Währenddessen steuerte Ginny in der großen Halle zielstrebig den Tisch der Slytherins an und ließ sich neben Blaise fallen.
„Guten Morgen, Ginny", grüßte dieser erfreut.
„Morgen, Blaise.", erwiderte die Rothaarige und sah sich um, „Hast du irgendwo Hermine gesehen? Im Gemeinschaftsraum war sie nicht und so lange würde sie niemals schlafen."
„Mit Draco in der Bibliothek", gab der Slytherin zurück und verdrehte die Augen, „Wo auch sonst."
Ginny schüttelte nur den Kopf, darauf hätte sie auch selber kommen können und häufte sich etwas Rührei auf den Teller. „Mal etwas anderes, ist dir aufgefallen, dass Harry nicht mehr wie ein getretener Hund durch die Gänge schleicht und kaum mehr mit meinem Bruder herum hängt?"
Blaise nickte. „Ja, hab ich bemerkt. Ist aber auch gut, dass er endlich wieder in die Gänge kommt und sich das nicht weiter alles gefallen lässt."
„Gefallen lässt? Was hat er sich denn zuvor gefallen lassen?"
Der dunkelhaarige Junge sah sich einen Moment prüfend um, als er aber bemerkte, dass sie kaum jemand beachtete, sprach er schnell einen Zauber, der es verhinderte belauscht zu werden und erklärte dann, „Der Dunkle Lord hat Draco beauftragt Potter eine Nachricht zu überbringen und wir haben kurz mit ihm gesprochen. Es stellte sich heraus, dass Dumbledore ihm den Cruciatus aufhalst, angeblich um ihn zu trainieren."
Ginny schlug sich die Hände vor den Mund. „Dann ist es also wahr? Hermines Mutter hat das bereits in ihrem Brief angedeutet, aber ich hätte nie gedacht … Was glaubt Dumbledore damit zu bezwecken?"
Blaise sah sie entgeistert an, „Da fragst du noch? Du hast doch gesehen, wie er herumgeschlichen ist und sich selbst von dem Wiesel hat rumkommandieren lassen. Für mich ist sonnenklar, dass Dumbledore ihn gefügig machen wollte."
Die Hexe sah entsetzt aus, bevor sie das Gesicht zu einer Grimasse verzog, „Damit hast du wahrscheinlich Recht. Aber ich begreif es einfach nicht. Dumbledore sollte doch eigentlich der Gute sein. Warum tut er nur so etwas."
„Weil Dumbledore nicht gut ist. Niemand der nach Macht strebt ist gut, denn du wirst nicht mächtig, indem du Rosen streust und die Welt umarmst. Der Weg zur Macht ist immer gepflastert mit Leichen, manche nur bildlich manche dagegen sehr real. Und Dumbledore hat seit Jahrzehnten beinahe totale Macht inne."
„Aber das ist doch Unsinn. Dumbledore sagt doch selbst, dass er in aller erster Linie Schulleiter ist und Dad hat immer gesagt, dass Malfoy und Konsorten zu viel Macht haben. Außerdem ist Fudge Minister und nicht Dumbledore."
Blaise lachte, „Dumbledore ist Schulleiter von Hogwarts, hat also Zugang zu jeder neuen Generation von Hexen und Zauberern, denen er weiß machen kann, wie toll und allwissend er doch ist. Dumbledore ist Vorsitzender des Zaubergamort und wacht somit über jedes Urteil, dass gesprochen wird. Außerdem steht er dem Parlament vor und hat seine Finger in jeder Gesetzesentscheidung. Und das Amt des Zaubereiministers will er nicht, da stünde er mit seinen Machenschaften viel zu sehr im Licht der Öffentlichkeit. Außerdem könnte er es jederzeit einnehmen, oder glaubst du nicht, dass die breite Maße ihn sofort akzeptieren würde? Ihn nicht sogar anfleht das doch endlich zu tun um sie gegen Voldemort zu verteidigen?"
„Warte, lass mal sehen, ob ich nicht etwas dazu finde." Der Junge zog seine morgendliche Ausgabe des Tagespropheten hervor und blätterte zu den Leserbriefen. „Da hier schreibt eine Hexe: ‚Jeden Tag lese ich in ihrer Zeitung, wie die Todesser an Einfluss gewinnen und was tut unser Minister Fudge dagegen? Nichts, absolut nichts. Es ist an der Zeit dass er zurücktritt. Albus Dumbledore soll das Amt übernehmen, bei ihm weiß man wenigstens, dass er gegen schwarze Magier kämpft.' Unsere Bevölkerung ist so blöd, dass sie nicht einmal erkennt, dass Dumbledore derjenige mit der geballten Macht ist und nicht der Dunkle Lord."
„Aber Dumbledore versucht seine Ziel nicht mit Gewalt zu erreichen."
„Nur weil du es bisher nicht in der Zeitung gelesen hast, heißt das noch lange nicht, dass er keine krummen Dinge dreht.", gab Blaise zu bedenken, „Ich möchte dich nur mal daran erinnern, dass es der Orden des Phönix war, der die Greengrass Familie beinahe ausgelöscht hat. Mdm. Greengrass hat nur deswegen überlebt, weil der Dunkle Lord rechtzeitig zur Stelle war."
„Ich hab das nicht vergessen.", Ginny seufzte, „Es ist nur so schwer all das mit dem Mann in Verbindung zu bringen, zudem ich seit ich denken kann aufgeschaut habe."
„Verständlich", räumte Blaise ein und wandte sich wieder seinem Frühstück ein.
Nach einer Weile wandte er sich etwas verunsichert wieder an Ginny, „Hast du vielleicht Lust mit mir einen Spaziergang um den See zu machen. Ich meine, die Sonne scheint und es hat geschneit und so … Aber wenn du schon etwas anderes vorhast, dann verstehe ich das natürlich."
Ginnys Herz begann zu klopfen, als sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht breit machte, dann nickte sie begeistert, „Es gibt nichts was ich lieber tun würde."
Die Unsicherheit verschwand von Blaise Gesicht und stattdessen grinste er selbstgefällig, „Selbstverständlich nicht, was gäbe es auch schöneres als mit mir Zeit zu verbringen?"
Die Gryffindor schnaubte und stieß ihm den Ellbogen in die Rippen, „Du bist einfach unglaublich."
Und der Dunkelhaarige grinste noch breiter, „Was hältst du davon, wenn wir uns etwas Wärmeres anziehen und uns dann so in zehn Minuten vor dem Schloss treffen."
Gesagt getan, wanderten die Beiden kurz darauf über die dicke Schneedecke in Richtung See.
„Du hattest Recht, es ist wirklich schön", meinte Ginny und ließ ihren Blick über das glitzernde Weiß zu allen Seiten gleiten.
„Ich habe immer Recht, werte Ginny", kam die überhebliche Antwort ihres Begleiters auch wenn er dann schnell zur Seite trat um sich vor einem erneuten Rippenstoß in Sicherheit zu bringen. „Hey"
Doch Ginny winkte nur ab, „Sei nicht so albern, du hast es verdient."
„Ich habe nur die Wahrheit gesagt.", schmollte Blaise und sah sie unschuldig an.
„Einfach unglaublich", die rothaarige Hexe schüttelte theatralisch den Kopf und machte sich wieder auf den Weg um den See.
Als Blaise sie eingeholt hatte, fragte er nach einer Weile, „Hast du eigentlich schon entschieden, was du machen willst?"
„Wie meinst du das?", erkundigte sich Ginny.
„Na ja, wegen den Lestranges."
Sie seufzte, „Ich weiß es nicht. Rein logisch gesehen, gibt es keinen Grund, das Angebot abzulehnen. Aber um ehrlich zu sein hab ich Angst."
„Vor Bellatrix?"
„Nein, vor ihrem Hauselfen", antwortete Ginny sarkastisch, „Natürlich vor Bellatrix und vor Rudolphus und vor Du-weißt-schon-wem und, und, und."
„Ich kann dir natürlich nicht sagen, was du tun sollst, aber ich würde dir einfach einmal raten, dich mit Bellatrix und Rudolphus ganz unverfänglich zu treffen und einfach mal etwas Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich bin mir sicher, sie sind ganz in Ordnung, wenn man sie näher kennen lernt, außerdem selbst wenn sie wirklich vollkommen verrückt sind: Es gibt genaue Regeln, wie sich Eltern und Kinder zueinander verhalten sollen. Wenn du dich daran hältst, dann brauchst du dir keine Sorgen zu machen."
Ginny nickte unsicher, „Außerdem bin ich ja ohnehin die meiste Zeit in Hogwarts und kann sicher viel Zeit bei Hermine verbringen."
„Genau, alles wird gut", stimmte ihr Blaise zu und griff nach ihrer Hand. Hand in Hand schlenderten sie um den See und kehrten dann durchgefroren aber glücklich in die große Halle zum Mittagessen zurück, wo sie auf Draco und Hermine trafen.
Zu viert verließen sie einige Zeit später dann die Halle. Jedoch dauerte es keine fünf Minuten, als sich ihnen eine Gruppe anderer Schüler in den Weg stellte.
„Was habt ihr Harry angetan", fauchte Ron und baute sich drohend vor Draco auf.
„Ich weiß nicht wovon du redest, Wiesel", zischte dieser zurück. „Geh mir aus dem Weg."
„Nicht bevor ihr nicht zugebt, was ihr mit Harry gemacht habt. Und ihr brauch es gar nicht abzustreiten, ich habe gesehen, wie ihr zusammen in die große Halle zum Mittagessen gekommen seid.", erwiderte Ron wütend. „Warum geht er mir seit einer Woche die ganze Zeit aus dem Weg, hä? Ihr hab irgendetwas damit zu tun."
„Vielleicht solltest du ihn das selber fragen, Ronald", warf Hermine ein. „Er kann nämlich durchaus auch für sich selbst sprechen."
„Du warst es nicht wahr? Du hast ihn gegen mich aufgehetzt, Lestrange. Kannst es wohl nicht sehen, dass der Junge der lebt, lieber mit mir befreundet ist, als mit dir."
„Harry kann befreundet sein, mit wem auch immer er will und offensichtlich verbringt er nicht lieber Zeit mit dir, schließlich hast du vor nicht einmal einer Minute gesagt, dass er dir aus dem Weg geht."
„Aber das tut er nur, weil ihr ihn gegen mich aufgebracht habt. Wahrscheinlich habt ihr ihm irgendeinen Fluch aufgehalst oder so."
„Das haben wir nicht", warf Ginny erbost ein, „Er hat wahrscheinlich dein ewiges Gejammer satt."
„Pah, ich bin sein bester und einzigster Freund. Wer sonst wäre mutig genug ihm beizustehen? Es gibt keinen Grund, warum er auf einmal nicht mehr mit mir Zeit verbringen will."
„Der einzige der ihm beisteht?", Hermine starrte Weasley an, „Darf ich dich daran erinnern, dass ich ihm jedes Jahr beigestanden haben, während du jedes Mal, wenn dir irgendetwas nicht gepasst hat, beleidigt warst und ihm den Rücken zugedreht hast. Erinnerst du dich an unser 4. Jahr, als Harry für das Trimagische Turnier ausgewählt wurde, obwohl er nie seinen Namen in den Kelch geworfen hat und du vor lauter Eifersucht dich gegen ihn gestellt hast?"
„Pff, das ist doch Schnee von gestern, ich bin sein bester Freund und im Gegensatz zu dir bin ich kein Todesser, der ihn umbringen will.", schnaubte Ron und deutete anklagend auf Hermine.
„Zu deinem besseren Verständnis, noch einmal langsam und zum Mitschreiben. Ich bin kein Todesser. Des Weiteren habe ich nicht und werde ich auch nicht irgendetwas gegen Harry unternehmen", gab Hermine betont langsam zurück.
„Alles Lügen. Es ist völlig klar, dass du nur mit ihm befreundet warst, um für du-weißt-schon-wen an ihn heranzukommen. Wahrscheinlich hast du schon alle seine Geheimnisse an ihn ausgeplaudert."
„Spar dir den Unfug, Weasley, der Dunkle Lord hat überhaupt kein gesteigertes Interesse an Potter. Warum auch, niemand der noch klar bei Verstand ist kann glauben, dass Potter auch nur den Hauch einer Gefahr für Ihn birgt.", warf Draco ein.
„Ach ja, Malfoy? Harry ist der Junge-der-überlebte, er hat du-weißt-schon-wen schon einmal vernichtet und mit meiner Hilfe wird er es wieder tun. Darum hat er Angst vor Harry."
Blaise rollte nur mit den Augen, „Ach, komm Weasley, mach dich nicht lächerlich, welche Hilfe solltest du schon leisten können. Selbst wenn Potter dem Dunklen Lord tatsächlich gefährlich werden könnte, dann wirst du sicher nichts dazu beitragen. Du bis nichts als ein Klotz am Bein."
Rons Gesicht wurde schlagartig knallrot, „Was sagst du da, Zabini? Ich bin nur ein Klotz am Bein. Ich war es, der Harry in unserem ersten Schuljahr durch das Schachspiel von McGonagall gebracht hat, oder hast du das schon vergessen?"
„Ein Schachspiel? Mach dich nicht lächerlich, was bitte soll das Potter gegen den Dunklen Lord helfen?", spottete Draco, „Glaubst du der Dunkle Lord würde, sollte er gegen Potter kämpfen, das in einem Schachtunier tun? Und glaubst du ernsthaft deine mickrigen Kenntnisse würden ausreichen um Ihn im Zaubererschach zu schlagen?"
„Natürlich", erwiderte Ron selbstsicher, „Ich bin der beste Schachspieler. Und jemand der in Schach gut ist, der kann gute Strategien entwickeln, das sagt mein Dad, also werde ich für Harry noch wichtig sein."
„Strategien? Du?", entfuhr es Ginny, „Verrate mir nur ein einziges Mal, wann einer deiner tollen Pläne aufgegangen ist?"
Ron zischte ärgerlich, doch konnte mit keiner Antwort aufwarten also fauchte er nach einer Weile, „Was mischt du dich da überhaupt ein, Niemand. Du bist ein nichts, du hast ja noch nicht einmal mehr einen Namen. Und du hast keine Familie mehr. Und weißt du was? Wir sind froh dich los zu sein."
Ginny keuchte entsetzt, ob dieser Worte,
„Wir sind besser dran, ohne eine verlogene Todesser-H…", doch weiter kam er nicht, da hatte Blaise bereits seinen Zauberstab in der Hand und Ron flog nach hinten. Der dunkelhaarige Slytherin eilte ihm nach und packte ihn am Kragen.
„Damit wir uns richtig verstehen, Weasley", zischte er ihm ins Ohr, „Du hältst dich in Zukunft von uns und ganz besonders von Ginny fern, sonst bekommen wir beide ganz erhebliche Probleme. Verstanden?"
Als Ron nicht reagierte drückte Blaise ihm den Zauberstab an den Hals und wiederholte, „Haben wir uns verstanden, Weasley?"
„Ja", japste der rothaarige und versuchte sich zu befreien.
„Dann verschwinde.", mit diesen Worten stieß Blaise Ron von sich und wandte sich ohne zurückzublicken ab. „Lasst uns irgendwo anders hingehen, hier treibt sich viel zu viel Ungeziefer herum."
