Kapitel 25
Hermine hatte nun schon das zehnte Buch neben sich gleiten lassen und schaute sich nach einem weiteren um. Es musste doch irgendwo eine Lösung zu finden sein. Ihr Blick wanderte durch den Raum und blieb im gleichen Moment entsetzt auf Harrys Körper gerichtete hängen.
„Oh mein Gott, Harry", schrie sie panisch auf, denn ihr Freund schwebte gut fünfzig Zentimeter über dem Boden und leuchtete in einem Grün, dass an den Avada Kedavra erinnerte. Außerdem schienen seine Augen zu glühen. Hermine stürzte zu Harry herüber und wollte ihn wachrütteln, doch dann schrie der Schwarzhaarige plötzlich voller Panik und Hermine riss ihre Hände wieder weg. Harry glühte wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes und Blitze begannen sich von seinem Körper zu lösen.
Hermine wusste sich keinen anderen Rat und rannte aus dem Raum der Wünsche, um Hilfe zu holen. Diese fand sie dann auch in Form von Professor McGonagall und Stephano Styls, die beide im Schloss unterwegs waren, da im Büro der Direktorin ein Alarm ausgelöst wurde.
„Ms. Granger, warum rennen sie hier herum?", Fragte ihre ehemalige Hauslehrerin den Lockenkopf mit überraschter Miene und Hermine sagte ihr mit panischer Stimme, was geschehen war. Daraufhin bewegten sich alle drei zurück zu Harry und fanden den Schwarzhaarigen zwar nicht mehr leuchtend, jedoch bewusstlos, und mit seinem Kopf in einer Menge Erbrochenem liegend, vor. Professor Styls war dann der erste, der sich hinkniete und Harry untersuchte. Dann sah man, wie der Lehrer für VgddK dem Schwarzhaarigen die Brille abnahm und tief in die starren Augen blickte. Sein Gesicht wurde daraufhin sehr besorgt und er meinte, Poppy sollte schon mal ein Bett und jede Menge Aufputschtränke bereithalten. Hermine wurde auf diese Aussage und dem Gesichtsausdruck des Mannes immer blasser und brach in Tränen aus. Sie musste von Professor McGonagall beruhigt werden und war in der nächsten Stunde zu keiner Aussage mehr fähig.
In Harrys Kopf hämmerte es wie wild, als er langsam wieder zu Bewusstsein kam. Sein ganzer Körper schien zu brennen und jede Luftbrise fühlte sich an, als wäre die Stelle, wo sie ihn berührte in einen Schraubstock eingespannt. Auch traute sich der Gryffindor nicht, seine Augen zu öffnen, denn ein ihm wohlbekannter Geruch aus Desinfektionsmittel und Sterilität, umwehte seine Nase. Und dann waren da auch noch die Stimmen von Poppy und McGonagall, die gerade zu überlegen schienen, wie sie Harry für sein Verhalten behandeln sollten.
Sofort versuchte sich der Gryffindor zu erinnern was geschehen war. Harry kam sein innerer Kern wieder in den Sinn und all diese furchtbaren Schmerzen. Dann durchzuckte ihn die Frage nach Hermine und ob ihr etwas passiert sei, oder die, welcher Tag denn heute war. Doch um diese Antworten zu erhalten musste Harry sich seinen Ängsten stellen und den anderen kundtun, dass er wach war. Er tat es und wurde im nächsten Moment auch schon in die Mangel genommen. Etwas mit buschigen braunen Haaren stürzte sich auf ihn und mit der Stimme von Hermine rief es „Oh Harry, du Dummkopf, mach das ja nie nie wieder."
Harry kam nicht mal zu Wort, sosehr fing Hermine an, den Jungen für seine Aktion zurechtzuweisen. Tränen bildeten sich in ihren Augen und Harry konnte nur leise „ja, ich machs auch nicht wieder" sagen. Danach wurde seine beste Freundin von Poppy weggedrückt und der Gryffindor musste in das grimmige Gesicht der Heilerin blicken. Madame Pomfrey nahm kein Blatt vor den Mund und warf ihm vor, wie leichtfertig er mit seiner Gesundheit umgegangen war und was alles hätte passieren können.
Harry auf der anderen Seite hatte aber noch nicht mal eine Ahnung, was denn überhaupt geschehen war. Ja, er hatte seinen inneren Kern berührt und irgend etwas ausgelöst, doch das konnten die zwei Erwachsenen ja noch gar nicht wissen. Woher sollten sie auch? Dann aber ging die Tür zum Krankensaal auf und Stephano Styls kam herein. Er lächelte, als er sah, dass Harry die Augen offen hatte und kam ebenfalls ans Krankenbett.
„Ah, ich sehe er weilt wieder unter uns."
Harry versuchte das Lächeln leicht schuldbewusst zu erwidern, doch bevor er das so richtig schaffte, meldete sich Professor McGonagall zu Wort und wollte nun endlich erfahren, was denn geschehen war. Irgendetwas musste sie ja den Schülern sagen. Schließlich war ein Schüler, und ein sehr bekannter noch dazu, plötzlich im Krankensaal gelandet. Hermine hatte ihr zwar erzählt, dass sie sich beide in stabloser Magie belesen hatten, doch mehr, als dass sie den Erwachsenen ihre Beobachtungen mitgeteilt hatte, konnte der Lockenkopf auch nicht sagen.
Harry druckste ein bisschen herum, bevor er der Direktorin sagte, was geschehen war. Er berichtete von seinem Eindringen in seinen Geist und dem magischen Kern. Allerdings verschwieg er, dass er seinen Kern berührt hatte und erzählte nur, dass ihm dann schwindelig geworden war.
Die Direktorin sah ihren Schüler mit großen Augen an. Zwar glaubte sie ihm, doch im nächsten Moment meinte sie auch zu Harry, wie gefährlich und verantwortungslos sein Handeln gewesen sei. Der Gryffindor senkte schuldbewusst seinen Kopf und mied den Augenkontakt zu McGonagall. Zwei Minuten später war die Befragung glücklicherweise zu Ende und die Direktorin verabschiedete sich. Harry schaute ihr nach und traf dadurch den Blick von Professor Styls. Dieser jedoch, bedachte seinen Schüler mit einem skeptischen Blick und seine Augenbraue war fast bis zum Haaransatz hochgerutscht. Styls glaubte Harry scheinbar bis zu einem gewissen Teil, schien aber zu ahnen, dass er nicht alles gesagt hatte.
„Wir sehen uns später Harry", meinte Damions Vater, allerdings mit eine Tonlage, die wohl aber eher bedeutete, ‚wir sprechen uns noch'. Harry nickte und Professor Styls verließ den Krankenflügel. Zurück blieben also nur noch Harry, Poppy und Hermine. Der Lockenkopf hatte sich mittlerweile wieder beruhigt und sah nun hoffnungsvoll zu Madame Pomfrey.
Die alte Heilerin hatte aber kein Erbarmen und legte jede Menge Analysezauber auf Harrys Körper. Dann stellte sie ihm etwas zu essen hin und meinte, dass der Gryffindor noch bis morgen dazubleiben hatte.
„Bis morgen?" Fragte Harry in einem Anfall von Selbstvertrauen und Poppy fuhr ihn streng an. „Nun hören sie mir mal zu Mr. Potter. Sie liegen über eine Woche hier, da wird doch eine Nacht mehr nicht der Weltuntergang sein."
Harry verstand die Worte von Poppy nur langsam und eine leises, ungläubiges „Eine Woche", verließ seinen Mund. Madame Pomfrey nickte bestätigend und Harry sah entsetzt zu Hermine. Diese bestätigte Poppys Aussage und begann danach, Harry ein wenig auf den neusten Stand zu bringen. Sie erzählte vom Unterricht und dass Ron die Mannschaft im Griff habe und sie auch fast einen Ersatzspieler für Harry gehabt hätten.
„Fast?" Unterbrach Harry Hermines Redefluss und sah sie fragend an. Die Augen des Lockenkopfes verdunkelten sich plötzlich und sie fuhr nun nur sehr zögerlich fort.
„Nun Harry, es war so. Ähm... als du im Krankenflügel lagst, hatte Ron ein kleines Trainingsspiel angesetzt, doch ihm fehlte ein zweiter Sucher und so kam unser lieber Ron doch auf die Idee, Damion zu fragen. Kannst du dir das vorstellen? Er wusste genau, dass Styls nicht wollte, dass sein Sohn auf einem Besen sitzt, doch wie Ron nun mal ist, wollte er dies nicht einsehen und hatte Damion so lange bearbeitet, bis dieser einwilligte, für eine Stunde deinen Platz einzunehmen."
„Und was ist passiert?" Fragte Harry, der das Schlimmste befürchtete. Rasch wanderte sein Blick durch den Krankensaal auf der Suche nach noch einem weiteren belegten Bett, doch er war der Einzige hier und dass konnte erleichternder Weise nur bedeuteten, dass der Braunhaarige nicht vom Besen gefallen war.
„Oh Harry, es war furchtbar. Damion saß keine zehn Minuten auf dem Besen,... und ich muss sagen, er flog nicht mal schlecht-,... da kam auch schon Professor Styls auf das Quidditchfeld gestürmt und hat seinen Sohn zur Schnecke gemacht. Junge war der Professor sauer. Doch Damion schien nicht minder wütend zu sein. Er hat sogar mal versucht, das Wort gegen seinen Vater zu erheben. Doch dann hat er sich vor all den Schülern doch besonnen, ist nur noch schnell im Schloss verschwunden und ich glaube sogar, die Hauselfen mussten hinter ihm eine ganze Ritterrüstung wieder aufbauen."
Harry sah Hermine mit großen Augen an und konnte nicht glauben, was sie sagte. Klar, er hatte mitbekommen, dass Damion manchmal ein wenig komisch wurde. Doch dass er sich seinem Vater widersetzte, dass war dem Schwarzhaarigen neu. Man sollte dieser Sache vielleicht mal auf den Grund gehen.
Fünf Minuten später bestand Madame Pomfrey aber darauf, dass auch Hermine ging. Harry wünscht ihr noch einen schönen Tag und begann etwas in den Aufzeichnung, die Hermine, wie sie nun mal war, auf seinen Nachtisch gelegt hatte, zu stöbern. Gegen Zehn schlief Harry dann schließlich ein und begann zu träumen.
Als der nächste Morgen graute, stand Harry so rasch wie nur möglich auf. Madame Pomfrey hatte ja gesagt, er könne gleich früh gehen und warum sollte man dies nicht auch tun, bevor sie ihm ihre Krankenstationsspeisen andrehen konnte. Harry wusch sich schnell und schlüpfte in die Sachen, die neben seinem Bett auf den Hocker lagen. Zehn Minuten später war er ein freier Mann und auf dem Weg zur großen Halle. Dort wartete schließlich das Frühstück und Harry war außerdem gespannt, was es noch so Neues gab.
Seine Mitschüler nahmen Harrys Genesung sehr gut auf und hielten sich auch mit Fragen zurück. Allerdings wollte jeder derjenige sein, welcher Harry die Sache mit Damion erzählte und so musste sich der Gryffindor mindestens vier Versionen anhören, bis Seamus und Dean verstanden, dass er es schon wusste.
Die nächsten beiden Tage passierte auch nicht wirklich viel und es war dann schließlich Dienstagabend, als Harry und Hermine sich wieder auf den Weg zum Raum der Wünsche machten. Sie wollten nichts probieren oder so, nein, vielmehr waren die beiden Gryffindors auf der Suche nach Antworten. Harry musste wissen was geschehen war und Hermine erging es da nicht anders.
Zu ihrer Überraschung war der Raum der Wünsche jedoch nicht leer als sie dort eintrafen. Es war Professor Styls, der mitten auf einem bequemen Sofa saß und scheinbar auf sie wartete. Harry sah seinen Lehrer überrascht an und drehte sich dann fragend zu Hermine um. Der Lockenkopf schien aber nicht ganz so überrascht zu sein und hatte sogar etwas Unsicheres im Gesicht.
„Oh Harry, bevor du deine beste Freundin haust, sie hat dich nicht verraten. Vielleicht ein wenig laut gesprochen, aber nicht verraten. Und da ich eh mit dir über deinen kleinen Ausflug ins Reich der körperlichen Veränderungen reden wollte, dachte ich mir, ich warte einfach hier auf euch."
Harry wusste nicht so recht, wie er dies verstehen sollte, doch Stephano Styls bedeutete ihm und Hermine, die Tür zu schließen und Platz zu nehmen. Sie kamen der Aufforderung nach und der Professor sprach weiter. „So Harry, du wolltest also lernen, ohne Zauberstab zu zaubern und hast dich an höhere Magie herangewagt."
„Ich hab's versucht, Professor", warf Harry mit leicht enttäuschter Stimme ein. „Doch ich glaube, ich bin nicht dafür geschaffen."
„Oh Harry, dass würde ich nicht sagen. Du bist ebenso geschaffen dafür, wie es Dumbledore früher gewesen war. Nur musst du lernen, mit deiner neuen Fähigkeit und der weitaus schwierigeren Form des Zauberns umzugehen."
Harry sah den braunhaarigen Mann mit großen Augen an und fragte ungläubig „neue Fähigkeit?" Styls grinste daraufhin und meinte, dass er kurz nach Harrys Unfall und zu dessen eigener Sicherheit in seine Erinnerung eingedrungen war um zu erfahren, was geschehen war. Harry spürte, als er dies hörte, eine leichte Unsicherheit in seinem Kopf, doch diese verschwand auch sehr schnell wieder, als ihm Professor Styls erklärte, dass Harry sich wirklich sehr weit hinausgelehnt hat. Seiner Meinung nach war das Spielen mit dem inneren magischen Kern keine leichte Sache und es hätten die schlimmsten Dinge, bis hin zum Tode, geschehen können.
Harry begriff nun langsam, warum sich Hermine so aufgeregt hatte. Bestimmt hatte ihr Professor Styls das eben Gesagte auch schon vermittelt. Der Gryffindor schaute daraufhin zu seiner besten Freundin und fühlte sich ein wenig schuldig. Dann aber fragte er Damions Vater, ob er wüsste, inwieweit sich Harrys Magie verändert hatte. Styls lachte den Schwarzhaarigen an und sagte, „Oh Harry, da verstehst du was falsch. Deine Magie hat sich nicht verändert Harry, denn die Magie jedes Einzelnen ist von Natur aus vorgegeben. Allerdings glaube ich, dass du mit dem Berühren des Kerns, übrigens noch so eine Sache, die du ja unserer lieben Direktorin verschwiegen hast, weitere Kanäle geschaffen hast. Wo diese im Einzelnen sind? Nun, das kannst nur du herausfinden."
Harry sah den Professor mit großen Augen an und dann auf seine Hände. Styls lachte und bestätigte dem Schwarzhaarigen, dass diese beiden Körperstellen wohl die wahrscheinlichsten seien. Doch er sagte auch mit ersterem Gesicht, dass Harry, nachdem was er in den Erinnerungen gesehen hatte, weitaus mehr magische Fokusse haben könnte und dass dies nicht immer ein Vorteil sein dürfte. Harry sah seinen Lehrer verwundert an und fragte wieso er das glaube. Styls begann daraufhin slytheringleich zu grinsen und diese Art und Weise ließ Harry zuerst etwas unbehaglich und danach knallrot werden.
‚Hoffentlich meinte das der Professor nicht ernst und hoffentlich hat Hermine den letzten Satz nicht verstanden', betete der Gryffindor im Stillen, doch ein Blick in das ebenfalls leuchtend rote Gesicht des Lockenkopfs sagte ihm, dass Merlin ihn nicht erhört hatte. Glücklicherweise schien Professor Styls nicht ganz so sadistisch zu sein wie Snape und er wechselte rasch das Thema. Er begann von Albus Dumbledore zu reden. Dies weckte natürlich die Neugier bei beiden Gryffindors und somit schien es heute nur noch einen wichtigen Punkt zu geben.
„Also, wie ihr schon mitbekommen habt, war Albus einst auch mein Mentor und uns verband ein sehr starkes Band der Freundschaft und des Respekts, welches sich auch nach meiner Schulzeit fortgesetzt hat. Und da mich die Tatsache, dass euer alter Direktor stablos zaubern konnte schon früher als Schüler faszinierte, habe ich ihn vor Jahren schon, an einem kalten Winterabend gefragt, wie er dies gelernt hat."
„Sie haben ihn einfach gefragt?" Entfuhr es Hermine, da sie sich nicht vorstellen konnte, einen Zauberer wie Albus Dumbledore so etwas persönliches zu fragen. Styls lachte daraufhin und meinte, „wer nicht fragt, bekommt keine Antworten". Danach zwinkerte er Harry zu und dieser verstand sofort. Schließlich war Hermine doch sonst nicht auf den Mund gefallen.
„So, wie eben gesagt habe ich ihn gefragt und er verriet mir, dass es ein sehr schweres Training gewesen sei, seine Hände als Fokus zu benutzen, denn man muss sich wirklich darauf konzentrieren, die Magie auf den jeweiligen Finger zu lenken. Wenn man es nicht schafft, kann es zu lustigen Ergebnissen führen. Albus meinte, er musste sich mal seinen kompletten Bart abrasieren, da dieser irrtümlicherweise als Fokus gedient hatte, dem aber nicht stand hielt und er danach aus purem Silber bestand."
Harry musste lächeln, als er sich das bildlich vorstellte und auch Hermine hielt sich kurz die Hand vor den Mund. Dann aber stand Professor Styls plötzlich auf und bat Harry, es ihm gleich zu tun. Die beiden Schüler schauten ihren Lehrer verwirrt an, aber Harry kam der Bitte nach.
„Weißt du Harry, dass jetzt ist auch ein wenig Neuland für mich, doch mir ist gerade eine Idee gekommen, wie wir vielleicht deine Fokusse herausfinden könnten. Es sein denn, du willst nicht, dass ich dir helfe. Es ist schließlich eine Sache des Vertrauens und ich habe euch Zwei vielleicht schon länger gestört, als es euch lieb ist."
„Was? Wie?" Stotterte Harry plötzlich und sah unsicher zu Hermine. Der Lockenkopf blickte aber nicht zurück, sondern starr zu ihrem Lehrer. Schließlich löste sie sich aber wieder und sagte rasch „Also, vom mir aus. Ich habe nichts dagegen. Ja, es ist vielleicht besser, einen Erwachsenen dabei zu haben, oder was meinst du Harry?"
Nun schien es am Schwarzhaarigen zu liegen und dieser schien sehr lange darüber nachzudenken. Dann aber kam ihm in den Sinn, dass Professor Styls wohl eh schon mehr wusste als Harry es ursprünglich gewollt hatte. Und warum sollte man ihm nicht vertrauen? Bisher hatte er keinen Grund für Misstrauen geliefert. Somit nickte Harry leicht und Styls lächelte zurück.
„So Harry, was ich mir überlegt habe ist vielleicht kompletter Unsinn, doch einen Versuch allemal wert. Was ich von dir möchte ist, dass du deinen Zauberstab weglegst und dich darauf konzentrierst, den Lumoszauber auf diesen Raum zu legen. Und da der Mensch ja einen kleinen Anreiz braucht, lösche ich das Licht, nehme dir deine Brille und tue etwas mit deiner besten Freundin."
Bevor irgendeiner der beiden Teenager etwas sagen konnte, standen sie auch schon im Dunkeln und Harry hörte, wie sich jemand neben ihm bewegte. Dann hörte er plötzlich, wie Styls sagte, er solle sich konzentrieren und Harry überlegte, was er tun musste. Sollte er den Zauberspruch sagen, oder war dies nur beim Zaubern mit dem Stab nötig? Ein lautes „LUMOS" brachte ihn aber zu der Erkenntnis, dass dies nicht alles war.
„Komm schon Harry", rief Styls fordernd, „ich habe hier was wirklich Leckeres in meinen Händen."
Harry fragte sich, was dies nun wieder zu bedeuten hatte, doch als Hermine auch noch zu kichern anfing, war es mit der Konzerntration vorbei. ‚Was machten die Zwei da?', schoss es Harry durch den Kopf und er versuchte im Dunkel etwas zu erkennen. Fast war er soweit, seine Augen zu verändern, doch Styls schien seine Gedanken zu erahnen. Er ermahnte Harry nicht zu schummeln und so blieb Harry gar nichts weiter übrig, als die ursprüngliche Aufgabe immer wieder zu versuchen. Unzählige Male ertönte das Wort „Lumos" im Raum und Harry war kurz davor aufzugeben, als ihm in den Sinn kam, wie er letzte Woche die beiden Kanäle zwischen seine Augen und seinem magischen Kern gesehen hatte.
Sofort überließ er die beiden anderen im Raum sich selbst und stellte sich wieder seinen Körper vor. Erneut blickte er auf sein nacktes Spiegelbild und drang tiefer unter die Haut vor. Allerdings hatte er mit dem, was er nun sah, nie und nimmer gerechnet, denn wo letzte Woche noch ein faustgroßer Kern mit zwei dünnen Linien war, sah er nun ein Gebilde, das nahezu die doppelte Größe hatte. Und auch die Linien waren mehr. Sie verbanden den Kern nun nicht mehr nur mit den Augen und dem rechten Arm, nein, sie gingen auch zu seinen Ohren, der Nase und allen vier Gliedmaßen.
Dann kam Harry plötzlich diese sonderbare Bemerkung von Professor Styls wieder in den Sinn und etwas unsicher und mit nahezu knallrotem Gesicht blickte er an seinem Körper herab. Im nächsten Moment atmete er aber erleichtert aus. Es gab keine magische Linie zu dieser bestimmten Stelle und das machte ihn irgendwie froh, denn auch wenn er in den letzten Wochen noch nicht wirklich an so etwas wie Sex gedacht hatte, so hatte ihn die Anekdote über Dumbledore und seinen Bart doch etwas Unbehagen bereitet.
Im nächsten Moment hörte er aber auch schon Professor Styls lauthals auflachen und verfluchte sich innerlich, weil er vergessen hatte, dass dieser Mann möglicherweise noch immer in seinen Gedanken war. Harry überkam etwas Wut auf sich selbst und dann die Idee, sein Wissen über das eben Gesehene und die Kanäle zu nutzen. Styls Lachen tat das übrige, spornte den Gryffindor an und Harry konzentrierte sich auf seinen rechten Zeigefinger. Er sagte diesmal nur in Gedanken laut ‚Lumos' und spürte im nächsten Moment ein leichtes Brennen in seiner Brust. Dieses Brennen, wenn auch ganz schwach, wanderte durch seinen Körper bis hin zum rechten Arm und keine Sekunde später begann Harrys Zeigefinger zu glühen.
Professor Styls klatschte leicht und Sekunden später sah Harry ihn und Hermine freudestrahlend wieder. Sie standen etwa drei Meter von ihm weg und Styls hatte recht gehabt. Jeder von ihnen hielt in seinen Händen etwas leckeres, nämlich je ein Glas Kürbissaft.
„Oh ich bin so stolz auf dich", sagte Hermine und umarmte Harry. Dieser wurde daraufhin leicht rot und wusste nicht so recht, was er tun sollte. Wieder einmal reagierte sein Körper auf seine beste Freundin und dies, auch wenn sehr angenehm, verwirrte den Schwarzhaarigen sehr.
Kurz darauf beendeten sie allerdings ihre Umarmung und auch den heutigen Abend. Es war Zeit fürs Bett und die beiden Gryffindors beeilten sich, um nicht noch Filch in die Arme zu laufen. Professor Styls hingegen sah den Beiden nur nach und lächelte. Dann aber schienen seine Augen plötzlich schwarz zu werden und sein Gesicht nahm eine für ihn völlig untypische Ernsthaftigkeit an. Peeves der dies beobachtete, zog tief die Luft ein und sah so aus, als hätte er plötzlich Muffensausen.
TBC
