Vielen Dank für die netten Kommentare, CaroloveSeverus und Marylein! Ich weiß, ich hinterlasse viele Fragen und auch heute beantworte ich kaum welche. Gebt mir noch ein bisschen Zeit. ;-)

Liebe Grüße Gaby

25 Schlechte Boten am Horizont

„Was habe ich davon, wenn ich das für sie tue?" Wachsam betrachtete er durch seine Brillengläser, den Mann vor sich. „Meine Zeit ist abgelaufen. Der Tag meines Todes steht bereits fest. Wie glauben sie das verhindern zu können?" Lucius ließ sich auf einen der Stühle fallen. In seinem Antlitz lag ein kaltes Lächeln. „Mein Wort hat in der Zaubererwelt noch immer großen Einfluss. Sie wären erstaunt, welche Türen alleine der Klang meines Namens öffnen kann!" erwiderte er selbstgefällig. Horatio senkte kurz den Blick und dachte nach. Er hatte nicht mehr viel zu verlieren. Warum sich nicht an einen Strohhalm klammern, wenn er sich anbot? „Gut! Ich werde es tun." Lucius erhob sich wieder. Hier war er fertig. „Ich werde vor dem Zaubergamott eine Aussage machen. Sie werden lediglich meine Worte bestätigen müssen." Lucius streckte ihm die Hand entgegen. „Ich vergesse niemanden der mir einen Gefallen getan hat!" Horatio ergriff sie. Kurz schüttelten sie ihre Hände so, als wollten sie im Stillen einen Pakt beschließen, dann trennten sich wieder ihre Wege. Lucius kehrte in sein Haus zurück. Dort war eine weitere Person, die die Wahrheit kannte, aber ihm noch immer die Treue schuldete!

*

„Vater! Mutter!" Laut rief er nach seinen Eltern. Das Haus wirkte verlassen auf ihn. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich ihn. Eine Kälte die seine Eingeweide hoch kroch und sein Herz eisig umklammerte. Hier stimmte eindeutig etwas nicht. Hastig lief er immer zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe hoch. „Mutter!" rief er erneut. Aber nichts als Stille antwortete ihm. In Draco verstärkte sich die Angst. Was war hier passiert? Er eilte auf die Räume seiner Mutter zu und riss die Tür auf. In ihren Räumen herrschte Dunkelheit. Die schweren Vorhänge waren zugezogen und ließen kein Licht ein. Ein leises Stöhnen klang vom Bett zu ihm herüber. „Mutter? Bist du krank? Was fehlt dir?" Er machte sich große Sorgen. Seine Eltern waren alles für ihn, auch wenn er das selten zeigte. „Draco? Geh weg – es ist nichts!" Beschwor sie ihn. Mit zögernden Schritten trat er ans Bett. Da lag sie. Tief in den Kissen. Er ahnte mehr, als das er es erkannte, das es seine Mutter war. Schnell zückte er seinen Zauberstab und ehe sie es verhindern konnte, brannte auch schon eine der Kerzen auf ihrem Nachttisch und offenbarte ihm ihr Gesicht. Aufkeuchend trat er einen Schritt zurück. „Wer hat das getan?" schwer ging sein Atem. Bevor sie sich zu einer Antwort aufraffen konnte, fiel unten die Tür schwer ins Schloss und ließ sie ängstlich zusammen zucken. Sie umfasste mit einer Hand seinen Arm und sah ihn eindringlich an. „Geh, mein Sohn. Er soll nicht wissen, dass du mich so gesehen hast! Bitte!" bedrängte sie ihn. Er zögerte. Er wollte sie so nicht alleine lassen, doch der flehende Ausdruck in ihren Augen ließ ihn nachgeben. Schnell schlüpfte er aus der Tür, aber er verließ nicht das Haus, sondern verbarg sich hinter einem der Wandbehänge. Seine Neugierde war geweckt, er musste wissen was hier vorging. Keine Sekunde zu spät hatte er sich verborgen, schon sah er seinen Vater die Treppe herauf kommen. Der Ausdruck in seinen Augen ließ ihn automatisch noch einen weiteren Schritt zurück weichen. So hatte er seinen Vater noch nie gesehen. Es war, als sei er ihm völlig fremd.

Er sah wie er auf das Zimmer seiner Mutter zuging. Was war hier nur passiert? Er kam sich fremd und hilflos vor. Völlig verwirrt verließ er das Haus.

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Das Licht des neuen Tages hatte noch nicht seine ganze Kraft entfaltet und doch zeigten sich schon die ersten schlechten Boten am Horizont. Eine Eule war, kaum das der Tag angebrochen war, bei ihm erschienen und die Nachrichten waren alles andere als gut die sie brachte. Lucius Malfoy wollte noch heute vor das Zaubergamott treten und eine Aussage machen. Scheinbar drückte ihn sein Gewissen. Ha! Albus wusste es besser, wenn es etwas gab, dass Lucius Malfoy bestimmt nicht besaß, dann war es ein Gewissen. Aber über was wollte er sich nur erleichtern? Das bereitete ihm die meisten Kopfschmerzen und sein untrügerischer Instinkt sagte ihm, dass es mit Severus und Hermione zusammenhing. Hatte sie zu tief gegraben? War etwas zu Vorschein gekommen, dass besser dort geblieben wäre wo es war? Oh, er ahnte bereits die ganze grausame Wahrheit. Die Bruchstückchen, die Severus ihm letzte Nacht offenbart hatte, waren durchaus aufschlussreich gewesen. Es hing mit Voldemort zusammen, wann bei Merlin tat es das nicht? Selbst über den Tod hinaus war er eine einzige, lästige Plage. Und diesmal ging es um Severus.

Das Pergament wog schwer in seiner Hand. Wie sollte er seinen Schützling vor einer möglichen – wahrscheinlichen Anklage nur beschützen? Er musste mit Severus sprechen und zwar so schnell wie möglich. Bevor Lucius die Chance bekam ihn anklagen zu können und wer weiß welchen Schaden damit anrichtete. Hastig machte er sich daran eine Nachricht an ihn zu schreiben. Er hatte wohl bemerkt, dass dieser letzte Nacht nicht zurückgekommen war und er konnte sich durchaus denken wo, oder besser gesagt mit wem er die Nacht verbracht hatte. Er freute sich für die Beiden. So eine Verbindung konnte in Anbetracht der Bedrohung die über Severus schwebte, oh er war sich da sicher, dass es so war, durchaus nützlich sein. Hermione Granger hatte zuweilen die Eigenschaften eines Terriers. Wenn sie sich in eine Sache verbiss, ließ sie nicht mehr so schnell los. Mit ihrer Hilfe und seiner Reputation konnten sie es schaffen, sollte es hart auf hart kommen, Severus zu helfen. Ach wenn er nur wüsste, was der verschlagene Hund von Lucius vorhatte, dann könnte er schon ihm Vorfeld dagegen wirken. Seufzend holte er Luft. Es half nichts, er musste zu aller erst mit Severus sprechen. Schnell verfasste ein paar Zeilen an ihn und schickte sie mit einer Eule los.

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Liebevoll folgten ihm ihre Augen als er das Haus betrat und zu ihr in die Küche kam. In ihren Augen stand soviel Wärme. Ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen, daran könnte er sich ohne jeden Zweifel gewöhnen. „Möchtest du Frühstück?" fragte sie ihn sanft und ein bisschen nervös. Es gab doch tatsächlich etwas was sie aus der Ruhe brachte und zwar ihn. Grinsend ging er auf sie zu, nahm sie einfach in die Arme und presste ihren Rücken gegen die Küchenschränke. Ehe sie protestieren konnte, nicht das sie das vorgehabt hätte, verschloss er auch schon ihren Mund mit einem Kuss. Nach sehr langer Zeit hob er den Kopf. „Guten Morgen!" flüsterte er an ihren Lippen. „Guten Morgen!" erwiderte sie leicht schüchtern. Die Situation war noch so neu und fremd für sie. Er ließ sie los und stützte seine Arme links und rechts von ihr auf den Schränken ab und blickte ihr gerade in die Augen. „Frühstück klingt wunderbar, aber vorher würde ich noch gerne mit dir duschen!" sagte er anzüglich und begann an ihren Lippen zu knabbern. Seit letzter Nacht konnte er gar nicht genug von ihr bekommen. Vergessen waren seine schwermütigen Gedanken von vorhin. Das hier und jetzt zählte für ihn in diesem Augenblick. Hermione fühlte Hitze in sich hochsteigen und eine süße Schwere nahm von ihr Besitz. Dieser Mann war in jeder Hinsicht ein Magier, nicht nur in der Zaubererwelt auch im Bett. „Hm? Gemeinsam duschen, wird das nicht ein bisschen eng?" meinte sie gespielt zögernd, dabei glitten ihre Hände suchend über seinen bloßen Oberkörper. Sie liebte es seine Haut zu streicheln. Sie war nicht glatt, an vielen Stellen hatte er Narben, die von unzähligen Schlachten zeugten und manche waren so alt, dass nur noch blasse, fahle Striche davon übrig waren und doch faszinierte sie gerade das an ihm. Er war nicht einfach nur glatt, hatte Ecken und Kanten und Narben. „Oh du wirst es lieben vertrau mir!" flüsterte er neckend an ihren Lippen. „Also gut, wenn du meinst…Aber ich bekomme die Seife zuerst!" In ihren Augen blitze es Schalkhaft und ein sinnliches Lächeln lag auf ihren Lippen. Knurrend packt er sie um die Hüften und wirbelte mit ihr herum, was ihr einen kleinen Schrei entlockte. „Gut! Dann habe ich nur noch eine Frage. Wo zum Teufel ist das Bad!"

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„Egal was ich sage – du wirst es bestätigen! Hast du mich verstanden?" Grob umfasste er ihr Kinn, ohne sich dabei an den zahlreichen blauen Flecken in ihrem Gesicht zu stören. Hatte er sie doch verursacht. Zaghaft nickte sie. Sie hatte Angst. Todesangst. Was war nur mit ihm passiert? Nie, nie war er früher so gewesen, oder hatte sie es einfach nicht gesehen? Sie lebten praktisch nebeneinander, waren bis zu einem gewissen Grade Freunde, sogar Vertraute, aber nie Liebende gewesen. Ihr Herz hatte ihm nie gehört und auch umgekehrt. Er hatte sie nie geliebt. Zumindest hatte ein gewisser Respekt zwischen ihnen geherrscht, aber auch dieser war wie weggewischt, so als hätte es ihn nie gegeben. „Warum tust du mir das an?" wagte sie zaghaft zu flüstern. Ihre Augen blickten ihn ängstlich an. „Hättest du es zugelassen, wäre sie jetzt tot und wir hätten keine Probleme mehr, aber du musstest dich unbedingt einmischen. Du hast keine Ahnung was du damit ausgelöst hast!" erwiderte er kalt. „Dann…dann erkläre es mir!" flehte sie weinerlich. „Dafür ist es zu spät! Tu einfach was ich dir sage und kein Wort zu unserem Sohn!" Seine Miene verzog sich zu einer kalten Fratze. Er wirkte dämonisch auf sie und so konnte sie nur zustimmend nickten. Er beugte sich leicht über sie und brachte sein Gesicht dicht an ihres. „Sollte ich je erfahren, dass du mir nicht gehorchst, wirst du es bitter bereuen!" drohte er ihr in einer Weise die keinen Zweifel daran ließ, dass er jedes Wort auch so meinte wie er es sagte. Er richtete sich wieder auf und blickte immer noch auf sie herab. „Haben wir uns verstanden?" Wieder gelang es ihr nur stumm zu nicken. „Gut!" Mit diesem Wort verließ er sie. Erleichtert stieß sie die Luft aus, die sie unbewusst angehalten hatte. Das war nicht mehr länger der Mann, den sie geheiratet hatte, das war ein Monster.

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Verstört lief Draco von seinem Elternhaus fort. Was war mit seiner Mutter passiert und was war in seinen Vater gefahren? Er verstand das nicht. Immer wieder blickte er sich um und sah auf Malfoy Manor zurück. So als würde sich ihm so zeigen was geschehen war. Einen Teil hatte er sich sehr wohl schon zusammen gereimt. Sein Vater hatte seine Mutter geschlagen, schlimm geschlagen. Aber warum? Seine Welt brach vor seinen Augen auseinander. Die beiden Menschen die in seinem Leben bisher alles waren – ein Vorbild zu dem man ungehindert aufsehen konnte, entpuppten sich als Lüge. In seine heile Welt passte kein Vater der die Frau an seiner Seite verletzte. Unwillig runzelte er die Stirn, ihm war schwindlig. Er presste die Hände an seinen Kopf. In diesem herrschte noch immer ein heilloses Durcheinander. Er sollte zurückkehren und ihn zur Rede stellen, aber eine ungeahnte Furcht hielt ihn davon ab. Seine Mutter…Er würde warten. Die Beine gaben unter ihm nach und so setzte er sich einfach auf dem Boden. Ihm war egal, dass er dabei schmutzig wurde. Unentwegt starrte er auf das Haus. Er würde einen Augenblick hier sitzen bleiben und dann zurückgehen. Dann konnte ihm seine Mutter sicher eine vernünftige Erklärung für das alles geben und dann würde sein Vater dazu kommen und er konnte dann später über seine albernen Gedanken lachen. Ja so würde es sein. Er verbarg den Kopf zwischen den Knien und holte ein paar Mal tief Luft. Und wieso glaubte er nicht daran?

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Die Wangen sanft gerötet, die Lippen geschwollen, das Haar hing ihr in feuchten Strähnen ins Gesicht, so saß sie ihm gegenüber und kaute genüsslich an einem Brötchen dick bestrichen mit Marmelade, dabei lächelte sie ihn unentwegt an. Er lächelte zurück, doch plötzlich wurde er ernst. Er legte sein Messer auf seinen Teller und verschränkte die Arme. Ihr entging der Sinneswandel nicht, ihre schöne gemeinsame Zeit war vorüber. Auch sie legte ihr halbaufgegessenes Brötchen nieder und sah ihn abwartend an. Tief in ihr sträubte sich alles. Sie wollte nicht hören, was er zu sagen hatte. Jetzt nicht mehr. Am liebsten hätte sie ihre ganze Arbeit verbrannt und alles was damit zusammenhing vergessen, aber dafür war es zu spät. „Wir müssen reden…" begann er.