Ein Abend mit Jakob Black
Er öffnete mir wie ein Gentleman die Tür, wie Edward es bei unserem ersten Date getan hatte. Ich stieg zwar ein, aber ich war mir auf einmal unsicher. Als Jakob sich an das Steuer setzte sagte ich sofort: „Jake, ich wollte nur sichergehen. Das hier ist kein Date. Ich bin mit Edward zusammen und ich liebe ihn."
Ich hoffte, dass ich mich klar ausgedrückt hatte. Tatsächlich blickte Jake zu mir herüber und lächelte leise. „Ein Abend unter Freunden. An mehr hatte ich auch nicht gedacht, Bella, keine Sorge."
Wir sahen uns einen Moment in die Augen. Ich glaubt nicht, dass er mich anlog, deswegen entspannte ich mich ein wenig uns ließ mich in den Sitz zurück sinken. Er hatte keinen Grund mich anzulügen, denn er hatte bestimmt mehr als genug Mädchen, zwischen denen er sich entscheiden konnte.
„Übrigens, danke, dass du nicht gelacht hast, wegen meiner Verkleidung", murmelte Jake und grinste frech.
Ich grinste ebenso frech zurück: „Ich hatte schlimmeres erwartet. Mit Perücke und allem Drum und Dran." Wir lachten beide, bevor auch er sich anschnallte.
Während wir in Richtung Seattle losfuhren, ging mir eine andere Frage durch den Kopf. „Warum hast du eigentlich mich angesprochen? Ich meine nach dem Wettbewerb. Warum ich?"
Jakob lachte leise. „Ich fand einfach, dass ihr die besten wart, deswegen habe ich mir dein Gesicht gemerkt."
Ich errötete. Von ihm war das wirklich ein Kompliment, denn er war ein bekannter Sänger und kannte sich mit Musik aus. Dankbar lächelte ihn an, aber ich brachte kein Wort dazu heraus.
„Sag mal Bella, gehst du auf die Forks High?", fragte er plötzlich, völlig aus dem Nichts heraus.
Verwirrt blickte ich ihn an. „Ja, wieso?"
„Naja, ich bin mit meinem Vater hierher gezogen, weil er hier mehr Leute kennt und dann nicht so alleine ist, wenn ich auf Tour bin oder ähnliches. Und deshalb werde ich dort ab nächster Woche auch zur Schule gehen und es wäre schön, schon jemanden zu kennen."
Jakob kam an unsere Schule? Wow, das war ja richtig toll. Voller Begeisterung lächelte ich ihn noch mehr an. „Nun, mich kennst du ja schon mal. Und wenn du die an Alice, Jasper, Rosalie, Emmett und Edward erinnerst, die gehen auch aller dorthin."
„Natürlich erinnere ich mich an sie. Ich war ja auch nicht betrunken, wie du."
„Hey! Ich war nicht betrunken, wenn überhaupt war ich angetrunken und…"
Ein weiteres Mal errötete ich, wobei ich nicht wusste, warum genau. Vielleicht weil mir mein etwas peinliches Verhalten dieses Abends durch den Kopf schoss. Ein Schweigen breitete sich zwischen uns aus, doch es war kein unangenehmes Schweigen, also konnte ich mich einfach zurücklehnen und die Ruhe genießen.
Ich war wirklich froh, dass ich von den Gedanken an Edward abgelenkt wurde. Es war wirklich anstrengend sich vierundzwanzig Stunden am Tag damit zu beschäftigen und trotzdem keine Lösung für unser Problem zu finden.
In diese Gedanken versunken kamen wir an und ich blickte erst auf, als der Wagen hielt. Mir war noch gar nicht bewusst gewesen, dass wir schon am Kino angekommen waren, weswegen ich mich ein wenig verblüfft aufsetzte.
Jakob war schon ausgestiegen und ging um den Wagen herum, also öffnete ich rasch die Tür. Ich wollte einfach keine Date-Atmosphäre. Rasch stieg ich aus und nahm meine Tasche, dann machten wir uns auf den Weg in Richtung Kino.
Ein weiterer Ausgang führte in Richtung Innenstadt. Mein Herz machte einen Satz, als ich Edward dort erkannte. Einige Jungs, von denen ich nur wenige kannte, waren um ihn herum und sie lachten und scherzten.
Ich wusste nicht ob ich verletzt oder erleichtert sein sollte. Zum einen war ich froh, dass er mich nicht angelogen hatte und wirklich mit seinen Freunden unterwegs war, andererseits tat es weh zu sehen, dass er lieber mit diesen Typen etwas unternahm als mit mir.
Jakob, der meinem Blick gefolgt war, fragte ein wenig verblüfft: „Ist das nicht dein Freund? Wollen wir zu ihm gehen?"
„Nein!", erwiderte ich rasch. Ein wenig zu schnell vermutlich, denn der dunkelhäutige Junge zog eine Augenbraue hoch. „Ich möchte ihn nicht stören. Außerdem ist er sehr eifersüchtig, also wäre er wohl nicht begeistert uns zusammen zu sehen." Oder mich zu sehen, fügte ich bitter in Gedanken hinzu.
Ich packte Jakobs Handgelenk und zog ihn weiter in Richtung Kino. „Komm schon, sonst fängt der Film an."
Mir war klar, wie das auf ihn wirken musste, doch ich wollte jetzt wirklich nicht darüber reden, deswegen fragte ich, bevor er etwas sagen konnte, welchen Film er denn sehen wolle.
„The Hunger Games", antwortete er und sah mich prüfend an.
Tatsächlich mochte ich das Buch und hatte nichts dagegen, dass er sich für diesen Film entschieden hatte. Genau genommen hatte ich auch noch hinein gehen wollen, da ich gehört hatte, dass er wirklich gut sei.
Wir gingen an die Kasse und bestellten zwei Karten, die jeder für sich bezahlte. Genauso machten wir es bei den Getränken und den Snacks. Ich war wirklich erleichtert darüber.
Jake hatte wohl bemerkt, wie wichtig es mir war, dass das Ganze sich einfach nicht wie ein Date anfühlte. Denn in dem Moment hätte ich das Gefühl Edward zu hintergehen und das wollte ich nicht.
Aber nachdem wir uns momentan so schlecht verstanden, wollte ich ihm nicht auch noch erzählen, dass ich etwas mit Jake unternahm. Als der Film begann vergaß ich erneut meine Sorgen für eine Weile und versank in der Handlung. Es war immerhin eines meiner Lieblingsbücher.
Wir kamen aus dem Kinosaal heraus und unterhielten uns über den Film. Was wir gut fanden, was wir nicht so gut fanden und Jake zog mich damit auf, dass ich mich an einer Stelle so erschreckt hatte, dass ich laut aufgeschrien hatte.
Was mich ebenfalls erleichterte war, dass er bisher nicht erkannt worden war, denn ich glaube, wenn uns seine Fans entdeckt hätten, dann wären wir wirklich in Schwierigkeiten geraten. Und zwar alle Beide.
„Hast du noch Lust, was essen zu gehen?", fragte er dann, als wir bei seinem Auto angekommen waren. Er blickte auf seine Uhr und fügte dann hinzu: „Wenn du nichts gegen einen Schnellimbiss hast jedenfalls. Wenn wir jetzt in ein Restaurant gehen würden, dann wären wir ziemlich spät daheim und du hast morgen Schule nicht wahr?"
Ich lachte und stimmte ihm zu, also beschlossen wir uns noch schnell bei McDonalds hinzusetzen. Mit dem Essen saßen wir dort und unterhielten uns und lachten. Sehr viel sogar. Mehr als ich seit Samstag gelacht hatte, glaube ich.
Es tat mir wirklich gut, einfach mal wieder aus dem Haus zu kommen und mit jemandem zu reden, der nicht wusste, wie es um mich und Edward stand und der mich damit in Ruhe ließ.
Ich erzählte ihm auch von dem Gig auf dem Schulfestival und er versprach zu kommen. Doch mir kam eine Idee und ich schlug sie ein wenig unsicher vor.
„Du könntest auch mit uns auftreten wenn du willst. Also wirklich nur wenn du willst. Und wenn die anderen Bandmitglieder nichts dagegen haben, natürlich."
„Hm, ich weiß nicht, ich denke mal drüber nach, in Ordnung?", antwortete Jakob und lächelte mich freundlich und nicht abweisend an.
Als wir beide mit Essen fertig waren, brachte mich Jakob noch nach Hause. Vor meinem Haus hielt er an und drehte sich zu mir.
„Ich fand, dass es ein lustiger Abend war Bella. Ich hoffe ich habe dich nicht zu sehr genervt", lachte und zwinkerte mir zu.
Ich lachte ebenfalls und antwortete scherzhaft: „Doch, das ging ja mal gar nicht, wie kann jemand so nervig sein wie du? Hat deine Mutter dich nicht erzogen?"
Er grinste und wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen, dass wir mal wieder etwas miteinander unternehmen würden. Das hieß ja nicht, dass nicht auch noch andere dabei sein konnten. Es war nicht so, als würde ich Edward betrügen.
Ich stieg aus dem Wagen und ging zur Wohnungstür, wo ich aufschloss und eintrat. Ich sah noch, wie Jake losfuhr, bevor die Tür ganz zu war, dann ging ich ins Wohnzimmer und sagte Rose, dass ich wieder daheim war.
Emmett war auch zu Besuch, was mich wirklich überraschte. Ich meine, er war in der letzten Zeit nur jede freie Minute hier. Dann sagte ich ihnen gute Nacht und ging in mein Zimmer, um mich bettfertig zu machen.
Geduscht, Zähne geputzt und im Schlafanzug legte ich mich schließlich ins Bett. Ich schaute noch einmal kurz auf mein Handy, doch wie erwartet hatte Edward nicht geschrieben. Seufzend ließ ich mich nach hinten sinken.
Ich war wirklich erschöpft, was es mir erleichterte schnell und traumlos einzuschlafen.
Besser spät als nie :)
Ich hoffe ihr hattet Spaß an dem Kapitel :)
Lg Scara
