„Hör mir zu Beyond… wir müssen schnell handeln. Die oberste Priorität ist dein Schutz.", begann ich und packte ihn bei den Schultern.

„L, wieso willst du so viel riskieren nur um einen elenden Mörder zu decken? Du bist ein Vorbild für so viele… wieso willst du das alles hinwerfen?", fragte Beyond mich mit ernster Miene.

„Ich werfe es doch gar nicht hin und wenn du nicht entdeckt wirst, wird gar nichts passieren."

„Ja… ´wenn´", gab er mir besorgt zurück.

Ich legte den Kopf schief und schenkte Beyond ein Lächeln.

„Vertrau mir, das klappt schon."

Er sah besorgt aus, aber der Plan, den ich hatte, war einfach zu gut. Ich schnappte mir Beyonds Hand und zog ihn in die Mitte des Wohnzimmers.

„Wirst du mir vertrauen?", fragte ich ihn.

„Klar, L. Was hast du vor?"

„Wir werden die Anonymität von uns benutzen. Keiner, bis auf Watari, weiß wie ich aussehe."

Beyond schaute mich fragend an, aber hörte aufmerksam zu.

„Und falls meine Identität doch irgendwie an Matt und Mello gelangt ist, werden wir sie mit meinem Plan austricksen.", erzählte ich mit einem triumphierenden Grinsen.

„Aber wie? Lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen, L", drängte mich Beyond.

„Also gut. Du weißt es leider nicht mehr und ich habe es dir damals auch nicht erzählt, weil ich es nicht für wichtig hielt, aber früher im Wammys hast du eine lange Zeit versucht mich zu kopieren. Wie ich laufe, sitze, esse und schlafe. In einigen Dingen warst du echt gut, aber vieles hast du aufgegeben, weil es dir wahrscheinlich unangenehm war oder sogar wehtat.", erklärte ich weiter.

Beyonds Augen waren mittlerweile weit aufgerissen und er starrte mich sprachlos an.

„Ist wirklich so… aber um wieder auf meinen Plan zurück zukommen. Genau das musst du wieder machen. Du musst mich kopieren. Du musst genauso werden wie ich. Es muss so perfekt sein, damit uns keiner auseinander halten kann, verstehst du?"

Nach einer kurzen Stille musste Beyond lachen und stützte sich mit seinen Händen auf den Oberschenkel ab.

„Du bist echt verrückt L. Ich sehe dir zwar äußerlich schon verdammt ähnlich, aber es gibt doch einige Probleme…", sagte er und wischte sich gleichzeitig eine Träne, die vor Lachen entstanden war, aus den Augen.

„Was für ein Problem? Du bist bestimmt ein exzellenter Schauspieler! Das wirst du 100% hinbekommen!", versuchte ich ihn aufzubauen.

„Pass auf L… Erstens habe ich nicht so ausgeprägte und dunkle Augenringe wie du, Zweitens kann ich auch nicht so monoton und ernst reden. Ach, und bevor wir es total vergessen, ich bezweifle, dass ich meine Augen einfach ´umfärben´ kann.", erläuterte Beyond niedergeschlagen.

„Das sind doch alles Kleinigkeiten! Für die Augenringe schminken wir dich einfach ein wenig."

Bei dem Wort „schminken" riss Beyond erneut die Augen auf und schaute mich böse an.

„Keine Panik, nur etwas Schwarz unter die Augen, mehr nicht. Die Sache mit dem Reden ist reine Übung. Wir klemmen uns einfach die nächsten Tage und Wochen dahinter, ich helfe dir! Oh, und das mit den Augen ist auch kein Problem, ich sag nur farbige Kontaktlinsen."

Ich beobachtete seine Reaktion, er schnaubte kurz und zuckte dann mit den Schultern.

„Na gut L, versuchen wir es."

Beyond zwinkerte mir zu, hob seine Hand vor mein Gesicht und streckte den Daumen hoch.

„Aber sei nicht angepisst, wenn die Kopie das Original übertrifft."

Am nächsten Morgen waren wir sehr früh wach, denn wir hatten heute viel vor. Ich überreichte Beyond ein Zettel mit einer Liste, was wir alles für die Verwandlung brauchen würden. Er kicherte kurz und machte sich auch schon direkt auf den Weg.

Während er unterwegs war, schnappte ich mir den Ordner mit den Informationen und Bilder von den Wammys.

„Ich sollte ihn wieder ins Archiv zurückbringen.", flüsterte ich, öffnete auf dem Weg zum kleinen Raum den Ordner erneut und blätterte ihn durch. Mein Blick blieb auf einem Foto hängen, welches am Ende eingeheftet war und mir mit dunklen, schwarzen Augen zurückblickte. Ich ließ meine Augen über das Bild huschen und las den Steckbrief darunter.

„Name: Beyond. Hohe Intelligenz, anpassungsfähig, unberechenbar, schnell reizbar und aggressiv, Psychopathische Züge, beobachten und Therapie einleiten.", ich seufzte und schlug den Ordner wieder zu.

Ich öffnete die Tür zum Archiv und legte den Ordner in die alte Kiste zurück.

Beyond konnte man damals helfen, sein Verhalten hatte sich nach einigen Therapiestunden schlagartig geändert. Ich wollte nicht wissen, was die Ärzte damals mit ihm gemacht haben.

Er wurde nach einigen Wochen still, sagte kein einziges Wort mehr, er hatte förmlich seinen Charakter verloren… seine komplette Person hatte sich geändert… und dann begann er mich zu kopieren um wieder eine Identität zu erhalten…

Vielleicht waren die Morde sein altes Ich, welches man damals versuchte auszumerzen. Haben die roten Augen etwas mit diesem zweiten Ich zu tun? Vielleicht hätte man damals Beyond mehr geholfen ihm beizubringen sich zu kontrollieren… doch stattdessen hat man ihn komplett verändert… und somit ein Monster in ihm versiegelt, aber nicht ausgelöscht.

„Schizophrenie", schoss es mir durch den Kopf und ich sagte das Wort unbewusst laut.

Ich musste dringend mehr Details über diese psychische Krankheit erfahren, denn ich wollte, im Gegensatz zu den Ärzten früher, Beyond wirklich helfen… und ihn nicht einfach gefügig machen, damit er mit anderen klar kam und Ruhe gab…

Ich schloss die Tür hinter mir, behielt den Schlüssel dieses Mal und ließ ihn in der rechten Hosentasche, zwischen den Bonbons, verschwinden.

Langsam schlenderte ich zurück ins Wohnzimmer und setzte mich auf meinen großen, gemütlichen Sessel. Beyond müsste gleich zurück sein…

Und schon flog die Tür auf und er stolperte mit einer riesen Tüte herein. Elegant schloss er die Tür mit einem Fuß und legte die Tüte neben mich auf die Couch.

„Puuuh, weißt du wie teuer Make-Up und das ganze Zeug ist?", fragte er mich, ließ sich auf die Couch fallen und blies sich einige Strähnen aus den Augen.

Ich lachte, griff nach der Tüte und leerte sie auf den Tisch vor uns aus.

„Hast du alles bekommen Beyond?"

„Ja, ich musste zwar einige Geschäfte abklappern, aber habe doch alles bekommen. Besonders freue ich mich über das hier!", er schnappte sich ein kleines Döschen und hielt es mir entgegen.

„Es nervt mich doch ein wenig, wenn die Leute mich so anglotzen wegen meinen Augen."

„Ach, sind das die schwarzen Kontaktlinsen?", fragte ich und begutachtete Beyond, wie er anfing, das Döschen zu öffnen.

„Ja, die Frage ist nur, wie setzt man sie ein? Ich habe noch nie Kontaktlinsen getragen"

„Das kann ja nicht so schwer sein, notfalls kann man im Internet bestimmt eine Anleitung und Tipps finden", entgegnete ich ihm, doch bevor ich aufstehen konnte, hatte Beyond sich schon eine Linse herausgefischt und balancierte sie auf seiner Fingerspitze.

„Ach, das wird schon so gehen, L.", erklärte er mir, legte seinen Kopf leicht in den Nacken und führte vorsichtig seine Fingerspitze an sein Auge.

„Perfekt! Ist ja doch einfacher als gedacht.", rief er freudig, schnappte sich die zweite Kontaktlinse und tat das Gleiche erneut. Nach wenigen Sekunden schaute er mich mit dunklen, schwarzen Augen an und grinste. Plötzlich stellte er seine Füße auf die Couch, ging in die Hocke und legte einen Daumen an seine Unterlippe.

„Ich bin L und du bist zu 95% eine Kopie.", äffte er mich verblüffend gut nach und zeigte mit dem Finger seiner anderen Hand auf mich.

„Gruselig und gut… sehr gut…", stammelte ich unbewusst vor mich hin und musterte Beyond.

Ich hatte das Gefühl bereits jetzt schon in einen Spiegel zu sehen…

Ob dieser Plan wirklich eine gute Idee war?