Disclaimer: Die Charaktere gehören jemand anderem. Ich bin mir sicher, dass ihr wisst, wem.

Ü/N: Nein, ihr habt keine Wahnvorstellungen! Das ist wirklich ein Update! Hurra! Das ist mein Weihnachtsgeschenk...

Der Beginn dieses Kapitel spielt nachdem das Quidditchspiel gegen Hufflepuff abgeblasen wird. Hermine und Penelope sind versteinert worden und McGonagall hat gerade ihre Ankündigung im Gemeinschaftsraum gemacht.


Kapitel 24

Der Gemeinschaftsraum war in Aufruhr. Lee hatte gerade vorgeschlagen, dass alle Slytherins ‚rausgeworfen werden'. Im Stillen hatte Alicia sich gesagt, dass keine Slytherins angegriffen worden waren, weil sie alle reinblütig waren, aber das würde sie Lee nicht sagen, während er in der jetzigen Laune war.

Oliver ging es sogar noch schlimmer.

„Sie können die Quidditch-Saison nicht abbrechen!"

„Sie können und sie haben es, Schätzchen. Da gibt es nichts, was wir tun können", seufzte Katie missmutig.

„Warum die Quidditch-Saison abbrechen? Es ist ja nicht so, als ob das Monster mitten im Spiel angreifen würde!", tobte Oliver weiter und bemerkte die Leute nicht, die versuchten, ihn zu beruhigen.

Schließlich griff Angelina ein. Sie beugte sich über Katie, packte Olivers Ohr und verdrehte es. „Hör mal, Oliver, sie haben die Quidditch-Saison abgebrochen und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Du solltest dir eigentlich auch keine Sorgen um Quidditch machen. Was, wenn sie die Schule schließen? Wir würden nach Beauxbatons oder sogar Durmstrang geschickt. Würde dir das gefallen?"

„Nein", sagte er kleinlaut.

„Das habe ich mir gedacht. Jetzt reiß dich zusammen", befahl Angelina und ließ sein inzwischen rotes Ohr los.

Alicia lauschte nur mit halbem Ohr den Unterhaltungen um sie herum. Alle waren besorgt. Der Großteil von ihnen hatte keinen Grund, vor dem Monster Angst zu haben. Es war nicht hinter ihnen her.

Quer durch den Raum hatte sich eine Gruppe Erst- und Zweitklässler zu einer Traube zusammengefunden. Alicia fiel auf, dass sie alle entweder muggelgeboren oder halbblütig waren. Sie wollten das zusammen durchstehen. Alicia persönlich dachte, dass das kein sonderlich effektiver Plan war. In einer Herde wie dieser waren sie ein noch leichteres Ziel.

Die Unterhaltungen brachten sie nur an den Rand des Wahnsinns, daher ging sie hinüber zu dem Pulk, um mit ihnen zu reden. Nach einer kurzen, ermunternden Unterhaltung, stieg sie die Treppe hoch. Als sie am Schlafsaal der Erstklässler vorbeiging, hörte sie das deutliche und unverwechselbare Geräusch einer weinenden Person.

Sie klopfte sanft. „Hallo?"

„Lasst mich in Ruhe", war die geschluchzte Antwort.

„Ginny?"

Ohne auf eine Antwort zu warten, betrat Alicia den Raum. Ginny hatte sich auf einem der Betten zusammengerollt. Ihr rotes Haar hing ihr ins bleiche Gesicht und ein kleines Buch lag neben ihr. Es war relativ klein und dünn und es sah ziemlich alt und schäbig aus. Alicia wusste, dass Ginny viele ihrer Bücher aus zweiter Hand hatte und dachte sich nichts dabei.

Ginny schniefte und wischte sich das Haar aus dem Gesicht. „Alicia?"

„Mit dir alles in Ordnung, Gin?"

„Stimmt es, dass sie die Schule vielleicht schließen?"

„Die Möglichkeit besteht wohl, denke ich. Ich würde mir keine Sorgen machen, wenn ich du wäre; Dumbledore wird das alles regeln. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, wird gefangen und lebenslang nach Askaban geschickt werden."

Das ließ Ginny nur noch heftiger schluchzen. Alicia legte das Buch beiseite und setzte sich neben das verzweifelte Mädchen. Sie hatte sie noch nie so außer sich gesehen. Die grauenerfüllten Schluchzer machten ihr mehr Angst als das Monster.

„Es wird alles gut, Ginny", sagte sie, als sie ihr beruhigend den Rücken rieb. „Die Alraunen sind fast ausgewachsen! Hermine wird bald wiederbelebt werden."

Alicia blieb noch eine Weile länger bei ihr, bis sie – völlig erschöpft vom Weinen – in einen unruhigen Schlaf hinüberglitt. Sie nahm sich einen Moment Zeit, um das alte Buch zu untersuchen. Aber es war leer und ziemlich langweilig, also legte sie es auf Ginnys Nachttisch und schlich sich auf Zehenspitzen aus dem Raum.

Das Geräusch lauter Unterhaltungen schwebte die Treppe herauf und Alicia hatte keine Lust, sich zu den anderen zu gesellen, daher ging sie hoch in ihr Zimmer und ließ sich auf ihr Bett fallen. Die Dinge liefen aus dem Ruder. Wenn sie Hogwarts schlössen, würde alles vorbei sein und sie würden auf eine der anderen großen europäischen Schulen geschickt werden.

Alicia wollte auf keinen Fall nach Durmstrang gehen, mit seinem Ruf der Wertschätzung der Dunklen Künste, weder fand sie die Aussicht auf Beauxbatons besonders ansprechend. Jasmine hatte ihr an Weihnachten alles darüber erzählt und es klang viel zu hochmütig und edel. Berühmtheiten und bekannte Quidditch-Spieler schickten ihre Kinder dorthin. Sogar der Zaubereiminister ließ seine Tochter dort schulen.

Sie blinzelte die Tränen weg, die zu fallen drohten, als sie daran dachte Hogwarts verlassen zu müssen, den Ort, der ihr zweites Zuhause war. Bevor sie zusammenbrach, klopfte es an der Tür. Es waren wahrscheinlich George oder Angelina oder Katie, die sich fragten, wo sie gewesen war.

„Herein!", rief sie ihrem Besucher zu.

Es war weder Angelina noch Katie noch George.

„Lee? Fred?"

„Alles klar, Leesh?"

„Mir geht's gut", antwortete sie zögernd, sie misstrauisch beäugend. „Was wollt ihr?"

„Kann sich ein Mann nicht um seine Freundin sorgen?" Lee trat ein und gab vor, von ihrer Annahme, dass er Ärger verursachen wollte, beleidigt zu sein.

„Ihr habt euch Sorgen um mich gemacht?"

„Jah, wir haben ziemliche Schuldgefühle, weil wir dir letztens solche Angst gemacht haben", sagte Fred.

Alicia setzte sich auf und beobachtete sie neugierig. Die beiden hatten sich in ihrer Gegenwart seit einiger Zeit ziemlich merkwürdig verhalten. Im Augenblick war sie nicht in der Stimmung für einen blöden Streich, daher befahl sie ihnen zu gehen.

„Och, Leeshy. Wir haben nur versucht freundlich zu sein."

„Seit wann wart ihr je freundlich zu mir?"

„Das ist unser Neujahrs-Vorsatz", sagte Lee fröhlich.

„Es ist April", wies Alicia sie drauf hin, als sie Fred ein Elfenschmuckstück aus der Hand schnappte. „Hört auf meine Sachen zu betatschen und lasst mich in Ruhe."

„Wir wissen was, was du nicht weißt", sang Fred.

„Ist mir egal. Haut ab."

„Schön." Lee zuckte mit den Schultern und machte sich mit Fred auf den Weg hinaus. Schon halb in der Tür rief er leichthin zurück, „Ich denke mal, dass du nicht wissen willst, wer auf dich steht."

„Richtig geraten, ich will es n- halt! Kommt sofort zurück!", befahl sie.

Wie Honigkuchenpferde grinsend drehten sie sich beide um und legten spottend ihre Köpfe schief. „Aber du hast doch gesagt, wir sollten abhauen."

„Es ist das Vorrecht eines Mädchens, ihre Meinung zu ändern. Jetzt kommt schon rein." Sie zerrte sie beide zurück ins Zimmer und knallte die Tür zu.

Lee grinste in seiner üblichen, hinreißenden Art. „Wir haben uns gedacht, dass das deine Aufmerksamkeit erregen würde."

„Was war das mit jemand steht auf mich?"

„Wir haben nur geheime Informationen darüber, dass ein bestimmter Gryffindor-Typ ein Auge auf dich geworfen hat." Fred zuckte nonchalant mit den Schultern. „Nichts Aufregendes, ehrlich."

Alicia gaffte ihn an. Er musste Witze machen! Nichts Aufregendes? Niemand stand jemals auf sie! Es waren immer Angelina oder Katie. Es musste ein Trick sein. „Ihr verarscht mich."

„Tun wir nicht!", sagte Lee entrüstet.

„Das würden wir nie tun", fügte Fred hinzu. Alicia schnaubte. „Dich aufzuziehen und dich bis zur Weißglut zu ärgern ist eine Sache, aber bei so einer Sache würden wir dich nie bescheißen."

Alicia sah etwas sehr Seltsames in seinen Augen. Etwas, das nicht ganz zu passen schien, wie ein Cricket-Spieler in einer Rugbymannschaft. Sie brauchte einen Moment bis sie bemerkte, dass es Aufrichtigkeit war.

„Okay, ihr sagt die Wahrheit. Also, wer ist es?"

„Können wir nicht sagen."

„Lee!"

„Mach dir nicht ins Hemd, Schätzchen. Wir haben versprochen, dass wir dir nichts sagen."

Alicia schmollte. Wie konnten sie es wagen, ihr derart Hoffnungen zu machen? Plötzlich traf sie die Erkenntnis wie ein Schlag und sie quietschte leise.

Oliver!

Ihr Herz begann zu pochen. Er musste es sein! Kein anderer Junge verschwendete auch nur einen Blick an sie. Oliver Wood stand auf sie, Alicia Spinnet! Einer der heißesten Typen der Schule.

„Geht es dir gut?" Fred sah sie an.

„Oh, ja, ziemlich gut", erwiderte Alicia atemlos und bemerkte, dass sie für einen Augenblick bleich geworden war. Jetzt färbten sich ihre Wangen verräterisch. Sie musste ein Kichern unterdrücken, als die Jungs einen verstohlenen Blick wechselten. „Der mysteriöse Junge spielt im Gryffindor-Quidditchteam, nicht wahr?"

Fred erhielt sein Pokerface aufrecht, doch Lees Augen weiteten sich dramatisch. Das war all die Bestätigung, die sie gebraucht hatte. „Keine Sorge, ich werde ihm nicht sagen, dass ihr es verraten habt."

„Aber-"

„Ich weiß, wer es ist. Ich hatte diese Vermutung schon für eine ganze Weile, aber ihr habt es mir gerade bestätigt. Danke."

„Aber-"

„Wiedersehen, Jungs. Das war ein äußerst informativer Besuch."

Sie scheuchte die geschockten Jungen aus dem Raum. „Aber-", setzte Lee wieder an. Alicia machte die Tür direkt vor seiner Nase zu.

„Oh oh", murmelte Fred immer und immer wieder, als sie die Treppen runterstiegen, sich durch den überfüllten Gemeinschaftsraum schlängelten und zurück in ihren (glücklicherweise) leeren Schlafsaal gingen.

„Denkst du, dass sie es wirklich weiß?", fragte Lee ängstlich.

„Keine Ahnung", gab Fred zu. „Es gibt nicht viel mögliche Auswahl im Team."

„Vielleicht denkt sie, es ist Oliver. Oder sogar Harry."

„Lass uns hoffen. George bringt uns um, Mann." Er fuhr sich mit den Händen durch sein feuerrotes Haar und sah sich auf der Suche nach Inspiration im Raum um.

„Das war deine Idee! Er sollte dich umbringen!" Lee wies auf seinen Freund.

„Du hast es mit deinen bescheuerten Augen verraten! Nebenbei, ich bin sein Zwillingsbruder. Er wird dich umbringen!"

Sie waren für mehrere Minuten still. Lee seufzte und ließ sich auf sein Bett fallen. „Wen wollen wir täuschen? Er bringt uns beide um."

„Vielleicht blufft Alicia. Du weißt schon, sie wartet, bis wir in die Falle tappen", sagte Fred nachdenklich.

Lee setzte sich interessiert auf. Er hatte den merkwürdigen Ausdruck auf ihrem Gesicht gesehen. „Jah, vielleicht hast du Recht. Aber was machen wir?"

„Erst mal tun wir so, als wenn nichts passiert wäre."

„Aber was, wenn sie weiß, dass wir es wissen?"

„Dann wissen wir, dass sie weiß, dass wir es wissen."

Lee runzelte die Stirn. „Häh?"

„Dann jedoch – sie mag vielleicht wissen, dass wir wissen, dass sie weiß, dass wir es wissen."

„Worüber redest du?"

„Ich weiß nicht!" Fred warf frustriert seine Arme in die Luft. „Ich habe Kopfschmerzen."

Nach vielem Nachdenken entschied Alicia sich dazu, schüchtern zu spielen. Hinter Oliver herzukriechen wie ein verträumter Groupie würde ihm nur Angst machen. Cool und subtil war der Trick. Ihn dazu zu bringen, den ersten Schritt zu machen, sollte einfach genug sein.

„Wie geht's dir, Captain?", fragte sie sanft.

Es war drei Tage vor den Prüfungen und Oliver hatte versucht, im Gemeinschaftsraum zu lernen, doch er hatte es aufgegeben. Es war momentan einfach zu schwer, sich auf den Schulkram zu konzentrieren.

„Gut", antwortete er ihr automatisch.

„Gut? Du bist in letzter Zeit wie ein verlorener Welpe herumgelaufen, Oliver."

„Was soll ich machen?", fragte er.

Alicia zuckte zusammen. Jah, mach ihn wütend. Das wird helfen.

„Wir hätten den Pokal gewonnen, weißt du."

„Das ist kein großer Trost, Alicia."

„Es tut mir Leid."

„Es tut mir auch Leid. Ich wollte es nicht an dir auslassen." Er schenkte ihr ein entschuldigendes, halbes Lächeln.

Jeder Zeitpunkt war genauso gut wie jetzt. „Oliver, denkst du, dass ich mit dir reden könnte?"

„Schieß los."

„Ich hatte gedacht, irgendwo, wo wir etwas ungestörter sind", sagte sie unsicher.

„Ungestört?"

„Ja", sagte Alicia, als sie sich im überfüllten Gemeinschaftsraum umsah. Warum musste er es so verdammt schwer machen?

„Sicher, ich denke nicht, dass jemand oben in meinem Schlafsaal ist."

Sie nickte. Mit wackeligen Beinen stand sie auf und folgte Oliver die Treppen hoch. Sie waren schon halb oben, als sich das Porträtloch öffnete und ein langer Strom von Gryffindors eintrat. Sie hielten auf der Treppe inne und sahen hinunter. George, Fred und Lee waren die Letzten, die hereinkamen.

„Was ist los?", rief jemand.

„Keine Ahnung. Wir waren bei einer Strafarbeit mit Flitwick, als eine Ankündigung gemacht wurde", antwortete Fred.

„Alle Schüler wurden zurück in ihre Häuser geschickt und die Lehrer sollten ins Lehrerzimmer", fügte Dean Thomas hinzu.

Oliver sah auf Alicia hinunter. „Du denkst doch nicht-"

Sie stöhnte. „Nicht noch ein Angriff."

Langsam, fast zögernd, kamen sie wieder runter, um sich zu ihren besorgten Hauskameraden zu gesellen. Alicia und Oliver gingen zu den anderen in eine Ecke, wo sie sich flüsternd unterhielten.

„Vielleicht haben sie das Monster gefangen."

„Nein." George schüttelte den Kopf. „McGonagall klang wirklich besorgt. Es muss eine neue Attacke sein."

Keiner von ihnen sagte etwas, aber im Stillen waren sie sich einig. Unbewusst sahen sich alle nach ihren Freunden um.

Das Porträt öffnete sich erneut und McGonagall trat ein. Alle Blicke wandten sich ihr zu. Sie war offensichtlich sehr besorgt über etwas und ihre normalerweise so ruhige Stimme zitterte unkontrolliert.

„Es tut mir sehr Leid Ihnen sagen zu müssen, dass dies das Ende von Hogwarts ist. Ich muss Sie alle bitten, Ihre Sachen sofort zu packen. Der Hogwarts-Express wird Sie morgen früh gleich nach Hause bringen."

Die Schüler keuchten gemeinsam entsetzt auf. Alicia fühlte sich auf einmal schrecklich. Sicherlich konnten die Dinge nicht noch schlimmer werden.

Sie konnten es doch.

„Sie müssen verstehen, dass eine Schülerin von dem Monster in die Kammer entführt worden ist. Wir haben keine andere Wahl, als die Schule zu schließen."

„Aber wer, Professor? Wer wurde in die Kammer entführt?"

„Ginny. Ginny Weasley."

Für den Rest ihres Lebens würde Alicia den Ausdruck auf Georges Gesicht nie vergessen. Angst griff wie eine eiskalte Hand nach ihrem Herzen. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie er sich fühlte.

„Ich fürchte, wir können nicht viel tun", sagte McGonagall mit feuchten Augen. Sie schenkte den Weasleys einen letzten, mitfühlenden Blick, dann stolperte sie hinaus.

Niemand sagte ein Wort. Die unnatürliche Stille hallte im Turm wider, als alle die Erkenntnis überkam. Ginny war verloren.

„Fred?", sagte Angelina drängend.

Er wandte sich ihr zu, doch seine Augen starrten ins Leere. „Ginny?"

„Komm und setz dich", sagte Alicia sanft und ergriff Georges Arm, um ihn zu einem Sessel zu geleiten. Eine Zweitklässlerin sprang auf und George ließ sich schwer nieder. Alicia setzte sich auf die Armlehne und legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Wie konnte das passieren?", fragte er wie betäubt.

„Ich bin mir sicher, dass es ihr gut geht", sagte Angelina nicht sehr überzeugend.

Das Porträt öffnete sich erneut und alle drehten sich hoffnungsvoll um. Es waren nur Ron und Harry.

„Ron-"

„Wir wissen es", sagte Harry.

Sie kamen hinüber zu Fred und George und alle ließen ihnen etwas Raum. „Ich bin gleich dort drüben, wenn du irgendwas brauchst." Alicia strich ihm ein letztes Mal beruhigend über die Hand, dann ging sie zu Angelina, Katie, Lee und Oliver.

„Das ist schrecklich", sagte Katie. Sie zitterte, eine Träne rollte ihre Wange hinunter.

Lee legte ihr tröstend einen Arm um die Schultern. „Es wird alles gut."

„Es macht ja noch nicht mal Sinn. Ginny ist reinblütig so weit man zurückblicken kann", sagte Alicia.

Der Gemeinschaftsraum war allmählich leerer geworden, da die Schüler hoch gingen um mit dem Packen anzufangen. Einige jüngere Schüler waren noch da, weil sie nicht wussten, was sie tun sollten. Nach ein paar Worten von Alicia und Angelina gingen auch diese hoch.

„Wir können genauso gut anfangen", seufzte Angelina.

„Ist es in Ordnung, wenn ich mit euch komme?", fragte Oliver. „Ich habe so das Gefühl, dass Percy alleine sein möchte."

„Klar. Möchtest du auch mit, Lee?"

„Wenn es euch nichts ausmacht."

„Gesellschaft wird uns gut tun", sagte Katie, mit einem gezwungenen, wässrigen Lächeln.

Die Fünf gingen mit schweren Schritten die Treppen hoch und in den Schlafsaal. Die Mädchen begannen, ihre Sachen zusammenzusuchen, während Lee und Oliver sich auf die Betten setzten.

„Was denkt ihr, was mit uns passiert?", fragte Lee schließlich.

Alicia sah von ihren gefalteten Umhängen auf. „Sie müssen die Schülerschaft aufteilen. Die eine Hälfte wird nach Beauxbatons und die andere Hälfte nach Durmstrang gehen. Anders geht es nicht."

„Ich wette, wir enden mit den Slytherins in Durmstrang." Angelina schüttelte sich bei dem Gedanken und entschied, dass sie auf keinen Fall nach Durmstrang gehen würde.

„Wenigstens sind wir zusammen", sagte Katie.

„Ich hasse es, nichts tun zu können", sagte Oliver leidenschaftlich.

Alicia knallte ihren Koffer zu, dann wandte sie sich ihm zu. „Wir können Ginny vielleicht nicht helfen, aber wir können alles organisieren, während die Vertrauensschüler bei der Notfallsitzung sind. Ich werde sicher gehen, dass es allen gut geht. Willst du mit, Olly?"

Er zuckte mit den Schultern und sagte, „Es ist besser als rumzusitzen und nichts zu tun." Er folgte ihr aus dem Raum.

Im Flur trafen sie eine Vertrauensschülerin, die zurückgeblieben war um sicherzugehen, dass alle packten. Sie sah ziemlich gestresst aus und war froh über die Hilfe. Alicia und Oliver wurden hinunter in den Schlafsaal der Erstklässlerinnen geschickt.

Die beiden waren dort für über eine Stunde drin. Die Mädchen waren geschockt und nicht wirklich in der Stimmung zum Packen. Mit ein bisschen Aufmunterung der älteren Schüler schafften sie es dann doch. Ginnys Sachen blieben unangetastet. Alicia dachte, dass es besser wäre, wenn jemand aus der Familie sich darum kümmern würde.

Die Mädchen hatten eine Menge Fragen und Alicia und Oliver taten ihr Bestes, so viele wie möglich davon zu beantworten. Schließlich kam eine Vertrauensschülerin um sie abzulösen und die Mädchen umarmten sie zum Abschied, sehr zu Olivers Überraschung.

„Fühlst du dich etwas besser?", fragte sie ihn, als sie zurück zu ihrem Zimmer gingen.

„Ja, eigentlich schon", gab er zu. „Es ist nur schade, dass so etwas passiere muss, bevor ich ein paar der jüngeren Schüler kennen lerne."

„Ich wusste, dass dir auch an anderen Dingen als Quidditch was liegt."

Seine Antwort wurde von Angelina unterbrochen, die auf sie zugerast kam. „Merlin sei Dank! Ich kann nicht länger warten. Ich muss nach Fred sehen. Komm mit, Leesh."

Bevor sie antworten konnte, wurde sie die Treppe runtergezerrt. Der Gemeinschaftsraum war jetzt etwa halbvoll, doch die Jungs waren nirgendwo zu sehen. „Sie werden in ihren Schlafsaal gegangen sein."

Angelina zog sie die andere Treppe hinauf und klopfte an ihre Tür. Sie wurde fast sofort aufgerissen. Freds hoffnungsvolles Gesicht blickte ihnen entgegen und verdunkelte sich dann wieder.

„Es tut mir Leid, Liebling", sagte Angelina sanft.

„Ich dachte ihr wärt – schon gut..." Seine Stimme verlor sich, dann trat er zurück um sie einzulassen.

„Wo ist George?", fragte Alicia, als sie ihn im Zimmer nicht sah.

„In der Dusche. Gab es Neuigkeiten?"

„Nein. Tut mir Leid."

„Mum und Dad sollten bald hier sein. Percy sagte, dass sie nach Hogsmeade apparieren würden."

„Wie geht es Ron?", fragte Alicia.

„Er nimmt es schwerer als alle anderen von uns, denke ich. Er war Ginny näher. Ich wünschte, ich hätte mir die Zeit genommen-" Seine Stimme brach und er wandte sich ab.

Als sie sah, dass er verlegen war, rieb sich Alicia ihre eigenen Augen mit dem Ärmel ihres Pullovers und setzte sich auf Georges Bett, während Angelina ihn tröstete. George kam fünf Minuten später aus dem Bad. Sein feuchtes Haar war ungekämmt und er trug kein T-Shirt.

„Alicia?" Er hielt inne, als er sie auf seinem Bett sah. Er erholte sich jedoch schnell von dem Schock und sagte, „Was machst du hier? Ist was passiert?"

„Nein, immer noch nichts. Angelina und ich sind nur gekommen um sicher zu gehen, dass es euch beiden gut geht."

Er schenkte ihr ein kleines Lächeln, dass Alicia fast das Herz brach. „Mir ging's schon mal besser."

„Oh, George!" Sie sprang vom Bett auf um ihn zu umarmen. Für eine Sekunde schob er sie fast weg. Langsam nahm er die angebotene Umarmung an und vergrub sein Gesicht ihn ihrem Haar. So hielt sie ihn für mehrere Minuten, bis er sich von ihr löste, ein wenig verlegen aussehend.

„Ich helfe euch beim Packen", bot sich Angelina an.

„Ich werde nur mal eben nach Ron sehen. In einer Minute bin ich wieder da." Alicia eilte aus dem Raum und George fühlte sich plötzlich sehr einsam.

„Danke, dass du gekommen bist", flüsterte Fred, als Angelina ihm beim Aufsammeln seiner Schulbücher half.

Sie küsste ihn auf die Stirn. „Was für eine Freundin wäre ich, wenn ich nicht gekommen wäre?"

„Ich schätze es trotzdem."

„Denkst du, dass wir Mum und Dad sehen können?", fragte sich George laut.

„Ich bezweifle es."

Alicia kehrte zurück, ziemlich verwirrt aussehend. „Geht es ihm gut?", fragte Fred, besorgt von dem Ausdruck auf ihrem Gesicht.

„Er und Harry sind nicht in ihrem Zimmer."

„Was meinst du?"

„Genau das, was ich gesagt habe. Sie sind nicht in ihrem Zimmer. Neville, Dean und Seamus sagen, dass sie überhaupt nicht oben gewesen sind."

„Wo zum Teufel können sie dann stecken?"


Ü/N: Ich finde es immer wieder merkwürdig, die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive zu sehen. Macht es auch nicht gerade angenehmer, oder?

Aber trotz dieses eher unfröhlichen Kapitels wünsche ich euch allen Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2007! Kommentare im Gegenzug?