wir kämpfen. Versucht die verbleibende Zeit zu nutzen. Wir werden all unsere Kraft brauchen können."

Ich zog meine Kapuze ein wenig weiter nach unten und nickte nur leicht während ich nach unten blickte.

‚Wenn die Sonne den Mond besiegt hat, schicken die Schoschonen Abahachi und seinen weißen Blutsbruder in die ewigen Jagdgründe...', schoss mir durch den Kopf und ich musste ein Grinsen unterdrücken. Wenigstens hatte ich meinen Humor noch nicht verloren... so was nennt man wohl Galgenhumor.

Als die Sonne im Westen verschwand wurde es immer kälter und ein klammer Nebel zog auf. Um das Lager herum konnte ich Wölfe heulen hören. Ich hatte noch nie Angst vor Wölfen gehabt, aber das waren keine normalen Wölfe, das waren irgendwelche bösartigen Kreaturen Mordors. Sie blieben immer außer Sichtweite, aber ich konnte sie die ganze Nacht über hören.

Ich versuchte halbherzig ein wenig zu schlafen, doch kaum war ich ein wenig eingenickt, wurde ich schon wieder aus dem Schlaf gerissen. Und die Schatten die sich außerhalb des Lichtscheins unserer Feuer bewegten, trugen auch nicht gerade zu einer entspannenden Atmosphäre bei.

Als es am nächsten Morgen heller wurde – die Sonne war am grauen, wolkenverhangenen Himmel nicht zu sehen – verstummte das Heulen der ‚Wölfe' und ein kalter Wind wehte aus Norden. Das Land um uns herum schien verlassen und leer. Die Hügel in unserem Rücken waren von zerbrochenen Felsen und verbrannter Erde bedeckt und vor uns erstreckte sich ein Feld aus Asche.

Direkt vor uns, im Süden, befand sich das Morannon, das Schwarze Tor Mordors. Der dunkle Himmel dahinter war von einem unnatürlichen rötlichen Glühen erleuchtet. Das schwarze Material des Tores und der beiden Türme schien alles Licht zu verschlucken und ich glaubte auf dem Tor Bewegungen ausmachen zu können.

Das Tor sah uneinnehmbar aus. Als ob keine Armee der Welt mit Gewalt hindurchkommen würde. Was hatte Aragorn vor, wollte er etwa anklopfen? Was sollten wir machen, wenn Sauron die Herausforderung nicht annahm? Hatten wir überhaupt irgendeinen Plan? Es musste ja nicht gerade Wellingtons Plan bei Waterloo sein, aber ein Plan wäre schön.

Ich würgte ein bisschen was hinunter und überprüfte dann den Sitz meiner Rüstung, sowie meine Waffen. Die Feuer wurden gelöscht und das Lager abgebaut. Wir bereiteten uns auf die letzte Schlacht vor. Denn egal wie sie ausgehen würde, wir alle wussten, dass dies heute die letzte Schlacht sein würde.

‚Na, wenn das nicht Kamikaze ist', dachte ich leicht ironisch und trank einen letzten Schluck aus meiner Feldflasche.

Die Anführer versammelten ihre Männer und wir marschierten die kurze Strecke auf das bedrohlich aufragende Tor zu. Ungefähr 200 Meter vom Morannon entfernt hielten wir an und ich blickte ein wenig unsicher auf die schwarze Wand vor mir. Was nun?

Es war totenstill und das graue Licht reichte nicht aus um die bedrohlichen Schatten zu vertreiben die unseren Sinnen Streiche spielten. Ein schrilles Kreischen erfüllte die Luft und ich sah auf und erblickte die Ringgeister die auf ihren fliegenden Ungeheuern um die Türme des Morannons kreisten. Wie die Aasvögel...

Auf Aragorns Befehl hin bezogen wir unsere Stellung auf zwei flacheren Hügeln die sich direkt vor dem Schwarzen Tor befanden. Nach einer kurzen Besprechung machten sich Aragorn, Gandalf, Éomer, Imrahil, die Söhne Elronds, sowie Legolas, Gimli und Pippin mit einer kleinen Leibwache auf, zum Tor hinzureiten.

Nun würden wir ja sehen, ob und wie wir Sauron dazu bringen würden, das Tor zu öffnen und unser Spiel mitzuspielen. Es erinnerte mich irgendwie ein wenig an Braveheart. ‚I'm gonna pick a fight', hatte Mel Gibson gesagt.

‚Oh ja, durchaus passend,' dachte ich.

Darauf würde es wohl auch jetzt hinauslaufen.

Doch kurz bevor sie losritten, drehte sich Gandalf um und sah mich direkt an:

„Ich denke, Ihr solltet auch mitkommen, Elena."

Ich war wie erstarrt. Woher wusste er...? Wie zum Teufel hatte er mich erkannt?

Doch das war jetzt unwichtig. Zögernd ging ich nach vorne und nahm meinen Helm ab. Meine langen roten Haare, die ich unter ihm verborgen gehabt hatte, fielen herab und leuchteten im Licht der Sonne. Wenn Aragorn darüber erstaunt war, dass ich hier war, dann zeigte er es nicht. Ich vermied es, in Legolas' Richtung zu sehen, doch ich konnte es nicht verhindern den zuerst überraschten und dann gequälten Ausdruck seiner blauen Augen zu sehen.

‚Es tut mir leid, ich konnte nicht anders!', wollte ich rufen und mich in seine Arme stürzen. Doch dazu war es jetzt wohl zu spät. Ich schluckte die aufsteigenden Tränen hinunter und bemühte mich, ein ausdrucksloses Gesicht aufzusetzen als ich Gandalfs Blick begegnete.

Der Zauberer schenkte mir ein kleines Lächeln und nickte mir kurz zu. Elladan ritt auf mich zu und hielt mir mit unleserlichem Gesichtsausdruck seine Hand entgegen. Nach kurzem Zögern ergriff ich sie und lies mir von ihm auf sein Pferd helfen. Nun ritten wir wirklich los.

Annähernd 50 Meter vor dem Tor hielten wir an und Aragorn gab ein Zeichen, woraufhin sein Banner enthüllt wurde und die Herolde mehrmals die Trompeten bliesen. Laut und klar hallte Gandalfs Stimme durch die Stille:

„Kommt hervor! Der Herr des Schwarzen Landes möge hervorkommen! Ihm soll Gerechtigkeit wiederfahren. Denn er hat unrechtmäßig Krieg gegen Gondor geführt und dessen Ländereien verwüstet. Deshalb verlangt der König Gondors dass er für seine Teufeleien büßen soll, und dann diese Lande für immer verlassen soll. Kommt hervor!"

‚Ok…', dachte ich sarkastisch. ‚Wieso spazierst du nicht gleich als Uncle Sam verkleidet durch den Irak, da bringst du es schneller hinter dich…'

Doch deshalb waren wir ja schließlich hier, oder? Wir wollten Sauron dazu bringen, uns anzugreifen.

Es war totenstill und ich dachte schon, dass er vielleicht nicht funktioniert hatte, da ertönten auf einmal dumpfe Trommeln. Orkhörner erschallten und das große Tor öffnete sich einen Spalt.

Durch diesen Spalt kam eine kleine Gruppe herausgeritten. Es handelte sich um einige schwerbewaffnete Orks, die einen zerfetzten schwarzen Banner trugen, auf dem ein rotes Auge prangte. An der Spitze der Orks ritt eine Gestalt die vielleicht einmal ein Mensch gewesen sein mochte.

Er war groß und trug eine hässliche schwarze Rüstung mit einem schwarzen Helm der fast sein ganzes Gesicht verdeckte. Sein Pferd war ebenfalls schwarze und hatte einen fast skelettartigen Kopf mit seltsam rotglühenden Augen und Nüstern.

„Das ist der Lieutenant von Barad-dûr, er wird auch Saurons Mund genannt", informierte mich Elladan leise.

Der Mund Saurons hielt mit seiner ‚Leibgarde' vor uns an, lies seinen Blick abschätzig über uns schweifen und lachte höhnisch.

„Gibt es in diesem Haufen jemanden, der die Autorität hat, mit mir zu verhandeln? Oder auch nur genug Verstand, um mich zu verstehen?"

Sein Blick fiel auf Aragorn.

„Es ist mehr von Nöten, einen König zu machen, als ein Stück elbisches Glas und ein zerbrochenes Schwert!"

Aragorn sagte nichts, er starrte dem Lieutenant nur wortlos in die Augen. Nach kurzer Zeit wandte dieser eingeschüchtert seinen Blick ab und gab einem der Orks ein Zeichen. Daraufhin ritt dieser heran und überreichte ihm ein dunkles Bündel. Der Mund Saurons öffnete dieses und holte Sams Schwert, einen grauen Elbenmantel samt Brosche, sowie Frodos Mithril-hemd hervor.

Scheiße.

„Nein!", schrie Pippin und wollte nach vorne eilen, doch Gandalf bedeutete ihn, sich ruhig zu verhalten.

Ich starrte nur das Mithril-hemd an. Das hatte Frodo getragen. Er musste gefangen genommen worden sein... das hieße, er hatte versagt, Sauron hatte den Ring zurück... oder würde ihn zumindest bald haben. So war das nicht geplant! Das sollte nicht passieren! Die Guten gewinnen doch immer irgendwie... Verzweiflung stieg in mir auf.

Die Guten gewannen immer – in den Geschichten. Aber dies hier war keine Geschichte, dies war die Realität. Und in der Realität konnten die Guten sehr wohl verlieren...

Das höhnische Lachen des Mundes riss mich aus meinen Gedanken. Ich starrte ihn wütend an. Dieses Arschloch!

„Also sind Euch diese Gegenstände nicht unbekannt! Nun, vielleicht ist er, der diese Sachen bei sich trug, jemand um den ihr nicht trauern würdet, und vielleicht ist das Gegenteil der Fall. Beratet Euch schnell, denn Sauron mag keine Spione und sein Schicksal liegt nun in Euren Händen!"

Entsetzt starrten ihn alle an. Niemand sagte etwas, doch die Blicke sprachen Bände.

„Also war er euch lieb und teuer... oder seine Aufgaben war es zumindest", sprach Saurons Mund. „Er wird noch viele Jahren leben, in Saurons Folterkammern! Es sei denn, Ihr würdet die Forderungen meines Herren akzeptieren."

Forderungen? Oh-oh. Das konnte ja nichts Gutes sein!

„Nenne seine Forderungen", sagte Gandalf der auf einmal alt und grau erschien.

Er konnte doch nicht ernsthaft in Erwägungen ziehen, mit Sauron zu verhandeln! Wusste er denn gar nichts? So was war immer eine schlechte Idee, vor allem weil sich solche dunklen Herrscher nie an Eide hielten.

„Dies sind seine Forderungen: Ihr werdet sofort abziehen, nachdem Ihr Sauron die Treue geschworen habt. All das Land östlich des Anduin wird alleine Sauron gehören. Die Länder westlich des Anduins, bis zum Nebelgebirge und der Pforte Rohans, werden Mordor tributpflichtig sein, und den Menschen dort wird es verboten sein, Waffen zu tragen, aber sie dürfen sich um ihre eigenen Angelegenheiten selbst kümmern. Doch sie müssen die Festung Isengard wiederaufbauen, die Sauron gehören wird und von einem loyalen Diener besetzt werden wird."

Ich starrte ihn ungläubig an. Der hatte sie ja wohl nicht mehr alle!

„Aber sonst geht's dir gut, oder?" fragte ich ihn ironisch. „Keinerlei Größenwahn, oder?"

Ich konnte einfach mal wieder meine Klappe nicht halten. Aragorn warf mir einen kurzen belustigten Blick zu und Gandalf schüttelte amüsiert den Kopf. Der Blick den mir der Mund Saurons zuwarf, hätte jedoch die Hölle einfrieren lassen können.

„Wer ist dieses Weib, das es wagt so unverschämt zu reden?"

Wie bitte?! Ich öffnete meinen Mund, um etwas (nicht gerade sehr freundliches) zu erwidern, da hob Gandalf beschwichtigend seine Hand und gebot mir, ruhig zu sein. Widerwillig kam ich seiner Aufforderung nach. Hoffentlich wusste er, was er tat!

„Ihr verlangt viel im Austausch gegen einen einzigen Gefangen", sagte Gandalf kühl. „Jedoch bietet Ihr keine Sicherheit!"

Nach kurzem Zögern antwortete ihm der Diener Saurons.

„Sauron bietet keine Sicherheiten! Dies sind seine Forderungen. Akzeptiert sie oder lasst es bleiben!"

„Ha! Die kannst du dir sonst wo hinschieben!", murmelte ich leise, jedoch nicht so leise, als dass er es nicht hätte hören können.

Elladan unterdrückte ein Grinsen und auch Aragorn hatte Mühe ein erstes Gesicht zu wahren.

Gandalf jedoch warf seinen Mantel zurück und enthüllt somit seine strahlen weiße Kleidung.

„Diese Sachen werden wir nehmen, in Gedenken an unseren Freund!"

Er riss dem Mund Saurons Sams Schwert, den Elbenmantel und das Mithril-hemd aus der Hand und fügte hinzu. „Aber die Forderungen weisen wir allesamt zurück! Kehre zu deinem Herrn zurück! Wir sind nicht hergekommen um zu verhandeln! Hinfort!"

Na also! Auf Gandalf war eben doch Verlass!

Mit einem wütenden Schrei riss der Mund Saurons sein Pferd herum und galoppierte zurück durch das große Tor. Die Orks folgten ihm.

Ich sah ihnen nach. Lief das jetzt gut oder schlecht?

Das Trommeln begann wieder und Kriegshörner erschallten hinter dem Morannon. Langsam und knirschend öffnete sich das große Tor. Dahinter konnte ich eine riesige Armee erkennen. Ups. Nicht gut.

Auf Aragorns Zeichen hin, ritten wir zum Rest unseres kleinen Heeres zurück. Wir hatten gerade die anderen erreicht, als aus dem Osten eine Armee grimmiger Ostlinge auftauchte und zahlreiche Orks die Hügel hinter uns herunterkamen. Zählte man noch die Orks und anderen Kreaturen hinzu, die sich anschickten durch das Schwarze Tor zu kommen, dann waren wir vollkommen umzingelt. Na toll.

Nicht nur, dass wir ungefähr zehn zu eins in der Unterzahl waren, nein, wir waren auch noch von allen Seiten umzingelt. Es wurde immer besser.

Aragorn lies sein schwarzes Banner mit dem Baum und Sternen in Silber auf dem östlichen der beiden Hügel hissen, während der grüne Banner Rohans mit dem weißen Pferd und der blaue Banner Dol Amroths mit dem weißen Schwan auf dem westlichen Hügel wehten.

Am Fuße der beiden Hügel waren mehrere Reihen Krieger aufgestellt, Braveheart-mäßig, mit den Speeren nach außen und im Schutze ihrer Schilder. Ich befand mich mit den Dúnedain und den Söhnen Elronds, sowie den Männern aus Dol Amroth an der südlichen Front, die dem Morannon am nächsten war. Gandalf, Aragorn, Gimli und Pippin befanden sich ebenfalls hier, ebenso wie Legolas.

Ich war versucht, mit ihm zu sprechen, doch er weigerte sich, meinem Blick zu begegnen. Mit einem leisen Seufzen wandte ich meinen Blick wieder nach vorne. Die Armeen Mordors standen uns gegenüber. Bald würde die Schlacht beginnen.

Mein Herz wurde schwer, bei dem Gedanken, Legolas zu verlieren. Doch jetzt gab es kein Zurück mehr. Wir mussten uns Sauron stellen. Auch wenn Frodo vielleicht versagt haben mochte, dies war unsere einzige Chance. Denn wir kämpften nicht für Ruhm und Ehre oder gar Reichtum, sondern für unsere Freiheit – und solange sich auch nur einige wenige von uns noch Sauron wiedersetzten, war noch nicht alles verloren. Solange gab es noch Hoffnung. Denn falls die Hoffnung sterben sollte, ist wirklich alles verloren.