Gefangen
…Endlich…
Lara wickelte schnell die Stricke von ihren Handgelenken, denn sie hatte es nach einer Ewigkeit endlich geschafft die Fesseln durch zu reißen und zwar mit ihren Zähnen.
Der Wagen hoppelte noch immer, woraus Lara schloss, das sie noch immer Unterwegs waren, woraus sie wiederum schloss, das sie noch Zeit hatte sich einen Plan zu überlegen. Zu dumm aber auch, das man die Türen von innen nicht öffnen konnte, da die Griffe abmontiert worden waren, sonst wäre sie einfach raus gesprungen. Lara gemusste zugeben, das Karel vorgesorgt hatte. Es würde nicht leicht werden wieder zu entkommen.
Sie schüttelte den Kopf, als sich wieder ein kurzer Schwindelanfall meldete und griff sich mit der Rechten an die Stirn. Das Fieber war gesunken. Überhaupt fühlte Lara sich schon viel besser, als vorhin. Was es auch gewesen war, was ihr injiziert wurde, hatte ihr geholfen.
Doch warum hatten Amanda und Joachim sie wieder entführt? Die beiden hatten doch jetzt Excalibur und damit alles was sie wollten.
Was hatten sie sonst noch vor?
Lara wusste es nicht. Ebenso wenig wusste sie, was sie machen sollte, wenn gleich der Wagen stoppte und die Tür auf ging.
Sie konnte ja schlecht Amanda und Karel eine verpassen und dann einfach so hinaus laufen, ohne zu wissen wo sie war. Andererseits bezweifelte Lara, das die beiden sie alleine aus dem Wagen holen würden. Sicherlich würde Karel Verstärkung anfordern.
Lara seufzte, denn auch im Innern des Wagens, gab es sonst nicht, womit sie sich wehren könnte. Es war ziemlich frustrierend.
Plötzlich stoppte der Wagen.
Lara horchte auf und hörte auf kurz darauf zweimal das zuschlagen von Autotüren. Dann hörte sie Schritte, die vor der Schiebetür an der Seite, direkt vor ihr, stehen blieben.
,,Ich weiß, das du wach bist, Lara…" drang Joachims Stimme in ihre Ohren, ,,…aber ich rate dir, jetzt keine Schwierigkeiten zu machen. Du würdest es bitter bereuen."
Lara blieb still sitzen und antwortete nicht. Sie ließ es einfach mal drauf ankommen und improvisierte dann, denn vielleicht konnte sie so etwas darüber herausfinden, was Karel und Amanda vor hatten. Vielleicht konnte sie so auch wieder an Excalibur und den Ghalali-Schlüssel kommen.
Dann ging ruckartig die Schiebetür des Lieferwagens auf…
Lara hatte keine reelle Chance zu reagieren, denn sofort wurde sie von zwei Söldnern gepackt und aus dem Lieferwagen gezerrt.
Sie schloss die Augen, da es unglaublich hell war, im Gegensatz zu dem dunklen Wagen. Doch sie gewöhnte sich recht schnell an die Helligkeit, die von großen Lampen kam, welche an der Decke dieses leerstehenden Lagerhauses hingen, indem sie sich befand.
Im Bruchteil von Sekunden, erfassten Laras Augen alles, was es hier zu sehen gab.
Nur graue, kalte Wände um sie herum, doch es war eine riesige Halle mit etlichen Metallfässern, die im Raum standen und vermutlich mit irgendetwas gefüllt waren. Lara wollte gar nicht wissen, was da drin war, denn sicher war es nichts gutes, da sie mit Sicherheit wusste, das sie weit weg von der Stadt war. Außerdem stand in der Mitte der Halle noch ein weiterer Personenwagen mit dunklem Lack, aber ohne Kennzeichen und ein Holztisch mit vier klapprigen Stühlen, die wohl den Söldnern dienten, um sich aus zu ruhen, während sie wache schoben. Dann war da, gegenüber des Metalltores durch das sie mit dem Lieferwagen gekommen waren, noch ein weiteres, am Ende der Halle. Trotz all dem hatte Lara keine Ahnung, wo sie war, denn nichts, was sich hier befand, ließ es daraus schließen.
Die Söldner zerrten sie herum und sie war gezwungen mit ihnen zu gehen. Doch Lara erkannte, das nicht nur Karel und Amanda voraus gingen, sondern noch mehrere bewaffnete Söldner sie genau im Auge behielten. Lara konnte nichts anderes tun, als mit zu gehen.
Sie sah beim laufen zu, wie ein weiterer Söldner den Lieferwagen wieder aus der Halle fuhr und war sich sicher, das er im nächsten Fluss oder Meer verschwinden würde, um sie Spuren zu verwischen.
Sie gingen durch eine Tür, die aus der Halle und in ein Treppenhaus führte. Immer Tiefer führten die Stufen, bis sie dann in einen Gang abbogen und diesem dann folgten. Lange taten sie das, und der Gang knickte zweimal ab. Dann wurde er etwas breiter und rechts und links waren je zwei Zellen mit Gitterstäben.
Karel und Amanda hielten an, während einer der Söldner die Tür der ersten Zelle auf der rechten Seite aufsperrte. Sie quietschte.
Dann wurde Lara von den beiden Söldner, die sie festhielten, in die Zelle geschubst, die hinter ihr dann wieder verschlossen wurde.
Lara drehte sich abrupt um und blickte ihre Gegner finster an. Doch bevor sie etwas sagen konnte, rückten die Söldner alle samt ab und Karel ergriff das Wort: ,,Pass auf sie auf, aber bleib von den Gittern weg…" er sah Amanda dabei in die Augen, ,,…Ich bin gleich zurück."
Dann ging auch Karel davon und Lara war mit Amanda allein. Ihre Mine hatte sich nicht verändert. Noch immer starrte Lara ihre einstige Freundin verächtlich und misstrauisch an.
,,Was soll ich hier?" fragte die Archäologin in einem fordernden Ton und verschränkte die Arme vor der Brust.
Amanda lehnte sich mit dem Rücken an die Gitterstäbe der Zelle gegenüber und verschränkte ebenfalls die Arme. Doch sie schwieg. Sie blickte nur stumm zurück.
Beide Frauen starrten einander an und versuchten zu erkennen, was die andere dachte, doch keine der beiden vermochte es. So vergingen mehrere, totenstille Sekunden, ja fast Minuten, bis plötzlich Amanda das Wort ergriff.
,,Wie es aussieht, geht es dir wieder gut. Wie fühlst du dich?" fragte die Blondine.
Lara atmete tief durch: ,,Was geht es dich an, wie ich mich fühle?…Dir wäre es doch lieber gewesen, das ich gestorben wäre." Das sagte Lara mit voller Absicht provozierend, denn sie wollte wissen, wo und auf wessen Seite Amanda stand.
,,Nein!…" protestierte Amanda und stellte sich aufrecht hin, ,,..Ich wollte niemals das du stirbst!"
,,Du lügst!…" gab Lara sauer zurück, ,,…Damals in Bolivien, hättest du mich ohne mit der Wimper zu zucken umgebracht…Du hast mir dieses Monster auf den Hals gehetzt."
,,Mag sein…" gab Amanda resignierend zurück, ,,..aber ich habe mich geändert. Ich wollte nicht, dass das alles so passiert."
,,Komm schon…" Lara glaubte Amanda kein Wort, ,,…Du steckst doch mit Karel unter einer Decke, du weißt sehr wohl über seine nächsten Schritte bescheid und du wusstest auch mit Sicherheit, das er mich vergiftet hatte, denn weshalb sonst hättest du mich in Venezuela laufen lassen sollen? Es war alles ein Plan, eine Falle…"
,,Nein…" unterbrach Amanda mit aufrichtigen Augen, ,,…Ich schwöre dir das ich von dem Gift keine Ahnung hatte…" sie schluckte kurz und sprach dann weiter, ,,…Anfangs hat Joachim mir vertraut, doch nun verschweigt er mir einige Dinge. Warum, weiß der Geier, aber so ist es. Ich wollte nie, das du wieder in unsere…seine Fänge kommst."
Lara kniff die Augen etwas zusammen und dachte nach. Es war unheimlich, denn ihr Gefühl sagte ihr, das Amanda die Wahrheit sprach. Ebenso wie ihr Herz, doch ihr Verstand warnte sie vor der Skrupellosigkeit und Hinterlistigkeit ihrer einstigen Freundin.
Die Archäologin blickte zur Seite und murmelte: ,,Selbst wenn ich dir glauben würde…" sie schaute nach einigen Momenten wieder zu Amanda und fing anders an, ,,…Wer sagt mir, das du jetzt die Wahrheit sagst."
Amanda trat dicht an Laras Zelle und zuckte mit den Schultern. ,,Niemand…" sie blickte der Archäologin dabei in die Augen, ,,…du musst mir wohl einfach glauben."
Lara schüttelte den Kopf und wirkte fast amüsiert über Amandas Bemerkung: ,,Dir glauben?"
,,Es ist deine Sache, aber ich kann dir nicht mehr dazu sagen, als das es mir wirklich aufrichtig Leid tut, das es jetzt so gekommen ist." sagte Amanda und Lara erkannte ehrliche Aufrichtigkeit in ihrer einstigen Freundin. Nur die Gründe für Amandas Reue waren ihr noch immer unbekannt.
,,Dann sag mir, was ich hier soll…" fragte Lara erneut, ,,…ihr habt doch bekommen was ihr wolltet. Ihr habt sogar Excalibur. Warum also bin ich hier? Wenn ihr mich nur einfach umbringen wollt, dann hättet ihr nicht so gehandelt."
,,Das kann ich dir nicht sagen, Lara…" begann Amanda und wollte eigentlich noch etwas hinzu fügen, doch Lara war schneller und fragte: ,,…Warum nicht?"
,,Herrgott, du gibst niemals auf, was?…" fragte Amanda.
Lara kam näher zu Amanda an die Gitter und schüttelte den Kopf: ,,Nein, niemals!…Jetzt sag mir, was hier gespielt wird und mach ja keine Ausflüchte mehr, denn meine Geduld ist am Ende!"
Amanda hielt Laras Blick stand und sie wollte auch Antworten, doch plötzlich unterbrach sie Karels Stimme: ,,Amanda!"
Die Blondine blickte nach rechts und aus der Dunkelheit des Ganges trat Karel.
Im Licht der Deckenstrahler, die den Raum mit den Zellen erhellten, sah er bedrohlich aus. Ebenso wie seine grässlichen Narben.
Lara sah ihn an und weitete erschrocken die Augen. Nicht nur den Handschuh trug er an der Rechten, sondern auch das Amulett der Königin Kleopatra hing ihm um den Hals. Es war ein purpurroter Stein in kunstvoller, ägyptischer Fassung, der an einer goldenen Kette hing.
Als Amanda Karel erblickte, wusste Lara, das die Legende - Das Amulett würde Unwiderstehlichkeit verleihen - wahr war. Sie erkannte, das ihre einstige Freundin nun völlig verändert zu sein schien.
,,Amanda…" sprach Karel abermals und näherte sich ihr.
Amanda war nicht fähig ihm zu widerstehen und lächelte schwach: ,,Ich bin dein, mein Meister…was sind deine Wünsche?"
Karel grinste anzüglich, drückte ihr Kinn nach oben und sah ihr in die Augen. Dann beugte er sich zu ihr hinab und küsste Amanda.
Lara lief es eiskalt den Rücken runter, bei dem Gedanken, das die beiden wohl etwas miteinander hatten und blickte angewidert zu.
Amanda erwiderte seinen Kuss, ohne Widerspruch, bis sich Karel wieder von ihr löste. Er ließ sie los und sagte: ,,Geh nach oben, bereite alles vor. So wie es abgesprochen war. Wir kommen bald nach."
Amanda nickte und ging ohne zu zögern los. Sie verschwand in dem dunklen Gang. Dann drehte sich Karel zu Lara…
,,Wie ich sehe, geht es dir wieder besser…" begann Karel, ,,…Tut mir wirklich Leid, das ich dich vergiften musste, aber nur so konnte ich dich wieder in meine Gewalt bringen."
,,Ich bin wirklich gerührt…" entgegnete die Archäologin sarkastisch und blickte ihn finster an, ,,…Was haben Sie da eben mit Amanda gemacht?"
Joachim grinste und blickte ihr direkt in die Augen: ,,Sie kann der Macht, meiner Macht, dank diesem Amulett nicht widerstehen…" er trat näher, ,,…Ebenso wenig wie du!"
Lara schüttelte den Kopf: ,,Sie irren sich, Karel. Ich werde mich Ihnen niemals unterwerfen. Da hilft Ihnen auch nicht dieses Artefakt um Ihren Hals."
Lara meinte was sie sagte, denn das Amulett der Königin Kleopatra hatte keinerlei Macht über sie.
Selbst mit einem so mächtigen Artefakt um seinen Hals, konnte er ihren Willen nicht brechen, sie unterwerfen und genauso willenlos und gehorsam machen, wie Amanda.
,,Nun…" begann Karel dann, ,,…es heißt, das einige Menschen, die einen starken Willen haben, immun sind, gegen dieses Amulett. Mich wundert es nicht im geringsten, das du zu diesen Menschen gehörst. Aber ich werde schon bekommen, was ich will."
,,Und was wäre das?" fragte Lara.
Glucksend begann Joachim zu lachen und nach einigen Augenblicken sagte er: ,,Als ob du das nicht wüsstest, Lara. Ich kenne dich und ein solches Genie wie du, müsste doch längst hinter meine Motive gekommen sein…und wenn nicht, dann überlege mal, was mir das wichtigste auf dieser Weilt ist."
,,Ihre Unsterblichkeit." entgegnete Lara, wie aus der Pistole geschossen.
,,Da hast du es, du weißt ja schon alles. Was soll dann diese Fragerei?" verlangte Karel zu wissen.
,,Ich dachte, Sie kennen mich…" antwortete Lara provozierend, ,,…also müssten Sie auch wissen, das ich an der ganzen Wahrheit interessiert bin."
,,Ganze Wahrheit?…" wiederholte er, ,,…Nun, es gibt keine Grund dir weiterhin alles zu verheimlichen, denn wenn ich meinen Plan umsetze, dann wirst du mir sowieso helfen."
Lara kniff die Augen leicht zusammen und blickte ihn finster an: ,,Ich helfe Ihnen nicht. Das habe ich einmal in Venezuela getan und es wird nie wieder vorkommen. Sie haben nichts womit sie mich erpressen können."
,,Hm…das stimmt, aber abwarten. Vielleicht brauche ich das gar nicht…" gab Karel kühl und lässig zurück.
Lara schwieg und blickte ihn weiterhin an.
Sie konnte nicht wissen, was in ihm vorging und was er in den nächsten Minuten tun würde. Aber sie wusste, das er sicherlich noch einen Trumpf im Ärmel hatte, sonst würde er niemals so selbstsicher auftreten, es sei denn, er hatte nichts mehr zu verlieren.
,,Du willst also die volle Wahrheit wissen?" fragte Joachim dann und blickte ihr in die Augen. Dabei trat er noch dichter an die Gitterstäbe, sodass er sie fast schon mit seinem Gesicht berühren konnte.
Lara schwieg weiterhin.
Sie wusste, das er ihr sagen würde, was sie wissen wollte. Nur zu welchem Preis, das wusste sie nicht und darüber nachdenken, wollte sie auch nicht.
,,Es ist alles deine Schuld…" begann Joachim schließlich, ,,…Damals hat alles angefangen. Du hast den Nephilim in Prag zerstört. Die Explosion, hätte mich fast umgebracht, doch sie hat mir lediglich meine Macht geraubt und mich sterblich gemacht…Doch weißt du was es für jemanden wie mich heißt sterblich zu sein? Jemanden, der schon jahrtausende alt ist?"
,,Mir kommen gleich die Tränen, Karel, denn Sie drücken ganz schön auf die Tränendrüse…" gab Lara sarkastisch und ironisch zurück, ,,…Ist doch wirklich zu schade, das der arme Nephilim von nebenan seine Kräfte nicht mehr vollkommen besitzt, was? Jetzt ist er an das Gesetz der Natur gebunden und muss auch irgend wann mal ins Gras beißen." Ihre Worte strotzen nur so vor Abscheu.
,,Deinen Spott kannst du für dich behalten!…" fauchte Karel sauer und rüttelte an den Gitterstäben, ,,…Ich werde alles dafür tun, meine Unsterblichkeit wieder zurück zu erlangen. Die Kräfte habe ich ja wieder, dank dir und diesem dummen Lux Veritatis. Als ihr in der Burg nach Damians Vernichtung ebenfalls den Löffel abgegeben habt, bin ich zu noch mehr Macht gekommen…"
,,Ich kenne diese Geschichte, immerhin war ich auch daran beteiligt…" unterbrach Lara sauer und genervt, ,,…Warum also suchen Sie sich nicht einfach ein Schloss in den Wolken und verschwinden vom Angesicht der Erde?"
,,Weil es an mir ist, mich zu rächen. An dir und deinem dreckigen Lux Veritatis. Du wirst mir helfen, meine Unsterblichkeit zurück zu gewinnen und das wird gleichzeitig euer beider Untergang sein!" versprach Karel und verschränkte die Arme vor der Brust.
Lara verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust: ,,Niemals!"
Vielleicht war es nicht gut, Karel zu reizen, aber sie hatte sowieso nichts mehr zu verlieren und nach seinem Gerede zu schließen, würde er ihr jetzt noch nichts antun, da er sie ja noch brauchen würde.
Wieder lachte Joachim leicht auf, während Lara still und todernst dastand.
,,Über deine Starrheit und deine Widerstand, kann man sich wirklich amüsieren, Croft…" begann er dann wieder, ,,…aber all das wird dir letzten Endes doch nichts nützen. Ich werde gewinnen!" Seine Entschlossenheit war schon fast beängstigend.
Lara dachte nach.
Sie dachte über seine Motive nach und über das, was er in den letzten Monaten getan hatte und fand etwas das noch immer ungeklärt war. Dem wollte sie jetzt auf den Grund gehen, da sie ja sowieso schon ein Kaffeekränzchen hielten.
,,Sagen Sie, Karel…" fragte Lara dann, ,,…Warum tun sie das erst jetzt? Sie hätten doch schon früher diese Artefakte stehlen können, oder?"
,,Nun, mir fehlten einige Zutaten…" antwortete Joachim, hielt einen Moment lang inne, dann sprach er weiter und blickte ihr in die Augen, ,,…Exacalibur…Ich braute es und habe gehört, das Amanda und du vor rund einem Monat darin verwickelt wart, also machte ich sie zu meiner Partnerin, nachdem eine gewissen Natla von dir erledigt worden war."
Lara war keineswegs überrascht, das Karel von Natla wusste. Sicher hatte ihm Amanda erzählt was damals passiert war und Immerhin waren beide, Karel und Natla, unsterbliche Wesen und hätten mit Sicherheit ein tolles Pärchen abgegeben.
…Ken und Barbie aus der Hölle…Pfui Teufel…ein abscheulicher Gedanke…
Lara gruselte sich schon bei dem Gedanken an die Beiden, doch wollte nicht auf dieses längst abgeschlossenen Thema zurückgreifen, also führte sie ihr Gespräch weiter.
,,Ist das der einzige Grund?…Sie wollten nur Excalibur?…Das glaube ich nicht." warf die Archäologin dann ein.
,,Du hast recht, ich wollte dich ebenso in mein Gewalt bringen, wie das Schwert..." entgegnete er, ,,…und das ist mir gelungen."
,,Wozu?" fragte Lara und konnte sich wirklich keinen Reim darauf machen, was Karel mit ihr vorhatte.
,,Was glaubst du wohl?…" Karel grinste sie an, ,,…Was ist es, was ich zum Überleben brauche?"
Lara schwieg weiter. Sie wusste es nicht.
Karel hielt ihrem Blick stand und wartete absichtlich einige Momente, um sie unsicher zu machen. Doch Lara war höchstens noch neugieriger als zuvor.
Also sprach Karel es aus: ,,Ich brauche die Herzen der Menschen, um meinen jahrhundertealten Körper am Leben zu erhalten."
Lara weitete geschockte die Augen, als sie sich daran erinnerte: ,,…Die Rituale im Museum…"
,,Ja…" entgegnete Karel, ,,…Ich muss bei jedem Vollmond, am Tag davor und am Tag danach ein uraltes Ritual abhalten und ein Menschenopfer weihen…Nun, mittels meiner Kräfte, hypnotisiere ich meine Söldner, die dies dann für mich tun. Dann muss ich die Herzen der Opfer zu mir nehmen. Nur so kann ich überleben."
…Mal was anderes als `Teatime´ am Nachmittag…
Lara blickte ihn angewidert an: ,,Und das rechtfertigt das töten von unschuldigen Frauen? Was sind Sie nur für eine abscheuliche Bestie!"
,,Reg dich ja nicht so auf, Croft…" warf Joachim ein, ,,…Ich habe es mir nicht ausgesucht, aber ich muss zugeben, es hat was. Nur so langsam bin ich es leid…Ich will wieder unsterblich sein, nur dann kann mir niemand mehr gefährlich werden. Dann werde ich genügend Macht haben und dann werde ich sehen, ob die Menschheit vor mir niederkniet, wenn ich mir ihr offenbare."
,,Sie sind ja größenwahnsinnig…" sagte Lara, die noch immer angeekelt und erschrocken über Karels Taten und sein Verhalten war.
,,Wahrscheinlich…" gab er zu.
,,Und was haben Sie dann bitte mit Arthur Kingsley zu schaffen? Sie haben ihn doch umgebracht!" fauchte Lara ihn an, da es ihr gerade wieder eingefallen war, das Kurtis ihr das alles auf dem Flug nach Rom, erzählt hatte.
Joachim wirkte kühl und gleichgültig, ,,Ja, ich habe einen meiner Söldner geschickt. Der alte Kingsley, wollte aussteigen und auf die Macht verzichten, die ich ihm versprach, wenn er mir hilft."
,,Macht?…" fiel Lara dazwischen, ,,…Sie meinen sicher, sie wollten ihn beseitigen, sobald sie fertig mit ihm waren. Genau so, wie sie es auch getan haben."
Karel wirkte amüsiert: ,,Nun, ich gebe zu, das ich das wirklich vor hatte, aber Kingsley hat Kontakt zu dir aufgenommen. Es war noch zu früh, dich mit ein zu beziehen, aber er hat beschlossen einfach so den Boss zu spielen und das war gegen meine Order…Dann kam sein Verrat, er hat mit diesem Lux Veritatis geredet. Mir war klar, er würde auspacken sobald er von meinen wirklichen Plänen erfuhr und das musste ich verhindern."
,,Also haben sie ihn ermordet?"
,,Ja, er war doch sowieso ein alter Mann…und zu nichts mehr nütze. Das was ich brauchte, war ein Unterschlupf für meine Rituale und es ist nicht mein Problem, wenn Kingsley auf falsche Versprechungen rein gefallen ist. Er ist an seinem Tod selbst schuld."
Lara schüttelte fassungslos den Kopf: ,,Wenn er Ihr Angebot abgelehnt hätte, dann hätten Sie ihn doch schon ganz am Anfang getötet und einfach seinen Platz angenommen."
Joachim grinste: ,,Ich sehe, du kannst wirklich gut kombinieren und ich sehe, das du mich besser kennst, als ich es gedacht hätte…Ja, ich hätte mich ihn Artuhr Kingsley verwandelt, dem Kurator des Britischen Museums…" er dachte kurz nach, ,,…Klingt nett der Titel, vielleicht werde ich die Gestalt einer führenden Person einnehmen, sobald ich mein Ziel erreicht habe, dann kann ich die Welt umgestalten, ohne, das deine Menschen es erahnen."
,,Sie sind verrückt!" entgegnete Lara und versuchte die Fassung zu bewahren.
,,Mag sein…" bejahte Karel und blickte Lara dann wieder an, ,,...aber ich bin schon zu lange auf dieser Welt um jetzt zu gehen."
,,Jeder muss einmal gehen…" widersprach Lara.
,,Sicher…" pflichtete er bei, ,,…aber nur niedere Geschöpfe, wie deinesgleichen. Ich bin der Letzte meiner Rasse und ich werde weiterhin bestehen und vielleicht irgendwann dafür Sorgen, das sich die Nephilim wieder über den Erdball verteilen."
Lara hob beide Augenbrauen: ,,Wie wollen Sie das bitte anstellen, wenn sie doch der Letzte Ihrer erbärmlichen und widerwärtigen Rasse sind? Ich kann mir kaum vorstellen, das Sie sich irgendeinen Bordsteinschwalbe aus der Vorstadt aufreißen, denn das würde nur erbärmliche Halbblüter zutage bringen."
Joachim grinste und lachte dann glucksend. Er ging nicht auf Laras provozierende Beleidigung ein.
,,Ich finde deine Ironie und deinen Sarkasmus wirklich belustigend…Aber nein…" sagte Karel dann, ,,…Ich kann mir keine beliebige Menschenfrau aussuchen, um den Fortbestand meiner Rasse zu sichern…es muss schon jemand ganz besonderes sein…" er sprach absichtlich mit Lücken und konnte in Laras Augen deutlich sehen, das sie es erahnte.
,,Hören Sie sofort auf, mich auf den Arm zu nehmen!" forderte Lara, die mit ziemlicher Sicherheit wusste, auf was er hinaus wollte.
Abrupt trat Joachim vom Gitter zurück, hob seine Hand, entfachte einen Energiestrahl aus dem Handschuh auf das Gitter und schoss ihn ab. Zischend schmolzen diese Eisenstäbe unter der Hitze der Energie dahin und sickerten in flüssigem Metall auf den Boden.
Lara machte währenddessen ein paar schnelle Schritte rückwärts, um dem flüssigen Eisen und der Hitze zu entgehen. Doch im selben Moment wurde sie von einer weiteren Energiewelle erfasst, die Karel auf sie abgefeuert hatte.
Jeder Fluchtversuch wurde unmöglich gemachte, den sie wagen wollte, denn die Grabjägerin wurde durch die Energie nach hinten gerissen und an der Zellenwand festgehalten. Die Energie wirkte wie Fesseln um ihre Handgelenke und ihre Fußknöchel und erlaubten es ihr so, sich keinen Millimeter von der Wand weg zu rühren.
Natürlich versuchte Lara es. Sie versuchte ihre Arme und Beine frei zu bekommen, doch die grünblaue Energie ließ sie nicht los. Sie konnte sich nicht befreien.
,,Du hast keine Chance…" sagte Karel und sie blickte zu ihm auf.
Lara sah zu, wie Joachim über das heiße, flüssige Eisen trat, ohne sich zu verletzen und dann ganz dicht zu ihr kam, wo er ihr tief und bedrohlich in die Augen blickte.
,,…Jemand ganz besonderes, Lara…" begann Joachim und rief in Erinnerung, was er vorhin gerade erzählt hatte. Er strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht und berührte ihre Wange, während er weiter sprach: ,,…Jemand, der die Kräfte eines Nephilim einst besaß. Sie spürte und benutzte…Eins mit ihnen war und trotzdem überlebte."
Lara konnte nicht sagen, was da in seinem Blick lag, als er sie so ansah, doch sie musste ganz ehrlich sagen, das es ihr nicht im geringsten behagte. Sie wusste, nämlich wen er meinte. Eine unheimliche Gänsehaut breitete sich auf ihrem Rücken aus, als er sie anfasste. Es gefiel ihr gar nicht, das er ihr so nahe war.
Sie zögerte nicht noch länger und entriss ihm ihren Kopf, so weit sie es konnte: ,,Wagen Sie es nicht mich an zu fassen!"
,,Nun…" Joachim grinste gehässig, ,,…du wirst das nicht verhindern können. Denn du bist diejenige, auf die ich schon jahrhundert gewartet habe…Schon immer, wollte ich meine Rasse zu neuem Leben erwecken, doch auch mit Hilfe der Alchemisten klappte es nicht, weil du uns…mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hast…Doch zu meiner Überraschung und meinem Vorteil, warst du es, Lara, die die Kräfte des Nephilim überlebte…Du kannst es leugnen, aber sie haben dich geprägt. Nur mit deiner Hilfe, kann ich meine Unsterblichkeit zurück erlangen und den Fortbestand meiner Rasse sichern, beziehungsweise eine neue erschaffen."
Lara stand der Schock ins Gesicht geschrieben.
Sie konnte nicht glauben, was er ihr da soeben erzählt hatte. Was er vor hatte, mit ihr. Wollte er sie etwa zur Mutter von seinesgleichen machen? Lara ekelte sich auch nur bei dem Gedanken, sich jemals mit diesem Kerl ein zu lassen.
Sie blickte ihn an und schüttelte langsam den Kopf: ,,Das können sie vergessen, Karel…Ich würde Ihnen niemals helfen, lieber würde ich mir ein Messer ins Herz stoßen. Das wissen sie ganz genau!"
Joachim fasst mit der linken Hand fest ans Kinn und zwang sie, ihm in die Augen zu blicken, da er ein Stück größer war als sie: ,,Du wirst keine andere Wahl haben, Lara…meine Liebste, denn schon nach wenigen Sekunden, wirst du fortan genau das tun, was ich dir sage. Treu, loyal, bis in den Tod."
Lara wusste nicht genau was er vor hatte und ahnte schlimmes, denn er beugte sich zu ihr runter und schloss seine Augen.
Noch ehe Lara auch nur Anstalt machen konnte sich zu bewegen, oder zu protestieren, hatte Karel ihre Lippen mit den seinen versiegelt…
