Disclaimer: Wenn ich JKR wäre, hätte ich Kohle. Ich schreibe, weil es mir Riesenspaß macht. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 25 – Der französische Tiger

Es ist ein verregneter Tag in New York. Eigentlich scheint es immer wieder zu regnen, seit wir angekommen sind. Phil Richardson, unser Gastgeber, dreht sich in seinem Sitzplatz meiner Freundin zu, die mit einer entschlossenen Miene ihren Rock nach unten zieht, und mustert sie.

Ich weiß, dass sie mich deswegen morgen hassen wird, aber trotzdem kann ich nicht die Klappe halten.

„Bist du dir sicher, dass..." fange ich besorgt an.

(„Hermine, wenn du mir nochmal diese Frage stellst, werde ich dich verprügeln",) zischt sie.

Phil lächelt und blickt weg. Er möchte sich nicht in unseren Zank einmischen.

„Schön", murmele ich kopfschüttelnd.

Ja klar, ich kann sie nicht ewig und vor allen beschützen, aber das, was sie vorgeschlagen hat, ist gefährlich. Trotzdem scheint sie darauf erpicht zu sein, ihre Aufgabe zu erfüllen. Und wenn Laetitia eine Entscheidung getroffen hat, kann sie nichts und niemand dazu überreden, ihre Meinung zu ändern. Schwarzmagierin.

Sie verschwindet aus dem Wagen und knallt die Tür zu. Ich seufze und schüttele den Kopf, die Kopfhörer auf den Kopf setzend.

„Franzosen", murmele ich. „Sie ist so scharf, wenn sie mich auf Französisch anbrüllt."

Phil grinst breit. Er mustert skeptisch meine Kopfhörer und lehnt sich neugierig nach vorne.

Mein brillanter Plan besteht darin, Muggeltechnologie fürs Belauschen zu verwenden, weil wir nur so etwas mit den Mitgliedern dieser Geheimorganisation anfangen können. Ich wollte nicht einmal in Betracht ziehen, ein magisches Belauschmittel zu entwickeln oder zu besorgen, denn ich bin mir sicher, dass sie mit allen Wassern gewaschen sind, wenn es um magische Geräte und Mittel geht. Was sie aber nicht erwarten, ist Muggeltechnologie. Und da meine Eltern Muggel sind, weiß ich eine Menge darüber, im Gegenteil zu unserem Gastgeber, der keine Ahnung hatte was Kopfhörer sind. Ich habe ihm kurz erklärt, was eine Wanze ist, aber er ist noch immer skeptisch. Da er aber weiß, dass der dunkle Prinz selbst uns hergeschickt hat, hält er die Klappe. Ich weiß jedoch dass falls etwas schiefgeht, sein Vertrauen in unsere Fähigkeiten ernsthaft gefährdet sein wird.

Hoffentlich gibt es nicht zu viel Magie in der Luft, sodass das Gespräch klar übertragen wird. Phil sitzt schweigend bei mir als ich die Kopfhörer mit den Händen gegen meine Ohren presse, versuchend, besser zu hören. Die Tür geht auf – ich hab Klingeln gehört. Und dann Schritte, die höchstwahrscheinlich Laetitias sind. Während ich zuhöre, wie sie im Café heiße Schokolade an der Theke bestellt, erinnere ich mich an den vorigen Abend, als wir zusammen in Phils Wohnzimmer gesessen und Tee getrunken haben.

Seine Frau war auch da. Sie ist eine kleine Hexe, mit schwarz gefärbten Haaren und einer makellosen Frisur. Der tiefe Ausschnitt ihrer Bluse stach mir ins Auge und schien mir zuzurufen: 'Schau mich mal an!'. Am Anfang war sie sehr vorsichtig und hat kerzengerade gesessen, als hätte sie einen Besen verschluckt. Als ihr aber klar wurde, dass das unser wahres Aussehen war, wirkte sie etwas verwirrt. Sogar Phil war überrascht. Er hat natürlich zwei ältere Hexen erwartet, die schon viel Erfahrung mit so was haben. Was er aber nicht erwarten hat, waren zwei sechzehnjährige Hexen.

Laetitia hat nicht viel gesprochen. Ich hingegen habe mich schnell an die Arbeit gemacht. Ich habe Phil Fragen gestellt und versucht alles notwendige herauszufinden, um ein klares Bild davon zu bekommen was wir zu tun haben sodass wir so schnell wie möglich mit unserer Detektivarbeit anfangen können. Währenddessen saß Laetitia einfach da, hörte aber unserem Gespräch aufmerksam zu.

/Rückblende

„Vielleicht kommt euch New York wie eine andere Welt vor", meint Phil. „Aber wir Schwarzmagier kennen uns. Wir wissen, wer wo lebt und haben ständig Kontakt miteinander. Und vielleicht wäre es in Großbritannien seltsam und verdächtig, aber hier ist es nicht verdächtig, wenn man seltsame Kleidung und seltsamen Schmuck, beziehungsweise Ringe, trägt. Wir haben so eine Art schwarzmagische Gesellschaft gegründet, weil wir uns zusammen halten wollten. 1956 wurden zwei Zauberer wegen der Verwendung der dunklen Magie verurteilt. Da keiner sie kannte und niemand etwas dagegen unternehmen wollte, sind sie im Knast gestorben. Heutzutage passiert so was nicht. Falls einer von uns in Schwierigkeiten gerät, holen ihn die anderen raus. Natürlich wissen die Behörden und der Zaubereipräsident, dass eine schwarzmagische Untergrundbewegung existiert. Aber er kann es genauso wenig verbieten, sowie er seine eigene Geheimorganisation verbieten kann, die versucht, die dunklen Magier auszurotten. Denn das ist unser Recht als Bürger der USA. Was er jedoch tun kann ist zu versuchen die Zaubergesellschaft zu kontrollieren. Und das macht er."

„Wir führen einen andauernden Krieg, Miss Granger, und wir haben es nicht einfach. Ich wiederum bin der erste, der sich nach Frankreich gewagt hat um sich mit dem dunklen Lord zu treffen. Aber eines Tages hoffen wir alle in seinen Diensten zu stehen und für seine edlen Ziele zu kämpfen. Denn das machen wir eh unser ganzes Leben lang."

„Ich werde unser Treffen nie vergessen", fährt Phil fort. „In den dunklen Kreisen der USA bin ich geschätzt, wissen Sie. Und ich habe als der erste vorgeschlagen, über den Teich zu reisen und den dunklen Lord zu treffen. Normalerweise überprüfen die Hellmagier, wer wohin reist und behalten jene, von denen sie wissen, dass sie dem dunklen Strom angehören im Auge oder nehmen Leute fest, wenn sie nur den Hauch eines Beweises haben. Ich wusste, dass es riskant war, zu reisen. Aber ich habe es trotzdem gemacht und bin ihnen entkommen."

„Der dunkle Lord hat alle meine Erwartungen übertroffen", sagt er lächelnd. „Wenn wir, die Mitglieder unserer Gesellschaft, uns treffen, Miss Granger, müssen wir sehr vorsichtig sein. Aber wir treffen uns sogar ziemlich häufig. Jedes Mal wenn wir uns treffen, kann ich deutlich die Verbindung, die wir alle teilen, spüren. Die dunkle Magie, die wir alle im Geheimen praktizieren und das meistens in unseren vier Wänden. Der Sitz des dunklen Ordens jedoch... war etwas einzigartiges. So bald ich angekommen bin, habe ich mich wie zu Hause gefühlt. Vier Todesser haben mich begrüßt und mich zu dem dunklen Lord geführt. Und obwohl man mir nicht erklärt hat, wie man ihn anspricht und wie man sich in seiner Gegenwart benimmt, habe ich gleich gewusst, warum man vor ihm kniet und warum man ihn so anspricht. Er ist die Verkörperung der Macht, von der ich immer geträumt und nach der ich gesehnt habe."

Er macht eine Pause und nimmt einen Schluck Feuerwhiskey, schluckt, verzieht das Gesicht und fährt fort.

„Wir haben zwei Stunden lang gesprochen. Ich habe ihm alles über die Lage in den USA, über meine Freunde und Kollegen erzählt. Er hat zugehört und mir Ratschläge gegeben. Ich werde unser Gespräch nie vergessen, Miss Granger. Und mir tat es fürchterlich leid, zurück nach Amerika gehen zu müssen."

„Bevor ich abreiste, bin ich auch dem dunklen Prinzen begegnet. Ich habe selbstverständlich auch viel über ihn gehört. Aber das konnte sich mit der Person, der ich die Hand geschüttelt habe, nicht messen. Er hat mir von seinen eigenen Anhängern erzählt und sein dunkles Mal gezeigt."

„Ich kenne ihn seit Jahren", sage ich. „Ich war dabei, als er Dumbledore getötet hat."

Phils Augen leuchten.

„Ja", flüstert er aufgeregt. „Ich habe darüber gelesen. Das war ein Meisterwerk."

„Im Laufe der Jahre waren wir auch dazu gezwungen uns mancher Personen, die uns auf die Schliche gekommen sind und uns vernichten wollten, zu entledigen," sagt er kopfschüttelnd. „Aber wir waren immer sehr vorsichtig. Keiner konnte uns etwas nachweisen. Wir sind gut organisiert und funktionieren wie ein Ganzes."

„Wie der dunkle Orden", werfe ich ein.

Ich bewundere diesen Mann für seinen lebenslangen Kampf und für seine geistige Kongruenz. Es ist nicht leicht jeden Tag zu leben, als wäre er der letzte.

Er hat offenbar meine Worte als ein Kompliment verstanden.

Ich lächele ihn an und spüre dabei eine seltsame Verbindung mit ihm. Er wohnt auf einem anderen Kontinent und doch gibt es in seinem Inneren eine Spur bekanntes. Es ist so seltsam... Ich komme in eine andere Welt wo alles fremd ist und doch fühle mich in der Gesellschaft dieses Zauberers wie zu Hause. Fühlen sich die Hellmagier auch so? Das bezweifele ich.

/Ende Rückblende

„Gibt es denn ein Problem?" ertönt eine tiefe männliche Stimme in meinen Kopfhörern.

Ich bringe die Kopfhörer an Phils Ohr näher und wir beide halten den Atem an.

„Es ist nur... ein paar komische Kerle sind mir gefolgt", sagt Laetitia atemlos.

Ich schlucke und mein Herz beginnt zu rasen. Meine Freundin ist alleine mit diesen Zauberern da... Und sie ist ganz hilflos. Na ja, sie hat ihre zwei Stäbe dabei, aber ich denke nicht, dass sie es mit zwei erwachsenen Hellmagiern und ausgebildeten Kämpfern aufnehmen kann.

„Aber..." Sie macht eine Pause und dann spüre ich, dass sie lächelt. „Sie sind weg. Ich wette, sie haben euch gesehen. Danke!"

„Keine Ursache, Miss", sagt eine andere männliche Stimme. „Was wollten sie überhaupt?"

„Sie haben... mich angequatscht und wollten mit mir etwas trinken gehen", sagt Laetitia. „Sie sind mir hierher gefolgt, aber sie sind weg."

„Sie kommen aus Großbritannien, nicht wahr?" fragt einer der Zauberer.

Ich schlucke wieder und schließe die Augen. Bitte nicht. Laetitia hat mir schon bewiesen, dass sie meinen Akzent nachahmen kann. Aber das geht nur, wenn sie ihre Worte vorsichtig ausspricht und darauf achtet, was und wie sie es sagt. Ein längeres Gespräch würde sie nicht durchstehen können.

„Ja", sagt Laetitia fröhlich. „Ich besuche meinen Onkel. Er ist ein großartiger Mann und ich bin froh, dass er mich hierher eingeladen hat. Amerika gefällt mir."

Und so geht es weiter. Sie reden über unwichtige Sachen und Laetitia denkt sich eine Lüge nach der anderen aus, dabei fröhlich lächelnd und mit ihnen redend, als wären sie beste Freunde. Mir pocht das Herz in der Kehle als das Gespräch endet und eine lange Pause eintritt.

„Charmantes Mädchen", hören wir eine Stimme.

Phil und ich wechseln Grinsen. Ihr ist es gelungen, die Wanze entweder in die Tasche eines der Zauberer fallen zu lassen oder auf den Ärmel zu befestigen. Wie dem auch sei, hören wir ihre Stimme nicht mehr sondern die Stimmen der zwei Hellmagier. Ich drücke die Aufnahmetaste und Phil grinst breit. Zwar hat er nicht begriffen, was 'aufnehmen' bedeutet, aber er weiß, dass wir uns auf diese Weise das Gespräch nach Belieben wieder anhören können.

„Großbritannien?" flüstert die andere Stimme. „Sollen wir ihr nicht für eine Weile folgen, um sicher zu sein, dass diese Kerle weg sind?"

„Dafür sind wir leider nicht zuständig", sagt die andere Stimme seufzend. „Und außerdem müssen wir gleich los. Gehen wir, wir haben genug Zeit verschwendet."

„Du kannst es aber nicht leugnen, dass die Kleine einen sehr hübschen Po hat", murmelt die andere Stimme. „Und ich kann sehr gut verstehen, dass Kerle sie zum Kaffee einladen."

Ich knirsche mit den Zähnen. Zwei erwachsene Zauberer schauen meiner Freundin hinterher? Schweine...

„Wie lautet die Adresse?" ertönt die Frage in meinen Kopfhörern.

Patricia startet den Motor und der Wagen fährt langsam an dem Café vorbei. Ich sehe kurz zwei Zauberer, welche die Straße zusammen überqueren.

„Apparieren wir?" höre ich die Frage.

Als ich wieder aus dem Fenster hinaus gucke, sind sie weg.

„Elfte Straße einundzwanzig", sage ich laut zu Patricia sobald Laetitia im Wagen mit einem Knall appariert. Der schwarze Wagen fährt schnell die Straße entlang, wobei ihm die anderen Autos und Bussen aus dem Weg springen. Ich mustere meine Freundin, die sich zu mir setzt.

„Na?" fragt sie herausfordernd. „Wie war das?"

Sie zwinkert mir zu und Phil lächelt, sie zufrieden und billigend musternd.

„Ausgezeichnet", ist er der Meinung.

Sagt er das nur weil sie hübsch ist? Oder weil ich ihn finster anschaue?

„Das war echt leichtsinnig", murmele ich. „Du hättest nicht zehn Minuten lang mit ihnen reden sollen. Und dabei hast du dir eine Menge ausgedacht. Was wenn sie deine Geschichte überprüfen?"

„Sei nicht lächerlich, Schatz", antwortet Laetitia, die anmutig ihre Beine übereinander schlägt.

Der Wagen zittert heftig und Patricia flucht. Die nächste Sekunde fährt sie aber weiter. Anscheinend ist der magische Verkehr genauso verrückt wie der Muggelverkehr.

„Sie haben wichtigeres zu tun, als sich über irgendwelches Mädchen Gedanken zu machen", sagt Laetitia.

„Sie hat Recht", wirft Phil ein.

„Wir sind da", verkündet Patricias Stimme.

„Ihr haltet Ausschau, ich höre weiter", sage ich, die Kopfhörer gegen meine Ohren pressend.

Bisher haben die Zauberer geschwiegen, jetzt aber führen sie ein interessantes Gespräch.

„Was hat er gesagt?"

„Es geht um einen Zauberer, der jedoch wie du siehst, in einem Muggelviertel wohnt. Warum, ist mir schleierhaft. Aber in Ordnung. Nun, einer seiner Nachbarn hat etwas seltsames bemerkt, was unserem Informanten, der mit Muggelauroren zusammenarbeitet, aufgefallen ist. Die Kinder des Nachbars sind nämlich um das Haus geschlichen und haben gesehen, wie der Mann da oben im Zimmer mit Kerzen rumläuft und laut auf Latein spricht. Sie haben auch seltsame Blitze gesehen. Und unser Experte für Schwarzmagie meint, wir sollen es checken."

„Wie wissen wir, dass es um einen Zauberer handelt?"

„Wir haben seinen Namen überprüft. Malcolm Reilly, dreiundvierzig Jahre alt, arbeitet in einem Bücherladen und hat keine Familie. Seine Eltern sind aus Irland ausgewandert und hergekommen. Er hat keine Frau, keine Kinder und laut dem Nachbar auch keine Freunde. Keiner kommt zu Besuch."

„In Ordnung, das hört sich verdächtig an. Dass er keine Familie hat, kann man schon verstehen. Aber wer hat schon keine Freunde?"

„Wir sollen uns sein Haus anschauen aber zuerst feststellen, ob er zu Hause ist. Es sind noch vier Stunden bis zum Feierabend also sollte er nicht zu Hause sein."

Stille.

„Malcolm Reilly", flüstere ich Phil zu. „Sagt dir der Name etwas?"

Er runzelt die Stirn. Schließlich zuckt er mit den Achseln.

„Er arbeitet in einem Bücherladen", füge ich hinzu.

Er zieht die Augenbrauen in die Höhe.

„Ja, ich habe schon die Geschichte von einem Zauberer gehört, der in einem Bücherladen arbeitet und sich für obskure aber meistens dunkle Bücher interessiert", sagt er. „Aber wir haben keine Beweise, dass er ein dunkler Magier ist, sonst hätten wir schon mit ihm gesprochen."

Ich hebe die Hand als eine der männlichen Stimmen wieder in meinen Kopfhörern ertönt und Phil verstummt.

„Tja, Pech gehabt", sagt einer der Zauberer leise. „Er ist zu Hause. Ich habe Musik aus der Küche gehört."

„Echt? Vielleicht ist er krank und ist heute nicht zur Arbeit gegangen. Wir sollten aber checken, ob er wirklich zu Hause ist, um sicher zu sein."

Rascheln und Schritte. Schließlich deutet Patricia auf das Fenster und ich werfe einen Blick nach draußen. Zwei Zauberer entfernen sich und gehen in Richtung Restaurant direkt über die Straße.

„In Ordnung", sage ich, die Kopfhörer abstellend. „Wir haben etwas Zeit bis sie zurück kommen und wir sollen sie auch gut nutzen. Wenn dieser Zauberer doch dunkle Rituale praktiziert – und so hört es sich an – sollen wir schnell mit ihm reden und ihn von der Anwesenheit der Agenten benachrichtigen."

„Ich gehe", sagt Phil, seinen Umhang zuknöpfend.

„Ich auch", sage ich entschlossen. Laetitia erhebt sich, aber ich lege eine Hand auf ihre Schulter.

„Nein", sage ich. „Sie haben dich schon gesehen. Und du hast schon deine Aufgabe erfüllt. Jetzt bin ich an der Reihe."

Sie macht einen Schmollmund, lässt sich aber wieder nieder. Patricia dreht sich ihr lächelnd zu und bietet ihr Kekse an, als Phil die Wagentür hinter uns zuknallt.

„Wir sollen den Seiteneingang benutzen", sage ich. „Falls es so was in Häusern in Amerika gibt."

Phil grinst mich an und nickt.

Denn in Amerika ist alles anders. Die Straßen und die Wagen sind riesig; auch die Häuser scheinen viel größer als jene zu sein, die ich gewöhnt bin. Der Kaffee ist wässrig und der Tee ein wenig komisch und geschmacklos. Nicht zu erwähnen dass der Verkehr auf der anderen Seite der Straße verläuft. Aber ich bin ja in Großbritannien aufgewachsen...

Zu meiner großen Überraschung und zu keiner so großen Überraschung von Phil (schließt man in Amerika die Türen nicht zu?), steht die Seitentür offen. Den Grund dafür erfahren wir erst in letzter Sekunde. Der Zauberer stapelt nämlich Kisten und die Tür schwingt auf gerade in dem Moment, in dem Phil vorhat, reinzukommen.

Augenblicklich weitet der Zauberer die Augen und rennt hinein. Ich folge Phil auf den Fersen, mich fragend, was das sein soll. Sind sie sich schon früher begegnet? Oder war die Tatsache, dass ein Zauberer gerade vorhatte, in sein Haus einzudringen, genug für Malcolm Reilly?

„Malcolm, warte!" höre ich Phils Stimme. „Ich bin ein Todesritter! Und wir kommen, um dich zu warnen!"

Stille. Ich betrete das Wohnzimmer und erblicke Phil, der dem Zauberer gegenüber steht. Der Ire starrt ihn wortlos und vorsichtig an.

„Du bist Phil Richardson", sagt Malcolm mit heiserer Stimme. Sein Blick fällt auf Phils Totenkopfring. „Ja, ich erkenne dich. Wer ist mir hinterher?"

Malcolm Reilly ist etwa sechs Fuß groß, glatzköpfig und trägt ein Sweatshirt, das auf seinen Schultern wie auf einem Kleiderbügel hängt. Die Umrisse seiner dünnen Beine, die mir wie Zahnstocher vorkommen, kann man nur vage durch das steife Material seiner übergroßen Jeans erkennen. Der Ausstattung seines Hauses nach zu schließen ist er nicht arm (aber auch nicht reich) und der einzige Schluss, der sich aus seinem Aussehen ziehen lässt, ist dass er sich um sein Äußeres überhaupt nicht schert.

„Zwei Agenten", sagt Phil. „Sie denken, dass du dich mit dunklen Ritualen beschäftigst und möchten dich checken. Momentan sind sie im Restaurant über der Straße, aber sie werden bald zurück kommen."

„Oh Scheiße", murmelt Malcolm und schaut sich nervös um.

„Ist das wahr?" fragt Phil als Malcolm einen Koffer hervorzieht und ihn schnell aufmacht.

„Ist was wahr?" fragt Malcolm, seinen Stab vom Tisch eilig holend.

„Dass du dich mit dunklen Ritualen beschäftigst", wiederholt Phil seine Worte.

Malcolm hält inne und schaut ihn verwirrt an. Dann zuckt er mit den Achseln.

„Ja", sagt er leise. „Na und?"

„Und weswegen hast du nicht mit uns gesprochen?" fragt Phil verzweifelt. „Wir hätten dich aufgenommen und beschützen können. Wir hatten keine Ahnung, dass du ein dunkler Zauberer bist, obwohl du schon unsere Aufmerksamkeit erregt hast."

Malcolm lacht und schüttelt den Kopf.

„Ich weiß, was es bedeutet, ein Todesritter zu sein", erwidert er. „Aber sehen Sie, ich habe keine Lust auf Menschen. Ich halte mich aus eurem Kampf raus; und möchte nur, dass mich alle in Ruhe lassen."

„Nun das geht nicht", meint Phil.

Malcolm wedelt mit dem Stab und ein paar dicke Bücher sausen an mir vorbei, die er schnell verkleinert und in den Koffer wirft. Zweifelsohne illegaler Lesestoff.

„Wenn man ein dunkler Magier ist, ist man eine Minderheit. Aus diesem Grund gibt es die Todesritter. Wir beschützen einander und halten zusammen. Hättest du uns gesagt, womit du dich beschäftigst, hätten wir dich aufgenommen und du wärst heute nicht in der Situation, in der du bist."

„Mich aufgenommen?" fragt Malcolm. „Ich habe keine Familie, kein Geld und keine Beziehungen in der Regierung. Ich arbeite als Buchhändler. Und die Todesritter hätten jemanden wie mich aufgenommen? Wirklich. Ihr Leute seid die Elite der Gesellschaft und einer der Gründe, warum man euch nichts nachweisen kann, ist weil ihr alle stinkreich seid und Kontakte in der Regierung habt. Ich wiederum habe nichts dergleichen – und möchte nur, dass man mich in Ruhe lässt."

Phil seufzt. Anscheinend gibt es Gerüchte in der Zauberergesellschaft von New York, gegen die die Todesritter ständig kämpfen. Ich sehe deutlich, dass Phil genervt ist, dass er aber dem Zauberer helfen möchte.

„Na schön", sagt er so ruhig wie möglich. „Packe deine Sachen und dann komm mit. Wir werden uns um dich kümmern."

Malcolm wirft mir einen schnellen Blick zu, als hätte er gerade bemerkt, dass auch ich dastehe.

„Ist die denn auch ein Todesritter?" fragt er, auf mich deutend. „Das glaub ich nicht."

Ich ducke als ein Schwert auf ihn zufliegt. Malcolm verkleinert es mit einem bösartigen Grinsen in meiner Richtung. Ja, definitiv ein Schwarzmagier.

„Sie ist einer der Diener des dunklen Prinzen", sagt Phil. „Sie kommt aus Großbritannien."

Malcolm richtet sich auf und mustert mich. Ich ziehe herausfordernd die Augenbrauen in die Höhe.

„Eine Dienerin?" wiederholt er ernst, mich anschauend. „Wirklich?"

Ich verdrehe die Augen und krempele meinen Ärmel hoch. Malcolms Gesicht wird blass wie der Tod als er die immer leicht bewegende schwarze Sonne erblickt und er geht schnell zurück zu seinem Koffer.

„Ich komme mit", sagt er leise, den Koffer endlich zumachend und ihn mit einem Wink seines Stabes verkleinernd. „Aber nur wenn auch sie mitkommt."

Er deutet auf mich.

„Na klar", sage ich. „Die anderen warten auf uns, komm."

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Erschöpft steige ich aus dem Wagen heraus und betrete zusammen mit Patricia Phils Manor. Ich höre laute Stimmen und Gelächter aus dem Salon. Phils Frau, die heute ein kurzes Kleid trägt, sitzt bei Laetitia und sie lachen über etwas. Obwohl sie schon fünfundvierzig und ein wenig pummelig ist, kleidet sich diese Frau wie ein Teenager. Geschmackvoll aber doch etwas übertrieben. Wenn man sich aber Phil anschaut, versteht man einer der Gründe dafür. Phil ist gut aussehend und die Frauen werfen sich zweifelsohne auf ihn. Seine Frau scheint zu versuchen, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und ihn bei sich zu behalten, was ihr, allem Anschein nach, immer wieder gelingt.

Phil dreht sich um und schaut mich neugierig an.

„Du siehst total kaputt aus", meint er.

„Aber ich habe viel herausgefunden", sage ich zufrieden, mich zu Laetitia setzend und einen Arm um ihre Schultern legend, was deutlich allen Anwesenden sagt: 'meins'.

„Ich habe viele Namen und ich weiß jetzt, wie sie funktionieren und wie sie miteinander kommunizieren", fahre ich fort. „Morgen werden wir versuchen, eines ihrer Kommunikationsmittel zu klauen. Schade, dass die Wanze zerstört worden ist. Der Hauself des Zauberers hat nämlich sein Hemd gewaschen."

Laetitia verzieht das Gesicht.

„Aber das war eine gute Idee", sage ich zu ihr gewandt. „Sie in seine Hemdtasche zu werfen."

„Danke", sagt Laetitia lächelnd.

Sie sieht sehr zufrieden mit sich aus. Und das soll sie auch.

„Morgen gehen sie wieder das Haus Malcolms besuchen", fahre ich fort, in seiner Richtung nickend.

Seit ich den Salon betreten habe, hat er mich ohne zu blinzeln angeschaut. Er scheint größeren Respekt mir als Phil gegenüber zu haben. Was ein dunkles Mal auf dem Unterarm nicht bewirken kann...

„Und wir kommen auch", sage ich, mir dir Augen reibend. „Wenn es uns gelingt, unbemerkt eins ihrer Kommunikationsmittel zu klauen, wäre das ein großer Erfolg. So werden wir mehr wissen können. Vielleicht auch herauszufinden, wo sich ihr Hauptquartier – wenn es eins gibt – befindet."

Phil lacht und schüttelt den Kopf.

„Und das alles mithilfe der Muggeltechnologie", sagt er, mich beeindruckt anschauend. „Jetzt sehe ich, warum der dunkle Prinz dich so schätzt."

„Ich habe von dir schon gehört", sagt Malcolm, der mich genau beobachtet. „Du warst einmal die beste Freundin des Prinzen."

Warum behaupten alle, dass der dunkle Prinz keine Freunde hat? Weil er ja der dunkle Prinz ist?

„Bin ich noch immer", sage ich etwas gereizt. „Aber der dunkle Prinz ist normalerweise viel zu beschäftigt, um mit mir jeden Tag Tee zu trinken."

„Natürlich", murmelt Malcolm, sich die Lippen leckend.

Ihm scheint eine Frage auf der Zunge zu liegen.

„Ist es wahr, dass er ein Nekromantiker ist?" wagt er sich endlich die Frage zu stellen.

„Ja", sage ich achselzuckend.

Malcolms Augen leuchten.

Noch eine Person, die von den dunklen Ritualen besessen ist. Man sieht es in seinen Augen.

„Du weißt nicht zufällig etwas über seine Arbeit?" fragt er.

Und er muss nicht sagen, welche Arbeit er damit meint.

„Ich weiß, aber ich kann dir nichts sagen", sage ich kopfschüttelnd.

„Natürlich, tut mir leid", sagt er leise. „Aber... könntest du mir einen Gefallen tun? Einen großen Gefallen?"

„Sag mir worum es geht und ich werde sehen, ob es machbar ist", sage ich.

„Nun..." fängt er unsicher an. „Ich habe einige Theorien, was die dunklen Rituale angeht. Einige... kontroverse Theorien. Und ich würde ihm gerne ein paar meiner Arbeiten schicken, damit er sie lesen kann. Ich würde so was gerne mit ihm teilen. Vielleicht schreibt er mir zurück?"

Eigentlich klingt das nach etwas, was dem Prinzen gefallen würde.

„Das kann ich tun", sage ich nach einer Pause.

„Ausgezeichnet", sagt Malcolm und strahlt mich an.

Der Mann ist wortkarg, lächelt fast nie und scheint immer etwas interessantes auf seinen Schuhen zu finden. Kurz gesagt, er benimmt sich ein wenig seltsam und man merkt, dass er kein Gesellschaftswesen ist, was auch unter Schwarzmagiern nicht ungewöhnlich ist. Er beschäftigt sich zweifelsohne tagein und tagaus mit dunklen Ritualen, schreibt seine eigenen und liest über die schon existierenden.

„Weißt du, ich habe ein wenig Zeit mit Muggelmagiern verbracht", sagt er.

Ob es am Schock liegt, dass er früher mehr als zwei Worte gesagt hat oder am gleich gesagten, ist unklar. Aber wir alle starren ihn sprachlos an.

„Ihr wisst nichts darüber?" fragt Malcolm, in die Runde blickend. „Es gibt Muggel, die sich mit Magie beschäftigen. Natürlich vermögen sie keine Magie im Sinne, in dem wir sie vermögen, aber es ist doch etwas wie Magie was sie tun. Sie führen auch Rituale durch. Und obwohl sie damit nicht Resultate wie wir bekommen können, scheinen sie gute Methoden und interessante Ideen zu haben. Ich persönlich bin ein Mitglied von zwei solchen Organisationen und ich bin sehr geschätzt. Natürlich wissen sie nicht, dass ich ein echter Zauberer bin. Ich habe aber ihre Methoden und Techniken studiert und sie in meine eigene Arbeit eingebaut."

„Da der dunkle Prinz für neue Sachen offen zu sein scheint, denke ich, dass ihn meine Schlüsse und meine Arbeit im Allgemeinen interessieren würden." sagt er zu mir gewandt.

Ich habe noch nie von so was gehört. Natürlich weiß ich, dass die Muggel manchmal Hexen spielen aber ich habe gedacht, dass sie so was nur an Allerheiligen tun. Dass es tatsächlich Leute gibt, die es ernst nehmen, habe ich nie gedacht.

Dieser Zauberer ist interessant. Und ich denke, dass der dunkle Prinz meine Meinung teilen würde.

„Kannst du mir einen Beispiel geben?" frage ich in die Stille.

Anscheinend sind alle zu schockiert um Fragen zu stellen, denn sie wissen einfach nicht, was sie Fragen sollten.

„Klar", sagt Malcolm und lächelt kurz.

„Natürlich gibt es auch unter Muggeln zwei Ströme, den hellen und den dunklen", fängt er an.

Mir kommt er wie ein alter Professor vor, der, wenn man ihm eine Frage über seine Arbeit stellt, enthusiastisch beginnt darüber zu reden. Das ist eindeutig sein Lieblingsthema, über das er mit keinem reden kann.

„Ich hatte kein Interesse an dem hellen. Man scheint zu glauben, dass man durch Gebet und durch Liebe für alles existierende Glück und Ruhe bekommen kann. Wahrscheinlich gibt es auch etwas wertvolles in ihrer Arbeit, aber ich wollte mich mit nicht damit beschäftigen. Nein, ich habe mich dem dunklen Strom zugewandt. Unter ihnen gibt es auch manchmal Extreme. Es gibt Menschen, die nicht glücklich sind, die kein Geld und keine Familie haben und sich deswegen dem dunklen Strom zuwenden. Und es gibt auch jene, die die Vorstellung des Bösen aufregt, einfach weil das Böse von der Gesellschaft geurteilt und gemieden wird."

„Sie fühlen sich von dem Verbotenen angezogen", wirft Laetitia ein. „Das können wir alle verstehen."

Malcolm nickt ihr zu.

„Aber es gibt auch jene, die eigentlich auf etwas aufgestoßen sind", fährt der Schwarzmagier fort. „Die vielleicht das Werk der uralten Schwarzmagier gespürt haben und die versuchen, sie nachzuahmen. Dabei benutzen sie eine Menge geistiger Werkzeuge, die vielleicht den echten Magiern nie eingefallen wären, einfach weil sie ihre Magie haben, um Sachen zu bewirken."

„Durch die kollektive Energie und die Herkunft, welche die echten dunklen Magier hinter sich gelassen haben, können sie doch etwas erreichen. Sie arbeiten jedoch nicht alleine. Sie arbeiten zusammen, mindestens fünfzehn von ihnen, und jeder hat im Ritual seine eigene Aufgabe."

„Das ist sehr interessant, Malcolm", sage ich.

Und ich meine es. Ich finde es einfach faszinierend.

„Und ich werde davon dem Prinzen erzählen", sage ich lächelnd.

Malcolm sieht so aus, als wäre Jul dieses Jahr früher gekommen. Er strahlt mich wieder an.

„Danke", sagt er glücklich. „Das bedeutet mir viel. Es ist mein Lebenswerk und ich kann mir niemanden anderen vorstellen, mit dem ich meine Arbeit lieber teilen würde, als mit dem dunklen Prinzen. Er wird sie verstehen."

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Nachdem wir uns in unser Zimmer zurückgezogen haben, ist Laetitia schnell ins Bett gegangen. Ich wiederum lag für noch eine Weile wach, mich im Bett herum wälzend und darüber nachdenkend was heute passiert ist.

Sie scheint auf mich sauer zu sein, möchte aber nichts laut sagen. Sie benimmt sich wie üblich, hält jedoch eine gewisse Distanz zu mir die mir sofort auffällt. Normalerweise neigt sie dazu, mich ständig zu umarmen und mich mit Zärtlichkeiten zu überschütten, aber diesen Abend hat sie mich nicht einmal geküsst, sondern hat sich sofort ausgezogen und ist unter die Decke gekrochen.

Ich bin ja nicht dumm, ich weiß, warum sie sauer auf mich ist. Ich hätte sie nicht aufhalten sollen, als sie zusammen mit mir und Phil in Malcolms Haus gehen wollte. Und ich hätte sie nicht ständig warnen sollen, als sie ging um die Wanze zu verstecken. Ich kann mir aber nicht helfen. Natürlich denke ich nicht, dass sie ein Kind ist und dass man sie ständig bewachen soll, aber sie ist etwas naiv und neigt dazu, impulsiv zu handeln, was natürlich in einem Fehler resultieren kann. Sie beweist mir ständig, dass sie allen Herausforderungen gewachsen ist, aber ich fühle mich noch immer dazu verpflichtet, mich um sie zu kümmern.

Ich sollte mich entschuldigen, denn offensichtlich habe ich sie verletzt. Sie möchte sich brennend bewähren und ich benehme mich wie ihre Mutter, die es ihr einfach nicht erlaubt. Und die Angst, dass etwas schiefgehen und ihr passieren könnte, soll mich nicht davon abhalten, ihr eine Chance zu geben.

Vielleicht soll ich sie wecken. Eine Knutscherei würde bestimmt helfen und dazu werde ich mich entschuldigen.

Klingt nach einem guten Plan. Ich drehe mich zur Seite und lege vorsichtig eine Hand auf ihren Körper, der sich unter der Decke abzeichnet. Sie rührt sich nicht als ich zärtlich über ihren Körper fahre. Langsam stecke ich eine Hand unter die Decke und beginne ihren Körper zu erforschen. Sie seufzt im Schlaf und kuschelt sich an mich. Ich lächele. Soll es teilweise ein Traum sein, mir ist es egal. Solange es hilft...

Ich fahre über ihre nackten Brüste und sie stöhnt. Ist sie wach? Unmöglich zu sagen. Soll ich es weiter treiben? Bewusst, dass mir vor Erregung sehr heiß ist, stecke ich langsam meine Hand in ihre Unterwäsche. Sie leckt sich die Lippen. Ich lehne mich nach vorne und fahre mit der Zunge über ihr Ohrläppchen. Ich weiß auch, dass sie es liebt, wenn ich ihren Hals küsse. Sie stöhnt als meine Finger weiter nach unten wandern.

Man kann es nicht wirklich Sex nennen, aber weiter haben wir es nicht getrieben. Vielleicht habe ich Angst, ob ich es schaffe, sie zu befriedigen oder nicht, denn ich habe ja so was nicht versucht. Vielleicht habe ich kein Vertrauen zu meiner Zunge, zu meinen Fingern schon. Obwohl ich mir sehr wünsche, wir könnten auch so was ausprobieren, haben wir nie darüber gesprochen. Aber vielleicht ist die Zeit dazu noch nicht reif. Mit Laetitia scheinen sich die Sachen von alleine zu entwickeln also wenn ich spüre, dass noch nicht die Zeit dafür ist, dann ist es wahrscheinlich so.

„Hermine", flüstert sie. („Was machst du da?")

Ich lächele. Ich benehme mich wie ein scharfer Junge, der vor Erregung nicht schlafen kann und Befriedigung sucht. Und hier liegt eine halbnackte Frau in meinem Bett, welche Tatsache man einfach nicht ignorieren kann.

(„Gefällt es dir denn nicht?") frage ich in ihr Ohr.

(„Natürlich gefällt es mir",) antwortet sie.

Wenn sie Französisch spricht, macht es mich total verrückt. Kann es sein, dass Französisch mich scharf macht?

(„Dann machen wir weiter",) sage ich, meine Finger tiefer in ihre Unterwäsche steckend.

Sie stöhnt und ich presse mich gegen sie. Hoffentlich wird uns keiner hören. Es war nicht meine Absicht, solche Sachen im Bett unseres Gastgebers zu machen, aber man kann kaum erwarten, dass zwei Teenager auf Sex verzichten werden während sie unterwegs sind.

Urplötzlich ertönt die gedankliche Stimme des dunklen Prinzen in meinem Kopf und ich ziehe mich zurück. Als ihm klar wird, was gerade im Gang ist, spüre ich, wie er teuflisch grinst.

„Hermine?" flüstert Laetitia, die ihren Kopf in meiner Richtung dreht. („Was ist?")

(„Der dunkle Prinz,") antworte ich, mich aufsetzend.

'Es ist Nacht', denke ich etwas genervt, zwei Finger auf das dunkle Mal legend.

'In Frankreich jedoch nicht', meint der dunkle Prinz. 'Bericht. Ich weiß schon, dass ihr Sex habt. Was gibt es noch?'

Ich knirsche mit den Zähnen. Das ist wieder mal typisch. Er macht sich über solche Sachen lustig. Und wäre ich in sein Schlafzimmer während er Sex mit Draco hat reingeplatzt, hätte er mir die Seele aus dem Leib geflucht.

Schnell berichte ich ihm von allem, was wir bisher getan haben und mit jedem gedanklichen Wort und jedem Bild wird er zufriedener.

'Sehr gut', denkt er. 'Haltet mich auf dem Laufenden.'

Er hört sich ziemlich zufrieden an. Ich spüre, dass er in seinem Arbeitszimmer alleine sitzt und von Büchern umgeben ist. Aber bevor ich fragen kann, welche Neuigkeiten es gibt, verschwindet seine Gegenwart aus meinem Geist und ich schüttele den Kopf.

Seufzend schaue ich auf Laetitia, deren Augen geschlossen sind. Und dem regelmäßigen Atem nach zu urteilen, schläft sie.

oooooooooooooooooooo

Nachdem ich meine dritte Kaffeetasse geleert habe, denke ich, dass ich endlich für die Mission bereit bin.

Phil wirft mir einen missbilligenden Blick zu.

„Weißt du, ich fasse es einfach nicht, warum du Kaffee so magst", sagt er. „Denn es gibt Tränke, um einen wach zu halten. Und außerdem sind sie viel schneller und wirksamer."

„Eine Gewohnheit", sage ich achselzuckend. „Und außerdem mir gefällt der Geschmack."

Laetitia kommt gähnend rein und setzt sich zu mir.

„Fertig?" fragt sie, einen Blick meiner leeren Kaffeetasse zuwerfend.

Heute trägt sie enganliegende schwarze Jeans und ein bequemes Sweatshirt. Sie hat ihr langes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und scheint, im Großen und Ganzen, für einen anstrengenden Tag voller Aktion bereit zu sein. Dazu riecht sie herrlich.

„Ja, gehen wir", sage ich entschlossen.

Da wir einfach nicht ins Zaubererviertel New Yorks apparieren können – denn wir möchten nicht die Aufmerksamkeit unnötig auf uns zu lenken – steigen wir wieder in den schwarzen Wagen mit einer fröhlichen Patricia am Steuer. Trotz der Müdigkeit und der vielen Stunden, die sie gestern im Auto verbracht hat sieht sie aufgeregt aus und begrüßt uns enthusiastisch.

Gestern habe ich ein Gespräch zwischen fünf Agenten belauscht und habe eine Menge Information gesammelt. Sie haben über die anderen Kollegen und Kolleginnen, über ihre Aufgaben und über ihre Arbeit im Allgemeinen geredet. Der Ton war nicht perfekt, denn sie befanden sich an einem Ort, wo es eine Menge Magie in der Luft gab, aber trotzdem habe ich alles aufgenommen und es lässt sich problemlos aus dem Kontext schließen, worüber sie reden, obwohl man nichts jedes Wort versteht.

Und heute werden wir es weiter treiben. Heute werden wir versuchen, eines ihrer Kommunikationsmittel zu kriegen, was uns meiner Meinung nach weiterhelfen wird.

Der Plan ist eigentlich ziemlich einfach. Ihre Uhren sind so verzaubert worden, dass sie wie eine Art Kommunikationsmittel dienen. Wir nehmen an, dass die Agenten sie immer dabei haben und nicht ablegen. Das heißt, falls sie etwas nicht dazu zwingt. Es ist auch wichtig, dass sie nicht mitbekommen, was da vorgeht und dass jemanden ihren Uhren hinterher ist. Was sich vielleicht viel schwieriger als der Diebstahl an sich erweisen wird. Mir ist natürlich klar, dass sie am Ende – das heißt, falls es uns gelingt eine Uhr zu stehlen – wissen würden, dass jemand ihre Uhr für üble Zwecke gestohlen hat, aber dagegen können wir nichts unternehmen. Phil versichert mir, dass auch wenn sie die der Zauberwelt bekannten Schwarzmagier festnehmen nichts erreichen werden können. Und außerdem habe ich die Erlaubnis des dunklen Prinzen, mit meinem Plan vorzugehen.

Gestern ist Laetitia gegen einen der Agenten gestoßen und hat sich so benommen, als wäre sie nervös und außer sich. Und sie kann die Rolle von einem hübschen und nervösen Mädchen, das einen Retter braucht, gut spielen. Das hat sie gestern bewiesen. Heute aber gehen wir anders vor. Heute werden wir eine Prügelei veranstalten.

Und es gibt eine Menge Freiwillige. So bald Phil meinen Vorschlag etlichen Todesserittern vorgelegt hat, hat sich eine Menge freiwillig gemeldet, daran teilzunehmen. Sie befinden sich momentan überall auf der Hauptstraße im Zaubererviertel und viele haben ihr Aussehen geändert. Sie warten auf Phils Signal. Sie werden ganz in der Nähe der Agenten eine Prügelei starten und Phil oder sonst jemand soll eine der Uhren klauen.

Während wir so mit dem Wagen durch die Straßen New Yorks sausen, fällt mir etwas ein und ich drehe mich Phil zu.

„Es soll ein Hund sein", sage ich.

Phil gafft mich ahnungslos an.

„Wie bitte?" fragt er.

„Einen Hund würde keiner verdächtigen. Und Hunde, sowie alle Tiere, fühlen sich von dem Lärm angezogen. Einer von uns soll einen Hund spielen und die Uhr klauen. Denn sie werden jeden, der überhaupt etwas versucht, als einen Feind betrachten. Einen Hund jedoch nicht."

„Ich tue es", meldet sich Laetitia zu Wort.

Sie schaut mich anflehend an.

„Aber es soll bitte kein Hund sein, sondern eine Katze", fügt sie hinzu.

Phil seufzt und reibt sich die Augen.

„Meine Cousinen haben mich oft in eine Katze verwandelt", eilt sie zu erklären. „Sie dachten, es sei lustig. Später haben sie natürlich meiner Mutter gesagt, sie haben nur Verwandlung geübt. Aber es geschah öfter, als sie davon Bescheid wusste."

Sie schaut verlegen zu ihren Schuhen. Das klingt ihr gar nicht ähnlich. Sie hat so was erlaubt? Vielleicht ist es ein Kindheitstrauma, von dem ich nichts weiß? Ich werde sie später fragen.

„So bin ich stundenlang in der Form einer Katze durchs Haus rumgelaufen und habe gelernt, meine Pfoten für allerlei Sachen zu benutzen. Ich bin an die Katzenform gewöhnt und weiß, wie man sich bewegen soll. Ich schaffe es, das verspreche ich dir."

Vielleicht mag Crookshanks sie deswegen.

Phil und ich wechseln Blicke. Soll ich zu ihr jetzt nein sagen? Einmal habe ich ihr schon nein gesagt. Und auch wenn es uns viel kostet, sollte ich nicht wieder nein zu ihr sagen. Obwohl der Plan an sich sich total verrückt anhört. Ich erinnere mich an die Zeit, als jemand mich in eine Taube verwandelt hat und als ich durch das Fenster hindurch geflogen bin. Ich erinnere mich auch an das Gefühl von Hilfslosigkeit und Angst. Natürlich würde ich es ein zweites Mal besser tun. Der Schock war einfach zu viel für mich. Und außerdem hatte ich zu jener Zeit andere Sachen im Kopf.

Ich sollte ihr vertrauen. Ich kann sie nicht ewig von der Welt beschützen, nicht jetzt, da sie Harrys Anhängerin ist. Er hat sie zusammen mit mir hergeschickt, weil er glaubt, dass sie der Herausforderung gewachsen ist. Sie möchte mir tatsächlich beweisen, dass dem so ist.

Also trotz meines besseren Wissens...

„Weißt du, wo sie die Uhren tragen?" frage ich sie.

Phil schaut mich überrascht an, da es so aussieht, als werde ich es ihr tatsächlich gewähren.

„Ja klar, ich habe sie während des Gesprächs mit ihnen gesehen", sagt sie schnell. „Sie sind echt groß und hängen an einer Kette."

Ich nicke nachdenklich.

„Wir kommen mit", sage ich, Phil zunickend. „Wir werden vor einem Laden stehen und bei allem zuschauen. Falls es nötig ist, einzugreifen, werden wir das tun."

Er nickt und zuckt mit den Achseln.

„Also schön", sage ich zu Laetitia.

Ihre Augen sagen mir 'danke' und mein Herz macht einen Hüpfer; aber mein Verstand ist voller Zweifel und Ängste.

Phil schaut mit gepressten Lippen zu, wie ich meinen Stab zücke und Laetitia in eine Katze verwandele.

Eigentlich ist sie auch als Katze sehr hübsch. Ich habe es nicht absichtlich getan, aber ich habe sie in eine Siamkatze verwandelt. Die Katze schaut sich um, wedelt mit dem Schwanz und hüpft direkt in meinen Schoß.

„Sehr lustig", sage ich, sie hinter den Ohren kraulend.

Phil schaut lächelnd und verwirrt zu, wie die Siamatze sich an mich kuschelt und beginnt meine Finger zu lecken. Das ist ihre Art danke zu sagen.

Als ich die Wagentür öffne, springt die Siamkatze gleich hinaus. Während Phil Patricia letzte Anweisungen gibt, fühle ich mich beim Anblick daran, dazu gezwungen zu grinsen. Laetitia leckt sich eine der Pfoten mit so viel Anmut, dass einige der Passanten Kommentare dazu machen. 'Schau dir mal die Kleine an!' sagt ein Junge, seine Mutter am Ärmel zupfend. 'Mama, ist die nicht niedlich? Kann auch ich eine Katze bekommen? Eine wie diese?'

In Ordnung, sie kann sich wirklich wie eine Katze benehmen. Das beweist aber gar nichts. Mit rasendem Herzen treten wir in die Menschenmenge, die sich in Flüssen die Hauptstraße entlang bewegt. Ein paar Zauberer kommen an uns vorbei, welche Aktenmappen und altmodische Anzüge tragen und über irgendwelche Anklagen reden. Zwei Kinder versuchen ihre Mutter zu überreden, das neuste Besenmodell zu kaufen und ein alter Zauberer schlendert die Straße entlang, vor sich hinmurmelnd. Als ich an ihm vorbeikomme, schlägt mir der Alkoholgeruch entgegen und ich rümpfe die Nase.

Die Zaubergesellschaft New Yorks kann sich mit der von London nicht messen. Im Allgemeinen scheinen sich die Zauberer und Hexen frei zu fühlen sich so zu kleiden wie sie wollen. Da wir uns im Zaubererviertel befinden, muss sich keiner bemühen, wie ein Muggel auszusehen. Und Magie ist überall. Ich frage mich vage, ob es so etwas wie die Nokturngasse gibt und als ich Phil diese Frage stelle, lächelt er.

„Nicht hier", flüstert er mir ins Ohr. „Natürlich würden die Agenten jeden dieser Läden sofort verschließen. Aber es gibt ein paar Läden, die wie Muggelläden aussehen und von denen nur die Schwarzmagier Bescheid wissen. Aber man weiß ja nie, wann man enttarnt wird, also gibt es normalerweise einen Schwarzmarkt für schwarzmagische Gegenstände."

Das ist ja schlimmer als in London, geht es mir durch den Kopf. Wenigstens erlauben die britischen Behörden die bloße Existenz der Nokturngasse. Das hier aber ist eine Schreckensherrschaft.

„Sie denken natürlich, dass sie dadurch die Gesellschaft beschützen, aber dass tun sie in der Wirklichkeit nicht", sagt Phil ernst. „Denn wenn man etwas kaufen will, gibt es immer eine Person, die so etwas verkauft. Man muss nur wissen, wen man fragen muss. Wir hatten schon viele Spione in unseren Reihen, derer wir uns jedoch schnell entledigt haben."

Ermordet? Möchte ich es überhaupt wissen? Aber als ich mich umschaue und darüber nachdenke, wie es wäre, als Schwarzmagierin in New York zu wohnen und nicht die Freiheit zu haben, Bücher über die dunkle Magie oder giftige Pilze für Tränke zu kaufen, fühle ich, dass was auch immer die Todesritter mit diesen Menschen getan haben, nur gerecht war. Der dunkle Prinz hat Recht. Die einzige Sache, die keinen Preis haben soll, ist Freiheit. Denn wenn man nicht frei ist, ist man nicht wirklich lebendig.

Eine alte Hexe, der acht Katzen die Straße entlang folgen und gegen die Beine der genervten Passanten streichen, kommt gerade auf uns zu. Laetitia, die Katze zischt wütend und ich bücke mich, die Arme ausstreckend. Sie hüpft mir in die Arme, die Katzen weiter argwöhnisch betrachtend.

Und ich weiß warum. Ein Mensch kann nicht leicht zum Schluss kommen, dass sie keine Katze ist, aber eine echte Katze doch. Denn Laetitia riecht nicht wie eine Katze.

„Sie tun ihr nichts an", sagt die alte Hexe, die fauchende Laetitia musternd.

„Danke", sage ich, dabei versuchend, Phils Akzent nachzuahmen.

Die alte Hexe mustert mich von oben bis unten und geht weiter.

„Reinblütiger", murmelt sie vor sich hin. „Denken, dass auch ihre Katzen besser als unsere sind."

Phil und ich wechseln Blicke und er zuckt mit den Achseln.

„Ist das wahr?" frage ich ihn mit Unterton in der Stimme. „Malcolm hat schon darüber gesprochen. Er wagte es nicht, sich euch anzuschließen, weil er dachte, dass er zu arm sei und keine Verbindungen in der Regierung habe, um aufgenommen zu werden. Bezieht sich das auch auf die Reinblütigen? Sind die Todesritter eine Elitegesellschaft?"

Phil seufzt und verdreht die Augen.

„Natürlich nicht, das ist Unsinn", erwidert er. „Die Gesellschaft dient prinzipiell dazu, jedem Schwarzmagier eine Zuflucht und die Gesellschaft der Gleichgesinnten zu bieten. Dazu halten wir zusammen, das heißt, wenn jemand in Schwierigkeiten gerät, helfen wir ihm. Es gibt eine Menge Anwälte in unserer Gesellschaft, die jeden Tag daran arbeiten und damit ihre Leben aufs Spiel setzen, uns Schwarzmagiern die Chance zu geben, das zu sein, was wir sind. Sie setzen sich für uns ein und biegen die Gesetze, wann auch immer es möglich ist. Es gibt auch viele, die in der Regierung arbeiten und auch versuchen, sich für die Rechte der Schwarzmagier einzusetzen. Leider passiert es ab und zu, dass jemand von uns im Knast landet. In diesem Fall arbeiten wir daran, diese Person zu befreien, auf welche Weise auch immer."

„Klar, wir sind stolz auf unsere Abstammung und auf das, was wir sind", fährt er fort. „Wir glauben auch, dass wir klüger und besser als Hellmagier sind, einfach weil wir aufgeschlossener sind und ein komplettes Bild sehen können, im Gegensatz zu jenen, die von ihren Benimmregeln und Moralprinzipien gefesselt sind. Für uns heißt ein dunkler Magier zu sein mehr als lediglich ein Zauberer oder eine Hexe zu sein. Wir betrachten uns als die Elite dieser Gesellschaft, nicht weil wir reinblütig oder reich sind, sondern weil wir dunkle Magier sind."

Sagt er es nur, weil er weiß, dass es auch Halbblütige in den Reihen des dunklen Ordens gibt? Seine Worte haben mich trotzdem beeindruckt und alles, was er gesagt hat, klingt sehr bekannt. Denn ich habe selbst solche Sachen gesagt und habe auch andere aus dem Orden so reden gehört. Insbesondere den dunklen Prinzen.

Aber ich soll ihn nicht verurteilen. Der dunkle Lord hätte ihn nicht aufgenommen, hätte er nicht gedacht, dass der Mann der Inbegriff seiner Vorstellung des Anhängers des dunklen Stroms ist.

„Hier warten wir", sagt Phil, bei einem Bücherladen innehaltend. Er wirft der Siamkatze, die ich noch immer in meinen Armen trage, einen prüfenden Blick zu.

„Ich zeige dir die Agenten, sobald sie auftauchen", flüstert er zur Katze gebeugt.

Die Katze miaut und legt den Kopf schief.

Auch wie eine Siamkatze ist sie außerordentlich hübsch. Man bekommt fast einen Drang, sie fest an sich zu drücken und sie überall zu küssen. Ihr Fell scheint nach Frühling zu riechen...

Bloß nicht daran denken. Meine Libido spielt Streiche an mir. Es fühlt sich manchmal so an, als müsse ich all die Jahre, in denen ich meine Libido vollkommen ignoriert habe, in diesem einen Jahr erleben.

Phil zieht seine Pfeife hervor und füllt sie. Ich kraule Laetitia hinter den Ohren und mustere die Bücher, die im Schaufenster aufgestellt worden sind.

'Tipps für eine moderne Hexe', 'Zauber für ein gesundes und langes Leben' und 'Wie kann man wissen, dass ihr Traumzauberer fremdgegangen ist?' sind einige der Titel. Dann wird mir klar, dass ich die Frauenbücher anschaue. Ich schnaube und gehe zum Männerteil des Schaufensters. 'Das Leben eines Zauberers mit Vision – die Biografie des Zaubereipräsidenten Morgan', 'Die Hexen denken mit dem Kessel, die Zauberer mit dem Zauberstab', 'Nützliche Zauber, die man nie in der Schule lernt'. Also wirklich. Gibt es wirklich Frauen- und Männerbücher? Wir teilen die Welt in zwei – die Muggelwelt und die Zauberwelt. Dann teilen wir auch die Zauberwelt in die Hexenwelt und die Zaubererwelt. Ist die Zaubergesellschaft New Yorks so von den Stereotypen geprägt?

„Phil", spreche ich meinen Begleiter an. „Gibt es denn keine Schwulen und keine Lesben in der Zaubergesellschaft New Yorks?"

Er schaut mich verwundert an. Als wir uns kennengelernt haben, habe ich ihm Laetitia als meine Freundin vorgestellt. Und Phil weiß sehr wohl, dass der dunkle Prinz schwul ist.

„Aber natürlich", sagt er schnell. „Warum fragst du?"

„Weil es mir vorkommt, als würde die Zaubergesellschaft hier in Stereotypen denken", sage ich, dem Schaufenster einen Blick zuwerfend. „Dazu habe ich keine einzige lesbische Hexe gesehen. Ich würde es natürlich wissen. Ich weiß es einfach."

„Ich denke nicht, dass es eine andere Zaubergesellschaft auf der Welt gibt, die in diesem Hinsicht aufgeschlossener ist, als unsere", sagt Phil. Er wirft dem Schaufenster einen Blick zu. „Das ist kein guter Bücherladen, weißt du. Er verkauft nur Bestseller. Wenn man echte Bücher will, kann man sie nicht hier kaufen."

„Ich weiß nicht genau, wie es in Großbritannien und in Frankreich steht", fährt er fort, weil er sich offensichtlich dazu gezwungen fühlt, seine Einstellung und die Lage in New York angesichts der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu erklären. „Aber zudem gibt es auch unter uns, das heißt, unter den Schwarzmagiern, ein Brauch, die Ehe nicht ernst zu nehmen und zu experimentieren. Zum Beispiel bin ich verheiratet und gehe nur selten fremd. Aber es gibt Ehen und Partnerschaften, bei denen man so was als etwas positives betrachtet. Das heißt, man hat Sex mit jemandem anderen und wir glauben, dass das zu einer besseren Ehe beiträgt. Dabei gibt es unter uns viele Bisexuelle, die einfach alles genießen wollen, was das Leben zu bieten hat. Uns ist klar, dass wir nicht alles, was wir von einem Partner bekommen möchten, in einer Person finden können. Deswegen ist es logisch, noch eine Person, die einem etwas ganz anderes bieten kann, zu finden, sodass man ein erfülltes und glückliches Liebesleben führen kann."

„Ich verspüre nur selten den Wunsch, fremdzugehen. Ich und meine Frau sind glücklich so wie es ist und nach all den Jahren, die wir zusammen verbracht haben liebe ich sie noch immer. Es gibt nicht viel, was mir eine andere Frau anbieten kann. Aber ich habe es doch ausprobiert, um zu sehen, ob ich etwas verpasst habe. Sie hat es auch getan, aber das ist schon Jahre her."

„Aber es stört sie, wenn es passiert, nicht wahr?" frage ich.

Phil lächelt.

„Dir entgeht nichts, oder?" fragt er. „Ja, sie mag es nicht. Aber sie sagt auch nichts dazu. Ich würde auch nichts dazu sagen, wenn sie es mit einem anderen Mann für eine Weile treiben würde. Denn wenn sie so was braucht, muss sie auch so was bekommen, wenn sie es schon nicht von mir bekommen kann."

„Das ist eine sehr erfrischende Einstellung", stelle ich fest.

Während wir so geredet haben, habe ich Laetitia auf den Boden gesetzt, denn ich dachte, dass es zu auffällig wäre, wenn ich meine Katze zu lange in den Armen tragen würde. Jetzt wird mir jedoch klar, dass sie verschwunden ist. Ich schaue mich panisch um und erblicke sie endlich bei einem Schaufenster. Sie leckt sich wieder die Pfoten und ich frage mich, warum sie mich verlassen hat, als ich drei Zauberer und eine Hexe bemerke, die gerade ein Café verlassen.

Hellmagier, da gibt es keinen Zweifel. Aber es gibt hunderte von ihnen auf der Straße. Phils Augen wiederum blitzen auf und er hebt die Hand hoch. Er hat sie erkannt und das Signal gegeben. Drei Schwarzmagier, die nicht weit von uns entfernt stehen und Sandwichs essen, wechseln Blicke. Und blitzartig setzen sie meinen Plan um.

Sie beginnen Worte und Beleidigungen auszutauschen, die ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Auch die amerikanischen Schimpfwörter sind mir fremd und ich hätte mir nie vorstellen können, dass es solche Schimpfwörter überhaupt gibt. Als der erste Fluch abgeschossen wird, eilen noch drei Schwarzmagier mit gezückten Stäben auf sie zu und versuchen zu intervenieren. Aber als einer von ihnen einen Fluch ins Gesicht bekommt, stürzen sich die anderen wie Wölfe auf die erste Gruppe.

Die Passanten ziehen sich erschrocken in die Läden zurück und die Eltern versuchen verzweifelt ihre Kinder zu finden, sodass sie nicht zufällig in die Schusslinie kommen. Die drei Hellmagier und eine Hellmagierin jedoch wechseln Blicke und zücken ihre Stäbe. Ich schaue zu Laetitia. Die Siamkatze zittert am ganzen Leib und faucht erschrocken, sich um die Beine der Hellmagier schleichend. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie die Katze bemerkt haben, aber da sie momentan wichtigere Sachen im Kopf haben, schenken sie ihr keine Aufmerksamkeit.

Laetitia hingegen wartet auf ihren Moment. Meine Hand gleitet zu meinem Unterarm und umklammert meinen Stab. Phil legt warnend eine Hand auf meine Schulter gerade in dem Augenblick, in dem Laetitia, mit dem Schwanz hoch in der Luft, einen schnellen und kräftigen Satz macht und sich auf einen der Zauberer wirft, mit den Pfoten nach seiner Tasche greifend, in der er die Uhr trägt.

Es dauert einige Sekunden, bevor dem Zauberer klar wird, was da vorgeht, da er gerade dabei war zu versuchen, die Gruppe Schwarzmagier mit Betäubungszaubern außer Gefecht zu setzen. Als er jedoch die Siamkatze erblickt, die sich laut fauchend an seinen Umhang gekrallt und eine der Pfoten in seine Tasche gesteckt hat, beginnt er sich wie wild um sich zu drehen und versucht, sie abzuschütteln. Laetitia versucht natürlich, die Uhrkette kaputtzumachen, aber es scheint, dass sie Schwierigkeiten damit hat. Als der Hellmagier den Stab auf sie richtet, fluche ich und sprinte davon.

Früher war es eindeutig schwierig für mich, im Lauf zu zielen, jetzt aber nicht mehr. Als Laetitia mit der anderen Pfote den Stab des Zauberers zu zerkratzen versucht, richte ich meinen Stab auf den Umhang des Zauberers, der zerreißt.

Da Laetitia mit all ihrer Katzenkraft an der Kette gezerrt hat, lässt das sie in einem breiten Bogen durch die Luft fliegen. Und als mir der Gedanke, wen ich umbringen werde falls ihr etwas passiert ist, durch den Kopf geht, richtet sich die Siamkatze auf, schüttelt den Kopf und saust mit der Uhr in den Zähnen mit voller Geschwindigkeit die Straße entlang. Ich weiche einem Fluch aus, schieße einen Verwirrungszauber in Richtung des wütenden Hellmagiers, und drehe mich schnell um, Laetitia hinterher rennend. Aus dem Augenwinkel sehe ich Phil, der sich mit dem Zauberer mit dem zerrissenen Umhang duelliert.

'Jede Konfrontation vermeiden', hat der dunkle Prinz gesagt.

Leicht für dich zu sagen, denke ich finster. Wenn man auf mich schießt, kann ich nichts anderes tun, außer den Gefallen zu erwidern, tut mir leid.

Darüber nachdenkend, dass Laetitia verdammt schnell ist und hoffend, dass es ihr gut geht, erblicke ich sie endlich, wie sie in der Mitte der Straße auf mich wartet. Morgana sei Dank, ihr geht es gut. Ich packe sie unter dem Bauch und disappariere.