Disclaimer:

Alle bekannten Personen, Orte etc. gehören natürlich JKR. Die Filmszene: Copyright by Warner Bros. Bonnie Tyler, Rea Garvey & Reamonn gehören auch nicht mir, sie sind reale Personen, deren Namen ich mir nur geborgt habe. Dasselbe gilt für Alan Rickman und seine Schauspielkollegen.

Zu mir gehört lediglich der „Zeitsprung" sowie Sina/Sayda, Lena/Siria, Tina/Temptation/Alechia und Icarus Tate; Cryptia Norfolk; Silentia Avelon, Nac Brisbaine, Evanescence Cadwick, Mondrian Drake; Pacis & Dawn, Helios & Carmaine; Aurelius Hexbeth, Hopper, Crester, Loffley; Hensley Johansen, Caligula Demin, Ambra Meldenee und Dargun de Ville; Camira Moonstone, Acropolis Messmer, Rumthrop; Helga, Helmut & Angelika Reuther sowie Michaela und Henriette ohne Nachnamen.

Und das „Faithless" geht auf meine Kosten, sowie mein „Tegsak" und die „Zeitsamen".

/

Eines Tages hockte sie wieder völlig in Gedanken versunken auf ihrem Stuhl, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde und Sayda hereinstürmte – bis sie mit fassungslosem Gesicht innehielt, als sie Severus erblickte.

„Sev!" Mit einem erstickten Schrei stürzte sie sich auf ihn und sank neben dem Bett nieder. „Nein… Sev…"

Hinter ihr eilten nun drei Heiler herein, dicht gefolgt von fünf ziemlich beängstigend aussehenden Auroren. Der vorderste, der der Leiter des Aurorenbüros war, rief mit tiefer Stimme: „Wir haben hier einen offiziellen Haftbefehl für Miss Sayda Sidea Shevell, wegen mehrfacher Verwendung eines Unverzeihlichen Fluchs."

„Nein!" Siria war aufgesprungen, um sich den Männern in den Weg zu stellen, doch die stießen sie nur beiseite und packten Sayda, die sich schreiend wehrte, während ihr Tränen über die Wangen liefen.

„Um Himmels willen, nein! Mr Rumthrop, bitte, sie hat es doch nicht mit Absicht getan!", rief Siria und packte ihren Vorgesetzten am Umhang.

Rasch drehte dieser sich um und fixierte sie mit stahlgrauen Augen.

„Miss Brown – lassen Sie das, wenn Ihnen Ihre Ausbildung wichtig ist. Falls Sie etwas zu dem Fall zu sagen haben, am Dienstag ist die erste Anhörung. Sie können als Verteidigerin auftreten." Und mit diesen Worten verpasste er Sayda einen Schweigezauber und ließ sie fortschaffen.

Starr vor Entsetzen verfolgte Siria das Schauspiel. Dienstag war morgen und Sayda hatte keinerlei Chancen.

Doch Siria ging trotzdem zu der Anhörung. Sie hatte sich ziemlich weit oben einen Platz im Gerichtssaal gesucht und hielt sich mit Absicht im Schatten.

Dann wurde Sayda von zwei riesigen Auroren hereingeführt und auf den Stuhl in der Mitte des Raumes verpflanzt. Sie war völlig aufgelöst und hatte eine sehr ungesunde Gesichtsfarbe. Ihr wallendes, blondes Haar war nur unordentlich hochgesteckt worden und der Saum ihres Kleides war zerrissen.

Mit unbewegter Miene beobachtete Siria die Oberste Richterin, die die Anhörung leiten würde. Silentia Avelon. Laut Kingsley Shacklebolt war sie in Ordnung und auch fair, aber selbst sie konnte niemanden freisprechen, der keine Gründe vorlegen konnte, warum er unschuldig war.

Nach den einleitenden Worten begann Madam Avelon sogleich mit der Befragung: „Sie sind Sayda Sidea Shevell? Ihr Zauberstab… – existiert nicht mehr?"

Sayda nickte.

„In Ordnung… Dann kommen wir zu den Anklagepunkten: Mehrfache Verwendung eines Unverzeihlichen Fluchs, genauer, des Cruciatus-Fluchs, an Mr Severus Snape."

Saydas Augen glitzerten verdächtig.

„Ist das korrekt?"

„… Ja", sagte Sayda mit erstickter Stimme.

Silentia Avelon kritzelte etwas auf einen Bogen Pergament vor sich.

„Gut. Wie oft haben Sie den Cruciatus-Fluch gegen Mr Snape eingesetzt?"

„Z-zweimal, der Rest war Hexbeth."

„Zweimal… Aurelius Hexbeth sprach allerdings davon, dass Sie wesentlich mehr… sagen wir… Wucht in den Zauber gelegt haben als er. Stimmt das?"

„Das… das war nicht beabsichtigt, ich… ich war verzweifelt…"

„Verzweifelt? Und dann haben Sie sich einfach mal gedacht, Sie -"

„Nein!", rief Sayda laut. „Hexbeth hat mich dazu gezwungen! Ich hatte gar keine Wahl! Ich hätte nie… nie…" Ihr versagte die Stimme.

„Ah ja. Gibt es dafür Zeugen?" Madam Avelon spähte hinauf zu Siria.

Sayda, die ihrem Blick gefolgt war, wirkte etwas erschrocken darüber, dass ihre Freundin da war, fasste sich aber relativ schnell wieder.

„Nun", meinte Siria und räusperte sich leicht, „Mr Snape persönlich könnte aussagen."

„Und wo ist Mr Snape, Miss…?", fragte eine Hexe aus dem Zaubergamot.

„Brown. Siria Lesley Brown. Und was Mr Snape anbelangt… sein Zustand erlaubt es ihm nicht, hier zu sein."

„Also, so wie ich das sehe, können wir nicht zu einem Urteil kommen, wenn der mögliche Zeuge nicht ausgesagt hat", fasste die Oberste Richterin zusammen. „Ich veranschlage somit eine weitere Anhörung in einer Woche. Miss Shevell, Sie verbleiben solange in Haft."

Furcht breitete sich auf Saydas Gesicht aus und sie klammerte sich an den Stuhl.

„Miss Brown, ich würde mir wünschen, dass Sie wiederkommen, auch wenn der Zeuge anwesend ist.

Dann ist die Anhörung hiermit beendet."

Siria war schon wieder der Verzweiflung nahe, als sie den 4. Stock des St. Mungo betrat und von einer fröhlichen Cryptia Norfolk begrüßt wurde.

„Miss Brown!", rief diese ihr entgegen. „Mr Snape ist heute Morgen aufgewacht, es geht ihm besser, er ist nur, sagen wir, etwas verwirrt. Spricht nicht."

Die jähe Freude in Siria flaute schnell wieder ab. Severus' bloße Anwesenheit vor Gericht würde keinen Freispruch erwirken… Hastig öffnete sie die Tür zum Krankenzimmer und schlüpfte hinein.

„Severus? Ich bin's, Siria…"

Severus rührte sich kein bisschen, nur seine schwarzen Augen huschten zu ihr hinüber und musterten sie eindringlich. Siria versuchte zu lächeln, doch es musste ziemlich verkrampft wirken. Nachdem sie nicht wusste, wie viel ihr Gegenüber verstehen würde, erzählte sie ein paar harmlose Geschichten und umging das Thema „Sayda" dabei großzügig.

Bei den darauffolgenden Besuchen war meistens auch Heilerin Norfolk anwesend, die so viel plapperte, dass es gar nicht weiter auffiel, dass Siria langsam aber sicher der „Gesprächs"-Stoff ausging. Schließlich sprach sie die Heilerin auf die Anhörung an und diese meinte, sie sollte Severus ruhig mal „hier rausbringen".

Als Sayda am nächsten Dienstag wieder in den Gerichtssaal geführt wurde, sah sie sich sofort nach Siria um und wirkte über alle Maßen schockiert, als sie in der blassen Gestalt neben ihrer Freundin Severus erkannte, der ohne ein Zeichen des Erkennens leicht an Siria gelehnt da saß, das einzig menschliche an ihm der unverhohlen leidende Ausdruck in seinem Gesicht.

Der Oberste Richter war diesmal ein langer, dünner Mann mit stachelig gegelten Haaren und einem Nadelstreifenanzug namens Nac Brisbaine, der den Eindruck machte, eigentlich kein Zauberer zu sein. Zumindest, bis er seinen Zauberstab aus der Innentasche seines Jacketts zog und ihn sorgsam vor sich auf das Pult legte. Nachdem Brisbaine Sayda dieselben Fragen gestellt hatte wie schon eine Woche davor Madam Avelon, ging er noch ein bisschen weiter darauf ein, dass Sayda angeblich gezwungen worden war, den Cruciatus-Fluch zu benutzen.

„Sie wurden also von Mr Aurelius Hexbeth gezwungen, diesen Fluch, bei dem es sich um einen Unverzeihlichen handelt, wie Sie selber wussten, an Mr Snape anzuwenden?"

„Ja, das sagte ich doch bereits, sonst hätte ich das nie getan!"

„Immer mit der Ruhe. Warum haben Sie sich nicht einfach geweigert, das zu tun?"

„Ich konnte mich nicht weigern!", rief Sayda verzweifelt. „Wenn ich mich geweigert hätte, dann… dann…" Sie schluckte schwer und blickte hinauf zu Severus. „Dann wäre ich jetzt nicht in der Lage, Ihnen das zu erzählen…"

Nac Brisbaine folgte ihrem Blick. „Ist das unser Zeuge? Mr Snape?"

Siria nickte, da Severus sich augenscheinlich nicht angesprochen fühlte – oder es schlichtweg nicht mitgekriegt hatte.

„Ähm, Sie sind…?"

„Siria Lesley Brown. Ich begleite Mr Snape, da seine Genesung noch nicht weit genug fortgeschritten ist, als dass er hätte allein kommen können." Siria reckte das Kinn, um ihre Traurigkeit zu überspielen.

„Verstehe. Und… hat Mr Snape etwas zu sagen?"

„Nein. Im Moment hat er noch keine… Vorstellung… von dem, was passiert ist."

„Keine Vorstellung…", wiederholte Brisbaine langsam. „Meinen Sie, es könnte ein schwerwiegender Gedächtnisverlust vorliegen oder könnte es ihm möglich sein, nächste Woche bei einer dritten Anhörung auszusagen?"

„Das kann Ihnen leider keiner genau sagen. Vielleicht kann er es, vielleicht nicht."

„Nun gut. Sollte er nicht können, wird es nächsten Dienstag zumindest zu einer vorrübergehenden Verurteilung der Angeklagten kommen. Die Anhörung ist beendet."

Auch wenn Severus nun weiterhin Fortschritte machte, hatte Siria keine Hoffnung mehr, dass Sayda freikommen könnte, denn er sprach immer noch kein Wort.

Am Tag der letzten Anhörung saß Siria schon vor Morgengrauen neben seinem Bett, als Severus plötzlich die Augen aufschlug und sich trotz aller Schmerzen entschlossen aufrichtete.

„Sayda", sagte er. „Wo ist Sayda?"

Siria zuckte so heftig zusammen, dass sie beinahe von ihrem Stuhl gefallen war.

„Sayda… Sie ist nicht hier, sie ist in Askaban…"

„WAS?" Severus fuhr herum und fixierte sie mit dem typischen, bohrenden Snape-Blick. „Warum?"

„Sie wurde angeklagt, weil sie den Cruciatus-Fluch gegen dich eingesetzt hat."

Severus sah sie verständnislos an. „Aber das war doch nicht ihre freie Entscheidung. Ich habe ihr gesagt, dass sie es tun muss, sonst hätte der alte Hexbeth sie erledigt! Wann kommt sie wieder frei?"

„Gar nicht", meinte Siria traurig. „Es gibt keine Zeugen außer dir und du warst in den letzten Wochen… verhindert."

„Verhindert… Wann ist die Anhörung?"

„In einer knappen halben Stunde…"

„Und worauf wartest du dann noch? Wenn ich der einzige bin, der Sayda da raushauen kann, sollte ich es tun!" Er schwang die Beine aus dem Bett und stand auf, wobei er ziemlich schwankte und auch sein Gesichtsausdruck nicht sonderlich entspannt aussah. Sofort war Siria neben ihm, die er argwöhnisch beäugte.

Auf einmal betrat Heilerin Norfolk das Zimmer und staunte Bauklötze.

„Wie… was… hä?"

„Wir gehen zur Anhörung von Miss Shevell, Madam", erklärte Severus ihr kühl.

„Ähm… Ja… Okay…"

Siria nickte kurz und sie verließen das St. Mungo. Hinter einem Müllkübel disapparierten sie und landeten in der Nähe des Ministeriums.

Diesmal setzte sich Siria in weiser Voraussicht in die erste Reihe der für die Verteidigung reservierten Sitzreihen. Severus neben ihr versteifte sich merklich als Sayda hereingeführt wurde und die riss vor Überraschung die Augen auf. Mit offenem Mund ließ sie sich auf dem Stuhl nieder und starrte ungläubig herüber.

Diesmal wurden Nac Brisbaine und Silentia Avelon von Evanescence Cadwick und Mondrian Drake, zwei erst kürzlich ernannten Richtern, unterstützt, die besonders auf schwierige Fälle spezialisiert waren. Sie kamen schnell voran und schließlich wurde Severus als Zeuge aufgerufen. Etwas wankend stieg er die wenigen Stufen hinab und setzte sich auf einen Stuhl, der neben Saydas erschienen war. Sayda wagte es nicht, ihn anzusehen.

„So, Mr Snape, sind Sie auch der Meinung, dass Miss Shevell keine andere Wahl hatte, außer den Fluch an Ihnen zu benutzen?", fragte Brisbaine.

„Ja."

„So? Erklären Sie das mal…"

„Aurelius Hexbeth hätte sie zu Tode gefoltert, wenn sie es nicht getan hätte. Ich habe ihr das selbst mitgeteilt."

„Ah, interessant…", schaltete sich Madam Cadwick ein. „Waren Sie sich dann auch im Klaren über das, was dann kommen würde, über die Kraft, mit der der Fluch Sie erwischen würde?"

„Natürlich. Miss Shevell war meine Schülerin, ich weiß um ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten."

Obwohl es beileibe nicht der richtige Zeitpunkt war, errötete Sayda leicht.

„Also… Wollen Sie damit sagen, dass Miss Shevell eigentlich keinerlei Schuld trifft, weil Sie wussten, worauf Sie sich… einließen?", erkundigte sich Mondrian Drake und zwirbelte seinen dünnen Schnurrbart.

„Ja. Sie hatte keine Wahl." Severus starrte die Richter an, wie er es sonst nur bei seinen Schülern gemacht hatte.

„Gut… Dann kommen wir zum Urteil…" Silentia Avelon sortierte ihre Pergamente. „Wer dafür ist, dass Miss Shevell von allen Anklagepunkten - "

Der ganze Saal war plötzlich still. Severus hatte unwillkürlich nach Saydas Hand gegriffen und diese erwiderte die Geste und sie sahen sich kurz in die Augen.

„ – dass Miss Shevell von allen Anklagepunkten freigesprochen wird", nahm Madam Avelon den Faden wieder auf, „der hebt jetzt die Hand."

Die zum größten Teil ungläubigen und überraschten Zaubergamots hoben fast alle die Hände. Auf Sirias Gesicht stahl sich ein kleines Lächeln, auch wenn es niemand sehen konnte.

„Und wer für eine Verurteilung ist, hebt jetzt die Hand… - Ich würde sagen, das heißt: In allen Anklagepunkten freigesprochen!"

Die vier Richter nickten Sayda zu und einige der Zaubergamots lächelten aufmunternd.

„Die Anhörung ist somit offiziell beendet. Mr Snape, Sie sind von Ihren Pflichten als Zeuge entbunden und können nun nach Hause gehen. Miss Shevell, bitte bleiben Sie noch ein wenig hier, wir müssen noch über ihren Zauberstab sprechen…", verkündete Nac Brisbaine.

Severus, der jetzt noch um einiges mitgenommener aussah, ließ Saydas Hand los und verließ mit Siria den Gerichtssaal.

„Sie bekommen eine Genehmigung für einen neuen Zauberstab", wandte sich Evanescence Cadwick an Sayda und reichte ihr einen eng beschriebenes Blatt Pergament. „Unterschreiben Sie hier und dann können Sie sich bei Ollivander einen neuen holen."

Aufgeregt tauchte Sayda die Feder ein und kritzelte ihren Namen hin.

„Sehr schön. Nun, haben Sie noch eine schöne Zeit."

Vor der Tür machte Sayda einen kleinen Luftsprung.

Nachdem sie jetzt wieder Zugang zu ihrem (wenn auch wenigen) Gold hatte, füllte sie gleich ihren Geldbeutel und machte sich auf zu Ollivander. Ihr neuer Zauberstab war wieder aus Holunderholz, doch diesmal mit einem Einhornhaarkern. Und er war viel schöner als das alte, selbstgeschnitzte Exemplar, mit zarten Schnitzereien aus spiralförmigen Ranken besetzt. 12 Zoll, geschmeidig und biegsam.

Fröhlich machte sie sich auf den Weg ins St. Mungo, um Severus zu sehen, doch als sie gerade die letzten Stufen zum 4. Stock hinaufstieg, kam ihr eine sehr besorgte Siria entgegen. Als diese sie erkannte, packte sie sie an den Schultern.

„Sayda…", begann sie leise, doch Sayda unterbrach sie: „Was ist los? Ist was mit Severus?"

Siria nickte traurig.

„Wie…? Was…?"

„Kaum waren wir draußen… vielleicht ein paar Meter ins Atrium…" Siria kniff die Augen zusammen und versuchte, sich zu fassen „… da hat er einen fürchterlichen Zusammenbruch erlitten. Ich weiß auch nicht, wie es geschehen konnte…. wahrscheinlich war einfach alles… zu viel…"

Sayda sank wie in Zeitlupe auf die Treppe nieder. „Nein… Und – jetzt?"

Siria schüttelte leicht den Kopf. „Nichts. Er ist nicht bei Bewusstsein, seit Stunden nicht. Heilerin Norfolk meinte, es ginge ihm noch schlechter als ganz am Anfang…"

Sayda schwankte. Zum Glück konnte sie nicht sonderlich tief fallen.

„Kann ich… kann ich ihn sehen?"

„Wenn du das wirklich willst – ja."

Doch der Schock war größer als sich Sayda je hatte vorstellen können. Ihre Beine gaben nach und sie wäre gestürzt, hätte Siria sie nicht geradeso noch aufgefangen und einen Sessel herbeigezaubert. Langsam setzte sie sich auf einen zweiten neben ihre Freundin.

„Sayda?"

„Warum? Warum, Siria?"

Siria rang kurz mit sich, dann entschloss sie sich, Sayda alles anzuvertrauen, was sie wusste.

„Es hat sich herausgestellt, dass Hexbeth tatsächlich hinter dem Giftanschlag im September steckt, damals wollte er einfach verhindern, dass Severus zu viel Aufmerksamkeit oder gar irgendwelche Auszeichnungen bekommt – natürlich vor dem Hintergrund, dass ein ehemaliger Todesser die nicht verdient hat. Und jetzt wird vermutet, dass er irgendwann während des… Aufenthalts… in Hexbeths Haus noch einmal mit dem Gift, nun ja, „in Berührung gekommen" ist. Du weißt ja noch, dass Caru gesagt hat, es sei ein furchtbares Zeug…"

„Und du meinst…?" Sayda versagte die Stimme.

„Ja, in Verbindung mit dem Stress bei der Anhörung könnte es ausschlaggebend gewesen sein. Die Symptome deuten zumindest auf eine starke Tegsak-Vergiftung hin – verbunden mit den Nachwirkungen des Cruciatus natürlich eine teuflische Mischung."

Sayda starrte mit schmerzverzerrtem Gesicht auf Severus, der fast so blass wie die weiße Decke schien. Einem plötzlichen Impuls folgend stand sie auf und ging zu ihm hinüber. Ein dünnes Rinnsal Blut lief aus Severus' linken Mundwinkel und tropfte lautlos auf das Laken. Sayda kniete sich neben das Bett und wischte es mit einem Taschentuch weg. Sanft fuhr sie mit den Fingern die Konturen seines Gesichtes nach und schloss die Augen. Unter ihren Lidern quollen silberne Tränen hervor und fielen in das schwarze Haar, wo sie glänzend wie Tautropfen liegen blieben.

Siria wurde ganz kalt und eine böse Stimme in ihr flüsterte, dass sie jetzt eine gute Chance hatte, Aurelius Hexbeth wegen Mord einbuchten zu können, doch sie riss sich zusammen und gab sich nicht ihrer Trauer hin. Zum ersten Mal in ihrem Leben griff sie Saydas Grundsatz auf, vor anderen Leuten nicht die tiefsten Gefühle zu offenbaren. Sie musste jetzt stark sein. Für Sayda, ihre beste Freundin.

Als Cryptia Norfolks mitfühlendes Gesicht in der Tür erschien, zog sie Sayda in eine feste Umarmung, um sie vor den neugierigen und mitfühlenden Blicken der Heilerin zu schützen. Siria konnte nicht weinen. Das hatte sie sich geschworen. Für Sayda.

/

ARSnape: Ohne ein bisschen Drama kann ich einfach nicht… ;D Aber im Großen und Ganzen bin ich doch ein äußerst friedliebender Mensch ^^