Caroline Bingley starrte Elizabeth höhnisch grinsend an und wandte sich dann der jungen, aufgebrezelten Frau zu, die neben ihr stand und Elizabeth ungeniert von oben bis unten musterte. „Hast du das gehört, Alison? Mrs. Darcy! Pah! Da ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens, was, Eliza? Als würde William sich mit etwas außerhalb seiner Kreise abgeben!" Besagte Alison schüttelte angewidert den Kopf. „Wahrscheinlich ist er einmal über sie drübergerutscht und schon bildet sie sich Gott weiß was ein! Unglaublich. Was sich diese niederen Klassen heutzutage alles trauen...tsts..."
Caroline lachte hämisch. „In der Tat. Alleine auf die Idee zu kommen, ein Mann wie William Darcy würde sich seit neuestem ernsthaft für Landeier interessieren, für eine Farmerstochter! Nun ja, man kann ihm wohl keinen Vorwurf machen, wenn er das mitnimmt, was für ihn freiwillig die Beine breitmacht. Ist ja schließlich auch nur ein Mann... Aber stell dir bloß vor, mein unsäglicher Bruder hat sich allen Ernstes in ihre Schwester verguckt, eine Köchin..." Caroline warf theatralisch ihre Arme in die Luft und seufzte tief. „Das kommt davon, wenn einem der letzte Rest Verstand zwischen die Beine rutscht, Caroline!" sagte Alison indigniert. Caroline nickte zustimmend. „Männer!"
Elizabeth war sprachlos. Hätte Caroline nicht so weit weg von ihr gestanden, sie hätte ihr wahrscheinlich im Reflex eine gescheuert. Noch nicht einmal, weil sie sie beleidigt hatte, sondern ihre Schwester. Caroline Bingley. Sie kannte sie nicht besonders gut, hatte sie vielleicht zwei- oder dreimal gesehen und noch weniger mit ihr gesprochen. Natürlich, sie wußte, daß sie hinter William her war, aber so viel Bosheit entsetzte selbst sie. Wahrscheinlich wußte sie noch nicht, daß sie ihren großen Traum endgültig würde begraben müssen – nicht, daß sie je eine Chance gehabt hätte! Die andere Frau war Alison Witt, die ebenfalls bei William nicht hatte landen können. Elizabeth entschied sich jedoch, ihren Ärger nicht zu zeigen und lächelte die beiden Hyänen zuckersüß an. „Ist nur komisch, daß er dieses unsägliche Landei tatsächlich geheiratet hat, was?" Sie wedelte demonstrativ mit ihrer beringten Hand vor den Augen der beiden Frauen herum. „Tja, tut mir leid, Ladies, aber da hilft alles Jammern nicht…" Sie lächelte liebevoll, als sie ihren Mann auf sich zukommen sah, beladen mit einem riesigen Teddybären. „Wenn die Damen mich bitte entschuldigen möchten, ich habe wichtigeres zu tun." Sie machte einen Schritt in Williams Richtung, dann wandte sie sich noch einmal um. „Und Caroline, ich nehme an, wir sehen uns an Charles Hochzeit mit meiner Schwester wieder!" Sie lächelte freundlich. „Nicht, daß ich auf ein Wiedersehen sonderlich wild wäre…aber es wird sich wohl leider nicht vermeiden lassen…" Sie seufzte gespielt betrübt, drehte sich um und ging amüsiert den Kopf schüttelnd ihrem Gatten entgegen, der dabei war, den Teddybären zur Kasse zu schleppen. „Liebling, was ist das?" fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen und kümmerte sich nicht mehr um die neidisch starrenden Blicke der beiden Frauen, die die Szene mit zusammengekniffenen Lippen beobachteten. „Die Verkäuferin hat mich überredet, ihn zu kaufen. Sie sagt, jedes Baby braucht einen Teddy." Elizabeth lachte. „Ja, aber doch nicht so einen Riesen! Willst du es erschrecken?"
William sah beleidigt aus, aber er konnte ein Zucken des Mundwinkels nicht unterdrücken. „Tut mir leid, Mrs. Darcy, aber meine Entscheidung steht fest. Teddy kommt mit nach Hause." Caroline konnte es nicht lassen und trat mit einem falschen, aufgesetzten Lächeln auf William zu. „William! Wie schön, dich zu sehen! Was führt dich nach Banff? Warum hast du mir nicht Bescheid gesagt, du hättest mich in meinem kleinen, bescheidenen Häuschen besuchen können! Du bist immer herzlich willkommen!" Sie wollte ihn auf die Wange küssen, doch William schob sie sanft, aber sehr bestimmt von sich. „Guten Tag, Caroline," sagte er mit kühler Höflichkeit. „Wir verbringen unsere Flitterwochen hier, Elizabeth und ich." Selbst die offizielle Bestätigung aus seinem Mund konnte Caroline nicht abschrecken. Sie lachte künstlich und nahm seinen Arm. „Flitterwochen? In Banff? Nein wirklich! Wie originell!"
„Ganz richtig." William schüttelte ihren Arm ab wie ein widerliches Insekt und reichte der Kassiererin seine Kreditkarte. „Wenn du uns jetzt bitte entschuldigen würdest, wir haben es etwas eilig." Er nickte Caroline knapp zu, legte einen Arm um Elizabeth und verließ mit ihr zusammen den Laden. Alison hatte er gar nicht gesehen und sie war froh darüber. Caroline jedoch starrte ihnen mit zornblitzenden Augen hinterher. „Das wird dir noch leid tun, William Darcy! Eine Bauernschlampe wie Eliza Bennet zu heiraten! Was kann sie dir schon groß bieten? Hat sie die größeren Möpse? Ha, ist wahrscheinlich eh nur Silikon! Und mit deinem Geld bezahlt! Ich kann dich im Bett mindestens genauso zufriedenstellen wie diese kleine Hure, wenn nicht sogar besser, aber das wirst du auch noch merken…verdammter Mistkerl!"
Die Verkäuferin warf ihr einen indignierten Blick und hoffte, sie würde bald den Laden verlassen, bevor andere Kunden sich belästigt fühlten. Der ein oder andere schaute schon in ihre Richtung! Zu ihrer Erleichterung tat sie das auch, mit heißen Tränen des Zorns in den Augen, Alison Witt im Schlepp.
William und Elizabeth verloren kaum ein Wort über Carolines unrühmlichen Auftritt im Christmas Shop, es war ihnen einfach nicht wichtig genug, um sich von ihrer kostbaren Zweisamkeit ablenken zu lassen. Sie verstauten den großen Teddy und Elizabeths Einkäufe im Auto und schlenderten dann langsam Hand in Hand zum Restaurant, wo sie einen hübschen Tisch auf der Terrasse ergattern konnten und die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages genossen.
Schon wieder ein Tag fast vorbei, dachte Elizabeth ein wenig melancholisch, während sie auf ihre Vorspeise warteten. Es war einfach wundervoll, den ganzen Tag mit William zu verbringen, einfach diese Zeit und Muße zu haben. Sie wünschte sich, es würde niemals aufhören, dann lachte sie über sich selbst. Natürlich würde es irgendwann zu Ende sein, aber sie nahm sich fest vor, jeden Tag, jede Minute so gut es ging zu genießen. Sie spürte Williams liebevollen Blick auf sich und lächelte zurück. Unter diesem Blick konnte sie schmelzen wie Butter in der Sonne. Womit hatte sie diesen Mann nur verdient, fragte sie sich.
Es war gerade mal kurz vor neun, als sie zurück zu ihrem Wohnmobil kamen, aber Elizabeth war bereits ziemlich müde. Der Tag war anstrengend gewesen mit dem langen Ausritt und ihrem kleinen, intimen Geplänkel am See und sie sehnte sich danach, sich ein bißchen auf der Couch auszuruhen, TV oder einen Film zu gucken und dabei mit William zu kuscheln. Wobei… sie wußte, was aus „mit William kuscheln" werden wurde – es würde nicht beim Kuscheln bleiben und sie konnten sich genauso gut ins Bett verziehen. Sie war daher nicht überrascht, als William genau das vorschlug.
„Laß uns ins Bett gehen, Liebes," murmelte er und Elizabeth mußte grinsen. „Was, jetzt schon?" „Der Tag war anstrengend. Mir steht der Sinn nach ein bißchen Kuscheln mit meiner Frau…" seine Hand fuhr langsam unter ihr T-Shirt, strich über ihren dezent gerundeten Bauch und den unteren Rand ihrer Brüste. Aus irgendeinem Grund war Elizabeth an genau dieser Stelle überaus empfindlich und sie stöhnte leise. Mehr an Überredung brauchte es nicht. Sie war wieder einmal erstaunt, was William mit nur einer kleinen Berührung in ihr auslösen konnte. Oh ja, sie war ihm hilflos ausgeliefert und er wußte es nur zu genau.
Der anstrengende Tag forderte trotzdem schon nach kurzer Zeit seinen Tribut. Sie waren beide sehr müde und trotz allerbester Absichten schlief William mitten im Liebemachen ein. Elizabeth grinste. Das war ihm morgen früh sicherlich peinlich, dachte sie amüsiert. Damit konnte sie ihn noch Jahre später aufziehen! Sie schaffte sich mit ein bißchen Anstrengung unter seinem schweren Körper hervor und drehte sich in seinen Armen um, so daß ihr Rücken sich an seine breite Brust schmiegte. Es war ihre bevorzugte „Kuschel-Stellung" und nie hatte sie sich geborgener gefühlt. Mit müßigen Gedanken daran, was sie morgen so alles würden anstellen können, schlief auch sie langsam ein.
Am nächsten Tag stand etwas weniger anstrengendes auf dem Programm, so entschied William. Elizabeth hatte den Wunsch geäußert, während ihrer Flitterwochen eine etwas längere Wanderung in die Wälder zu unternehmen und William hatte nach langem Überlegen zugestimmt. Unter der Bedingung, daß sie nicht jeden Tag solch ein kräftezehrendes Programm abspulen würden und die einzige Anstrengung von einer etwas intimeren Art herrührte. Elizabeth hatte darüber bloß gelacht und ihn ein wenig mit vergangener Nacht aufgezogen, was William in der Tat peinlich war.
„Ich bin noch nie dabei eingeschlafen, Elizabeth," murmelte er entschuldigend und leicht verlegen, doch sie kicherte schadenfroh und neckte ihn gutmütig. „William, ich fürchte, du mußt dich mit der traurigen Tatsache abfinden, daß du nicht mehr der jüngste bist! Du mußt lernen, mit deinen Kräften hauszuhalten, damit du deine wesentlich jüngere Ehefrau wenigstens ab und zu noch zufriedenstellen kannst!" William knurrte etwas von undankbarem, vorlautem, impertinenten Landei, das er am besten gleich mal übers Knie legen sollte und bewies ihr umgehend das Gegenteil, in dem er sie ohne viel Federlesens aufs Bett zog und ihr mehr als einmal eindrucksvoll vorführte, wie sehr er sie zufriedenstellen konnte!
Nach diesem ungeplanten, aber sehr leidenschaftlichen Intermezzo, das sie beide vollkommen außer Atem zurückließ, entschieden sie spontan, daß sie einen faulen Kuscheltag einlegen und diese erregende Art des Ausruhens heute noch ein wenig öfter praktizieren wollten. Das Wetter machte sowieso keinen allzu guten Eindruck, dunkle Wolken zogen sich tief über die Berge, und so blieben sie einfach im Bett und vergammelten müßig den Tag. Die Entscheidung erwies sich als richtig, denn nur eine Stunde später öffnete der Himmel seine Schleusen und die beiden waren froh, es hier drinnen warm und gemütlich zu haben und nicht in einem kalten, nassen Wald umherlaufen zu müssen.
„Du hattest recht," murmelte William, als er Elizabeths schweißbedeckten Körper an sich preßte und ihnen eine warme Decke überzog. „Hm?" machte sie bloß schläfrig und kuschelte sich noch ein bißchen fester an ihn. Sie fühlte sich überaus befriedigt und wohlig erschöpft. Der Schlaf ließ nicht mehr lange auf sich warten, das spürte sie, obwohl es erst früher nachmittag war. „Du hattest recht," wiederholte William träge, „es ist tatsächlich sehr gemütlich, wenn der Regen aufs Dach prasselt. Seeeeeehr gemütlich…" mit einem dezenten Gähnen vergrub er sein Gesicht in Elizabeths langen Locken und schlief auf der Stelle ein, zufriedengestellt und vollkommen ausgepowert. Oh ja, diese Flitterwochen waren durchaus nach seinem Geschmack!
Der faule, wenn auch nicht minder anstrengende Tag – auch wenn die Anstrengung sehr befriedigend war – tat beiden gut. Die nächsten Tage verbrachten sie mit Ausflügen nach Lake Louise, wo sie einen kleinen Spaziergang am See machten und im Chateau Lake Louise, einem Luxushotel direkt am See, Kaffee tranken. Sie besuchten den Moraine Lake, Elizabeths erklärten Lieblingssee, und mieteten dort ein Paddelboot, um auf dem türkisfarbenen Wasser müßig herumzutreiben und mitten auf dem See ein Picknick zu veranstalten. Zu gerne wäre Elizabeth dort wandern gegangen, doch die Gegend rund um den See war als Bärengebiet eingestuft, man durfte nur in Gruppen zu mindestens sechs Personen dort spazieren- oder wandern gehen. Nach einer Woche brachen sie ihre Zelte in Banff ab und fuhren weiter in Richtung Norden, mit Ziel Jasper Nationalpark.
Der Icefields Parkway, der Banff Nationalpark mit dem nördlicher gelegenen Nationalpark rund um die kleine Stadt Jasper verbindet, gehört mit Sicherheit zu den atemberaubendsten Straßen der Welt. Gesäumt wird diese Straße von beeindruckenden, majestätischen Gletschern und schneebedeckten Bergen, tiefen Tälern und weiten Schluchten, Wäldern, Flüssen und Wasserfällen und natürlich kristallklaren Bergseen. William konnte sich nicht daran erinnern, jemals hiergewesen zu sein und schüttelte bloß ungläubig und beschämt über dieses Versäumnis den Kopf. „Und das habe ich bisher alles verpaßt!" sagte er immer wieder und bestaunte andächtig die beeindruckenden Naturdenkmäler. Es war tatsächlich ehrfurchtgebietend.
Sie machten auf der Strecke nach Jasper viele, viele Pausen, damit sie die wilde, erhebende Natur nicht bloß von ihrem Wohnmobil aus bewundern konnten. Jeder Fotohalt wurde ausgenutzt, jeder Parkplatz angefahren. So dauerte es natürlich den ganzen Tag, bis sie die knapp 290 Kilometer zurückgelegt hatten und sie trafen erst am späten Abend auf dem Campingplatz, der im Wald ein wenig außerhalb des Ortes lag, ein. Elizabeth war so umsichtig gewesen und hatte ihnen einen Stellplatz vorab reservieren lassen, was ein Glück war, denn der Platz war voll. Natürlich, es war mitten in der Hochsaison und das Land wimmelte von Touristen.
An diesem Abend kam eines von Janes vorbereiteten Menüs zu Ehren, da weder Elizabeth noch William Lust hatten, die wenigen Kilometer in den kleinen Ort zu fahren, um dort zu Abend zu essen. William erschrak zu Tode, als er sich, nachdem er draußen die Anschlüsse des Wohmobils festgemacht hatte, Auge in Auge mit einem Wapitihirschen fand, der den Campingplatz offenbar als Abkürzung zu seinem Schlafplatz benutzt hatte. Der mächtige Hirsch starrte William einen Moment unschlüssig an und rannte schließlich weiter in den dunklen Wald hinein. Elizabeth, die an der Tür gestanden hatte, lachte. „Das ist hier ganz normal, William. Wenn wir morgen zum Maligne Lake fahren, wirst du höchstwahrscheinlich ganze Herden an Dickhornschafen auf der Straße sehen! Und in Jasper selbst treiben sich die Hirsche mitten in der Stadt rum."
Elizabeth sollte recht behalten. Als sie am nächsten Tag zum Maligne Lake hinausfuhren, wieder eine atemberaubend schöne Strecke mit vielen landschaftlichen Höhepunkten, trafen sie auf verstreute Herden von Dickhornschafen, die auf der Straße zum See die Autos behinderten und an die offenen Fenster kamen, um zu betteln. Die Tiere waren bereits so an die Menschen gewöhnt, daß es für sie zu einem regelrechten Futterplatz geworden war – eine Tatsache, die den Waldhütern nicht im geringsten gefiel. Füttern der Wildtiere war im ganzen Park streng verboten – doch die uneinsichtigen Touristen hielten sich leider nicht immer daran. Anscheinend waren einige der verhängnisvollen Meinung, es handele sich hierbei um einen großen Streichelzoo und nicht um wilde, freilebende Tiere.
So waren Elizabeth und William überaus geschockt, als sie in der Nähe eines Parkplatzes einen Schwarzbären am Waldrand sahen und in der Nähe zwei Touristen, die offenbar der Meinung waren, auch die gefährlichen Bären wären nichts weiter als Kuscheltiere und würden ihnen schon nix tun. Aufgeregt knipsten sie Fotos, wedelten mit ihren Filmkameras herum und kamen dabei dem Tier gefährlich nahe. Der Bär ergriff glücklicherweise von selbst die Flucht, bevor etwas schlimmeres geschehen konnte.
William fand die Gegend zu dem großen See hin so schön, daß er Elizabeths Vorschlag gerne annahm, am nächsten Tag nochmals hierherzufahren und eine etwas größere Wanderung zu unternehmen. Wenn sie früh genug hier wären, hätten sie den ganzen Tag zur Verfügung. Außerdem wären sie hier etwas ungestörter, da die meisten Wanderungen von Jasper aus gingen und die Mehrzahl der Touristen nur zum See fuhren und wieder zurück. Vom See aus mußte man gezwungenermaßen wieder zurückfahren, er lag am Ende der Straße und von dort aus führten nur noch Wanderwege ab.
Gesagt, getan. Am nächsten Morgen – leider etwas später als geplant, da William einfach nicht aufstehen wollte (und Elizabeth nicht aufstehen ließ) – machten sie sich auf den Weg, suchten sich auf halber Strecke zum See einen Ausgangspunkt für ihren Tagesmarsch und ab ging es in den tiefen Wald. Elizabeth hatte glücklicherweise daran gedacht, einen Rucksack voller Proviant zu packen – den William dann grummelnd schleppen durfte. Darüberhinaus hatte sie eine Decke festgezurrt – man wußte ja nie, ob man unterwegs eine Runde kuscheln konnte! Für alle Fälle noch eine Regenjacke umgebunden, auch wenn William das zuerst als unnütz betrachtete an einem so schönen Tag. Aber Elizabeth war sich bewußt, daß sich das Wetter im Gebirge häufig ändern konnte und wahrscheinlich war es im Wald sowieso etwas kühler.
Eine Karte nahmen sie nicht mit, sie suchten sich an ihrer Basisstation einfach einen markierten Rundweg über mehrere Kilometer aus und folgten diesem munter. Das Zeichen war eine schwarze Raute auf weißem Grund und der Weg war in der Tat gut markiert. Gegen mittag erreichten sie einen kleinen, verwunschen wirkenden Teich, an dem sie beschlossen, Rast zu machen. Sie hatten während ihrer gesamten Wanderung bisher noch keine Menschenseele gesehen.
„Ist das schön hier!" seufzte Elizabeth und sah sich bewundernd um. „Sieh mal, sogar Seerosen! Und dort drüben, dieses kleine Stück Gras, wollen wir da unsere Decke ausbreiten?" William nickte. Er war froh, daß er den schweren Rucksack für einige Zeit absetzen konnte. Was um alles in der Welt hatte Elizabeth bloß eingepackt, fragte er sich und streckte sich erst einmal wohlig auf der Decke aus. Hunger hatte er keinen, ihm war nach anderen Dingen zumute. Ihr gemütlicher Rastplatz war vom Hauptweg aus nicht sofort zu sehen und so nutzten die Frischvermählten die sich bietende Gelegenheit für ein kleines, intimes Intermezzo inklusive anschließendem Mittagsschläfchen. Sie verspeisten noch einige Sandwiches, bevor sie sich wieder auf den Weg machten. Die Sonne war zwischenzeitlich immer wieder hinter Wolken verschwunden und sie wollten es möglichst verhindern, in einen Regenschauer zu geraten. Trotz ihrer Regenjacken. Und William konnte nicht behaupten, daß der Rucksack gravierend leichter geworden wäre.
Sie waren beide erstaunt darüber, was man so alles an Eßbarem im Wald finden konnte und Elizabeth machte immer wieder einen kurzen Halt, um Beeren zu pflücken. „Wenn wir heute nacht hier im Wald übernachten müssen, haben wir wenigstens was zum essen!" lachte sie und so marschierten sie an dem kleinen See entlang den Weg weiter – ohne die schwarze Raute auf weißem Grund zu sehen, die – zugegebenermaßen etwas versteckt auf einem dünnen Baumstamm – zu einem etwas schmaleren Pfad in eine ganz andere Richtung wies. Noch ungemütlicher war die Tatsache, daß der Weg, dem sie weiterhin folgten, über mehrere Kilometer keinen weiteren Pfad mehr kreuzte und sie somit nicht die geringste Ahnung hatten, daß sie gerade Gefahr liefen, sich in der kanadischen Wildnis zu verirren.
