LadyMariann: Erstmal danke für deine konstruktive Kritik. Solche Kleinigkeiten fallen einem selber meistens nicht auf, deshlab ist es doch schön, wenn man so aufmerksame Leser hat!!!

Bei der Sache mit Dracos Shirt haben wir wirklich etwas vergessen... und zwar haben wir das Shirt nicht genauer beschrieben, da wir ein Bild von diesem Shirt bzw. von dessen Aufdruck hatten und so für uns eine Beschreibung überflüssig war. Dass ein außenstehender Leser natürlich nicht wissen kann wie es denn nun aussieht haben wir gar nicht beachtet. Sorry!!!!

Zur Info: Auf dem Shirt soll eine blonde Frau abgedruckt sein, zudem steht in dicken Lettern „Blondie" drauf.

Ich hoffe, seine Reaktion und die der anderen darauf wird dadurch etwas verständlicher.

Nun geht's aber weiter...

Weiterhin viel Spaß beim lesen!!!

Joanna

Jo stand zusammen mit Severus und Laura vor der RAH. Drinnen hatten die Auroren mit den Aufräumarbeiten begonnen und hatten die drei mehr oder weniger hinausgeworfen.

Nervös trat Jo von einem Fuß auf den anderen, auch die beruhigenden Worte von Laura zeigten bei ihr keine Wirkung.

Sie hatte große Angst um ihre Tochter, denn sie wusste zu was Jakob fähig war. Aber das flaue Gefühl in ihrem Magen kam nicht nur von ihrer Angst. Sie hatte auch das ungute Gefühl, dass Lucius womöglich etwas dummes tun würde und der Gedanke daran, dass er ihr dadurch genommen werden könnte, ließ sie frösteln.

Ihr war erst in den letzten Tagen richtig klar geworden wie sehr sie ihn liebte, ihn immer geliebt hatte. Hoffentlich würde er ihr Serena heil zurück bringen.

„Das wird er", hörte sie Laura leise sagen. Anscheinend hatte sie ihre letzten Gedanken laut ausgesprochen. „Sie ist schließlich auch seine Tochter."

Jo nahm Lauras Hände in ihre und sah die andere Frau dankbar an.

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass Serena nicht Jakobs leibliche Tochter ist", seufzte sie und schüttelte den Kopf. „Und ich hatte wirklich Glück, dass Lucius sie sofort als seine Tochter akzeptiert hat. Immerhin habe ich sie ihm vierundzwanzig Jahre vorenthalten."

Laura legte ihrer Freundin einen Arm um die Schultern und erschrak, als sie spürte wie sehr Jo zitterte.

„Er liebt dich eben und du hast es ja nur zu ihrem Schutz getan." Laura hatte mittlerweile von Jo alle Einzelheiten erfahren, die mit Jakob, Serena und Lucius zusammenhingen und sie hatte gespürt, dass es Jo sehr erleichtert hatte sich alles von der Seele zu reden. Seit diesem Moment waren die beiden Frauen noch mehr zusammengerückt.

Jo versank wieder ins Schweigen und Laura zog sich taktvoll zurück. Sie lehnte sich an Severus und sah ihn stirnrunzelnd an.

„Worüber denkst du gerade nach?"

Severus stand mit verschränkten Armen und einem verkniffenen Gesicht da und schien erst wieder in die Realität zu kommen, als er ihre Stimme hörte.

„Er wird etwas unsagbar dummes tun", knurrte er und Laura brauchte nicht nachzufragen, von wem er sprach.

„Woher willst du das wissen?"

„Weil er Lucius ist und ein Malfoy noch dazu. Man mag es kaum glauben, aber wenn seine Familie in Gefahr ist, geht er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Er handelt bevor er anfängt zu denken. Obwohl er sonst immer so beherrscht und kühl daherkommt und jedes Wort genau abwägt bevor er es von sich gibt. Doch in solchen Situationen kann er sich einfach nicht beherrschen."

„Würde es dir denn nicht ähnlich gehen? Immerhin bist du auch für Rena verantwortlich... als Pate..."

Er sah sie mit seinen unergründlichen Augen an und zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß doch wie sehr dir Serena am Herzen liegt", bohrte Laura weiter, doch diesmal erzielte sie keinen Erfolg. Severus Mine blieb weiterhin ausdruckslos und Gott allein wusste, was in ihm gerade vorging.

Plötzlich gab es einen Knall und mit einem Aufschrei stürzte Jo zu Lucius, der gerade mit den anderen aufgetaucht war und eine bewusstlose Serena in den Armen hielt.

Sein Gesichtsausdruck war hart und ebenso ausdruckslos wie der von Severus.

Auch die anderen sahen nicht besser aus. Alle wirkten irgendwie erschöpft und schienen nicht gewillt über das zu reden, was dort, wo auch immer sie gewesen waren, geschehen war.

Draco zog Alex fest in seine Arme und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar. Harry setzte sich ein wenig abseits auf den Boden, stützte die Ellenbogen auf seine Knie und vergrub sein Gesicht zwischen den Händen.

„Lucius, du hast sie mir zurück gebracht", flüsterte Jo mit tränenerstickter Stimme und schloss ihre Tochter in die Arme.

Serena begann sich langsam wieder zu regen, schlang ihre Arme um den Hals ihrer Mutter und ließ erschöpft den Kopf an ihre Brust sinken.

Lucius war neben Jo in die Knie gegangen und legte ihr eine Hand auf den Arm.

Sie sah zu ihm auf. Seine grauen Augen musterten sie kurz liebevoll nur um schnell wieder den harten Glanz anzunehmen, der sie ausmachte.

„Lucius, was..."

„Nicht jetzt", unterbrach er sie brüsk.

„Wo ist..."

„Nicht jetzt", wiederholte er und sah sie weiter mit diesem verschlossenen Ausdruck an.

Plötzlich kamen zwei Auroren aus der RAH und sahen sich suchend um. Lucius schien zu wissen, was sie wollten und stand langsam auf.

Jo sah ihn verwirrt an, doch er schüttelte nur leicht den Kopf.

„Lucius Malfoy?" Die beiden Auroren waren an ihn herangetreten und hatten dabei ihre Zauberstäbe gezogen.

„Der bin ich", gab Lucius hochmütig zurück.

„Wir haben gerade erfahren, dass Sie einen der Unverzeihlichen angewendet haben und zwar den schlimmsten den es gibt. Streiten Sie diesen Vorwurf ab?"

„Er hat das bekommen, was Verbrecher verdient haben."

„Dann sind Sie hiermit verhaftet."

Fordernd hielt einer der Auroren Lucius die offene Handfläche entgegen, doch Lucius machte keine Anstalten ihm seinen Zauberstab zu geben.

„Er wollte meine Tochter umbringen", zischte er und funkelte die Auroren wütend an.

„Es mag ja sein, dass Sie Ihre Gründe hatten, doch ist Selbstjustiz immer noch verboten", erwiderte einer der Auroren.

„Er war ein gefährlicher Psychopath! Sie sollten mir dankbar sein, dass ich ihn unschädlich gemacht habe!" beharrte Lucius auf seinem Standpunkt und machte immer noch keine Anstalten den Auroren Folge zu leisten.

„Avada Kedavra bleibt Avada Kedavra und dass Sie diesen Fluch angewendet haben ist unbestritten. Sie geben es ja selber zu! Und gerade Sie sollten wissen, dass diese Flüche verboten sind, oder haben Sie durch Ihre Jahre in Askaban nichts begriffen?"

„Wir werden also schon persönlich", meinte Lucius sarkastisch, blieb dabei aber immer noch beherrscht.

„Sie sind ein gefährlicher Mann, Malfoy. Sie sollten daran denken, dass sie nur durch das Wohlwollen der Aurorabteilung auf freiem Fuß sind."

„Weil ich Ihnen dabei geholfen habe hinter die Pläne von Moonfield zu kommen und letztendlich habe ich nur das getan, was jeder hier an meiner Seite getan hätte und wozu euer Verein nicht in der Lage war."

„Werden Sie freiwillig mitkommen?" versuchte der Auror die Diskussion abzukürzen. „Wir möchten nur ungern Gewalt anwenden."

Lucius lachte verächtlich auf, blieb aber dort stehen, wo er war.

„Na schön, Sie haben es nicht anders gewollt."

Die Auroren richteten ihre Zauberstäbe auf Lucius, doch bevor sie irgendeinen Fluch auf ihn abfeuern konnten trat Alex dazwischen.

„Wartet!" rief sie und stellte sich vor Lucius.

„Verdammt Parker, was soll das?" wurde sie von einem der beiden angefahren, doch sie sah ihn unverwandt an.

„Es war Notwehr", sagte sie.

„Und woher wollen Sie das wissen?"

„Ich war dabei. Jakob war gerade im Begriff Serena von den Klippen zu stürzen. Malfoy hatte gar keine andere Wahl, wenn er seiner Tochter das Leben retten wollte."

„Das mag ja alles sein", erwiderte der Auror nun sichtlich genervt. „Trotzdem ist es kein Grund einen Unverzeihlichen anzuwenden. Das wäre ja sicher auch mit einem harmloseren Fluch gegangen."

„Jakob wäre so oder so gestorben", entgegnete Alex. „Auch ein anderer Fluch hätte ihn über die Klippen gehen lassen."

„Dennoch Unverzeihlich bleibt Unverzeihlich. Diese Flüche heißen nicht umsonst so."

„Himmel, Arsch und Zwirn! Könnt ihr Bürokratenhengste nicht einmal aus eurer Engstirnigkeit heraus, um die Realität zu sehen?!" Alex wurde nun wirklich wütend und stemmte die Fäuste in die Hüften. „Was hätten Sie denn gemacht, wenn jemand Ihre Tochter gerade töten will? Können Sie nicht einmal ein Auge zudrücken? Verdammt, es ist ja nicht gerade so, dass Malfoy einen Unschuldigen getötet hat, sondern einen gefährlichen Psychopathen, der im Begriff war ein zweiter Voldemort zu werden!"

„Aber die Gesetze..."

„Ach, scheiß auf die Gesetze... die können manchmal auch nicht helfen."

„Ich darf Sie sehr bitten, Miss Parker! Sie als angehende Aurorin..."

„Ich sehe, ich komme hier nicht weiter", unterbrach Alex ihn rüde. „Ich werde mit Moody sprechen. Soll er entscheiden, was mit Malfoy geschehen wird."

„Dann werde ich mitkommen", blieb der Auror hartnäckig und Alex seufzte.

„Meinetwegen."

Alex verschwand mit dem Auror.

In der Zwischenzeit behielt der andere Lucius im Auge, doch dieser dachte gar nicht daran zu verschwinden. Er hatte das Leben seiner Tochter verteidigt und sah nicht ein, was daran hätte falsch sein können. Unverzeihlicher hin oder her.

Jo hatte währenddessen Serena in Lauras Obhut gegeben und kam zu Lucius.

„Ist das wahr?" flüsterte sie und sah ihn mit großen Augen an.

Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und sah sie eindringlich an.

„Entweder er oder Rena und glaub mir, die Wahl ist mir nicht schwer gefallen."

„Wenn Vater es nicht getan hätte, dann hätte ich es getan", ließ sich Draco mit grimmiger Mine vernehmen.

„Malfoy war eben schneller", stimmte Harry zu. „Wir hätten alle genauso gehandelt."

Jos Augen wurden feucht und sie wurde von einem Weinkrampf geschüttelt. Lucius zog sie in seine Arme und strich ihr beruhigend über das Haar.

„Es ist vorbei, Jo. Endgültig. Er kann euch niemals mehr weh tun."

Lucius hielt die schluchzende Jo noch immer im Arm, als Alex und der Auror zurückkamen. Doch sie waren nicht allein. Moody war bei ihnen.

Dieser machte nicht viel Federlesen und trat ganz dicht an Lucius heran. Lucius reckte trotzig das Kinn vor und hielt Jo noch fester in seinen Armen.

„Malfoy?" sagte Moody kurz angebunden.

„Ja?"

Das magische Auge musterte ihn scharf, doch Lucius hielt dem Blick stand.

„Haben Sie etwas zu Ihrer Verteidigung vorzubringen?"

„Serena ist meine Tochter und ich habe nur das getan, was von einem guten Vater verlangt wird, nämlich seine Kinder zu schützen."

„Ich warne Sie, Malfoy. Wenn mir auch nur die kleinste Verfehlung Ihrerseits zu Ohren kommt, dann wandern Sie ab nach Askaban. Und wenn es sich nur um eine Lappalie handelt! Haben wir uns verstanden?"

„Natürlich."

Moody knurrte etwas unverständliches und wandte sich dann an seine beiden Auroren die augenscheinlich nicht mit dieser Entscheidung zufrieden waren.

Als der Leiter der Aurorabteilung mit den anderen beiden verschwand, atmete Lucius hörbar aus.

„Du hast ganz schön hoch gepokert, Vater", meinte Draco kopfschüttelnd.

„Na und? Schließlich habe ich gewonnen. Was ich im übrigen auch nicht anders erwartet habe."

Alex wollte schon aufbegehren, denn letztendlich war es nur ihr zu verdanken gewesen, dass Lucius nicht nach Askaban musste, doch Draco hielt sie zurück.

„Lass gut sein", flüsterte er ihr zu. „Es lohnt sich nicht sich darüber aufzuregen. So ist mein Vater eben."

Für Lucius schien der ganze Vorfall schon vergessen. Er ging mit Jo zu Serena, um mit den beiden nach Malfoy Manor zu apparieren. Zuvor gab es jedoch noch eine heftige Diskussion mit Harry, der sie unbedingt begleiten wollte. Und nach ein paar beschwichtigenden Worten von Jo stimmte Lucius widerwillig zu.

Draco und Alex apparierten zu ihr nach Hause. Sie freuten sich beide darauf, endlich einmal wieder ein paar unbeschwerte Stunden zu zweit zu verbringen.

Severus blieb mit Laura zurück. Er hatte sich während der ganzen Diskussionen nicht eingemischt und konnte sich nur darüber wundern, wie Lucius es anstellte, das zu bekommen, was er haben wollte.

Laura gähnte herzhaft und ließ ihren Kopf an Severus Schulter sinken. Erst jetzt merkte sie, wie müde sie eigentlich war.

„Ich bring dich nach Hause", meinte Severus und nahm ihre Hand.

„Aber du lässt mich nicht allein, oder? Nicht heute Nacht." Laura lief ein Schauer über den Rücken, als sie daran dachte, dass sie, als sie das letzte Mal in ihrem Haus war, entführt worden war.

Er sah sie an und um seine Mundwinkel zuckte es leicht, dann apparierte er mit ihr nach Spinner's End.

Ganz sicher würde er sie nicht mehr aus den Augen lassen.

3 Monate später

Snape

Als die Tür hinter Serena ins Schloss fiel erschien ein zufriedener Ausdruck auf Severus Gesicht. Er hatte sie seit fast drei Monaten nicht gesehen und ein wenig leid tat es ihm schon.

Er holte sich ein Glas Wein aus der Küche und setzte sich in seinen großen bequemen Sessel vor dem Kamin.

Es wurde langsam Frühling, trotzdem war es immer noch unangenehm kalt draußen, sodass er getrost ein Feuer entfachen konnte.

Während es langsam wohlig warm wurde sann er weiter über Serena und die vergangenen Monate nach.

Das letzte Mal hatte er sie und die anderen alle zu Weihnachten gesehen. Eigentlich hatte er keine Lust auf das Fest gehabt, die ganzen letzten Monate unter Jakobs Fuchtel und schließlich der letzte Kampf hatten ganz schön an ihm gezehrt, so dass er lieber hatte allein sein wollen.

Doch wie immer war Laura schuld gewesen, dass er doch an diesem „Familienfest" teilgenommen hatte.

Lucius hatte sie alle nach Malfoy Manor zu einem gemeinsamen Weihnachtsfest eingeladen. Allerdings bezweifelte Severus, dass diese Einladung tatsächlich auf Lucius Mist gewachsen war. Viel wahrscheinlicher war es, dass Joanna ihn dazu überredet hatte.

Jedenfalls war Laura total von der Idee begeistert gewesen. Sie hatte zu Joanna während der letzten Wochen eine tiefere Bindung entwickelt und die beiden Frauen waren zu guten Freundinnen geworden. Verständlich also, dass Laura ihre Freundin unbedingt wiedersehen wollte. Und natürlich war sie auch wahnsinnig neugierig auf den Landsitz der Malfoys.

Nach anfänglichem Zögern und Sträuben hatte Severus schließlich nachgegeben und so kam es, dass am Heiligen Abend alle vereint unter einem, für Severus Geschmack, protzigen Weihnachtsbaum versammelt waren.

Er und Laura, Serena und Harry, Draco und Alex und natürlich Lucius und Jo.

Von Serena hatte Severus erfahren, dass Draco seinem Vater damit gedroht hatte, er würde Weihnachten bei Alex verbringen, wenn Lucius sie nicht persönlich einladen würde. Ursprünglich hatte Lucius wohl vorgehabt die Einladung durch Draco überbringen zu lassen. So ganz konnte er sich wohl immer noch nicht damit abfinden, dass sein Sohn mit einer Gryffindor zusammen war.

Auch Harry war nicht gerade mit offenen Armen von ihm empfangen worden, schließlich war er Harry Potter und dazu kam er auch aus Gryffindor.

Severus gestattete sich ein leichtes Grinsen. Lucius konnte einfach nicht aus seiner Haut, auch wenn er sich, zumindest in Jos Anwesenheit, redlich Mühe gab.

Als das neue Jahr hereinbrach hatte Jo beschlossen Serena und Harry auf eine längere Reise zu schicken. Serena hatte sich von den Strapazen und von dem Schock erholen sollen, außerdem war Joanna der Meinung gewesen, dass sie und Harry endlich einmal Zeit für sich brauchten.

Deswegen hatte Severus sie auch so lange nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Am heutigen Nachmittag war Serena dann urplötzlich bei ihm aufgetaucht. Gut erholt und endlich wieder annähernd so fröhlich wie vor dem ganzen Schlamassel.

Sie hatten lange miteinander geredet. Wahrscheinlich war es das längste Gespräch gewesen was sie je miteinander geführt hatten, aber Severus hatte ein Problem gehabt. Ein Problem, das er, so musste er sich eingestehen, nicht alleine hätte lösen können.

Warum er sich gerade seiner Patennichte anvertraut hatte, war ihm schleierhaft, aber er war froh, dass er es getan hatte.

Jetzt grübelte er über Serenas Worte nach, kam jedoch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.

Wenn auch nicht gerne, so musste er sich eingestehen, dass er schon wieder Hilfe brauchte.

Fluchend stellte er sein Glas ab. Dass er in solchen Dingen auch so unbeholfen sein musste.

Serena

Ich war froh, dass Dumbledore mich für den Rest des Schuljahres freigestellt hatte. Auch Severus brauchte bis zum nächsten Schuljahr nicht mehr antreten, was er wundersamer Weise auch tat. Die Schüler waren sicher nicht traurig deswegen.

Die Sonne kitzelte mich an der Nase, als ihre ersten Strahlen durch die schweren Samtvorhänge in mein Zimmer fielen.

Neben mir zog sich Harry brummelnd die Decke über den Kopf und kurz darauf war wieder ein leises Schnarchen zu hören.

Grinsend sah ich zu ihm hinüber und stand schließlich auf. Leise schlüpfte ich durch die Vorhänge auf den Balkon. Ich stützte meine Hände auf die Brüstung und sah in den herrlichen Garten.

Ein Pfau stolzierte in der Morgensonne umher und pickte hier und da den Morgentau von den Blumen.

Eins musste man ihm wirklich lassen. Lucius Anwesen war herrlich. Am Anfang hatte mir der Gedanke überhaupt nicht behagt bis zum nächsten Schuljahr auf Malfoy Manor zu wohnen, doch mittlerweile fühlte ich mich hier richtig wohl. Widerstand wäre sowieso zwecklos gewesen. Lucius hatte mir ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass er mich nicht wieder nach Hogwarts lassen würde. Zumindest vorerst nicht.

Gestern morgen waren Harry und ich von unserer Reise zurückgekehrt. Wir waren die letzten Monate bei Mums Schwester in Norwegen gewesen und es hatte wirklich gut getan, die ganzen Schrecken der letzten Monate und Wochen zurückzulassen.

Nachdem wir gestern zurückgekehrt waren, hatte ich beschlossen spontan bei Severus vorbei zu schauen. Er war zwar ziemlich überrascht gewesen, als ich nachmittags vor seiner Tür stand, aber anstatt wie sonst auch mürrisch und abweisend zu reagieren, hatte er mich bereitwillig ins Haus gelassen. Das war erstaunlich, denn ich wusste wie sehr er unangemeldeten Besuch hasste.

Der Nachmittag hatte dann auch einen ganz anderen Verlauf genommen, als ich gedacht hatte. Wollte ich mich eigentlich nur zurück melden, so fand ich mich irgendwann in einem Gespräch über Liebe und Beziehungen wieder.

Am verwunderlichsten war jedoch, wie offen er mit mir über seine Gefühle für Laura gesprochen hatte. Und nicht nur das! Endlich hatte ich den Mut aufgebracht und ihn gefragt, warum er eigentlich so aufgebracht darüber war, dass ich mich in Harry verliebt hatte und warum er mir von einem Potter abgeraten hatte.

Er hatte lange mit sich gerungen, doch schließlich rückte er doch mit der Sprache heraus. Allerdings nicht ohne das Verlangen, dass ich niemandem davon erzählen dürfte.

Nachdem ich es ihm versprochen hatte, erzählte er mir schließlich alles.

Eigentlich war es relativ einfach. Das erste und, bis zu dem Moment wo Laura ihm über den Weg gelaufen war, das einzige Mal, dass er tiefere Gefühle für eine Frau hegte war noch zu seinen Schulzeiten gewesen. Bei besagter Frau hatte es sich um Harrys Mutter, Lily Potter, gehandelt. Doch sie hatte sich für James Potter entschieden und Severus dabei ziemlich übel mitgespielt.

Zumindest verstand ich jetzt, warum er von meiner Beziehung zu Harry nicht begeistert war. Wie übrigens jeder aus meiner Familie, von Mum einmal abgesehen.

Doch diese Geschichte war es nicht gewesen, die mich letztendlich die Fassung hatte verlieren lassen.

Nein, Severus war mit einem Anliegen an mich getreten, dass mir im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen hatte.

Auch jetzt, nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen hatte, konnte ich es immer noch nicht ganz glauben.

Trotzdem hatte ich ihm meine Hilfe zugesagt und wie es schien brauchte er die schon heute, denn eine Eule landete plötzlich vor mir auf der Balkonbrüstung und riss mich aus meinen Gedanken.

Sie streckte mir ihr Bein entgegen und flog sofort davon, nachdem ich ihr den Brief abgenommen hatte. Er war von Severus.

Beim lesen konnte ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Er hatte wirklich Hilfe nötig und zwar eindeutig weibliche Hilfe.

Mir kamen auch schon ein paar gute Ideen, die ich niederschrieb. Ich riss Mordor aus seinem Schlaf und schickte ihn mit dem Brief zu Severus. Es dauerte auch gar nicht lange, da kam er verärgert mit einer Antwort zurück.

Severus schienen meine Ideen gar nicht zu gefallen. Sinngemäß stand in dem Brief so etwas wie, ich solle mir doch gefälligst etwas einfallen lassen, was besser zu ihm passen würde.

Spontan fiel mir da die Familiengruft der Malfoys ein... dunkel, düster, kalt... doch für so einen Anlass nicht gerade passend.

Bevor Mordor mir stiften gehen konnte, klemmte ich ihn mir unter den Arm, wobei ich sein Zappeln und seine bösen Blicke gekonnt ignorierte. Dann holte ich ein neues Pergament und begann zu schreiben.

Was hältst du von einem Abendessen bei dir zu Hause? Mit Kerzen und so nem Kram. Ist jedenfalls sehr romantisch.

Bei dem Satz musste ich kichern. Severus und romantisch? Na ja...

Als Abschluss dann ein Glas Wein vor dem Kamin. Das wär's doch! Mir würd's gefallen...

Ich schickte Mordor wieder los und wieder dauerte es nicht lange bis er zurück kam. Severus nächster Brief bestand nur aus einem Satz:

Ich kann nicht kochen!

Mit einem Seufzer kritzelte ich darunter:

Dann mach ich das eben.

Wieder musste Mordor dran glauben und wieder kam er recht schnell zurück. Unter meiner Schrift stand diesmal nur ein Wort:

Wann?

Wann du dazu bereit bist... war meine Antwort und Mordor fauchte mich diesmal sogar an, als ich ihn erneut losschickte.

Diesmal dauerte es fast eine Stunde bis die Antwort kam. In dieser Zeit hatte ich mich bereits geduscht und angezogen. Harry schlief immer noch, also ließ ich ihn schlafen und setzte mich mit einem heißen Kakao wieder auf den Balkon.

Ich hatte mich gerade hingesetzt, da ließ Mordor mir den nächsten Brief in den Schoß fallen und flüchtete schnell aus meiner Reichweite.

Eigentlich gar nicht, aber aus der Nummer komme ich wohl so schnell nicht mehr raus. Also am besten morgen.

Wieder musste ich grinsen. Tatsächlich, aus dieser Sache würde Severus nicht mehr rauskommen, aber es war ja auch seine Idee gewesen.

Aber musste es wirklich schon morgen sein? Jetzt musste ich mir auf die Schnelle auch noch ein tolles Menü einfallen lassen. Und dabei konnte ich auch nicht kochen. Aus dieser Sache würde ich nicht mehr rauskommen. Warum war ich auch so voreilig gewesen?

Am nächsten Nachmittag verließ ich unter einer Ausrede Malfoy Manor und klopfte wenig später an Severus Tür.

Kaum hatte er die Tür aufgemacht, da zog er mich auch schon hastig ins Haus, sodass ich fast gestolpert wäre.

„Hat sie dich gesehen?" fragte er und spähte nach draußen.

Das sah so komisch aus, dass ich nicht an mich halten konnte und erst mal anfing zu lachen. Severus sah mich vorwurfsvoll an, doch es dauerte eine Weile bis ich mich soweit beruhigt hatte, dass ich ihm antworten konnte.

„Nein, hat sie nicht", sagte ich immer noch glucksend.

Immer noch angesäuert schob er mich in die Küche.

„Du willst das wirklich heute Abend durchziehen?" fragte ich ihn und konnte meine Skepsis nicht ganz verbergen.

„Wenn ich es heute nicht mache, dann werde ich es nie machen", erwiderte er.

„Gut, aber ich sag es dir gleich... mehr als für dich kochen kann ich nicht. Alles andere musst du schon irgendwie alleine hinbekommen."

Er sagte nichts darauf, sah aber auch nicht sonderlich glücklich aus.

„Okay, für wann hast du sie eingeladen?"

„Für acht Uhr."

„Gut, das kriegen wir hin. Fangen wir erst mal mit der Tischdeko an..."

Der Tisch stand im Wohnzimmer und mir gefiel der Platz dort überhaupt nicht.

„Zu düster", befand ich und beförderte den Tisch samt Stühlen in den kleinen Erker, der zum Garten hinaus ging. „Schon besser."

Dann ließ ich meiner Kreativität freien Lauf, zauberte hier ein bisschen und dort ein wenig. Dabei ignorierte ich das gelegentliche entsetzte Aufstöhnen, das Severus von sich gab, während er mich beobachtete.

Das schwierige an der ganzen Sache war, dass die Atmosphäre romantisch sein sollte, aber trotzdem noch zu Severus passen musste.

Nach zwei Stunden war ich endlich zufrieden. Da in Severus Haus die vorherrschende Farbe Schwarz war, war mir nichts anderes übrig geblieben als auch den Tisch dunkler zu gestalten, als mir lieb war.

Als Tischdecke hatte ich kurzerhand einen dunkelroten Samtvorhang umfunktioniert, den ich im oberen Stockwerk gefunden hatte.

An beiden Enden des Tisches hatte ich zwei große silberne Kerzenleuchter hingestellt, die mit weißen Kerzen bestückt waren.

Zu guter letzt hatte ich, auch wenn Severus mich entsetzt angesehen hatte, überall auf dem Tisch weiße Rosenblätter verteilt und schließlich zwei große silberne Unterteller hingestellt.

„Perfekt", grinste ich und sah Severus beifallheischend an.

„Wenn du meinst", knurrte er und sah nicht gerade begeistert aus. Mir war es egal. Mir gefiel es und ich war sicher, dass es Laura auch gefallen würde.

Doch jetzt stand ich vor dem größeren Problem. Das Kochen! Auf dem Weg in die Küche grübelte ich, wie ich es schaffen sollte in drei Stunden ein angemessenes Menü zu zaubern. Und da hakte es auch schon. Weder konnte ich kochen, noch hatte ich es bislang geschafft ein vernünftiges Essen zu zaubern. Eigentlich fiel mir nur eins ein, damit der Abend nicht am Essen scheiterte.

Als Severus mir in die Küche folgen wollte, scheuchte ich ihn wieder raus.

„Geh du dich lieber vernünftig anziehen. Ich werde die Tür jetzt schließen und wenn du für den ersten Gang bereit bist, dann klopf an."

Damit schlug ich ihm die Tür vor der Nase zu, belegte sie mit einem Schutzzauber und apparierte zurück nach Malfoy Manor.