"Suddenly the lights go out
Let forever drag me down
I will fight for one last breath
I will fight until the end..."

– Breaking Benjamin, 'Dear Agony'.


Inzwischen konnte Hermine die Strecke durch die Geheimgänge hinunter in die Kerker blind laufen. Phineas wartete dort gegenüber von Snapes Bürotür und sie musterte ihn müde, versuchte ihre widerwillige Neugierde zu verbergen. „Ich werde heute Abend keine Spielchen spielen, Sir. Was genau wollen Sie, das ich es mir ansehe?"

Er belächelte sie belustigt, beinahe ohne irgendwelchen Spott, der sich ansonsten durch seine gesamten Gesichtszüge zog. Die letzten eineinhalb Jahre hatten sie sich auf einen Waffenstillstand geeinigt und verstanden sich inzwischen. „So ungeduldig, Miss Granger. Ich dachte, Sie würden heute Abend vielleicht etwas Kunst zu schätzen wissen."

Verwirrt sah sie ihn an, bevor sich Verständnis auf ihrem Gesicht abzeichnete. Ihre Augen waren weit aufgerissen und sie schüttelte entschieden den Kopf. „Nein. Auf gar keinen Fall, nein."

„Oh? Warum nicht?"

„Zunächst einmal, weil er mich umbringen wird", hob sie hervor und starrte das Porträt an. „Weil ich mich nicht so weit in sein Leben drängen möchte und weil ich ihm letztes Jahr versprochen habe, mir niemals etwas Persönliches von ihm anzusehen."

Er verdrehte seine Augen, für ein Gemälde war es überraschend eloquent. „Beruhigen Sie sich, Mädchen. Ihm wird es egal sein. Seit Sie das erste Mal in seinen Gemächern waren, hat er sie ungeschützt gelassen. Alles andere hat einen stärkeren Schutz bekommen, in Einzelfällen sogar so stark, dass es einen rasenden Riesen aufhalten würde und er hat auch ein paar seiner Notizen zerstört, aber aus irgendwelchen Gründen hat er seine Skizzenbücher nicht angerührt und er hat in letzter Zeit wieder ziemlich viel gezeichnet. Jetzt sagen Sie mir nicht, Sie sind nicht neugierig."

„Selbstverständlich bin ich das, aber das bedeutet nicht, dass ich auch hineinsehen muss. Ich bin nicht Harry. Ich werde es auch überleben, wenn ich es nicht weiß."

„Wenn es ihm etwas ausmachen würde, dann hätte er die Zeichnungen geschützt", wiederholte Phineas geduldig. „Es wird Ihnen ein wenig Einblick verschaffen. Seine Kunst ist sehr persönlich, wie ich Ihnen bereits gesagt habe. Es ist alles ziemlich abstrakt und offen gesagt, erkenne ich nicht einmal die Hälfte davon, aber alles da drinnen ist ihm wichtig."

„Erst recht noch einen Grund für mich, nicht herumzuschnüffeln."

„Ich wiederhole, sie sind nicht geschützt. Ich denke, Sie müssen das sehen. Und wenn Sie es nicht tun, dann erzähle ich ihm einfach, dass Sie es getan haben."

„Sie Mistkerl", seufzte sie unglücklich. „Denken Sie wirklich, es ist wichtig oder ist Ihnen einfach nur langweilig?"

„Ich denke, es ist wichtig", antwortete er ernst und Hermine gab nach. Sie konnte ihre Neugierde nicht verleugnen, und es war wirklich logisch, würde Snape nicht wollen, dass sie gesehen wurden, dann hätte er sie irgendwie geschützt.

„Also schön, aber wenn er mich deswegen umbringt, dann werde ich auf ewig Ihr Porträt heimsuchen. Was ist im Moment sein Passwort?"

„Peccavi."

„Latein? Das ist mal was Neues. Was bedeutet es? Es kann kein Zauber sein, wenn er es als Passwort benutzt."

„Keine Ahnung. Ich sehe Sie drinnen."

Durch sein Büro gelangte sie in seine Gemächer. Hermine sah sich schnell im Wohnzimmer um. Es gab einige kleinere Veränderungen; sein Schreibtisch war aufgeräumter und geordneter, viel weniger Bücher oder Papiere lagen darauf verteilt. Die Türen seiner Hausbar standen offen und zeigten, dass sie leer war. Seine Couch wirkte, als ob in letzter Zeit sehr häufig auf ihr geschlafen worden war. Dann schlurfte sie durch den dahinterliegenden Flur und betrat sein Schlafzimmer. Langsam sah sich um. Der Vorhang vor dem Klavier war zurückgezogen und das Instrument war weniger eingestaubt. Sein Notizbuch und die Flaschen waren von seinem Nachttisch verschwunden und das Bett sah so aus, als ob er schon lange nicht mehr dort drin geschlafen hatte. Davon abgesehen sah es so aus, wie immer und vorsichtig näherte sie sich seinem Schreibtisch.

„Das Buch mit dem grünen Umschlag ist sein Übungsbuch, denke ich. Darin kritzelt er nur herum, übt sich an Techniken. Für mich sieht es, wie gesagt, nur nach Gekritzel aus", erklärte Phineas von der Wand aus. „Das mit dem blauen Umschlag ist sein normales Skizzenbuch, wenn Sie so wollen. Seit der Krieg angefangen hat, hat er es nicht wirklich oft benutzt, außer es zur Seite zu schieben. Darin befinden sich normale Zeichnungen von Menschen und Dingen, die sich in seinem Umfeld befinden. Das mit dem braunen Umschlag ist das, was er am meisten verwendet, das mit der abstrakten Kunst."

Schnell blätterte sie zuerst das grüne Buch durch. Das meiste davon waren bedeutungslose Linien, die vermutlich ein Teil von den Formen in den anderen Büchern waren. Einige Bleistiftspäne klemmten zwischen einigen Seiten und Abdrücke von jemandem, der seine Federspitze an den Kanten gesäubert hatte und einige Verwischungen, die nach Kohle aussahen. Wirklich von Interesse war der Versuch, das Alphabet kalligrafisch darzustellen, doch nicht sonderlich erfolgreich, und sie legte das Buch an seinen Platz zurück, bevor sie sich den blauen Einband vornahm.

Auf der ersten Seite befand sich ein ziemlich gut getroffenes Bild von Professor McGonagall mit ihrem bekannten missbilligenden Blick. Hermine unterdrückte ein Kichern, als sie den ernsten Blick und die zusammengekniffenen Nasenflügel betrachtete. Es war eine leichte Karikatur, aber dennoch sehr lebendig. „Er ist wirklich gut."

„Nur mit den Dingen, die ihm wichtig sind. Er könnte beispielsweise kein Porträt von einem Fremden zeichnen. Wenn er zeichnet, verfällt er beinahe in eine Art Trance. Ich habe ihn schon oft dabei beobachtet. Es ist keine Kunst, die jemand anderes verstehen würde."

Hermine blätterte den Rest durch. Die meisten Seiten waren leer und nur etwa ein halbes Dutzend weitere Zeichnungen folgten. Eines war eine unglaublich lebendige Darstellung von Madam Pomfrey, eine von einem Wasserspeier, der so weit sie wusste, draußen vor dem Klassenraum für Zauberkunst stand. Eine weitere Zeichnung zeigte eine inhaltslose und halb fertige Decke der Großen Halle. Ein anderes ein ebenso nicht beendetes Bild einer Schaukel auf einem Muggel-Spielplatz und das letzte Bild zeigte einen Thestral mit einem wirklich beunruhigenden Blick. Dann folgten nur leere Seiten, wo eine Seite ungeschickt herausgerissen worden war, aber es war nicht mehr genug dort, um erkennen zu können, was er dort gezeichnet hatte.

„Das letzte Buch gleicht diesem in keiner Weise", erzählte Phineas unbekümmert.

Sie zögerte, bevor sie nach dem letzten Buch griff, öffnete es zufällig und ließ es beinahe mit einem geschockten nach Luft schnappen wieder fallen. Die Werke im blauen Buch waren traditionelle Bleistiftzeichnungen gewesen, sehr schön ausgeführt und realistisch. Diese Kunst hier sprang in dicken schwarzen Linien von der Seite, alles gezackt und abstrakt. Blinzelnd blätterte sie vorsichtig weiter und versuchte einen Sinn in diesen chaotischen Mustern zu finden. Hier schienen sich keine wirklichen Zeichnungen zu befinden, nur Eindrücke von Dingen. Muster, die an Ketten erinnerten und andere, die Stacheldraht oder stilisierten Flammen ähnlich sahen und immer wieder griechische Buchstaben, die für sie überhaupt keinen Sinn ergaben.

Über eine Seite zogen sich mehrere Linien, die sie geringfügig an eine Schlange erinnerten, obwohl es nicht reptilienartig aussah. Gezackte und anscheinend zufällige Schnitte und Kratzer füllten die Ecken aus, manchmal deuteten sie etwas an – sie fand eine, die ungefähr wie ein Flügel aussah und ein paar, die zusammen beinahe die Vorderseite eines Ziffernblattes bildeten und noch einige mehr, die anscheinend Wunden und Verletzungen darstellten. Verwischungen hier und dort ließen das Papier zerbeult aussehen und sie konnte auch auf einer Seite getrocknetes Blut erkennen, vermutlich eher zufällig als beabsichtigt.

In dem Wahnsinn konnte sie aber auch Formen ausmachen, hauptsächlich Augen. Ansonsten gab es keine weiteren Gesichtszüge, so war es schwer zu sagen, zu wem sie gehörten und wenn man berücksichtigte, dass es nur Linien aus Tinte oder Kohle, ohne irgendwelche Schattierungen waren, waren sie erschreckend aussagekräftig. Ein Paar starrte sie direkt von der Seite aus an, so kalt und feindselig, dass sie automatisch begann zu zittern. Andere schienen zu lachen, zu weit aufgerissen, oder wieder andere loderten vor Wut, obwohl sie nicht erklären konnte, woher sie es wusste. Eines hatte schlitzartige Pupillen und mit einem Schaudern entlarvte sie sie als Voldemorts halb-reptilienartigen Blick. Diese bösartigen Schlitze waren gegenüber von dem kalten Augenpaar und beide waren umgeben von züngelnden Flammen. Zwei Seiten weiter waren Augen von Tieren abgebildet, eines erkannte sie als eines von einer Katze und das andere Augenpaar gehörte eventuell zu Lupin in seiner Gestalt als Werwolf, aber da war sie sich nicht sicher. Eine seltsam realistische Zeichnung von einem menschlichen Schädel nahm die nächste Seite beinahe komplett ein und die folgenden Seiten waren hastig herausgerissen worden, wodurch nur ein paar Markierungen auf dem Bücherrücken zurückgeblieben waren.

Nicht alles darin war feindselig. Ein oder zwei Augenpaare wirkten ziemlich traurig und einige der Muster wirkten gutartig, auch wenn sie nicht wusste, was sie darstellten, doch sie neigten eher zu Kurven und Kreisen als zu abgehakten Punkten und Spitzen. An einigen Stellen war die Tinte verschmiert und einige der hinteren Seiten besaßen Texturen, als ob sie mit etwas übergossen und dann wieder getrocknet worden waren, sie klebten noch leicht an den Ecken zusammen.

„Das sieht aus, als ob es zu einem anderen Mann gehören würde", murmelte sie vorsichtig, schloss das Buch und legte es genau wieder dort ab, von wo sie es aufgenommen hatte. „Einem Wahnsinnigen."

„Severus hat seit Jahren nicht mehr den Luxus wirklich bei Verstand zu sein", sagte Phineas ihr nur leicht sarkastisch. „Ergibt es für Sie mehr Sinn, als es für mich tut?"

„Ehrlich gesagt, nein, nicht wirklich." Dann zog sie ihren Zauberstab und versuchte behutsam so viele Spuren wie möglich verschwinden zu lassen, damit es für ihn nicht allzu offensichtlich war, dass sie hier gewesen war. Ungeschützt oder nicht, Snape würde sicherlich nicht erfreut sein.

„Es war einen Versuch wert."

„Sie machen sich wirklich Sorgen um ihn, nicht wahr? Gibt es denn keine Möglichkeit für Sie, mir irgendwas von dem, was ihn so belastet, zu erzählen?" Der ehemalige Schulleiter war ein Slytherin. Vielleicht hatte er ja ein Schlupfloch gefunden.

Phineas schüttelte den Kopf. „Keine. Aber bitte, versuchen Sie ihn nur weiterhin zu überreden, es Ihnen zu erzählen. Er beharrt darauf, dass er damit alleine klarkommt, aber seine Nerven liegen blank und ich weiß nicht, wie lange er noch ohne Hilfe durchalten kann."

„Ich werde es versuchen, aber wir alle wissen, er wird nicht zuhören."


Was auch immer Snape sediert hatte, ließ nach, als sie sich wie gewohnt vor den Kerkern trafen. Seine seltsame Stimmung vom letzten Abend schien etwas nachgelassen zu haben. Er sah beinahe wieder wie er selbst aus, müde und wortkarg, aber ansonsten relativ gut. Als sie ihre Runde begangen beobachtete Hermine ihn aus dem Augenwinkel heraus. Sie hatte in letzter Zeit bemerkt, dass es für sie immer weniger zur Herausforderung wurde mit ihm mitzuhalten. Obwohl sie liebend gerne denken würde, sie sei fitter geworden, war sie sich doch sicher, dass sie ihr Tempo verringert hatten. Snape hatte offenbar mit ihrem vorherigen Tempo zu kämpfen und er schien einfach nicht mehr die Kraft dafür zu haben.

Nach der Hälfte räusperte sie sich. „Sir, ich habe nachgedacht. Vielleicht sollten wir das hier beenden." Die Tatsache, dass sie so ruhig reden konnte, untermauerte nur noch einmal ihren Standpunkt. Vor sechs Monaten wäre sie zumindest etwas außer Atem gewesen.

Ganz im Gegenteil dazu keuchte Snape jetzt etwas. „Oh? Warum?"

„Offen gesagt, denke ich, schadet es Ihrer Gesundheit mehr, als dass es ihr nützt", sagte sie ihm, traf seinen Blick, als er sich zu ihr herumdrehte und beide liefen langsam aus und hielten an.

„Das denken Sie also, was?", fragte er mit leicht scharfer Stimme.

Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern, nicht mehr verängstigt durch seine ersten Anzeichen von Verärgerung. „Ich habe Augen, Sir."

„Noch liege ich nicht in meinem Grab, wissen Sie." Er versuchte, beleidigt zu klingen, aber hauptsächlich klang er so, als ob er ins Bett gehörte.

„Ich weiß, aber das hier hilft Ihnen nicht. Tut mir leid, wenn die Bemerkung unangemessen ist, aber körperlich geht es Ihnen nicht mehr so gut, wie noch zu Beginn des Schuljahres."

Snape betrachtete sie noch eine ganze Weile, bevor er zu ihrer Überraschung lächelte, ein seltsames Funkeln strahlte in seinen Augen. „Ist das so?", fragte er und klang wieder beinahe wie er selbst. Bevor sie antworten konnte, fuhr er fort: „In diesem Fall, Miss Granger… sollte es Ihnen leicht fallen, mich auf den Weg zurück zum Schloss zu besiegen." Ohne weitere Vorwarnung sprintete er los, schneller als sie ihn jemals hatte rennen sehen.

Automatisch reagierte sie und rannte ihm nach, bekämpfte den plötzlichen Drang aufgrund dieser plötzlich ganz und gar neuen Entwicklung, laut aufzulachen. Bei den Sportfestspielen an ihrer Grundschule, als sie noch zehn Jahre alt gewesen, war sie das letzte Mal jemanden nachgelaufen. Offen gesagt war das für sie eine ganz andere Form der Folter gewesen und sadistisch genug, um mit allem, was Snape ihnen im Unterricht antat, konkurrieren zu können, aber… nun, unter den richtigen Umständen machte Rennen einfach nur Spaß. Niemand wird mir das je glauben, entschied sie grinsend, als der Wind ihr das Haar aus dem Gesicht riss.

Sie verlor, was nicht überraschend war, wenn man seinen unfairen Vorsprung berücksichtigte, aber es war für sie nahe genug, um nicht enttäuscht zu sein. Jedenfalls stand ihr Punkt noch, obwohl sie beide ziemlich außer Atem waren, als sie das Schloss erreichten, so klang Snape doch schon beinahe asthmatisch und hatte zu husten angefangen. „Sie haben gemogelt", keuchte sie und lehnte sich gegen die Wand. „Das zählt nicht."

Sie ignorierend, rutschte er an der Wand in die Hocke und versuchte das Husten zu unterbinden, schnappte keuchend tief nach Luft. Als seine Atmung wieder regelmäßiger wurde, richtete er sich mit geschlossenen Augen auf und lehnte sich neben sie gegen die Wand. „Natürlich habe ich gemogelt", raunte er, zog seinen Zauberstab und zauberte einen stummen Aguamenti, um kaltes Wasser direkt in seinen Mund zu spülen, bevor er sich nach vorne beugte und es ausspuckte. Offenbar konnte er noch nicht richtig schlucken, ohne dass ihm davon schlecht wurde.

„Ihnen geht's doch wirklich gut, Sir, oder? Wenn Sie hier einen Herzanfall bekommen, nur weil Sie mich in einem Rennen schlagen wollen, dann wird Sie das immer verfolgen." Das würde ihm wahrscheinlich das magische Gegenstück zum Darwin Award einbringen, wenn es so etwas überhaupt gab.

„Bilden Sie sich nur nichts ein", erwiderte er und hörte sich bereits besser an. Er zitterte jedoch noch und er hatte sich ganz offensichtlich verausgabt. Er wusste es und sie wusste es, aber sie übersah es, tränkte den Ärmel ihrer Jacke mit ihrem eigenen Zauber und benutzte das nasse Kleidungsstück, um sich damit das Gesicht abzuwischen. Als sich beide gestreckt und noch etwas getrunken hatten, sah und hörte er sich bereits wieder besser an, aber seine angespannten Züge waren noch immer sichtbar, genau wie die beiden Porträts und Madam Pomfrey gestern Abend bemerkt hatten.

„Sir?", begann sie zögernd.

„Was auch immer Sie gestern Abend gemacht haben, ich will es nicht wissen", sagte er erschöpft mit geschlossenen Augen und lehnte sich wieder gegen die Wand.

„Das wollte ich gar nicht sagen, Sir." Phineas hatte ihr gesagt, sie sollte weiterhin versuchen herauszufinden, was diese geheimnisvolle Aufgabe war, aber sie wusste auch, es würde nicht funktionieren. Er würde es ihr nicht sagen und je mehr sie ihn drängte, desto dickköpfiger wurde er, bis er dann endgültig seine Geduld verlor. „Ich wollte fragen… ich weiß, Sie können oder werden mir nicht sagen, was wirklich los ist, aber gibt es irgendwas, was ich tun kann?"

Als er ihr nicht antwortete, drehte sie sich zu ihm um und sah, wie er sie mit einem leicht geplagten Blick musterte. „Sie haben sich seit Ihrem ersten Jahr verändert", bemerkte er schließlich mit leicht abwesender Stimme, bevor er schließlich langsam den Kopf schüttelte. „Nein, da gibt es nichts, aber… ich danke Ihnen für das Angebot", fügte er dann steifer hinzu.

„Wollen Sie darüber reden?"

Er schnaubte leise, entspannte sich und schenkte ihr einen amüsierten Blick. „Sie sind nicht meine Therapeutin, Granger."

„Also das ist doch mal eine Idee", antwortete sie. „Vielleicht werde ich das ja nach der Schule machen. Ich werde die erste Psychologin in der gesamten Zauberwelt."

„Gott weiß, wir brauchen einen", stimmte er mit zuckenden Lippen zu. „Also, wenn Sie dann jetzt fertig damit sind, meine körperliche und geistige Gesundheit anzuzweifeln, los mit Ihnen."


Seit Harry die gesamte Erinnerung von Slughorn erfahren und bestätigt hatte, dass er Voldemort von Horkruxen erzählt hatte, hatte Hermine ziemlich viel nachgedacht. Dumbledore sagte, es gäbe nur zwei Bücher in Hogwarts, die dieses Thema behandelten, und die befänden sich sicher in seiner Obhut und es stimmte auch, da sie nichts darüber in der Verbotenen Abteilung gefunden hatte, aber sie würde ihren Zauberstab verwetten, dass es noch jemanden in diesem Schloss gab, der noch darüber Bescheid wusste.

Sie verstand nicht, warum Snape nicht mit einbezogen wurde. Er war ihr gegenwärtiger Experte in Bezug auf die dunklen Künste und außer Dumbledore selbst wusste er vermutlich mehr als sonst wer über Voldemort Bescheid. Der offizielle Grund war, das Risiko sei zu groß, dass Voldemort es herausfinden könnte, das wusste sie, aber wenn man es genauer betrachtete, dann ergab es keinen Sinn. Snape war sehr gut darin, Geheimnisse zu wahren oder er wäre schon vor einer sehr langen Zeit entdeckt worden. Er hatte ihr selbst gesagt, sollte der Dunkle Lord durch seine Verteidigungen dringen, dann würde er mehr als genug herausfinden, was den Orden zerstören würde, an welchen Punkt es dann wirklich egal war, ob er dann noch wusste, wie verletzlich ihn diese Horkruxe machten, denn es würde keiner mehr übrig bleiben, der von ihnen wissen könnte.

Snape selbst schien zu glauben, Dumbledore vertraute ihm einfach nicht, wonach es auch sehr aussah, doch auch diese Logik hatte ihre Lücken. Inzwischen hatte er mehr als nur eine Möglichkeit gehabt, sie alle zu verraten, wenn es denn das war, was er wirklich wollte. Hermine kannte ihn jetzt seit sechs Jahren und seit einem Jahr hatte sie ihn wirklich kennengelernt. Wenn sie schon nach diesem kurzen Zeitraum sehen konnte, dass er absolut alles dafür gab, Voldemort tot zu sehen, warum konnte es dann nicht auch Dumbledore – ein Mann, der ihn schon so viel länger kannte?

Es war einfach unlogisch, Snape nicht mit ins Boot zu holen. Er wusste so viel. Seine Hilfe würde sich sicherlich als nützlich erweisen und jedenfalls war sie der Meinung… er hatte ein Recht, zu wissen, gegen was er kämpfte. Es stand immerhin sein Leben auf dem Spiel und er sollte auch wissen, warum. Ziemlich vorsichtig sprach sie das Thema Harry und Ron gegenüber an. Harry stimmte ihr zu, aber erinnerte sie mit einem Schulterzucken daran, dass Dumbledore sie alle zu Verschwiegenheit verpflichtet hatte. Ron war sich weniger sicher, aber er hatte auch nicht viel Zeit gehabt, sich an den Gedanken, dass Snape und Hermine so etwas wie Freunde waren und ihr Lehrer wirklich auf ihrer Seite stand, zu gewöhnen, ganz zu schweigen von Hermines wahren Gefühlen dem Mann gegenüber. Er wollte nichts damit zutun haben.

Ein Teil in ihr dachte noch immer wie das gute Mädchen und sie hatte kurzzeitig in Erwägung gezogen, Dumbledore darauf anzusprechen und ihm darum zu bitten, Snape die Wahrheit zu sagen, bevor sie sich dann doch widerspenstig dagegen sträubte. Sie stand Dumbledore nicht so nahe wie Harry und hatte nur ein paar Mal mit diesem Mann ein privates Wort gewechselt. Sie war sicherlich nicht selbstbewusst genug, um sich mit ihm zu streiten, und es würde gewiss zu einem Streit ausarten. Also musste sie einen Weg um das Geheimnis herum finden.

Am nächsten Morgen bat sie Snape diskret nach der Hälfte anzuhalten, damit sie ungestört reden konnten, ohne Gefahr zu laufen, belauscht zu werden. Hagrid war noch nicht wach und ansonsten war niemand hier draußen.

Er wischte sich das Gesicht ab, anscheinend froh, eine kleine Pause einlegen zu können. Er würde es noch immer nicht zugeben, aber ihre morgendlichen Runden strengten ihn in letzter Zeit immer mehr an, während seine Kräfte weiterhin schwanden. „Was plagt Sie diesmal, Granger?", fragte er und versuchte nicht allzu atemlos zu klingen.

Ermutigt durch seine relativ zwanglose Anrede, zuckte sie mit einem halben Lächeln die Schultern. „Ich habe da eine Frage, so überraschend das jetzt auch klingen mag." Er zog eine Augenbraue hoch und beäugte sie spöttisch, aber er schwieg und so fuhr sie etwas besorgt fort: „Ich habe mir über eine Form der dunklen Magie, von der ich erst kürzlich gehört habe, Gedanken gemacht… was wissen Sie über Horkruxe, Sir?"

Er zischte scharf, bestätigte dadurch, ja, er wusste, was sie waren. „Wo haben Sie den Ausdruck gehört?"

Hermine sah ihn unschuldig an. „Würden Sie mir die Verbotene Abteilung glauben?"

„Nein." Er trat einen Schritt auf sie zu, seine schwarzen Augen wurden hart. „Spielen Sie nicht mit mir, Miss Granger. Wo haben Sie davon gehört?"

„Ich habe versprochen, ich würde niemanden irgendetwas sagen, Sir."

Sein Blick wurde nur noch härter und seine Stimme gefährlich leise. „Miss Granger…"

Tief durchatmend hob Hermine entschuldigend ihre Hände und wiederholte diesmal mit mehr Nachdruck: „Ich habe versprochen, ich werde nichts sagen, Sir."

Snape hatte augenblicklich verstanden und riss leicht seine Augen auf. Nicht zum ersten Mal war sie unglaublich froh, dass er so intelligent war. Mit einem leichten Stirnrunzeln neigte er leicht seinen Kopf und musterte sie abschätzend, seine Augen verengten sich, als er darüber nachdachte. „Verstehe", sagte er langsam. „Steht das vielleicht im Zusammenhang mit dem, was der Schulleiter mit Potter bespricht?"

„Das kann ich unmöglich sagen, Sir." Mit einem unterdrückten Lächeln fügte sie monoton hinzu: „Nein, bitte, ich habe versprochen nichts zu sagen. Bitte, hören Sie auf."

Seine Lippen begannen zu zucken und er verdrehte die Augen. „Übertreiben Sie es nicht. Sind Sie bereit?" Nickend traf sie selbstsicher seinen Blick und er murmelte: „Legilimens."

Zuerst konzentrierte sie sich auf den Nebel, Hermine war zufrieden zu sehen, wie schnell sich ihre Verteidigung aufbaute. Als sie bereit war dachte sie an die erste Erinnerung, in der Harry mit Dumbledore darüber geredet hatte, ihm zusätzliche Stunden zu geben und begann vorsichtig um jedes dieser Treffen herumzuarbeiten, in denen er ihnen die Erinnerungen, die der Schulleiter ihm gezeigt hatte, beschrieb. Über die Gaunt-Familie und das Waisenhaus und Riddle und der bearbeiteten Erinnerung von Slughorn und dann später die echte, und zum Schluss alles, was Harry ihnen erzählt hatte, was Dumbledore wusste oder über die Horkruxe vermutete. Sie spürte, wie Snape eindringlich und neugierig alles beobachtete und war erfreut, dass er sich die Erinnerungen von ihr in ihrem eigenen Tempo zeigen ließ, anstatt selbst danach zu suchen.

Als dann irgendwann die Verbindung unterbrochen wurde, blinzelte sie wild und konzentrierte sich auf sein Gesicht. Er starrte gedankenverloren in die Ferne, seine Stirn war in tiefe Falten gelegt. Schließlich seufzte er langsam und blinzelte, als er wieder zu ihr sah. „Nun", bemerkte er nachdenklich, „das ergibt jede Menge Sinn."

„Sie scheinen nicht sonderlich überrascht zu sein, Sir", traute sie sich zu fragen.

„Oh, ein paar Dinge waren sicherlich eine Überraschung, aber ich hatte meine Vermutungen bezüglich seiner Vergangenheit… Sie kennen ganz sicherlich das Sprichwort ‚Gleich und Gleich gesellt sich gern'? Ich war mir ziemlich sicher, dass auch er keine angenehme Kindheit gehabt hat und manchmal waren ihm bestimmte Traditionen der Reinblüter genauso unvertraut wie mir und verstand sie auch nicht – und schon bevor Potter seine Wiederauferstehung mit den Gebeinen seines Vaters beobachtet hatte, habe ich mir Gedanken über seinen Blutstatus gemacht, auch wenn ich selbstverständlich niemals selbst versucht habe, es herauszufinden." Er verzog leicht sein Gesicht, „Ich mochte den Gedanken, dass er genau wie ich, ein Halbblut sein könnte. Offensichtlich war ich als Jugendlicher nicht besonders schlau."

Mit einem Schulterzucken fuhr er dann fort: „Selbstverständlich habe ich seit Ihrem zweiten Jahr auch gewusst, dass er der Erbe Slytherins ist. Und was die Horkruxe angeht, nun, die Sache mit dem Tagebuch hat mich ins Grübeln gebracht, ob es das war, was sein Leben auf so unnatürliche Weise verlängert hat. Ich habe jedoch nicht gewusst, dass man mehr als einen herstellen kann. Als er dann zurückkehrte, bin ich davon ausgegangen, dass ich mich geirrt hätte. Ich frage mich, woher Slughorn so etwas weiß", überlegte er dann weiter, bevor er wieder zu ihr blickte. „Warum haben Sie mir erlaubt es zu sehen, wenn Sie doch versprochen haben, es geheim zu halten?"

„Das habe ich nicht getan und Sie sind ein schrecklicher Mann, weil Sie mich dazu gezwungen haben", antwortete sie brüsk mit einem kleinen Lächeln.

Snape verdrehte wieder die Augen. „Selbstverständlich." Er dachte ein paar Minuten weiter darüber nach, bevor er sie mit einem harten Blick betrachtete. „Ich will mit dabei sein. Ich werde noch heute mit dem Schulleiter reden. Er wird zweifelsohne absolut außer sich sein, weil ich gewaltsam an einem Schüler Legilimentik angewendet habe", fügte er trocken hinzu, „aber irgendwie werde ich mit diesem Schmerz schon klarkommen. Er wird sein Bestes geben, um mich nicht dabei haben zu wollen, was der Zeitpunkt ist, wo Sie ins Bild rücken. Potter wird mit dabei sein, wenn er den nächsten Horkrux ausfindig macht, ja?"

„Das hat Professor Dumbledore gesagt, ja."

„Wenn das passiert, dann bestehen Sie und Weasley darauf, ihn zu begleiten. Sorgen Sie dafür, dass wenn ich im Schloss bin, eines der Porträts mir Bescheid gibt. Wenn ich kann, will ich es mit eigenen Augen sehen – solange ich noch die Möglichkeit habe, will ich sehen, wie der Plan ausgeführt wird."

Da das einer der Gründe war, warum sie es ihn hatte herausfinden lassen, nickte Hermine glücklich. „Ich schätze, Sie werden es mir nicht zurückzahlen, indem Sie mit mir Ihren geheimen Plan mit dem Schulleiter teilen, Sir?", fragte sie hoffnungsvoll. Es würde selbstverständlich nicht funktionieren, aber es gab noch einige Anläufe, die sie nicht ausprobiert hatte.

Sein Blick verdunkelte sich. „Nein."

„Typisch. Wir wissen aber bereits einen Teil", fügte sie unbefangen hinzu.

„Tun Sie das?"

„Draco Malfoy ist ein Todesser." Okay, das wussten sie nicht mit Sicherheit, aber es gab einige Beweise, die stark in diese Richtung deuteten…

„Ist er das?"

„Und Sie haben irgendeinen Schwur geleistet…"

„Habe ich das?"

Sie erwiderte seinen absolut ausdruckslosen und verschlossenen Blick und gab schließlich nach. „Oh, na schön, Sir. Dann seien Sie eben so."

Sein flüchtiges Lächeln ließ seine dunklen Augen funkeln. „Das habe ich auch vor. Kommen Sie, wir sind schon spät dran. Versuchen Sie in den nächsten ein oder zweit Tagen dem Schulleiter aus dem Weg zu gehen. Er wird nicht besonders erfreut sein."


Erst nach dem Abendessen fand Severus wirklich die Zeit, sich hinzusetzen und über das, was er heute erfahren hatte, nachzudenken. Er müsste noch heute Abend mit Dumbledore reden – das würde solch ein Spaß werden. Der alte Mann würde stinksauer sein – aber zuerst wollte er seine Gedanken ordnen. Es waren immerhin verdammt viele Informationen, die er da verarbeiten musste. Keiner der Todesser hatte jemals wirklich etwas über ihren Herren gewusst, obwohl er, wie er bereits Hermine sagte, seine Vermutungen gehabt hatte, genau wie ein paar andere unter ihnen auch.

Horkruxe, hm? Jetzt wo er drüber nachdachte, war es logisch. Er hatte sich gewundert. Es war kein Thema, über das er sonderlich viel wusste. Er besaß Bücher, die sich damit befassten, aber nicht hier – er wusste es besser, als etwas so Dunkles mit in die Schule zu bringen, besonders da seine zwei unmittelbaren Vorgänger auf diesem Posten seine Gemächer mehr als einmal durchsucht hatten. Das war ein Problem. Er hatte keine Zeit für einen kurzen Abstecher nach Hause, um dort ein paar Nachforschungen anzustellen, also musste er sich auf das verlassen, an das er sich noch erinnern und was er ausschließen konnte. Immerhin würde zuerst die Hölle zufrieren, bevor Dumbledore ihm weitere Informationen gab und Slughorn würde jetzt mit Sicherheit äußerst wachsam sein.

Ich wünschte, ich hätte gesehen, wie Potter ihn betrunken gemacht hat, überlegte er mit einem sehnsüchtigen Lächeln. Der Junge lernte langsam dazu. Das war schon beinahe slytherin-reif gewesen – obwohl man kein Genie sein musste, um zu erkennen, dass Slughorn hin und wieder etwas zu Trinken mochte. Emotionale Erpressung war eine grausame Sache, die man einem Betrunkenen antun konnte, aber er war nicht geneigt, mit jemandem Mitleid zu haben, der nicht erkennen konnte, dass Tom Riddle geistig gestört war.

Severus hatte alles aufgeschrieben, was Hermine ihm gezeigt hatte und jetzt lehnte er sich zurück und arbeite noch einmal nachdenklich seine Notizen durch. Seit dem Morgen hatte er über das Leben seines Herren nachgedacht und ehrlich gesagt störten ihn die Gemeinsamkeiten. Kein stabiles Familienumfeld, keine sozialen Kontakte, Armut und Verwahrlosung und ein Talent für die dunklen Künste und sehr viel schlummernder Groll… und eine Neigung zu melodramatischen Spitznamen. Das erklärte vielleicht, warum der große Lord Voldemort ihm vor all den Jahren eine Chance gegeben hatte. Es bedeutete auch, er hatte hier vielleicht einen kleinen Vorteil, da er zumindest ansatzweise nachvollziehen konnte, wie sein Herr dachte.

Er musste zugeben, Potter teilte auch gewisse Merkmale. Die Ähnlichkeiten zwischen ihnen beiden hatte er bereits bemerkt. Wenn er jetzt noch Voldemort mit ins Bild nahm… müßig zeichnete er ein Dreieck an den Seitenrand. Es war im Grunde wirklich interessant, dass sie drei sich in dieser Situation befanden. Er stand zwischen den anderen beiden, der Rand einer Münze, der die beiden Seiten zusammenhielt. Vielleicht war Dumbledore ja deswegen so niedergeschlagen und wollte ihn loswerden, weil er nicht ein Teil davon war?

Grundgütiger Gott, ich klinge schon wie Trelawney. Ein Lachen unterdrückend, streckte er sich und lehnte sich wieder zurück, legte seine Beine auf die Tischkante und kreuzte gelassen seine Knöchel, als mit halbgeschlossenen Augen noch einmal seine Notizen durchlas. Zumindest gab es einen geringen Trost, dass er kein kompletter Psychopath war. Severus wusste sehr wohl, dass auch er in sich die Tendenz zur Schikane trug, und wenn er während seiner Schulzeit Teil einer Gang gewesen wäre, anstatt ihr Opfer zu sein, dann wäre einiges viel schlimmer verlaufen, aber er hatte auch seine Grenzen. Es gab viele Gemeinsamkeiten zwischen ihm und Tom Riddle, aber es gab auch viele Unterschiede, was wirklich beruhigend war.

Er war so darin versunken dieses neue Wissen in das Bild vom Verlauf des Krieges einzuarbeiten und damit ein paar Löcher zu füllen, dass er beinahe einen Herzinfarkt bekam, als Dilys ihn laut und freudig von der Wand aus begrüßte. „Also, Severus, ich habe gehört, Sie erpressen Schulmädchen um Informationen?"

„Verdammt, Frau, hören Sie auf damit", atmete er schwach, amüsiert darüber, dass man ihn so unaufmerksam vorgefunden hatte – normalerweise war er wachsamer. „Sie wissen, wie hoch mein Blutdruck im Moment ist. Und Sie wissen ganz genau, ich habe nichts dergleichen getan – es ist alles ihre Idee gewesen. Ich weiß, dass Sie das auch wissen, weil sie es Ihnen erzählt hat. Bisher weiß es sonst noch niemand."

„Nun, sie ist schon immer ein kluges Mädchen gewesen", hob sie hervor und er nickte zustimmend. „Wann werden Sie Albus damit konfrontieren?"

„Heute Abend. Am besten kurz bevor er ins Bett geht. Es ist höchste Zeit, dass er auch mal etwas Schlaf verliert, anstatt anders herum.

„Er wird fuchsteufelswild sein, wissen Sie."

Er grinste das Porträt schief an. „Das wird nur das Sahnehäubchen sein. Er kann mir deswegen rein gar nichts anhaben. Dafür braucht er mich viel zu dringend."

„Unterschätzen Sie ihn nicht, Severus."

„Das habe ich auch nicht vor. Vielleicht sollte ich sagen, es gibt nichts Nachhaltiges, was er mir antun kann. Ich bin mir sicher, er wird einen Weg finden, um es mich büßen zu lassen, aber auf lange Sicht spielt es keine Rolle mehr." Er lehnte sich wieder in seinen Stuhl und schaute hinunter auf seine Notizen. „Geschieht ihm recht, wenn er mich im Dunkeln sitzen lässt."

Da lachte Dilys auf. „Sie kritisieren jemanden, weil er geheimnisvoll und verschwiegen ist?"

„Oh, halten Sie die Klappe", antwortete er dennoch amüsiert – Dilys war die Einzige, die bisher damit durchgekommen war, ihn zu verspotten, wenn auch nur aus dem Grund, dass er sie nicht aufhalten konnte, also hatte er gelernt es zu tolerieren. „Ich tue es nicht, nur weil ich es kann."

„Nein, Sie tun es, weil Sie ein dickköpfiger Pessimist sind." Sie schüttelte den Kopf, ihr Lächeln verschwand leicht. „Severus…"

„Gott, nicht schon wieder", stöhnte er. „Wie oft muss ich es Ihnen oder Phineas noch sagen, bevor Sie begreifen, dass ich es auch so meine? Er sucht mich bereits seit Wochen heim."

„Ich weiß schon, dass Sie es so meinen, aber ich denke, Sie irren sich", sagte sie ihm sachlich. „Sie sollten es ihr aus vielerlei Gründen sagen Severus."

„Egal, was ich jetzt sagen werde, Sie werden mir diese Gründe trotzdem aufzählen, nicht wahr?"

„Ja, also seien Sie ruhig und hören mir zu. Der erste Grund ist, der Stress es ganz alleine zu verarbeiten, bringt Sie um. Sie sind zu Tode verängstigt, selbst wenn Sie uns etwas anderes glauben lassen wollen. Ich kann es Ihnen nicht verübeln. Sie befinden sich in einer miesen Situation, aber wenn es noch jemand weiß, wird es Ihnen helfen, selbst wenn Sie sich dadurch nur etwas besser fühlen."

„So selbstsüchtig bin ich nicht."

„Was?"

„Ja, ich werde mich dadurch besser fühlen – denken Sie wirklich, das ist mir nicht bewusst? Aber sie wird sich schlechter fühlen. Sie ist so, wie es momentan ist, bereits schon verängstigt genug, Dilys. Ich werde nicht dafür verantwortlich sein, das sie auch noch das letzte bisschen Vertrauen verliert. Lassen wir sie weiterhin darauf vertrauen, dass unser Anführer schon weiß, was er da tut."

„Sie vertraut ihm aber nicht mehr, Severus. Denn Grund zwei ist, sie weiß, dass er Sie zu etwas zwingt, was Sie zerstört und sie macht sich wirklich verdammt große Sorgen um Sie. Sie kennen sie; wenn sie weiß, was auf sie zukommt, dann wird sie nicht mehr so verängstigt sein."

„Das ist wohl wahr", gestand er widerwillig mit einem Schulterzucken ein. „Aber dennoch vertraut sie noch immer darauf, dass er weiß, was er tut und ich damit zurechtkomme, törichtes Mädchen. Und das werde ich ihr nicht nehmen, es sei denn ich habe keine andere Wahl mehr. Wenn ich wirklich denken würde, sie könnte mir helfen oder dass sich die Dinge verbessern, wenn ich es ihr sage, dann würde ich es tun, aber so wie es im Moment aussieht…"

„Schön. Grund drei ist, es ist ihr gegenüber nicht fair. Denken Sie mal drüber nach, Severus. Wenn sie nicht weiß, was los ist und es ihr erst von jemanden erzählt wird, wenn Sie Albus umgebracht haben, was wird es ihr dann antun? Und auch Ihnen? Sie können nicht zulassen, dass sie es auf diese Weise herausfindet. Sagen Sie ihr, was sie zu erwarten hat und geben Sie ihr eine Warnung im Voraus. Grund vier ist, Sie werden den Dreien nach dem Tod von Albus helfen müssen und das können Sie nicht, wenn sie denken, dass Sie sie betrogen haben. Denken Sie etwa, sie wird es ganz alleine herausfinden, wenn sie verängstigt und sich verraten fühlt und mit ihren Freunden auf der Flucht ist? Sie ist schlau, aber sie ist jung, und ihre Welt wird zerbrechen, wenn Sie sie nicht vorbereiten."

„Ihre Welt wird zerbrechen?", wiederholte er. „Wohl kaum."

Ungläubig starrte sie ihn an und schüttelte dann langsam den Kopf. „Severus Snape, Sie hören nie auf mich zu verwundern. Sie sind zweifelsohne der intelligenteste Mann, den ich jemals kennengelernt habe und doch sind Sie zeitgleich unglaublich dämlich. Ich kann nicht glauben, dass ich es Ihnen buchstabieren muss, aber schön. Grund fünf, warum Sie es Hermine sagen sollten, ist, sie ist verrückt nach Ihnen, Sie bescheuerter Idiot."

Severus erstarrte eindeutig zu lange, aber für einen Moment konnte er wortwörtlich nicht atmen. Schließlich schüttelte er es ab, starrte das Porträt giftig an. „Das ist nicht lustig."

„Nein, ist es nicht", stimmte sie ihm geschwind hinzu und erwiderte seinen Blick mit sanfter Verzweiflung. „Aber es stimmt und sie macht sich diesbezüglich ziemlich fertig. Genau wie Sie", fügte sie bestimmt hinzu. „Ich mag vielleicht alt und tot sein, aber ich bin nicht blind oder dumm. Ich weiß, Sie mögen sie und ich weiß auch, Sie tun so, als ob Sie es nicht tun würden. Sie mögen vielleicht jeden anderen damit überzeugen, aber nicht mich. Sie mag Sie, Severus", fuhr sie jetzt sanfter fort. „Ich weiß, Sie hatten vorher noch nie eine Beziehung, also kann ich nicht davon ausgehen, dass Sie bemerken werden, wenn ein Mädchen an Ihnen interessiert ist, aber…"

„Das war unangebracht", knurrte er automatisch und versuchte den Rest seines Gehirns wieder aus der Starre zu holen, um ihm einen Hinweis darauf zu geben, wie er sich fühlen sollte. „Ich hatte vielleicht noch nie-"

„Klappe halten, Dummkopf, Sie wissen, was ich meine. Ich sagte Beziehungen, nicht Sex. Haben Sie es denn nicht einmal vermutet? Sie macht sich vollkommen verrückt, dass sie sich Ihnen gegenüber verraten könnte. Ich denke, ich sollte nicht überrascht sein… sie ist genauso pessimistisch wie Sie."

„Ich weigere mich, diese Unterhaltung zu führen."

„Severus Snape, bleiben Sie sofort stehen, oder ich schwöre Ihnen, ich werde diese Unterhaltung sehr laut in einem öffentlichen Flur fortsetzen, wenn ich Sie dort oben sehen sollte."

Daraufhin zügelte er seinen Zorn, hielt gehorsam auf halbem Wege inne und drehte sich widerwillig um. „Dilys, bitte. Ich will nicht darüber reden."

„Pech gehabt. Um die Wahrheit zu sagen, habe ich die Nase gestrichen voll von euch beiden und wenn ich euch irgendwo einsperren könnte, damit die Natur ihren Lauf nehmen kann, dann würde ich das tun. Also jetzt keine weiteren Ausflüchte mehr. Sie mögen Sie, nicht wahr?"

Severus zögerte. Er hasste es, sich dermaßen aus dem Gleichgewicht zu fühlen und er wollte wirklich nicht über seine Gefühle reden… aber gleichzeitig wusste er verdammt genau, dass Dilys nicht aufgeben würde, bis er aufgegeben hatte und wenn es eine geringe Chance gab, dass Hermine ihn mochte, dann wollte er mehr herausfinden. Deshalb gab er sich widerwillig geschlagen, wandte seinen Blick ab und murmelte: „Ja."

„Nun, das ist doch schon einmal ein Fortschritt. Und ich schätze, Sie haben sich die ganze Zeit eingeredet, es sei unmöglich, dass auch sie Sie mögen könnte, weil Sie älter, und Ihr Lehrer, und ein unsympathischer, unsozialer, unattraktiver Jammerlappen sind."

„Vielen Dank dafür."

„Severus, denken Sie doch mal einen Moment lang nach. Hermine ist ein kluges Mädchen, eines der klügsten – im Grunde, wenn man ihr Alter berücksichtigt, vermutlich das klügste Mädchen, was ich bisher kennengelernt habe. Denken Sie wirklich, sie weiß inzwischen nicht, wie Sie wirklich sind? Ich sage Ihnen, ihr ist es egal. Sie ist jung genug, um unsicher im Umgang mit sich selbst zu sein, sonst, denke ich, hätte sie bereits einen Schritt auf Sie zugetan."

Er biss auf seine Lippe und hasste sich augenblicklich dafür, als er unbehaglich seinen Nacken massierte. „Teilt Phineas diese Theorie ebenfalls?"

„Er sieht die Wahrheit, ja", erwiderte sie. „Es ist keine Theorie, und Sie sind ein Narr."

„Sagen Sie mir nur, dass ansonsten niemand darüber Bescheid weiß."

„Das kann ich wirklich nicht sagen", antwortete sie leichtfüßig. „Aber um die Leute, die Sie sich sorgen sollten… da können Sie sich entspannen. Ich bin mir beinahe sicher, Poppy hat es bereits vor Monaten ausgearbeitet, aber sie hat mir oder Hermine gegenüber nichts erwähnt und ich bezweifle, dass sie es noch tun wird." Dilys seufzte und musterte ihn durch zusammengekniffene Augen. „Ich erwarte nicht, dass Sie mir sofort glauben, wissen Sie. Also, werden Sie ihr sagen, was hier los ist?"

Bestimmt erstickte er den winzigen Hoffnungsschimmer und versuchte nachzudenken, massierte seinen Nasenrücken dabei. „Ich werde es mir überlegen", sagte er schließlich. Eigentlich nur, damit sie endlich Ruhe gab, als auch wirklich mit der Absicht es zu tun. „Aber ich lasse mich zu nichts drängen, also hören Sie auf und lassen Sie mich bitte darüber nachdenken."

„Ich schätze, etwas Besseres kann ich nicht erwarten. Also schön. Aber da gibt es noch eine Sache, die ich gerne sagen möchte, Severus, und die ist wirklich wichtig,"

Er seufzte. „Fahren Sie fort."

„Wenn Sie das hier vermasseln, dann werde ich Sie vernichten."

„Was?"

„Ich kenne Sie, seit Sie ein kleiner Junge waren, Severus, und ich weiß, Sie besitzen diesen schrecklichen selbstzerstörerischen Hang. Ich weiß wie Sie sein können. Und ich warne Sie, wenn Sie sie jetzt angreifen oder versuchen, sie von Ihnen fernzuhalten oder Ihre Gefühle verletzen oder sonst etwas Dummes oder Boshaftes tun, dann werde ich einen Weg finden und Ihnen Ihr vermutlich ziemlich kurzes Leben sehr schmerzhaft werden lassen. Nein, halten Sie die Klappe und hören Sie mir zu, Sie wissen, ich habe recht. Wir beide wissen, Ihr erster Impuls wird es sein, sie von sich fernzuhalten. Es wird nicht funktionieren, aber es wird sie verletzen und ich oder sonst wer wird Ihnen das niemals verzeihen. Halten Sie Ihren Zorn im Zaum und verhalten Sie sich wie ein Erwachsener und Sie werde vielleicht das Glück finden, was Sie schon so lange verdient haben. Versauen Sie es, dann werden Sie alleine und verhasst sterben, genauso wie Sie es immer befürchtet haben."

Ohne ihm die Chance eine Antwort zu geben, nicht, dass er gewusst hätte, was er hätte sagen sollen, marschierte sie aus dem Bilderrahmen und verschwand. Für eine Minute starrte Severus auf den leeren Rahmen, drehte sich dann in seinem leeren Büro herum und fragte dann ziemlich verwundert: „Was zum Teufel ist hier gerade eben passiert?"


Er musste zwanzig Minuten meditieren, um sein Gehirn danach wieder herunterzufahren, aber er blieb hartnäckig. Er musste sich erst einmal wieder fangen, bevor er rational über das, was Dilys ihm gesagt hatte, nachdenken könnte. In der Zwischenzeit musste er Dumbledore konfrontieren. Während er durch die dunklen Korridore zum Büro des Schulleiters schlenderte, unterdrückte er all seine Gefühle. Er freute sich schon auf das, was gleich folgen würde. Es war an der Zeit die perfekte Welt des alten Mannes mal etwas durchzuschütteln.

„Guten Abend, Severus", begrüßte sein Arbeitgeber ihn, als ob ihr letzter Streit niemals stattgefunden hätte. „Es ist ziemlich ungewöhnlich, Sie hier zu sehen, ohne, dass ich Sie darum gebeten habe. Stimmt etwas nicht?"

„Ganz und gar nicht", antwortete er ruhig und bemerkte durchaus das leise Rascheln der Gemälde um sie herum, sie wurden langsam aufmerksam. Das Publikum würde es sicherlich genießen. Er unterdrückte ein Lächeln, musterte Dumbledore einen Moment und zog die Erwartung noch etwas in die Länge, bevor er zu dem Stuhl ging, sich hinsetze und seine Beine vor sich ausstreckte und wie gewohnt seine Knöchel kreuzte. „Also… Horkruxe? Das ist wirklich interessant."

Oh, wie er sich doch eine Kamera herbei wünschte. Diese Erinnerung würde er garantiert in ein Denkarium stecken und sie sich vergnügt immer wieder neu ansehen. Es war der ehrlichste Schock den er jemals gesehen hatte, vervollständigt mit heraustretenden Augen und einem offenstehenden Mund. Dumbledore stammelte einen Moment stumm, bevor er erbleichte und sich nur langsam erholte. „Wie… Wer hat es Ihnen erzählt?"

Er versuchte nicht laut aufzulachen, als er ihm ein fades und falsches Lächeln schenkte. „Ich bin ein Spion, Dumbledore, falls Sie das schon vergessen haben. Ich habe meine Methoden an Informationen zu gelangen, die man vor mir versteckt." Es war wirklich verführerisch den alten Mann in seiner Sorge um Informationslücken im Dunkeln zu lassen, aber der Orden war viel zu übervorsichtig, also fügte er gelassen hinzu: „Und Teenager können die Tatsache nicht verbergen, dass sie etwas verstecken."

Der Blick des Schulleiters verdunkelte sich, Wut begann den Schock jetzt abzulösen. „Was haben Sie getan, Severus?"

„Was ich tun musste. Sie hätten mir das nicht vorenthalten dürfen und das wissen Sie. Ich habe ein Recht zu wissen, für was ich hier mein Leben gebe."

„Wenn Sie mir gerade sagen, Sie haben Legilimentik an einem Kind ausgeübt…"

„Habe ich das gesagt? Ich glaube, das habe ich nicht." Sie ist kein Kind und es war ihre Idee. Bestimmt führte er seine Gedanken aus dem gefährlichen Gebiet. „Sie hätten es uns erzählen sollen, Dumbledore. Nicht nur mir, sondern dem gesamten Orden. Ich rede hier nicht von unserem kleinen Abkommen, ich weiß, Sie haben nicht vor, irgendwem davon zu erzählen – das ist dumm, aber das werden wir jetzt mal übersehen. Ich rede hiervon. Die Horkruxe und die Informationen über Riddle. Zumindest Minerva sollte es wissen. Sie ist im Grunde momentan ziemlich verletzt darüber, dass Sie ihr nichts mehr anzuvertrauen scheinen. Machen Sie nur so weiter und auch sie wird noch ihr Vertrauen in Sie verlieren. Manchmal müssen Sie auch etwas preisgeben."

Genau wie er erwartet hatte, ignorierte der alte Mann das und stand stattdessen auf und begann um den Schreibtisch herumzulaufen und ihn von oben herab anzustarren. „Es ist für Sie zu gefährlich, darüber Bescheid zu wissen."

„Nein, ist es nicht", antwortete er mit seiner beleidigten, gelangweilten gedehnten Stimme und ging sogar soweit, seine Fingernägel zu begutachten. „Sie wissen, das ist Schwachsinn Dumbledore. Ich kenne bereits seit Jahren genug Details, um euch alle zu vernichten, sollte er etwas herausfinden. Noch ein paar weitere Geheimnisse werden da keinen Unterschied machen. Was ich nicht will, was er herausfindet, wird er auch nicht erfahren. Es liegt in meinem Interesse zu sterben, bevor er es sehen kann, denn wenn er irgendwas von meinen Geheimnissen mitbekommt, wird mein Sterben Wochen dauern. Sie werden zumindest einem selbstsüchtigen Grund Glauben schenken, ungeachtet der anderen Argumente gegenüber."

Während er redete, hatte Severus genausten den alten Mann beobachtet, die schwarze, verwitterte Hand hatte er komplett ignoriert und sich stattdessen auf die gesunde konzentriert. Daher hatte er auch die langsame Bewegung gesehen und war nicht einmal annähernd überrascht eine gezogene Zauberstabsspitze zwischen seinen Augen vorzufinden. „Obliviate!"

Severus gähnte übertrieben und machte es sich in seinem Sessel bequemer. „Netter Versuch, aber ich bin kein verängstigter und traumatisierter sechzehnjähriger Junge mehr. Sie können keine Erinnerungen von einem so starken Okklumentor, wie ich es bin, modifizieren. Der halbe Grund, warum ich es überhaupt gelernt habe, war Ihre Drohung mir so etwas anzutun." Er blickte auf, ließ das spöttische Grinsen und den gelangweilten Ton fallen und fügte kalt hinzu: „Sollten Sie noch einmal wagen Ihren Zauberstab auf mich zu richten, dann sollten Sie besser bereit sein auch den Todesfluch zu benutzen, denn sollten Sie irgendwas anderes benutzen, dann werde ich Ihnen Ihren Zauberstab abnehmen und Sie dazu zwingen, ihn zu essen."

„Drohen Sie mir nicht."

„Dann drohen Sie mir nicht." Aufstehend traf er direkt Dumbledores Blick. „Ich bin nicht Ihr Schoßhund, Schulleiter, noch bin ich dumm. Ich besitze ein Gehirn und ich habe die Fähigkeit es auch einzusetzen, ganz im Gegenteil zu einer besorgniserregend großen Anzahl von anderen Menschen. Sie kennen meine Gründe, warum ich auf Ihrer Seite stehe-" Zumindest einen Großteil davon… „- und keiner davon beinhaltet Sie. Ich folge Ihrem Plan, weil ich keine andere Wahl habe und weil ich keinen besseren Plan habe und weil ich Potter gewinnen sehen will. Ich werde für ihn sterben, wenn ich es muss, aber ich werde sicherlich nicht für Sie sterben."

Schweigend starrten die beiden sich an, bevor der Schulleiter seufzend seinen Blick abwandte. „Es gibt keinen Grund dafür, Severus. Ich versuche jeden so sicher wie möglich zu halten und manchmal bedeutet das eben, dass ich nicht jedem mit all meinen Informationen vertrauen kann. Es ist nichts Persönliches."

Lügner. „Ist mir egal, Dumbledore. Ihre Motive interessieren mich nicht mehr. Selbst als Kind habe ich schon aufgegeben, Ihr Vertrauen zu gewinnen, aber im Moment haben Sie gar keine andere Wahl als mir zu vertrauen und ich werde nicht länger im Dunkeln stehen gelassen. Ich habe das Recht zu wissen, wofür ich sterben werde. Wenn Sie bis jetzt nicht erkannt haben, dass ich den Orden nicht verraten werde, dann sind Sie ein Idiot, aber auch das ist mir egal. Von jetzt an werde ich ein Teil Ihres Plans sein, und zwar bis zum Ende. Tun Sie mir doch für ein paar Monate den Gefallen. Zumindest das schulden Sie mir."

Es folgte ein langes Schweigen, bevor Dumbledore ihn mit einem angespannten Kiefer und harten Blick anstarrte. „Also schön Severus, aber ich werde das nicht vergessen."

„Genauso wenig werde ich es tun." Er bedachte seinen Arbeitgeber mit einem sarkastischen Lächeln und wandte sich dann ohne ein weiteres Wort ab, um das Büro zu verlassen.


Einmal draußen eilte Severus durch die Korridore zur Eingangstür. Er brauchte eine Zigarette. Ein Lächeln zupfte an seinen Lippen, als er herumschlenderte. Im Moment fühlte er sich gut. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal die Oberhand über Dumbledore gewonnen hatte. Seit Jahren hatte er in jedem Streit immer den Kürzeren ziehen müssen und es fühlte sich gut an mal zu gewinnen. Er begann Elton Johns ‚I'm Still Standing' zu summen und Pläne für den Abend zu schmieden. Es war bereits zu spät, um noch gerufen zu werden. Eine Zigarette und dann schien eine frühe Nacht an der Reihe zu sein. Er würde sich heute einen freien Abend gönnen, es sich mit einer heißen Schokolade gemütlich machen und sich entspannen und einfach mal an nichts denken. Er vermutete, eine gewisse Gryffindor würde wieder seine Träume heimsuchen, aber vielleicht musste er sie diesmal nicht allzu stark unterdrücken.


Dumbledore ist nicht erfreut. Schande.