Wie versprochen das Bonuskapitel. Ein Tipp: achtet genau auf die Schachspiele zwischen Lara und Sokrates. Wir nähern uns schön langsam dem Ende dieser Story.
Vergesst nicht zu reviewen, wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht.
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lara
Chapter Twentyfive:
Das Auge von Sharettin
Als der Lord wieder einmal bei ihr saß und sie über alles Mögliche sprachen, wurde Lara plötzlich ernst.
„Sie sagten doch, dass sie alles wissen möchten."
Sokrates wartete darauf, dass sie von alleine weiter sprach.
„Nun... in letzter Zeit entgleitet mir immer öfter die Realität. Dann sehe ich merkwürdige Dinge, die in Wirklichkeit überhaupt nicht passieren."
„Was für Dinge?"
„Erlebnisse, zum größten Teil. Aber ich erinnere mich nur bruchstückhaft, manchmal wird das was ich gesehen habe, durch irgendetwas ausgelöst, mir wieder ein Stückchen näher gebracht."
„Hätten sie vielleicht ein Beispiel für mich? Vielleicht kann ich ihnen helfen sich wieder zu erinnern."
„Gut." Sie stand auf und bedeutete ihm es ihr gleichzutun. „Ich erinnere mich an eine sanfte Musik im Hintergrund."
Sokrates schaltete eine romantische Musik ein. „In dieser Art?"
„Ja. Dann fingen wir an zu tanzen. Etwas Langsames."
Der Lord nahm sie beim Schulterblatt und begann mit ihr Rumba zu tanzen.
Die Haare fielen Lara ins Gesicht. „Sie hatten ihre Hand auf meiner Hüfte liegen. Und dann beugten sie sich zu mir hinunter", erinnerte sie sich mit gesenkter Stimme.
Er zog sie zu sich und beugte sich so weit zu ihr, dass seine Lippen beinahe die ihren erreichten. „So etwa?"
„Ja. Aber was dann passiert ist, weiß ich nicht mehr."
„Vielleicht kann ich ihnen auf die Sprünge helfen..."
Als er sie küsste, wurde sie wie in einen alles verschlingenden Strudel gezogen und ließ sich von ihm einfach mitreißen. Sie versank immer mehr in dem Strudel und als der Lord sie wieder aufrichtete, war ihr ganz schwindlig und sie musste sich an ihm festhalten. Ihre Lippen brannten und verlangten nach mehr.
Sie streckte sich und küsste ihn. Ihre Küsse wurden immer verlangender, fordernder und sie fühlte sich hochgehoben und auf ihr Bett getragen. Er streifte ihr Top und ihren Rock ab und sie zog ihm seine Sachen aus. Dort wo seine Hände ihren Körper berührten, schien dieser in Flammen zu stehen. Sie hatte eine Leidenschaft entfesselt, die nun nicht mehr aufzuhalten war.
Als Lara am nächsten Morgen die Augen aufschlug, lag Sokrates nicht mehr neben ihr. Überhaupt erinnerte nichts mehr im Raum an die vergangene Nacht. Selbst ihr Gewand lag ordentlich am Stuhl.
War ihr die Realität etwa wieder entglitten? War das alles nur Illusion gewesen? Sie wusste die Antwort darauf nicht. Doch als der Lord sie beim Frühstück genauso behandelte wie immer und nicht die geringste Andeutung machte, wurde ihr Verdacht für sie zur Gewissheit. Sie hatte sich alles bloß eingebildet.
„Haben sie wieder einmal Lust auf eine Partie Schach?"
„Wenn sie so große Lust verspüren zu verlieren." Lara holte das Schachbrett und stellte es auf.
Wie immer hatte sie weiß, somit begann sie und wie immer glaubte sie unzählige Male, ihn geschlagen zu haben und sie befand sich anschließend in der Zwickmühle. Er spielte mit ihr und es schien, als sei es eine Leichtigkeit für ihn, ihre Züge vorauszusagen. So verlor sie auch diesmal.
„Sie werden von Spiel zu Spiel immer besser. Ich habe nun schon fast alle Strategien aufgebraucht und jede scheinen sie mit Leichtigkeit bewältigen zu können."
„Sie spielen ebenfalls sehr gut. Glauben sie mir, niemand konnte bis jetzt so viel Zeit aufbringen bis zu seinem Ende, wie sie."
„Und sie können mir glauben, dass ich noch längst nicht alle Strategien benutzt habe. Ich werde sie schlagen. Sie können sich auf den Tag ihrer Niederlage freuen."
„Nun, ich bin gespannt." Seine Augen hatten den gleichen kalten Ausdruck, wie immer.
Es war einfach unmöglich, dass ihre Illusion Wirklichkeit gewesen war (Anm.: oder doch? gg by laragirl007).
Als der Lord gegangen war, ging Lara wieder trainieren. Sie war wütend, und konnte sich ihre Wut selbst nicht so recht erklären. Sie steckte ihre ganze Wut ins Training. Sie erprobte sich auch in den verschiedensten Kampftechniken und trainierte fast bis zur Bewusstlosigkeit. Danach duschte sie und legte sich schlafen.
Ein neuer Tag begann. Lara war bereits wach und trug Jeans und T-Shirt. Sie übte sich an einem Baum im Kickboxen. Danach nahm sie einen Stock und hieb mit diesem auf den Baum ein, als ob sie sich ein Schwertgefecht mit einem Gegner liefern würde. Als die Sonne immer höher stieg, beendete Lara ihr frühmorgendliches Training und ging zufrieden duschen.
Sie trocknete sich gerade ab, als der Lord ihr Schlafzimmer betrat. Schnell schlang sie sich das Badetuch um den Körper, da war er auch schon im Badezimmer. „Guten Morgen, mein Lord. Ich dachte, wir wollten erst gemeinsam zu Mittag essen."
Sokrates trat dicht vor sie, sodass sie zu ihm aufblicken musste. „Das tun wir auch. Deswegen ist das Mittagessen ja früher als sonst." Er legte seine Hand auf ihre Schulter und küsste ihre Lippen. Lara wehrte sich nicht, sondern versank in seinem Kuss.
Er löste sich von ihr und trat einen Schritt zurück. „Hast du denn noch gar keinen Hunger?"
Sie hatte das Bedürfnis ihn zurückzuhalten und weiter einfach nur diese Lippen zu küssen, doch sie tat es nicht. „Doch..."
„Dann komm."
Sie nahm es mit einer Selbstverständlichkeit hin, dass er sie nun duzte, als ob es schon immer so gewesen wäre.
Während der Lord schon vorging, trocknete Lara ihre Haare und zog sich einen rot-schwarzen Rock und ein schwarzes T-Shirt an. Danach folgte sie ihm.
Sokrates holte nach beendetem Mahl das Schachbrett. „Spielen wir eine Partie."
„In Ordnung." Sie nahm das Brett und stellte es auf die Couch. Sie setzte sich im Schneidersitz auf die Couch und wartete, bis auch der Lord Platz genommen hatte, dann drehte sie das Spielbrett. „Aber nur, wenn sie diesmal beginnen."
„Willst du mir wirklich noch einen Vorsprung geben? Das ist nicht gerade klug."
„Tja, wie heißt es doch so schön? Weiß beginnt und schwarz gewinnt."
Er nahm es mit einem leichten Nicken hin und sie begannen zu spielen. Zug folgte auf Zug und das Spiel schien schon beinahe ausgeglichen.
„Wenn sie nicht aufpassen, verlieren sie noch ihre Königin."
„Denkst du? Es wäre doch wirklich schade, wenn König und Königin getrennt wären, findest du nicht?" Er machte einen Zug und wendete damit die Bedrohung von seiner Königin ab.
„Nun haben sie ihren Läufer verloren." Lara zog mit ihrer Königin und schlug den Königsläufer.
„Gut, dann nehme ich deine Königin in meinen Besitz."
Bestürzt blickte sie auf das Spielfeld. „Verschont sie und ich küsse euch."
Sokrates lachte. Er zog vorwärts und holte sich ihre Königin. Mit diesem Zug griff er zugleich ihren Königinnenläufer und Springer an. „Küss mich, und ich verschone deinen Königinnenläufer."
Lara brachte ihren Läufer in Sicherheit, stieg über das Schachbrett, setzte sich auf den Schoß des Lords und küsste ihn. Als sich ihre Lippen wieder trennten, wurde er plötzlich ernst.
„Vermutlich kannst du dich nicht mehr erinnern, aber vor einiger Zeit wolltest du unbedingt eine Erklärung. Ich denke, du bist jetzt bereit dazu."
„Was meinen sie damit? Welche Erklärung?"
„Ich will dir eine Geschichte erzählen. Vor langer Zeit herrschte ein Volk über ein riesiges Gebiet der Erde. Sie waren ungeheuer mächtig und hätten mit Leichtigkeit die ganze Welt beherrschen können, denn sie kannten die Zukunft."
Lara lachte etwas irritiert. „Sie kannten die Zukunft? Waren sie Magier, oder was?"
Sokrates blieb ernst. „Nein, sie waren keine Magier. Sie waren einfache Menschen, die in Besitz eines magischen Gegenstandes gerieten, mit dessen Hilfe man in die Zukunft sehen konnte."
„Wieso erzählen sie mir ein Märchen? Wo wir uns doch mit anderen Dingen beschäftigen könnten", meinte sie in leicht spöttischem Tonfall. Sie wollte nicht, dass er weitersprach. Irgendetwas kam ihr an diesem Märchen bekannt vor. Und das war nichts Gutes.
„Hör einfach weiter zu. Dieser Gegenstand war das Auge von Sharettin."
Bei diesem Namen zuckte Lara zusammen und blitzartige Visionen versuchten sie zu übermannen, sie konnte sie allerdings zurückdrängen, als er weitersprach. Trotzdem bekam sie Kopfschmerzen.
„Wie ich bereits sagte, waren sie bloß einfache Menschen, denen die sagenhafte Macht bald zu Kopf stieg. Sie ließen das Auge keine Sekunde mehr aus den Augen und stritten sich darum. Sie wurden immer abhängiger von ihm und konnten bald die Realität nicht mehr von ihren Visionen unterscheiden. Ein paar Weise, die nicht so oft mit dem Auge in Berührung gekommen waren, erkannten die Gefahr und brachten es an einen sicheren Ort. Als die anderen davon erfuhren zerfleischten sie die Weisen und versuchten das Auge wieder in ihren Besitz zu bekommen."
Lara krallte sich an ihm fest, als sie plötzlich sah, wie die Weisen zugerichtet worden waren. Sokrates strich ihr sacht über das Haar und die Vision verschwand wieder.
„Warum haben sie das getan?" Ihre Stimme zitterte.
„Sie waren besessen von der Macht des Auges und waren nicht mehr fähig klar zu denken. Aufgrund der Aufzeichnungen der Weisen, gelang es ihnen sogar, das Versteck zu finden, doch es war ihnen unmöglich es zu betreten."
„Weshalb?"
„Die Weisen hatten etliche Bannkreise darum gezogen und Fallen gestellt. Doch als die Besessenen zum Versteck kamen, hatten sie eine Vision in der sie sahen, dass später andere kommen würden, denen es gelingen würde, das Auge zu bergen."
„Wie konnten sie eine Vision bekommen, ohne das Auge zu berühren?" Tief in Lara lag die Antwort verborgen, doch sie weigerte sich sie aufkommen zu lassen.
„Sie hatten so lange mit dem Auge gelebt, dass ein Teil dessen Kraft auf sie übergegangen ist und sie zu so genannten Sehern wurden. Jedenfalls wollten sie unter allen Umständen verhindern, dass jemand außer ihnen das Auge von Sharettin barg. So errichteten sie zusätzlich weitere Bannkreise, Fallen und Rätsel. Über dem Versteck erbauten sie einen Tempel, den heutigen Pyramiden an deren Gerissenheit und Genialität gleich. Trotz allem zeichneten sie den Weg zu ihrem Schatz verschlüsselt auf, in der Hoffnung, dass es eines Tages doch einem ihres Volkes gelingen würde, das Auge in seinen Besitz zu bringen."
In Lara stieg ein entsetzlicher Verdacht auf, der sich im nächsten Satz des Lords bestätigte. Sie drückte sich an ihn, um ihn nicht hören zu müssen.
„Die Person, der es tatsächlich gelang das Auge zu bergen, warst du, Lara."
„Nein", flüsterte sie verzweifelt, obwohl sie wusste, dass er Recht hatte. Sie erinnerte sich wieder, wie sie das Auge aus den Tiefen des Tempels geborgen hatte. „Nein, bitte, redet nicht weiter."
Doch er sprach unerbittlich weiter. „Lara, ich will, dass du dich wieder erinnerst. An alles erinnerst."
„Nein, bitte, verlang das nicht von mir", flehte sie. Bis jetzt konnte sie die Erinnerung noch erfolgreich zurückdrängen, denn sie wusste, dass sie ungeheuer leiden würde, wenn sie das tat, was er verlangte. „Bitte..."
Doch ebenso unerbittlich, wie er weitergeredet hatte, legte er ihr jetzt den Finger auf die Stirn und zwang sie, sich zu erinnern.
Alle Visionen und Erinnerungen drangen nun auf einmal auf sie ein und sie fühlte einen unerträglichen Schmerz. Gebrochen sank sie zusammen und wurde vom Lord aufgefangen. Als sie die Augen öffnete, rann eine einzelne Träne ihre Wange hinab.
Er küsste sie weg.
„Wieso hast du das getan?", flüsterte sie. Ihr Herz fühlte sich an, als müsse es zerspringen. „Tommy, Serengethy, Chase..." Sie stieß sich von ihm weg und setzte sich wieder auf die andere Seite des Schachbretts. Er hielt sie nicht zurück und das versetzte ihr einen weiteren Stich im Herzen. Sie blickte in seine Augen und war augenblicklich in seinem Blick gefangen.
„Wieso? Warum mussten so viele Menschen wegen mir sterben und warum wolltest du mich um jeden Preis? Ist die Welt nicht schon schlecht genug?"
„Ja, die Welt ist schlecht. Und ich möchte sie mit deiner Hilfe verändern."
Lara begriff. Sie hatte das Auge geborgen und zerstört, somit war sie der einzige Mensch, der noch fähig war seinen Traum zu verwirklichen.
„Die Welt verändern? Zum guten, oder zum schlechten?"
„Nach meinen Vorstellungen. Du spielst darin eine große Rolle. Ich brauche dich."
Lara hatte noch nie einen solchen Satz aus seinem Mund gehört. Wie gerne würde sie ihm das glauben. „Ihr braucht mich doch bloß um mich zu benutzen. Für eure Vorstellungen zu benutzen. Und dabei ist euch wohl kein Opfer zu hoch, oder?!"
Die Stimme versagte ihr und sie drängte die neu aufsteigenden Tränen zurück.
„Das ist wahr." Er machte eine kurze Pause, in der er einen Zug machte.
Sie war weiterhin in seinem Blick gefangen. Sah er denn den Schmerz in ihren Augen nicht?
„Lara, kreiere eine neue Welt mit mir. Das alles musste so kommen. Schon seit dem Augenblick, in dem du das Auge von Sharettin an dich genommen hast", meinte er sanft und mit beruhigender Stimme.
„Das musste so kommen???!!! Es mussten all die Menschen sterben, so viele Menschen gequält werden??! Nein, das kann ich nicht glauben!" Sie machte einen energischen Zug vorwärts und sagte: „Schach matt!"
Sie stand auf und ging am Lord vorbei auf ihr Zimmer zu. Diesmal hielt er sie zurück. Er war ebenfalls aufgestanden.
„Lass mich los! Du hast mich die ganze Zeit über nur benutzt und mit mir gespielt! Du hast meine und die Gefühle anderer verletzt. Damit ich dir gefügig war, hast du meine Erinnerungen gelöscht und nun verlangst du von mir, dir zu helfen?!"
„Du irrst dich, Lara. Ich habe deine Erinnerungen gelöscht, weil du es nicht mehr ertragen konntest mit ihnen zu leben. Ich wollte dich bloß vor größerem Unheil beschützen. Und ich habe die nötigen Opfer gebracht um mein Ziel zu erreichen."
Er hatte sie ganz nah zu sich gezogen und hielt ihre Arme fest.
„Es war nötig so viele Menschen zu töten und zu quälen?! Von wegen, du wolltest mich beschützen! Du hast mit meinen Gefühlen gespielt und mich gequält, sooft du nur konntest!"
Er küsste sie, um sie zum Schweigen zu bringen. Lara fühlte sich benommen, als sich ihre Lippen voneinander trennten.
„Ich würde nie wieder aufhören dich zu küssen, wenn dir das deine Bitterkeit nehmen würde und ich kann sie sogar verstehen, aber wenn du auf eine Entschuldigung wartest, wartest du umsonst."
Lara schwieg kurz. „Und was hatte der Angriff des Helikopters zu bedeuten?"
„Das waren Krieger deiner Verbündeten, die dich befreien sollten. Schieb jetzt nicht wieder nur mir die Schuld in die Schuhe. Du bist genauso vor ihnen geflüchtet und hast gegen sie gekämpft. Zudem wolltest du unter allen Umständen bei mir bleiben, falls ich dich daran erinnern darf, musste Commander Bradek dich von mir wegzerren."
Nun gut, er hatte Recht, trotzdem konnte sie das alles nicht fassen, was er ihr angetan hatte.
Sie gab den Widerstand auf und lehnte sich hilflos an ihn.
Er umarmte sie und sagte sanft: „Komm, ich möchte dir etwas zeigen."
Er nahm ihre Hand, öffnete das Portrait und betrat mit ihr den Aufzug. Mit einem sanften Ruck setzte sich dieser in Bewegung.
Als sie unten angekommen waren, führte der Lord sie doch etliche Gänge, bis sie vor einer Tür stehen blieben. Über der Tür leuchtete ein rotes Schild mit der Aufschrift: „Sperrgebiet".
„Zu dieser Zone hat niemand Zutritt, außer mir und meinem Commander."
Er steckte einen gewundenen Schlüssel ins massive Schloss und die Tür sprang auf. Erstaunt blickte Lara auf die dahinter liegende Wendeltreppe.
Er führte sie die endlos scheinende Treppe hinauf, bis sie in einem geräumigen Gang ankamen, von dem einige Türen abzweigten. Er trat auf eine Stahltür zu und sie folgte ihm.
Er wandte sich zu ihr um. „Ich habe dich hierher geführt damit du begreifst, dass uns alle Möglichkeiten offen stehen, die Welt nach unserem Willen zu verändern und zu beherrschen."
Zweifelnd hob sie eine Augenbraue. „Ach ja? Und diese Möglichkeiten wären...?"
„Wissen, Macht und Unverwundbarkeit."
Sie gab sich nun keine Mühe ihren Zweifel zu verbergen.
Er nahm ihre Hand. „Wissen, hast du durch deine Visionen. Macht habe ich..." Er drehte sich um und öffnete die Tür.
Lara blickte auf ein gewaltiges Waffenlager. Von Schuss- und Sprengwaffen gab es hier alles bis zu Hieb- und Stichwaffen.
„...Unter anderem durch dieses Lager." Er schloss die Tür wieder und führte sie zur nächsten. Sie betraten den dahinter liegenden Raum und Lara erblickte ein riesiges Schaltpult. Daneben schien durch ein großes Fenster die Sonne. Sie trat an das Fenster und blickte hinaus. Unter ihr konnte sie einen Teil der Burg und deren Umgebung sehen. Neben den Weiten einer Steppe sah sie einen dichten Wald, der in der Nähe der Burg stand.
Lara öffnete das Fenster und atmete tief durch. Sie fühlte sich wie ein Vogel, der seit langer Gefangenschaft wieder freie Luft atmete.
„Schöne Aussicht, nicht wahr? Wir befinden uns hier im höchsten Punkt dieser Burg."
Der Lord nahm sie bei der Hand und führte sie vom Fenster weg vor das Pult.
„Und zu guter letzt Unverwundbarkeit."
„Unverwundbarkeit?"
„Ja. Wir erreichen Unverwundbarkeit durch Unsichtbarkeit. Wir existieren auf keinem Radar, auf keiner Karte und dank dieses Apparats, bleiben wir auch unsichtbar."
Lara blickte zweifelnd auf das Pult. „Wie soll das möglich sein?"
„Dieses Wunderwerk fängt jegliche elektromagnetische Strahlung ab. Außerdem hilft es auch bei der Tarnung. Es funktioniert praktisch wie ein Chamäleon."
„Wenn wir doch unsichtbar sind, wie konnten uns dann die Krieger finden?"
„Da sprichst du auf einen heiklen Punkt an. Wir hatten eine Ratte unter uns. Sie hatte deine Verbündeten informiert, unter der Bedingung, dass sie sofort einen Kampftrupp losschicken. Die Ratte hat diesem unsere Koordinaten unterwegs durchgegeben. Aber es sind keine weiteren Trupps zu erwarten, da alle die unsere Position kannten nun tot sind und die Ratte entlarvt ist."
„Was habt ihr mit ihr gemacht?"
Der Lord zog sie zu sich hin. „Das hat dich nicht zu kümmern. Ich wollte dir das nur zeigen, damit du verstehst. Komm, ich bringe dich zurück."
Wieder in ihrer Suite angekommen, nahm er sie in den Arm und sagte leise: „Ich lasse dir alle Zeit, die du brauchst um es dir zu überlegen. Sei nicht böse auf mich oder verbittert, sondern überlege es dir, in Ordnung?"
„In Ordnung", sagte sie leise.
„Gut, dann lasse ich dich jetzt alleine", sagte er, küsste sie noch ein letztes Mal und ging.
Damit hatte er sein Todesurteil unterschrieben.
Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn er bei ihr geblieben wäre. Sie hätte sich nicht gegen seine Küsse wehren können und wäre vielleicht auf seinen Vorschlag eingegangen. Doch es kam wie es kommen musste und er ging, um ihr Zeit zum Überlegen zu lassen.
„Du Narr... du kennst mich nicht so gut, wie du glaubst." Sie blickte traurig auf sein Portrait.
Doch sie hatte einen Entschluss gefasst und würde nicht mehr davon abkommen.
Sie trat auf das Portrait zu und zerriss es mit einer Gabel. „Verzeih, aber du musst denken, dass ich dich hasse."
Achtlos ließ sie die Gabel fallen, nahm einen der stabilen Stühle und ging in ihr Schlafzimmer. Vor einiger Zeit hatte sie bemerkt, dass die Decke im Vergleich zu den anderen nicht aus Panzerglas sondern aus gewöhnlichem Glas bestand. Sie hatte diese Tatsache bis jetzt verdrängt. Lara stellte den Stuhl allerdings vorerst ab, zog statt dem Rock eine Jeans an und flocht sich die Haare zu einem Zopf. Danach nahm sie den Stuhl, stieg aufs Bett, holte weit aus und zerschmetterte mit voller Wucht die Glasdecke.
Sie stellte den Stuhl in den entstandenen Scherbenhaufen, war aber selbst dank des Baldachins über ihrem Bett unverletzt.
Sie hörte eine Sirene aufheulen, stieg aber in aller Ruhe auf den Stuhl und streckte die Hände aus. Nun wäre es ein Leichtes gewesen, sich herauszuziehen und über das Dach zu flüchten, stattdessen biss sie die Zähne zusammen und griff oben auf eine Glasscherbe um ihre Flucht übers Dach vorzutäuschen. Sie spürte, wie ihr das Blut über die Hand rann, griff aber weiter rechts noch einmal zu.
Lara sprang vom Stuhl und blickte nach oben. Ihre Hand hatte zwei blutige Stellen auf dem Glas hinterlassen, als ob sie sich wirklich hochgezogen hätte.
Die Sirene wurde immer lauter und so holte Lara schnell die Leintuchfetzen unter ihrer Matratze hervor, die sie dort vor einiger Zeit versteckt hatte, und wickelte einen davon fest um ihre verletzte Hand. Den anderen band sie um die andere Hand und ging auf den Balkon hinaus. Was sie nicht bemerkt hatte war, dass Blut von ihrer Hand auf den Boden neben dem Bett getropft war.
Sie hörte das Surren des Aufzugs. Hastig kletterte sie über die Balustrade und unter den Balkon. An dessen Boden krallte sie sich fest und suchte mit ihren Füßen an der senkrechten Wand sicheren Halt. So blieb sie hängen und wartete auf die folgenden Ereignisse.
