Die Anhörung

„Wieso sind wir hier?" fragte Harry mit leiser Stimme, als das Haus des Ligusterwegs Nummer 4 vor ihnen auftauchte. Eine Gänsehaut lief Harry über den Rücken und er rückte unbewusst näher an Severus heran.

Severus legte einen Arm um Harrys Schultern und erklärte „Wir brauchen Petunia Durselys Unterschrift für die Muggel Adoptionspapiere. Keine Sorge, dein Onkel ist nicht da."

Doch das tröstete Harry nur wenig. Selbst Tante Petunias Blick, mit dem sie immer den Jungen bedachte, tat Harry tief im Herzen weh.

Severus seufzte tief, als Harry bei ihm Schutz suchte, sobald sie vor der Eingangstür zum Ligusterweg Nummer 4 standen. „Bereit?" fragte er.

Harry nickte zögerlich, dennoch zitterte er am ganzen Körper. Severus drückte Harry kurz, ehe er schließlich klingelte. Es dauerte eine Weile, aber dann ging die Tür auf und Petunia Durselys Gesicht kam zum Vorschein.

Sie war von Albus schon vorgewarnt worden und konnte sich mit Müh und Not jegliche Grimassen verkneifen. Etwas steif und mit aufgesetztem freundlichen Lächeln ließ sie die beiden eintreten und führte sie ins Wohnzimmer.

Severus kam gleich zur Sache und legte Lilys Schwester die Adoptionspapiere hin. Petunia las alles sorgfältig durch, dann sah sie hoch und fixierte Harry mit einem beinahe fürsorglichen Blick. „Du bist dir sicher, dass du das möchtest?"

Harry sah seine Tante mit großen Augen überrascht an. „Ähm… ja", sagte er schließlich verwirrt.

„Na ja es ist eine wichtige Entscheidung, die du hier triffst. Sie wird dein Leben verändern. Ich will nur sicher gehen, dass du es dir genau überlegt hast", erklärte Petunia.

„Ich verstehe nicht. Möchtest du das nicht auch? Mich ein für allemal los werden?" Harry verstand immer noch nicht worauf seine Tante hinaus wollte. Sie hatte sicher einen Hintergedanken, mit ihren Fragen und auch mit ihrem freundlichen Gehabe. Wäre sie magisch gewesen, wäre sie ohne Zweifel in Slytherin gelandet.

„Harry, ich weiß, zwischen uns ist es nicht so gelaufen, wie es hätte sollen. Es tut mir Leid. Natürlich respektiere ich deinen Wunsch, und wenn du zu Professor Snape gehen möchtest, dann werde ich dir auch nicht im Weg stehen."

Harry schüttelte immer noch verwirrt den Kopf. Hatte Severus sie mit einem Fluch belegt? Doch ein Seitenblick zu dem Mann zeigte ihm, dass Severus ebenfalls ziemlich verwirrt von Petunias Verhalten war.

Als Petunia schließlich unterschrieben hatte, reichte sie die Papiere zurück und fragte dann etwas nervös. „Ich… ähm… ich weiß, wir nicht sehr fair zu dir gewesen und na ja… wir haben das Geld, das wir für dich bekommen haben, nicht zu deinen Gunsten verwendet, aber ich hoffe du kannst von einer Anzeige absehen. Weißt du, jetzt wo Vernon nicht mehr hier ist, habe ich nicht viel was ich geben kann. Ich muss jetzt arbeiten gehen, um Dudleys Schule bezahlen zu können. Ich müsste das Haus verkaufen und umziehen und... na ja…"

„Hören Sie schon auf, Sie verlogenes Weib", zischte Severus plötzlich gefährlich, der offensichtlich schneller als Harry begriff, was für ein Spiel Petunia versuchte hier abzuziehen. „Harry hat jegliches Recht dazu, jeden Penny, den ihr für seine Versorgung bekommen habt, zurück zu fordern. Es ist ja offensichtlich, dass das Geld für alles, nur nicht für Harry verwendet worden ist. Sie können froh sein, dass sie noch auf freiem Fuß sind. Ich bin sicher Harry könnte, wenn er wollte, dafür sorgen, dass sie ihren Mann hinter Gittern Gesellschaft leisten."

Harrys Herz krampfet sich schmerzhaft zusammen, als er auch schließlich verstand, warum seine Tante auf einmal so freundlich tat. War er echt so naiv gewesen zu glauben, dass Petunia ihn vielleicht doch ein kleines bisschen vermissen würde? Ihn, den Freak, den keiner liebte?

Tränen stiegen ihm in die Augen, als er einen weiteren Stich in seinem Herzen spürte. „Du kannst das blöde Geld behalten. Erstick doch daran!" mit diesen Worten stürmte Harry aus den Raum, aus dem Haus und weiter die Straße herunter.

Er hatte gar nicht mitbekommen, dass Severus ihm gefolgt war, doch sobald er stehen blieb, waren da zwei starke Arme, die den Jungen in eine Umarmung zogen. Harry ließ bittere Schluchzer los und konnte sich nicht mehr fangen. Severus sah sich kurz um, und als er sah, dass niemand sie beobachtete, apparierte er sich und Harry weg.

-oxo-

Harry saß vor dem feuerlosen Kamin auf dem Sofa in Severus Privaträumen und starrte ins Leere. Er hatte seit ihrem Besuch im Ligusterweg noch kein einziges Wort geredet. Severus saß im Lehnstuhl und blickte zu Harry, doch auch seine Gedanken waren sehr weit weg.

Er ging im Geiste alle möglichen und unmöglichen Flüche durch, die er dieser Frau gerne an den Hals jagen würde. Leider waren ihm die Arme gebunden. Jeglicher „Fehltritt" könnte ihm bei der Anhörung zum Verhängnis werden und das durfte einfach nicht passieren. Harry brauchte ihn. Er wollte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn sie ihm Harry wegnehmen würden. Es würde den Jungen zerstören.

„Du magst mich doch, oder?" fragte Harry plötzlich mit kleinlauter Stimme.

„Was? Natürlich! Harry, ich liebe dich, wie einen Sohn. Wozu denkst du mach ich das alles? Ich kämpfe für dich, weil ich mir nicht mehr vorstellen kann, ohne dich zu leben. Ich liebe dich!"

Diese Worte brachten neue Tränen in Harrys Augen. „Aber warum…?" brachte Harry mit Müh und Not heraus.

„Weil du ein einzigartiges, liebenswürdiges Kind bist. Du hast das alles nicht verdient, was dir in deinen Leben widerfahren ist. Deine Mutter hat dich über alles geliebt und sie würde entsetzt sein darüber, wie ihre eigene Schwester dich behandelt hat. Ich möchte dir wenigstens ein bisschen Liebe wieder geben. Ich weiß ich werde die vergangenen Jahre nicht ungeschehen machen können, aber ich will dir zeigen, dass auch du es verdienst, dass sich jemand um dich kümmert, dass auch du das Recht hast, geliebt zu werden."

Harry wischte sich ärgerlich mit dem Ärmel über die immer nachdrängenden Tränen. „Aber wieso… die Durselys… ich hab doch nie etwas gemacht, dass…" Harrys Stimme versagte erneut.

„Ich weiß nicht, warum die Dursleys dich so furchtbar behandelt haben. Ich kann nur immer wieder erneut betonen, dass sie in Unrecht waren. Was auch immer sie dir eingeredet haben, war eine Lüge. Du bist nicht anders, als die anderen Kinder. Du hast dieselben Bedürfnisse und dieselben Rechte."

„Sie haben mich einfach gehasst", sagte Harry schließlich niedergeschlagen.

„Ja", mehr konnte Severus dazu auch nicht sagen.

„Aber du liebst mich?"

„Ja", bestätigte Severus erneut.

Harry schloss kurz die Augen und ließ die Worte auf ihn ein wirken, ehe er erneut fragte: „Ich bin ganz normal?"

„Ja, das bist du, Harry."

„Und du liebst mich."

„Ja, Harry. Ich liebe dich."

„Ich… ich liebe dich auch!" sagte Harry und stand schließlich auf. Etwas unsicher ging er auf Severus zu, doch dieser öffnete seine Arme sofort und ohne lange nach zu denken, ließ sich Harry in Severus Arme ziehen.

„Die Dursleys hatten Unrecht!" sagte Harry schließlich, als wenn er es zum ersten Mal tatsächlich glauben würde. „Du liebst mich. Somit hatten die Dursleys Unrecht!"

„So ist es!"

„Ich danke dir", flüsterte Harry und schloss die Augen. Er war derart emotional ausgesaugt, dass er sofort einschlief. Nur halb bekam er noch Severus Worte mit, die sagten, „Nein, ich danke dir!"

Severus hatte nicht mit so einem Zusammenbruch seitens Harrys gerechnet, aber er hatte das Gefühl, mit Harry einen großen Schritt vorwärts gemacht zu haben. Der Junge hatte zwar schon in Spanien gelernt, dass Severus ihn liebte, aber so wirklich verinnerlicht hatte er es offensichtlich noch nicht gehabt.

-oxoXoxo-

„Hallo Harry und Severus. Wie geht es euch?" begrüßte Arthur Weasley die beiden, als sie im Ministerium angekommen waren.

Harry nickte nur nervös, doch Severus antwortete, „Den Umständen entsprechend. Ich gehe davon aus, dass Sie unsere Eskorte sind?"

„Das auch, aber ich bin in erste Linie euer Freund, Severus. Du kannst ruhig per du sein mit mir."

„Ich halte es im Moment nicht für angemessen!" erwiderte Severus schlicht.

Arthur nickte darauf nur mit dem Kopf. Es wusste, dass Severus ebenfalls nervös war, also ging er auch nicht weiter darauf ein, sondern erklärte: „Madam Bones hat mich gebeten auf Harry aufzupassen, während der Anhörung."

„Ich sitze nicht bei Severus?" fragte Harry geschockt.

„Nein, Harry. Die Anhörung betrifft in erster Linie Severus, du sitzt mit mir bei den anderen Zuhörern."

Panisch sah Harry zu Severus hoch. „Ich mag nicht weg von dir!"

Severus seufzte und legte Harry eine Hand auf die Schulter. „Ich weiß, Harry. Ich möchte das auch nicht. Aber wir müssen uns an die Regel halten, wenn wir erfolgreich sein wollen. Sei stark, okay. Hast du deinen Anhänger mit?"

Harrys Hand glitt automatisch zu dem Smaragdanhänger, den er von Severus bekommen hatte. „Ja, hab ich!"

„Dann sind wir uns auch quer durch den Raum ganz nahe!"

Harry nickte und ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Wer wird mich vertreten?" fragte Severus schließlich wieder an Arthur gewandt.

„Kingsley Shacklebolt! Albus wollte, aber Kingsley und auch Madam Bones ihm haben davon abgeraten. Minsister Fudge und Albus sind im Moment nicht gut auf einander zu sprechen. Madam Bones hat Kingsley vorgeschlagen. Ich denke, er ist der Beste, den ihr hättet kriegen können. Er weiß was er tut und er steht voll hinter euch."

Severus nickte zustimmend. Shackelbolt war eine gute Idee.

„Hier sind wir. Harry, du kommst mit mir. Severus wird dann hinein gerufen."

Harry atmete tief durch, dann umarmte er Severus noch schnell, ehe er sich von Arthur in den Saal führen ließ. Das leise Stimmengewirr verstummte schlagartig, als Harry eintrat. Harrys Herz pochte wild in seiner Brust. Doch er versuchte sich nichts anmerken zu lassen, und ging so ruhig, wie er nur konnte, hinter Arthur her.

Sie nahmen in den Zuhörerreihen Platz und Arthur erklärte Harry im Flüsterton, wer aller Wichtiges im Raum war. Harry erkannte Madam Bones sofort.

„Das dort ganz links ist Elphias Doge. Er ist ein guter Freund von Albus und ein Berater des Zaubergarmots, das höchste Gericht in der Zaubererwelt", erklärte Arthur und deutete auf einen älteren Mann mit silbernen Haaren. Er zählte noch weitere Leute auf und schließlich blieb Harrys Blick bei einer Frau hängen, die direkt neben Minister Cornelius Fudge saß und komplett in rosa gekleidet war.

„Wer ist das?" fragte Harry leise.

Arthurs Gesicht verdüsterte sich, „Dolores Jane Umbridge, erster Untersekretärin des Ministers. Sie ist ein Biest. Sei gewarnt, sie wird sich über Severus hermachen, als wenn er ein Schwerverbrecher wäre."

Harry nickte tapfer, obwohl seine Augen kurz panisch aufleuchteten. Arthur sah Harry plötzlich besorgt an, „Sag Harry, du weißt von Severus Vergangenheit, oder?"

Harry nickte schnell. „Severus hat mir alles erzählt. Er hat mir auch erklärt, warum machen glauben, dass er ein… ein… wie war das Wort? Irgendwas mit Tod?"

„Todesser", half Arthur aus, „Ja, Severus war früher ein Todesser und obwohl er damals freigesprochen wurde, da er zu gegebener Zeit als Spion für Albus gearbeitete hat, gibt es immer noch welche, die ihn für einen Todesser halten. Umbridge wird dieses Thema ohne Zweifel aufrollen."

Arthur sollte Recht behalten. Sobald Severus hinein gerufen wurde, ging die Anhörung genau mit diesem Thema los. Doch Kingsley Shacklebolt war für diese Anschuldigungen bestens vorbereitet und konnte jeden Vorwurf in diese Richtung abschmettern. Zähneknirschend nahm Umbridge wieder Platz, als sie sich geschlagen geben musste.

Anschließend ging es über zum Thema, ob Severus als Harrys Vormund geeignet war, oder nicht. Harry merkte, dass sie Severus einen Strick daraus drehen wollten, dass er es zugelassen hatte, dass Albus Harry wieder zurück zu den Dursleys geschickt hatte. Eine Zeit lang sah es gar nicht gut aus, doch dann fragte Madam Bones plötzlich.

„Stimmt es, Professor Snape, dass Sie selbst adoptiert wurden, und dass von niemand geringeren als José Garcia Lopez, der meinen Unterlagen zu Folge ein Nachfahre des alten und noblen Hauses Oritells ist?"

Auf diese Frage wurde es schlagartig still im Saal. „Oritell?" fragte der Minister ungläubig nach.

„Ja, Minister, ich sagte Oritell."

„Ich dachte, die gäbe es nicht mehr."

„Es gibt sie, verstreut in aller Herren Ländern. Aber sie lenken vom Thema ab Minister. Nun, Professor Snape?"

Damit wandte sich Madam Bones wieder an Severus und dieser bestätigte, „Das ist richtig."

„Kennen Sie noch mehr aus dem Hause Oritells?" fragte nun der Minister, der es immer noch nicht so recht glauben wollte. Wie konnte so ein Niemand, wie Snape ausgerechnet Freunde aus jenem Hause haben, das in der Zauberergesellschaft ein so hohes Ansehen genossen? Er konnte sich doch unmöglich mit den Oritells anlegen, oder?

„In der Tat, Minister."

„Eine Frau Namens Carolina Cortez, ist das richtig?", fragte Madam Bones erneut, „Ihre Großmutter war die letzte, die den Namen Oritell tatsächlich noch getragen hat."

„Das ist richtig", bestätigte Severus erneut. Er hatte nicht gedacht, dass ein paar Namen die ganze Anhörung in ein neues Licht tauchen würde, aber sie taten es. Severus sah wie der Minister plötzlich nervös wurde und zu schwitzen anfing. Ob José gewusst hatte, was für eine Auswirkung alleine sein Name in Severus Lebenslauf haben würde?

„Gut, bevor wir nun zu einer Abstimmung kommen, denke ich sollten wir auch Harry Potter das Recht einräumen zu dieser Anhörung Stellung zu nehmen. Mr. Potter, würden Sie bitte vortreten?" fragte Madam Bones.

Harry sah etwas erschrocken drein, aber er ging nach vorne und versuchte erneut seine Nervosität zu verstecken. „Madam Bones. Minister Fudge", begrüßte er die beiden Hauptsprecher der Anhörung.

„Mister Potter, uns würde interessieren, wie Sie zu Professor Snape stehen und ich hätte einige Fragen an dich", sagte Madame Bones.

„Okay."

„Stimmt es, dass es Schwierigkeiten in der Zustellung Ihres Schulbriefes gab?" fragte plötzlich Dolores Umbridge, bevor Madam Bones zu Wort kam.

„Erm… ja."

„Erzählen Sie. Was war das Problem?"

„Mein Onkel hat die Briefe abgefangen und sie mir nicht weiter gegeben. Er wollte nicht, dass ich auf eine Zaubererschule gehe."

„Ist das so? Und was hat Ihre Tante da gemacht? Hatte sie nicht Professor Snape zu Ihrem Paten gemacht, damit sie sich nicht mit der Magischen Welt auseinander setzten mussten? Wo war Professor Snape zu diesen Zeitpunkt?"

Harry schluckte nervös. Doch zum Glück, hatten Severus, Albus, und Madam Bones mit ihm schon einen Antwortenplan ausgearbeitet und es war ein Glück, dass das Datum, an dem die Patenschaft ausgestellt wurde, nach dem Tag lag, an dem Harry in der Winkelgasse war. „Sie hat Professor Snape gebeten mein Pate zu werden, nachdem Hagrid mich mit zur Winkelgasse mitgenommen hatte. Sie hatten Angst davor, dass Hagrid erneut bei ihnen vorbei kommen würde."

Die Antwort war derart einleuchtend, dass Dolores kurz die Worte fehlten, doch dann bohrte sie weiter, „Wann haben Sie dann erfahren, dass Professor Snape Ihr Pate ist?"

„In meiner ersten Woche in Hogwarts. Ich hatte Strafarbeit bei Professor Snape und da hat er mich dann darüber in Kenntnis gesetzt."

„Wie kam es zu dieser Strafarbeit?" fragte Umbridge weiter und ihre Augen fingen an komisch zu leuchten.

„Einspruch!" sagte Shackelbolt plötzlich. „Fehlverhalten im Unterricht steht hier nicht zur Diskussion."

„Stattgegeben!" sagte Madam Bones und gab Umbridge einen prüfenden Blick.

„Ich ziehe die Frage zurück", sagte sie und knirschte erneut mit den Zähnen, doch dann wandte sie sich wieder an Harry, „Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie erfahren haben, dass Professor Snape Ihr Pate ist? Gerüchten zu Folge ist Professor Snape nicht sehr beliebt bei den Schülern außerhalb seines Hauses. Es kam mir auch zu Ohren, dass Professor Snape Sie im Unterricht nicht gerade fair behandelt hat."

„Professor Snape ist ein strenger Lehrer und das Fach, das er unterrichtet ist gefährlich, wenn man nicht genau aufpasst. Aber ich konnte nachdem Unterricht immer mit ihm reden und er ist ein guter Zuhörer. Er hat mir sogar meinen ersten Zauberspruch beigebracht", sagte Harry mit einem leisen Lächeln als er sich daran zurück erinnerte.

„Und welcher war das?" fragte nun Madam Bones.

„Lumos. Ich mag die Dunkelheit nicht besonders und Professor Snape, hat mir den Lumos Sprich beigebracht damit ich immer ein Licht bei mir habe."

Ein paar Ohhs und Ahhs machten die Runde, ehe es wieder still wurde, denn niemand wollte auch nur ein Wort missen, das Harry Potter von sich gab.

Die Fragen gingen eine Weile in die Richtung. Dolores Umbridge war in erster Linie daran interessiert, wie Severus Harry bestraft hat, wenn er was angestellt hatte, war aber enttäuscht nichts Handfestes zu bekommen, dass sie gegen Severus verwenden konnte.

Schließlich fragte sie, „Wie haben Sie sich gefühlt, dass Professor Snape es zugelassen hatte, dass Sie zurück zu den Dursleys geschickt wurden?"

„Es war nicht Professor Snapes Entscheidung", verteidigte sich Harry sofort.

„Oh doch, Schätzchen!" sagte Umbridge mit gespielten Mitgefühl. „Als Ihr Pate ist er mitverantwortlich für Ihr Wohlergehen. Es wäre seine Pflicht gewesen Sie zu schützen. Wir alle wissen, dass er eine alternative Unterbringen für Sie hatte, immer hin ward ihr für den Rest des Sommers wie vom Erdboden verschwunden."

„Professor Snape und Professor Dumbledore hatten mit den Durselys eine Abmachung getroffen in der Hoffnung, den Blutschutz erhalten zu können, der mich von Angriffen von Todessern schützen sollte. Als Professor Snape gemerkt hatte, dass sich die Durselys nicht an diese Abmachung hielten, ist er eingeschritten und hat mich von dort weggeholt."

„Wie edel. Doch frage ich mich, welche Todesser? Du-weißt-schon-wer ist schon seit langer Zeit tot und die Todesser sind in Askaban. Wer soll da bitte hinter Ihnen her sein?" erneut tauchte das gefährliche Leuchten in Umbridge Augen auf.

„Er ist nicht tot. Er ist noch hier und er versucht wieder einen Körper zu bekommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann er wieder aufersteht", sagte Harry und man konnte einige erschrocken nach Luft schnappen hören.

Umbridge dagegen lächelte immer breiter, „Oh Schätzchen, hat man Ihren das etwa eingeredet? Das war eine Lüge. Natürlich ist er tot."

Harry wurde wütend, wie konnte jemand, der im Ministerium saß, derart naiv sein? „Es ist keine Lüge! Ich habe ihn selber gesehen. Letztes Jahr hatte er sich in Professor Quirrells Hinterkopf eingenistet. Er hat versucht mit dessen Hilfe den Stein der Weisen zu stehlen!"

Ein weiteres Raunen ging durch die Menge.

„Sie behaupten allen Ernstes, Sie hätten du-weißt-schon-wen tatsächlich gesehen?" fragte Dolores unbeirrt weiter.

Harry unterdrückte das Bedürfnis sich die Hand vors Gesicht zu schlagen. „Ich habe sein Gesicht gesehen, als es aus Professor Quirrells Hinterkopf mich angestarrt hat und zuvor hatte ich ihn als körperloses Wesen gesehen, als er Blut von einen Einhorn getrunken hat."

„Das klingt alles ein bisschen sehr weit hergeholt, finden Sie nicht, Mr. Potter? Woher wollen Sie wissen, dass es Du-weißt-schon-wer war?" fragte nun der Minister selber.

„Ich spüre ein Prickeln in der Narbe, wenn er in der Nähe ist."

Erneut wurde es schlagartig still. Der Retter der Zaubererwelt, konnte spüren wenn Du-weißt-schon-wer in der Nähe war? Das warf wieder neue völlig andere Frage auf, doch bevor irgendjemand in diese Richtung weiter gehen konnte, unterbrach Madam Bones die Stille.

„So faszinierend diese Tatsache auch sein mag, sie lenkt erneut vom Thema ab. Mr. Potter, denken Sie Professor Snape würde die Aufgabe, als Ihr Vormund in Ihrem Interesse erfüllen können?"

„Ich denke ja", sagte Harry mit einem Lächeln, „Er hat diese Aufgabe in den letzten Wochen bestens erfüllt und ich möchte gerne bei ihm bleiben. Er ist bereits wie ein Vater für mich."

„Dann denke ich, ist es an der Zeit sich zur Beratung zurück zu ziehen. Die Entscheidung wird in einer Stunde bekannt gegeben."

-xoxox-

Es wurde zur längsten Stunde in Harrys Leben. Severus ging mit dem Jungen in die Kantine des Ministeriums, aber Harry war viel zu aufgeregt, um etwas zu Essen, daher bestellte sie sich nur einen Tee.

„Was denkst du, wie die Entscheidung ausfällt?" fragte Harry.

„Egal wie sie ausfällt, ich werde weiter auf dich aufpassen, das verspreche ich dir!" sagte Severus und drückte Harrys Hand.

„Aber ich könnte den Sommer nicht mehr mit dir verbringen", jammerte Harry.

„Lass uns einmal hören, wie die Entscheidung ausfällt okay, und dann können wir immer noch überlegen wie es weiter geht. Wir haben ein ganzes Schuljahr vor uns, um Pläne zu schmieden.

Harry lächelte schwach. „Okay"

„Harry!" rief plötzlich eine Stimme von hinten.

Harry schnellte herum und traute seinen Augen nicht, „Lin? Was machst du denn da?"

Das Mädchen kam frech grinsend angerannt. „Dich seelisch unterstützen natürlich! Mum ist auch da."

„Hallo Harry, hallo Severus!" begrüßte Carolina kurz darauf die beiden verwunderten Männer.

„Caro. Wieso seid Ihr hier?" fragte Severus völlig überrascht und Carolina zog ein beleidigtes Gesicht, „Wie wäre es mit einem ‚schön dich zu sehen'? Du freust dich doch, oder?"

„Ja, natürlich. Ich bin nur etwas überrascht. Wart ihr bei der Anhörung dabei?"

„Das waren wir, wir sind ganz hinten gesessen. José ist auch hier irgendwo. Er ist aber plötzlich verschwunden. Na ja, er wird schon wieder auftauchen."

Harry grinste Lin an, „Ich fass es nicht, dass du hier bist. Hier in England."

„Mum hat sofort einen Flug gebucht nachdem ihr weg ward. Wir wohnen in einem Hotel in London. Die Stadt ist toll, vielleicht magst du und Severus morgen-"

„Lin!" unterbrach Caro ihre Tochter, „Erinnere dich was wir im Hotel besprochen haben. Severus und Harry brauchen sicher Zeit für sich."

„Wie lange habt ihr vor hier zu bleiben?" fragte Severus.

„Eine Woche", sagte Carolina, „Wir sind im The Stafford London, in der Master Suite eins im Haupthaus. Die Suite ist mit dem Flohnetzwerk verbunden, allerdings nur für Gespräche. Wenn ihr ins Hotel kommen wollt, müsst ihr den Kamin in der Lobby nehmen. Die Kamin Adresse fürs Zimmer ist ‚The Stafford London Master Suite one' und für die Lobby einfach ‚The Stafford London Lobby'. Ich denke das ist leicht zu merken."

„Und José?"

„Wohnt auch dort. Er hat die Master Suite zwei."

-xoxox-

„Harry, Severus? Es geht weiter", sagte Arthur, als er ebenfalls die Kantine betrat. Severus nickte und stellte dann Caro und Lin vor. Arthur begrüßte sie herzlich und schließlich gingen sie zurück zum Anhörungsraum.

Lin und Carolina nahmen wieder ganz hinten Platz und winkten Harry kurz zu, als dieser sich zu ihnen umdrehte.

„Wir sind zu folgenden Entschluss gekommen", begann Madam Bones und räusperte sich. Das Gemurmel verstummte schlagartig.

„Der Vorwurf, dass Professor Severus Tobias Snape Todesseraktivitäten nachgeht und eine Gefahr für Harry Potter darstellt, wurde abgewiesen. Das Sorgerecht für Harry James Potter wird somit laut unserem Beschluss vertrauensvoll in die Hand von Professor Severus Snape gelegt."

Jubelgeschrei ertönte von allen Seiten des Saales.

„Ruhe, Bitte, Ruhe! Severus Snape wird somit das Recht eingeräumt Harry Potter zu adoptieren, sofern es sein Wunsch ist. Danke und noch einen schönen Tag!" damit erhob sich Madam Bones und die Anhörung war zu Ende.

Harry lief zu Severus und umarmte ihn so fest er nur konnte. „Wir haben es geschafft!" flüsterte er, während sich schon die ersten Tränen lösten.

„Ja, mein Sohn, wir haben es geschafft."