Sechsundzwanzigstes Kapitel - Jetzt wird es ernst

Wann immer die Freunde die nächsten Tage versuchten noch mehr Informationen über den so gefürchteten Lord Voldemort herauszufinden, es gelang ihnen einfach nicht. Ständig schlich Madame Pince um sie herum, ließ sie keine Sekunde aus den Augen.

Als James einmal nach einem Stapel alter Tagespropheten greifen wollte, stürmte sie sofort heran, riss sie ihm vor der Nase weg und sagte streng: „Ich glaube, ich habe mich letztens eindeutig ausgedrückt, oder? Das ist nicht für ihre Augen bestimm, Anordnung des Direktors."

Das machte sie alle nur noch stutziger. Warum sollte Dumbledore, der Mann, der immer die Wissbegierigkeit seiner Schüler über den Unterrichtsstoff hinaus gefördert hatte, angeordnet haben, seine Schüler von gewisse Büchern und Zeitungen fernzuhalten? Das konnten sie nicht glauben.

„Hmm… meint ihr nicht, dass wir vielleicht einfach mal mit einem Lehrer oder sogar mit Dumbledore sprechen sollten?", überlegte James.

„Und damit Hagrid in größte Schwierigkeiten bringen? Dumbledore ist nicht blöd und er weiß, dass wir oft bei ihm sind. Er wird sofort wissen, wo wir das her haben. Das wäre nicht fair, wir haben Hagrid versprochen, nichts zu verraten.", winkte Sirius ab. Er nahm seine Versprechen immer sehr ernst.

„Bist du denn gar nicht neugierig?"

„Natürlich, aber ich verrate meine Freunde nicht."

„Auch wieder lobenswert…"

„Uns bleibt wohl nichts übrig, als abwarten und hoffen, dass nichts Schlimmes passiert.", mischte sich jetzt Lily ein.

„Na wollen wir's hoffen.", murmelte James.

Am nächsten Morgen, als gerade die Eulen mit der alltäglichen Post herein flogen, beobachteten James und Sirius wie Professor Dumbledore ein sehr angeregtes Gespräch mit Professor Slughorn führte. Sie schienen sehr besorgt zu sein.

„Dumbledore macht aber keinen guten Eindruck, oder? Ich hab ihn noch nie so gesehen. Ob was passiert ist?", überlegte Sirius.

James zuckte nur mit den Schultern. Er hatte Hunger und wollte sich gerade wirklich keine Gedanken über irgendwelche Geschehnisse, die den Direktor sorgen könnten, machen.

„Ich glaub, er hat auch allen Grund dazu…", murmelte Lily und ließ langsam den Tagespropheten sinken, der ihr jeden Morgen gebracht wurde.

„Was denn los?", fragte Eowyna neugierig.

„Schaut", begann Lily, „ die große Schlagzeile auf der Titelseite:

Er ist zurück!

Was niemand je auszusprechen wagte, ist eingetreten. Wie in Fachkreisen schon lange vermutet wurde ist der, der nicht genannt werden muss in seine alte Heimat zurückgekehrt. Aus internen Kreisen des Zaubereiministeriums wurde bekannt, dass in den Führungsebenen des Ministeriums schon lange über eine Rückkehr des schwärzesten Magiers aller Zeiten spekuliert worden war.

Cornelius Fudge, Sprecher von Zaubereiministerin Millicent Bagnold sagte gegenüber dem Tagespropheten: 'Uns wurden immer wieder Meldungen gemacht, dass Ihr-wisst-schon-wer wieder Kontakt zu seinen alten Anhängern aufgenommen hat. Aber wer rechnet denn damit, dass die nicht verrückt geworden sind?'

Gestern gegen 22.30 Uhr bewies der, der nicht genannt werden muss jedoch, dass er tatsächlich wieder da ist und nichts von seiner Grausamkeit eingebüßt hat. Er suchte das Haus von Arnold Avery, einem ehemaligen Death Eater auf. Das Haus wurde verwüstet vorgefunden, die Familie Avery mit Ausnahme ihres Sohnes Attila, der sich zurzeit in Hogwarts befindet, wurde auf grausame Weise gefoltert und schließlich ermordet. Selbst die dreijährige Tochter Averys blieb nicht verschont. Über dem Haus errichtete der, der nicht genannt werden muss das Dunkle Mal. Anschließend tötete er acht Muggel, die ihm wahrscheinlich sahen, als er das Haus seiner Opfer verließ.

Ein Überlebender sagte: ‚So etwas habe ich noch nie gesehen. Diese Gestalt, sie war so unmenschlich, sie zeigte überhaupt keine Gefühlsregung. Nur seine roten Augen funkelten in der Dunkelheit. Sein Gesicht war maskenhaft verzerrt. Und plötzlich waren grüne Blitze überall, die aus einem Stock kamen, den er in der Hand hielt.'

Der Muggel wurde vorsorglich in das St. Mungo Krankenhaus für magische Krankheiten und Verletzungen gebracht.

Nun stellt sich allen Hexen und Zauberern natürlich die Frage: Wie wird es weitergehen? Wird ein Krieg ausbrechen? Ein Kampf Gut gegen Böse? Und vor allem wird es dem, der nicht genannt werden muss gelingen, seine alten Anhänger aus dem Ruhestand zu holen? Lesen sie:

Interview mir Rufus Scrimgeour, Vorsitzendem der Aurorenabteilung Seite 2

Die Geschichte des ihr-wisst-schon-wems Seite 3

Schreckenstaten von 1957-1964 Seite 5

Opfer der Grausamkeiten Seite 8

Bin ich ein potentielles Opfer? Seite 9

Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen Seite 11"

Es schien eine halbe Unendlichkeit einfach mucksmäuschenstill am Gryffindor Tisch zu sein. Einige schielten vorsichtig herüber zum Slytherin Tisch und versuchten einen Blick auf Attila Avery zu erhaschen. Aber sein Platz war leer, wie auch der ganze Tisch der Slytherins sehr verlassen aussah.

Niemand wusste, was er sagen sollte. Auf einmal war das alles so nah. Die Gefahr und der Schrecken, von dem ihre Eltern ihnen schon so manches Mal erzählt hatten. Aber niemand der unbefangenen Schüler hätte gedacht, dass sie jemals selbst von der Bedrohung des Dunklen Lords betroffen sein würden.

Schließlich erhob sich Albus Dumbledore, klopfte gegen seine Teetasse und räusperte sich:

„Liebe Schülerinnen und Schüler, ich nehme an, sie haben bereits dem heutigen Tagespropheten entnommen, dass Lord Voldemort in unsere Gegend zurückgekehrt ist. Ich habe das bereits seit einigen Wochen angenommen, aber leider gab es noch keine eindeutigen Beweise. Das ist auch der Grund, warum ich Ihnen meine Sorgen noch nicht mitteilte. Sie wissen ja, ich denke, dass sie alt genug sind und ein Recht darauf haben, die volle Wahrheit zu erfahren. Nun gut, sicher ist mit der Rückkehr Voldemorts nicht zu spaßen und es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass wieder grausame Dinge geschehen. Von den ersten haben sie gerade in der Zeitung gelesen. Trotzdem bitte ich Sie, keineswegs in Panik zu verfallen. In den Mauern des Schlosses sind sie sicher. Sorgen Sie sich nicht zu viel und versuchen Sie, das Beste aus der Situation zu machen. Die Auroren des Zaubereiministeriums arbeiten auf Hochtouren, um Voldemort möglichst schnell zu finden. Ich hoffe, Sie können sich trotz allem auf den Unterricht konzentrieren. Einen angenehmen Tag."

Die Freunde gingen schweigend nebeneinander her zum Verwandlungsunterricht. Schließlich brach Eowyna das Schweigen: „Verdammt noch mal, warum konnte der nicht bleiben, wo der Pfeffer wächst?"

„Das wär uns wohl allen lieber gewesen, aber was willst du machen?", fragte Lily schwach. Ihr hatte diese Nachricht ganz schön zugesetzt. Und vor allem tat ihr Avery leid. Er war zwar ein Slytherin und sein Vater war ein Death Eater gewesen, aber da konnte er ja nichts für. Und gleich seine Eltern und Geschwister zu verlieren, das wünschte sie niemandem.

„Ich werde Aurorin, wenn ich mit der Schule fertig bin und dann werde ich diesem Kerl und seinen verdammten Death Eatern ordentlich in den Hintern treten.", schnaubte Eowyna entschlossen.

„Eine Aurorin? Du?", fragte sie James skeptisch. Eowyna funkelte ihn böse an. „Ja ich. Hast du ein Problem damit?"

„Naja, aber du bist ein Mädchen…"

„Also das ist ja nun… In was für einem Zeitalter lebst du denn? Ich bin mindestens so gut wie du in der Schule und ich kenne viel mehr Zaubersprüche als du."

„Okay, okay, beruhige dich mal wieder. Jetzt warten wir erstmal ab. Das Ministerium hat ja auch schon genügend Auroren, bis wir mit der Schule fertig sind, ist das schon längst alles vorbei.", lenkte James ein.

„Da sei dir mal nicht so sicher. Das letzte Mal trieb er auch schon jahrelang sein Unwesen… und wenn er jetzt womöglich noch mehr gelernt hat… Ich mag gar nicht daran denken.", mischte sich Sirius ein, der bis dahin das kleine Wortgefecht zwischen seiner Freundin und seinem besten Freund belustigt mit angesehen hatte.

Die Verwandlungsstunde begann und selbst die sonst immer so perfekte McGonagall war nicht ganz bei der Sache.

„Professor, ich hab eine Frage!", meldete sich ein braunhaariges Mädchen aus Slytherin.

„Ja, was gibt es denn? Haben Sie Probleme mit der Aufgabe?", fragte Professor McGonagall zurück.

„Nein nicht mit der Aufgabe, aber Professor Dumbledore hat gesagt, wir wären innerhalb des Schlosses sicher. Aber wie kann er das so sicher behaupten?"

Lily seufzte. Warum las denn bloß niemand das Buch über die Geschichte Hogwarts? Auch Professor McGonagall schien nicht sehr begeistert über diese dem Thema doch so fremde Zwischenfrage.

„Auf den Schlossmauer liegen unzählige Schutzzauber, die die Schüler vor Eindringlingen schützen. Selbst der, der nicht genannt werden muss kann hier nicht ein- und ausgehen. Und jetzt zurück zum Thema. Sie haben die Ansprache des Direktors gehört. Machen Sie sich keine unnötigen Gedanken.", beruhigte die Lehrerin ihre Schüler müde.

Plötzlich klopfte es. „Herein:", antwortete Professor McGonagall, schwenkte ihren Zauberstab und öffnete so die Tür.

Ein Zweitklässler kam etwas schüchtern herein.

„Ähm, Professor Dumbledore schickt mich. Er möchte Remus Lupin umgehend in seinem Büro sprechen."

Professor McGonagall nickte kurz. „Gut Mr Lupin, Sie haben gehört. Bitte gehen Sie zu Professor Dumbledore."

Remus schaute ein bisschen unsicher. Was könnte der Direktor von ihm wollen? Sirius schaute ihn fragen an, aber Remus zuckte mit den Schultern und machte sich auf den Weg.