Endlich habe ich es doch noch geschafft – das letzte Kapitel ist fertig! :)

Ich möchte mich noch mal ganz herzlich bei allen bedanken, die diese Geschichte mitverfolgt haben, vor allem natürlich bei den Lesern, die mir so viele wundervolle Reviews geschickt haben – Ihr habt mich wirklich angespornt, mein Bestes zu geben!

Aber jetzt will ich Euch nicht länger aufhalten! Taschentücher raus – und los geht's! ;)

Viel Spaß beim Lesen!

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Kapitel 25 – Abschied

Wie betäubt saß Tamara in Snapes Ledersessel vor dem Kamin und starrte die leere Feuerstelle an.

Sie hatte Dumbledore gebeten, sie bei den Gästen zu entschuldigen und Mister Hewitt – dem Mann vom Ministerium – die Situation zu erklären, und ihm auszurichten, sie würde mit ihm Kontakt aufnehmen, wenn sie wusste wann, beziehungsweise ob sie überhaupt nach Großbritannien zurückkehren würde.

Snape hatte sie anschließend in seine Wohnung hinunter gebracht, ohne weitere Worte in diesem Sessel platziert, und war dann in seinem Labor verschwunden, vermutlich um irgendeinen Zaubertrank zu holen, der ihren gegenwärtigen Zustand lindern sollte.

Tatsächlich hatte er ein Glas, gefüllt mit purpurroter Flüssigkeit in der Hand, als er kurz darauf wieder zurückkam.

„Trink das!", sagte er, und hielt ihr das Zeug vor die Nase.

Tamara schüttelte den Kopf.

Snape seufzte vernehmlich, stellt das Glas aber auf dem Kaminsims ab, ohne einen weiteren Überredungsversuch zu unternehmen.

Stattdessen ging er vor ihr in die Hocke und nahm ihre beiden Hände in die seinen.

„Tamara!", sagte er mit beruhigender Stimme. „Versuch, die Sache positiv zu sehen. Immerhin hat dein Vater scheinbar gute Chancen, wieder gesund zu werden. Er hätte auch tot sein können."

„Ja!", sagte Tamara einsilbig und starrte weiter geradeaus.

„Und mit dieser Aurorenausbildung kannst du auch später noch anfangen", fuhr Snape fort. „Nachdem du vorhin da oben einen so guten Eindruck gemacht hast, werden sie dich auch nächstes Jahr noch aufnehmen."

„Ich verliere ein ganzes Jahr", sagte Tamara unbewegt.

„Was ist schon ein Jahr?", sagte Snape.

„Viel – wenn ich währenddessen in Russland sitze", sagte Tamara leise.

„Vielleicht geht es deinem Vater ja schon bald wieder besser, und du kannst früher zurückkehren", sagte Snape, und versuchte optimistisch dabei zu klingen..

„Ja – vielleicht!", sagte Tamara vage.

„Na komm schon!", sagte Snape nun leicht ungeduldig, weil es ihm nicht gelang, sie aus ihrer Lethargie zu reißen. „Es hilft nicht viel, in Selbstmitleid zu versinken! Du musst versuchen, das Beste daraus zu machen!"

Endlich sah Tamara ihn an.

„Warum geht in meinem Leben immer alles schief?", sagte sie kläglich. „Immer wenn ich versuche, einen Schritt vorwärts zu machen, wirft es mich mehrere Schritte zurück."

In ihren Augen stand das Wasser schon wieder so hoch, dass Snape im ersten Augenblick wünschte, sie hätte doch lieber weiter in den Kamin gestarrt.

„Jetzt übertreib mal nicht!", sagte er etwas unwirsch. „Immerhin hast du den ersten Teil deines Planes mit vollem Erfolg umgesetzt. Jetzt brauchst du nur noch ein bisschen Geduld, bis du dein zweites Ziel in Angriff nehmen kannst!"

„Es geht nicht nur um diese verdammte Ausbildung!", sagte Tamara mit zitternder Stimme. „Mehr als alles andere wollte ich bei DIR sein!"

„Das weiß ich doch", sagte Snape seufzend, „aber..."

„Sag jetzt bloß nicht, dass es ohnehin besser ist, wenn wir uns nicht mehr sehen!", fauchte Tamara ihn plötzlich an.

„Das wollte ich nicht sagen!", verteidigte sich Snape.

„Was dann?", fragte Tamara misstrauisch.

„...wer weiß, für was es gut ist...?", sagte Snape vorsichtig.

„Das ist ein genauso idiotischer Satz!", zischte Tamara.

„Es tut mir ja auch leid!", sagte Snape hilflos.

„Wie schön!", sagte Tamara zynisch.

„Wirklich!", sagte Snape leise.

„Ich weiß!", flüsterte Tamara.

„Du weißt auch, dass ich nicht nach Russland apparieren kann?", fragte Snape.

„Ja! Das ist mir klar! Nicht auszudenken, wenn unterdessen Eure Lordschaft Hogwarts erobert, und Harry Potter zum Frühstück verspeist!", sagte Tamara giftig.

„Tamara!", sagte Snape missbilligend.

„Entschuldigung!", sagte Tamara nicht sehr überzeugend.

Snape erhob sich, lehnte sich an die Einfassung des Kamins, und sah mit verschränkten Armen auf sie herunter.

„Ich werde zu dir kommen!", sagte Tamara entschlossen. „Irgendwie kriege ich das schon auf die Reihe."

Snape sah sie mit einem nicht sehr überzeugten Gesichtsausdruck an.

„Ich weiß schon – ich darf nicht einfach hier hereinspazieren, mit einem Schild um den Hals: ‚Ich bin Professor Snapes Geliebte' ", sagte Tamara pampig, „ich werde heimlich kommen, zu einem Ort, der dir angemessen erscheint. Ob, und wie du mich dann in deinen Kerker schleust ist deine Sache!"

„Das wirst du aber nicht all zu oft machen können", sagte Snape skeptisch.

„Wieso nicht?", schnappte Tamara. „Wenn ich vom häufigen Langstrecken-Apparieren Zwangsvorstellungen bekomme, ist das ja nicht so schlimm. Schließlich kann ich perfekt diesen Heiltrank dagegen herstellen. Und wenn ich irgendwann schon so irr bin, dass ich es nicht mehr kann, habe ich ja noch dich, Herr Zaubertränkeprofessor."

„Red' keinen solchen Blödsinn!", sagte Snape scharf. „Das gesundheitliche Risiko ist nicht so harmlos, wie du es darstellst, und der Trank mildert lediglich den Zustand, und heilt niemanden von seinen Halluzinationen."

„Das hört sich an, als legtest du keinen gesteigerten Wert darauf, mich wiederzusehen", sagte Tamara eisig.

„Ich lege keinen Wert darauf, das du ein solches Risiko eingehst", sagte Snape ebenso unterkühlt, „und ich lege keinen Wert darauf, Zeit mit einer Frau zu verbringen, die vom Langstrecken-Apparieren völlig durchgeknallt ist und womöglich extreme Zwangsvorstellungen hat."

„Wäre es dir lieber, wenn ich gar nicht komme, ja?", blaffte Tamara ihn an.

„Das habe ich nicht behauptet!", knurrte Snape.

„Dann ist es ja gut!", fauchte Tamara. „Wie viel zeitlichen Abstand sollte ich denn einhalten, deiner Meinung nach", fügte sie in etwas neutralerem Ton hinzu.

„Nachdem zwischen deiner Ankunft und deiner Abreise kaum mehr als jeweils achtundvierzig Stunden liegen dürften, würde ich sagen, zehn bis zwölf Wochen", sagte Snape nachdenklich.

„ZEHN WOCHEN?", rief Tamara entsetzt. „Ist das dein voller Ernst?"

„Mindestens acht!", sagte Snape streng.

„Das ertrage ich nicht!", sagte Tamara verzweifelt, in deren Augen es schon wieder verdächtig schimmerte. „Dich nur alle zwei Monate zu sehen, und auch noch jederzeit damit rechnen zu müssen, dass es das letzte Mal ist – das ist..., das kann ich nicht..., das ist zu viel verlangt..." Sie schlug die Hände vors Gesicht und tat das, wovor Snape schon die ganze Zeit gegraut hatte.

Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und atmete tief durch, bevor er die Sache in Angriff nahm. Er zog die heftig weinende Frau kurzerhand aus dem Sessel, hob sie hoch und trug sie ins angrenzende Schlafzimmer, wo er sich mit ihr zusammen auf das Bett sinken ließ.

Ohne sie anzusprechen – denn das wäre im Moment ohnehin sinnlos gewesen – hielt er sie einfach nur in den Armen, drückte sie an sich und streichelte sie, bis sie aufhörte, am ganzen Körper zu zittern und auch ihr verzweifeltes Schluchzen allmählich abebbte.

„Macht dir denn das gar nicht zu schaffen?", fragte sie schließlich mit kläglicher, dünner Stimme, nachdem sie sich ausgiebig die Nase geputzt hatte.

„Doch! Aber es lässt sich nun mal nicht ändern", sagte Snape ruhig.

„Wie kannst du das einfach so hinnehmen?", begehrte Tamara auf.

„Was sollte ich denn deiner Meinung nach dagegen tun?", fragte Snape stirnrunzelnd.

„Zu Dumbledore gehen!", sagte Tamara mit Nachdruck.

„Um ihm was zu sagen?", fragte Snape.

„Um ihn zu bitten, dich von deiner Pflicht zu entbinden!", sagte Tamara forsch.

Snape warf ihr einen ungläubigen Blick zu.

„Damit du hier weg kannst! Du könntest mich begleiten! Wir könnten uns gemeinsam ein neues Leben aufbauen", sagte Tamara ungeduldig.

„Damit ich mit dir nach Russland gehen kann? Als dein Schoßhund? Nein!", sagte Snape völlig beherrscht, aber dennoch in einem Ton, der die Endgültigkeit seiner Aussage bekräftigte.

„Wie kannst du so etwas sagen?", blaffte Tamara.

„Wie stellst du dir das überhaupt vor? Ich habe einen Beruf!", sagte Snape.

„Einen Beruf, den du hasst!", ergänzte Tamara.

„Nicht mehr, als ich es hassen würde, nur das Anhängsel von jemandem zu sein", sagte Snape bestimmt.

„Anhängsel? Von jemandem?", schnappte Tamara beleidigt.

„Was für einen Job hast du mir wohl zugedacht, im väterlichen Unternehmen? Lass mich mal überlegen...", sagte Snape nachdenklich. „Der Ehemann/Leibwächter/Fischfang-Posten ist schon vergeben, ich könnte dich natürlich noch weiter unterrichten, als Hauslehrer – oder noch besser – deinen Bruder, der würde sich bestimmt freuen, wieder in den Genuss meiner Lehrmethoden zu kommen. Noch idealer wäre es allerdings, ich werde einfach dein persönlicher Assistent und unterstütze dich dort, wo du es gerade ...am nötigsten hast – ja – das dürfte wirklich alle vorstellbaren Bereiche abdecken."

„Lass deinen verdammten Zynismus stecken!", sagte Tamara wütend aber auch etwas beschämt.

„Das tue ich – wenn du aufhörst, mir solche haarsträubenden Vorschläge zu unterbreiten", sagte Snape gereizt. „Selbst wenn ich es könnte, würde ich mit Sicherheit nicht in ein Land gehen, in dem ich kaum fähig bin, meinen eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, dessen Sprache ich nicht beherrsche und mit dem mich nichts verbindet, als die halbe Herkunft einer Frau, die sich zugegebenermaßen in mein Herz geschlichen hat, wenn auch auf heimtückisch-hinterhältige Weise."

„Okay, okay – das war mir eigentlich auch klar", gab Tamara zu, etwas besänftigt von dieser verkappten Liebeserklärung.

„Mein Platz ist hier, und hier werde ich auch bleiben!", bekräftigte Snape noch mal seine Aussage.

„Dann sag Dumbledore doch wenigstens, er soll sich jemand anderen für seine Spionage-Sache suchen", sagte Tamara hartnäckig. „ich bin sicher, er würde das verstehen."

„Möglich, dass er die Beweggründe verstehen würde", sagte Snape, „aber er würde mich nicht so ohne weiteres gehen lassen - weil er es nicht kann. Und nachdem ich ihn niemals darum bitten würde, spielt das auch keine große Rolle."

„Warum stellst du dein eigenes Leben ständig hinten an?", fragte Tamara aufgebracht.

„Weil es Dinge gibt, die wichtiger sind, als das eigene Leben", sagte Snape schlicht.

„Was denn? Ehre, Blut und Vaterland? Oder sonst irgendeine pathetische Männer-Ausrede, um sich willig und kopflos in Gefahr zu begeben", fauchte Tamara.

„Kopflos beschreibt wohl eher deinen momentanen Zustand", knurrte Snape.

„Erklär's mir!", forderte Tamara unwirsch.

„Ich habe die Möglichkeit - nein – die Verpflichtung, eine große Schuld wieder gut zu machen, die ich in der Vergangenheit auf mich geladen habe", sagte Snape ruhig, „und das werde ich auch tun, in der Hoffnung irgendwann in ferner Zukunft frei zu sein."

„Was zum Teufel hast du getan, um so teuer dafür bezahlen zu müssen?", fragte Tamara.

„Genug!", sagte Snape knapp. „Und über die Einzelheiten werde ich mich jetzt nicht auslassen", fügte er energisch hinzu, als sie schon wieder den Mund öffnete, offensichtlich um nachzuhaken.

„Es war trotzdem nicht gerecht von Dumbledore, dir diese Verpflichtung aufzuerlegen", sagte Tamara rebellisch.

„Das hat er auch nicht getan! Ich habe mich freiwillig angeboten und ich werde zu meinem Wort stehen!", sagte Snape mit Nachdruck.

„Dann gibt es also nichts, was du tun kannst?", sagte Tamara verzweifelt.

„Doch! Ich kann versuchen zu überleben!", sagte Snape trocken.

Tamara schluckte.

„Halt mich bitte fest!", flüsterte sie erstickt.

Snape, der mit einiger Erleichterung erkannte, dass sie sich wohl in ihr Schicksal ergeben hatte, zog sie an sich um ihren Schmerz ein wenig zu lindern, aber auch um seinerseits ein bisschen Trost in ihrer Berührung zu finden.

Am Abend gingen sie zum Essen hinunter in die große Halle, nicht weil ihnen der Sinn nach Gesellschaft gestanden wäre, sondern hauptsächlich, weil Tamara sich verabschieden wollte, da sie bereits früh am nächsten Morgen Hogwarts verlassen würde.

Zu ihrer Überraschung war Sullivan immer noch anwesend, während die anderen beiden Gäste schon gegangen waren.

Sullivan erhob sich kurz, als Snape und Tamara an den Tisch kamen, an dem er zusammen mit Dumbledore und McGonagall saß.

„Es tut mir wirklich sehr leid, was da mit ihrem Vater passiert ist, Miss Ogareff", sagte er aufrichtig betrübt. „Ich habe ihn einmal bei einem Empfang im Ministerium kennen gelernt – ein bemerkenswerter Mann! Bitte richten sie ihm meine allerbesten Genesungswünsche aus, wenn sie nach Hause kommen."

„Das werde ich tun! Sehr lieb von ihnen, Professor Sullivan! Danke!", sagte Tamara.

„Er kommt sicher bald wieder auf die Beine", sagte McGonagall, aus deren Blick eindeutig das Mitleid zu lesen war, das sie für Tamara empfand.

„Danke Minerva!", sagte Tamara gerührt.

„Auch von Professor Slughorn und Mister Hewitt soll ich ihnen auch ausrichten, wie leid es beiden tut, was passiert ist", sagte Dumbledore, „und Mister Hewitt lässt ihnen außerdem sagen, dass es ihm auch nächstes Jahr ein Vergnügen wäre, sie bei der Aurorenausbildung begrüßen zu dürfen, falls die Genesung ihres Vaters sich eventuell doch länger hinauszögert."

„Welche Frist setzt er mir denn, um doch noch dieses Jahr anzufangen?", fragte Tamara.

„Zwei Wochen", antwortete Sullivan an Dumbledores Stelle.

Tamara schloss frustriert die Augen und senkte den Kopf. Zwei Wochen! Das war utopisch!

„Hierzu hätte ich ihnen auch gleich ein Angebot zu machen", fuhr Sullivan fort.

Tamara hob überrascht den Kopf und Snape, dem Sullivans Anwesenheit ohnehin ein Dorn im Auge war, legte skeptisch die Stirn in Falten.

„Ich wünsche ihrem Vater natürlich, dass er in zwei Wochen wieder soweit auf dem Damm ist, dass sie wieder abreisen können, aber sehr wahrscheinlich ist das nicht, wenn ich so ehrlich sein darf", sagte Sullivan und ließ seine wachen grauen Augen auf Tamara ruhen. „Sie wissen sicher, das ich früher Auroren-Ausbilder war und seit ein paar Jahren im Ruhestand bin. Ich habe allerdings immer noch die offizielle Erlaubnis, als Ausbilder tätig zu sein, und die nicht sehr üppige Rente, die das Ministerium seinen ehemaligen Angestellten zukommen lässt, reicht zwar locker für den Lebensunterhalt, aber nicht immer für die vielen kleinen Extravaganzen, die das Leben so richtig lebenswert machen, daher nehme ich hin und wieder Privatschüler an. Der langen Rede kurzer Sinn – ich biete ihnen an, zu mir zu kommen, als meine Schülerin, wenn ihr Vater wieder gesund genug ist, um auf ihre Unterstützung verzichten zu können – entweder um die Zeit bis zum Herbst nächsten Jahres sinnvoll zu überbrücken, oder auch um die ganze Ausbildung zur Aurorin bei mir zu absolvieren. Die Prüfung müssten sie natürlich bei der offiziellen Kommission ablegen – aber damit gab es bisher noch nie Schwierigkeiten."

Tamara starrte ihn fassungslos an.

„Das wäre absolut fantastisch!", sagte sie dann völlig überwältigt von der neuen Möglichkeit, die er ihr da eröffnet hatte.

Snapes Stirnfalten vertieften sich indessen.

„Wie viele solcher Privatschüler hatten sie denn schon?", fragte er misstrauisch.

„Zwei!", sagte Sullivan bereitwillig. „Wobei ich erwähnen sollte, dass es im Lauf der Zeit insgesamt acht waren, die es versucht haben, aber die zwei, die geblieben sind, haben die Aurorenprüfung ohne Probleme geschafft."

„Sie haben sechs von acht Kandidaten vergrault, David?", sagte McGonagall amüsiert.

Sullivan lächelte ihr zu und nickte.

„Ich gebe zu, mit mir ist nicht so ganz leicht auszukommen", sagte er dann an Tamara gewandt, „aber mir scheint, sie sind nicht gerade eine Frau von der zimperlichen Sorte."

Snapes Miene verdüsterte sich nochmals, als Sullivan bei diesem Teil des Satzes ihn anblickte.

„Tamara hat acht Wochen Intensiv-Unterricht bei Severus ausgehalten", setzte McGonagall noch einen drauf. „Sie ist abgehärtet - besser geht's gar nicht!"

Snape warf McGonagall einen vernichtenden Blick zu, den sie mit stoischer Gelassenheit über sich ergehen ließ.

„Ich nehme ihr Angebot mit Freuden an, Professor Sullivan!", sagte Tamara. „Es wäre mir eine große Ehre, bei ihnen lernen zu dürfen.

Snapes vernichtender Blick wechselte von McGonagall auf Tamara, die sich jedoch fast genauso wenig darum zu scheren schien, wie McGonagall.

Sullivan war sichtlich erfreut, dass Tamara seinen Vorschlag angenommen hatte und auch Dumbledore sah äußerst zufrieden aus.

„Dann melden sie sich einfach bei mir, wenn abzusehen ist, wann sie wieder nach Großbritannien zurückkehren können", sagte Sullivan, „die weiteren Modalitäten klären wir dann, wenn es so weit ist."

Nach dem Essen machte Sullivan sich auf den Heimweg, und auch Tamara verabschiedete sich nun von Dumbledore und McGonagall.

Der alte Mann nahm sie liebevoll in den Arm, während er versuchte, ihr noch ein bisschen Hoffnung mit auf den Weg zu geben und auch McGonagall drückte sie mütterlich an ihre Brust, und versuchte, sie zu trösten.

Tamara war ganz gerührt von der Herzlichkeit und Anteilnahme der Beiden, und als sie mit Snape durch die Eingangshalle ging, wo schon ihre Koffer für die Abreise bereit standen, wischte sie sich verstohlen ein paar Tränen aus den Augenwinkeln.

Snape war ziemlich still gewesen, nachdem sie Sullivans Angebot so spontan angenommen hatte, und auch jetzt, als sie auf dem Weg in den Kerker waren, hüllte er sich in Schweigen.

„Jetzt kannst du's mir sagen", meinte Tamara lächelnd, als sich die Wohnungstür hinter ihnen geschlossen hatte. Sie stellte sich direkt vor ihn und packte ihn am Reviers seiner Jacke, zum Zeichen, dass er ihr nun nicht mehr auskam.

„Ich weiß nicht, was du meinst!", sagte Snape kühl.

„Na komm schon! Ich hab doch gemerkt, dass dir meine Zusage an Sullivan nicht gepasst hat", sagte Tamara.

„Du hast dich so entschieden!", brummte Snape. „Es ist dein Leben – es geht mich nichts an!"

„Gesetzt den Fall, es würde dich etwas angehen – was würdest du mir dann sagen?", fragte Tamara geduldig.

„Dass es nicht schlecht wäre, wenn du dich mit mir besprechen würdest, bevor du eine solche Entscheidung triffst", sagte Snape.

„Ich BIN übrigens der Meinung, dass es dich etwas angeht – aber du besprichst doch deine Zukunftsplanung auch nicht mit mir", sagte Tamara aufgebracht. „Hast du mich vielleicht gefragt, wie ich es finde, dass du deinen Kopf hinhalten willst um den verdammten dunklen Lord auszuspionieren?"

„Das ist etwas anderes!", knurrte Snape.

„Aber ja! Natürlich!", sagte Tamara sarkastisch.

„Ich mag den Gedanken einfach nicht, dass er dich unterrichtet", sagte Snape, nachdem sie sich eine Weile angeschwiegen hatten.

„Warum nicht? Denkst du, er ist ein schlechter Lehrer?", fragte Tamara stirnrunzelnd.

„Nein! Aber er ist ein Mann, und nachdem ich inzwischen weiß, was du mit deinen Lehrern anstellst...", sagte Snape todernst, und trat einen Schritt zurück, um der Hand auszuweichen, die nach ihm schlug.

„Schäm dich, dass du an so etwas auch nur denkst!", rief Tamara. „Er ist ein alter Mann!"

„Nicht alt genug, um zu übersehen, dass du eine wunderschöne Frau bist", sagte Snape und schnappte sich ihre beiden Hände um jeweils einen sanften Kuss auf der Innenseite des Handgelenks zu platzieren.

„Du bist schon wieder eifersüchtig?", sagte Tamara und hatte zum wiederholten Male an diesem Tag vor lauter Rührung Tränen in den Augen.

„Er flirtet ungeniert mit dir!", brummte Snape und unterzog nun ihren Hals der gleichen Prozedur wie zuvor ihre Hände.

„Nun – das ist ja auch nicht verboten!", räumte Tamara lächelnd ein.

„Du gibst also zu, dass es dir Spaß macht?", raunte Snape ihr ins Ohr, und sein warmer Atem hinterließ ein aufregendes Prickeln auf ihrer Haut, dass sie veranlasste ihren Kopf auf die Seite zu drehen, und ihm ihren Hals und Nacken damit regelrecht anzubieten.

„Ja...", sagte Tamara gedehnt, und spürte dem Gefühl nach, dass seine federleichten Küsse auf dieser empfindlichen Stelle auslösten.

„Du kleines Biest!", knurrte Snape.

„Er ist ein sehr interessanter Mann", sagte Tamara aufreizend, „Und mit Sicherheit kann ich viel von ihm lernen."

„Das befürchte ich auch", sagte Snape trocken.

„Ich würde mich viel lieber von dir weiter unterrichten lassen", gurrte Tamara, „meinetwegen für den Rest meines Lebens, wenn ich dafür bei dir bleiben könnte."

„Und ich würde mich wesentlich lieber weiter mit dir herumschlagen, als mit der Horde kleiner Monster, die nächste Woche wieder hier einfallen wird", seufzte Snape. „Aber leider müssen wir beide das tun, was notwendig ist."

Er wühlte beide Hände in ihr Haar und hob dann ihren Kopf an, um ihr tief in die Augen zu sehen.

„Du wirst mir fehlen!", sagte er plötzlich ernst.

Tamara erwiderte seinen Blick mit der gleichen Intensität.

„Ich weiß nicht, wie ich es aushalten soll ohne dich", flüsterte sie, „wie ich weiterleben soll ohne deine Nähe. Schon wenn ich daran denke, nimmt es mir fast die Luft zum Atmen."

Snape nahm ihre Hand und legte sie sich auf die Brust.

„Ich werde bei dir sein! In meinen Gedanken", sagte er leise, „zumindest solange..."

„Solange, bis du die Erinnerung an mich in diesem Gefäß ablegst", sagte Tamara bitter.

„Wenn ich dir das ersparen könnte, würde ich es tun", sagte Snape rau. „Aber es gibt nur diesen einen Weg."

„Wenn mir dieser verfluchte Voldemort eines Tages über den Weg laufen sollte, mach ich ihn platt!", sagte Tamara heftig.

„Du wirst dich ganz und gar fernhalten von allem, was auch nur im entferntesten mit dem dunklen Lord oder den Todessern zu tun hat", sagte Snape scharf und packte sie an den Schultern. „Versprich mir das!"

Tamara nickte nur, da ihr die Tränen bereits wieder die Kehle zuschnürten.

„Ich hoffe Sullivan hat genügend Hirn, dich zu beschützen", knurrte Snape. „Zumindest vor allem anderen, als sich selbst", fügte er missmutig hinzu.

„Ich gehöre nur dir, Severus! Weißt du dass denn nicht?", flüsterte Tamara.

Snape sah sie sichtlich gerührt an und streichelte ihre Wange.

„Dabei habe ich so etwas Wundervolles wie dich gar nicht verdient", sagte er leise.

Langsam und mit bedächtigen Bewegungen, beinahe als würde er ein ganz besonderes Ritual vollziehen, entkleidete er sie und begrüßte jedes freigelegte Stückchen Haut mit einem verlangenden Blick und einer zärtlichen Berührung seiner Hände.

Tamara ließ es geschehen, ohne selber tätig zu werden. Erst als sie völlig nackt vor ihm stand und das Begehren sich deutlich in seinen Zügen abzeichnete, begann sie ihrerseits, seine Kleidung zu öffnen, und herunterzustreifen. Sie war immer wieder aufs Neue überrascht, wie allein der Anblick seines nackten Körpers sie erregte.

Wortlos standen sie sich gegenüber, berührten sich lediglich mit den Fingerspitzen und verschlangen sich mit den Augen.

Snape ließ seine Hand über ihr Gesicht wandern, verharrte bei ihren halbgeöffneten Lippen, über die er mit dem Daumen strich, glitt mit den Fingern ihren Hals entlang und legte sie dann in ihren Nacken, um Tamara mit sanftem Druck an sich zu ziehen.

Bereitwillig bot sie ihm ihre Lippen an und gewährte seiner Zunge Einlass. Minutenlang gaben sie sich diesem Kuss hin – zuerst zärtlich und forschend, dann immer intensiver und fordernder.

Snapes Kuss entfachte entgültig das Feuer in ihrem Schoß - Tamara drängte sich gierig an ihn und ließ ihre Hände über seinen Rücken nach unten wandern, bis sie die straffe Muskulatur seines Hinterteils fand. Die aufreizende Reibung ihres Körpers in Verbindung mit der knetenden Bewegung ihrer Hände ließen ihn unwillkürlich aufstöhnen.

Er beendete den Kuss und hob sie kurzerhand hoch, um sie ins Schlafzimmer zu tragen.

Kaum dass sie sich auf dem Bett niedergelassen hatten, zog er sie rittlings auf sich. Ohne weitere Umstände legte er seine Hände auf ihre Pobacken, dirigierte ihre gespreizte Scham an die Spitze seines ungeduldig pulsierenden Penis und drang behutsam, Stück für Stück in sie ein. Gleichzeitig verschlang er sie mit den Augen, als wollte er den Anblick ihrer Erregung für alle Zeit in sein Gedächtnis brennen.

Sie war mehr als bereit für ihn und empfing ihn, indem sie seinen Bewegungen mit ihrem Becken entgegenkam. Das Gefühl, so völlig ausgefüllt zu sein, entlockte ihr ein wollüstiges Keuchen.

Er zog sie zu sich herunter, bis sie auf seiner Brust zu liegen kam und schlang die Arme fest um ihren Körper – mit der einen Hand hielt er ihre Schulter fest, während die andere auf ihrem Po verweilte. Mit langsamen, fast trägen Bewegungen drang er immer wieder in sie ein, und Tamara gab sich ganz dem herrlichen Gefühl hin, dass diese stetige, lustvoll-quälende Reibung ihr verschaffte.

Sie hatte ihr Gesicht in seiner Halsbeuge vergraben – spürte seinen Pulsschlag an ihrer Wange, passte sich seinem Atemrhythmus an – und versuchte das, was gerade geschah mit allen Sinnen aufzunehmen.

Das leise Wimmern, dass ihr sein wiederholtes Eindringen entlockte, stachelte ihn dazu an, schneller und kraftvoller zu werden, in seinen Bewegungen. Tamara drängte sich ihm entgegen soweit es ging und intensivierte seine Stöße dadurch noch.

Das ging ihm nun scheinbar zu schnell, denn er presste die Hand gegen ihren Hintern und zwang sie so, sich eine Weile ruhig zu halten, die sie jedoch dazu nützte, die Muskeln ihrer Vagina abwechselnd anzuspannen und locker zu lassen – eine Aktion, die nicht gerade förderlich war, für Snapes Selbstbeherrschung.

Er zog sich stöhnend aus ihr zurück packte sie bei den Schultern und rollte sich mit ihr herum, sodass er auf ihr zu liegen kam, wartete einige Momente, in denen er ihre feuchte Öffnung mit den Fingern erkundete, drang dann erneut, mit einer gezielten, harten Bewegung in sie ein, verharrte kurz und begann wiederum sich langsam zu bewegen.

Auch seinen Blick versenkte er mit einer solchen Vehemenz in ihre Augen, dass es ihr kaum gelungen wäre, sich dem zu entziehen – selbst wenn sie es gewollt hätte. In ihrem Kopf machte sich ein seltsames Gefühl breit, das auf subtile Weise dem wilden Verlangen ihrer Lenden entsprach. Es war, als würde Snapes Stimme – seine wundervolle Stimme – ohne dass seine Lippen sich bewegten, in ihrem Inneren sprechen und ihr leidenschaftliche Worte zuflüstern, die er wohl nie im Leben laut ausgesprochen hätte.

Tamara versuchte, ihm auf die selbe Weise zu antworten – denn sie hatte das unbestimmte Gefühl, dass laut ausgesprochene Gedanken den besonderen Zauber dieses Augenblicks zerstören würden.

Ich liebe dich!', wiederholte sie in ihrem Geist immer wieder und wieder – wie ein Mantra, an dessen Rhythmus sie sich hochzog, welcher schneller wurde im Gleichklang mit Snapes Bewegungen.

Als sich bei ihm der Orgasmus mit immer härter werdenden Stößen und einem tiefen, kehligen Stöhnen ankündigte hatte auch Tamara den Punkt erreicht, an dem sich ihre Lust in schwindelerregender Schnelligkeit zu einem ekstatischen Gipfel hinaufschraubte. Die Intensität der Gefühle raubte ihr fast den Atem, und der erlösende Schrei, der sich in ihrem Inneren formierte, entlud sich lediglich in einem langgezogenen Wimmern, dass bis tief in ihren Bauchraum hinunter ihren Leib zum vibrieren brachte, während Snape heftig zuckend seinen Samen in sie pumpte.

Eng umschlungen blieben sie noch liegen – warteten, bis der Herzschlag sich wieder normalisierte und das Keuchen wieder in ein ruhiges Atmen überging – ehe Snape sich vorsichtig von ihr herunter rollte, und Tamara sich zur Seite drehte und ihren Kopf auf seine Brust legte, den Körper nah an seinen geschmiegt, einen Arm und ein Bein besitzergreifend über seinen Körper gelegt.

„Wie um alles in der Welt soll ich lernen, darauf zu verzichten?", flüsterte Tamara.

„Dafür habe ich auch keinen Plan!", antwortete Snape rau.

Sie schliefen nicht viel in dieser Nacht – viel zu sehr waren sie beschäftigt, sich jede winzig kleine Besonderheit des anderen einzuprägen, kein Quadratzentimeter Haut blieb ungestreichelt, kaum eine Stelle ungeküsst - und sie liebten sich bis zur totalen Erschöpfung.

Zwischendurch döste Tamara hin und wieder weg um von einer leichten Bewegung Snapes wieder geweckt zu werden und sich erneut an ihn zu klammern wie eine Ertrinkende – und auch ihm ging es nicht anders.

Sie redeten auch nicht viel - denn es war bereits alles besprochen worden, was nötig gewesen war, und das, was noch gesagt hätte werden können, tat zu weh, um es auszusprechen.

Als der Morgen dämmerte schlug Tamara vor, noch einmal zum See hinunter zu gehen. Sie wollte sich auf diese Weise auch den Anblick von Hogwarts einprägen, damit sie in den kommenden Wochen das selbe Bild vor ihrem geistigen Auge hatte, das er in der Realität sehen würde.

Hand in Hand gingen sie hinunter zum Ufer und einer unabgesprochenen Eingebung folgend, entkleideten sie sich beide und stürzten sich trotz der kühlen Morgenluft kopfüber in den See.

Der Schock des kalten Wassers auf der Haut löste in Tamara endlich die Barriere, die sie schon seit geraumer Zeit mit sich herumtrug - mit einem verzweifelten Schrei fiel sie in Snapes Arme und begann hemmungslos zu weinen, und auch die Tropfen, die über sein Gesicht liefen, schienen nicht nur von dem Sprung in den See herzurühren.

Er hielt sie fest, bis sie keine Kraft mehr hatte, sich vor Verzweiflung aufzubäumen - und auch keine Tränen mehr – bedeckte ihr nasses Gesicht mit Küssen und streichelte immer wieder über ihr Haar, als könne er den tiefen Schmerz, der sie gefangen hielt wegwischen, und damit gleichzeitig auch seinen eigenen.

Langsam wateten sie zum Ufer zurück, trockneten sich und legten ihre Kleider wieder an.

Die Sonnenstrahlen krochen langsam über die Hügel und tauchte Hogwarts in ein warmes, anheimelndes Licht. Es sah so friedlich aus, als könne hier nie irgendetwas Böses passieren – wie ein verzaubertes Märchenschloss, in dem die Zeit stillstand, in dem die Menschen vor dem Lauf des Schicksals verschont blieben.

Tamara ließ das zauberhafte Bild auf sich wirken und der Gedanke, dass sie diesen Ort in Kürze würde verlassen müssen, schnürte ihr die Kehle zu.

Hilfesuchend griff sie nach Severus Hand als wieder hoch zum Haupteingang gingen, und er drückte sie fest, hielt sie warm und sicher in der seinen – eine Berührung die ihr ein wenig Trost gab, auch wenn ihr klar war, dass der Abschied unweigerlich bevorstand.

Aus der Eingangshalle holten sie Tamaras Koffer, die sie auf handliche Größe schrumpften, und machten sich dann auf den Weg zum Tor.

In wenigen Minuten würde Tamara abgeholt werden, wenn der in dem Brief angekündigte Begleiter pünktlich war.

Einige Meter vom Schlosstor entfernt blieben sie stehen und warteten.

Tamaras lehnte sich an Snape und er schloss sie in die Arme. Ihre Augen glänzten schon wieder verdächtig, als sie den Kopf hob, und ihm mit einer Traurigkeit ansah, die ihn um seine Fassung kämpfen ließ.

Snape streichelte sanft Tamaras Wange, einesteils, weil er nicht wusste, was er sonst tun sollte, und auch weil es ihn von dem Gedanken ablenkte, nichts tun zu können, um ihre Verzweiflung zu mildern – was ihn halb um den Verstand brachte.

Auch Tamara hob ihre Hand und legte sie auf sein Gesicht.

Sie standen sich stumm gegenüber und sahen sich nur an, als das Geräusch erklang, vor dem sie sich gefürchtete hatten, und das sie beide zusammenzucken ließ – der Besucher-Alarm.

Snape löste sich von ihr und ging das Tor öffnen, während Tamara ihr Gepäck nahm und ihm folgte.

Vor dem Tor stand nicht - wie Snape fast befürchtet hatte – der Angetraute seiner Geliebten, sondern ein Mann, der zwar genauso groß und kräftig wirkte wie Smjelkow, aber dunkelhaarig war und auch um einiges älter. Tamara, die den Mann zu kennen schien, begrüßte ihn kurz und gab ihm ihre Taschen, woraufhin er nickte und sich ein wenig zurückzog, damit sie sich ungestört verabschieden konnten.

Noch einmal wandte sie sich Snape zu, nahm seine Hände, und küsste sie. Während sie ihn verzweifelt anblickte begannen ihre Augen wieder überzulaufen.

„Nicht weinen – das ertrage ich nicht", sagte Snape hilflos.

„Ich liebe dich!", flüsterte Tamara erstickt.

„Das ist nicht sehr klug von dir...", sagte Snape heiser.

„Das musst du schon mir überlassen, Sir!", sagte Tamara und versuchte ein Lächeln, dass ihr jedoch gründlich misslang.

„Du wirst mir fehlen, meine kleine Nervensäge!", sagte Snape zärtlich.

„Versprich mir, dass wir uns bald wiedersehen!", bettelte Tamara.

Snape schwieg.

„Ich ertrage das nicht!", hauchte Tamara.

„Sei stark!", flüsterte Snape ihr ins Ohr und küsste sie ein letztes Mal auf die Stirn. Dann drehte er sie um und schob sie mit sanfter Gewalt auf den Ausgang zu.

Tamara machte einen Schritt und noch einen – sie hatte gedacht, ihre Beine würden ihr den Dienst versagen, aber sie funktionierten unglaublicherweise.

Sie hatte den Torbogen schon passiert, als sie seine Stimme noch einmal vernahm.

„Ich liebe dich auch!", sagte er so leise, dass sie schon in der nächsten Sekunde nicht mehr sicher war, ob ihre Wahrnehmung verrückt spielte und sie sich das nur eingebildet hatte. Sie brachte nicht die Kraft auf, sich noch einmal umzudrehen.

Erst als der Bodyguard nach ihrem Arm griff und ihr Körper schon den Sog des beginnenden Apparier-Vorgangs spürte, sah sie Snape noch einmal für eine Sekunde in die Augen - und sie wusste, dass sie sich nicht verhört hatte.

Snape stand da und starrte auf die Stelle, wo sie verschwunden war.

Einen Moment lang lehnte er sich an die raue Steinmauer, schloss die Augen und ließ den brennenden Schmerz durch sich hindurchfluten wie eine heiße Welle, bis es sich anfühlte, als hätte er jede Zelle seines Körpers in Besitz genommen.

Dann atmete er tief durch, drehte sich um und ging zurück zu seinem alten Leben, das ihm mit einem mal so grau und trostlos erschien wie nie zuvor.

- Ende -

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Epilog

Tamara blieb viele Monate in ihrer Heimat, um ihren Vater zu pflegen, sich um ihren Bruder und um diverse Familienangelegenheiten zu kümmern. Unter anderem beantragte sie die Scheidung von Nikolai Smjelkow, die im Frühjahr des darauffolgenden Jahres offiziell anerkannt wurde.

In dieser Zeit schaffte sie es fünf mal, sich mit Snape zu treffen. Es waren stürmische, kurze Begegnungen in aller Heimlichkeit, die jedes Mal mit einer ähnlich schmerzlichen Trennung endeten, wie ihr Abschied von Hogwarts nach dem Sommer, und die jedes Mal die panische Furcht hinterließen, es könnte das letzte Mal gewesen sein, dass sie ihn gesehen hatte.

Andererseits wurde ihre Gewissheit, dass dieser Mann alles war, was sie in ihrem Leben wollte, bei jedem Treffen unumstößlicher, auch wenn er sich aus Vernunftgründen bemühte eine gewisse Distanz aufrecht zu erhalten.

Im Juni war der Gesundheitszustand ihres Vaters beinahe so gut, wie vor dem Schlaganfall, und Tamara kehrte nach Großbritannien zurück, um ihre Ausbildung bei Sullivan zu beginnen.

Sie nahm sich eine Wohnung in der Nähe seines Hauses, das am Rande einer verschlafenen Kleinstadt in einer äußerst malerischen Ecke Schottlands lag.

Als die Eule kam, war Tamara gerade dabei, ihre Einrichtung so zu planen, dass auch Snapes Kleidung und Utensilien darin Platz finden würden, wenn er einmal länger bleiben sollte, was bei dem Gedanken an die Sommerferien, der sie ungemein beflügelte, nicht so unwahrscheinlich war.

Ungeduldig riss sie den Brief auf.

Snape teilte ihr darin in knappen Worten mit, dass die Umstände es nun erforderten, den Kontakt mit ihr abzubrechen, und dass sie auf gar keinen Fall versuchen sollte, mit ihm in Verbindung zu treten.

Zur selben Zeit, als Tamara in ihrer neuen Wohnung weinend zusammenbrach, begann Snape in seinem Kerker in Hogwarts, die Erinnerungen an den wohl glücklichsten Sommer seines Lebens in ein großes steinernes Denkarium abzulegen...

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So – das war's!

Ich weiß, dass sich einige von Euch ein richtig rundum glückliches „Happy End" gewünscht hätten. Aber auch wenn mein Ende doch eher unter dem Motto „Love hurts" läuft - immerhin habe ich niemanden sterben lassen, und es kann sich jeder selber überlegen, wie die Sache wohl weitergeht – denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. ;)

Ich selber habe natürlich auch eine Idee, wie sich die Geschichte weiterentwickelt, und wenn genügend Interesse von Seiten der verehrten Leser besteht, könnte ich mir auch vorstellen, diese Idee niederzuschreiben, aber erst mal brauche ich eine Pause.

(Da sind nämlich noch ein paar andere Hirngespinste, die schon länger in meinem Kopf herumspuken, und die schon so reif sind, dass meine Finger fast von selber über die Tastatur hüpfen um die Wörter in den PC zu klopfen! g)

Ich würde mich diesmal wirklich wahnsinnig über Eure Meinungen freuen – natürlich über die von meinen supertollen, treuen Dauerreviewerinnen – aber auch über Rückmeldungen von Lesern, die meine Story zwar mitverfolgt haben, sich aber noch nicht gemeldet haben. Wär' echt nett, wenn ihr mich wissen lasst, ob's Euch gefallen hat.

Liebe Grüße,

Chrissi