25. House
Sie wachte auf, und konnte gar nicht glauben, wie tief sie geschlafen hatte. Der Regen hatte aufgehört. Die Sonne zeigte durch die vorbeiziehenden Wolken ab und zu ihr scheues Gesicht. Die geflochtene Decke lag über ihr, aber sie lag alleine unter dem Vorsprung. Er war nicht da. Skills und Violet tobten über die Wiese und wirkten doch noch ziemlich jung.
Die Affen verschwanden aus ihrem Sichtfeld, und sie atmete aus.
Sie überlegte, ob es alles ein Traum gewesen war, aber als sie sich langsam bewegte, merkte sie, wie wund sie war. Wie hart der Sex gewesen war. Sogar ihr Rücken schmerzte.
Sie glaubte, es war der beste Sex ihres Lebens gewesen, und sie wusste schon jetzt, dass sie einen großen Fehler begangen hatte. Zwar hatte sie sich gestern nicht geschämt, hatte es sich nicht erlaubt, aber heute hatte ihr Gewissen genug Zeit, darüber nachzudenken. Zuerst hatte sie geglaubt, es wäre ein Traum gewesen, dass er sie weckte, dass er sie wirklich küsste, weil sie tatsächlich auch von ihm geträumt hatte, aber… sehr schnell hatte sie gemerkt, dass es kein Traum gewesen war, dass er sie tatsächlich berührte, und wahrscheinlich hätte sie etwas mehr protestieren können.
Nur… hatte sie das gar nicht gewollt. Nein, sie hatte es so dringend gebraucht, wie er es sich auch genommen hatte. Und war das nicht krank?
Und sie war sich nicht mal sicher, was es wirklich war. Insel-Koller? Vielleicht. Vielleicht war es, dass sie sich stritten, und dass die ganze Wut sich irgendwann in etwas anderes wandelte?
Immerhin hatten sie nun fast einen Tag nicht mehr miteinander gesprochen. Und sie musste zugeben, es funktionierte besser, als wenn sie sprachen. Wenn man denn glaubte, Sex wäre die bessere Alternative, als immer zu streiten.
Sie nutzte die Gelegenheit und erhob sich eilig, zog sich schleunigst an, denn sie wollte weder von den Affen betrachtet werden, noch von ihm. Wo auch immer er gerade war.
Und dann war sie hin und her gerissen. Sollte sie sich beleidigt fühlen, weil er nicht neben ihr lag? Wollte sie, dass er sie fragte, was es bedeutete, wie es jetzt weiterging? Wollte sie überhaupt darüber reden?
Da sie schon bereits wusste, was eigentlich immer passierte, wenn sie sprachen, wusste sie die Antwort quasi schon. Sie seufzte auf.
Und sie glaubte auch zu wissen, dass er garantiert nicht der Typ Mann war, der sich verständnisvoll neben sie setzen würde, sie fragte, wie es ihr ging – und sie war sich ziemlich sicher, dass er sich nicht einmal entschuldigen würde!
Wobei sie allerdings auch glaubte, dass sie sich dumm fühlen würde, würde er sich entschuldigen, denn es war nicht so, als hätte er sie gezwungen.
Sie glaubte, sich zu erinnern, ihm sehr schnell deutlich gemacht zu haben, dass sie von ihm genommen werden wollte. Röte stieg in ihre Wangen.
Merlin, sie mussten diesen verdammten Baum finden, damit sie einen Zauberstab bauen und sich mit einem besonders starken Vergessenszauber belegen konnte.
Guter Plan.
Etwas unschlüssig stand sie unter dem Vorsprung. Sie musste sich nicht bücken, ihr Kopf stieß nicht gegen den Fels. Sie wollte nach Hause. Zwar wollte sie jeden Tag nach Hause, aber heute… hatte sie großes Heimweh.
Im Licht des Tages, kam sie sich selber widerlich vor. Und es lag teilweise daran, dass sie selber Besseres von sich erwartet hatte, aber es lag zu einem überwiegenden Großteil an ihm, denn sie wusste, wie er sie nannte. Und dass er nicht einmal den Anstand besaß, jetzt gerade bei ihr zu sein, damit sie sich peinlich berührt anschweigen konnten – oder wusste Merlin, was! Es waren solche Kleinigkeiten, die sie gerade wirklich störten.
Und ausgerechnet heute kamen ihr die verworrenen Worte ihrer Mutter in den Sinn, dass eine Frau sich niemals unter Wert verkaufen sollte, dass sie niemals jemand anderen, als einen Gentleman in Erwägung ziehen sollte, und dass die Frauen, die sich mit weniger zufrieden gaben – ja, die sich sogar mit Absicht schlecht behandeln ließen, große Probleme hatten.
Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie an solche Weisheiten ihrer Mutter denken musste. Sie hatte keinerlei Erfahrungen mit Männern. Viktor Krum und Ron füllten ihre sehr kurze Liste, und Krum hatte sie lediglich geküsst. Mit Ron hatte sie geschlafen. Ron war der einzige Mann gewesen, der sie nackt gesehen hatte, der sie Höhepunkte hatte spüren lassen, und die sehr bittere, sehr falsche Tatsache war die, dass alle Nächte mit Ron im Vergleich zu der gestrigen verblassten.
Niemals hätte sie glauben können, jemanden haben zu müssen! So dringend, als wäre es das einzig wichtige auf der Welt. So hart und so brutal, weil allein sein zorniger, ungeduldiger Blick sie praktisch kommen ließ. Sie biss sich auf die Unterlippe.
Und Malfoy war kein Gentleman. Ein neuer Schwall Hitze stieg in ihre Wangen. Nein, definitiv nicht. Merlin, sie hatte seinen Penis angefasst, und –
„-hey", schreckte seine Stimme sie sehr plötzlich aus ihren Gedanken, und sie fuhr zusammen, sprang praktisch zurück, und ihr Herz jagte.
„Großer Gott!", entfuhr es ihr unter ungleichmäßigen Atemzügen. Sie hatte ihn absolut nicht kommen hören. Er runzelte die Stirn über ihre Schreckhaftigkeit, bevor sein stechender Blick sie durchbohrte.
Und jetzt hatte sie genau zwei Sekunden Zeit, sich zu entscheiden, wie sie diese Sache angehen-
„-kannst du dir vielleicht einmal ein verdammtes Shirt überziehen, Malfoy? Merlin!", knurrte sie zornig und marschierte an ihm vorbei, um ihr heißes Gesicht im See zu kühlen. Und… sie hatte also die Entscheidung getroffen, nicht darüber zu reden, ging ihr dumpf auf, als sie ihn einfach stehen ließ.
Aber wie sollte sie mit ihm reden, wenn er oben ohne vor ihr stand?! Wie sollte sie erwachsen und rational darüber reden, wenn diese Anspannung zwischen ihnen nie aufhörte? Wie sollte sie reflektieren, was für ein immenser Fehler es war, wenn allein die Aussicht auf seinen Körper, ein verdammtes Schwächegefühl in ihre Beine schickte?!
Aber bereits als sie heute Morgen die Augen aufgeschlagen hatte, hatte sie gewusst, dass es keine einfache Konsequenz geben würde, wenn sie ehrlich war. Wenn sie wirklich ehrlich war, hatte sie das schon gestern Nacht gewusst, als seine Lippen ihre berührt hatten.
Es gab keine Einheitslösung in zwei Sätzen, kein Protokoll für solche Anlässe. Sie konnten nicht Hände schütteln, so tun, als wäre nichts gewesen und freundlich miteinander umgehen. Höflich und distanziert waren sie ohnehin nie miteinander umgegangen, und sie sah keinen Silberstreifen am Horizont ihrer misslichen Lage.
Außer natürlich den Vergessenszauber.
Aber sie handelte von jetzt an nach dem Prinzip, dass das, was auf der Insel passierte, auch auf der Insel blieb. Und sie hoffte, er sah das genauso. Denn mit dieser Geschichte wollte sie nicht hausieren gehen, immer davon ausgegangen, sie würden nach Hause kommen.
Und für diese Situationen gab es noch eine Handvoll Sprichwörter, die sie aufheitern könnten – einmal ist keinmal! Aus Fehlern wird man klug! Scherben bringen Glück! All sowas ging ihr durch den Kopf.
Sie hatte den See erreicht, kniete sich vor das kühle Wasser, benetzte ihre Hände und presste sie sich gegen ihre heißen Wangen.
Zeit, dass sie verschwanden. Wenn sie jetzt den Felsvorsprung sah, würde sie sich nur noch in Grund und Boden schämen….
Sie hatte irgendwo gelesen, dass nur derjenige, der sich aktiv bewegte, seinen Körper fit hielt, auch psychische Probleme überwinden konnte.
Sie hatten ihre Wanderung begonnen, und ihr Gehirn arbeitete. Mit jeder Stunde, die verging, beruhigte sich ihr Verstand. Die Eindrücke überwältigten sie. Hundert Gebirgsketten erstreckten sich vor ihr, und sie erkannte, dass sich einige Wälder zwischen den Felsen abmalten. Sie näherten sich ihrem Ziel. Dort irgendwo musste der Baum sein.
Sie versuchte, sich zu erinnern, wo sie diese Weisheit gelesen hatte, und fast wünschte sie sich verzweifelt, nur ein einziges Buch an sich zu tragen. Egal, welches. Wirklich. Auch ein Schulbuch würde sie zu gerne immer wieder lesen. Selbst Gilderoy Lockharts erschwindelte Autobiographie.
Denn die Ablenkung war, was ihr fehlte. Keine Bücher, keine Musik, keine… Spaghetti. Gar nichts. Das einzige, was sie ablenkte, war, weiterzuwandern, und sie wusste, das würden sie auch nicht ewig tun, aber jetzt forderte es ihre gesamte Konzentration.
Sie war sich seiner Nähe seit letzter Nacht anders bewusst. Sie spürte ihn, auch wenn er zwei Meter hinter ihr ging. Alles fühlte sich unangenehmer an. Und seine Blicke waren alles andere als freundlich gewesen. Aber wenn sie nur lange genug gingen, vielleicht hatte sie dann nicht das Bedürfnis, aus ihrer eigenen Haut fliehen zu wollen.
Wenn sie taleinwärts gingen, würden sie in den ersten Wald kommen. Und wahrscheinlich den ersten Affen begegnen. Sie würden sich verstecken, so gut es ging, aber Violet war schon seit ein paar Stunden nervös. Wahrscheinlich witterte sie die anderen Tiere. Hermine hatte keine Ahnung, wie viele Affen tatsächlich hier oben lebten, aber mehr als zwei dürften es sein.
Irgendwann würden sie Unterschlupf suchen müssen. Irgendwann gab es keine Ausreden mehr und keine weiteren Wege zu beschreiten.
Und das erste Mal, hatte sie keine Lust mit ihm zu streiten. Obwohl, Lust hatte sie nie, aber… heute kam es ihr so vor, als hätte sie das erste Mal keine Kraft mehr dazu.
Sie hatte das Gefühl, als verdiene sie es nicht mehr, erhaben zu tun, ihn anzuschreien dafür, ein Arschloch zu sein. Denn sie hatte dieses Arschloch alles mit ihr tun lassen, was er wollte. Sie hatte das Gefühl, als hätte sie jedes mögliche Druckmittel aus der Hand gegeben. Es würde nicht mehr ehrlich wirken, würde sie ihm jetzt vorwerfen, unsensibel und widerlich zu sein. Die Argumente zogen in ihren Augen nicht mehr.
Wieder musste sie auf ihre Schritte achten, als der Weg steiler bergab ging. Die Felsen wurden flacher, wurden abgelöst durch Beete an Weißmoos und Sichelgräsern. Bunte Vögel kreisten über ihnen, und die Natur wurde freundlicher. Es vergingen noch fast zwei schweigsame Stunden, bis sie die ersten hohen Bäume erreichten, die ihnen den Wald ankündigten. Und Hermine fühlte sich nach all den Monaten zwischen Bäumen um einiges wohler, als auf offener Fläche.
Vielleicht würden sie ein Einhorn sehen? Aber sie bezweifelte, dass es so einfach war. Sie wunderte sich generell, dass sie nicht längst schon angegriffen worden waren.
Violet schnüffelte nervös, suchte mit den Augen die spärlichen Bäume ab, und wahrscheinlich waren sie dem ersten Nest nahe. Aber Hermine hörte nichts und sah auch nichts Beunruhigendes. Fast war es, als genoss die Insel die unangenehme Stille zwischen ihr und Malfoy. Und sie gingen, weil keiner von ihnen eine Idee hatte, wo sie bleiben sollten. Die Affen konnten Felsen erklimmen, sie konnten auf Bäume klettern – wenn sie sich nicht in der Erde eingraben wollten, dann sah Hermine keine andere Lösung, als mitten im Wald ein riesiges Feuer zu machen und zu hoffen, dass sämtliche Riesenaffen Angst vor Feuer hatten.
Skills war merklich ruhig geworden. Er schien abzuwarten, zu lauschen und ließ die Eindrücke auf sich wirken. Aber Hermine kannte den Affen mittlerweile. Er hatte einen offensiven Charakter. Hätte er Angst, wäre irgendwo eine Gefahr, dann würde er es deutlich zeigen. Also nahm sie an, war alles in Ordnung. Im Moment.
Die Dämmerung brach über die Bäume, die mittlerweile vielzähliger wurden. Und obwohl sie tiefer in den Wald gingen, fühlte sich Hermine automatisch wohler.
Sie – ihre Gedanken rissen ab. Auch Malfoy war abrupt stehengeblieben. Und zuerst glaubte sie, dass sie halluzinierte. Vielleicht stiegen Dämpfe aus dem Moos auf, die den Geist benebelten, aber sie war vollkommen sicher, dass es real war. Ihr Mund öffnete sich. Es war so absurd, dass sie kurz den Kopf schüttelte.
Er wirkte ähnlich überwältigt.
Es war ein Haus. Mitten im Wald. Nicht unbedingt ein echtes Haus, aber… eine Hütte. Es war eine runde –
„Hagrid!", rief Hermine aus, als sie die Hütte erkannte. Es war dieselbe Hütte! Hermine erkannte sie wieder! Fast rannte sie schon, und sie lief die drei Stufen zur Tür empor und zog sie ächzend auf. Es war reiner Instinkt gewesen. Es war ein seltsames Gefühl der Erleichterung, mitten in einem fremden Wald, Hagrids Hütte zu entdecken. Ihr Herz schlug schnell, aber… die Hütte war leer.
Ihre Schultern sanken. Nur für eine Sekunde hatte sie die wilde Hoffnung gehegt, dass… Hagrid hier wäre. Natürlich war es absurd, denn… sie waren mit einem Portschlüssel hier gelandet, und wie sollte Hagrid hier her gekommen sein, aber… was tat die verdammte Hütte hier?!
Es brannte kein Feuer im Kamin, aber… es war Hagrids Hütte. Nur… unbewohnt. Auf dem schmalen Bett, was sie so gut kannte, lagen keine Decken, in den Regalen standen keine Töpfe, auf dem schmierigen Boden lag kein Teppich. Es war wie eine… Rohbau-Version von Hagrids Hütte, ohne Hagrid und ohne… Seele.
Malfoy trat neben sie und spähte in das halbdunkle Zimmer.
„Was macht diese Hütte hier?", sprach er die ersten Worte, seitdem sie aufgebrochen waren, und seine Stimme klang misstrauisch. „Ist das… eine Falle?" Sie war sich nicht mal sicher, ob er mit ihr sprach.
„Was soll das für eine Falle sein?", wollte sie ungläubig wissen, ohne ihn anzusehen.
„Geh in die Mitte. Mal sehen, ob der Boden zu Treibsand wird, oder-"
Sie schoss ihm einen hasserfüllten Blick aus verengten Augen zu, und er unterbrach sich. Aber er hielt ihrem Blick stand, und seine Mundwinkel sanken. „Was? Einer von uns wird testen müssen, ob es eine Falle ist", bemerkte er bitter.
„Und warum genau soll ich das tun?", knurrte sie, und nein, es fiel ihr furchtbar leicht, sich mit ihm zu streiten. Er war so ein Arschloch, dass sie vergaß, sich zu schämen.
„Mir würden einige Gründe einfallen", erwiderte er glatt, hatte den Blick skeptisch gewandt, und sie verdrehte die Augen.
„Schön. Ich hoffe wirklich, der Boden verschwindet und verschlingt mich, damit dieser Albtraum endlich vorbei ist!", giftete sie, betrat die Hütte demonstrativ und blieb in der Mitte stehen. Mit ausgestreckten Armen drehte sie sich um die eigene Achse. Nichts geschah.
„Vielleicht… haben wir sie mitgebracht", sagte er schließlich. Ungläubig sah sie ihn an.
„Wir bringen ein weißes Monster mit und eine Hütte? Was für eine dämliche Kombination soll das sein?", wollte sie unbeeindruckt von ihm wissen, und er betrat die Hütte ebenfalls und inspizierte die Wände und den Kamin. „Wenn wir schon die Wahl haben, Sachen mitzubringen, warum dann nicht ein Dutzend extra Zauberstäbe, Sprengstoff oder meinetwegen Rennbesen?" Aber er antwortete nicht auf ihre Frage.
Aber tatsächlich dachte sie kurz über Besen nach. Sie würde sogar ihre Abneigung gegenüber Besen überwinden, überlegte sie traurig. Sie könnte einfach wegfliegen. Einfach fort von hier. Und sie fragte sich, ob es einfacher wäre, Besen zu bauen als Zauberstäbe. Aber sie wusste, auf Flugbesen lagen komplizierte Zauber, und sie nahm nicht an, dass sie überhaupt so viel Glück haben würden, ein einziges Schweifhaar eines Einhorns zu finden, geschweige denn ein ganzes Büschel, um Besenborsten zu simulieren, wenn es überhaupt so einfach war.
Und fliegen konnte sie auch nicht wirklich.
Und dann klärte sich ihr Blick. „Wir… können hier übernachten, nicht wahr?", entfuhr es ihr plötzlich, und er sah sich knapp um. Sein Blick blieb an dem sehr schmalen Bett hängen.
Und mit einem Mal war es wieder unangenehm. Aber er kommentierte die Schlafsituation nicht weiter, sondern schritt zurück zur Tür, um den Griff zu inspizieren.
„Stabile Fensterläden aus Holz und ein Schloss von Innen", stellte er gedehnt fest. „Ich weiß zwar nicht, warum, aber… ich glaube, wir sind hier richtig", schloss er beinahe verblüfft. Und das konnte sie bestätigen. Es war seltsam. Es war nicht normal. Vieles hier war nicht normal, aber eine Hütte…? Hagrids Hütte? Das war gruselig.
Es knisterte hinter ihnen im Geäst, und sie fuhren herum. Und ein Lächeln erhellte seine Züge, während ein schlankes Reh ein wenig leichtsinnig durch die Bäume streifte. Sie nahm an, es würde heute Reh geben. Und Hermine wollte nicht zusehen, wie er ein armes Reh umbrachte. Sie hatte sich lange Zeit mit den Fischen schwer getan und war auch nie über Fische hinausgekommen.
Er ließ sie stehen, während Skills und Violet vorsichtig die Außenseite der Hütte erkundeten.
Nostalgie erfüllte sie im Innern, und fast konnte sie Hagrids selbstgebackene Steinkekse riechen. Es fehlte an einem Tisch und Stühlen, aber bei Gott, Hermine war nicht wirklich wählerisch.
Sie war wie verzaubert von diesem kleinen Hauch Menschlichkeit in dieser Wildnis. Sie kaute auf ihrer Lippe, denn in den Tiefen ihrer Erinnerung war etwas.
Irgendetwas lag verborgen in ihren Hirnwindungen, aber sie konnte es nicht ganz fassen. Aber das Gespräch mit Malfoy hatte irgendetwas wach gerüttelt, was lange geschlafen hatte. Wenn sie es doch nur… greifen könnte!
Frustriert atmete sie aus. Vielleicht würde sie drauf kommen. Ihr Gehirn vergaß nichts. Aber dann fiel ihr Blick sehnsüchtig auf den Kamin. Sie konnte gar nicht erwarten, ein Feuer zu machen, wie es vorgesehen war… - In einem Kamin!
Der Duft von Wild erfüllte die schmale Hütte, und Hermine aß mit großem Appetit. Es war eine blutige Angelegenheit geworden, und Malfoy hatte das Shirt wechseln müssen. Es war das Shirt, ohne Ärmel, und sie schenkte ihm mit Absicht wenig Aufmerksamkeit. Wieder war Stille über sie gekommen, und sie waren dieses Mal allein. Auf sehr engem Raum.
Skills und Violet waren draußen, fungierten praktisch als Wachhunde, denn die Hütte war viel zu klein für zwei Riesengorillas. Und für Violet hatte Malfoy ein Großteil des Fleisches roh gelassen. Zwar konnte sie selber jagen, aber das hatte sie heute noch nicht, und er hatte behauptet, er wolle nicht das Risiko eingehen, dass sie Gefallen an einem von ihnen fand, weil sie ausgehungert war.
Sie beobachtete ihn lediglich aus den Augenwinkeln. Er hatte die Knie aufgestellt und locker lagen seine Unterarme auf seinen Knien, während seine Finger ineinander verschränkt waren. Und fast konnte sie glauben, er wäre genauso überfordert wie sie, auch wenn er sich diese Dinge nicht anmerken ließ.
Er ließ sich nie etwas anmerken, und sein Pokerface war ein reines Mienenfeld. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte und wann ihr Gespräch explodieren würde.
Und jetzt war es wieder einigermaßen unangenehm. Hermine fand, das lag vor allem an dem schmalen Bett, was beinahe spöttisch neben ihnen stand und sie praktisch anstarrte. Sie sah es aus den Augenwinkeln, und es war mittlerweile dunkel draußen. Irgendwann würden sie schlafen müssen.
Und da Malfoy kein Gentleman war, würde er nicht anbieten, auf dem Boden zu schlafen. Würde er einfach ins Bett gehen, wenn er müde war? Würde er erwarten, dass sie auf dem Boden blieb? Wenn sie ins Bett ging, wäre es dann anmaßend, und… was würde er dann tun?
Gott, sie hasste das.
Er erhob sich schließlich, warf die letzten Überreste des Essens ins Feuer, und die Flammen verschlangen sie gierig, als hätten sie ebenfalls Hunger. Er streckte die Arme weit über den Kopf, und sie sah, auch sein Blick fiel abwesend auf das Bett.
Sie blickte demonstrativ auf den dunklen Holzboden, der ihr so gut in Erinnerung war, und es war… - sie konnte es gar nicht beschreiben, wie es sich anfühlte. Ein wenig falsch, dachte sie überrascht. Sie hatte solange nicht mehr in einem umschlossenen Raum gesessen, dass es sich komisch anfühlte. Fast fühlte sie sich klaustrophobisch und… eingesperrt. Aber an die angenehme Wärme hatte sie sich schnell gewöhnt. Sie seufzte schließlich. Es war alles furchtbar. In jeder Stille hingen die unausgesprochenen Worte, die so viel schwerer wogen, als jede sinnlose Unterhaltung, die sie führten. Und sie unterhielten sich nicht mal. Es waren bloß leere Wortfetzen, ohne Sinn. Es waren nur die Anfänge eines Streits.
Sie wünschte sich, sie könnte irgendwen fragen, was sie jetzt zu tun hatte. Was sie jetzt zu sagen hatte, denn die dummen Weisheiten ihrer Mutter halfen ihr kein Stück! Sie dachte an Ginny, zum ersten Mal seit langem. Sie vermisste eine Freundin. Sie wusste, sie ließ sich wenig anmerken. Sie verhielt sich kalt und unnahbar, sie zeigte keine Angst mehr, aber… jetzt gerade war sie starr vor Furcht.
Sie brauchte jemanden, der ihr sagte, dass die Welt nicht unterging, weil sie mit einem Todesser-Arschloch geschlafen hatte.
Sie brauchte das bisschen Perspektive, was sie sich niemals selber zeigen konnte, denn sie war befangen. Sie wusste nicht, ob die Welt vielleicht nicht doch unterging. Und wie war es für ihn? Waren seine Triebe jetzt befriedigt? Hatte er sich beweisen wollen, dass er die dumme Frau bekommen würde? War das… das Spiel? Das Schlammblut vögeln, um ihr zu beweisen, wie schwach sie war?
Und genau deshalb brauchte sie… irgendwen. Hermine war ein verbaler Mensch, wohingegen Malfoy… einfach anders war. Er schien keine Bestätigung zu suchen, schien niemandem zu brauchen, der ihm erklärte, wann er einen Fehler beging, und sie würde einiges geben, um zu erfahren, was er jetzt gerade dachte. In diesem Moment.
Und wieso konnte sie ihn nicht fragen?
Weil sie Angst hatte. Vor seiner Antwort, vor seiner Ablehnung, davor, dass sie bereits viel zu viel investiert hatte, und dass er… lediglich seinen Schwanz investiert hatte.
Vielleicht war es ein Spiel, und wer sich zuerst in die Karten schauen ließ, hatte verloren? Aber sie hatte kein gutes Blatt auf der Hand. Es lohnte sich nicht, zu spielen. Und wenn er nicht mit ihr sprach, dann musste sie ihn wenigstens ansehen, versuchen, zu sehen, was er vielleicht dachte. Sie hob den Blick zu seinem Gesicht, und er merkte es sofort.
Fast wirkte es, als wappne er sich, als lege er eine mentale Rüstung an, ehe er den Blick erwiderte. Nichts drang durch die Schicht an Kälte und sanfter Herablassung, die seine Mauer war. Er wirkte so wachsam, als wäre sie gefährlich und bösartig. Als wäre sie diejenige, die ihn verletzen könnte. Dabei waren es immer seine unsensiblen Worte! Seine bösen Taten!
Aber ihr fiel ein, was sie heute Morgen gesagt hatte. Sie hatte ihn angefahren. Sie hatte den Schritt zurück gemacht. Vielleicht konnte er sie genauso schlecht lesen, wie sie ihn? Ihr Herzschlag beschleunigte sich um ein Weniges.
Vielleicht war die erste Reaktion nicht immer die Beste. Vor allem nicht, wenn man Angst hatte. Sie horchte in sich. Was wollte sie?
Sie wollte nicht hier sein. Sie wollte nicht mehr auf dieser verdammten Insel sein. Sie wollte keine Prüfungen mehr meistern, keine Raubtiere bekämpfen. Sie wollte nicht mehr vor neuen Rätseln stehen, die sie nicht lösen konnte. Und das einzige, was in den letzten Wochen Sinn ergeben hatte, war, endlich ihrem Körper nachzugeben und wenigstens für einen Moment all dieser Scheiße hier zu entkommen. Und ihrem Körper nachzugeben hieß vielleicht, dass sie aufgab, aber… sie war sehr lange stark gewesen. Vielleicht war jetzt die Zeit für etwas Schwäche gekommen.
Und wahrscheinlich wollte er das alles auch nicht. Vielleicht… konnte er nur nicht anders, weil er nur ein Mann war. Sie wusste, wie schlecht er sich fühlte, weil er… ihren Körper nicht so abstoßend fand, wie es ihm eigentlich beigebracht worden war. Sie wusste all das, auch wenn sie es verdrängte, auch wenn sie es manchmal vergaß. Er erlaubte sich all diese Dinge, fasste sie an, küsste sie. Und wieso sollte er dieses Exklusivrecht haben?
Vielleicht hatte sie etwas zu viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Vielleicht hatte sie ihn auch einfach wieder zu lange angesehen. Oder vielleicht war es die Existenz von Hagrids Hütte, die mehr Fragen aufwarf, als sie beantwortete. Vielleicht war Hermine müde, jedem Rätsel auf den Grund zu gehen. Man brauchte nicht auf alles eine Antwort. Und eine weitere Weisheit fiel ihr unwillkürlich ein – war der Ruf erst ruiniert….
Nein. Sie mussten nicht zwingend sprechen. Langsam erhob sie sich, und ihr Herz schlug jetzt sehr schnell. Und es war so eine Sache mit dem Mut, mit der Selbstwahrnehmung. Sie glaubte, Mut hatte nichts mit Planung und nötiger Zeit zu tun. Mut passierte immer dort, wo Zeitdruck herrschte, wo die feige Entscheidung leichter zu treffen war. Immer dann, wenn es die Möglichkeit gab, wegzulaufen.
Aber sie war eine Löwin. Sie war eine Gryffindor. Und sie war nicht feige.
Und deshalb griff sie in den Saum ihres Shirts und zog es über ihren Kopf. Weich fielen ihre Locken auf ihre bloßen Schultern, und jetzt hatte sie seine Aufmerksamkeit. Seine absolut ungeteilte Aufmerksamkeit. Die Anspannung wich aus seinem Gesicht, während er mit aller Kraft versuchte, den Blick in ihrem Gesicht zu halten, und nicht ihre Brüste anzusehen.
Rückwärts machte sie die wenigen Schritte zum schmalen Bett, ohne ihn aus dem Blick zu lassen, und setzte sich auf die alte Matratze, die ähnlich hart war, wie der Grasboden letzte Nacht. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie biss sich auf die Unterlippe und reckte ihm fast trotzig ihr Kinn entgegen.
Er kam näher, wie ein scheues Tier, bis sie unter ihren Wimpern zu ihm aufsehen musste. Und sie wusste nicht, ob es erbärmlich von ihr war. Dass sie, anstatt darüber zu reden, ihn eher manipulieren wollte, aber… was sie wollte, war, in dieser verdammten Einsamkeit, die Wärme und Nähe eines anderen Menschen spüren, wie sie es gestern getan hatte.
Und ohne Worte verstand er ihren eindeutigen Wink und zog sich selber das Shirt aus. Ihre Augen wanderten seinen Oberkörper empor.
Nein, sie mussten gar nicht reden, befand sie. Er setzte sich neben sie, und dieses Mal war sie diejenige, die die Initiative ergriff.
Sie hatte sich zu ihm gelehnt und vorsichtig legten sich ihre Lippen auf seinen Mund, testeten nur, schmeckten ihn. Und er stieß sie nicht von sich, nein, sie spürte, wie er die Luft anhielt. Sie zog sich zurück, und er öffnete langsam die Augen. Wahrscheinlich war es die falsche Entscheidung, aber… sie musste schließlich nicht immer richtig liegen. Das Grau seiner Augen verdunkelte sich minimal, und innerhalb einer Sekunde, lagen seine warmen Hände auf ihren nackten Hüften, hoben sie an, und dann saß sie rittlings auf seinem Schoß. Auch durch das Leinen spürte sie seine Erektion, und er öffnete ihre Lippen mit seinen. Ihre Zunge war schnell, fand den Weg in seinen Mund, und unterdrückt stöhnte er, als sie ihren Schoß aufreizend hart in seinen Schritt presste.
Und alle moralischen Fragen verschwanden aus ihrem Kopf.
Fest umfingen seine Hände ihre Brüste, strichen in nervenaufreibenden Bewegungen über ihre Brustwarzen, und Hermine ging auf die Knie, löste den Kuss, balancierte auf einem Knie um ihre kurze Hose auszuziehen und warf sie achtlos auf den Boden, bevor sie sich nun komplett nackt auf ihn setzte. Sie sah ihn schlucken, sah den hungrigen Blick in seinen grauen Augen, gleichzeitig trafen sich ihre Lippen dieses Mal, fordernder, und sie griff zwischen sich, fand den Weg in seine Hose, und umfasste seinen Penis. Er war lang und hatte sie gestern perfekt ausgefüllt. Wieder stöhnte er in ihren Mund, und spielerisch pumpte sie an seiner Länge auf und ab, bis ein knurrendes Geräusch seine Kehle verließ. Sie beendete den Kuss, ging wieder leicht auf die Knie, und sein Kopf fiel zurück in seinen Nacken, sodass er sie ansehen konnte, und dieses Mal ließ sie sich auf seinem Penis nieder.
Er glitt fast mühelos in sie, so schamlos erregt war sie, und fest lagen seine Hände auf ihren Hüften. Sie hörte ihn scharf ausatmen, und ein Grollen verließ seine Kehle, während sich seine Finger unbewusst hart in ihre Haut gruben. Sie gab ihm diese Zeit. Er schien sich zu beherrschen, schien sich zusammenzureißen, aber ihre Hände lagen über seiner Brust, und sie spürte seinen schnellen Herzschlag.
Dann hob sie ihr Becken an, und sein Blick fing ihren, und es war der erotischste Moment ihres Lebens, denn seine unbändige Lust überschattete sein gesamtes Gesicht, und schickte ein regelrechtes Gefühl des Hungers nach mehr durch ihren Körper. Sie ließ ihr Becken wieder sinken, und tief glitt sein Penis in sie, so tief, dass sie schlucken musste, und es schien fast zu viel für ihn, denn seine Augen schlossen sich ergeben. Er atmete mit offenem Mund, und ungeduldig küsste sie ihn, wollte seine Lippen wieder spüren, und Hitze stieg in ihre Wangen, als sie schon jetzt spürte, wie sich etwas Mächtiges in ihrem Körper staute.
Sie hatte geglaubt, sie wäre kein sexueller, sinnlicher Mensch, aber mit ihm – mit ausgerechnet ihm – lernte sie eine Seite an sich kennen, die sie nie für möglich gehalten hatte.
Sie bewegte sich schneller, und als ihr Atem keuchender ging, musste sie den Kuss beenden, richtete ihren Oberkörper auf, schloss die Augen, und spürte, wie sich seine Lippen um ihre Brustwarze schlossen. Ihr Kopf fiel in den Nacken, während sie ihn härter ritt, sich nahm, was sie von ihm haben wollte, was sie brauchte, und mit einem kehligen Laut kam sie hart über ihm.
Sie brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen. Ihre Augen öffneten sich langsam, und fasziniert betrachtete er ihr Gesicht. Er war nicht gekommen, fiel ihr träge auf, und dann änderte er die Position, warf sie mit seinem Gewicht auf die Matratze, und war jetzt über ihr. Kurz war sein Penis aus ihr verschwunden, aber sofort korrigierte er diesen Fehler, lag wieder zwischen ihren Beinen, und pulsierend glitt sein harter Penis zurück in ihre Hitze.
Er bewegte sich in ihr, zog sich zurück, stieß wieder hart nach vorne, und dieses Mal dauerte es länger als gestern. Dieses Mal hatte er Ausdauer, und die Wellen erfassten sie ein weiteres Mal, als er den Rhythmus anzog, sie härter nahm, und sie griff in seinen Nacken, zog ihn zu einem erlösenden Kuss hinab, und als ihre Zunge dieses Mal aufeinander trafen, kam er. Er küsste sie so verzweifelt, dass sie sich fast in diesem Tanz verlor, während ihr zweiter Orgasmus langsam abklang.
Er wurde still über ihr, bewegte sich nicht mehr, beendete den unglaublichen Kuss.
Tief sah er ihr in die Augen, bevor er sich schließlich aus ihr entfernte und neben sie auf die schmale Matratze fiel. Erschöpft schlossen sich ihre Augen, aber sie glaubte, dass ihre Mundwinkel sich hoben.
