Kapitel 25

Es zogen ein paar Tage ins Land, bevor Akira sich wieder im Schloss blicken ließ.

Er und Ryo hatten in der Zeit kein Wort miteinander gewechselt und Harry hatte schon die Befürchtung gehabt, dass Akira schon längst das Land verlassen hatte. Umso erstaunter war er, als dieser plötzlich in der Eingangshalle stand und nach Ryo verlangte.

Damit hatte er für ziemliches Aufsehen gesorgt, denn normalerweise platzten Fremde nicht einfach so hier rein und die anderen Schüler waren von seiner Erscheinung sichtlich eingeschüchtert.

Und so war es auch nicht verwunderlich, dass Harry und Draco die einzigsten waren, die sich in seine Nähe trauten.

„Ryo? Ich glaube, der ist gerade irgendwo draußen unterwegs..." überlegte Harry und schaffte es noch nicht einmal, seinen Satz zuende zu bringen, als Akira auch schon wieder kehrt machte und davon stürmte.

Eigentlich wollte Harry ihm noch eine ungefähre Wegbeschreibung mit auf den Weg geben, aber dazu kam er dann leider nicht mehr...

Ryo hatte sich währenddessen an den See zurückgezogen. Seit seinem letzten Treffen mit Akira hatte er das oft getan um in Ruhe für eineWeile nachzudenken.

Natürlich war er sich seiner Schuld bewusst und Akira hatte mit jedem seiner Worte recht gehabt, aber trotzdem war es doch ein Schock gewesen, diese gerade von ihm zu hören. Von jedem anderen wäre es ihm egal gewesen, aber nicht von ihm...

Vielleicht hatten die anderen Dämonen doch recht gehabt, vielleicht war ihre Rasse wirklich nicht dafür geschaffen, solche Gefühle

„Manchmal frage ich mich, wie wir zwei überhaupt Freunde werden konnten..."

Ryo hatte schon vorher gemerkt, dass Akira sich ihm genähert hatte, war sich allerdings nicht sicher gewesen, ob es der Wirklichkeit entsprach oder ob es nur seine Einbildung war.

„Das ist wohl auch meine Schuld..." antwortete er nur, als der junge Mann sich neben ihn setzte.

„Hätte mich auch gewundert. Ich war auch schon damals ziemlich verwundert darüber gewesen, dass ich plötzlich das Gefühl hatte, dich schon mein ganzes Leben zu kennen, obwohl ich mir sicher war, dass ich dich damals zum ersten Mal gesehen hatte."

Darauf antwortete Ryo nicht.

„Weißt du, dass es ziemlich seltsam ist, dich jetzt zwischen all den Kindern zu sehen? Ehrlich gesagt hatte ich mich dich so gar nicht vorstellen können. Ich hab eher damit gerechnet, dass du hier jeden einfach auslöschen würdest, der dir zu sehr auf die Nerven geht."

Ryu musste lachen: „Glaub mir, es kostet mich meine ganze Selbstbeherrschung, das nicht zu tun..."

„Und trotzdem scheinst du entspannter zu sein, als noch damals zu unserer Zeit," stellte Akira fest, „So gesehen wirkst du momentan wahrschienlich menschlicher, als damals, als wir gegen die Dämonen gekämpft hatten."

„Versuchst du dich jetzt bei mir einzuschmeicheln, wo du gestern doch noch versuchst hast mich umzubringen..."

„Ich weiß auch nicht...Irgendwie habe ich ein echt schlechtes Gefühl dabei, wenn ich dabei an Mikis letzten Wunsch denke, schließlich hatte sie das doch nur getan, um uns ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen. Und jetzt sieh uns an...Beinahe wäre es genau wieder so ausgeartet wie damals..."

Ryo blickte ihn kurz an, bevor er seinen Blick wieder über den See schweifen ließ: „Da musst du dich bei Harry bedanken, so gesehen verdanken wir wohl alles ihm..."

„Dieser Junge ist wirklich seltsam, aber ich kann verstehen, warum Miki sich ausgerechnet ihm gezeigt hatte. Er hat ein gutes Herz."

„Ich habe ihm mal gesagt, dass er mich an dich erinnert und ich würde es jedes mal wieder sagen. So gesehen könntet ihr Brüder sein."

„Hä?"

Akira bllickte ihn unglaubig an: „Wie kommst du denn auf die Idee? Wir sehen uns doch überhaupt nicht ähnlich, geschweige denn, dass wir sonst irgendwas gemein hätten."

Ryo lachte: „Das ist typisch für dich Akira, aber ja, das denke ich wirklich. Er ist genauso gutgläubig wie du und bringt sich ständig in Schwierigkeiten."

„Ich glaube, du sprichst hier von einem anderen Akira. So schlimm bin ich nun auch wieder nicht!"

Sie sahen sich kurz an und brachen dann in heilloses Glächter aus.

Ryo konnte sich nicht erinnern jemals so mit ihm gelacht zu haben, aber es tat gut. Es erinnerte ihn an die gute alte Zeit, als sie sich noch nicht Gedanken an die bevorstehenden Dämonenangriffe verschwenden mussten. Als er noch wie ein richtiger Mensch gedacht hatte...

„Ich habe dich wirklich vermisst," sagte Ryo schließlich und schockte Akira damit ein wenig.

„Ich weiß nicht, ob ich mich schon damit anfreunden kann...es ist irgendwie...naja seltsam halt..."

Es war irgendwie süß wie Akira um die richtigen Worte rang, ohne verletzend zu wirken. Und doch konnte er es verstehen. Es brauchte Zeit und er würde sie ihm geben, wenn er nur eine Chance bekommen würde.

Und wie es schien, würde dieser sie ihm geben, er war halt immer noch der alte gutherzige Akira, der keiner Fliege etwas zu leide tun konnte. Daran hatte sich nichts geändert, selbst als er Amon in sich aufgenommen hatte.