Prüfungen, Uni, Lernstress und emotionale Tiefen sind Gründe dafür, dass es mit dem update mal wieder etwas länger gedauert hat. Dafür ist das neue Kapitel aber besonders lang. Das längste dieser Story, um genau zu sein °lol° (allerdings habe ich seit langem mal wieder Gefühl das Schreiben verlernt zu haben :(( An Ideen mangelt es nicht, aber irgendwie an der Umsetzung)
Mein Dank geht natürlich wieder an meine lieben Leser, die da wären: Chrissi Chaos, Lucinanda Sakurazukamori, PrincessofMadness, Maxine, Anna, Nickodemus, The Hase und Reditus Mortis. °verteilt Handküsse°
Im letzten Kapitel gab es einen unerträglichen Snape, einen vor Wut schnaubenden Lupin, eine überreizte Narzissa und einen geohrfeigten Lucius.
In diesem Kapitel gibt es ... öh … lest selbst! XD
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Das Stimmengewirr wurde lauter, je näher er dem Versammlungsraum kam, und entlockte Snape ein genervtes Seufzen. Was seine Motivation betraf, an einem Tisch mit Menschen zusammen zu sitzen die entweder keinen Mut hatten ihn offen anzusprechen oder über Dinge diskutierten die dann doch nicht in die Tat umgesetzt wurden, so konnte er auf diese Versammlungen verzichten. In letzter Zeit gab es ohnehin kaum irgendwelche Neuigkeiten und wenn, dann erfuhr er sie von Dumbledore persönlich. Heute jedoch würde es sich um Narzissa drehen und schon allein aus diesem Grund war es für ihn selbstverständlich anwesend zu sein. Auch wenn sie sich diesbezüglich nicht geäußert hatte, Snape war sich sicher, dass Narzissa Unterstützung brauchen würde, und wenn es nur durch seine bloße Anwesenheit war.
Dass die beiden Personen, die er zuerst erblickte, ausgerechnet Harry Potter und Ron Weasley waren, hob seine Stimmung nicht unbedingt. Die beiden Gryffindors standen neben der Tür zum Versammlungsraum und unterhielten sich, was dem Tränkemeister allerdings kein Hindernis war direkt auf sie zuzusteuern und sie dabei zu unterbrechen.
„Verschwinden Sie, Weasley", sagte er, als er direkt vor ihnen stand.
Harry und Ron blickten erst Snape verwundert an, dann einander, und rollten schließlich mit den Augen.
„Die Versammlung hat noch nicht angefangen", sagte Harry gelangweilt, „es spricht nichts dagegen, dass er hier steht."
„Es reicht vollkommen aus, dass ich Ihre Anwesenheit während der Versammlung ertragen muss, Potter", entgegnete Snape ebenso gelangweilt, „zwei Ihrer Art überschreiten den Grad an Ertragbarem für mich. Abgesehen davon wartet im Aufenthaltsraum doch bestimmt eine Person, deren Gesellschaft Mr. Wesley mit Sicherheit Ihrer vorzieht: ich kann Miss Granger nirgends entdecken. Hat irgendjemand das unsichtbare Band, durch das Sie drei miteinander verbunden sind, durchtrennt? Oder haben Sie ganz einfach erkannt, dass man sich auch selbstständig fortbewegen kann, anstatt wie Kletten aneinander zu hängen?"
„So was nennt man Freundschaft, aber davon verstehen Sie sicher nichts", sagte Ron wütend. „Und was Hermine angeht, die war nicht unbedingt scharf darauf Ihnen heute noch einmal über den Weg zu laufen."
Snape hob interessiert die Augenbrauen. „Es spricht?! Ich bin verblüfft, dass Sie so etwas wie Parole bieten können. Das macht dann 10 Punkte Abzug für Gryffindor, denke ich, weil sie meine Gefühle verletzt haben. Und jetzt Weasley", er wedelte ungeduldig mit der Hand, „machen Sie die Fliege!"
Ron seufzte lautstark, winkte Harry kurz zu und schob sich an den Leuten vorbei, die im Flur versammelt waren. Harry blickte ihm kopfschüttelnd hinterher, wollte Snape jedoch nicht den Gefallen tun ebenfalls das Weite zu suchen. Stattdessen starrte er ihm provozierend ins Gesicht. Sein Blick wurde ausdauernd und intensiv erwidert.
„Habe ich einen Flubberwurm in der Nase, Sir?", fragte Harry schließlich, als er spürte, dass er bei diesem stummen Duell den Kürzeren ziehen würde. Als er das letzte mal so mit Snapes Anwesenheit konfrontiert gewesen war, hatte sein Zaubertränkelehrer ihm gegenübergesessen, seine Todesserkutte durchtränkt von Blut, und ihn für all sein persönliches Leid verantwortlich gemacht. Dass er ihm womöglich aber auch das Leben gerettet hatte, schob Harry in seinem Kopf bewusst beiseite.
Auch in Snapes Erinnerung spielte sich dieses Geschehen ab. Deshalb brauchte er ein paar Sekunden um zu registrieren, dass die Frage an ihn gerichtet war. „Was war das?"
„Ich hab mich nur gefragt ob es einen Grund dafür gibt, dass Sie mich so anstarren", erklärte Harry.
„Ach", machte Snape sanft, „dein Anblick, Potter, riss mich nur in einen Strudel der Nostalgie." Harry bemerkte, dass er wieder ins Du verfallen war, so wie er es immer tat, wenn er mit ihm allein sprach. Wahrscheinlich wollte er ihm damit zeigen, dass er ihm nicht den geringsten Respekt entgegen brachte.
„Es hat schon lange niemand mehr meine Regale geordnet, Kessel geschrubbt …", fuhr Snape verträumt fort. „Es fällt richtig auf, dass derzeit nicht unterrichtet wird."
„Wieso? Weil der Punktestand der Gryffindors seitdem stabil ist?", fragte Harry provozierend.
Snape grinste dezent. „Ganz Recht. Und ich bin so über deinen scharfen Verstand begeistert, dass in mir der Wunsch aufkeimt Gryffindor ein paar Pünktchen zu schenken, aber leider Potter, leider ist das Verteilen und Abziehen von Punkten nur während der Unterrichtszeit gestattet."
„Klasse! Das heißt ich könnte den Gemeinschaftsraum der Slytherins anzünden ohne dafür bestraft zu werden?"
„Ich würde dir dafür keine Punkte abziehen können", sagte Snape nun etwas unfreundlicher. „Was andere Arten von Bestrafung angeht, ist diese durchaus erlaubt. Und glaube mir, meine Phantasie erstreckt sich über weitaus mehr als über Kesselschrubben!"
„War das jetzt ein … ja … oder ein … nein?", fragte Harry und setzte einen dümmlichen Blick auf.
„Ah, ich vergaß, dass das Denkvermögen eines Gryffindors nur auf einfache Fragen und Antworten beschränkt ist. Also noch einmal für Dich, Potter: nein, wenn du den Wunsch verspürst weiterzuleben, ja, wenn du darauf aus bist sehr viel Zeit mit mir zu verbringen!"
Harry seufzte lautlos und ließ seine Hände in seinen Hosentaschen verschwinden. „Wenn das Punkteabziehen nur während der Schulzeit möglich ist, wieso haben Sie Ron dann welche abgezogen … Sir?"
„Weil Mr. Weasley nichts davon weiß." Snape zog seine Mundwinkel gehässig nach oben. „Wenn Sie mich jetzt entschuldigen, Mr. Potter", sagte er gedehnt, „ich möchte die restliche Zeit bis zum Beginn der Versammlung nicht mit Ihnen vergeuden." Mit diesen Worten ließ er seinen Schüler stehen und betrat das Versammlungszimmer. Er machte sich nicht die Mühe irgendjemanden zu begrüßen. Er ließ seinen Blick kurz durch den Raum schweifen, bis er Narzissa entdeckte, die abseits in einer dunklen Ecke an der Wand lehnte und hin und wieder misstrauische Blicke der restlichen Zauberer erntete, die im Raum versammelt waren. Snape ging schnurstracks zu ihr, stellte sich neben sie und verschränkte die Arme vor der Brust. „Sieh einer an", sagte er, „sie haben dich noch nicht gefressen."
Narzissa schmunzelte. „Ich glaube sie haben eher davor Angst, dass ich sie fresse." Sie warf einen vergnügten Blick in die Menge.
„Wie fühlst du dich?", fragte Snape und musterte sie flüchtig von der Seite. „Das hier ist immerhin ein ganz anderes Flair als auf den Treffen der Todesser."
„Ich habe mich schon wohler gefühlt, danke. Und ich wette du findest das Flair auf einem Todessertreffen sehr viel angenehmer."
„Dazu werde ich schweigen", sagte Snape mit einem Seufzen und blickte gelangweilt zu den anderen Ordensmitgliedern hinüber. „Es gibt da übrigens etwas, das dich vielleicht interessieren wird: Ich war gerade bei Madame Pomfrey."
„Wirklich?", fragte Narzissa überrascht. „Das war mal eine vernünftige Entscheidung. Und?"
„Was und? Willst du jetzt Einzelheiten?"
„Nein, entschuldige. Ich meinte eigentlich … ob es dir jetzt besser geht … körperlich zumindest."
„Ja", gestand Snape widerwillig.
Narzissa nickte. „Und wo ist der Haken?"
„Welcher Haken?"
„Wie kommt es plötzlich zu diesem Sinneswandel? Du hast dich so dagegen gesträubt, als ich dich darauf angesprochen habe … wieso macht es dir plötzlich nichts mehr aus, dass Poppy dich untersucht hat?"
„Nun, vielleicht deshalb, weil sie sich daran nicht erinnern wird."
„Sag bloß, du hast ihr einen Vergessenszauber verpasst?!"
„Narzissa, meine Liebe", sagt er mit geschürzten Lippen, „Poppy gehört nicht zu den Menschen, vor denen ich die Hosen fallen und an meinen intimsten Stellen herumhantieren lasse!"
Narzissa unterdrückte ein Grinsen. „Habe ich schon mal an deinen intimsten Stellen herumhantiert? Weiß ich nur nichts mehr davon?"
Snape blickte sie von der Seite an. „Ich wüsste nicht, warum das bei dir nötig sein sollte."
„Oh, darf ich das als Kompliment auffassen?"
„Wenn du willst", sagte Snape mit einem kaum sichtbaren Lächeln.
Narzissa schüttelte grinsend den Kopf. „Merlin, wie kommt es, dass wir immer wieder bei Themen landen die sich buchstäblich unter der Gürtellinie befinden?"
„Erstens: du hast angefangen, zweitens; ich wäre dir sehr verbunden, das nicht so bildlich auszudrücken."
„Wieso? Kommst du auf irgendwelche schmutzigen Gedanken?"
„Geht das noch etwas lauter?!", zischte Snape und warf einen flüchtigen Blick in die Menge.
Narzissa wandte den Kopf zur Seite und begann zu lachen.
„Wahrscheinlich dichten die uns schon eine Affäre an", murmelte Snape, worauf Narzissa heftiger lachte. Einige der Ordensmitglieder blickten verwundert und teils auch verstimmt in ihre Richtung, weshalb sich Narzissa zur Wand drehte und verhalten weitergluckste. „Ich mache mich vollkommen lächerlich", presste sie hervor, Snape jedoch redete unbeirrt weiter.
„Du hast schon Minuspunkte weil du mit Lucius Malfoy verheiratet bist, eine Affäre mit mir – tja, ich behaupte mal du hast schon verloren. Eigentlich könnten wir uns das hier sparen."
„Und in deine Privaträume verschwinden?", fragte Narzissa mit einem Strahlen und klammerte sich an seinen Arm.
„Ich hatte da eher an Malfoy Manor gedacht", sagte Snape mit einem Grinsen, welches aber augenblicklich verschwand als er die Person erblickte die gerade den Raum betrat.
Narzissa atmete tief durch um ihre Beherrschung zurückzuerlangen und drehte sich um, und nun sah auch sie Lupin, der geradewegs auf sie zukam. „Hallo", sagte er ernst an Narzissa gewandt und nickte zum Gruß, Snapes Blick jedoch wich er aus. Dann ließ er sich an dem Versammlungstisch neben Tonks nieder, die sich sichtlich Mühe gab, nicht in ihre Richtung zu sehen.
Narzissa blickte ihm mit gehobenen Augenbrauen hinterher. „Was war das denn bitte?", fragte sie Snape. „Er hat dich ja regelrecht ignoriert."
„Ach", machte Snape genervt, „Lupin ist ein wenig von der Rolle seitdem er weiß, dass er und ich … ähnliche Neigungen haben."
„Achja?"
„Dasselbe Schicksal teilen, wie er es dramatisch ausdrückt."
„Wirklich?" Narzissa nickte. „Ich versteh kein Wort."
Snape seufzte. „Nunja, bei einem etwas ausgeartetem Gespräch letztens habe ich ihm erzählt dass ich … du weißt schon … die Sache mit uns … Lucius, du, ich ..."
„Hast du?"
„Er glaubte ich sei in dich verliebt!", beeilte sich Snape zu sagen. „Ich habe das richtig gestellt."
Narzissa machte ein überraschtes Gesicht.
„Was denn?", blaffte Snape. „Was ist?"
„Gar nichts, ich bin nur überrascht", sagte Narzissa verblüfft. „Du scheinst ihm sehr zu vertrauen, wenn du ihm so etwas erzählst."
„Herr Gott noch mal", maulte Snape.
„Nein, ich finde das gut! Und wieso ist er jetzt so sauer?"
„Das würdest du mir nicht glauben, wenn ich es dir erzähle!"
„Ach?", machte Narzissa neugierig.
„Entschuldigung?" Kingsley Shacklebolt, groß und dunkel wie er war, hatte sich vor ihnen aufgebaut. Wie es den Anschein machte, war er der einzige der sich dazu bereit erklärt hatte zu dem unheimlichen Duo zu gehen, das Snape und Narzissa darstellten. „Ich will nicht stören, aber wir können dann anfangen."
„Wir waren fertig", sagte Snape. „Aber was ist mit Dumbledore?"
„Der lässt sich entschuldigen, er hat wichtiges zu erledigen."
„Aha", machte Snape und als Kingsley an seinen Platz zurückkehrte, lehnte er sich Narzissa entgegen. „Es ist keine Kunst wichtigeres zu tun zu haben als hier anwesend zu sein." Narzissa schmunzelte. „Aber mach dir keine Sorgen", sprach Snape leise weiter, „mit ihm hast du ja schon gesprochen."
„Ich mache mir keine Sorgen", entgegnete Narzissa.
Snape lächelte spöttisch. „Natürlich nicht." Er drückte ihre Hand, bevor er sich am Tisch niederließ. Narzissa blieb neben ihm an Ende der langen Tafel stehen und war dankbar für diese Geste, die neuen Mut durch sie strömen ließ. Und der war angesichts der feindseligen Blicke, die ihr entgegenschlugen, auch bitter nötig. Obwohl es unter den Anwesenden auch zwei gab, die Blickkontakt vermieden. Die eine Person war Tonks, die ihre Augen starr auf den Tisch gerichtet hatte, und die andere Harry, welcher mehr als nur überrascht wirkte. „Was hat sie hier zu suchen?", sagte er abfällig an Lupin gewandt, aber so laut, dass jeder, Narzissa eingeschlossen, ihn hören konnte.
„Ist er nicht etwas zu jung um an solchen Versammlungen teilzunehmen?", fragte Narzissa ihrerseits an Snape gewandt, welcher darauf nur missbilligend die Schultern zuckte.
„Er hat ein Recht darauf hier zu sein", sagte Lupin höflich.
„Sicher mehr als sie", murmelte Harry, und etwas leiser: „Seit wann weihen wir Todesser in unsere Pläne ein?" Narzissa warf einen Blick zu Snape, in dessen Gesicht es gefährlich zuckte.
„Einen Augenblick bitte", sagte sie mit einem entschuldigenden, wenn auch verzerrten Lächeln, lief um den Tisch herum und blieb direkt neben Harry stehen. „Würdest du kurz mitkommen bitte?"
„Ich?", fragte Harry überrascht.
Narzissa nickte. „Oder hat hier jemand den Eindruck ich würde schielen?", fragte sie in die Runde.
Snape schmunzelte. „Nein", sagte er sanft. „Aber wer weiß, vielleicht braucht Potter eine stärkere Brille."
Harry presste seine Kiefer aufeinander und stand mutig auf. Auch Tonks erhob sich ganz plötzlich und blickte unsicher zwischen ihrer Tante und Harry hin und her.
„Ist schon gut", sagte Lupin und fasste Tonks am Arm.
„Ich gehe mit", sagte Tonks jedoch entschlossen.
„Großer Gott, Nymphadora", maulte Snape, „setz dich wieder hin, bevor du noch irgendein Unheil anrichtest!"
Lupin seufzte und zog Tonks jetzt energischer am Arm, worauf sie sich widerstrebend auf den Stuhl sinken ließ und Snape den feindseligsten Blick schenkte den ihr sonst so freundliches Gesicht hergab.
Narzissa deutete nach draußen und ging voraus. Harry folgte ihr entschlossen.
Er hatte kaum die Tür hinter sich geschlossen als Narzissa sich hastig zu ihm herumdrehte und sich ihm drohend entgegen beugte.
„Ich weiß", fauchte sie, „dass du nie eine Mutter hattest und mir ist außerdem zu Ohren gekommen, dass deine Tante, bei der du aufgewachsen bist, keine ehrenwerte Frau ist. Ich aber bin eine Lady und so schwer dir das auch fallen mag, verlange ich von dir mit dem entsprechenden Respekt behandelt zu werden!"
„Respekt?", keuchte Harry.
„Ich kann verstehen, dass es unmöglich ist mir von dem einen Tag auf den anderen zu vertrauen, doch wie mir scheint, gibst du dir auch keine große Mühe etwas daran zu ändern! Du siehst in mir sicher nur Dracos Mutter und die Ehefrau eines Todessers, gleich zwei plausible Gründe mich zu hassen, nicht wahr?! Aber glaube mir, ich wäre nicht hier wenn ich das alles nicht nötig hätte! Auch wenn dir diese Information völlig gleichgültig ist oder in deinem Bauch gar ein kleines Hochgefühl auslöst, Draco wäre vor ein paar Tagen fast gestorben! Ich erzähle dir das nicht, um falsches Mitgefühl zu erheischen, sondern weil es dir vielleicht ansatzweise eine Erklärung gibt wieso ich jetzt überhaupt vor dir stehe!"
Als Harry sie noch immer feindselig und stur anblickte, packte sie ihn an den Schultern. „Wir haben den gleichen Feind, Harry Potter!"
Harry zuckte bei dieser plötzlichen Bewegung leicht zusammen. Wäre die Person ihm gegenüber jemand anderes gewesen, dann hätte er keine Scheu gehabt die Hände auf seinen Schultern einfach abzuschütteln. Die Person jedoch war eine Frau, eine überaus schöne zudem, eine Frau die den Namen Narzissa Malfoy trug und eine solche Präsenz und Überlegenheit ausstrahlte, dass er jeglichen Anstand aufbrachte, den er in seinen jungen Jahren aufbringen konnte. „Voldemort", sagte er stattdessen laut und klar und nickte.
Narzissa ließ ihre Hände von seinen Schultern gleiten. „Voldemort", wiederholte sie, auch wenn es noch immer ungewohnt war, diesen Namen auszusprechen. „Voldemort", sagte sie noch einmal, dann verlagerte sie ihr Gewicht auf ein Bein, stemmte eine Hand in ihre Hüfte und hob eine Augenbraue. „Ich bin jetzt eine von den Guten!"
Sowohl der spöttische Tonfall, als auch ihre Haltung, die in Arroganz kaum zu übertreffen war, ließen Harry gegen seinen Willen schmunzeln. „Wie lange kennen Sie Snape schon?"
„Weshalb fragst du?"
„Weil sich das alles gerade sehr nach ihm angehört hat. Nur … hätte er seine Rede mit ein paar Beleidigungen und Flüchen ausgeschmückt und nebenbei von der Niedrigkeit des gryffindorschen Intelligenzquotienten geschwafelt."
Narzissa blickte den Jungen vor sich verwirrt an, dann gab sie ein amüsiertes Schnauben von sich. „Du sollst mich nicht mögen", sagte sie während sie zur Tür ging, „aber respektieren und akzeptieren."
„Schon gut, Lady, ich habe verstanden", nickte Harry und öffnete die Tür.
„Dann ist ja gut!"
Alle Augen, als sie wieder den Raum betraten, gingen neugierig zwischen Narzissa und Harry hin und her. Harry setzte sich wortlos wieder auf seinen Stuhl, und als die Ordensmitglieder erkannten, dass sie von ihm nichts erfahren würden, richteten sie ihr Augenmerk wieder auf die blonde Hexe, welche am anderen Ende des langen Tisches wieder ihre Position eingenommen hatte und ihren schwarzen Mantel ablegte. Das dunkelgrüne Kleid, das darunter zum Vorschein kam, zeigte zwar keinen Zentimeter Haut, betonte dafür aber jede Kurve ihres schlanken Körpers. Sie überlegte einen Moment, dann stemmte sie eine Hand in die Hüfte und seufzte.
„Ich muss keine Hellseherin oder Legilimentikexpertin sein um zu wissen, dass mir über die Hälfte der Menschen die hier sitzen nicht trauen. Dass Misstrauen auch nicht das einzige Gefühl ist, das Sie für mich hegen, sondern vielleicht auch Verachtung. Severus hier, verließ den Dunklen Lord vor über 15 Jahren und noch immer gibt es einige die davon überzeugt sind er würde Sie alle täuschen, wie könnte ich da verlangen, dass Sie mir von heute auf morgen trauen. Allerdings ist mir das egal. Ich stehe nicht hier, weil ich dem Töten von Menschen plötzlich kein Vergnügen mehr abgewinnen kann, oder weil ich festgestellt habe was für ehrbare Leute Sie alle doch sind." Sogar Snape runzelte bei dem Spott der in ihrer Stimme lag die Stirn.
„Sondern weil ich einen Sohn habe, den ich gern aufwachsen sehen möchte. Und weil ich einen Mann habe, den ich ebenso liebe und mit dem ich alt werden möchte. Auch wenn Sie sich nicht vorstellen können, das ein Mann wie Lucius Malfoy", bei der Erwähnung des Namens verzogen einige düster das Gesicht, „zu solchen Gefühlen imstande ist. Ich versichere Ihnen, er ist es. Doch das tut wohl nichts zur Sache. Abgesehen davon, dass Sie das wohl kaum interessieren mag, so geht es Sie auch nichts an. Ich habe meine Gründe, warum ich heute und in Zukunft hier stehe. Ich habe Sie Ihnen ansatzweise genannt. Ich diene nicht dem Dunklen Lord – nun, nicht mehr – sondern meiner Familie, die ich durch meinen Beitritt in den Orden zu retten versuche. Wenn dies auf der anderen Seite möglich wäre, wäre ich nicht hier. Doch mir ist bewusst geworden, dass es auf der anderen Seite eben nicht möglich ist. Das Leben meiner Familie ist meine Priorität. Nicht mehr und nicht weniger. Die Mittel und Wege sind mir egal." Sie machte eine kurze Pause. „Wenn ich … am Ende noch am Leben sein könnte, fände ich das sehr schön. Aber man kann, wie Sie sehr gut wissen, nicht alles haben. Wir werden ja sehen, wie viele von uns am Ende noch hier sitzen werden." Das Schmunzeln, das während Narzissas Rede um Snapes Mundwinkel gelegen hatte, war verschwunden. Er hob den Kopf und sah sie ernst an.
„Deshalb wäre ich Ihnen sehr verbunden", fuhr sie mit einem bitteren Lächeln fort, „mir, wenn alles überstanden ist, nicht irgend einen Fluch auf den Hals zu hetzen. Das wäre mehr als tragisch." Mad-Eye Moody stieß ein schmetterndes Lachen aus, verstummte aber augenblicklich, als er merkte wie die anderen dabei zusammenzuckten.
„Das wäre dann alles", schloss Narzissa. „Ich bitte vielmals um Entschuldigung, sollte ich Ihre Vorstellung was Todesser betrifft vollkommen zerstört haben. Aber ich kann Sie beruhigen. Ich bin eine Ausnahme. Nicht alle von denen sind so zahm wie ich. Nutzen Sie die Chance. Akzeptieren sie mich. Und sollte es doch jemandem in den Fingern jucken mich zu verfluchen, so warne ich Sie, ich habe noch immer viele gefährliche Freunde." Sie lächelte dünn. „Hat noch jemand Fragen?"
Eine Weile sagte niemand etwas. Alle Blicke waren auf sie gereichtet. Bei einigen der Mitglieder hatte sich ein schiefes Lächeln auf den Lippen entfaltet, andere blickten ihr noch immer misstrauisch, wenn auch verwirrt entgegen.
„Ich hätte da eine", sagte Moody mit grollender Stimme. „Erhoffen Sie sich nur Hilfe von uns, oder springt für uns ebenfalls etwas raus? Haben Sie irgendetwas was uns von Nutzen sein wird?"
„Informationen vielleicht, wenn es welche gibt", sagte Narzissa. „Und die Schwachstellen der Todesser, die es definitiv gibt."
„Ohja", stimmte Mad-Eye zu, „sonst hätte Ihr geschätzter Ehemann und seine Freunde im Ministerium wohl nicht solch arge Schwierigkeiten gehabt ein halbes Dutzend 15-jähriger zu beseitigen." Lupin seufzte, während Harry nicht anders konnte als zu grinsen.
„Eine Sache die ich selber sehr peinlich finde", nickte Narzissa. „Einigen der Todesser mangelt es erheblich an Intelligenz, was sie jedoch nicht ungefährlicher macht. Das habe ich … schon am eigenen Leib zu spüren bekommen." Sie schwieg.
„Gut, nächste Frage", sagte Moody, wurde aber von Snape unterbrochen. „Muss das sein?", fragte dieser mit einem gereizten Blick in seine Richtung.
„Ist schon in Ordnung", begannt Narzissa, deren Wort nun aber von Lupin abgeschnitten wurde. „Wir müssen, dürfen und werden Narzissa so viele Fragen stellen wie nötig, dazu ist sie hier", sagte er, blickte dabei aber nicht Snape an, sondern tat so als wären die Worte an alle gerichtet. „Wir sollten uns dabei nicht von Sympathie leiten lassen."
Snape blähte spöttisch seine Nasenflügel. „Wenn du mir irgendetwas zu sagen hast, Lupin, kannst du mich dabei ruhig ansehen. Wenn zu den Nebenwirkungen des Werwolfdaseins allerdings auch das Nachlassen an Höflichkeit gehört, werde ich dies selbstverständlich entschuldigen."
„Wäre es möglich, dass ihr euren Ehestreit auf später verlegt?", fragte Moody amüsiert, worauf Lupin ihn wütend anstarrte.
„Wenn du es unterlässt hirnrissige Kommentare von dir zu geben und dich in Dinge einzumischen die dich einen Dreck angehen – sehr gern Alastor!", sagte Snape gefährlich.
Mad-Eye Moody atmete hörbar ein, kannte Snape aber ausreichend genug um zu wissen, dass es besser war sein Verhalten einfach zu ignorieren und ihn nicht weiter anzuheizen. „Mir gefällt der Ton, in dem du diesen Kompromiss anbringst, zwar nicht ganz, aber ich denke das lässt sich machen."
„Du meine Güte", sagte Tonks und blickte zwischen den Männern hin und her als zweifle sie an deren Verstand, „kaum ist Dumbledore mal nicht anwesend und ihr benehmt euch wie kleine Jungs!"
Als Snape den Mund aufmachte um einen giftigen Kommentar abzulassen, räusperte sich Lupin so laut, dass er den Mund wieder zumachte und nur abfällig durch die Nase schnaubte. „Wo sind eigentlich die guten Weasleys?", fragte er stattdessen in die Runde.
„Krank", sagte Lupin knapp.
„Krank, oh, natürlich! Als Krankheit könnte man den chronischen Angstzustand, an dem diese Familie leidet, durchaus bezeichnen."
„Severus!", zischte nun Professor McGonagall außer sich. „Es reicht jetzt! Ihr Verhalten ist unangebracht und mehr als lächerlich! Wenn Sie nichts Besseres beizutragen haben als Beleidigungen dann seien Sie gefälligst still, sonst-"
„Sonst was, Kollegin?"
Als McGonagall den Eindruck machte sie würde gleich über den Tisch springen, hob Snape beschwichtigend die Hände. „Beruhigen Sie sich, Minerva, ich halte ab sofort meinen Mund."
„Kann ich dann jetzt?", fragte Moody, der langsam die Geduld zu verlieren schien.
„Bitte", sagte Narzissa höflich, die großen Drang danach hatte von der angespannten Stimmung abzulenken, „fragen Sie mich."
„Was uns alle wohl am meisten interessiert, ist der Aufenthaltsort der Todesser. Dass ein Großteil der Meute in Askaban herumlungert, wissen wir, aber das kann nicht der wahre Ort sein."
„Ich kann es Ihnen nicht sagen."
„Wieso nicht?"
„Weil ich nicht der Geheimniswahrer des Ortes bin."
„Wenn Sie es nicht sind, wer dann?"
Narzissa zögerte. „Mein Mann."
„Verstehe", sagte Moody langsam. „Voldemort muss ihm sehr vertrauen, wenn er ihm so eine gefährliche Aufgabe zuteilt."
„Das tut er. Sollte Lucius in nächster Zeit von diesem Posten abgelöst werden, besteht wohl Grund zur Sorge!"
Snape runzelte nachdenklich die Stirn. Diese Information war auch ihm neu. Er hatte Lucius diese Frage stellen wollen, war jedoch von Narzissa unterbrochen worden, die in jenem Moment mit seinen Koffern die Treppe hinab gekommen war. Snape hob den Kopf und ließ seinen Blick über die Ordensmitglieder streifen. Momentan machte keiner Anstalten Narzissa eine weitere Frage stellen zu wollen. „Auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit", sagte er deshalb in die Stille hinein. Narzissa lächelte ihm zu und nach und nach stimmten auch die letzten mit ein. „Auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit."
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„Gratuliere, du hast sie schon alle verzaubert", sagte Snape, nachdem die Versammlung vorbei war und sie den Raum verließen, in dem sich noch immer einzelne Mitglieder des Ordens befanden um sich zu unterhalten. Sie hatten Narzissa noch einige wenige Fragen bezüglich der Todesser gestellt. Über ihre genauen Beweggründe sich dem Orden anzuschließen war jedoch kein Wort gefallen. Niemand wollte wissen welche Vorkommnisse zu ihrem Entschluss geführt hatten. Narzissa nahm an, dass dies eine Anweisung von Dumbledore gewesen war und sie war froh darüber. Die Vorstellung, all diesen Menschen die Folterung ihres Sohnes vor Augen zu führen, hatte ihr im Vorfeld Angst gemacht.
„Also wenn das Blicke von Menschen sind die ich verzaubert habe, sollte ich mir Gedanken machen", sagte sie mit einem bitteren Lächeln und blieb stehen. „Severus, wenn du nichts dagegen hast, würde ich gern mit Lupin sprechen."
„Da sind wir schon zwei", entgegnete Snape grimmig. „Aber weshalb sollte ich etwas dagegen haben? Du musst mich nicht um Erlaubnis fragen."
„Du hast Recht", sagte Narzissa stirnrunzelnd, „wahrscheinlich liegt es daran, dass Hogwarts sozusagen dein Reich ist."
„Wirklich? Interessant, ich dachte das gilt nur für meine Kerker. Nun denn. Wenn du mit ihm fertig bist, komm zu mir."
„Wenn du mit ihm fertig bist", wiederholte Narzissa. „Ich wollte eigentlich nur mit ihm reden, und ihn nicht umbringen."
„Schade", gab Snape nüchtern zurück. „Na dann … rede eben mit ihm."
„Sollte ich vielleicht bei ihm bleiben um ihn zu beschützen? Denn wie mir scheint hast du vor diese Sache mit dem umbringen selbst zu erledigen?"
„Nun, soweit werde ich nicht gehen."
„Und wie weit dann?"
„Das überlege ich mir auf dem Weg zu ihm", sagte er mürrisch, „eines steht fest, dieses Affentheater mache ich nicht mit."
„Und weshalb soll ich danach zu dir kommen?"
Snape zuckte die Schultern. „Weil dies mein Reich ist und ich es dir befehle."
„In Ihr Büro oder in Ihre Privatgemächer, Professor", fragte Narzissa mit einem reumütigen Blick.
Snape runzelte einen Moment nachdenklich die Stirn. „Privat! Und du weißt, wo du Lupin findest?"
„In dem Büro das niemals deines sein wird, oder?"
„Miststück!", sagte Snape genüsslich und rauschte davon. Narzissa blickte ihm schmunzelnd hinterher und machte sich dann auf den Weg zu Lupins Büro. Seine Tür stand offen und als Narzissa hineinlugte, sah sie wie Lupin gedankenverloren irgendetwas auf seinem Tisch suchte. Sie klopfte gegen den Türrahmen, worauf der Werwolf aufblickte und seine Besucherin überrascht musterte. „Hallo", sagte er etwas steif.
„Ich wollte Sie nicht stören bei … was auch immer", sagte Narzissa und lächelte höflich, wenn auch sehr flüchtig. „Ich wollte kurz mit Ihnen reden, wenn es in Ordnung ist."
„Ähm ... natürlich", entgegnete Lupin und zeigte auf den Stuhl neben dem er gerade stand. „Bitte nehmen Sie doch Platz."
„Nein danke, ich habe nicht vor lange zu bleiben", sagte Narzissa, schloss jedoch die Tür des Büros, was Lupin, zu Narzissas Belustigung, aufmerksam verfolgte. „Es gibt da etwas das zwischen uns steht, und vielleicht sollten wir darüber reden, nun da wir zusammenarbeiten müssen. Seitdem Sie meine Schwester zerfleischt haben, hatten wir nicht die Möglichkeit ein Gespräch zu führen. Genau genommen haben wir noch nie ein richtiges Gespräch geführt, das war nie von Bedarf. Jetzt denke ich, ist dieser Bedarf da, entweder das oder wir müssten gegeneinander duellieren."
Lupin, der sich mittlerweile von seinem Schock erholt hatte, wollte etwas sagen, doch Narzissa ließ ihn nicht zu Wort kommen.
„Allerdings bin ich nicht dumm, falls Sie das glauben. Sie hatten einen guten Grund sie zu töten. Meine Schwester hat Ihnen einen sehr wichtigen Menschen genommen und dafür bezahlt." Narzissa senkte den Blick. „So weh es mir auch tut."
„Narzissa", sagte Lupin jetzt sehr energisch, als habe er Angst sonst nicht zu Wort kommen zu können, „es … tut mir Leid was ich Ihnen angetan habe. Ich-"
Doch Narzissa schüttelte den Kopf. „Sie sind wohl der einzige Mensch auf dieser Welt der sich für so etwas entschuldigen würde. Das ist wirklich nicht nötig. Von mir werden Sie jedenfalls keine Entschuldigung hören. Erstens, weil nicht ich es war, die Sirius getötet hat, und zweitens, weil es Bellatrix nicht Leid getan, sondern sie es, so wie ich sie gekannt habe, in vollen Zügen genossen hat."
Narzissas Worte klangen so sachlich und wahr, dass Lupin mehrmals schlucken musste, bevor er weiter sprach. „Lassen Sie mich offen sein, denn ich denke, dass ich es bei Ihnen kann. Es ist nicht Ihre Schwester im eigentlichen Sinne, um die es mir Leid tut. Ich habe ... mir ihren Tod gewünscht, ich habe Rache gewünscht für das was sie getan hat. Um was es mir Leid tut ist die Art und Weise auf der sie ums Leben kam. Glauben Sie mir, ich bin ein Mensch der ein faires Duell vorzieht, auch wenn dabei die Chance besteht, dass ich am Ende der Unterlegene bin. Und es tut mir Leid, dass Ihnen dadurch Schmerz zugefügt wurde."
Narzissa nickte. „Genau wie Ihnen. Deshalb würde ich sagen: wir sind quitt."
„Sie überraschen mich, Nar- Mrs. Malfoy."
„Narzissa geht in Ordnung", sagte Narzissa mit einem Schmunzeln. Lupin streckte ihr die Hand entgegen. „Remus."
„Wirklich seltsam, unter welchen Umständen Menschen zueinander finden", bemerkte die blonde Frau und ließ ihren Blick interessiert durch das Büro gleiten. Es war freundlicher als das von Snape und es befanden sich auch keine widerwärtigen Geschöpfe in Gläsern darin. „Darf ich Ihnen eine sehr persönliche Frage stellen, Remus?"
Lupin spürte wie Hitze in seinem Gesicht aufstieg. Ein ungutes Gefühl sagte ihm, dass es eine unangenehme Frage sein würde. Trotzdem nickte er.
„Hatten Sie tiefere Gefühle für meinen Cousin?"
Damit hatte der Werwolf dann doch nicht gerechnet. Er machte den Mund erst auf und dann gleich wieder zu und starrte sie nur sprachlos an.
„Entschuldigen Sie, dass ich so anmaßend bin", sagte Narzissa und versuchte ihm ein aufmunterndes Lächeln zu schenken. „Ich würde Ihnen so eine Frage nicht stellen, wenn ich nicht wüsste, dass Severus Ihnen erzählt hat wie es um ihn und meinem Mann steht. Vielleicht ist das für Sie kein Grund, aber aus der Gewissheit, dass Sie darüber unterrichtet sind - und was die beiden betrifft, betrifft auch mich - nehme ich mir die Freihit Sie etwas zu fragen, was mir seit dem Geschehen in Askaban im Kopf herumgeht. Ich habe alles mit angesehen. Und das war mehr als nur die Trauer um einen besten Freund."
Lupin senkte seufzend den Kopf und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen seinen Schreibtisch. „War das so offensichtlich?", fragte er beinahe verzweifelt.
Narzissa lächelte. „Nicht unbedingt. Und nur für ein geübtes Auge. Nennen Sie es meinetwegen die Intuition einer Frau. Abgesehen davon weiß ich wie ein Mann aussieht, der jemanden liebt den er nicht haben kann." Sie lächelte traurig und betrachtete Lupin, der bei diesen Worten den Blick von ihr wandte.
„Falls Sie vorhaben sich mit Severus anzufreunden", sagte sie, „haben Sie sich einiges vorgenommen. Aber geben Sie nicht auf. Er ist nicht das Scheusal für das er sich immer ausgibt."
„Sind Sie sicher?", fragte Lupin mit einem schiefen Lächeln.
Narzissa überlegte einen Moment. „Nun gut, er ist ein Scheusal, aber er hat auch andere Seiten. Sie wären wirklich überrascht wie zärtlich er sein kann."
„Ach wirklich", machte Lupin seltsam berührt und versuchte gelassen auszusehen, während er an seinem Hemdzipfel zupfte.
Narzissa nickte. „Und er ist für einen da, wenn man Hilfe benötigt. Er mag gemein sein zu den Menschen mit denen er auskommen muss, aber wenn es um Leben geht, macht er keinen Unterschied zwischen denen die er mehr mag oder weniger."
„Da er außer Ihnen und Ihrem Mann niemanden mag, ist das sehr beruhigend", sagte Lupin lächelnd. „Und wahrscheinlich haben Sie Recht. Er hat Sirius gehasst. Und trotzdem…" Er schüttelte den Kopf. „In Askaban damals. Er hat mir das Leben gerettet, denn die Flüche Ihrer Schwester peitschten schon in meine Richtung als Sirius noch in meinen Armen lag. Severus hat mich von ihm weggezerrt, widerspruchslos. Er meinte, wir würden ihn später holen. Ich habe um ehrlich zu sein nicht daran geglaubt. Aber er hielt Wort. Er hat Sirius gehasst, zudem war er halb am verbluten. Und trotzdem war er derjenige der ihn getragen hat. Sirius leblos in Severus' Armen…" Lupins Stimme bebte. „Ich glaube ich werde dieses Bild niemals vergessen."
„Aber Severus gibt sich alle Mühe Sie das schnell wieder vergessen zu lassen, nicht wahr?", fragte Narzissa und als Lupin dies bestätigte, nickte sie. „Das sieht ihm ähnlich."
Lupin machte eine wegwerfende Handbewegung. „Was soll's, vielleicht ist es auch besser so. Nun denn, ich bin froh, dass Sie zu mir gekommen sind. Ich glaube von meiner Seite her hätte das wohl länger gedauert."
Narzissa streckte ihm die Hand entgegen. „Auf baldiges Wiedersehen", sagte sie.
„Ganz bestimmt", entgegnete Lupin. „Und, Narzissa?"
„Ja?"
„Herzlich Willkommen." Er lächelte. „Ich bin mir sicher, dass Sie die richtige Entscheidung getroffen haben."
„Das hoffe ich", sagte Narzissa ernst, nickte ihm noch einmal kurz zu und öffnete die Tür.
Als sie hinaus trat, wäre sie beinahe mit Tonks zusammengestoßen, die im selben Moment die Hand gehoben hatte um anzuklopfen. Die Aurorin erschrak fürchterlich, und starrte Narzissa fassungslos an, so als ob die Tatsache, dass sie – wenn sie ihr schon begegnen musste - auch noch aus Lupins Büro kam, zuviel für sie wäre.
Auch für Narzissa kam die Begegnung etwas unerwartet. „Hallo!", platzte es aus hier heraus, bevor sie in Gedanken überhaupt entscheiden konnte wie sie auf die Situation regieren sollte. Sie ärgerte sich sofort über diese beinah familiäre Begrüßung, die, wenn man es genau betrachtete, nicht unbedingt fehl am Platz, aber dennoch unangebracht war.
„Wie geht es deiner Mutter?", setzte sie noch einen drauf. Es war ohnehin zu spät die Situation zu retten.
Tonks wirkte regelrecht entsetzt über die Tatsache, dass Narzissa sie ansprach. „Ganz gut", sagte sie kurz angebunden und blickte augenblicklich wieder zu Boden.
Narzissa nickte. „Schön."
„Ja", gab Tonks zurück. „Also dann." Damit verschwand sie in Lupins Büro. Narzissa schlug gedankenverloren den Weg in die Kerker ein. Wieso hatte sie nicht einfach ihren geübten arroganten Blick aufgesetzt? Auch eine spitze Bemerkung hätte diesen peinlichen Ausrutscher wieder wettgemacht. Wahrscheinlich war sie im Moment ganz einfach zu überfordert mit Ereignissen und Eindrücken; denn es gab von ihr aus keinen Grund entgegenkommend zu sein was ihre Nichte betraf, dachte Narzissa, bis sie merkte, dass sie in die falsche Richtung gelaufen war. Kopfschüttelnd drehte sie um und ging zurück.
Die Tür zu Lupins Büro war noch leicht angelehnt. Da Narzissa nicht den Eindruck erwecken wollte zu lauschen und somit unbemerkt bleiben wollte, schwenkte sie ihren Zauberstab über ihre Schuhe, worauf das Klappern ihrer Absätze augenblicklich verstummte. Sie bemühte sich, nicht auf die Worte zu achten, die gedämpft aus Lupins Büro traten, aber als sie glaubte ihren Namen gehört zu haben, blieb sie stehen.
„…hat sie die letzten 20 Jahre nicht interessiert wie es ihr geht, also warum sollte es sie jetzt interessieren?"
„Sie versucht sicher nur höflich zu sein. Ich kann dich verstehen, Tonks, aber vielleicht solltest du ihr eine Chance geben. Auch wenn das momentan unvorstellbar klingt, vielleicht ist das die Chance eure Familien wieder zusammen zu bringen."
„Ich kann gut und gerne darauf verzichten, das sage ich dir. Dass ich ihre Mutter kennen gelernt habe, reicht mir vollkommen aus."
Narzissa runzelte verwundert die Stirn. Sie trat näher an die Tür heran um besser verstehen zu können.
„Du hast Kontakt mit deiner Großmutter?", hörte sie Lupin überrascht sagen.
„Sie hat sich, bevor sie das Land verlassen hat, ein paar mal bei uns blicken lassen. Nach dem Tod meines Großvaters hat sie sich zurückgezogen. Sie will nichts mit dem Krieg zu tun haben, sagt sie, es ist ihr egal, sie will nur ihre Ruhe. Wohin genau sie gegangen ist hat sie nicht gesagt."
„Hat sie noch Kontakt mit Narzissa?"
Narzissa hatte ohne es zu merken die Luft angehalten.
„Keine Ahnung, ich glaube eher nicht. Aber sie hat oft von ihr gesprochen. Meine Mutter meint, Narzissa ist schon immer der Liebling meiner Großmutter gewesen. Narzissa war der Engel, Bellatrix die Impulsive und meine Mutter …. na ja, das schwarze Schaf, die Schande der Familie, neben Sirius versteht sich. Doch wenn's die eigene Tochter ist, trifft es einen natürlich mehr als bloß beim Neffen."
„Ich weiß über die Frau nicht das Geringste."
„Woher auch. Die einzigen Personen die dir von ihr erzählen konnten waren Sirius und ich. Sirius hat dir nichts von ihr erzählt weil er seine Familie hasste und ich habe dir nichts über sie erzählt, weil ich diese Familie nicht kenne. Ich bin eine Tonks, keine Black, das hab ich immer so gesehen."
„Da du deine Großmutter nun aber kennen gelernt hast: wie schätzt du sie ein?"
„Das ist nicht ganz leicht. Sie wirkt wie eine typische Black, wenn du verstehst was ich meine. Beherrscht, ziemlich kühl, wobei ich glaube, dass sie früher sicher noch krasser drauf war. Ich glaube sie ist mit kommendem Alter sanfter geworden, so wie das bei vielen verbiesterten Menschen der Fall ist. Und ich muss ihr Zu Gute halten, dass sie diejenige war, die eines Tages vor unserer Tür stand."
„Ganz plötzlich? Nach jahrelanger Funkstille?"
„Sie wollte sich verabschieden. Egal was für eine schlechte Mutter sie ist oder war, ich glaube in diesem Fall konnte sie es nicht mehr verdrängen, dass sie noch eine Tochter hat."
„Wie war das für dich?"
„Mir war das eigentlich egal. Ich kannte sie ja nicht und sie hat mir nie gefehlt, da ich von den Eltern meines Vaters genug Zuneigung bekommen habe. Für meine Mutter ist das natürlich was anderes. Sie hat ihre Entscheidung damals getroffen und es nie bereut, aber von der Familie verstoßen zu werden, tja, das muss sehr wehtun. Sie redet nie darüber, aber als meine Großmutter dann auf einmal bei uns auftauchte, war meine Mum ziemlich durch den Wind."
„Warum, glaubst du, haben sie und Narzissa keinen Kontakt mehr?"
„Da kann ich nur vermuten. Ich glaube, dass das mit dem Tod meines Großvaters angefangen hat, das ist jetzt über 15 Jahre her. Meine Mutter hat mir einmal erzählt, dass Narzissa eine sehr enge Bindung zu ihrem Vater hatte. Was genau vorgefallen ist, dass sein Tod Mutter und Tochter voneinander entfernt hat, weiß ich nicht."
Nach diesen Worten folgte Stille. Narzissa hatte sich mit der Hand gegen das kalte Gestein gestützt, von dem Hogwarts getragen wurde. Sie starrte bewegungslos auf die Tür des Büros, bemerkte erst jetzt die Tränen in ihren Augen. Für einen kurzen Moment presste sie die Augen schmerzlich zusammen, dann fuhr sie sich mit den Händen übers Gesicht und atmetet tief durch.
„Wie geht es dir?", hörte sie Tonks fragen. In ihrer Stimme schwang aufrichtiges Interesse und Zuneigung.
Narzissa trat ein paar Schritte von der Tür weg. Sie hatte genug gehört. Was jetzt für Worte hinter dieser Tür fielen, ging sie nichts mehr an. Vollkommen in Gedanken und Erinnerungen versunken, machte sie sich auf den Weg zu Snapes Gemächern.
Da er, selbst nach ihrem mehrmaligen Klopfen, nicht geöffnet hatte, drückte Narzissa die Klinke herunter und fand die Tür, zu ihrer Verwunderung, offen vor. In seinem Wohnzimmer war Snape nicht aufzufinden, deshalb lugte Narzissa in die Küche, wo er tatsächlich an der Spüle lehnte und mit irgendetwas beschäftigt war.
„Hast du Hunger?", fragte er ohne aufzublicken.
„Nein", sagte Narzissa. „Lässt du die Tür zu deinen Wohnräumen eigentlich immer offen?"
„Nur wenn ich Besuch erwarte der auch erwünscht ist." Er griff nach einer Paprika. „Und du bist sicher, dass du keinen Hunger hast? Ich mache Salat."
Narzissa ließ sich an dem Tisch nieder, der in der Mitte der Küche stand, stützte das Kinn in ihre Hände und beobachtete Snape, wie er äußert präzise und schnell Gemüse der unterschiedlichsten Art zerkleinerte. „Witzig, dir bei Küchenarbeit zuzusehen", sagte sie grinsend.
„Kochen ist im Prinzip dasselbe wie das Brauen von Zaubertränken. Wenn die Zutaten nicht stimmen, kommt nur Mist heraus. Und ich bin manchmal ganz froh meine Mahlzeiten nicht mit hunderten von lärmenden Bälgern in der großen Halle einnehmen zu müssen. Außerdem", sagte er und biss in ein Stück der Paprika, „habe ich niemanden der für mich kochen könnte. Oder hast du zufällig Lust dazu?"
Narzissa schüttelte feixend den Kopf. „Es ist schon eine Überwindung für mich selber zu kochen. Aber es reicht zum Überleben."
„Das muss wirklich grauenhaft sein", spöttelte Snape, „so ganz ohne Hauselfen. Wieso schafft ihr euch eigentlich keinen neuen an?"
Narzissa zuckte mit den Schultern. „Ich habe momentan andere Sorgen, als mir einen neuen Hauselfen anzuschaffen."
„Damit würdest du glatt einen Pluspunkt bei unserer Miss Granger machen. Mit dir könnte sie die Liste von reinblütigen Familien ohne Hauselfen erweitern. Tsss", machte er abfällig, „und ich dachte Mädchen in dem Alter hätten anderes im Kopf."
„Redest du zufällig von B.ELFE.R?", fragte Narzissa erheitert. „Draco hat damals davon erzählt. Wir drei haben am Frühstückstisch herzlich gelacht."
„Das kann ich mir vorstellen", sagte Snape grinsend. Er schüttete das klein gehackte Gemüse in eine Schüssel. „Und?", fragte er dann etwas angespannt. „Wie war dein Gespräch mit Lupin?"
„Ganz in Ordnung", sagte Narzissa etwas abwesend und zog ihren Mantel aus.
„Ganz in Ordnung, aha. Ich finde deine Einstellung diesbezüglich ohnehin sehr bewundernswert. Bellatrix – verzeih mir – hat es zwar verdient, aber ich glaube an deiner Stelle würde ich Lupin schon aus Prinzip umbringen."
„Tja, es geht hier aber nicht um Prinzipien, sondern um Vernunft."
Snape drehte sich um und blickte sie zum ersten Mal an. „Ist alles in Ordnung mit dir?"
„Jaja. Ich weiß was du meinst, aber seltsamerweise hasse ich ihn nicht. Vielleicht sollte ich das, ich wundere mich selber darüber, dass es nicht so ist. Aber du weißt sehr gut, dass ich die Art und Weise wie sich Bellatrix in den letzten Jahren verhalten hat nie gutgeheißen habe. Sie war meine Schwester und ich habe sie geliebt, aber in meinem Innern wusste ich, dass es irgendwann so kommen würde. Wenigstens werde ich jetzt nicht mehr erfahren müssen, inwieweit ihre Loyalität zum Dunklen Lord gegangen wäre. In dieser Hinsicht hat sie nämlich selbst mir Angst gemacht." Sie atmete tief durch. „Nun, jetzt erzähl mir von Lupin", sagte sie, hob den Kopf und stutzte, als sie den durchdringenden Blick bemerkte mit dem Snape sie musterte. Ein anzügliches Lächeln lag um seine Lippen. „Was denkst du", fragte sie skeptisch.
„Ach", machte Snape, „mir ist nur gerade wieder aufgefallen wie wunderschön du bist. Und dass ich dich …"
Narzissa hob wartend beide Augenbrauen. „..liebe?"
„Genau. Und dass du der einzige Mensch bist dem ich es gönne mit Lucius zusammen zu sein - abgesehen von mir natürlich."
Narzissa lächelte. „Ist das nicht komisch? Gerade eben habe ich Lupin erzählt wie liebevoll du sein kannst! Wo wir auch wieder beim Thema wären. Nicht ablenken, mein Schatz!"
Snape rollte mit den Augen. „Was willst du wissen?"
„Na wieso er nicht mehr mit dir redet!"
„Weshalb hast du ihn denn nicht selbst gefragt?"
„Ich kenne ihn doch kaum."
„Aber offenbar genug um ihm zu erzählen wie liebevoll ich sein kann! Was hast du dir denn dabei gedacht?"
„Es ist wirklich immer wieder erstaunlich wie sich ein Mensch darüber ärgern kann, dass man ihn in positives Licht stellt! Jetzt plustere dich nicht so künstlich auf, sondern fang an zu erzählen!"
„Wie Mylady wünscht!", sagte Snape spöttisch und seufzte angestrengt. „Ich mache es kurz: Lupin stürmte heut Morgen in mein Wohnzimmer wie eine tollwütiges Biest und wollte wissen mit wem ich alles ins Bett gestiegen bin." Als Narzissa große Augen machte, fuchtelte Snape ungeduldig mit der Hand. „Er hat das selbstverständlich anders formuliert! Und als ich dann wissen wollte, wieso er das wissen will, fing er damit an mir sein Herz auszuschütten. Dass er doch niemals glücklich gewesen ist in seinen Beziehungen mit Frauen …"
„Wegen Sirius, nicht wahr?"
Snape nickte, doch dann zog er die Nase kraus und starrte sie an. „Woher weißt du das denn?"
„Ich hab es vermutet und ihn gefragt", sagte Narzissa mit einem Schulterzucken.
Snape machte ein etwas unintelligentes Gesicht, schüttelte dann den Kopf und fuhr fort. „Jedenfalls plapperte er dann irgendwas von wegen er wisse nicht ob Black ein Einzelfall war, und dass ich ihm doch bitte helfen soll herauszufinden ob er auf Männer steht, um es mal konkret zu sagen. Der Mann steckt in einer zweiten Pubertät und lässt das an mir aus!"
Narzissa blickte ihren Freund interessiert an und wartete darauf, dass er fortfahren würde. Als er dies nicht tat, stutzte sie. „Hast du deshalb so heftig reagiert?"
„Was?", fragte Snape und machte ein verständnisloses Gesicht.
„Na wenn er so sauer auf dich gewesen ist, musst du ja irgendwie komisch reagiert haben."
„Entschuldige bitte, aber Ich habe nicht komisch reagiert, sondern so wie jeder reagieren würde, wenn er so eine unglaubliche Bitte hören würde. Ich habe ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass er wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank hat."
Narzissa runzelte die Stirn.
„Was ist denn?"
„Warum hast du's nicht einfach gemacht?"
Snape blickte sie einen Moment fragend an. „Wie bitte?"
„Warum hast du es-"
„Ich bin nicht taub Narzissa! Das kann nicht dein Ernst sein!"
„Wieso nicht? Ich verstehe um ehrlich zu sein auch nicht wieso du dich so aufregst. Seit wann schlägst du so etwas aus? Du hast noch nie ein Problem damit gehabt Leuten näher zu kommen für die du nichts empfindest. Lupin ist wenigstens mal ein netter Kerl. Und er sieht doch ganz gut aus." Narzissa musterte ihn kritisch. „Es ist hübscher als du."
„Vielen Dank auch, ich habe lange nichts mehr so charmantes gehört!"
Narzissa lachte und erhob sich. „Ist doch nicht so schlimm, Männer müssen nicht hübsch sein, dafür sind wir Frauen da. Dafür bist du anziehender als er."
„Spotte nur weiter."
„Severus! Ich hätte dich nicht geküsst, wenn es nicht so wäre!"
„Du hast mich geküsst weil du ein nervliches Wrack warst und mit deiner Dankbarkeit nicht wusstest wohin."
„Noch so ein Spruch und ich mache mit dir dasselbe wie mit Lucius heute Morgen", sagte Narzissa empört.
Snape grinste. „Aha? Nun, ich habe nichts dagegen einzuwenden."
„Und ich wusste nicht, dass du masochistisch veranlagt bist."
„Masochistisch?" Der Zaubertränkemeister machte große Augen. „Was zum Teufel macht ihr im Bett, dass man von Masochismus sprechen könnte?"
„Im Bett? Ich habe ihm heute Morgen eine Ohrfeige gegeben, davon spreche ich."
Snape stutzte. „So? Der arme Mann." Doch dann musste er grinsen. „Ihm bleibt heute auch nichts erspart oder?"
„Wieso?"
Snape machte eine wegwerfende Handbewegung. „Nicht so wichtig."
Narzissa zuckte mit den Schultern und blickte ihn dann durchdringend an. „Tu es doch einfach", sagte sie und schloss an das vorangegangene Gespräch an. „Lupin tust du einen Gefallen und … dir auch. Es ist nur ein Kuss, Severus. Du sollst mit ihm keine Beziehung eingehen."
„Ein Kuss! Woher willst du wissen ob er von einem Kuss geredet hat!?"
„Naja, so wie ich Lupin einschätze wollte er sicher nicht gleich das volle Programm. Und ein Kuss ist doch sehr passend geeignet, wenn man sich über seine Gefühle klar werden möchte. Ein Kuss kann erotisch sein, romantisch, zärtlich …"
„Bitte, hör auf!", sagte Snape verzweifelt und hob abwehrend die Hände. „Du kennst Lupin nicht. Ich bin mir sicher wenn der erst einmal Interesse an jemandem gefunden hat mutiert er zum reinsten Schmusekater … -wolf … wie auch immer."
Narzissa zuckte mit den Schultern. „Na und? Das kann dir doch egal sein, wenn du ihn ohnehin nicht magst."
„Ja, aber … ach was weiß ich."
„Kann es sein, dass du ihm nicht wehtun willst?", fragte Narzissa behutsam.
Snape zuckte trotzig mit den Schultern. „Keine Ahnung, vielleicht."
„Erwischt!" Narzissa zeigte triumphierend auf ihn und grinste. „Du willst ihm nicht wehtun, behauptest aber gleichzeitig ihn nicht zu mögen. Ergibt nicht viel Sinn oder?"
„Ich habe nie behauptet ihn nicht zu mögen. Ich habe ganz einfach keine Lust ihn an der Backe zu haben, das ist alles!" Snape seufzte. „Ihr Frauen könnt furchtbar nervtötend sein."
Narzissa grinste noch breiter. „Na ein paar deftige Gründe, wieso du lieber mit Männern ins Bett gehst, musst du schon haben. Ich finde Lupin hat sich genau den richtigen ausgesucht. Und wenn du im Bett nur halb so gut bist wie du küsst", Narzissa machte ein genießerisches Geräusch, „wage ich zu behaupten, Lupin verpasst was."
„Hat dieses Honig um den Bart schmieren einen Grund? Willst du mich bekehren?"
„Nein, denn mir würde keine Frau für dich einfallen."
„Die einzige Frau mit der ich freiwillig ins Bett gehen würde, steht vor mir", sagte Snape mit einem süffisanten Lächeln.
„Eben", Narzissa nickte, „du würdest dich wieder in mich verlieben und somit würde der ganze Zirkus der letzten 20 Jahre von vorne beginnen. Also lassen wir mal lieber alles so wie es ist." Narzissa lächelte und trat näher an ihn heran. „Auch wenn du mich dafür hassen wirst aber: du musst anfangen deinen Blick auf andere zu richten", sagte sie leise und fingerte an den Knöpfen seiner Robe herum. „Soviel dir deine Liebe zu Lucius auch bedeuten mag, sie wird dich nie zufrieden stellen. Also verschwende dein Leben nicht, sondern mach mal die Augen auf. Lupin sieht gut aus, er ist einsam und scheint sich für dich zu interessieren."
Snape betrachtete sie aufmerksam. „Ich an deiner Stelle würde auch versuchen mein Augenmerk von Lucius weg und auf jemand anderen zu richten", sagte er ruhig.
Narzissa blieb für einen Moment bewegungslos, dann glitten ihre Hände von Snapes Brust. „Tut mir wirklich Leid, dass es mir am Herzen liegt, dass du glücklich wirst." Sie griff nach ihrem Mantel. „Ich geh dann mal."
„Hey, warte", sagte Snape und packte sie am Handgelenk.
„Was denn", schnappte Narzissa, jetzt deutlich erzürnt. „Ich bin die böse Ehefrau, die den bösen Liebhaber von ihrem Ehemann fern halten will. Dass ich mich dafür rechtfertigen muss ist eigentlich die absolute Höhe!"
Snape grinste und zog sie zu sich.
„Was ist daran so witzig?"
„Du bist bezaubernd, wenn du dich aufregst. Dabei bildet sich so eine kleine Falte zwischen deinen Augen."
„Bei dir auch, aber deine ist riesig und geht schon gar nicht mehr weg!"
Snape gab ein herzhaftes Lachen von sich, was in Narzissas Bauch ein kleines Hochgefühl auslöste. Gegen ihren Willen musste sie grinsen.
„Pass auf, du gibst mir einen Kuss und wir vergessen die Sache", schlug Snape vor.
„Ich dir? Du hast mich verletzt, wenn musst du mir einen geben."
Snape nickte. „Wieso darf ich eigentlich dich küssen aber nicht Lucius?"
„Weil du dich bei ihm nicht zurückhalten kannst. Das da", sagte sie und zeigte auf ihre Zunge, „würde dann nämlich ganz schell die Oberhand gewinnen. Und da man deinem Kuss sehr schwer widerstehen kann, wäre es dann sicher auch schell mit Lucius' Widerstand vorbei."
„Ich finde es wirklich faszinierend, wie du so locker über diese Sache reden kannst."
„Diese Sache ist schon tragisch genug, wenn wir das nicht ab und zu etwas lockerer nehmen würden, würden wir vollkommen durchdrehen."
Trotz der Ankündigung, war Narzissa überrascht, als Snape sich ihr einfach so entgegen lehnte und sie küsste. Sie erwiderte den Druck seiner Lippen zaghaft und zog dann den Kopf zurück.
„Das war's schon?", neckte Snape. „Das kannst du doch eigentlich besser."
Narzissa gab ihm einen halbherzigen Klaps gegen die Schulter. „Es gibt da einen Kandidaten der mehr davon profitieren würde! Lass dir die Sache mit Lupin mal durch den Kopf gehen."
„Schlag du sie dir da raus", entgegnete Snape und tippe mit dem Finger gegen ihre Stirn. „Und jetzt verschwinde."
Narzissa drehte sich um und lief aus der Küche. „Was hast du denn vor?", rief sie.
„Zu Lupin gehen, wie ich vorhin schon sagte", erwiderte Snape während er ihr durchs Wohnzimmer und zur Tür folgte.
„Und was willst du da?"
„Ihm den Kopf waschen."
„Um ihn danach zu küssen?"
„Ganz sicher nicht, Weibsbild!"
Narzissa klimperte mit den Wimpern, und ihr übertrieben geformter Kussmund war das letzte was Snape sah, als er ihr die Tür vor der Nase zuschlug.
Tja, was macht der Snapi mit dem Lupin?! Wäscht er ihm den Kopf, reißt er ihn ab, küsst er ihn oder macht er nichts davon oder alles zusammen?! Man darf gespannt sein. XD
Habt ihr eigentlich auch Probleme, euch Snape beim Essen vorzustellen? Das ist total bescheuert, da sich Zauberer bis auf farbenfrohe Festmähler in der großen Halle sicher genauso ernähren wie Muggel. Aber meine Vorstellungskraft geht bei Snape einfach nicht übers Kaffee trinken hinaus, ich hab das Gefühl, sobald er isst, ist er uncool. °LOL° Beknackt oder? Ich kann's nich ändern.
