So es ist soweit, auf den Tag genau ein Jahr ist es her, da ging das erste Kapitel von Never believed in soulmates online. And today we're gonna end this story. Have fun and enjoy the last lines...


Barfuß ~ Barefoot

Commander Adama und Laura Roslin hatten die Entscheidung vertagt. Caprica war nach wie vor in der Brig. Bevor entschieden werden sollte, ob eine Koalition der Willigen mit den Zylonen-Rebellen denkbar wäre, gab es erst einmal Wichtigeres zu tun: Laura Roslin musste eine Wahl gewinnen. Und zwar gegen keinen Geringeren als Tom Zarek. Da war schlechte Presse das Letzte, das man brauchen konnte. Zarek war es gelungen, sich in den vergangenen Monaten große Sympathiewerte in der Flotte zu erarbeiten – oder zu erkaufen, wie viele vermuteten. Mit schmutzigen Geschäften, Bestechung und falschen Versprechungen.

„Charismatisch war er schon immer…", Kara ließ sich ausgestreckt auf die grüne Wiese fallen.

„Du meinst doch nicht, dass Zarek eine Chance hat, oder?", Lee setzte sich neben sie.

„Ich hoffe, dass er keine Chance hat, aber er hat für viele in dieser ausweglosen und verzweifelten Situation die scheinbar richtigen und einfachen Antworten parat…", antwortete Kara. Laura Roslin's been through a lot seitdem dieser Krieg begonnen hatte. Als Nummer 41 der „Thronfolge" war sie die einzige aus dem Regierungsstab, die den Holocaust überlebt hatte und hatte sich plötzlich in der größten Krise der Menschheit als Präsidentin wiedergefunden – von null auf hundert in ein paar Sekundenbruchteilen. Anfangs hatte Kara die Präsidentin nicht leiden können. Das hatte sich inzwischen geändert. Kara fand: Roslin machte eine gute Arbeit, sie schaute auf ihre Leute und versuchte ihr Menschenmöglichstes, um allen Überlebenden so etwas Ähnliches wie einen normalen Alltag zu vermitteln und zu ermöglichen. Es gab wieder Schulen auf den Schiffen, Spielplätze, zusammengebaut aus Materialresten, Restaurants, Cafés und Freizeiträume, ein Sport- und Kulturprogramm, wenn auch sehr beschränkt und rudimentär, aber immerhin. Aus den zufällig verbliebenen Büchern und Dokumenten hatte man Bibliotheken zusammengeschustert, alle Glaubensrichtungen hatten Gebets- und Meditationsräume erhalten – kruz um, zusammen mit Commander Adama hatte sie Recht und Ordnung wieder eingeführt und dafür gesorgt, dass der letzte Rest Menschheit nicht vollkommen in Chaos und Anarchie versank.

Lee strich mit seiner Hand über das saftig-aussehende grüne Gras: „Schon komisch, wir sind irgendwo mitten im Weltraum und liegen auf einer Rollrasen-Wiese aus Caprica…"

„…gut, dass das Zeug nicht welk wird", kommentierte Kara. „Meinst Du, wir werden jemals wieder richtige Wiesen sehen, ich meine mit Gänseblümchen, Glockenblumen und wilden Tulpen?"

„Ich wusste gar nicht, dass Du dich für Botanik interessierst", gab Lee mit einem Grinsen zurück.

„Ich auch nicht, aber jetzt, wo all die Sachen weg sind, fehlen sie mir…"

Lee rückte ein Stück näher heran, beugte sich über Kara, die noch immer Boden lag: „Hey, wir werden wieder richtige Blumenwiesen sehen, echte Kräuter riechen und durch Wälder laufen – promise."

Kara grinste zu ihm hoch. Nicht der Gesichtsausdruck, den er jetzt erwartet hätte, dachte Lee noch, aber da war es schon zu spät. Kara zog eine Wasserspritze unter ihrem Kopf hervor und drückte ab. Lee sprang augenblicklich auf, sein Körper schauderte vom kalten Wasser. Er schüttelte sich. „Starbuck … Du … na, warte…", rief er und versuchte ihr den Wasserschlauch abzujagen. Am Ende des Gerangels waren beide pitschnass, der Schlauch kreuz und quer um Büsche und Blumentöpfe geschlungen und durch ihre Beine gewickelt. Kara machte einen letzten, fatalen Schritt, die Schlaufe um ihrer beider Beine zog sich zu und beide fielen um. Lee konnte sich über Kara's Oberkörper abfangen. Ihre Haare klebten in nassen Strähnen im Gesicht, durch das nasse Tank zeichneten sich deutlich die Konturen ihrer Brüste ab. Einen kurzen Moment überlegte er. Was hatte Helo gesagt? Nägel mit Köpfen? Nein, es waren nur noch wenige Stunden bis zur Wahlparty… außerdem, der öffentliche Garten der Cloud 9 war nun wirklich nicht der beste Ort dafür, zumal beide eigentlich im Dienst waren. Ihre Aufgabe im ganzen Wahl-Wahnsinn war, für Sicherheit zu sorgen.

Ein „nass steht Dir" und einen eindeutigen Blick konnte er sich dann doch nicht verknreifen, und um keine Ohrfeige wegen Anzüglichkeiten zu kassieren, sprang er blitzschnell auf die Beine und zog Kara am rechten Arm mit hoch: „Ich glaube, wir sollten uns erst noch umziehen, bevor wir nach unseren Schützlingen schauen…"


Am Ende war doch alles gut gegangen. Laura Roslin hatte die Wahl ganz klar für sich entschieden. Tom Zarek gab den fairen Gewinner und großen Staatsmann, der eine Niederlage versucht weg zu lächeln. Er hoffte jetzt darauf, wenigstens als Vizepräsident Anerkennung zu finden.

„Es war ruhiger, als ich erwartet habe", sagte Lee, während er die letzten Knöpfe seines Hemdes schloss. „Keine Zwischenfälle. Keine Randalierer. Nichts, was auf krumme Dinger von Zarek hätte schließen lassen. Starbuck und ich hatten nicht viel zu tun."
„Ich hoffe, Du willst Dich darüber jetzt nicht beschweren", sein Vater kämpfte sichtlich mit seiner Kravatte. „Herrgott nochmal … ich mochte dieser Dinger nie …", fluchte er.

„Soll ich Dir helfen, Dad?", Lee klang amüsiert. Es hatte ihn schon gewundert, dass sein Vater sich für den Anzug entschieden hatte. Wenn er sich richtig erinnerte, zum ersten Mal überhaupt, seitdem es die Kolonien nicht mehr gab. Und dass er dann auch noch eine Kravatte aus dem Schrank gefischt hatte, konnte nur eines bedeuten: Da wollte einer mächtig Eindruck schinden – und Lee wusste auch ganz genau bei wem.

„Na, soweit kommt's noch … Commander des letzten Battlestars und kriegt seine Kravatte nicht gebunden?", Bill Adama machte noch ein paar eher ungeschickte Versuche den richtigen Knoten zu finden – „ich war mir so sicher, dass das so ging … oder doch so herum?" – ehe er sich doch umentschied. Mit einem „der Strick bleibt da, ich nehm die Ausgehuniform, das muss reichen…" warf er die Kravatte in die Ecke und ging zu seinem Kleiderschrank hinüber.

„Dad…?!", hakte Lee ein. „Jetzt komm schon her, ich bind' Dir das Ding richtig … Du kannst die Präsidentin doch nicht enttäuschen…"

Bill Adama schien kurz zu überlegen: „Ich weiß zwar nicht, was Du meinst, aber wenn's Dich glücklich macht, hier bitte … aber bitte nicht zu fest, ich will mich nicht strangulieren."

Ein paar Handgriffe, die saßen, und Lee hatte die Kravatte im Hemdkragen seines Vaters fixiert: „So fertig…"

„Danke … and by the way … ich brauche wohl nicht zu fragen, für wen Du dich so in Schale geworfen hast, oder?"

„Brauchst Du nicht", Bill Adama hatte den Eindruck, als habe er die Augen seines Sohnes schon lange nicht mehr so strahlen gesehen: „Ich hole Kara in zehn Minuten ab."


„Voilà Madame, das ist das heißeste und schärfste Teil, das ich auftreiben konnte", Helo hatte wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt. Er war ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Das Kleid, das er für Kara aufgetrieben hatte, sah aus, als wäre es für sie gemacht worden: sportlich und doch elegant, sexy, ohne dabei in irgendeiner Weise billig zu wirken.

„Passt wie angegossen – Helo, Du hast was gut bei mir…", sagte Kara. Sie gefliel sich, wenn sie sich so im Spiegel betrachtete. Am Oberköprper lag das Kleid eng an, ein breiter Träger führte über die rechte Schulter, die linke blieb frei, die dunkelblauen Falten des Stoffes umspielten ihre Knie.

„So, und hier noch die passenden Schuhe…", grinste Helo.

„Spinnst Du?", entfuhr es Kara: „Willst Du mich umbringen?"


Lee konnte es noch nicht glauben, Helo hatte es tatsächlich geschafft. Er hatte Kara dazu gebracht, ein Kleid anzuziehen. Was das betraf, hätte er jede Wette verloren. Nie im Leben hätte er es für möglich gehalten, dass Kara „Starbuck" Thrace freiwillig etwas anderes als Hosen tragen würde. Nun gut, er wusste nicht, wie freiwillig das wirklich gewesen war und womit Helo sie „gekauft" hatte – Helo konnte auch ziemlicher pain in the ass sein, wenn er wollte. Starbuck's ungewohnte Garderobe war so ziemlich jedem im Raum aufgefallen. Das Paar hatte beim Betreten des Raumes so einige Blicke auf sich gezogen. Beim Geburtstag seines Vaters vor einiger Zeit hatte Kara sich noch „anständig" an seinem Arm untergehakt. Heute hatte Lee seinen rechten Arm eng um ihre Taille gelegt. Eine ganz klare Ansage an die restlichen Partygäste: my girl.

„Ich wusste gar nicht, dass Du auf sowas gehen kannst", grinste Lee mit Blick auf Kara's Highheels.

„Kann ich auch nicht wirklich…", lachte sie.

„Na, dann wollen wir mal sehen, ob Du wenigstens damit tanzen kannst … darf ich bitten?", Lee führte sie zur Tanzfläche. Dort herrschte schon Hochbetrieb. Er wollte sich gar nicht ausmalen, wer momentan die Galactica steuerte, denn gefühlt, war die ganze Crew hier in diesem Saal versammelt. Hoshi, Gaeta und einige andere aus dem CIC standen an der Bar, Jammer, Cally und der Rest der Deck Crew rockte schon seit einiger Zeit gemeinsam mit ihren Pilotenkollegen die Tanzfläche – einem ausgelassenen Abend stand demnach nichts mehr im Weg.

„Wenn ich früher gewusst hätte, dass Du so ein guter Tänzer bist…"

„Was dann…?", grinste Lee zurück.

„Dann hätte ich schon früher mit Dir getanzt…"

„Tja, ich hab den Tanzkurs in der Akademie eben nicht geschwänzt", meinte Lee und fügte mit einer verschwörerischen Kopfbewegung an: „Ganz im Gegensatz zu Narcho wie es aussieht. Die arme Kat scheint nicht so glücklich zu sein…"

„Oh je…", kommentierte Kara beim Anblick einer sichtlich genervten Kat, die darauf bedacht war, ihre Füß vor den ungeschickten Tanzschritten ihres Tanzpartners zu retten. „Sie wird sauer sein. Und ich kann's morgen wieder ausbaden…"

„Hey…", Lee legte für einen kurzen Moment seine Stirn an ihre: „…jetzt nicht an Morgen denken. Jetzt zählt das Hier und Jetzt."

Ihr Lächeln als Antwort genügte ihm.

„Hey Apollo, ich darf Dich sicher mal eben Deine Partnerin entführen, oder?", eine Sache, die nur einer in the entire fleet sich getraut hätte: Helo. Und ohne eine Antwort abzuwarten, hatte er Kara schon aus Lee's Führung gestohlen und ihm sozusagen als Entschädung Sharon an die Hand gegeben.

„Na, was machen die Füße, Starbuck?", flotzelte Helo.

„Tun weh…", gab sie zurück. „Und wie…"

Helo war auch ein guter Tänzer, dachte Kara. Aber er war kein Vergleich zu Lee. Niemand bestand den Vergleich mit Lee. Nach zwei, drei Tanzrunden war Kara schließlich wieder zurück, da wo sie sein wollte: In Lee's Armen. Da war es wieder, dieses Kribbeln in ihrer Magengrube, dieser leichter Schauder auf ihrer Haut. Those blue eyes

Es war inzwischen spät geworden und die Party-Regie hatte wohl beschlossen, dass es nun an der Zeit war, die Musik etwas leiser zu drehen und das Saallicht zu dimmen. Es war nur eine minimale Bewegung, aber Lee deutete es als Versuch von Kara, sich aus seiner Führung zu lösen: „Hey hey, jetzt nicht kneifen", flüsterte er und zog sie näher an sich. „Oder hast Du Angst?"

Ihre Beine schmerzen, ihr Mund war trocken und eigentlich hätte sie wirklich eine kurze Pause brauchen können, aber wie sollte sie diese – ja, was war das nun? – Einladung von Lee ausschlagen können: „Nicht die Bohne", sagte sie leise und als wollte sie es ihm auch wirklich beweisen, nahm sie die Hände von seiner Seite und legte sie ihm um den Nacken.

We're living in a broken world
Sometimes I feel like love is on strike
We're so blinded by the hurt
When the answer's right in front of our eyes
When will we learn?

You can't push it out
Can't shut it down
When we look around, denying it is impossible
Through the night
In the darkest times
I believe His light still shines
This love is unstoppable
This love is unstoppable

They're saying that we're too far gone
But I believe that we will see
The promise of unfailing love
A revolution led by one

You can't push it out
Can't shut it down
When we look around, denying it is impossible
Through the night
In the darkest times
I believe His light still shines
This love is unstoppable
This love is unstoppable

Love unstoppable

Anything is possible
I want the world to know
Love unstoppable
Anything is possible
I want the world to know
Love unstoppable
Anything is possible
We want the world to know

You can't push it out
Can't shut it down
When we look around, denying it is impossible
Through the night
In the darkest times
I believe His light still shines
This love is unstoppable, unstoppable
His love is unstoppable, yeah unstoppable
Your love is unstoppable

© Matty Mullins – Unstoppable

Das Lied war noch nicht ausgeklungen, da erschütterte eine schwere Detonation das gesamte Schiff. Eine zweite folgte auf den Punkt. Das Licht flackerte, Barhocker kippten um, Gläser brachen und die Gäste, die es unvermittelt erwischt hatte, purzelten wild durcheinander. Lee zog Kara intuitiv an sich: „Frak, das sind die Zylonen…", sagte er. Worst timing ever. „Unsere Viper liegen hinten im Hangar, komm'…", und schon bahnten die beiden sich ihren Weg hinaus aus dem Saal. „Na, einen ungünstigeren Zeitpunkt hätten die sich nicht aussuchen können, oder?", meinte Kara. „Gönnen uns aber schon gar keinen Spaß…"

Im Saal herrschte noch das reine Chaos. Kara sah auf einem Auge, wie Felix Gaeta unter einem Barhocker hervorkroch, Jammer Racetrack auf die Beine half und Flap Top eine umgefallene Kübelpflanze aufstellte, um darunter jemanden zu befreien. In dieser Situation fand Kara ihre hohen Absätze noch furchtbarer als normal. Gerade eben beim Tanzen war sie fast schon froh darum gewesen, auch wenn ihre Zehen inzwischen höllisch wehtaten. Lee war zwar nicht um viel größer als sie, aber mit den Schuhen war sie ziemlich genau auf seiner Augenhöhe gewesen. Sie konnte sich kaum etwas Intensiveres vorstellen, als in Lee's deep blue eyes zu schauen – aber das musste jetzt erst einmal wieder warten.

Frakkk …", fluchte sie, zog im Laufen die Highheels aus und warf sie in die nächstbeste Ecke: „Ich hab immer schon gewusst, dass diese Dinger äußerst unpraktisch sind…"

Im Hangar angekommen blieb keine Zeit für lange Vorbereitungen. Die Cloud 9 zitterte unter dem Beschluss der Zylonen – Starbuck und Apollo sprangen in ihre Viper, so wie sie waren, in Abendkleid und Anzughose.

Derweil krabbelte im Saal alles wieder auf die Beine. „Bist Du in Ordnung?", fragte der Commander. „Ich glaube schon. Meine Güte, wie haben sie uns nur dieses Mal wieder gefunden?", in der Stimme der Präsidentin lagen Furcht und Resignation. Kein guter Beginn für eine Präsidentschaft, dachte sie, „vielleicht wird das die kürzeste Amtszeit einer Präsidentin – der letzten Präsidentin in colonial history", und merkte erst hier, dass sie laut gedacht hatte, als der Commander sie streng ansah: „Quatsch", sagte er nur. Zu mehr kam er nicht, denn das Nächste, was er sah, waren zwei Viper, die über die Kuppel der Cloud 9 ins All schossen. Im selben Augenblick kam Chief Tyrol in den Saal zurück gelaufen, völlig außer Puste, abgekämpft: „Das sind Starbuck und Apollo", rief er. „Ihre Raumanzüge hängen noch im Hangar…"
„Bei den Göttern…", entfuhr es der Präsidentin.


Der Commander hatte den Blick auf die Kuppel über der Cloud 9 gerichtet: „Dann haben sie nur diese eine Chance und wir nur diese eine Hoffnung…"

„Sie werden es schaffen", Sharon's Stimme klang sicher, bestimmt – wie immer.

„Wenn jemand das schafft, dann die beiden", fügte HotDog hinzu.

„…Starbuck and Apollo pulled more than more miracle seit Beginn des Krieges", sagte Tigh. „Lasst uns hoffen, dass diese Strähne nicht gerade heute endet."

„Bill … I never believed in soulmates, bis ich Kara und Lee kennengerlernt habe", flüsterte die Präsidentin.

„Schön, acht Stück, na dann bleiben ja für jeden von uns vier…", stellte Kara fest. Eine Übermacht. Eigentlich nicht zu schaffen. Zeit gewinnen, war das eine, die CAP war am anderen Ende der Flotte und würde in etwa zehn Minuten erst hier sein können. Viele der übrigen Piloten waren auf der Wahlparty, bis die startklar sein würden, würden weitere wertvolle Minuten vergehen. It could be over then. Es lag mal wieder ganz an ihnen – an Starbuck und Apollo. Aber nur auf Zeit spielen war auch nicht die beste Strategie. Jeden Moment konnte ein Basisstern der Zylonen auftauchen. Das wäre wohl so ziemlich sicher das Ende der Flotte gewesen. Auf jeden Fall mussten sie sicherstellen, dass ihnen kein Jäger entkam, dass keiner die Gelegenheit hatte, Verstärkung zu holen. Und dafür mussten sie schnell sein.

„Starbuck, wir müssen verhindern, dass die Cloud 9 zu viele Treffer kassiert, ich weiß nicht, wie viel dieses Kuppel-Ding wirlich aushält", sagte Lee.

„Alles klar", bestätigte Kara und ließ im selben Moment einen Jäger vor sich in Flammen aufgehen.


Das Gefecht war hart und zwischenzeitlich hatte Kara wirklich Sorge gehabt, dass sie es dieses Mal nicht schaffen würden. Ein raider hatte sie nur ganz knapp verfehlt, einen weiteren hatte Lee gerade noch rechtzeitig atomisiert. Er selbst hatte einen ziemlichen Schaden an der linken Tragfläche kassiert – der Chief würde das ganz und gar nicht lustig finden, in welchem Zustand er die Viper zurückbringen würde. Am Ende waren alle acht Jäger aber doch beseitigt. Lee und Kara hatten das Gebiet nochmals abgeflogen und sofort als die beiden Viper an Bord der Galactica waren, war die Flotte gesprungen. Mehrfach. Um Spuren zu verwischen und dafür zu sorgen, dass die Zylonen sie nicht gleich wieder fanden.

Kara saß in ihrer Viper und fühlte sich gefangen. Während der Sprünge arbeiteten die Aufzüge vom Lande- zum Hangardeck nicht. „Der Abend hatte so gut begonnen", dachte sie. Aber wenigstens war sie ihre Schuhe losgeworden. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sich die Plattform unter ihr schließlich in Bewegung setzte.

Das Empfangskomitee stand auf dem Hangardeck schon bereit. Starbuck und Apollo wurden von tosendem, anerkennendem Applaus ihrer Mannschaft empfangen. Als Kara ihre Cockpitabdeckung nach hinten schob, stand Lee bereits am Fuß ihrer Viper. Das dunkelrote Hemd ein bisschen knittrig, die schwarze Anzughose etwas staubig, aber er lächelte glücklich und erleichtert zu ihr hinauf. Was war das in seinem Gesicht? Ein Hauch von Verlegenheit? Lee grinste beim Anblick seines wingman im dunkelblauen Abendkleid. „In Abendrobe in den Kampf", dachte er. „Ein Fall für die Kuriositätenabteilung der Geschichtsbücher." Er stieg auf die Tragfläche, reichte ihr seine Hand und half ihr gentlemanlike herunter.

„Ich musste wohl erst 40 Jahre bei der colonial fleet sein, um eine Pilotin im Abendkleid, barfuß aus einer Viper springen zu sehen…", Bill Adama ging auf die beiden zu, mit der geschwellten Brust eines stolzen Vaters. „Ihr zwei seid wirklich die besten Piloten, die ich je gesehen habe. Ich bin stolz auf Euch", sagte er leise und umarmte Kara und Lee gleichzeitig.

Ein kreischendes Geräusch ließ die drei aufhorchen: „Sorry, ich muss die Räder ölen", meinte der Chief und kratzte sich am Hals. Er hatte auf einem Montagewagen einige Flaschen Schnaps und Gläser herbeigefahren: „Ich glaube, wir haben heute noch was zu feiern…"

Die Crew der Galactica feierte weiter bis tief in die Nacht. Als die Versammlung sich langsam auflöste, machte auch Kara – die den gesamten Rest der Party an Lee's Seite geblieben war. Er hatte seinen Arm gleich nach der Ankunft um ihre Hüfte gelegt. Damit es auch wirklich der Allerletzte auf diesem Schiff es verstanden hatte: Diese Frau gehört zu mir – Anstalten, aufbrechen zu wollen.

„Hiergeblieben…", sagte Lee, drehte sie einmal um die eigene Achse und fasste sie mit beiden Händen an den Hüften: „Wo willst Du hin?" Eine rhetorische Frage: „Ich glaube, Du schuldest mir noch einen Tanz. Wir würden vorher etwas, sagen wir, rüpelhaft unterbrochen." Kara sah ihn ungläubig an. Das konnte unmöglich sein Ernst sein: „Are you serious?"

„Absolut", seine Augen strahlten sie an, dass es ihr ohnehin unmöglich schien, sich zu wehren. „Tanzen? Ohne Musik, barfuß, mitten in der Nacht, hier auf dem Hangardeck?", fragte Kara amüsiert.

„Ganz genau. Barfuß, auf dem Hangardeck", und mit zwei, drei gezielten Tritten hatte auch Lee seine Schuhe zur Seite gekickt. „Gleichberechtigung", grinste er. „Zugegeben, die Musik müssen wir uns denken", und mit diesen Worten begann er Kara zu führen.

„Du bist verrückt…"

„Muss abfärben…"


Lee blickte an sich herunter. Kara lag in seinem rechten Arm, her head resting on his chest. Sie schlief noch. Ein Morgen wie immer, eigentlich. Und doch war er so anders. Er würde nie wissen, wie sie es in dieser Nacht in ihr Quartier geschafft hatten. Sie hatten eine ganze Weile getanzt, ohne ein Wort zu sprechen. Eyes sparkling with warmth and love for each other. Und irgendwann war er dann da gewesen, der (perfekte) Moment. Dieser Kuss war so anders gewesen, als alle vorherigen. So viel intensiver, leidenschaftlich ohne fordernd zu sein, tender, sweet and loving – und beide hatten sie gewusst: they've done the final step, crossed the last line. Finally.


„Versuch' erst gar nicht, es zu leugnen … ich hab' grade Starbuck getroffen und die hat dasselbe Honigkuchen-Grinsen im Gesicht wie Du!", Helo grinste Lee unverschämt verschwörerisch an.

„So? Hat sie?"

„Apollo, keine Einzelheiten, ich will nur wissen, ob einer von Euch beiden endlich genügend Mumm in den Knochen hatte, es dem anderen zu sagen…"

„Nun ja … sagen ist vielleicht der falsche Ausdruck. Nur soviel, Helo: Das mit dem Kleid, das war Deine beste Idee seit langem … ging deutlich schneller das Ding loszuwerden als eine Uniform mit Knöpfen", und Lee grinste genauso unverschämt verschwörerisch zurück und ließ Helo mit einem Klaps auf die Schulter stehen. Es konnte eine gute CAP werden.

~~ FIN ~~