Kapitel 24

Verwirrt blickte er zu dem Häufchen Elend hinüber, dass noch immer regungslos dort unten hockte und keine Anstalten machte, sich so schnell von dort wegzubewegen.

„Das ist doch nicht dein Ernst, oder?"

Aber Harry schüttelte nur mit dem Kopf: „Es ist die Wahrheit."

„Naja...Es würde auf alle Fälle sein Verhalten erklären, wenn ich mit Miki zusammen war, allerdings ist das noch immer kein Grund, sie gleich umzubringen!"

„Sie wäre so oder so gestorben..."

Wie es schien, hatte Ryo sich endlich wieder gefasst, auch wenn er es noch nicht wagte, Akira in die Augen zu blicken.

„Was willst du damit sagen?"

„Das der Dämonenangriff auch ohne mich stattgefunden hätte. So gesehen hatte ich nur die Position eines Spähers inne. Selbst wenn ich vorher aus unvorhergesehenen Umständen gestorben wäre, hätte es sich der Angriff nur für kurze Zeit verzögert. So gesehen wäre die Welt so oder so untergegangen, egal ob ich mich eingemischt hätte oder nicht..."

„Und trotzdem hast du mich mit einem Dämonen verschmelzen lassen! Wozu dann das alles? Es wäre doch viel leichter, mich als Mensch zu töten!"

„Ganz so einfach ist das leider nicht," meinte Harry dazu nur und erntete einen finsteren Blick seitens Akira.

„Der Junge hat recht, auch wenn selbst ich eine Weile gebraucht hatte, um es mir einzugestehen...

Als ich damals zur Erde kam, nahm ich die Identität eines Ryo Asukas an, der kurz zuvor gestorben war. Ich löschte meine eigenen Erinnerungen und begann mein Leben als ganz gewöhnlicher Mensch...

Damals traf ich dich. Du warst so anders, als die anderen, fast schon zu gut, für diese Welt.

Im Unterbewusstsein wusste ich, was passieren würde und ich wollte auf alle Fälle verhindern, dass du stirbst...Den Rest kennst du ja, du warst schließlich dabei..."

„Nur zu gut..." murmelte Akira, der noch immer recht skeptisch dreinblickte.

„Trotzdem hast du eine wirkliche seltsame Art, mir deine Gefühle zu zeigen..."

„Was erwartest du? Es ist ja nicht so, als ob diese Emotion jemals von uns gebraucht wurde..."

Akira entwich ein ein genervtes Stöhnen: „Ich weiß wirklich nicht so recht, was ich davon halten soll. Entweder ihr steckt alle unter einer Decke oder ihr meint das hier wirklich ernst...

Ich muss mir das erstmal ganz genau durch den Kopf gehen lassen. Wenn ihr mich entschuldigt."

Ohne auch nur noch einmal in Ryo´s Richtung zu blicken verließ er den den Raum.

„Na ja, ich schätze mal, das dafür, dass er dich umbringen wollte, es doch ganz gut gelaufen ist, oder?"

Harry wusste nicht, was er sonst dazu hätte sagen können, er hatte Miki´s Bitte erfüllt, das was jetzt folgte, würde ihn nichts mehr angehen, schließlich lag es nun an Ryo und Akira eine Lösung zu finden. Ryo schwieg und der junge Zauberer entschied, dass es wohl das beste war, wenn er ihn mit seinen Gedanken alleine ließ.

Damit war seine Arbeit getan und er konnte sich wieder mehr auf die Schule konzentrieren. Jedenfalls hoffte er das...

Der Aufenthaltsraum war gespenstisch leer, als Harry ihn betrat. Aber momentan war es das beste, was ihm passieren konnte. Vollkommen erschöpft von all den Ereignissen, die heute Abend stattgefunden hatten, ließ er sich auf die Couch fallen und schloss die Augen.

„Ich bin sehr stolz auf dich Harry!" sprach Maki und lächelte ihn an. Wiedereinmal fand er sich in dieser grostesken zerstörten Welt wieder.

„Ich weiß, antwortete er, „aber irgendwie fällt es mir schwer mich darüber zu freuen..."

„Weil das Treffen nicht so verlaufen ist, wie du es dir gewünscht hast?"

Er nickte.

„Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Wie ich bereits sagte, müssen sie den Rest für sich selbst entscheiden. Und wer weiß, vielleicht können sie die Vergangenheit endlich ruhen lassen."

„Wenn sie sich nicht vorher umbringen..." murmelte Harry etwas skeptisch worauf Maki schmunzeln musste.

„Mach dir deswegen mal keine Sorge, sie verhalten sich zwar wie kleine Kinder, aber ich glaube kaum, dass sie so weit gehen würden. Bersonders Akira. Er wirkt zwar recht aggressiv, aber er hat ein gutes Herz."

„Dann hoffe ich mal, dass du recht behällst..."

So recht konnte er Makis Worte nicht glauben, nachdem, was er kurz zuvor erlebt hatte, aber vielleicht würde es sich mit der Zeit ergeben.

„Du solltest dich jetzt wieder mehr um dein eigenes Leben kümmern, wie ich bermerkt habe, hast du da momentan einiges zu erledigen."

Harry konnte spüren, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg, was um alles in der Welt hatte sie denn gesehen?

„Du solltest jetzt gehen," sprach Maki dann, „Diese Welt wird bald verschwinden und dann willst du sicherlich nicht mehr hier sein."

Das überraschte den jungen Zauberer: „Und was wird mit dir?"

„Ich werde wieder dahin verschwinden, wo ich hergekommen war, aber mach dir keine Sorgen, denn dies ist mein Schicksal."

„Aber..."

„Sei unbesorgt, denn meine Seele wird dann endlich Frieden finden. Und nun geh und widme dich deinem Leben."

Ganz langsam begann die Welt um ihn herum sich aufzulösen.

„Lebe wohl Harry und grüße Akira und Ryo von mir."

Sie lächelte ihm ein letztes mal zu, bevor die Welt um ihn herum wieder vollkommen verschwunden war und er sich in der Dunkelheit verlor.

Es machte ihn ein wenig traurig, dass er sie wohl zum letzten mal gesehen hatte, aber er musste dabei auch an ihre Gefühle denken, schließlich würde sie endlich davon erlöst sein, in dieser seltsamen Welt zu leben.

Er konnte nur hoffen, dass sich ihr letzter Wunsch erfüllen würde...

Es hieß zwar, dass seine Aufgabe an diesem Punkt erfüllt war, aber er würde trotzalledem sein bestes geben und versuchen, die beiden wieder zusammenzubringen. Sie mussten sich ja nicht ineinander verlieben, aber vielleicht konnten sie wenigstens zu ihrer alten Freundschaft zurückfinden...