Teil 26 - Spaziergang in einem Winter-Wunderland
Snape grinste immer noch innerlich wegen Hermines Reaktion auf den Brief seiner Mutter, als es an seine Zimmertür klopfte. Einen Augenblick lang, als er sie letzten Abend an der Tür gesehen hatte, hatte er gedacht, dass Voldemort sie zu sich gerufen hätte; dann realisierte er, dass sie sich die Mühe gemacht hatte zu klopfen, daher war es höchst unwahrscheinlich, dass es, was immer sie auch von ihm wollte, etwas mit dem Dunklen Lord zu tun hatte. Sogar Hermine würde sich in solch einem Falle nicht an Anstandsformen oder gesellschaftliche Nettigkeiten halten.
Der Brief seiner Mutte war, zugegeben, etwas verblüffend gewesen. Seine Eltern verbrachten den Winter normalerweise in Übersee - man musste nur ein paar Stunden in deren Haus verbringen, um zu wissen warum, und die Arthritis seines Vaters hatte nicht besser werden wollen, egal welche Tränke man ihm verschrieb. Snape war sich ziemlich sicher, dass er die Tränke einfach wegschüttete, vorziehend, den Märtyrer zu spielen, aber das war nichts mehr, über das man sich Gedanken machen brauchte. Zuguterletzt hatte er Hermine das gesagt; es war so lange her, seitdem er seinen Eltern auch nur den flüchtigsten Besuch abgestattet hatte, so dass es unwahrscheinlich wäre, dass ihnen irgendwelche Unterschiede in ihrer Porträtierung von ihm auffallen würde. Solange sie ihren Kopf in einem Buch vergraben oder lange Spaziergänge unternehmen würde, würde ihnen nichts merkwürdig vorkommen.
Er realisierte plötzlich, dass zweimal an seine Tür geklopft worden war; ein zögerliches Pochen und es war eindeutig nicht wieder Hermine.
"Herein." Er erhob seine Stimme gerade so, um sicher zu gehen, dass wer immer es auch war ihn hörte. Krummbein sah ihn wegen des unerwarteten Geräusches hasserfüllt an, dann senkte er seinen Kopf wieder auf seine Pfoten herab und schlief weiter.
Die Tür öffnete sich knarrend und der Kopf eines jungen Mädchens kam zum Vorschein. Alice Lacock. Snape stöhnte beinahe; er hatte vergessen, dass sie heute nachmittag kommen wollte, um mit ihm zu sprechen. Er wollte sich nicht damit befassen; ihm fiel der Welpe auf der Karte ein und er erschauderte.
"Ist das OK, Hermine? Du hast gesagt, heute nachmittag - soll ich später wiederkommen?"
Oh, die Versuchung, sie wegzuschicken ...
"Nein, nein, es ist in Ordnung - komm rein." Er sah zu, wie sie eintrat, sich wieder umschauend; es war eine Weile her gewesen, seitdem sie zur Beratung gekommen war - und das war davor gewesen. Bevor ihm klar geworden war, welches Grauen sie für ihn darstellte.
"Du kannst dich dort hinsetzen." Er zeigte auf den anderen Sessel. "Möchtest du einen Tee?" Das Kind nickte, als sie Platz genommen hatte.
"Ja bitte", sagte sie leise.
Als Verzögerungstaktik taugte das nichts - er hatte gerade welchen gemacht, also war es nur eine Sache von Sekunden, dem Mädchen einen Becher zu reichen.
"Wie geht es dir? Wie ich höre, geht es deiner Familie besser." Snape brach die Stille, die sich eingestellt hatte, während sie an ihrem Tee nippten und das knisternde Feuer im Kamin anstarrten.
"Oh ja, viel besser, dankeschön. Alles läuft gut! Ich meine, naja, nicht perfekt und ich fahre an Weihnachten nicht nachhause, aber es ist alles viel besser. Und ich bin gerne über die Feiertage in der Schule; so kann ich Leuten Gesellschaft leisten, die ansonsten einsam wären."
Snape hatte das ungute Gefühl, dass er genau wusste, wem sie gerne Gesellschaft leisten würde.
"Heute morgen war ich zum Bespiel nachschauen, ob Professor Snape da ist. Aber er war nicht in seinen Räumen. Weißt du, ob er in den Ferien hier bleibt?"
Das ungute Gefühl wurde bestätigt.
"Ich denke", sagte er vorsichtig, "dass alle Lehrer ihr eigenes Leben haben, das sie auch außerhalb der Schule führen. Professor Snape ist nicht anders als die anderen Lehrer."
"Ja, genau!" Das war nicht ganz die Antwort, die er erwartet hatte, aber Alice war noch nicht fertig. "Jeder denkt, er ist so böse und gemein, aber das ist er nicht; er will einfach, dass wir lernen - also ist er genau wie all die anderen Lehrer, aber kein anderer scheint das zu verstehen. Ich denke, er ist wundervoll."
Neugier gewann Snapes inneren Kampf.
"Wieso glaubst du, dass er wundervoll ist? Wenn er genau wie all die anderen Lehrer ist?"
"Naja, natürlich sind sie alle wundervoll. Obwohl ich mir da bei Madam Hooch nicht ganz sicher bin. Sie schreit mich immer an, nur weil ich nicht besonders gut fliegen kann, aber ich mag die Höhe nicht und sie macht mich schwindlig. Ich verstehe nicht, wie Leute Quidditch spielen können - die Höhe und die Geschwindigkeit und ..."
Und Snape ließ sie reden, während sie ihren Tee trank, sich fragend, ob sie wieder auf das Thema zurück kommen würde. Schließlich - und auf einer sehr weitschweifigen Route, während dieser Snape im Kopf die Experimente durchging, die er und Hermine soweit über Longbottoms misslungenes Gebräu gemacht hatten - brachte sie die ursprüngliche Frage wieder zur Sprache.
"Und deshalb versteht Professor Snape, weißt du; er scheint genau zu wissen, was wir brauchen und er ist ... naja ..."
An dieser Stelle brach Alice ab und wurde scharlachrot. Snape hatte eine schreckliche Vorahnung, die sich in kürzester Zeit als vollkommen richtig herausstellte.
"Also ... du wirst es niemandem sagen?", fragte sie, als sie wieder gesprochen hatte. Snape schüttelte den Kopf.
"Nein, ich werde es niemandem sagen; was immer du mir erzählst ist vertraulich." Als ob er jemandem von diesem Gespräch erzählen würde. Irgendjemandem.
"Naja, er ist ist furchtbar gutaussehend, denkst du nicht?"
Denken war so ziemlich das Letzte, was Snape wollte, insbesondere so etwas. Nein, er war nicht furchtbar gutaussehend und er wusste es. Was zur Hölle dieses Kind in ihm sah, wusste er nicht. Wollte er nicht wissen - er war zunehmend davon überzeugt, dass sie eine hormonelle Fehlfunktion hatte und er fühlte Angst seinen Rücken hinaufkrabbeln. Nicht einmal wegen ihrer Schwärmerei; einige gezielte Worte und die Sache wäre erledigt. Nein, er war vielmehr besorgt, was sie im Gemeinschaftsraum gesagt haben könnte. Wenn zum Beispiel Malfoy Junior seinem Papi erzählen würde, dass ein junges Mädchen in ihn vernarrt wäre, könnte es unangenehm werden.
"Hast du das jemandem gesagt?", fragte er schließlich.
Alice schüttelte den Kopf und ihm fiel vor Erleichterung ein Stein vom Herzen.
"Ich dachte, ich würde ausgelacht werden. Niemand sieht ihn so wie ich ihn sehe."
Eindeutig.
"Nun ja ...", behutsam wählte er seine Worte, "ich denke du solltest vielleicht dafür sorgen, dass du Zeit mit denjenigen deiner Freunde verbringst, die in den Ferien in der Schule bleiben - die Lehrer sind ganz und gar nicht einsam; sie haben ihr eigenes Leben, über das wir nichts wissen, da wir sie nur in der Schule sehen und ich bin sicher, dass du keinem von ihnen Gesellschaft leisten musst. Egal ob du denkst, du solltest oder es gerne würdest. Insbesondere Professor Snape muss Experimente durchführen, die in Ruhe und leise gemacht werden müssen; dadurch, dass du ihn störst, wirst du ihm nicht helfen."
Snape dachte, dass er schrecklich wichtigtuerisch klang, aber dem Mädchen zu sagen, dass sie verrückt wäre, würde der Situation keine Abhilfe schaffen. So gerne er es auch tun würde. So eindrucksvoll mitgeteilt zu bekommen, dass sie sich von Snape fernhalten sollte, ließ sie ein wenig rebellisch dreinschauen und er erinnerte sich daran, Hermine zu sagen, dass sie das Mädchen anpflaumen sollte, falls sie im Klassenzimmer vorbeischauen sollte, bevor der Unterricht wieder anfing.
Er lenkte das Gespräch auf profanere Themen, fragte wie sie mit den Hausaufgaben voran kam - gewöhnlich die Garantie dafür, jedes Gespräch einschlafen zu lassen und hierbei unterschied sich Alice Lacock zum Glück nicht von anderen. Innerhalb von zehn Minuten war sie gegangen und er wieder allein. Snape tauchte in den seligen Frieden eines Buches und einer frischen Tasse Tee ein; hinter dem Fenster fiel dichter Schnee und das Zimmer war warm und ruhig, die Stille wurde nur durch das Rascheln von Buchseiten und dem gelegentlichen Schnarchen des roten Katers auf seinem Bett gebrochen.
Als er an diesem Abend nach den Experimenten schaute, fand er heraus, wieso Hermine nicht dagewesen war, als Alice Lacock am Morgen vorbeigeschaut hatte; ein Haufen verpackter Geschenke lag auf einer Ecke des Schreibtisches in seinem Wohnzimmer und Hermine hatte sich wieder seine Jeans und seinen Pullover ausgeliehen. Zum Glück hatte Alice ihn nicht darin gesehen; sogar er musste zugeben, dass es ihm stand. Hermine musste gemerkt haben, dass er sie ansah und erklärte.
"Das sind die Geschenke, die Sie mit in den Fuchsbau nehmen; ich bin heute morgen fortgegangen, um sie noch rechtzeitig zu besorgen - und ich habe Ihre Apparier-Lizenz benutzt, um sicherzustellen, dass mich niemand sieht und bin in der Oxford Street einkaufen gegangen." Sie schüttelte sich. "Ich hasse Menschenmengen und heute war es noch schlimmer, aber ich dachte, es wäre schwierig zu erklären, was ich mit dieser Art von Besorgungen mache, wenn mich jemand in Hogsmeade oder in der Winkelgasse sehen würde. Ich habe einige Sachen bestellt, die in etwa morgen per Eule kommen - ich habe Harry ein neues Pflegeset für seinen Besen gekauft und glauben Sie mir, das findet man nicht einfach so - noch nicht einmal bei John Lewis."
Snape nahm an, dass John Lewis irgendeine Art Geschäft war, hatte jedoch andere Sachen im Kopf.
"Zwei Dinge", sagte er abrupt. "Erstens: Falls Alice Lacock auftaucht, sagen Sie ihr, dass sie gehen soll und machen Sie ihr das deutlich klar - ich sagte ihr, dass Sie mit Experimenten sehr beschäftigt wären und keine Zeit für Störungen hätten, also unterstützen Sie mich bitte. Zweitens - was sind diese Geschenke? Damit ich nicht vollkommen überrascht aussehe, wenn die Leute sie auspacken.
Hermine lächelte. "Völlig richtig. Sie sind recht unkompliziert. Molly und Ginny Weasley bekommen jeweils einen samtenen Schal von Liberty's - schön und praktisch. Was Harry bekommt, habe ich Ihnen schon gesagt. Für Ron habe ich ein paar Muggel-Süßigkeiten, weil er sie lustig findet. Ich kann sie von Zauberer-Süßigkeiten nicht unterscheiden, aber ich nasche nicht besonders gerne. Arthur Weasley bekommt ein Buch - es ist eine Muggel-Enzyklopädie, ich fand, es würde ihn interessieren."
Snape dachte, dass das den Mann mehr ermutigen würde als es sollte, sagte aber nichts. "Und ich habe einen großen Weihnachtskuchen als gemeinsames Geschenk gekauft - das deckt die Zwillinge, Charlie, Bill und Percy ab falls sie zuhause sind. Sirius bekommt ein Paar Handschuhe; er verliert seine ständig. Meinen Eltern habe ich ihre Geschenk direkt geschickt, also müssen Sie sich darum keine Sorgen machen."
Snape nickte und sie lenkten ihre Aufmerksamkeit auf die momentane Arbeit; das Wissen um den gestrigen Abend stand immer noch zwischen ihnen und Arbeit schien das beste Mittel, um es zu zerstreuen - oder es zumindest zu ignorieren.
Es wäre zu einfach gewesen, wenn das Thema Geschenke so leicht vom Tisch gewesen wäre. Einen Tag bevor Sirius sie abholen sollte, schneiten Harry und Ron in Hermines Zimmer hinein. Snape sah von seinem Buch auf und zog eine Augenbraue hoch.
"Was ist denn jetzt los?" fragte er in resignierendem Tonfall. Die Jungs sahen leicht verzweifelt aus; das bedeutete normalerweise Probleme.
"Geschenke - wir müssen Geschenke besorgen!", sagte Harry dringlich.
"Wir sind so beschäftigt gewesen, dass wir es vergessen haben - und du bist sowieso besser darin, die richtigen Sachen für Leute auszusuchen. Wir müssen sofort nach Hogsmeade gehen. Komm!", warf Ron ein.
Snape sah den Schnee draußen und erschauderte - nicht wegen des Schnees, einfach wegen der Tatsache, Geschenke für Weasleys zu kaufen.
Die Jungs hielten dieses Schweigen - zurecht - für Widerwillen und begannen sie anzuflehen. "Hermine, bitte, du bist unsere einzige Hoffnung!"
"Du musst uns helfen!"
Dieses Melodrama beschwor einen weiteren zweifelnden Blick Snapes herauf und Ron hatte den Anstand, verlegen zu gucken. "Komm schon, Hermine, du weißt, ohne dich sind wir aufgeschmissen."
"Kann ich das schriftlich haben?", fragte Snape Jungs lachten und im Nu wurde Snape durch den kniehohen Schnee nach Hogsmeade mitgeschleppt, versuchend, mit Harry und Ron Schritt zu halten und den leicht fallenden Schneeflocken auszuweichen.
Wenn nicht die Aufgabe vor ihm gelegen hätte, - Shopping war nie einer seiner Lieblingszeitvertreibe gewesen, sofern es nicht um Zaubertränke oder Bücher ging - wäre es ein schöner Spaziergang gewesen. Der Schnee lag dick auf der schottischen Landschaft um Hogwarts, die Hügel und Felder bedeckend, so dass die Hecken und Mauern himmlische Muster in das blanke Weiß malten. Bäume zeichneten sich gegen den Himmel am Horizont ab, ein Himmel, der weiß und strahlend blau gemustert war, während Wolken an ihm vorbeischwebten und sich zu Schneeschauern formten. Ab und an brach die Sonne durch die Wolken hinduch, das glitzernde Eis des Sees golden überziehend.
Hogsmeade war ein einziges Getrippel aus Einkäufern; höchstwahrscheinlich so wie Hermines Oxford Street gewesen sein musste, dachte Snape. Harry und Ron hatten ihre Ratlosigkeit, was Weihnachtseinkäufe anbelangte, nicht unterschätzt, was den Nachmittag unnötig nervtötend gestaltete. Wenn Hermine mit ihm nicht über die Geschenke gesprochen hätte, wäre es sogar noch nervtötender geworden. Sie gaben ihm zumindest einen Anhaltspunkt, als die Jungs sich wieder und wieder an sie wandten.
Für Molly und Ginny kauften sie Flakons - durchsichtiges Glas mit Verzierungen aus Zinn; Snape erklärte sich bereit, einige Bademixturen zur Verfügung zu stellen, die er für sich selbst (und, wie es schien, für die ganze Schule) gebraut hatte. Die älteren Weasley-Jungs würden sich eine Tüte von Zonko's Bestem teilen - obgleich 'das Beste' ein relativer Begriff war. Arthur Weasley stellte sich als größeres Problem heraus, bis Snape einfiel, dass es in einer der Nebenstraßen einen kleinen Laden gab, der Muggel-Kuriositäten verkaufte; ein Vorschlag, der von den Jungs mit stürmischer Freude begrüßt wurde.
Es war ein seltsames Geschäft, voller höchst eigentümlicher Dinge; Harry merkte an, dass die meisten ohne Elektrizität nicht funktionieren würden - der Besitzer, offensichtlich darauf versessen, etwas zu verkaufen, wies darauf hin, dass man sie verzaubern könne, damit sie in einem Zauberer-Haushalt funktionierten. Das Problem lag, wie immer, bei Rons Budget; Harry zuckte bei den Preisen der meisten Gegenstände zusammen.
Doch schließlich entdeckte Harry auf einem der Regale eine Schachtel und nahm sie freudig in die Hand. "Ron, das ist perfekt - dein Dad wird es lieben. Es ist typisch Muggel. Findest du nicht, Hermine?" Er wandte sich an Snape, der versuchte, nicht verdutzt auszusehen.
"Oh, hab ich vergessen - deine Eltern haben es mit Reformhausessen, stimmt´s? So etwas hast du wahrscheinlich noch nie gegessen - aber glaubst du nicht, dass Arthur es cool finden wird?" Er reichte Snape die Packung; sie klapperte ein wenig.
Er beäugte sie neugierig. An der Seite stand "Nudeltopf"; "Huhn-&Pilzgeschmack". Snape schloss daraus, dass es sich um eine Art Lebensmittel handeln musste und sah es sich genauer an. Er fand eine Zutatenliste und erbleichte - zumindest nahm er an, dass das Essen war. Die Liste klang wie die Zutaten für einen schwarzmagischen Zaubertrank.
"Ich bin überzeugt, dass es Arthur gefallen wird", sagte er, als er Harry die Schachtel zurückgab, versuchend, nicht zu schaudern. "Zumindest solange er nicht versucht, es zu essen."
Das letzte Kommentar war improvisiert; er fühlte sich immer sicherer, wenn es darum ging, zu raten und die richtigen Worte zu wählen, beides verdankte er seinen Erfahrungen und davon, wenn er Hermine zuhörte, wenn sie an den Abenden zusammen arbeiteten. Er hatte aber richtig geraten, da Harry in Gelächter ausbrach. Ron sah verwirrt aus - soweit nichts Neues - bis Harry sich beruhigte und sagte, er würde es später erklären.
Das letzte Geschenk war das für Sirius und Harry und Ron benötigten dafür keine Hilfe, eine Flasche Feuerwhiskey war schnell besorgt. Als sie zur Schule zurückliefen, war Snape ernsthaft versucht, den Whiskey anzubrechen - es war eiskalt und der Himmel war einheitlich mit schneebeladenen Wolken bedeckt. Es war fast ganz dunkel, als sie die Schule erreichten; nur die von Hagrid aufgestellten Leuchten hielten sie auf dem richtigen Wege.
Die restliche Woche verlief in einem Nebel von Experimenten, Schneeballschlachten und lesen. Hermine bemerkte, dass Alice Lacock sich nur einmal gezeigt hatte - glücklicherweise als Hermine an etwas gearbeitet hatte - und ohne großes Drumherum weggeschickt worden war. Snape fragte sich, ob sie ihn wieder zum Trösten aufsuchen würde und war sich nicht ganz sicher, ob er froh darüber war, dass sie das nicht tat; er hoffte, dass sie nicht alles in sich hineinfraß. Die Slytherin-Vertrauensschüler waren über die Feiertage weg, sonst hätte er bei einen von ihnen nachgefragt - die Eltern des Mädchens waren so kürzlich angegriffen worden, um der Schulsprecherin immer noch Anlass zur Sorge zu geben, insbesondere an Weihnachten.
Allzubald fand sich Snape mit Harry und Ron am Eingang zu Hogwarts wieder, einem großen, dunkelhaarigen Mann gegenüberstehend. Sirius. Snape fühlte Wut in sich aufsteigen, als Sirius sich hinabbeugte, um seine Wange zu küssen; es war der erste Kuss, den er als Hermine ertragen musste und er betete inständig, dass es der letze gewesen war. Eine leise, hinterhältige Stimme flüsterte ihm ein, dass er sich nicht so heftig wehren würde, wenn Hermine es wäre, die ihn küssen würde ... erbarmungslos verwarf er den Gedanken. Dies war nicht der Zeitpunkt, um darüber nachzudenken.
Durch einen Portschlüssel - ein ganz besonders alt aussehendes Stück Holz - wurden sie vom Eingang weg in den Schnee draußen gezogen, Snape zitterte und nieste durch den Temperaturwechsel. Einige "Gesundheit"-Wünsche später schaute er nach oben um zu erkennen, dass er am Fuchsbau angekommen war. Er hatte das Haus der Weasleys seit Jahrzehnten nicht gesehen, aber es sah immer noch aus wie ein Triumph von Schutzzaubern über das Wetter; wie alles zusammenhielt war ein Wunder.
Molly Weasley eilte nach draußen, um sie zu begrüßen, schwatzte ohne Punkt und Komma und führte sie ins Haus. Es war himmlisch warm und das Feuer prasselte im Kamin, als sich alle an einen Tisch setzten, der zweifelsohne vergrößert worden war, damit alle Platz hatten. Obwohl er all die Jüngeren unterrichtet hatte, verlor Snape die Übersicht über die Weasleys, während diese in zahllose Gespräche gleichzeitig vertieft waren.
Plötzlich erstarrte er. Molly hatte eben bekanntgegeben, dass sie Harry und Hermine für die nächste Woche zur Uhr hinzufügen würde, damit sie über deren Aufenthalt bescheid wusste - besagte Uhr hing an der Wand und zur Zeit wies eine ganze Traube von Händen auf 'Zuhause'. Wenn der Zauber Seelen anstelle von Körpern aufspürte, war er verloren.
Doch schneller als er ein vernünftiges Gegenargument finden konnte, hatte Molly ihren Zauberstab geschwungen und flüsterte etwas - er hatte die Worte nicht verstanden, aber stieß einen erleichterten Seufzer aus, als auf einer der Hände, die erschienen, 'Hermine' stand und auf 'Zuhause' zeigte. Es sah so aus, als ob es nur die physische Präsenz verfolgte und nicht die mentale, da auch 'Schule' auf der Uhr zu lesen war - und er wusste, dass Hermine noch nicht zum Hause seiner Eltern aufgebrochen war.
Niemand schien seine Besorgnis oder seine Erleichterung bemerkt zu haben - nicht wirklich überraschend, da er bei dieser Menge an Leuten beinahe anonymer als in der Schule sein konnte.
Und so stellte es sich auch heraus; der Feiertag verging in einer Folge von Geschenken und Mahlzeiten - die Weasleys hatten eindeutig einen Sinn für Feiertagsessen - und Schneeballschlachten. Snape gelang es, die meiste Zeit still zu bleiben; niemand erwartete von Hermine, im Mittelpunkt der Gespräche zu stehen und er konnte aus den Tiefen eines Sessels heraus beobachten, manchmal hinter dem Deckel eines Buches.
Trotz seiner langjährigen schnippischen Beleidigungen um diverse Weasley-Kinder zu ärgern, hatte er große Hochachtung für Arthur und Molly Weasley übrig; er hätte ihren Weg nicht gewählt, aber er hatte auch nicht ihre Charaktere. Die Zuneigung unter den Familienmitgliedern - oft gereizt, aber immer ungetrübt - war fast greifbar. Das Haus war warm, eine Wärme, die nichts mit den Feuern, die in allen Kaminen leuchteten, zu tun hatte.
Mitten in dieser Wärme fragte sich Snape, wie sich Hermine in der Kälte seines Elternhauses zurechtfand.
