Wie Feuer und Eis
Am nächsten Morgen erwachte Hermione deutlich früher als sonst in ihrem Schlafsaal. Die Vorhänge waren beiseite gezogen, denn sie liebte es, mit der Sonne auf zu wachen. Und so konnte sie sehen, dass es wieder heftig zu schneien begonnen hatte. Sie fragte sich, wie lange die Bäume diese neue Last noch aushalten würden. Hastig sprang Hermione aus dem Bett und suchte ihre Sachen zusammen. Sie würden heute eine wichtige Arbeit in Geschichte der Zauberei schreiben und sie wollte noch einmal den Stoff durchgehen um auch wirklich vorbereitet zu sein. Würde sie bei dieser Arbeit gut abschneiden, würde sie die kommenden Semesterferien mehr genießen können. Und dann hätte sie auch mehr Zeit für Harry und Ron…ihre beiden besten Freunde…die sie jetzt wohlmöglich hassten und nicht verstehen konnten. Sie überlegte sich, ob sie ihnen nicht eine Erklärung schuldig war. Eine bessere als gestern Abend, doch dann entschied sie, dass dies warten konnte. Sie würde noch genug Gelegenheiten bekommen, ihnen alles zu erklären. Sie hoffte nur, dass Harry und Ron keine Dummheiten machten, wie zum Beispiel herumerzählen, was sie herausgefunden hatten.
Die Hexe zog einen der dicken Winterumhänge aus dem Schrank hervor. In den Gängen war es zum Teil bitter kalt und sie wollte eine Erkältung vorbeugen. Mit all ihren Sachen bepackt ging sie in das angrenzende Badezimmer um sich zu recht zu machen. Sie öffnete die Tür und sofort kam ihr dieser Duft entgegen. So oft hatte sie ihn schon gerochen und immer wieder aufs Neue übermannte dieser Geruch sie, umhüllte sie und gab ihr irgendwie das Gefühl der Geborgenheit, der Ruhe, des Schutzes, ließ ihre Beine weich werden. Malfoy war also schon wach. Hermione versuchte, sich zu beeilen um endlich zum Frühstück zu kommen, denn ansonsten hätte sie keine Gelegenheit mehr, sich das Kapitel über die Hexenverfolgung im 18. Jahrhundert durchzulesen. Und das wäre eine Katastrophe. Daher beeilte sie sich, in die große Halle zum Frühstück zu kommen und suchte sich einen einsamen Platz am Ende des großen Tisches aus um ungestört lernen zu können. Sie hatte keine Lust, von ihren Schulkammeraden mit Fragen über den Stoff bombardiert zu werden oder sich den neuen Klatsch und Tratsch anhören zu müssen. Deshalb zog sie auch sobald sie ihren Platz eingenommen hatte einen großen Wälzer hervor, als Zeichen für die anderen, dass sie auf keinen Fall gestört werden wollte. Doch damit hatte sie die Rechnung ohne Ron und Harry gemacht, denn kaum dass die Beiden die große Halle betreten hatten, stürmten sie schon auf Hermione zu.
„Nein! Ich muss jetzt wirklich lernen." Sagte sie sofort, als sich Harry und Ron zu ihr setzten. „Mir ist egal worum es geht, es muss bis nach der Prüfung warten." Damit biss sie von ihrem Toast ab und steckte ihre Nase wieder in das Buch.
„Bis nach der… Hermione, das kann nicht bis nach der Prüfung warten." Begann Ron sich aufzuregen, wo rinn er von Harry unterstützt wurde.
„Hermione, du hast uns gestern Nacht einfach raus geworfen, vor die Tür gesetzt. Noch dazu wusstest du die ganze Zeit über, dass…er…ein verdammter Tod…"
„Shh! Harry!" unterbrach die Hexe ihn schnell. „Bist du wahnsinnig geworden? Du kannst doch nicht einfach…"
„Doch, wenn ich möchte, kann ich das sehr wohl. Niemand kann mich davon abhalten, es allen zu erzählen." Knurrte Harry wütend.
„Harry hat Recht! Die anderen müssen davon erfahren und zwar auf der Stelle. Sonst bekommt Malfoy noch geheime Informationen, die er dann weiter gibt. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen die anderen warnen!"
„OK, Harry, Ron, jetzt hört mir bitte zu. Wir werden das besprechen, aber nicht JETZT! Ich habe jetzt keinen Nerv dafür, mit euch darüber zu diskutieren. Sobald die Prüfung vorbei ist, stehe ich für eure Fragen gerne zur Verfügung. Aber bis dahin will ich kein Wort mehr darüber hören."
„Aber wir verstehen einfach nicht, warum du das für dich behalten hast und… wir sind doch deine besten Freunde und…" fing Harry wieder an, wurde jedoch von Hermione unterbrochen.
„…Ja, das seid ihr ja auch…ich werde es euch erklären. Versprochen, aber nicht jetzt." Damit gaben sich Harry und Ron geschlagen, aber Hermione fragte sich, was sie ihren beiden Freunden sagen sollte, wie sie es ihnen erklären sollte, denn sie wusste ja nicht einmal selbst, warum sie trotz der Tatsache, dass Malfoy ein Todesser war, weiterhin im Turm blieb und auch noch versuchte ihn zu schützen. Irgendwas musste sie sich schnell einfallen lassen…aber erst nach der Prüfung. „Ich hoffe ihr habt euch gut vorbereitet?" fragte sie an Ron und Harry gewandt.
„Nun…ja…also…" stammelte Ron. „Ein wenig schon…Wir hatten wenig Zeit. Oder Harry?"
„Naja…Professor Pins ist sowieso nicht der Hellste…ein bisschen schummeln wird schon drin sein."
Hermione schüttelte nur den Kopf. Aus den Augenwinkeln erblickte sie Malfoy, der gerade die große Halle betrat und auf seinen Tisch zuging. Dabei blieb ihr nicht verborgen, dass er immer wieder zu ihr und ihren Anhängseln hinüberblickte. Wahrscheinlich um sicher zu gehen, dass Harry und Ron wirklich den Mund gehalten hatten. „Ähm…los kommt, wir gehen gleich in die Klasse, dann können wir uns in die letzte Reihe verkrümeln und ihr habt mehr Chancen, auf euren Spickzettel zu schauen." Hermione schlug ihr Buch zu und verstaute es in ihrer Tasche. Sie wollte so schnell wie möglich aus der großen Halle verschwinden um Harry und Ron daran zu hindern, Malfoy blöd anzumachen.
„Was? A…aber wir haben noch gar nichts gefrühstückt. Mit leerem Magen kann ich unmöglich eine Prüfung schreiben." Jammerte Ron und zog sich den Korb Brötchen zu sich.
„Dann nehmt euch etwas mit. Ich will auf keinen Fall zu spät kommen."
Harry und Ron warfen sich kurz genervte Blicke zu, taten dann aber das, was Hermione von ihnen wollte und folgten ihr aus der großen Halle. Aber nicht ehe sie Unmengen an Frühstück mit sich genommen hatten.
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„Was? Sie haben es rausgefunden? Mann scheiße Draco. Wie ist das denn passiert?" Blaise steckte seinen Prüfungsbogen in die Tasche und verließ gemeinsam mit seinem besten Freund das Klassenzimmer.
„Ach…frag mich was Leichteres…ich kann es ja selbst kaum glauben. Und jetzt? Jetzt komme ich mir so vor, als würden sie mich beobachten…als würde jeder hier mich beobachten und nur darauf warten, dass ich einen Fehler mache…" der Blonde stellte den Kragen seines Umhangs hoch und duckte seinen Kopf. Einerseits, da es draußen bitter kalt war und sie sich gerade einen Weg durch den Schneesturm in Richtung Gewächshäuser bahnten, aber auch, damit ihn die Schüler vielleicht übersahen. Er war nur froh, dass sie Kräuterkunde mit den Hufflepuffs hatten. So wurde er wenigstens von Potter und Weasley verschont….und vor Granger.
„Das bildest du dir ein Draco. Du bist in letzter Zeit sowieso paranoid."
„Na herzlichen Dank auch. Bestimmt wissen es bereits alle. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Zwei ihr verdammtes Maul halten. Vor allem das Wiesel nicht. Die warten doch nur darauf, mir eins rein zu würgen."
„Jetzt mal' nicht gleich den Teufel an die Wand. Ich glaube nicht, dass alle es wissen, denn dann würden sie sich ganz anders verhalten. Siehst du? Die Meisten ignorieren dich…so wie immer…ein paar feindselige Blicke…das war's auch schon. Alles wie immer. Das heißt also, dass sie ihre Klappen wirklich gehalten haben. Bis jetzt zumindest."
Draco grunzte nur. „Das heißt, dass sie mich nicht auf der Stelle lynchen. Aber früher oder später werden sie mit Fackeln dastehen und das Portrait eintreten."
„Mann sind wir heute wieder optimistisch. Das hat mir schon richtig gefehlt." Blaise schlug Draco auf die Schulter. „Das Beste was du jetzt tun kannst, ist dich einfach ruhig zu verhalten. Errege nicht zu viel Aufsehen. Und wenn dir einer blöd kommt, schnautz' ihn an, zieh ihn auf, so wie früher. So weckst du am wenigsten Verdacht, sollte es doch die Runde machen. Du weißt, dass wir einfach nur so tun müssen, als sei es ein Gerücht. Und ich glaube, dass Granger ihr Versprechen nicht brechen wird. Sie wird den zwei Vollidioten schon die Köpfe zurechtrücken."
„Ich hoffe, dass du Recht behältst. Ansonsten sieht es nicht gut aus. Dann kannst du meine Reste vom Boden kratzen…Wobei…wenn ich es mir recht überlege…ER wird bestimmt schneller sein. Wenn rauskommt, dass sie es wissen, ist es vorbei mit mir…"
Blaise seufzte. Er wusste, das Draco Recht hatte, doch wollte er ihn trotzdem aufmuntern. Sie suchten sich schnell einen etwas abgeschotteten Platz im Gewächshaus um nicht belauscht zu werden. „Du bist der beste Legilimentiker, von Snape mal abgesehen, den ich kenne. Du wirst das schon hinbekommen. ER wird es nicht rausfinden, solange du gut aufpasst."
Draco schwieg. Er wusste, dass Blaise Recht hatte. Er war wirklich ein sehr guter Legilimentiker, sonst wäre er schon lange nicht mehr hier. Aber von Tag zu Tag wurde es schwieriger, all die gefährlichen Gedanken und Erinnerungen abzuschirmen, zu vergraben, weg zu sperren. Aber er musste durchhalten, musste weitermachen. Und er wusste, dass es bald noch viel mehr geben würde, was er von IHM fernhalten musste, wenn er wirklich das tat, was er vorhatte, was er vor ein paar Tagen entschieden hatte. Aber er würde das schon hinbekommen…irgendwie…
Blaise unterbrach seine Gedanken als er wieder leise zu sprechen begann. „Du musst ihn unbedingt um Hilfe bitten!"
Draco blickte von dem kaktusähnlichen Gewächs, dessen Name er vergessen hatte auf und blickte Blaise entgeistert an. „Bist du wahnsinnig? Das kann ich unter keinen Umständen tun. Das…ist mein Problem…ich habe mich dafür entschieden, also werde ich damit fertig werden müssen. Ich kann ihn nicht um Hilfe bitten."
„Und wie zum Teufel willst du das alleine hinbekommen? Du weißt so gut wie ich, dass das völlig unmöglich ist. Du brauchst seine Hilfe…Ratschläge…"
Draco seufzte genervt auf. Er wusste, dass Blaise recht hatte, wollte sich das jedoch noch nicht wirklich zugestehen. Natürlich brauchte er Hilfe…aber konnte er das wirklich verantworten? „Ich kann ihn da auf keinen Fall mit hinein ziehen. Das wäre nicht richtig…Was wenn es schief geht? Dann ist er genauso dran."
Blaise schüttelte den Kopf. „Du musste es ja selbst wissen, aber…er ist dein Pate, er würde dir auf der Stelle helfen. Glaub mir… Du bist nicht allein…und du musst auch nicht allein damit fertig werden."
„Wir werden sehen." Murmelte Draco und schlug sein Kräuterkundebuch auf, um nachzusehen, wie diese verdammte Pflanze hieß. Doch bei der Sache war er natürlich ganz und gar nicht. Fieberhaft überlegte er, was er tun konnte. Er dacht über Blaise' Worte nach und kam zu dem Schluss, dass dieser sich irrte. Natürlich war er allein und er konnte auf keinen Fall jemand anders da mit hinein ziehen. Er würde sich das niemals verzeihen…aber hatte er überhaupt eine Wahl? Konnte er es alleine schaffen, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen? Würde es ihm überhaupt gelingen? Heimlich beobachtete er die anderen Schüler, wie sie versuchten die von Professor Sprout gestellten Aufgaben zu lösen und sich dabei amüsierten. Es war ihnen anzusehen, dass ihre größte Sorge darin bestand, durch die Prüfung zu rasseln oder von einem Mädchen beziehungsweiße Jungen eine Abfuhr zu erhalten. Ja…das waren große Probleme. Große Probleme, die Draco selbst gern hätte. Er würde alles dafür geben, wenn das seine größten Sorgen wären. Aber so war es nun mal nicht. Für ihn war dieses unbeschwerte Leben nicht vorgesehen. Noch nicht…
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Den ganzen Tag über hatte der Schneesturm nicht aufgehört zu wüten und noch mehr Schnee auf den sich bereits biegenden Ästen des Waldes abgeladen. Auch jetzt pfiff der Wind noch durch das Schloss und kühlte die Gänge immer weiter herunter, sodass die Hauselfen alle Hände voll zu tun hatten um die Feuer in den großen Kaminen in Schach zu halten. Die Schüler im Gryffindor Turm hatten sich um den großen Kamin versammelt um ihre Hände zu wärmen, denn trotz des schlechten Wetters, konnte man viele von ihnen nicht davon abhalten sich eine grandiose Schneeballschlacht zu liefern. Doch Harry Ron und Hermione gehörten nicht zu diesen verrückten Schülern, die sich wohlmöglich erkälten würden. Sie hatten sich einen Platz in einer unübersichtlichen Ecke des Gemeinschaftsraumes gesucht. Es war ihnen nur Recht, dass der Rest der Schüler lärmend, das Ende der ersten Prüfungen feierte und somit nicht auf die drei Freunde achtete. Sie hatten wichtigeres zu tun als zu feiern.
„Also gut Jungs. Ich habe euch versprochen, dass ich es euch erklären werde und ich halte mein Wort auch, aber ich will verdammt noch mal keine Beleidigungen, Schimpfwörter oder sonstiges von euch hören. Habt ihr mich verstanden?" Hermione blickte Harry und Ron ernst an. Eigentlich hatte sie keine Lust darüber zu reden, doch war es unvermeidlich.
„Ist ja schon gut Hermione. Ron und ich werden still sein…ein paar Zwischenfragen vielleicht und das war's dann. Versprochen."
„Na gut…" Hermione holte Luft und strich sich die lästigen Haare aus dem Gesicht. Sie zog die Decke, die sie sich geschnappt hatte fester um ihren Körper und räusperte sich. „Ich…weiß gar nicht, wo ich anfangen soll…es ist alles so verwirrend."
„Naja…" unterbrach sie Ron. „Wie wäre es damit…Wann und wie hast du…es rausgefunden?"
Eine leichte Frage…eigentlich…aber Hermione graute es vor der Antwort. Sie wusste, es würde die Zwei zu sehr aufregen. „Ihr…müsst mir zuerst etwas versprechen OK?"
Harry und Ron sahen sie fragend an.
„Ihr…dürft nicht böse auf mich sein und…ihr müsst alles…und ich meine wirklich ALLES was ich euch erzähle für euch behalten!"
Die zwei Jungs sahen sich kurz an, nickten dann jedoch. Zu neugierig waren sie auf Hermiones Geschichte, als dass sie hätten widersprechen können.
Hermione atmete erleichtert aus. „Nun gut… Ich habe es eigentlich sehr… schnell rausgefunden…zufällig…er war nicht darauf vorbereitet, dass ich in den Turm kommen würde…das könnt ihr euch bestimmt vorstellen und…ich habe es gesehen…das Mal…Er…hat mir gedroht…dass ich keinen davon erzähle und in den ersten paar Minuten war ich natürlich eingeschüchtert…aber ihr kennt mich doch…" sie grinste etwas unsicher.
Ron lachte schnaubend. „Natürlich…lässt dich nicht unterkriegen."
„Genau…ich habe überlegt, was ich tun sollte…ich konnte es euch nicht erzählen…ihr hättet sofort einen Aufstand gemacht und er hätte sofort gewusst, dass ich getratscht hatte, deswegen suchte ich eine andere…Lösung…sozusagen…Ich bin zu Dumbledore gegangen…wollte mein Amt als Schülersprecherin abgeben…"
„…und Dubledore hat dich WARUM und WIE überzeugt das nicht zu tun?" fragte Harry. Die Hexe sah, dass er es nicht verstehen konnte.
„Nun ja…so ganz weiß ich das selbst nicht aber…er hat es eben geschafft…und er hat mir erklärt, dass er aus einem ganz bestimmten Grund, mich und Malfoy ausgewählt hat…natürlich hat er einen Plan…" Hermione zögerte. Sie wusste nicht wie viel sie erzählen konnte und musste. Sie wollte Harry und Ron beschwichtigen und da würden oberflächliche Informationen auf keinen Fall reichen, aber zu viel konnte sie auch nicht erzählen, sie hatte es Dumbledore und in gewisser Weiße auch Malfoy versprochen.
„Er wäre nicht Dumbledore, wenn er sich dabei nichts gedacht hätte."
Hermione war erstaunt, dass Harry bis jetzt alles so gut aufnahm. Deswegen begann sie weiter zu erzählen. „Da hast du recht. Jedenfalls meinte er, er hätte natürlich ein Auge auf Malfoy und…es beruhigte mich, sodass ich entschlossen war zu bleiben…und es ist doch alles gut gegangen…Mir ist nichts passiert, Malfoy hat mir nichts getan…Klar hatten wir heftige Streits aber…die meiste Zeit gehen wir uns aus dem Weg…" log Hermione. Sie ließ natürlich die Einzelheiten weg, in denen sie mit Malfoy mehr als nur harmlos gestritten hatte, in denen er sie verrückt gemacht hatte und in denen er sie lebensgefährlich verletzt hatte. Auch hielt sie es nicht für angebracht zu erwähnen, dass Malfoy des Öfteren das Schloss verließ.
„Aber wieso um alles in der Welt, bleibst du in diesem Turm? Hast du denn keine Angst? Und was, wenn er dich wirklich…belauscht oder…Legilimentik anwendet? Das ist viel zu gefährlich Hermione und ich bin immer noch davon überzeugt, dass die anderen es wissen sollten. Er ist ein…du weißt schon und er ist gefährlich!" sagte Ron, doch Hermione schüttelte den Kopf.
„Nein…so ist das nicht…ich weiß nicht wie ich euch das erklären soll, aber…er ist so anders geworden…und…Dumbledor ist der Ansicht dass er es nicht freiwillig getan hat."
Harry schnaubte auf. „Das glaubst du doch selbst nicht. Er hat immer wieder damit angegeben, mit seinem Vater…all den anderen Todessern. Und jetzt soll er gezwungen worden sein?"
„Überleg doch mal Harry! Du selbst hast uns erzählt, was du …dort…im Manor mitbekommen hast. Ist das nicht…Beweis dafür?"
„Nein Hermione. Das…beweist gar nichts. Außerdem kann ich nicht sicher sein, dass es sich wirklich so zugetragen hat…ich war nicht bei Sinnen…Aber selbst wenn…es macht keinen Unterschied." Harry blickte sich um. Er hatte lauter gesprochen als beabsichtigt, doch niemand schien etwas davon gehört zu haben. „Ich kann es einfach immer noch nicht fassen, dass…dass…du…du UND Dumbledore…ihr habt es uns verschwiegen, obwohl wir ein Recht darauf hatten, es zu erfahren. Und jetzt versuchst du ihn auch noch in Schutz zu nehmen. Ich verstehe dich nicht. Du hättest diejenige sein müssen, die sofort die anderen warnt. Du hättest ihn auflaufen lassen müssen, wo er dich doch ständig getriezt und beleidigt hat. Er hat es nicht verdient in Schutz genommen zu werden." Zischte Harry. Die Wut der letzten Nacht kroch wieder in ihm hoch.
„Ja. Vielleicht hast du Recht…vielleicht aber auch nicht. Und ich kann dir meine Beweggründe auch nicht erklären, weil ich sie selbst nicht verstehe, aber Harry…Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient und…ich war bereit ihm diese zu geben und bis jetzt…ich…"
„Hermione! Hörst du eigentlich, was du da sagst?" unterbrach sie Ron. „Das ist doch…Wahnsinn…würdest du auch Lucius eine zweite Chance geben? Oder…Du weißt schon wen selbst?"
Hermione seufzte genervt auf. „Damit kann man das doch nicht vergleichen Ron. Malfoy…hat bis jetzt keine gravierende Fehler gemacht…wohingegen Lucius und…"
„…keine gravierenden Fehler? Er ist ein verdammter Todesser!" unterbrach Harry sie wiederum.
Hermone wurde es zu viel. Sie wollte etwas einwenden, doch ihre beiden besten Freunde begannen wie wild auf sie einzureden. Versuchten ihr klar zu machen, dass sie falsch gehandelt hatte, dass sie unmöglich in diesem Turm bleiben konnte, dass sie eher hätte etwas sagen sollen.
„OK! Es reicht." Hermiones Stimme war lauter geworden als beabsichtigt und ein paar Schüler drehten ihre Köpfe nach den Dreien um. „Ich bin euch keine Rechenschaft schuldig. Ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen und ich muss mir von euch nicht anhören, wie falsch es von mir war. Ich will einfach, dass…ihr mir vertraut."
Harry seufzte. „Das tun wir ja…aber wir trauen Malfoy nicht. Was wenn er dir etwas vorspielt? Was, wenn das alles zu seinem Plan gehört? Wenn er nur den…verletzten spielt?"
Hermione hatte sich diese Frage sehr oft gestellt. Viel zu oft. Was war, wenn das alles wirklich zu seinem Plan gehörte? Und wie weit würde er dann wohlmöglich gehen? Wer war eingeweiht? Zabini vielleicht? Würde er seine Rolle wirklich so perfekt spielen können? War sie selbst vielleicht einfach Mittel zum Zweck? „Nun dann…werde ich das erfahren und…werde wohl damit umgehen müssen." Sagte sie leise. „Aber…es reicht mir, dass ihr mir wenigstens vertraut…"
Die Drei schwiegen eine Weile und dachten über alles nach. Das einzige das sie tun konnten, war, die Dinge sich entwickeln zu lassen. Mehr war im Moment nicht möglich.
HPHPHPHPHPHPHPHP
watch?v=L4Ed2_bfnFo
Clock strikes upon the hour
And the sun begins to fade
Still enough time to figure out
How to chase my blues away
I've done alright up 'til now
It's the light of day that shows me how
And when the night falls
Loneliness calls
Der Wind blies unablässig durch den Astronomieturm und wirbelte dabei den frischen Schnee auf, brachte ihn zum fliegen, zum tanzen. Durch die untergehende Sonne beschienen, die langsam hinter den Hügeln von Hogwarts verschwandt, sah es so aus, als würde Glitzerpulver sanft über die Ländereien rieseln. Es war bitter kalt, aber ihm machte das nichts aus. Eigentlich liebte er die Kälte, hieß sie herzlich willkommen, denn…er fühlte diese Kälte in sich. War es gewohnt. Er trat einen großen Schritt nach vorn und lehnte sich an das vereiste Gelände, ließ seinen Blick über den Horizont schweifen. Zu viele Fragen hatten sich den ganzen Tag über in seinen Kopf gestaut, zu viele Fragen, die bis jetzt immer noch unbeantwortet blieben. Und immer wieder hörte er Blaise' Stimme in seinem Kopf, hörte, dass er Hilfe brauchte, dass er es alleine nicht schaffen würde, dass er nicht alleine wäre. Doch…genau so fühlte er sich. Schon immer. Allein und verlassen.
Es wurde dunkler und langsam konnte man Sterne dort am Himmel erkennen, an dem der Wind die Wolken davon trug. Vielleicht war er wirklich nicht allein…nein, er hatte den einen oder anderen Freund, doch das reicht ihm nicht…schon lange nicht mehr.
Oh! I wanna dance with somebody
I wanna feel the heat with somebody
Yeah! I wanna dance with somebody
With somebody who loves me
Langsam schloss er die Augen, atmete den Duft des Schnees ein und versuchte an nichts zu denken. Es war so einfach…im Moment war es so einfach seine Gedanken abzustellen und sich nur auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, doch er wusste, dass es nur einen Augenblick lange anhalten würde. Tag für Tag wurde es schwieriger, gefährliche Gedanken in den Hintergrund zu rücken, sie zu verschließen, zu verbannen. Eigentlich durfte er sich keine Fehler mehr erlauben. Er hatte schon so viele gemacht, und gleichzeitig wusste er, er würde weitere begehen.
Draco öffnete wieder die Augen und beobachtete die tanzenden Flocken. Sie hatten eine hypnotische Anziehung auf ihn, sie sahen so frei und unbeschwert aus…einfach leicht. Es wurde dunkler und mit jedem Grat in dem sich diese Dunkelheit verstärkte, verstärkte sich auch dieses Eigenartige Gefühl in Dracos Brust. Das Gefühl der Einsamkeit
I've been in love and lost my senses
Spinning through the town
Sooner or later the fever ends
And I wind up feeling down
I need a woman who'll take a chance
On a love that burns hot enough to last
So when the night falls
My lonely heart calls
Leicht seufzend streckte er seinen linken Arm nach dem frischen Schnee aus. Er mochte das Gefühl auf seiner Haut, wenn die Kälte seine Finger umschloss, sie ihn mit feinsten Nadeln durch die Haut stach, ehe sich die Beschaffenheit des Schnees änderte und sich verflüssigte. Er Draco Malfoy hatte eine Entscheidung getroffen. Er hatte sich dazu entschlossen von nun an alles zu tun um ein unbeschwertes Leben zu erreichen, um endlich das zu bekommen, was er immer schon haben wollte. Freiheit…Glück…Liebe…oder auch nur eines davon. Er hatte diese Entscheidung getroffen. Denn er wollte auf keinen Fall, dass sein Leben so zerfloss, wie der Schnee in seiner Hand.
Oh! I wanna dance with somebody
I wanna feel the heat with somebody
Yeah! I wanna dance with somebody
With somebody who loves me
Es war dunkel geworden und man konnte einzig und alleine den Wind hören, der immer noch über die Ländereien strich. Immer noch stand der Junge wie erstarrt an seinem Platz und blickte in die Dunkelheit. Er wollte noch einen Moment diesen Moment genießen und vielleicht seiner Phantasie etwas nachgeben…nur kurz träumen…einen Traum den er bald wieder wegsperren und mit dicken Ketten verschließen musste. Aber hier und jetzt war es so einfach, ruhig und besonnen zu sein, bis ihn der Alltag wieder einholte. Die Schneeflocken tanzten weiter, zogen ihre Kreise um ihn und landeten auf seiner Haut wo sie aufgrund seiner Hitze zu schmelzen begonnen. Er würde alles dafür geben, die Zeit anzuhalten, um einen Moment allem entfliehen zu können, aber wusste er auch, dass das alles nur aufschieben würde. Und trotzdem blieb er noch einen Augenblick in der Kälte, um sie auf seinem Gesicht zu spüren, um noch einen Kleinen Moment träumen zu können, um noch einen kleinen Moment lang an die wenigen Erlebnisse zu denken, die ihm etwas Glück beschert hatten.
HPHPHPHPHPHPHPHP
Der nächste Tag begann viel ruhiger und freundlicher als der Tag zuvor. Der Sturm hatte aufgehört und wurde von einem nicht ganz so staken Lüftchen abgelöst. Dies hatte den Vorteil, dass die Gänge durch die Kerker nicht mehr ganz so eisig waren wie noch vor ein paar Tagen und dies begrüßten die Schüler, welche an diesem Nachmittag eine Doppelstunde Zaubertränke vor sich hatten. Hermione legte ihren schweren Umhang ab und setzte sich zu Harry und Ron in die letzte Reihe. Es war schon zu ihrem Stammplatz geworden, denn hier war es um einiges unauffälliger, wenn Hermione ihren Freunden mal wieder helfen musste oder Neville, der eine Reihe weiter vorne saß, Anweisungen entgegen flüsterte. Doch heute würden sie wohl auf sich alleine gestellt sein, denn sie würden heute einen der schwierigsten Zaubertränke überhaupt brauen.
„Der Liebestrank meine Lieben…" begann Professor Slughorn und stand von seinem Platz auf um einen besseren Überblick über das Klassenzimmer zu bekommen. „…ist einer der stärksten und schwierigsten Tränke überhaupt. Wer kann mir die Wirkung des Liebestranks erklären? In einer unserer Stunden, haben wir bereits darüber gesprochen."
Sogleich flog Hermiones Hand in die Luft. Kaum einer achtete darauf, denn es war schon zur Gewohnheit geworden, dass Hermione Granger auf jede Frage eine Antwort hatte. Doch im Gegensatz zu Professor Snape, wurde sie von Professor Slughorn nicht einfach ignoriert.
„Miss Granger bitte." Er lächelte die Hexe an und blickte sie erwartungsvoll an, in der Hoffnung, wieder ein paar Punkte an Gryffindor vergeben zu können.
„Sir…eigentlich gibt es keinen Trank, der die wahren Gefühle eines Menschen wirklich und dauerhaft verändern können. Der Liebestrank beeinflusst diese nur und ruft eine enorme Schwärmerei für einen anderen Menschen hervor. Die Wirkung hält je nach Körpergröße, Gewicht der Person, die ihn einnimmt und Intensität der Zutaten, welche verwendet wurden zwischen 20 und 24 Stunden an. Danach muss der Trank erneut verabreicht werden, da sonst die Wirkung nachlässt. Es entsteht also keine wirkliche Liebe. Jedoch ist er sehr gefährlich, weil sich die Welt der Person die ihn einnimmt nur noch um den anderen Menschen dreht und sein Handeln danach abgestimmt wird."
Professor Slughorn klatschte in die Hände. „Vielen Dank Miss Granger. Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Nehmen Sie sich zehn Punkte für Gryffindor. Heute werden wir in den zwei Stunden den Liebestrank brauen. Die Zutatenliste finden Sie im Buch auf der Seite 356. Die Zutaten, die Ihnen fehlen, finden Sie im Schrank. Aber, seit gewarnt…es wird nicht einfach für Sie werden. Es erfordert eine gewisse Anstrengung konzentriert zu bleiben, wenn die ersten berauschenden Dämpfe erst einmal aufsteigen. Wenn Sie Hilfe brauchen, scheuen Sie nicht, zu fragen. Gutes Gelingen."
Ein kleiner Tumult brach los, als die Schüler ihre Kessel auf den Tischen bereitstellten und nach den Büchern in den Schultaschen kramten. Schnell entfachte Hermione mit ihrem Zauberstab ein Feuer unter ihrem Kessel um beginnen zu können. Die Zutatenliste kannte sie schon fast auswendig, so oft hatte sie sich diese schon durchgelesen, um gut vorbereitet zu sein. Der Trank war so aufwendig, dass ihr kaum Zeit blieb, Harry oder Ron dabei zu helfen. Diese stöhnten bereits nach wenigen Minuten auf, als der Trank eine ganz andere Farbe als vorgesehen annahm.
„Mann…das geht mir langsam wirklich auf die Nerven." Murmelte Ron. „Dabei weiß ich gar nicht, was ich falsch gemacht habe."
Harry zuckte nur mit den Schultern und runzelte die Stirn. „Frag doch Hermione."
„Nein…ich trau mich nicht. Sie sieht irgendwie…gereizt aus…" Ron blickte kurz zu der Hexe neben sich, die ganz in ihrer Arbeit versunken war. „Besser, ich störe sie nicht…sonst schreit sie mich wieder an."
„Ich glaube du hast Recht." Stimmte Harry seinem besten Freund zu und versuchte seine Aalaugen in gleich große Stücke zu schneiden.
Langsam aber sicher, begannen sich die bunten Dämpfe und Dunstschwaden im Klassenzimmer auszubreiten und vernebelte so manch einen nicht nur die Sicht, sondern auch die Sinnen. Hermione ließ ihren Blick umherschweifen. Sie hatte nun ein paar Minuten, in dem der Trank köcheln musste. Zwei Reihen vor ihr erblickte sie Malfoy. Unauffällig wie eh du je, tief über seinen Kessel gebeugt. Ihr fiel nicht auf, wie sie ihn beobachtet, ihn regelrecht anstarrte. Sie konnte sehen, wie er plötzlich mit einem Ruck von seinem Kessel zurückwich und sich leicht benommen auf seinen Stuhl fallen ließ. Eine Ladung berauschenden Dampf hatten ihn voll erwischt.
„Jungs, versucht, den Dampf nicht einzuatmen." Versuchte Hermione Harry und Ron zu warnen, worauf hin Ron nur lachend schnaubte.
„Das versuche ich schon die ganze Zeit. Stinkt nach verfaulten Eiern…mal wieder…" musste er und versuchte zu retten was noch zu retten war.
Harry lachte nur und rührte etwas in seinem Kessel. „Da du gerade ansprechbar bist Hermione, heute Abend treffen wir uns. Nach dem Abendessen."
„Die DA?" fragte Hermione leise, damit sie sonst keiner hören konnte und warf dabei ein paar kümmerlich wirkende Blätter in Rons Kessel.
„Hey! Die stehen aber nicht auf der Liste!"
„Ja Ron, das weiß ich, aber sie nehmen den Geruch und vielleicht kannst du den Trank so noch retten."
„Ich bestimmt nicht" murmelte der Rothaarige.
Hermione schüttelte nur den Kopf. „Ich werde da sein Harry." Sie drehte sich wieder zu ihrem Kessel. Sie musste nun nur noch ein paar Mal rühren und ein paar Florfliegen aus Slughorns Schrank hinzufügen, doch dachte sie nicht daran, die Luft anzuhalten, als ein großer Schwall heißer Dampf aus dem Kessel emporstieg. Dieser traf sie mit solch einer Wucht, dass sie fast das Gleichgewicht verlor. Pfefferminz, frisch gemähtes Gras, Pergament, Zitrus und so vieles mehr, das sie nicht in Worten beschreiben konnte setzte sich in ihren Atemwegen und ihrem Gehirn fest, brachte ihren Körper zum Beben…genau so musste sich Malfoy vor wenigen Minuten gefühlt haben. Sie räusperte sich, wollte sich nichts anmerken lassen, doch ihr Körper reagierte unweigerlich auf diese wunderbaren Gerüche. Auf wackeligen Beinen ging sie nach vor, an all den Tischen vorbei um sich ein paar Florfliegen aus dem Schrank zu holen. Doch sie konnte den Gerüchen einfach nicht entfliehen. Aus all den Kesseln stieg dieser wunderbare Duft mehr oder weniger intensiv auf und vernebelte ihre Sinne. Sie musste den Trank so schnell wie möglich fertig bekommen.
Mit dem letzten bisschen Verstand, der ihr noch blieb, füllte sie ein Fläschchen ihres Gebräus ab und verkorkte es sorgfältig um es bei Professor Slughorn abzugeben. Sie konnte es kaum noch erwarten, den Klassenraum verlassen zu können. Länger würde sie es hier nicht mehr aushalten.
„Jungs…wir…wir sehen uns…später…" stammelte sie, schnappte sich ihre herumliegenden Sachen ein und stolperte nach vorne. Leicht zittrig stellte sie ihr Fläschchen ab und verließ dann Fluchtartig den Raum.
Die kühle Luft tat ihr gut, befreite sie jedoch nicht von den wirren Gedanken und Gefühlen. Ihr Körper stand wie unter Flammen, die sie langsam von innen heraus verbrannten. Einerseits ein wunderbares angenehmes Gefühl, aber andererseits wurde sie dadurch fast wahnsinnig. Sie begann zu laufen, wollte so weit wie nur möglich weg von diesem Klassenzimmer und das auf der Stelle. Sie blickte nicht zurück. Hätte sie das getan, hätte sie gesehen dass es Malfoy genauso ging wie ihr, es ging raschen Schrittes in die entgegengesetzte Richtung um sich draußen an der kalten Luft zu beruhigen.
Hermione war endlich im Turm angekommen und hielt es für das Beste, eine heiße Dusche zu nehmen um ihre Gedanken und Gefühle wieder zu klären. Sie hasste es, wenn sie sich nicht unter Kontrolle hatte und die Reaktionen ihres Körpers gefielen ihr auch nicht. Sie war doch eine starke Persönlichkeit. Wieso setzte ihr dieser Trank so enorm zu? Diese Frage konnte sie sich nicht beantworten. Deshalb hoffte sie, dass die Dusche helfen würde. Sie war froh darüber, dass Zaubertränke heute das letzte fach war und sie nun etwas Zeit bis zum Abendessen hatte. So wie sie sich jetzt fühlte…so verwirrt…konnte sie niemandem gegenübertreten, geschweige denn eine Unterrichtsstunde überstehen. Nein…zuerst musste sie sich wieder sammeln.
Nach über 30 Minuten duschen und anschließendem trocknen der Haare, hielt sie es wieder für angebracht, das Badezimmer zu verlassen. Es hatte tatsächlich geholfen, ihre Gedanken zu sortieren, doch die Hitze in ihr bestand immer noch. Das hatte die Dusche nicht bereinigen können. Aber bestimmt würde das schon noch vergehen. Sie durfte einfach nicht an diese überaus berauschenden Düfte nachdenken, sie auf keinen Fall in Erinnerung rufen. Sie sammelte ihre Sachen zusammen und verließ das dampfende Badezimmer. Ein kühler Luftzug streifte Hermiones erhitzte Haut und ließ darauf eine leichte Gänsehaut entstehen. Sie wollte in ihr angrenzendes Zimmer, doch sie merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie blickte sich um und bemerkte Malfoy's Zimmertür, die nur angelehnt war und daraus konnte sie eindeutig seine Stimme vernehmen. Er sprach mit Jemandem. Aber wer war noch hier? Und weshalb? Langsam legte sie ihre Sachen ab und schlich sich leise zu seiner Zimmertür. Sie wusste, dass sie nicht lauschen sollte und sie wusste auch, würde sie dabei erwischt werden, würde sie es bitter bereuen, doch die Neugierde war einfach stärker und so war Hermione auch für einen Moment lang abgelenkt.
„…nicht mehr so weiter machen. Und ich habe meine Entscheidung darüber bereits gefällt. Ich wollte…dich nur um Hilfe bitten und nicht…dass du mich davon abhältst…"
„Das wäre reiner Selbstmord. Du bist wahnsinnig geworden. So einfach wie du dir das vorstellst ist das nicht."
Hermione erschrak. Es war Snape, mit dem Malfoy sprach. Professor Snape war in Malfoys Zimmer. Sie hörte Malfoy schnauben.
„Das weiß ich sehr gut Severus. Deshalb habe ich dich doch hergerufen. Weil ich leider Hilfe brauchen werde. Glaub mir, ich habe mir lange überlegt, es alleine durchzuziehen."
Die Hexe hörte, wie im Zimmer jemand auf und ab ging. Es war wohlmöglich Snape, der auf und ab ging. „Du weißt, dass du nur zwei Möglichkeiten hast."
„Aber die gefallen mir Beide nicht."
Snape redete weiter, als hätte er seinen Patensohn nicht gehört. „Entweder es bleibt alles so wie es ist, oder…du gibst vor, dass alles so ist wie immer. Eine andere Wahl hast du nicht. Du würdest keine Zwei Tage überleben, wenn du jetzt aussteigst. Kaum jemand hat das überlebt."
Malfoy ließ einen frustrierten Brüller los. „Und wie soll das funktionieren? Wie soll das weitergehen? Wo soll das hinführen? Tag für Tag muss ich mehr Gedanken verschließen, immer mehr Informationen, die er…nicht sehen darf. Aber irgendwann wird das nicht mehr funktionieren. Und was dann?"
„Du musst vorsichtig und diszipliniert bleiben, dann wird dir nichts geschehen. Einen anderen Rat kann ich dir nicht geben. Verschließe deinen Geist. Wenn möglich IMMER. Bleibe unauffällig und versuche einen Nutzen daraus zu ziehen. Wenn die Schlacht losbricht, haben wir Informationen die wir dann zu unserem Vorteil nutzen können. Und dann wird sich zeigen, wer auf welcher Seite steht. Aber bis dahin musst du weitermachen wie bisher. Es führt kein Weg daran vorbei. Ich muss jetzt gehen. Handle nicht vorschnell. Hast du mich verstanden?"
Hermione konnte Malfoys Antwort nicht hören, da wurde die Tür aufgerissen und Professor Snape rauschte an ihr vorbei Richtung Ausgang. Sie atmete erleichtert auf als sie bemerkte, dass Snape keine Notiz von ihr nahm, doch diese Erleichterung hielt nur für den Bruchteil einer Sekunde an, denn plötzlich wurde sie mit solch einer Wucht ins Zimmer gezogen, dass sie gefallen wäre, hätte Malfoy nicht seine eiskalte Hand wie einen Schraubstock um ihren Arm gelegt. Sie schlug mit ihren Kopf hart an die steinerne Mauer hinter ihr und gerat erneut ins straucheln.
„Du…hast gelauscht?" zischte Malfoy wütend. „Und ich dachte, du würdest aus deinen Fehlern lernen."
Sein Gesicht war ihrem so nahe, dass seine Augen sie magisch in den Bann zogen. Sie konnte ihn riechen, seinen Duft…diesen unbeschreiblichen Duft. „Ich muss wissen was geschieht. Deshalb habe ich gelauscht" keuchte sie und versuchte sich von ihm zu lösen auch wenn sie wusste, dass sie keine Chance würde haben. Seine kalte Hand brannte auf ihrer erhitzten Haut. Sie konnte sehen, wie letzte Schneeflocken in seinen Haaren schmolzen und sich in Wasser auflösten.
„Das war eine dumme Entscheidung!" Er wollte sie beschimpfen, ihr etwas antun, doch sein Gehirn reagierte nicht. Es war wie tot. Nichts gehorchte ihm mehr, sein Körper machte, was er wollte, als ihm wieder dieser Schwall an Düften entgegenkam, die er erst eine halbe Stunde zuvor aus seinem Kessel gerochen hatte. Nur empfand er es jetzt tausend Mal intensiver als zuvor. Es raubte ihm die Sinne, den Verstand. Den Verstand, den er jetzt eigentlich brauchte. Ihre Haut unter seinen Fingern war heiß, sie brannte wie Feuer auf seiner eisigen Hand und trotzdem konnte er sie nicht loslassen. Er konnte ihren Atem spüren, ihren erhöhten Puls, ihr leichtes Zittern.
Schlussendlich wusste niemand der Beiden mehr, wie es dazu gekommen war oder wer von ihnen angefangen hatte. Zu berauscht und benebelt von der Anziehungskraft des jeweiligen anderen konnte keiner mehr klar denken oder handeln. Sie ließen sich einfach mitreißen, als sie plötzlich die Lippen des anderen spürten. Malfoys Lippen waren kalt, aber so verdammt weich. In diesem Kuss lag all die Sehnsucht und Verzweiflung, die sie lange zu verstecken versuchten, die sie nicht wahr haben wollten.
Hermione keuchte auf, als sie eine Hand im Nacken und die andere auf ihrem Rücken spürte und dabei näher an ihn gezogen wurde. So nah, wie sie ihm noch nie war, noch nie jemanden überhaupt war. Instinktiv umschlang sie ihn fest mit ihren Armen und drückte sich selbst noch besser an ihn. Ihr Verstand und Selbstbeherrschung war längst wieder verschwunden, unwiderruflich und ließ sie verletzlich zurück. Aber es war ihr egal. Er durfte sie verletzen wenn er das wollte, er dufte es, wenn er nur nicht aufhören würde sie so um den Verstand zu bringen. Und das tat er nicht. Sie spürte, wie seine sanften und doch fordernden Lippen zu ihrer Wange und bis hinunter zu ihrem Hals wanderten und sie dort verwöhnten. Es war um sie geschehen. Mit einem einzigen Handgriff hatte sie den Verschluss von Malfoys Umhang geöffnet und warf ihn zu Boden, öffnete weiter die Knöpfe seines Hemdes und brachte somit seine glatte weiße Haut zum Vorschein. Sie strich mit ihren Fingern darüber, krallte sich an ihm fest, während er weiter an ihrem Hals saugte.
Mit einem Ruck wurde sie von zwei starken Armen hochgehoben und schnell schlang sie ihre Beine um seine Mitte um nicht zu fallen. Ihre Blicke begegneten sich und für einen Moment blickten sie sich nur keuchend an und wussten, dass der jeweils andere damit einverstanden war, dass sie das hier brauchten, sich gegenseitig brauchten. Nur für einen Moment lang, nur für jetzt. Um alles vergessen zu können.
Malfoy drückte sich fest an die Hexe und Hermione stöhnte auf, als sie etwas Hartes an ihrer Körpermitte spürte. Sie wollte mehr davon und drückte sich ebenso an Malfoy um mehr davon spüren zu können, mehr von ihm und diesen wunderbaren Gefühlen spüren zu können. Sie ließ ihn gewähren, als er ihr die Bluse auszog, ihre Schuhe und Strümpfe und sie wiederum war mutig genug um ihn von seinem Hemd zu befreien. Nichts war mehr übrig von der einst schüchternen Hermione Granger. Sie zog Malfoys Kopf zu sich und legte ihre Lippen wieder auf seine, küsste ihn fordernd, gewährte seiner bittenden Zunge Einlass. Sie spürte seine Hände auf ihrer Haut und ihr gesamter Körper verzehrte sich nach ihm, wollte ihn. Hermione spürte einen leichten Windhauch und merkte, wie Malfoy sich mit ihr schwungvoll auf das Bett warf. Sie konnte die seidige Bettwäsche auf ihrem Rücken spüren. Schnell zog sie den Blonden wieder an sich und umschlang ihn fest. Sie spürte, wie das Kribbeln, das Feuer in ihrem Körper immer weiter zu nahm, spürte ihr brennendes Verlangen. Fest drückte sie sich an ihn und spürt wieder seine Härte zwischen ihren Beinen, die sie aufstöhnen ließ. Noch nie hatte sie so etwas Vergleichbares erlebt…gespürt.
Seine Lippen wanderten über ihren Körper, seine Zunge strich über ihre Haut und brachte sie dazu noch schneller zu atmen, sich ihm entgegenzustrecken. Mit ihren Fingern fuhr sie ihm durch sein seidenweiches Haar und ließ es durch ihre Finger gleiten, zog leicht daran, als er ihr den BH öffnete und auszog, hielt für einen Moment die Luft an, als seine Zunge über ihre Rundungen fuhr und sich weiter nach unten bewegte, sie weiter verwöhnte und ihr der Rock ausgezogen wurde. Mit einem Male war die selbstsichere Hermione wieder verschwunden und ihr Herz begann noch schneller zu schlagen, als Malfoy seine Lippen auf ihre brennende Mitte legte, sie dort durch den Stoff ihrer Unterwäsche küsste.
Malfoy nahm ihren wunderbaren Duft in sich auf, als er sie durch den Stoff ihrer Unterwäsche küsste. Er wusste, dass er sie fast um den Verstand brachte und das gleiche tat sie mit ihm, mit ihren Bewegungen, ihrem Duft, ihrem keuchenden Atem. Seine Finger fuhren sanft über ihre Hüfte, ihre Beine und seine Lippen liebkosten jeden Zentimeter, den sie erreichen konnten. Er bemerkte, dass ihr Slip immer feuchter wurde, dass sie sich immer mehr unter ihm wand. Sie war schon längst bereit für ihn und trotzdem küsste er sich genauso langsam wieder nach oben, wie er es zuvor nach unten getan hatte. Er wollte sie riechen, sie schmecken. Ihre Lippen waren so weich und warm, als er seine auf ihre legte. Er spürte, wie ihre Hände über seinen Oberkörper nach unten strichen, wie sie an seiner Hose ankamen und dort zittrig verweilten. Er griff nach einer Hand und führte sie zu seinen Lippen, küsste sanft jeden einzelnen ihrer Finger, ihre Handinnenfläche, ihr Handgelenk, bis das Zittern nach ließ.
Hermione seufzte leise auf bei dieser überaus lieblichen Geste und wusste sofort, dass er es wusste…oder erahnte…dass sie noch Jungfrau war…keine Erfahrung hatte…keine Ahnung. Sanft wurde sie von ihm hochgehoben, so dass sie auf seinem Schoß saß. Er hielt sie umschlungen und drückte ihr einen Kuss auf den Hals, suchte wieder ihre Lippen. Sofort entflammte ein weiterer, diesmal viel intensiverer und stürmischerer Kuss, der ihr fast den Atem raubte. Sie wurde fest an ihn gedrückt und dann begann Malfoy sich mit ihr zu bewegen und Hermione bewegte sich mit ihm, rieb sich an ihm, was ein ungeheures Feuer in ihr entfachte. Fest drückte sie ihr Becken an seines und stöhnte an seinen Lippen. Sie konnte seinen immer lauter werdenden Atem hören, sah seine Lust in seinen Augen. Sie nahm ihren Mut zusammen und begann, seine Hose zu öffnen, ließ sich nach hinten fallen und zog ihn wieder über sich. Immer wilder hämmerte ihr Herz gegen immer Brust, als Malfoy sich von seiner Hose freistrampelte, immer nervöser wurde sie, als sie seine Hand zwischen ihren Beinen bemerkte, die sie angenehm massierte. Sie wollte mehr davon und wäre am liebsten weggelaufen, als Malfoy ihr langsam das letzte Kleidungsstück auszog. Sie war nackt…vollkommen nackt…in der Gegenwart eines Mannes…
Er bemerkte, dass ihr etwas unwohl war und versuchte, ihren wundervollen Körper nicht anzustarren. Stattdessen verwöhnte er sie mit seinen Lippen und Händen, seiner Zunge. Er wusste, sie würde den letzten Schritt nicht wagen und ihm seine Boxershort ausziehen, deswegen tat er es selbst. Nackt…sie waren nun beide nackt…Die Hexe unter ihm keuchte immer noch laut vor Lust und Verlangen nach ihm. Er beugte sich zu ihr, küsste kurz ihre Lippen und flüsterte dann: „Du kannst nein sagen." Er blickte sie an und wartete einfach. Er kannte diese Seite selbst nicht von sich, hatte das noch nie erlebt…klar, er brachte allen Frauen mit denen er schlief ein gewisses Maß an Respekt entgegen, doch das hier…war…anders…
„Ich möchte nicht, dass du aufhörst." Hörte er Hermione flüstern. Er küsste sie zittrig. Es war schwer, sich so unter Kontrolle zu halten, wenn er am liebsten über sie herfallen würde. Aber das würde er nicht tun, nicht heute. Er hob ihre Hand, küsste diese, ihren Arm, ihre Schulter und wieder ihre glühenden Lippen.
So mancher sagt, die Welt vergeht in Feuer,
so mancher sagt, in Eis.
Nach dem, was ich von Lust gekostet,
halt ich's mit denen, die das Feuer vorziehn.
Doch müsst sie zwei Mal untergehn,
kenne ich den Hass wohl gut genug,
zu wissen, dass für die Zerstörung Eis
auch bestens ist
und sicher reicht.
Robert Frost
