A/N: Tja, und so schnell wie es gestern mit der Fortführung dieser Geschichte wieder angefangen hat, so schnell ist es auch schon wieder vorbei. Hier haben wir nun das letzte Kapitel von TBT und wenn ich euch damit nicht zum heulen kriege, habe ich definitiv etwas falsch gemacht. Zumindest Gänsehaut solltet ihr kriegen, denn ich habe mir hier wirklich sehr viel Mühe gegeben, damit es glaubhaft rüberkommt. Ich habe hier zwar nicht ganz so hart mit gekämpft, wie mit dem ver*piiieeep* Epilog, aber groß ist der Unterschied nicht.
Viel Spaß mit dem letzten Kapitel. Ich melde mich unten nochmal.
TURN BACK TIME
Die Geschichte einer wundersamen Reise
Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise.
Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.
- Kurt Tucholsky, 1890 – 1935, dt. Schriftsteller -
Kapitel 23 – Zurück in die Zukunft
Ginny fand Harry schließlich auf dem Astronomieturm, wo er geistesabwesend vor sich hin starrte. Sie wußte nicht so recht, ob sie ihn ansprechen oder lieber alleine lassen sollte und stand kurz unschlüssig in der Tür. Doch Harry nahm ihr diese Entscheidung ab, als er sie plötzlich ansprach. Ginny hatte keine Ahnung, woher er wußte, dass sie da war, da sie vollkommen lautlos durch die halb geöffnete Tür getreten war und er mit dem Rücken zu ihr gewandt stand. Scheinbar war es Intuition gewesen und es verursachte ein warmes Gefühl in ihr, zu wissen, dass er ihre Anwesenheit spüren konnte.
„Genau hier habe ich gestanden. Da vorne an der Brüstung stand Dumbledore.", meinte Harry nachdenklich, drehte sich dann halb um und wies auf eine Stelle zwischen ihm und Ginny. „Da stand Malfoy und hat mit dem Zauberstab auf Dumbledore gezielt. Und dann war plötzlich Snape da. Ungefähr da wo du jetzt stehst hat er gestanden. Zusammen mit einigen seiner Todesserkollegen. Ich habe keine Ahnung, wer die zwei Kleineren waren, aber der Riese der hinter ihm durch die Tür kam, war eindeutig Fenrir Greyback."
„Fernir Greyback?" Ginny schnappte erschrocken nach Luft. „Der war damals auch hier oben?"
Harry nickte.
„Ja, war er. Aber das hat mich in dem Moment kaum gestört. Ich wollte nur irgendwie helfen. Ich habe schließlich gesehen, worauf das ganze hier hinaus laufen würde und ich konnte nichts tun." Er sah Ginny jetzt in die Augen und sie konnte den Schmerz und die vollkommene Hilflosigkeit, die ihn auch damals befallen haben mußte, deutlich darin sehen. „Hast du eine Ahnung, was es für ein Gefühl ist, dabei zusehen zu müssen, wie jemand eiskalt ermordet wird? Wie er da zusammengesackt an der Brüstung lehnt und um sein Leben bettelt?"
Ginny schüttelte sich, als ihr ein kalter Schauer über den Rücken lief, und sie trat ein paar Schritte auf ihn zu. Harry hielt ihr mit einem traurigen Lächeln die Hand hin und sie ergriff sie. Sie drückte sie leicht, als ihre Finger sich ineinander verschränkten.
„Wenn ich schon solche Probleme habe, dir von dieser Sache zu erzählen – eine Sache, die dich eigentlich gar nicht betrifft -, was glaubst du, wie schwer es mir fallen würde, meinen Eltern und ihren Freunden von dem zu erzählen, was sie erwartet? Ich kann das nicht, Ginny. Ich kann das einfach nicht. Wie erzählt man seinen Eltern, dass einer derjenigen, denen sie am meisten vertrauen, sie verraten und indirekt ermorden wird? Wie erklärt man ihnen, dass sie vorher schon diesen Verdacht hatten und doch den falschen Freund verdächtigt haben? Wie erzählt man ihnen, dass nur drei von fünfen übrig bleiben und davon einer auf der Flucht und einer unschuldig lebenslang nach Askaban gegangen ist und später ebenfalls auf der Flucht ermordet wurde? Wie erklärt man ihnen, dass der dritte von den Überlebenden immer um den falschen Freund getrauert und auch den falschen Freund verflucht hat? Wie macht man das?"
„Ich weiß es nicht, Harry.", meinte Ginny leise, schlang jetzt die Arme um ihn und lehnte sich an ihn. Harry erwiderte diese Umarmung ohne groß darüber nachzudenken. „Ich weiß nicht, was ich an deiner Stelle tun würde, wenn es meine Eltern wären und es darum geht, dass Onkel Fabian oder Onkel Gideon sie verraten und indirekt ermordet haben soll. Es würde mich genauso umbringen. Aber es nützt halt nichts, Harry. Wir werden kaum darum herum kommen, es ihnen sagen zu müssen. Es sei denn, wir wollen unsere Rückfahrkarte in die Zukunft wegwerfen und live dabei zusehen, wie alles genauso passiert, wie es passiert ist."
Sie wand sich jetzt ein wenig aus seiner Umarmung heraus und sah ihm eindringlich in die Augen.
„Was ist schlimmer? Es ihnen zu sagen und ihnen so eine Chance zu geben, es zu verhindern, oder tatenlos dabei zusehen müssen, wie sie alle in ihr Verderben rennen? Harry, dies ist wohl unsere einzige Chance, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen in die Geschichte eingreifen zu können. Sollen wir diese Chance wirklich ungenutzt verstreichen lassen? Du kannst alles ändern, Harry. Du kannst das haben, was du immer wolltest. Deine Eltern, Sirius, Remus und auch Peter. Eine Familie. Verschenke diese Chance nicht."
Harry stöhnte unterdrückt auf und zog Ginny wieder in seine Arme.
„Warum stecke eigentlich immer ich in so einer verfluchten Scheiße?", stieß er wütend hervor. „Warum kann es nichtmal irgendjemand anderen treffen?"
„Weil du der Junge bist, der lebt.", murmelte Ginny leise. „Und ich bin verdammt froh, dass das so ist. Ich kann mir das Leben ohne dich nämlich gar nicht mehr vorstellen."
Ein leichtes Lächeln huschte um Harrys Mundwinkel und er drückte Ginny einen Kuß auf ihren feuerroten Haarschopf.
„Das freut mich zu hören. Das beruht nämlich auf Gegenseitigkeit.", flüsterte er leise und ließ seinen Blick über den verbotenen Wald schweifen. „Aber laß mir noch ein wenig Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen, die rosarote Seifenblase meiner Eltern zerstören zu müssen, okay? So spontan kriege ich nämlich unter Garantie nicht die richtigen Worte raus."
Ginny nickte und schmiegte sich enger an ihn. Ein paar Tage mehr oder weniger machten jetzt auch nicht mehr viel aus.
Harry zog sich an den kommenden Tagen extrem zurück. Immer wieder verzog es sich mit einem Haufen Bücher und den Aufzeichnungen der letzten Monate an einen versteckten Winkel des Schlosses zurück und versuchte fieberhaft, doch noch eine andere Lösung zu finden. Ginny, Lily und die Marauder ließen ihm seinen Willen, doch je länger diese Zeit andauerte, desto nervöser wurden sie. Sie ahnten, dass es etwas großes war, was Harry ihnen mit aller Macht verschweigen wollte. Etwas großes und nicht unbedingt positives, denn mehr als einmal schlug Harry nachts von Albträumen geplagt wild um sich und wachte schreiend und zitternd auf. Dass er dabei immer wieder ihre Namen erwähnte machte es den anderen nicht gerade einfacher, die Ruhe zu bewahren. Vor allem Lily, die genau wie Ginny seit dem Tag der Entdeckung der scheinbaren Lösung im Jungsschlafsaal übernachtete – auch wenn dies eigentlich nicht erlaubt war -, war irgendwann mit den Nerven ziemlich weit hin. James hatte seine liebe Müh und Not, sie abzulenken, dabei waren auch seine Nerven nicht gerade die entspanntesten.
Eine knappe Woche nachdem er sich von den anderen abgekapselt hatte, hatte Harry schließlich eine Entscheidung getroffen. Auch wenn es ihm nicht leicht fallen würde, würde er Lily und den Maraudern reinen Wein einschenken. Sollte es tatsächlich einer dieser immer noch nicht nachweisbaren Schicksalsmomente sein, mußte er dies sowieso tun. Und war es keiner, würde er halt die Zeit ein wenig ändern. Er war lange genug vom Leben um eine glückliche Kindheit und Jugend betrogen worden und so langsam hatte auch er mal das Recht, egoistisch zu sein. Sollte er das Kriegsende damit verhindern, war es halt so. Aber immerhin hatte er somit diejenigen gerettet, die für viele wie selbstverständlich zum Leben dazu gehörten. Seine Eltern. Und keiner konnte ihm schließlich vorwerfen, dass er leichtsinnig in die Zeit eingegriffen hatte. Er hatte nie hier sein wollen und hatte alles versucht, um so wenig wie möglich zu verändern. Aber scheinbar war dies genau die falsche Taktik gewesen, wie sich jetzt wohl herausgestellt hatte.
Als er Ginny an diesem Samstag beim Mittagessen davon erzählte, griff sie wortlos nach seiner Hand und drückte sie. Harry lächelte ihr dankbar zu und in stummer Eintracht aßen sie schließlich zu Ende. Ginny fing beim Verlassen der Großen Halle schließlich Lily und die Marauder ab, um sie in den Schlafsaal der Jungs zu bestellen, während Harry den Blick durch die Große Halle schweifen ließ, um sich doch noch eine letzte Bestätigung zu holen, dass er das richtige tat. Als er schließlich die funkelnden blauen Augen hinter den nur zu bekannten Halbmondgläsern fand, stellte er fest, dass der Besitzer dieser Augen ihn unverwandt ansah. Harry hob fragend und leicht unsicher eine Augenbraue und erhielt ein zustimmendes Lächeln und ein kaum merkbares Nicken. Solchermaßen doch ein wenig erleichterter und vor allem sicherer machte Harry sich schließlich auf den Weg in den Gryffindorturm. Wenn Dumbledore damit einverstanden war, tat er schon das richtige. Immerhin wußte dieser fast immer, was das richtige war. Trotzdem konnte Harry beim verlassen der Großen Halle nicht verhindern, dass er kurz zum Slytherintisch rübersah und Severus Snape einen nachdenklichen Blick zuwarf, den dieser jedoch nicht bemerkte. Denn was diesen speziellen Punkt auf Dumbledores Vertrauensliste anging, hatte dieser sich geirrt – und einen enorm hohen Preis dafür bezahlt. Würde er für seine jetzige Entscheidung einen genauso hohen Preis bezahlen müssen oder schätzte er die Sache richtiger ein als Dumbledore vor so vielen Jahren, als er entschied, Snape zu vertrauen?
Doch diesen düsteren Gedanken schüttelte Harry schnell wieder ab. Er hatte seine Entscheidung getroffen, und ob sie nun richtig oder falsch sein würde, er würde sie durchziehen. Schließlich mußte so langsam mal was passieren. Trotzdem kam er viel zu schnell im Gemeinschaftsraum an, wo heitere Ausgelassenheit herrschte, denn der Tag versprach schön zu werden und die meisten hatten beschlossen, noch schnell die nötigen Hausaufgaben zu machen, bevor sie den Nachmittag am See verbrachten. Harry nickte einigen Bekannten leicht abwesend zu und ging die Treppe rauf. Vor der Tür blieb er nochmal kurz stehen, atmete einmal tief durch und öffnete sie schließlich.
Er hielt den Blick fest auf dem Boden, als er in den Schlafsaal trat, denn das letzte, was er jetzt konnte, war, den Menschen in die Augen zu sehen, deren Leben er jetzt gleich aus den Angeln heben würde. Schließlich lehnte er sich mit geschlossenen Augen an die Tür und schwieg einige Sekunden lang, um die nötige Kraft zu sammeln. Erst als er spürte, wie sich eine Hand in seine schob, öffnete er die Augen und sah direkt in die von Ginny. Sie warf ihm ein aufmunterndes Lächeln zu und nickte zu seinem Bett rüber.
„Komm, setzt dich da rüber. Wir schaffen das zusammen.", meinte sie leise.
Harry nickte stumm, ließ sich von ihr zum Bett führen und setzte sich. Wieder war es einen Moment still und es war schließlich James, der auf der Bettkante seines Himmelbetts saß, der dieses Schweigen brach und die Lawine ins Rollen brachte.
„Harry, wir wissen alle nicht so genau, was uns hier erwartet, aber ich kann für uns alle sprechen, wenn ich sage, dass dein Schweigen uns alle nur noch nervöser macht.", meinte er leise und sah Harry an. Ein Blick den Harry stumm erwiderte und schließlich mit einem Nicken beantwortete. „Erzähl uns, was los ist, Harry. Nichts ist schlimmer als ahnungslos darauf zu warten, dass irgendeine gigantische Katastrophe passiert."
„Du hast keine Ahnung, wovon du redest, James.", meinte Harry schließlich leise. „Ich gehe jede Wette ein, dass du nichts von alle dem wissen willst, wenn ich es dir erstmal erzählt habe. Oder besser gesagt, wenn ich es euch erzählt habe.", verbesserte er sich mit einem Blick in die Runde. „Denn es betrifft euch alle."
„Laß es auf einen Versuch ankommen.", forderte Sirius ihn auf, der mit in der Hand aufgestütztem Kopf auf der Seite auf James Bett lag.
Harry sah ihn daraufhin eine Weile fest in die Augen. Schließlich vergrub er den Kopf aufstöhnend in die Hände und stützte die Ellenbogen auf die Oberschenkel auf. Er konnte das hier nicht tun, wenn er ihnen in die Augen sehen mußte. Er konnte James' und Sirius' ungeduldigen Blicke nicht sehen, konnte Remus nicht ansehen, der als einziger von ihnen auf einem Stuhl saß und ihn mit einer Engelsgeduld und viel zu ruhiger Miene ansah. Ganz im Gegensatz zu Peter, der unruhig mit seinem Zauberstab spielte und ihn alle paar Minuten aus den Fingern verlor. Und erst recht konnte er Lily nicht ansehen. Er spürte ihren Blick, den sie ihm von James' Bett aus zuwarf, sah ihr blasses und ängstliches Gesicht vor seinem geistigen Auge und wußte beim besten Willen nicht, wie er anfangen sollte.
„Harry, komm schon." James wurde langsam ungeduldig. „Du hast uns doch nicht hierher bestellt, um uns anzuschweigen."
Harry sah auf und fing wieder einmal James' Blick ein. Auf dem Rücken konnte er Ginnys Hand spüren, die ihm in langsamen Kreisen über den Rücken strich.
„OK", meinte er schließlich und atmete einmal tief durch. „Aber bevor ich anfange, müßt ihr mir versprechen, dass ihr nur dann was sagt, wenn ich euch was frage. Es fällt mir nämlich wirklich nicht leicht, euch das hier zu sagen. Ihr werdet alle zwischendurch das Bedürfnis haben, lautstark zu protestieren und mir an den Kopf zu werfen, dass ich euch anlüge und das es so nicht sein kann. Aber es war so. So sehr ich auch wünschte, dass es nicht so wäre. Ich lüge euch nicht an. Das müßt ihr mir glauben." Harry sah in die Runde und warf allen einen bittenden Blick zu. „Versprecht mir, dass ihr mich nicht unterbrecht, okay?"
„Wir versprechen es." Es war das erste Mal, dass Lily etwas sagte und merkwürdigerweise verschaffte ihre Stimme, wenn auch leise und leicht zittrig, Harry die nötige Kraft, um mit seiner Erklärung anzufangen. Er warf ihr ein dankbares Nicken zu, sah, wie alle anderen mit einem Nicken bestätigten, dass sie sich an dieses Versprechen hielten und fing schließlich an, ihnen von ihrer nicht gerade rosige Zukunft zu erzählen. Den Blick hielt er dabei fest auf seine Hände gerichtet, mit denen er unruhig rumspielte. Ansehen konnte er sie dabei immer noch nicht.
„Ich weiß, dass ihr alle ziemlich gut darüber informiert seid, was sich gerade außerhalb unseres friedlichen kleinen Hogwartsuniversums tut. Ein vollkommen fanatischer und leider auch mächtiger Schwarzmagier namens Voldemort scharrt seit einiger Zeit Anhänger um sich, um die alten Werte – die Werte Salazar Slytherins – wieder neu aufleben zu lassen. Reinblütigkeit über alles, nieder mit den Halbblütern und am besten gleich die totale Ausrottung der Muggel. Er selber sieht sich als den Erben Salazar Slytherins und somit als den einzig wahren Herrscher über die magische Welt." Harry konnte sich ein humorloses Lachen nicht verkneifen. „Das Paradoxe an der ganzen Sache ist, dass er zwar einerseits wirklich der Erbe von Salazar Slytherin ist, aber andererseits – in väterlicher Linie – Muggelblut in seinen Adern hat. Der große Verfechter der Reinblüter ist in Wahrheit ein Halbblut und keiner ahnt auch nur im geringsten was davon." Jetzt hob Harry doch den Blick und sah erst James und dann Sirius schief grinsend an. „Übrigens ist das bei Schniefelus genauso, falls ihr das noch nicht wußtet."
„HA! Ich wußte es.", entfuhr es Sirius, der Harry gleich darauf entschuldigend ansah. „Sorry, Harry. Ich konnte es mir nicht verkneifen. Aber ich wußte es, dass es da etwas in Snapes Leben gibt, was er allen verschweigt. Mir waren nämlich keine Snapes unter den Reinblütern bekannt und ich muß es schließlich wissen. Immerhin haben meine Eltern mich zu so ziemlich jeder reinblütigen Familie mitgeschleppt, die es in England gibt, damit ich den richtigen Umgang habe."
„Schön, dass wir das jetzt geklärt haben.", mischte Remus sich ein, warf erst Sirius einen vorwurfsvollen und dann Harry einen fragenden Blick zu. „Aber was hat Snape mit all dem zu tun?"
Harry seufzte und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
„Eigentlich nichts.", gab er zu. „Und dann doch wieder viel zu viel. Allerdings ist das im Moment noch vollkommen uninteressant. Interessant ist, was an der Voldemort-Front weiter passiert." Wie ferngesteuert griff Harry nach Ginnys Hand und verschränkte die Finger mit ihren. „Er baut seine Schreckensherrschaft kontinuierlich aus. Niemand wird es mehr wagen, seinen Namen laut auszusprechen, und je mehr Zeit verstreicht, desto heftiger werden die Auseinandersetzungen. Am Ende ist es ein ausgewachsener Krieg."
Lily stieß einen erschrockenen Schrei aus und als Harry zu ihr aufsah, sah er, wie sie die Hand vor den Mund geschlagen hatte und ihn mit großen Augen ansah. James hatte sie an sich rangezogen und strich ihr beruhigend mit der Hand über den Oberarm. Er nickte Harry zu, dass er weiterreden sollte.
„Ich weiß, dass James und Sirius davon träumen, Auroren zu werden, allerdings habe ich keine Ahnung, ob sie es auch geworden sind." Dies brachte ihm verwirrte Blicke von den beiden ein, doch sie unterbrachen ihn nicht. „Was ich allerdings weiß, ist, dass ihr in den Orden des Phönix eingetreten seid – ein geheimer Widerstandsorden unter der Leitung von Dumbledore, der genau wie die Auroren bis zum letzten gekämpft hat. Ihr alle wart ein Teil dieses Ordens."
Harry erzählte weiter, was er von den Geschehnissen aus den Kriegsjahren wußte und es wunderte ihn selber, wie viele einzelne Infos aus den verschiedenen Quellen er sich hatte merken können und schließlich zu einem großen Ganzen zusammen fügen konnte. Irgendwann war er aber an der Stelle, wo es zum ersten Mal falsch lief angelangt.
„Es gab einen Spion in eurem direkten Umfeld.", meinte er leise und sah James und Lily intensiv an. „Euch war klar, dass ihr mit mir untertauchen mußtet, aber ihr wußtet auch, dass es einen Spion gab. Einer eurer engsten Vertrauten hat Infos an die Gegenseite durchsickern lassen, die kaum jemand wußte."
„Niemand der hier heute anwesend ist.", kam es von James, der rigoros den Kopf schüttelte. „Für Sirius, Remus und Peter lege ich die Hand ins Feuer. Von denen hat mich ... uns ... keiner ausspioniert."
Harry sah James stumm in die Augen. Die Sicherheit, mit der James gesprochen hatte, brachte ihn fast um, aber andererseits konnte er ihn nur zu gut verstehen. Er selber würde schließlich auch nie glauben, dass Ron, Hermine oder Ginny ihn hintergehen würden. Und doch gab es einen großen Unterschied. Denn einer von James Freunden hatte genau dies getan.
„Harry" James setzte sich aufrechter hin und schob Lily ein Stück von sich, unterbracht den Blickkontakt mit Harry dabei allerdings nicht. „Sag mir, dass keiner der drei was damit zu tun hatte."
Harry seufzte und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
„Ich wünschte, das könnte ich, James.", flüsterte er. „Aber es ist leider definitiv so. Einer deiner Freunde hat dich hintergangen."
„Nein!" James hielt es nicht mehr auf seinem Bett. Er war aufgesprungen und hielt Harry drohend den Finger unter die Nase. „Du kannst mir erzählen was du willst, aber ich glaube dir einfach nicht, dass einer von den dreien uns hintergangen hat. Nie im Leben. Keiner von denen hätte uns ..." James stockte und sah Harry mit gerunzelter Stirn an. „Wie genau sind wir verraten worden? Was ist passiert?"
„Euer Geheimniswahrer hat euch verraten.", antwortete Harry emotionslos. Es war reiner Selbstschutz. Hätte er in diesem Moment Emotionen zugelassen, wäre er verrückt geworden. „Voldemort ist bei euch aufgetaucht, als ihr absolut nicht mit ihm gerechnet habt. Ihr wart unbewaffnet, unvorbereitet, und er hatte leichtes Spiel mit euch."
Er sah wie James ungläubig den Kopf schüttelte und warf ihm nun doch einen gequälten Blick zu, den er dann weiter zu Lily schweifen ließ.
„Erinnerst du dich daran, dass ich mal gesagt habe, ich habe meinen Eltern soviel zu verdanken, konnte ihnen aber noch nie wirklich dafür danken?"
Lily nickte.
„Ich konnte euch deshalb nie dafür danken, weil ich euch nie kennen gelernt habe.", sprach Harry leise weiter und spürte jetzt doch, wie ihm die Tränen kamen. Er sah James wieder an. „Ich habe euch nie kennen gelernt, James, denn ihr habt diese Nacht, diesen Angriff, nicht überlebt."
„Das kann nicht sein."
James sackte wie geschlagen auf seinem Bett zusammen. Lily wurde in der Zwischenzeit von Sirius in die Arme gezogen, da sie angefangen hatte, unkontrolliert zu zittern.
„Es ist aber so.", widersprach Harry ihm leise. „Und du kannst mir glauben, ich würde alles dafür geben, wenn es nicht so wäre. Ich würde mein gesamtes ererbtes Gringottsvermögen dafür geben, wenn ich nicht der-Junge-der-lebt wäre, sondern nur einer von vielen. Wenn ich wie alle anderen auch Eltern hätte, die mir hin und wieder Hausarrest geben, eine Mutter, die mir peinliche Küßchen vor der Abfahrt nach Hogwarts auf die Wange drückt und einen Vater, der mit mir über Quidditch fachsimpelt. Aber all das ist mir genommen worden, weil einer deiner Freunde zum Feind übergelaufen ist – aus was für Gründen auch immer."
Minutenlang war es totenstill im Schlafsaal. Die Marauder und Lily mußten das gehörte erstmal verdauen, und Harry und Ginny gaben ihnen die Zeit, die sie dazu brauchten. Sie konnten sich beide ungefähr vorstellen, was jetzt in den fünfen vorging, und der echte Schlag in die Magengrube kam schließlich erst noch.
„Wer war es?", fragte James schließlich leise und sah Harry fragend an.
„Sag du es mir.", antwortete Harry jedoch, statt ihm einen Namen zu nennen.
James sah leicht gequält in die Runde. Er warf Remus einen abschätzenden Blick zu, der Harry jetzt blass und unsicher ansah. Dann schweifte sein Blick zu Peter weiter, der vor Schreck zum unzähligsten Mal seinen Zauberstab fallen ließ und ihn umständlich wieder aufhob. James schloss mit einem Seufzen die Augen, öffnete sie wieder und sah Sirius einen Moment lang stumm und intensiv in die Augen. Sirius sah als einziger der drei fest zurück, was James schließlich zu einem Nicken veranlaßte, bevor er Remus und Peter einen entschuldigenden Blick zuwarf, und sich wieder an Harry wandte.
„Remus oder Peter.", meinte er leise, konnte die beiden allerdings nicht ansehen. „Sorry ihr zwei. Ich traue es eigentlich keinem von euch zu, aber ich weiß noch sicherer, dass es nicht Sirius war."
„Du hast zugehört, als ich gerade den Fideliuszauber erklärt habe, oder?", fragte Harry ihn. James nickte. „Dann weißt du auch, dass es nur dein Geheimniswahrer gewesen sein kann, der euch verraten hat? Wem würdest du blind das Leben deiner Familie anvertrauen, James?"
James setzte zu einer Antwort an, stutzte dann allerdings. Verwirrt sah er erst Harry an, dann seine Freunde und blieb schließlich an Sirius hängen. Sein Gesicht verlor sämtliche Farbe. Sirius dagegen warf Harry einen Blick zu, der zwischen empört und konfus hin und her schwankte.
„Ich war es nicht, James.", meinte er schließlich und sah seinen besten Freund wieder an. „Du weißt, dass ich lieber sterben würde, als dich zu verraten."
„Aber wenn Harry wirklich recht hat, hat uns unser Geheimniswahrer verraten.", widersprach James ihm tonlos und sah ihn hilflos an. „Und warum sollte ich bei so einer Sache, wo soviel auf dem Spiel steht, nicht dich gewählt haben? Wenn es um Alles oder Nichts geht, bist immer du es, dem ich blind vertraue. Das weiß jeder hier in Hogwarts. Warum sollte ich in diesem Fall, wo es wirklich um Leben und Tod geht – und nicht nur um mein Leben, sondern auch um das von Lily und Harry – anders entschieden haben?"
„Ich weiß es nicht.", gab Sirius zurück. „Aber ich habe dich nicht verraten. Das weiß ich so sicher, wie ich weiß, dass Flitwick Hagrid gerade mal mit Mühe die Kniescheiben polieren kann."
Niemand lachte über diesen Vergleich. Sirius am allerwenigsten. Stattdessen breitete sich ein unangenehmes Schweigen im Raum aus, während alle Sirius abschätzend ansahen.
„Was?", fragte dieser schließlich, als ihm diese Stille zu unangenehm wurde. Er sah James empört und deutlich verletzt an. „Du glaubst wirklich, dass ich dich verraten habe? Du glaubst wirklich, dass ich dich und Lily auf dem Gewissen habe? Das kann nicht dein Ernst sein, James?"
„Sirius, ich ... ich weiß es doch auch nicht.", stammelte James und warf schließlich Lily einen hilflosen Blick zu, die nur stumm und mit gerunzelter Stirn da saß und zusah. Doch schließlich ging ein Ruck durch sie.
„Harry, ist es sicher, dass derjenige, der uns verraten hatte, wirklich zum Feind übergelaufen ist?", fragte sie Harry und ignorierte die fragenden Blicke der anderen. „Ich meine, kann es nicht auch so gewesen sein, dass der Geheimniswahrer gefangen und dazu gezwungen wurde, uns zu verraten? Dass er irgendwann durch Folter einfach zusammengebrochen ist und uns verraten hat? Dann ergibt das nämlich doch Sinn.", meinte sie zu James gewandt. Dieser nickte, genau wie Sirius, und sah Harry fragend an.
„War es so?", fragte James ihn mit leichtem Hoffnungsschimmer in den Augen.
Harry schüttelte den Kopf.
„Nein, euer Geheimniswahrer ist definitiv übergelaufen. Er hat es mir gegenüber vor fast genau vier Jahren zugegeben und ist seitdem auf der Flucht. Oder besser gesagt, wieder auf der Flucht, denn zwischenzeitlich hatten wir ihn mal."
„Das kann nicht sein.", widersprach Sirius ihm tonlos und schüttelte entsetzt den Kopf. „Ich war es nicht. Ich bin nicht übergelaufen. Nicht nach all dem, was ich in den letzten Jahren durchgemacht habe."
„Wie ist es gewesen, Harry?", fragte James ihn. „Was ist wirklich passiert?"
„Versprecht mir, dass ihr mich ausreden laßt, okay?"
Harry sah erst ihn und dann die anderen bittend an. Alle nickten, wenn auch zögerlich. Nach einem kurzen stummen Blickkontakt mit Ginny setzte Harry schließlich wieder an und erzählte, was er in seinem dritten Schuljahr erfahren hatte.
„In den Ferien vor meinem dritten Schuljahr sorgte ein Ereignis für Aufsehen, dass es bisher noch nie gegeben hatte. Und es war definitiv kein positives Ereignis. Erstmals in der Geschichte Askabans war es einem Häftling gelungen, aus dem Gefängnis auszubrechen. Und dann auch noch einer der Häftlinge, die im Hochsicherheitstrakt einsaßen. Wegen Mordes an 12 Muggeln und einem Zauberer, die er mit einem einzigen gewaltigen Fluch ermordet hat, indem er die gesamte Straße in die Luft gesprengt hat. Was fast ebenso schlimm war, was aber nur die wenigsten wußten, war, dass eben dieser Zauberer auch derjenige war, der die inzwischen zu trauriger Berühmtheit gelangten Potters verraten und dafür gesorgt hatte, dass Voldemort sie ermordet hat. Genauso wie Voldemort nach dem Mord an euch schließlich an mir gescheitert ist, weil der Todesfluch, der für mich gedacht war, an mir abprallte und schließlich ihn aus den Socken gehauen hat und nicht mich. Ich erkläre euch später, weshalb das so war.", erklärte Harry, als er die verblüfften Blicke sah, die die anderen ihm daraufhin zuwarfen. „Wichtig ist erstmal dieser Zauberer, denn der versetzte die komplette magische Welt in dem Jahr in Angst und Schrecken. Die Wachen in Askaban haben gehört, wie er kurz vor der Flucht immer wieder „Er ist in Hogwarts" vor sich hin gemurmelt hat und diejenigen, die von seiner Verbindung mit den Ereignissen im Potterhaus in Godrics Hollow wußten, haben eins und eins zusammen gezählt und gewußt, dass er wohl hinter mir her ist, um das zu Ende zu bringen, was sein Meister damals nicht geschafft hatte. Deshalb wurde bei der Wahl des neuen Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste ein besonderer Faktor wichtig. Es mußte jemand sein, der mich beschützen konnte und diesen flüchtigen Verbrecher am besten auch noch kannte. Genau so einer ist gefunden worden und er hat die Stelle auch angenommen."
Harry sah zur Seite und sah Remus an.
„Dieser Lehrer warst du, Remus. Du warst es auch, der mir damals den Patronuszauber beigebracht hat, weil mir die Dementoren, die am Schultor Wache standen, immer ziemlich zugesetzt haben. Und Ginny wird es bestätigen können, dass du mir damit in diesem Schuljahr das Leben gerettet hast, denn es gab eine Situation, in der ich ohne den Patronus verloren gewesen wäre."
Dann wandte er sich Sirius zu, der ihn mit leichenblasser Miene ansah und entsetzt mit dem Kopf schüttelte.
„Und dieser Verbrecher, der alle so in Angst und Schrecken versetzt hat, der dafür bekannt war, dass er die Potters verraten hat, der warst du, Sirius.", meinte er leise und sah Sirius fest in die Augen. „Du hast mein drittes Schuljahr ziemlich aufgemischt, das kann ich dir sagen."
„Nein!", flüsterte Sirius mit leichenblasser Miene und schüttelte unablässig den Kopf. „Das kann nicht sein. Ich war das nicht." Er sah James flehend an, der unbewußt ein Stück von ihm weggerückt war. „James, bitte, du mußt mir glauben. Ich war das nicht. Das muß alles ein Riesenirrtum sein."
„Ich weiß nicht, Sirius.", meinte James nachdenklich, doch trotz der Skepsis die sich jetzt in seine Stimme geschlichen hatte, konnte man auch in seinen Augen ein klein wenig Unglaube und Zweifel sehen. „Ich traue es dir ernsthaft nicht zu, aber warum sollte Harry lügen? Wir haben doch alle gesehen, wie er mit sich gerungen hat, bis er sich entschlossen hat, uns davon zu erzählen."
„Das weiß ich nicht.", antwortete Sirius. „Aber ich weiß, dass das nicht sein kann. Nie im Leben würde ich dich verraten, James. Zusammenbrechen ja, falls sie mich irgendwann doch schnappen und foltern, aber nicht willentlich überlaufen und euch wissentlich in den Tod schicken. Eher würde ich sterben und das weißt du auch. Das alles hier muß ein Riesenirrtum sein. James, bitte, glaub mir das."
Sirius und James sahen sich stumm in die Augen. Sirius bittend, James nachdenklich, zum teil vorwurfsvoll und zuletzt enttäuscht. Es war schließlich auch James, der den Blick abwandte und Lily fester an sich zog. Eine Geste, die ihn noch weiter von Sirius abrücken ließ, der daraufhin wie geschlagen zusammenzuckte. Ein Anblick, den Harry nicht länger ertragen konnte.
„Sirius hat recht, James.", meinte er schließlich und erreichte damit, dass alle ruckartig den Kopf rumdrehten und ihn ansahen. Harry atmete noch einmal tief durch und fuhr dann mit seiner Erklärung fort, wobei er Sirius fest in die Augen sah. „Es stimmt, dass du 12 Jahre in Askaban gewesen bist, Sirius, aber du warst unschuldig da. Du hast das, was man dir vorgeworfen hat, nicht getan. Du warst nicht der Geheimniswahrer."
Sirius sackte mit einem so erleichterten Seufzer auf seinem Bett zusammen, dass Harry ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken konnte. Er wußte, dass er Sirius gerade arg zugesetzt hatte, und er hatte auch ein klein wenig ein schlechtes Gewissen deswegen, aber er sah es auch als kleine Rache für die vielen Monate der Angst, die Sirius ihm in seinem dritten Jahr unwissentlich eingejagt hatte.
„Ich hab's gewußt.", flüsterte Sirius tonlos und sah dann James fest an. „Nie im Leben hätte ich dich ans Messer geliefert."
„Du wärst eher gestorben, als das zu tun, Sirius. Für James, Lily und auch für mich, wenn es hätte sein müssen.", bestätigte Harry ihm. „Und du hast dieses Versprechen gehalten. Leider."
„Wie meinst du das?", fragte James nach.
„Das er in unserer Zeit auch nicht mehr lebt.", antwortete Harry leise und erzählte dann, was sich am Ende seiner dritten Schuljahres wirklich ereignet hatte und wie Sirius schließlich in der Mysteriumsabteilung durch den Schleier gefallen war. Peter war erst panisch aufgesprungen, als Harry seine Rolle in der ganzen Geschichte offenbahrt hatte, und sackte dann leise weinend wieder auf seinem Bett zusammen, nachdem James ihm einen finsteren Blick zugeworfen hatte. Als er schließlich zu den Ereignissen seines letzten Schuljahres kam, sahen alle ihn mit einer Mischung aus Verwirrung, Entsetzen und Angst an. Keiner wußte so recht, was er sagen sollte.
„Ich weiß, dass euch das jetzt ziemlich aus der Spur haut – mir ging es damals nicht anders, als ich all das kapiert habe, was da wirklich gelaufen war – aber versucht es bitte mal logisch zu sehen.", bat Harry sie leise und erreichte damit, dass alle ihn leicht irritiert ansahen. „Nichts von all dem, was ich euch gerade erzählt habe, ist bisher passiert. Wir können das verhindern. Wir müssen das sogar verhindern, wenn dies hier wirklich ein Schicksalsmoment ist." Dann wandte er sich James zu und sah ihn bittend an. „Ich weiß, dass es dir im Moment schwer fallen mag, nach allem, was du gerade erfahren hast, aber bitte verurteile Peter nicht."
Peter quiekte erschrocken auf, als sein Name fiel und erntete einen weiteren finsteren Blick von James, bevor er Remus' Hand auf seiner Schulter spürte.
„Ich selber habe einen Grund dafür.", fuhr Harry fort und sah James fest an. „Mir hat er mit seiner Tat ein ziemlich holpriges Leben verschafft – und ich habe ihn wirklich jahrelang dafür gehasst -, aber dir hat er noch nichts angetan. Ich habe gesehen, dass er zu dieser Zeit eigentlich ein ganz netter Kerl ist. Was immer auch falsch gelaufen sein mag, ist zu einem späteren Zeitpunkt falsch gelaufen. Sorge dafür, dass ihr weiterhin die Freunde bleibt, die ihr jetzt seid. Wir haben die Chance, das Schicksal zu ändern. Wir können euch alle retten. Dich und Lily, Sirius, Dumbledore. Das sind die drei Stationen in der Zeit, die das Schicksal ändern wollte. Laß mich nicht umsonst durch diese Hölle gegangen sein, James. Denn es war eine Hölle, euch davon erzählen zu müssen. Das kannst du mir glauben."
James nickte und lächelte Harry dann ein wenig schief an.
„Ich kann's mir denken.", meinte er und atmete hörbar ein und aus, um einen Teil der Anspannung loszuwerden, die ihn befallen hatte, je länger Harrys Geschichte andauert. „Und ich stimme dir zu. Du hast am Anfang gesagt, dass ich mir wünschen würde, ich wüßte nicht, was ich jetzt weiß. Ich schätze, du hattest gar nicht so unrecht damit. Andererseits haben wir aber so wirklich die Chance, etwas zu ändern." Er warf einen Blick zu Peter rüber, der wieder aufquiekte und einen kleinen Hüpfer auf seinem Bett machte. Doch James' Blick war nicht mehr ganz so finster wie zuvor. „Ich werde mein bestes geben, damit Peter nicht auf die schiefe Bahn gerät. Ich denke, wir alle werden das."
Remus, Sirius und Lily nickten.
„Vergesst dabei aber nicht, auch auf euch aufzupassen.", gab Ginny schließlich zu bedenken, die sich bis zu diesem Zeitpunkt still gehalten hatte. „Nicht dass einer von euch schließlich seinen Platz einnimmt. Das wäre nämlich wirklich zuviel des guten."
„Definitiv." Harry nickte. „Noch so ein Jahr wie dieses stehe ich nämlich nicht durch."
„Verständlich."
James nickte und auch die anderen warfen Harry Blicke zu, die zum Teil Mitlied, zum Teil Bewunderung für das ausdrückten, was er gerade getan hatte. Sie alle wußten, dass Harry gerade buchstäblich durch die Hölle gegangen war und wollten definitiv nicht mit ihm tauschen.
Harry atmete einmal tief durch und schloss die Augen. Sein Part in dieser verdrehten Geschichte war erledigt. Jetzt kam es auf seine Eltern und ihre Freunde an, das Schicksal zu ändern. Er drehte den Kopf leicht rum, als er die Augen wieder öffnete und sah direkt in Ginnys warme braune Augen. Er sah darin all die Liebe, die er auch für sie empfand und er dankte in diesem Moment dem Schicksal dafür, dass es ihm ausgerechnet Ginny zur Seite gestellt hatte, um diese Aufgabe zu erledigen. Denn genau sie war diejenige, die ihm die nötige Stärke gegeben hatte, dies durchzustehen. Und das einfach nur, indem sie da war.
Keiner von ihnen hatte bemerkt, dass es um sie herum still geworden war. Die leisen Hintergrundgeräusche aus dem Gemeinschaftsraum, die bisher zu ihnen herauf gedrungen waren, waren vollkommen verstummt. Erst als die Beleuchtung des Raums erst langsam, dann immer stetiger anfing zu flackern, reagierten sie.
„Was ist jetzt los?"
Remus sah sich verwirrt zu den verglasten Fackelhaltern und dann zu den Fenstern um, die jedoch alle geschlossen waren. Harry und Ginny sahen sich jedoch lächelnd in die Augen.
„Zeit, nach Hause zurück zu kehren.", meinte Ginny leise und Harry nickte.
„Ja, unsere Aufgabe ist erledigt. Wir haben hier nichts mehr zu suchen.", stimmte er ihr ebenso leise zu, wandte sich dann jedoch nochmal an die anderen. „Macht was aus dem, was ihr gerade erfahren habt. Ihr habt das Schicksal jetzt in der Hand."
Alle Fünf nickten leicht irritiert, da sie immer noch nicht so recht verstanden, was hier eigentlich vor sich ging. Doch bevor sie nachfragen konnten, sprach Harry nochmal.
„Und bevor wir weg sind, habe ich noch eins zu sagen." Er sah James und Lily mit einem warmen Lächeln an. „Auch wenn es hoffentlich nie passieren wird, danke für das was ihr beim ersten Mal für mich getan habt, Mum und Dad. Ich werde euch das immer hoch anrechnen, egal was jetzt auch passiert."
Das Flackern des Lichts war inzwischen immer heftiger geworden. Ein letztes Mal sah Harry noch in die Runde und griff dann nach Ginnys Hand, um sie ganz fest zu halten. Das letzte was er vom Leben im Juni 1978 sah, waren seine Eltern, die eng umschlungen auf James Bett saßen und ihn mit einem Blick ansahen, den man nur mit elterlichem Stolz erklären konnte, auch wenn es noch so paradox war, dass sie auf einen Sohn stolz waren, der im gleichen Alter war wie sie.
A/N: Und schwupps sind Harry und Ginny wieder auf dem Weg nach Hause. So einfach geht es, und ich kann mir bildlich vorstellen, dass sich einige von euch jetzt stöhnend mit der flachen Hand vor die Stirn hauen, weil sie an diese Lösung nicht gedacht haben. Aber ärgert euch nicht. Mir geht es bei Geschichten, die ich lese, sehr oft genauso. Auf die einfachste Lösung kommt man immer erst zum Schluß oder auch gar nicht, weil man einfach viel zu sehr um die Ecke denkt. Nach dem Motto "Das wäre doch viel zu leicht, als dass es wirklich die Lösung sein könnte."
Tja, hier war es halt die einfachste Lösung und ich hoffe, euch hat das Ende gefallen. Ich bin hier immer noch froh, dass ich nach ddem Quidditchkaputel den unfreiwilligen Cut reingekriegt habe, denn somit stand des Rätsels Lösung immer noch komplett aus. Jetzt kommt noch der Epilog, in dem ihr erfahrt, wie unsere Freunde aus beiden Zeiten das Schicksal schließlich beeinflußt haben, wie sich einige Lebenswege verändert haben und wie die Marauder, Lily und Dumbledore Harry bei seinem Kampf unterstützt haben. Es wird ein großer, runder Abschluß werden und auch Hermines Bauchgefühl wird nochmal ein Thema werden. Es ist also noch nicht ganz vorbei und ich hoffe, dass ich euch alle auch beim Epilog noch sehe.
Last but not least: Du kennst mich einfach zu gut, Pete. ich habe mich in den letzten Monaten durch die letzten 4 Teile von William Stuart Longs Australiensaga und Rebecca Gables "Das zweite Königreich" gelesen und kämpfe mich in der "Fackeln-im-Sturm"-Reihe gerade durch den amerikanischen Bürgerkrieg. Buch 1 habe ich seit vorgestern durch und ich habe heute gerade den Prolog von Buch 2 gelesen. Habe also noch gut was vor mir, denn das Chaos beginnt ja gerade erst.
Schön übrigens, dass du wieder mit dabei bist. Es freut mich immer, wenn die ganzen "alten" Leser sich hin und wieder nochmal hören lassen (und ich gehe immer noch an die Decke vor Begeisterung, wenn Reviews für BN eintrudeln). Und es ist faszinierend zu sehen, welche Leser welche meiner Geschichten lesen. Ehrlich. Ich könnte mir vorstellen, dass dir auch "Was Freundschaft heißt" gefallen würde. Ist ein OS von mir auf dem Profil der Rumtreiberinnen. Ist auf meinem Profil verlinkt, falls es dich interessiert. Und wenn du es für gut hältst, würde ich mich auch da natürlich über eine Review freuen. Fühl dich aber nicht dazu verpflichtet.
