26. Kapitel
„Aber Sir, der Dunkle Lord plant, wie ich schon sagte, SEHR BALD den Angriff auf Harry auszuüben.
Es wäre mehr als hilfreich, wenn Sie mir endlich…"
„Es gibt nichts, was ich Ihnen dazu mitteilen könnte, Severus! Es tut mir Leid. Ich kann Ihnen diesbezüglich nicht weiter helfen."
„Natürlich!" schnaubte der Zaubertrankmeister verächtlich und sah den Schulleiter von Hogwarts mit einem schon fast hasserfüllten Blick an. Sein Vorgesetzter überspannte seinen Geduldsfaden mehr als sonst. Seit einer Stunde redete er schon auf Dumbledore ein, doch dieser schien von all seinen Informationen und Besorgnissen gänzlich unbeeindruckt zu sein.
„Natürlich machen sie aus ALLEM - wie immer - ein Geheimnis. Aber Albus, bei allem Respekt, diese Situation verlangt von uns allen, dass wir preisgeben, was wir wissen und dass wir alle an einem Strang ziehen."
Erstaunt zog der Schulleiter die Augenbrauen gen Himmel. „Na nu, Severus? Seit wann denn das?"
Snape verschränkte die Arme und trat einen Schritt auf seinen Vorgesetzten zu. „Was meinen Sie?"
„Seit wann setzen Sie sich für den Schutz des Jungen ein? Normalerweise wünschten sie doch, es gäbe ihn nicht, und müssten doch froh sein, wenn sich der Dunkle Lord um dieses Problem kümmert."
Nun konnte sich Severus nicht mehr halten. Was erlaubte sich dieser schnöselige Bartträger? Und wie unsinnig und hohl war denn das bitte, was dieser da von sich gab?
„Albus, Sie müssen wohl zu viele Zitronendrops intus haben, anders kann ich mir Ihre geschmacklosen Kommentare nicht erklären! Und mir geht es, wenn ich ehrlich bin, auch nicht um den Jungen, sondern nur um die Folgen, die ganz gewiss eintreten werden, wenn der Dunkle Lord anstelle von Potter gewinnt."
Snape musste sich bewusst innerlich gut zureden, um ruhig zu bleiben, denn seine Hand hatte sich schon unbemerkt seinen Zauberstab genähert und war bereit, diesen zu ziehen, wenn seine Wut den Höchstpegel erreichen würde.
„Wir alle, Sie mit eingeschlossen Albus, werden keine ruhige Minute mehr in unserem Leben haben, wenn Voldemort gewinnt!"
„Die haben Sie ja eh nie!"
„UND DESWEGEN WILL ICH SIE SO SEHR!" Snapes Hand umklammerte mittlerweile nun doch fest den Zauberstab und hielt ihn unter Albus Nase.
„Ich kann nicht glauben was aus Ihnen geworden ist Albus. Wo ist der weise, bedächtige Mann hin, dem ich damals meinen Respekt und Loyalität geschworen habe. Wo?" Er drückte seinen Zauberstab in die Brust des alten Mannes und sah ihn anklagend an. Er wusste, dass er zu weit ging. Aber Dumbledore hatte zuerst die Grenzen der Schicklichkeit überschritten, und das nicht nur geringfügig.
Er konnte sich die plötzliche Passivität in Sachen Harry nicht erklären und dieses Mir-ist-alles-scheiß-egal Gelaber ebenso wenig.
„Warten Sie mit Ihrem Todesfluch noch ein wenig Severus. Es ist noch nicht die Zeit gekommen, dass ich diese Welt verlassen muss!"
Snape lockerte den Druck auf Dumbledores Brust, senkte jedoch nicht den Zauberstab.
Misstrauisch fragte er: „Was meinen Sie damit?" Er hasste dieses Rätsel-Raten.
Dumbledore senkte traurig die Lider und zog mit einer Hand den Ärmel seiner Robe hoch.
Was Snape dann sah, ließ ihm den Atem stocken.
„Ihre Hand…bei Merlin! Was ist damit passiert?"
Albus hob die Hand, damit Severus sie sich genauer ansehen konnte.
„Ich habe probiert, einen Horkrux zu zerstören!"
Zwei überraschte Augen sahen ihn an. „Ja Severus, einen Horkrux."
Snape ließ seinen Zauberstab zurück in den Umhang gleiten und drehte dafür die Hand des Schulleiters langsam im Licht der hereinscheinenden Sonne. Die Hand war pechschwarz, fast schon verkohlt, und selbst das Blut, welches in den Adern an der Hand und im Arm floss, schien schwarz zu sein.
„Das ist sehr, sehr starke schwarze Magie!" murmelte er. „Voldemort?" Er sah den Mann vor ihm fragend an.
Albus entzog sich seinem prüfenden Blick und ließ sich in seinen Schulleitersessel nieder.
Er sah plötzlich um hundert Jahre gealtert aus.
„Ganz Recht. Der Dunkle Lord…" er wies auf einen Sessel gegenüber von ihm, ein Zeichen, dass sich Severus setzen sollte, der dieser Aufforderung auch sofort nachkam.
„Der Dunkle Lord hat seine Seele gesplittert."
Jetzt war Severus froh, dass er saß. Er hatte sich zwar schon so etwas in der Art gedacht, dennoch zog es ihm sozusagen den Boden unter den Füßen weg. Die Bestätigung, dass er mit seinen Vermutungen über den Dunklen Lord richtig gelegen hatte, ließ ihn noch hoffnungsloser werden, als er vorher schon war. Harry hatte keine Chance zu gewinnen.
Nicht die geringste!
„Aber Ihnen muss ich ja nicht erklären, was das zu bedeuten hat , oder, Severus?"
Severus schüttelte den Kopf. „Aber Harry sollte das wissen!"
Der Schulmeister nickte gedankenverloren. „Ja, das sollte er!"
„Und? Werden Sie es ihm sagen?"
„Nein, das werde ich nicht."
„Wie bitte?"
„Es ist noch nicht die Zeit gekommen, es ihm zu sagen!"
Severus zog verzweifelt die Luft ein. Dieser Mann brachte ihn noch um den Verstand.
„Aber wann, bitte schön, wann, wird dieser Zeitpunkt jemals sein? Mir wollten Sie es ja erst auch nicht sagen, und dann, schwupps, war der Zeitpunkt da? Ganz ehrlich Albus, aus Ihnen wird niemand schlau!"
Traurig wandte der Schulleiter den Blick zum Fenster und beobachte die Schwalben, die davor herumflatterten. Dann änderte sich sein Gesicht in einen Ausdruck, den der Zaubertrankmeister nicht zu deuten wusste.
„Severus, Sie müssen mir einen Gefallen tun."
„Natürlich…wie sollte es anders sein."
„Bitte, Sie müssen mir hoch und heilig versprechen, dass Sie es tun werden!" Die Stimme des Schulleiters war plötzlich sehr ernst und die Traurigkeit war aus seinem Blick verschwunden.
Severus hob fragend die Hände. Er würde ja eh nicht drum rum kommen.
„Um Ihnen das zu versprechen, müsste ich erst einmal wissen, was DAS überhaupt ist!"
Statt zu antworten, stellte Albus darauf eine Frage. „Was meinen Sie? Wie lange werde ich damit überleben?" Er hob seine verkohlte Hand und legte sie dann mit Bedacht auf der Tischplatte vor ihm ab.
Snape betrachtete erst die Hand, dann wieder den Schulleiter. Langsam dämmerte es ihm, auf was Albus Forderung hinauslaufen würde.
„Es wird sich ausweiten Albus, sehr schnell. Ich gebe Ihnen maximal ein Jahr."
Als hätte Severus seine Gedanken nur bestätigt, nickte Dumbledore zustimmend.
„Sie wissen, dass der junge Malfoy von dem Dunkeln Lord angeheuert wurde? Dass er zu einem Todesser werden soll?"
Severus sah ihn überrascht an. Der Mann wusste ja wirklich alles.
„Man munkelt so etwas, ja. Ich habe Malfoy das ein oder andere Mal erwischt, wie er darüber mit seinen Freunden sprach. Jedoch schien er darüber nicht besonders erfreut zu sein."
Ein kleines, trockenes Kichern kam von Dumbledore und er sah den Zaubertrankmeister leicht vorwurfsvoll an.
„Er hat dazu ja auch keine Grund, oder Severus? Oder waren Sie etwa froh, dem Dunklen Lord Ihre Dienste anzubieten?"
„Natürlich nicht. Aber wie Sie wissen…" er funkelte nun seinerseits den Schulmeister vorwurfsvoll an „Hatte ich ja keine andere Wahl!"
„Und ebenso wenig der Junge, Severus! Und ich weiß, dass der Dunkle Lord ihm befehlen wird, mich zu töten. Nun schauen Sie nicht so überrascht! Das müsste Ihnen doch klar sein, dass es darauf hinauslaufen wird."
Severus schüttelte den Kopf, als wollte er Albus Worte nicht wahr haben. Etwas hilflos antwortete er „Aber Draco wird dazu niemals in der Lage sein. Er ist viel zu feige. Er könnte sie nie töten!"
„Genau Severus. Und deswegen, werden Sie es tun!"
Severus erstarrte. Sollte das ein schlechter Scherz sein?
„Nein Severus, das ist kein Scherz. Und jetzt klappen Sie bitte den Mund wieder zu.
Es liegt auf der Hand, dass Sie es sein müssen, der mich umbringt. Denn das wird Ihnen das uneingeschränkte Vertrauen des Dunklen Lords bescheren!"
Severus strich sich durch das schwarze Haar. Das konnte alles nur ein Alptraum sein.
Womit hatte er es verdient, dass sein Leben nur aus schwarzen, bösen Episoden bestand, die ihn immer mehr ins Verderben ritten. Am Anfang hatte er gehofft, dass er irgendwann von seinen Sünden rein gewaschen werden würde, wenn er nach dem Tod des Dunklen Lords nur oft genug Büße tat. Mittlerweile waren es jedoch schon so viele grauenvolle Taten, dass nicht einmal der gütigste Gott ihm Absolution erteilen würde. Er glaubte zwar nicht an Gott und den ganzen Mist, hoffte jedoch trotzdem, dass ihm irgendeine höhere Macht eines Tages seine Vergehen vergeben würde und er wenigstens im Tod seinen Frieden finden würde.
Jetzt, wo er gerade anfing so etwas wie Glück und Zufriedenheit zu verspüren, wo er sich eingeredet hatte, dass alles gut werden könnte. Wo er endlich Jemanden gefunden hatte, der seine guten Seiten zum Vorschein brachte…
„Sie müssen es sein Severus! Sie, und niemand sonst. Versprechen Sie mir das!" Albus riss ihn aus seinen Gedanken und er sah den Schulleiter von Hogwarts mit einer Mischung aus unendlicher Traurigkeit, Verbitterung und einer Prise Wut an.
„Ich habe Ihnen damals schon ein Versprechen gegeben, und Sie wissen ja selbst am Besten, wohin mich das gebracht hat…" Er stockte. Am liebsten hätte er sich einfach umgedreht und wäre aus dem Raum gegangen und…hätte sich das Leben genommen.
Er wollte DAS alles nicht mehr. Es war ihm zu viel. Zu grausam. Zu ungerecht. Zu hoffnungslos.
„Bitte Severus!" Albus sprach mit einer leisen, weichen Stimmlage und trat um den Tisch auf ihn zu.
„Bitte!"
Snape sah plötzlich Hermine vor sich, wie sie - wie so oft - auf seinem Sofa saß und ihn freudestrahlend anlächelte.
Er schloss die Augen und sein Gesicht glich einer Trauermaske. Dann öffnete er wieder die Lieder und in seinem Blick lag die von früher altbekannte Kälte und Gleichgültigkeit, die er sich angeeignet hatte, um nicht verletzlich zu sein. Im Inneren, natürlich.
„Ich mache es!" Mit einem Blick der ins Nirgendwo gerichtet war, deutete Snape eine leichte Verbeugung an und verschwand dann mit wehenden Umhang, ohne den Schulleiter noch eines Blickes zu würdigen.
Hermine saß mit Ginny, Harry und Ron in der Großen Halle beim Mittag, als ihr wieder Jemand gegen den Rücken tippte. In weiser Voraussicht suchte sie nach der Herkunft dieses Tippens, in dem sie den Blick nach unten gerichtet hielt.
„Hi, Wanny, was verschafft mir die Ehre, dich zu sehen?"
Die kleine Elfe lief dunkelgrau an, was wohl sowas wie Verlegenheit ausdrücken sollte.
„Wanny hat einen Brief für Sie, Madame!" Die Elfe senkte ehrfürchtig ihren Kopf und streckte Hermine das kleine Blatt Papier entgegen, was sie in der Hand hielt.
„Danke schön, Wanny! Kommt er wieder von dem großen, bösen Mann?" Sie zwinkerte der kleinen Elfe zu und hoffte, dass sich Severus diesmal einigermaßen benommen hatte.
Zustimmend nickte Wanny. „Ja, aber heute war er nicht so böse zu Wanny.." Sie runzelte kurz die Stirn. „Heute war er traurig." Mit einem Plopp! ließ Wanny eine etwas verwirrte Hermine zurück, die sofort den Brief auseinander faltete.
„Hermine, heute und für alle weiteren Tage wird es keine Nachsitzstunde mehr geben.
Gez: SS"
Hermine runzelte fragend die Stirn und hielt Ginny den Brief unter die Nase, die selbst nur etwas verwirrt mit den Schultern zuckte. „Vielleicht hat er seine Tage?" fragte sie halb spaßig, halb ernst.
Hermine schenkte ihr einen ihrer bitterbösen Blicke und ihr wurde auf einmal ganz flau im Magen. Was ging nun schon wieder in diesem Manne vor? Oder war er etwa…? Vielleicht hatte ihn Voldemort wieder zu sich gerufen und so schlimm zugerichtet, dass er nicht wollte, dass Hermine ihn so sah?
Das einfachste wird es sein, wenn ich ihn frage, dachte Hermine und beschloss, sich erstmal nicht den Kopf darüber zu zerbrechen. Sie kannte ja die Launen ihres Lieblings. Wahrscheinlich war letzten Endes nur ein Kessel in die Luft geflogen und hatte ihm die Augenbrauen abgefackelt.
Nach dem Essen verabschiedete sie sich von ihren Freunden und eilte dann zu Severus Räumen. Sie klopfte zweimal. Als weder Severus ihr die Tür öffnete, noch von drinnen seine Stimme zu hören war, drückte sie probehalber die Türklinke nach unten. Die Tür war nicht verschlossen.
„Du bist ja doch da?" Hermine stand überrascht im Eingang, als sie Severus entdeckte, der mit gesenktem Blick über einem Haufen Papiere saß.
„Natürlich bin ich da. Wo sollte ich sonst sein?" Selbst als er mit ihr sprach, hob er nicht den Blick.
Hermine trat etwas unsicher von einem Bein auf das andere. Ihm musste wohl eine sehr große Laus über die Leber gelaufen sein, so grimmig wie er guckte. Sie schluckte kurz, dann sprach sie ihn wieder an. „Dein Brief…das war wohl ein April Scherz?" sie kam einige Schritte ins Zimmer und probierte fröhlich zu klingen. Vielleicht war sein Brief ja wirklich nur ein Jux. „…Leider haben wir schon Mai!"
Erst sagte Severus darauf nichts, dann hob er jedoch endlich seinen Blick und Hermine lief ein kalter Schauer über den Rücken, als sie in zwei gefühlslose, stechende Augen sah.
„Wie du weißt, scherze ich nie!" Er legte seine Feder beiseite und stand nun auf. „Mein Brief ist vollkommen erst gemeint. Also…" Er sprach die letzten Worte seines Satzes nicht aus, zeigte jedoch mit dem Finger zur Tür, was Hermine als eindeutige Aufforderung verstand, den Raum zu verlassen.
Ängstlich und verwirrt zu gleich fragte sie „Was soll das, Severus? Was ist passiert?"
„Nichts ist passiert! Ich habe einfach keine Zeit mehr für unsere abendlichen Treffen."
Hermine begriff nichts. Was war bloß in den Mann gefahren, den sie liebte? Er war wieder wie früher… wie damals, als sie noch seine Schülerin war, und er einfach nur ihr Lehrer.
„Habe ich etwas falsch gemacht?" wisperte sie und sie merkte, wie sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten.
In Snapes Augen blitzte kurz etwas auf, war jedoch im nächsten Moment wieder verschwunden.
„Das mit uns beiden, das hat keinen Sinn, Hermine!"
Nun weiteten sich Hermines Augen noch mehr und sie merkte, wie ihre Beine den Dienst versagten. Sie lehnte sich an eine Wand, um nicht den Halt zu verlieren. „Das ist nicht dein ernst? Das ist…Träume ich?" Sie schüttelte den Kopf, als ob sie prüfte, ob sie nicht wirklich schlief und einen Alptraum hatte.
„Nein…" sagte Severus gedehnt und kam einige Schritte auf sie zu. „Du träumst sicher nicht. Was ich gesagt habe, habe ich auch so gemeint. Ich will diese Beziehung nicht mehr!"
„Aber…" japste Hermine. „Von eben auf jetzt, willst du all das nicht mehr?" Sie sah ihn fragend und verstört an. „Von eben auf jetzt…willst du mich nicht mehr?"
Hermine kam wankend einige Schritte auf ihn zu. Ihre Stimme war nun kaum mehr ein Flüstern. „Bitte, Severus, tu mir das nicht an! Ich kann nicht…ohne dich." Sie streckte ihm hilflos die Hände entgegen, doch Severus wand sich einfach von ihr ab.
„Was solltest du ohne mich nicht können? Atmen tust du von ganz allein, schlafen tust du wenn du müde bist, und soweit ich weiß, beherrschst du auch den Umgang mit Messer und Gabel… Und auch beim Brauen von Zaubertränken benötigst du keine Hilfe von mir." Seine Stimme war spöttisch und verachtend. Und das traf Hermine mehr, als wenn er ihr einen Dolch direkt ins Herz gerammt hätte.
Ohne ein Wort verließ sie seine Wohnung. In ihrem Kopf herrschte eisige Leere. Sie dachte nichts, sie sah nichts, hörte nichts, fühlte nichts. Sie konnte sich selbst nicht erklären, wie sie es zurück in den Mädchenschlafsaal der Gryffindors geschafft hatte.
OoOoOoOoOoOoOoOoOoOoO
Hermine wusste nicht, ob sie diese Nacht ein Auge zu gemacht hatte. Alles war wie in Trance an ihr vorbeigezogen, als wäre sie gar nicht wirklich da.
Aber wobei sie sich sicher war, war die Tatsache, dass sie gerade in diesem Moment von zwei Händen grob geschüttelt wurde, und somit zurück in die Gegenwart kehrte.
Ginny stand an Hermines Bett und rüttelte diese kräftig, da es schon Frühstückszeit war und sie heute noch einige Arbeiten schreiben mussten. Als sie jedoch ums Bett herum trat und ihrer Freundin somit ins Gesicht schauen konnte, stockte ihr der Atem. „Mine! Wach auf, es ist schon spät! Hermine! Ach du scheiße…"
Hermine hatte blutrote, verquollene Augen und angeschwollenen Tränensäcke. Sie sah aus, als hätte sie die ganze Nacht durchgeweint. Oder eine Prise Pfefferspray ins Gesicht bekommen.
„Hermine! Was ist los? Du siehst schrecklich aus!"
Mühsam richtete sich der junge Lockenkopf in ihrem Bett auf und blinzelte angestrengt mit den Augen, die wie Feuer brannten. Als sie jedoch keine Anstalten machte, etwas zu sagen, setzte sich Ginny zu ihr aufs Bett und nahm die Hände ihrer Freundin in ihre eigenen. „Hermine, sag mir bitte was passiert ist! Kann ich dir irgendwie helfen?"
Hermine sah nur wortlos an ihr vorbei. Ihre Erscheinung erinnerte Ginny schmerzhaft an eine Untote. Leere ausdruckslose Augen, schlaffe Schultern, aschfahles Gesicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit sah sie Ginny endlich an. „Es ist vorbei…"
Die Rothaarige runzelte die Stirn. Was war vorbei? „Hermine, bitte sprich nicht in Hieroglyphen. Du weißt, ich bin `ne Niete in sowas."
Hermines Blick wurde noch eine Spur trauriger, wenn das überhaupt möglich war, und sie wiederholte einfach nur den Satz. „Es ist vorbei!"
Ginny begann sich nun ernsthafte Sorgen zu machen. SO war Hermine noch nie drauf gewesen. Und es gab nur EINEN Grund, wieso sie so war. Nur einer hatte die Fähigkeiten, Hermine so aus dem Konzept zu bringen.
„Er…" Ginny traute sich nicht den Namen zu nennen, aus Angst, Hermine könnte durchdrehen. „er hat Schluss gemacht…oder?"
Hermines Augen füllten sich wieder mit Tränen und sie brachte nur ein leichtes Nicken zustande.
„Ich bring den Kerl um!" Nuschelte Ginny und war schon auf dem Sprung, als sie sich nochmal zu ihrer Freundin umdrehte. In diesem Zustand konnte sie Hermine nicht alleine lassen.
„Hermine, komm, wir gehen zusammen ins Bad. Ich mach dich hübsch. Und dann gehen wir in die Große Halle. Du musst doch etwas essen." Sie griff nach Hermines Hand, die ihr widerstandslos folgte.
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Nach etlichen Aufmunterungsversuchen und einigen Schönheitszaubern später, hatte Ginny Hermine endlich soweit zurecht machen können, dass sie einigermaßen normal aussah. Nur Hermines Blick und ihre Haltung verriet noch, was innerlich in ihr vorging. Zusammen mit Harry und Ron gingen sie in die Große Halle und setzten sich zu ihren Freunden an den Gryffindortisch.
„Hey Hermine, na, alles schick?" Fred saß rechts neben Hermine, und stupste diese an, als sie nicht reagierte. Was zur Folge hatte, dass Hermine wie ein nasser Sack gegen Ginny fiel, die links von ihr saß. Ginny fiel dadurch ihr Croissant runter und sie hatte einige Mühe, Hermine wieder in ihre Ausgangsposition zu schieben. Irritiert sah Fred erst Hermine an, dann seine Schwester.
Er lehnte sich hinter Hermines Rücken zu Ginny und flüsterte: „Was ist mit ihr? Hat ihr Jemand einen Schlaftrank verpasst?"
Ginny schüttelte ärgerlich den Kopf. „Quatsch. Und das geht dich gar nichts an, was mit ihr ist. Lass sie einfach in Ruhe!"
Fred hob beschwichtigend die Hände und nach einem weiteren kurzen Blick auf Hermine, wand er sich wieder seinem Teller zu.
„Hermine, du musst was essen, Süße!" Ginny lehnte sich über den Tisch, und legte Brötchen, Toast, Croissants und weitere leckere Sachen auf Hermines Teller.
Hermine sah jedoch einfach weiter geradeaus, ins Leere. Harry, der sich schon die ganze Zeit über Hermines Verhalten gewundert hatte, wand sich nun besorgt an seine Freundin. „Ginny, verdammt, was ist denn mit Hermine los? Sie ist ja völlig apathisch."
„Jetzt nicht!" Zischte Ginny über ihre Schulter zu Harry, während sie Hermine ein Brötchen mit Erdbeermarmelade beschmierte.
„Wann dann?"
„Warts ab, Harry. Nach dem Essen! Jedenfalls nicht hier."
Harry nickte kurz und betrachtete Hermine weiterhin besorgt. Er konnte es sich schon fast denken, was mit ihr war.
