Und damit Ihr schnell wieder zu Hermine und Severus kommt, lege ich heute großzuegig noch ein Kapitel dazu!
25. Der Zwischenfall
Auf einer Anhöhe, im fahlen Licht der Dämmerung, stand das schwarze Einhorn.
Es war ein gewaltiger Hengst, mit einem mächtigen Hals und einem starken Rücken.
Eine lange, schwarze Mähne wallte beidseitig bis weit über seine Schultern, floss in üppigen Locken wie ein Wasserfall hinab, und wenn es den Kopf senkte um zu grasen, dann berührten die Haare den Boden. Gelegentlich verfingen sich Moos und Blätter darin, was es zu einem ärgerlichen Kopfschütteln animierte. Sein Fell war kurz und glänzte wie die Oberfläche eines dunklen Sees. Der Schweif war dicht und so üppig, dass er bei jedem Schritt wie eine Schleppe über den Boden schliff. Sein dunkles Stirnhorn war lang und ausgeprägt, und teilte den dichten Schopf in zwei dicke Strähnen, die so den Blick der wachsamen Augen nicht dämpfen konnten. Es hob seinen Kopf noch höher und drehte ihn leicht, um auch die Landschaft hinter sich betrachten zu können, doch auch hier gab es nur Stille, Einsamkeit und Zwielicht. Ärgerlich schüttelte es da den Kopf und stieß ein gelangweiltes Schnauben aus. Langsam setzte es Huf vor Huf und kletterte den Hang hinab, der es in ein kaltes Tal führte. Von jäher Ungeduld erfasst beschleunigte es seine Tritte zu einem scharfen Trab, um dann mit einem unwilligen Bocksprung in einen Galopp zu verfallen. Immer länger und länger wurden seine Sprünge. Der Schweif und seine Mähne begleiteten ihn flatternd wie ein samtschwarzes Banner, schienen die Linie des geschmeidigen Körpers noch mehr zu strecken. Das Trommeln der unbeschlagenen Hufe wurde durch das magere, vermooste Gras gedämpft und die Atemstöße des großen Tieres waren leise, denn die gewaltigen Lungen pumpten mehr Sauerstoff durch den Körper, als nötig gewesen wäre.
Immer schneller und schneller wurde der Lauf des Einhorns, bis es einem Betrachter unmöglich geworden wäre, die wirbelnden Beine des Hengstes noch auseinander zuhalten.
Bald schon verschwamm sein Bild in der Trübe des dunklen Horizontes. Zurück blieb nur der Widerhall seines ungeduldigen Wieherns.
„Wie weit bist Du?" Gina war drängend zu Pascal getreten und betrachtete mit zusammengezogenen Brauen die Formeln, die er aufgeschrieben hatte.
Sie tippte auf eine Zeile.
„Das hier musst Du noch umstellen!"
Pascal kräuselte ärgerlich die Stirn.
„Woher willst Du das wissen?"
„Ich weiß es eben!"
Sie drehte sich um und keifte durch das Labor: „Robin, Hermine, Sven, heute noch meine Herrschaften, ich brauche die Proben!" ungeduldig spielte sie mit ihrem Zauberstab.
Hermine hastete durch das Labor um ihr die Reagenzgläser zu bringen. Ungehalten riss sie ihr diese fast aus der Hand.
„Du solltest deine beiden Mitstreiter zu besserer Mitarbeit animieren, sonst werde ich ungemütlich, Hermine!" zischte sie.
„Wir tun was wir können!" gab Hermine gereizt zurück.
Ginas Augenbrauen zogen sich zusammen und sie sagte so laut dass es alle hören konnten.
„Anscheinend ist das nicht genug. Wer meinem Leistungsanspruch nicht genügt, der fliegt gnadenlos aus dem Projekt. Und das gilt für ALLE!" mit den letzten Worten hatte sie Hermine drohend angesehen. „Es gibt weltweit genügend Studenten die ihre rechte Hand dafür geben würden, mir zu assistieren!"
Inzwischen waren einige Tage vergangen und die Arbeit war gut vorangekommen. Doch mit jedem Fortschritt war Gina unberechenbarer und ungeduldiger geworden. Es war Freitagabend, eigentlich hätten sie alle frei gehabt aber unentwegt hatte Gina sie zur Arbeit angespornt. Hermine war müde. Sie hatte kaum eine Nacht der vergangenen Woche mehr als drei bis vier Stunden Schlaf bekommen. Gina schien weder zu schlafen, noch etwas zu essen.
Ihre Haut war blass geworden, ihr Körper ausgemergelt. Ständig zankte sie mit Pascal wegen der korrekten Formel. Die Umkehrung der genetischen Veränderung war bei den Proben noch nicht stabil genug.
„Wir können den Versuchsaufbau nicht mehr unbeobachtet lassen! Ich brauche jemanden der nachts mitarbeiten kann!"
„Wenn ich jetzt nach Hause gehe und mich einige Stunden hinlege, dann kann ich um Mitternacht wieder hier sein!" bot Hermine sofort an.
Gina sah sie aus trüben Augen an. „OK, dann bleibe ich mit Pascal und Robin hier, Sven kann sich dann auch hinlegen!"
Hermine zögerte. „Du solltest auch schlafen, Gina, Du siehst fürchterlich aus!"
Gina sah sie an als wäre sie nicht ganz bei Trost.
„Ich schlafe genug, danke!"
Hermine und Sven verabschiedeten sich und die Aussicht auf ein paar Stunden Schlaf hob ihre Laune merklich an.
Unterdessen arbeitete Gina wie besessen weiter. Sie baute einen neuen Versuch auf, destillierte und analysierte, verschüttelte, schnupperte und beäugte.
Am frühen Abend sprach Pascal ein Machtwort. „Wenn Du dich kaputt machen willst, ist das dein Problem, Gina, aber wir werden jetzt ins Wirtshaus gehen und etwas essen. Ich bestehe darauf dass Du mitkommst."
Gina sah ihn irritiert an. „Essen, jetzt?" unschlüssig betrachtete sie ihre Versuche.
Als würde sie plötzlich zu sich kommen, stimmte sie friedlich zu: „Ja wieso nicht, eine Pause haben wir uns wirklich verdient!"
Gemeinsam gingen sie die Stufen aus den Verliesen hoch und traten hinaus auf den Burghof.
Die abendliche Sommersonne schien noch warm und freundlich von einem strahlendblauen Himmel. Der Tag war sehr heiß gewesen, doch in der Tiefe der Kerker war es niemandem aufgefallen.
Pascal rieb sich frohlockend die Hände. „Ich möchte die größte Pizza die Gulliermo auftischen kann!"
„Halt Freundchen!"
Aus dem Schatten der Burgmauern war ein Mann getreten. Mit gezücktem Zauberstab ging er auf Pascal zu. „Du wirst hier verschwinden, und zwar ganz schnell."
„STEVEN!" Gina hatte sich zwischen den absolut überraschten Pascal und Steven Gibson gestellt. „Was soll das ganze hier?" Ihre Stimme war scharf.
Steven sah sie an als wäre er von Sinnen. „Du schnappst sie dir alle, nicht wahr, egal wer es ist. Alle liegen sie dir zu Füßen und dann machst Du sie fertig, nicht wahr Gina, aber nicht mit mir." Er lachte hektisch und hob den Zauberstab wieder höher, zielte über Ginas Kopf hinweg auf Pascal.
„Expelliarmus!" Gina hatte blitzschnell ihren Zauberstab auf Steven gerichtet und das eine Wort nur leise gesprochen. Steven wurde mit unglaublicher Wucht nach hinten geschleudert.
Emotionslos folgten Ginas Augen seinem Körper, der mit einem dumpfen Knall an die Burgwand schlug und dann leblos zu Boden sank.
Aus seinen Ohren sickerte Blut.
Pascal war sofort bei ihm, fühlte seinen Puls. Ernst sah er sie an.
„Er ist tot, Gina!"
tbc
